Kampf gegen die Ungewissheit

© Piper

Direkt im Kielwasser von Larssons „Millennium“-Trilogie auf Deutsch erschienen, gehört „Öland“ hierzulande zu den erfolgreichsten skandinavischen Spannungsromanen, dessen Stellenwert Autor Johan Theorin mit den nachfolgenden Titeln „Nebelsturm“ und „Blutstein“ in der früheren Vergangenheit noch zementierte. Gemeinsam mit dem vierten Band „Inselgrab“ bilden sie das so genannte „Jahreszeiten“-Quartett, welches, stets auf der schwedischen Insel Öland spielend, den üblichen Reißerelementen heutiger Krimis zuwiderläuft und sich stattdessen gänzlich auf die atmosphärische Beschreibung des Schauplatzes sowie das Zusammenspiel und die Innerlichkeit der Protagonisten konzentriert.

Ein Ansatz, den Theorin äußerst rigide verfolgt, der aber auch gleichzeitig dem Aufbau eines wirklichen Spannungsbogens nicht immer zuträglich ist. Daher gleich vorneweg: Wer temporeiche Action, Verfolgungsjagden, zerstückelte Leichen und Forensik-Blabla als unabdingbare Zutaten für eine gelungene Lektüre ansieht, sollte von „Öland“ und seinen Nachfolgern besser die Finger lassen. Bereits der Erstling widersetzt sich jeglichem Versuch des Pageturnings, bietet dafür aber ein düster-stimmungsvolles Ambiente. Und eine mit Bedacht, Ruhe und Einfühlungsvermögen vorgetragene Handlung, deren Stille lauter hallt als so manch blutrünstiger Thriller der noch höher gejubelten Konkurrenz.

Schweden, Mitte der 90er Jahre. Die Vergangenheit hat ihre Spuren bei Julia Davidsson hinterlassen. Seit mehr als zwanzig Jahren befindet sie sich im Ungewissen über den Verbleib ihres Sohnes Jens, der als damals Fünfjähriger unbeobachtet das Haus seines Großvaters auf Öland verließ und danach nie wieder gesehen wurde. Ein Verlust, den sie bis zum heutigen Tage nicht überwinden kann. Ebenso wenig wie sie die Erklärung der Polizei akzeptiert, welche das Verschwinden des Jungen als Unfall mit Todesfolge im Meer zu den Akten gelegt hat. Von ihrer Familie lebt Julia fast gänzlich isoliert. Besonders das Verhältnis zu ihrem Vater Gerlof, dem sie insgeheim die Schuld für den unglückseligen Verlauf der Ereignisse (er war vor dem Haus eingeschlafen) gibt, ist belastet. Das jahrelange vergebliche Hoffen erträgt sie inzwischen allein mithilfe von Alkohol und Anti-Depressiva. Umso schockierter ist sie, als sie eines Tages einen Anruf von Gerlof erhält. Ihm wurde anonym per Post eine Sandale zugeschickt. Jens‘ Sandale.

Die Nachricht reißt Julia aus ihrer Lethargie. Sie fährt nach Öland zu ihrem Vater, der dort gemeinsam mit seinem Freund Ernst Adolfsson schon seit längerer Zeit Nachforschungen angestellt und eine Theorie bezüglich Jens‘ Verschwinden hat. Die beiden Senioren glauben, dass Nils Kant den Jungen umgebracht haben könnte. Er galt schon immer als schwarzes Schaf der Insel, war aber zum Zeitpunkt des Unglücks schon viele Jahre tot. Oder hatte er es damals tatsächlich geschafft, seinen Tod vorzutäuschen? Ernst verspricht diesbezüglich einige neue Informationen. Doch als Julia und Gerlof ihn an seinem Arbeitsplatz, dem Steinbruch, treffen wollen, finden sie nur noch seine Leiche vor. Er wurde von einer seiner eigenen Skulpturen erschlagen. Aber war es überhaupt ein Unfall?

Dass die nordischen Kriminalromane in den seltensten Fällen ein Ausbund der heiteren Fröhlichkeit sind, ist mitunter bekannt – dennoch habe ich schon lange nicht mehr eine solch schwermütige, tieftraurige Geschichte gelesen, die, in einer scheinbar aussichtslosen Situation beginnend, im weiteren Verlauf immer wieder die Hoffnungen des Lesers torpediert, am Ende der Lektüre zumindest so etwas ähnliches wie ein Happyend vorzufinden. Tristesse ist die Grundstimmung „Ölands“, dessen titelgebender Schauplatz aber auch eben gerade dieses melancholische Element innewohnt. Geprägt vom rauen Klima und der schroffen, unwirtlichen Fauna ist die Insel seit jeher ein Ort, der es seinen Bewohnern schwer macht, welche ihr nur mit härtester Arbeit einen Ertrag abringen können. Bestes Beispiel dafür ist die Große Alvar, eine mit Gras und Büschen bewucherte Kalksteppe, die weite Teile des inneren Ölands bedeckt und in den kälteren Jahreszeiten für Ortsunkundige zur tödlichen Falle werden kann. Theorin, der selbst für einige Monate im Jahr die schwedische Insel bewohnt, erweckt diese Landschaft nicht nur äußerst eindringlich zum Leben, sondern nutzt auch ihre Eigenheiten, um die Geheimnisse im Fall von Jens‘ Verschwinden immer wieder zu verschleiern.

Dafür nimmt sich der Autor viel, manchmal zu viel Zeit. Fakt ist jedenfalls: Der Roman gewinnt seine Sogkraft in erster Linie durch diese bildreichen Beschreibungen, zumal Theorin sich den häufigen Fehler verkneift, einen halben Reiseführer aus seinem Werk zu machen. Dies wäre hier umso schwerwiegender gewesen, da die Protagonisten, allen voran die ewig suchende Mutter Julia, mich persönlich nicht so recht zu überzeugen wussten. Das mag vor allem daran liegen, dass deren Schicksalsschlag, so grauenvoll und einschneidend er ist, mir ein wenig zu häufig thematisiert wird und nach der Hälfte des Buches ein wenig den mitleidigen Charakter verliert. Stattdessen beginnt das dauernde Gejammer, besonders im Angesicht der Bemühungen ihres Vaters, an den Nerven des Lesers zu nagen. Gerlof andererseits ist der heimliche Gewinner des Romans. Auch weil Theorin uns mit ihm einen gänzlich neuen „Ermittler“ vorsetzt, der durch seine nautische Vergangenheit zu faszinieren weiß und zudem die Verbindung zwischen den parallel laufenden Handlungssträngen darstellt. Während der eine das Sandalen-Geheimnis näher verfolgt, führt uns der andere zurück bis in die späten 30er Jahre, wo wir, beginnend mit seinen ersten Untaten, einen jungen Nils Kant begleiten.

Die Polizei und andere Justizkräfte sind über weite Strecken des Romans außen vor, was der Handlung wiederum einen noch persönlicheren Charakter verleiht. So liest sich „Öland“ dann auch weniger wie ein klassischer Krimi, als vielmehr wie ein tragischer Familienroman, in dem es vor allem um die Verarbeitung eines möglichen Verbrechens geht – und nicht unbedingt um deren lückenlose Aufklärung. Das wird, wie die träge Erzählweise des Autors, sicher nicht jedermanns Sache sein. Ebenso wenig wie die Auflösung, die für mich persönlich jetzt nicht all zu viele Überraschungen bereit gehalten hat. Ein im Ganzen positives Fazit verhindert dies jedoch nicht.

Öland“ ist ein feinsinniger, gefühlvoller, aber auch sehr trauriger Spannungsroman, dessen zentrales Thema, der Kampf gegen die Ungewissheit, auch über das Ende der Lektüre hinaus beschäftigt. Ein wirklich gelungener Erstling.

Wertung: 85 von 100 Treffern

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  • Autor: Johan Theorin
  • Titel: Öland
  • Originaltitel: Öland / Skumtimmen
  • Übersetzer: Kerstin Schöps
  • Verlag: Piper
  • Erschienen: 03/2009
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 448 Seiten
  • ISBN: 978-3492253680
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Schreiber bleib bei Deinem Bären …

© Fischer

Nach gerade mal zwei Staffeln wurde sie eingestellt: Die Fischer Crime Classic-Reihe, welche sich in erster Linie auf die Veröffentlichung von vergessenen Perlen der „Goldenen Ära“ des Kriminalromans konzentriert und dabei viele lesenswerte Whodunits dem heutigen Leser wieder zugänglich gemacht hat. Einer davon ist „Das Geheimnis des roten Hauses“ von Alan Alexander Milne.

Es ist der einzige Krimi aus der Feder des Schöpfers von Winnie-the-Pooh, den wir in Form gleich mehrerer Disney-Abenteuer im Fernsehen erleben durften und dessen deutsche Übersetzung von Harry Rowohlt bis heute zu meinen persönlichen Highlights gehört. Seine Fußstapfen im Whodunit sind jedoch inzwischen für die Allgemeinheit mehr als unkenntlich, was insofern erstaunlich ist, da sich der Roman seit dem Erscheinen im Jahre 1922 in England und den USA prächtig verkauft hat. Und damit nicht genug: Das Buch gehört zu den jüngsten und wegweisendsten des Goldenen Zeitalters der Detektivgeschichte und verkörpert in vielen Punkten derart genau den Prototypen des englischen Landhauskrimis, das es Raymond Chandler, dem Mitbegründer des Hardboiled-Genres, zu einer harschen Kritik in seinem Werk „The Simple Art of Murder“ (1944) verleitet hat. Bei soviel bemerkenswertem ist es dann umso erstaunlicher wie unspektakulär das Buch selbst ausfällt.

Ein Landsitz, irgendwo im England der 20er Jahre. Im „roten Haus“ von Mark Ablett, einem Hobby-Schriftsteller und Förderer der schönen Künste, frönt man dem sorgenfreien Leben der Upper-Class und amüsiert sich prächtig bei Bowling und Golf. Marks stets wechselnde Gäste werden erstklassig bewirtet, weshalb die meisten über die Schrullen des snobistischen Hausbesitzers hinwegsehen. Die Vorteile überwiegen da eindeutig die Nachteile. Und wo sonst kann man kostenlos den Sommer derart entspannt genießen? Der Müßiggang wird allerdings jäh gestört, als Mark Nachricht von seinem Bruder Robert erhält, der nach fünfzehn Jahren im fernen Australien ein Wiedersehen feiern möchte. Feiern darf dabei in Anführungsstriche gesetzt werden, denn zwischen den Brüdern scheint keine große Liebe zu herrschen. Und auch die Tatsache, dass Mark seinen verschollenen Bruder nie erwähnt hat, spricht Bände.

Zufälligerweise nutzt Antony Gillingham, Freund von Marks Gast, Bill Beverly, denselben Zeitraum, um dem roten Haus einen Besuch abzustatten und wird dadurch unfreiwillig Zeuge eines dramatischen Zwischenfalls. Beim brüderlichen Aufeinandertreffen im verschlossenen Studio ist es zu einem Streit und letztendlich zu einem Schuss gekommen. Antony dringt gemeinsam mit Marks Sekretär und Cousin, Matthew Cayley, in den Raum ein, um dort die Leiche von Robert Ablett vorzufinden. Mit einer Kugel durch den Kopf getötet. Vom Hausherrn Mark Ablett fehlt jede Spur. Auf Antonys Drängen hin wird die Polizei verständigt, welche sofort Mark zum Hauptverdächtigen erklärt. Doch Antony hat Zweifel. War es wirklich Mord? Oder war es nur ein Akt in Notwehr? Stets auf der Suche nach neuen beruflichen Aufgaben betätigt sich Antony kurzerhand als Detektiv und stellt gemeinsam mit Freund Bill Beverly Nachforschungen an. Und mit jeder Stunde zieht sich die Schlinge enger um den Hals des Täters …

Ein klassisches englisches Landhaus, eine illustre Gesellschaft, ein Mord in einem verschlossenen Raum. Die üblichen Zutaten für einen Krimi-Vertreter der Goldenen Ära, derer sich schon die Genregrößen Christie, Sayers und Carr mit Perfektion bedienten, verwendet auch in Milne in seinem einzigen Krimi-Werk. Trotzdem möchte er sich von der Konkurrenz abgegrenzt wissen. In seinem Vorwort kritisiert er die oft nicht nachvollziehbare Handlung vieler Krimi-Autoren, welche mit aufgesetzten Wendungen und lieblichen Tändeleien die inhaltlichen Gräben ihrer Plots zu übertünchen versuchen. Seiner Ansicht nach sollte der Leser stets an den Überlegungen des ermittelnden Detektivs, der möglichst realitätsnah charakterisiert werden sollte, teilhaben können und zu jeder Zeit denselben Wissensstand wie dieser aufweisen. Was für ihn nur das Konzept für eine einmalige Sache war, wurde letztlich zum Vorläufer der „Zehn Regeln für einen fairen Kriminalroman“, welche Robert A. Knox sieben Jahre später niederschrieb und als Aufnahmegrundlage für den Londoner Detection Club formulierte.

Aber ist ein fairer Krimi auch immer ein guter Krimi? Eine Frage, die man sich nach der Lektüre von „Das Geheimnis des roten Hauses“ sicherlich stellen muss, da gerade dieser zitierte „gleiche Wissensstand“ nicht immer mit dem Lesespaß und der Spannung in Einklang zu bringen ist. Milnes Plot ist stringent und perfekt konstruiert. Allerdings auch derart offensichtlich konstruiert, das ein jeder schon ziemlich früh den wahren Täter enträtselt hat und eigentlich nur noch auf die abschließenden Erklärungen des Detektivs wartet. In bester „Columbo“-Manier wird schon zu Beginn der Blick der „Kamera“ nur auf eine Person gerichtet, wohingegen der Rest von Marks Gästen bereits nach wenigen Seiten in der Handlung ein Schattendasein fristet. Das man die Lektüre trotzdem weiterhin – zumindest streckenweise – genießen kann, liegt vor allem an Antony Gillingham und Bill Beverly, welche in ihrem intellektuellen Zusammenspiel die Holmes/Watson-Beziehung persiflieren und die Mördersuche kurzerhand zu einem sportlichen Wettbewerb umdeuten.

Bist du bereit, mein Watson zu sein? (…) Bist du bereit, dir ziemlich offensichtliche Dinge erklären zu lassen, nichtige Fragen zu stellen, dich übertrumpfen zu lassen und brillante Entdeckungen zu machen, und zwar zwei oder drei Tage später als ich? Das wäre nämlich eine große Hilfe.

Die Polizei bleibt dabei, wie in so vielen Whodunits, nicht nur außen vor, sondern zeigt sich abermals als unfähiger Justizapparat. Chandlers Kritik wird besonders in solchen Passagen äußerst nachvollziehbar.

Letztlich rettet diesen Krimi die oben bereits genannte Figurenzeichnung sowie die erfrischende Kürze. Die wenigen Seiten befassen sich einzig und allein mit der Ermittlung im Mordfall. Bremsende Nebenschauplätze oder gar die üblichen amourösen Liebesbeziehungen sucht man (gottseidank) vergebens. Am Ende interessiert dann weniger die Identität des Täters, sondern vielmehr die Auflösung seines Vorgehens. Diese kann zwar in wenigen Elementen überraschen, was jedoch auch ironischerweise daran liegt, das dem Leser bis zum Schluss ein äußerstes wichtiges Detail für das mögliche Motiv vorenthalten wird. Soviel also zum Thema Fairness.

Das Geheimnis des roten Hauses“ ist ein aus kriminalliteraturhistorischer Sicht lohnenswerter, aber gleichzeitig unspektakulärer Kriminalroman des Goldenen Zeitalters, der auch aufgrund des informativen Nachworts von Lars Schafft in erster Linie Freunden des klassischen Whodunits ans Herz gelegt sei.

Wertung: 78 von 100 Treffern

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  • Autor: Alan Alexander Milne
  • Titel: Das Geheimnis des roten Hauses
  • Originaltitel: The Red House Mystery
  • Übersetzer: Elisabeth Simon
  • Verlag: Fischer
  • Erschienen: 12/2008
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 198 Seiten
  • ISBN: 978-3596182459

The needle tears a hole, the old familiar sting …

© Rowohlt

„Ich lebe vom Schreiben, aber ich mag Schriftsteller nicht besonders. Marcel Proust? Kenn ich nicht, interessiert mich nicht. Ich bevorzuge Boxer, Huren und Gauner. Da bin ich zuhause, da fühl ich mich wohl.“

Treffender als mit Nelson Algrens eigenen Worten könnte man wohl kaum beschreiben, was den Leser erwartet, wenn er zu einem Werk des US-Amerikaners greift, den Ernest Hemingway einst äußerst unbescheiden als „zweitbesten Autor“ und „Nachfolger“ bezeichnete.

Zeit ihres Leben schrieben diese zwei „Alpha-Tiere“ sich Briefe in gegenseitiger Wertschätzung, sowohl was den Inhalt als auch den Stil des jeweils anderen anbelangte. Die große Popularität Hemingways, vor allem außerhalb der Staaten, erreichte Algren, der für „Der Mann mit dem goldenen Arm“ im Jahr 1950 den National Book Award erhielt, letztlich aber nie. Und so hat selbst der Tod, welcher ihn am 9. Mai 1981 ereilte, einen gewissen ironischen Zug. Algren, der die Aufnahme in die American Academy of Arts and Letters feiern wollte, starb noch bevor die ersten Gäste eintrafen. Der Legende nach fand man ihn auf dem Küchenfußboden liegend mit einem Whiskey-Glas in der Hand. Ein Ende, wie es wohl auch Hemingway gefallen hätte.

Hierzulande ist der „zweitbeste Autor“ augenscheinlich in Vergessenheit geraten. Die letzten Auflagen seiner Werke sind inzwischen fast zwei Jahrzehnte alt und allesamt vergriffen. Und es deutet auch nichts daraufhin, dass Algren auf dem deutschen Buchmarkt nochmal Ehre erwiesen wird. Das wäre aber im Grunde genauso ungerecht wie der Umstand, dass man mit Algren in erster Linie den Mann verbindet, der Simone de Beauvoir zu ihrem ersten Orgasmus verhalf (Was meinerseits eher ein Grund wäre, ihn nicht zu lesen, kann ich doch mit der guten Dame und ihrem Geschreibsel so rein gar nichts anfangen). Dennoch muss ich nach meinem ersten Roman von diesem Autor, „Der Mann mit dem goldenen Arm“, konstatieren: Die ganz große Begeisterung konnte er nicht auslösen. Und das obwohl Sujet und Sprache durchaus vollkommen meinem Geschmack entsprechen.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Kleinganove Frankie Majcinek, von allen nur „Frankie Machine“ genannt, der seit Rückkehr aus dem Krieg sein Leben im polnischen Viertel von Chicago fristet. Um mit seiner Frau Sophie, welche an den Rollenstuhl gefesselt ist, über den Runden zu kommen, verdingt er sich als Kartengeber in einer Hinterzimmerspelunke. Der Großteil seines überschaubaren Gehalts geht allerdings für Morphium drauf, das er sich regelmäßig in die Adern seines „goldenen Arms“ jagt, weswegen auch sein Traum vom berühmten Schlagzeuger in weite Ferne rückt. Und auch das nächstmögliche Ziel, endlich das Viertel hinter sich zu lassen, scheint zum Scheitern verdammt. Hinzu kommt das Verhältnis zu Molly Novotny, welches droht die Ehe mit Sophie endgültig zu ruinieren. Verzweifelt sucht Frankie einen Ausweg … doch Chicago lässt seine Gauner nicht so schnell aus seinen Fängen.

Nelson Algrens Roman vermischt die schillernde Beschreibung der Welt des Verbrechens in Kolportageliteratur und Sensationsjournalismus mit dem aufklärerischen Eifer einer soziologischen Untersuchung. Er zeichnet ein düsteres, hoffnungsloses Bild der amerikanischen Hinterhöfe der 40er Jahre, ein Bild vom Leben der Gestalten im Schatten, die sich nur mit verkniffenen Augen ins Tageslicht wagen und ansonsten die Dunkelheit für ihre Tätigkeiten vorziehen. Algren musste hier nie viel seiner Fantasie spielen lassen, hat er doch selbst an diesen Orten gelebt, wodurch sich letztlich auch die eindrückliche Prosa erklären lässt, die streckenweise derart plastisch gerät, dass man als Leser meint den Alkohol schmecken und das Nikotin riechen zu können. Und trotz dieser äußerst naturalistisch gestalteten Darstellungen Algrens, bleibt stets dieses Element der Distanz, welche der Autor durchgängig hält. Anstatt wie viele seiner Kollegen und auch literarischen Nacheiferer die Figuren für sich sprechen zu lassen, hält er das Zepter der Handlung in der Hand, berichtet als auktorialer Erzähler. Vielleicht ein Grund warum diese Synthese aus Zwielicht und hehrer Gesinnung mich nicht so recht zu packen vermochte.

Tatsache ist jedenfalls: So überzeugend Algrens Milieubeschreibungen und die Umstände der Figuren sind, so wenig blieben mir letztere nach Beendigung der Lektüre in Erinnerung. Algrens großes Talent, mittels seiner respektvollen, aufmerksamen Sprache die herzzerreißende Würdelosigkeit der heruntergekommenen Bars, billigen Absteigen und klammen Gehsteige zu betonen, ist für mich auch gleichzeitig der auffälligste Makel. Und zwar ganz einfach, weil der Autor kein Ende findet. „Der Mann mit dem goldenen Arm“ war für mich letztlich mindestens hundert Seiten zu lang, die x-te Beschreibung von ein und derselben Schäbigkeit führt bald zur Übersättigung. Wo Bukowski, Céline oder Price immer wieder neue Facetten hervorheben, klingt das Ganze hier stark nach einer Schallplatte, bei der die Nadel hängt und stets den gleichen Ton spielt. Und das teils so extrem und bombastisch, dass aus Musik bald Lärm wird.

Dennoch gilt „Der Mann mit dem goldenen Arm“ zu Recht zu den Romanen, die man gemeinhin unter dem Prädikat Klassiker führt. Chicago, das große Thema Algrens, wurde seitdem nur noch selten aus einer solchen Perspektive betrachtet. Und dann auch nicht außerhalb des Kriminalroman-Genres.

Der Roman ist eine düster-schwarze, hoffnungslose Milieustudie ohne größeren Spannungsbogen, bei der die Schicksale der Figuren durchweg nur in eine Richtung zeigen: nach unten. Eine Empfehlung für alle Freunde des realistischen Großstadtromans, für die Unterhaltung und der Erlebniseffekt nicht die wichtigsten Punkte auf ihrer Leseagenda sind. Für mich bleibt das Buch einer der wenigen Titel, wo mir die Verfilmung tatsächlich besser gefallen hat, als ihre Vorlage. Ol‘ Blue Eyes sei Dank.

Wertung: 83 von 100 Treffern

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  • Autor: Nelson Algren
  • Titel: Der Mann mit dem goldenen Arm
  • OriginaltitelThe Man with the Golden Arm
  • Übersetzer: Carl Weissner
  • Verlag: Rowohlt
  • Erschienen: 1996
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 471 Seiten
  • ISBN: 978-349913683

Dead before dying

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© Aufbau

Seit über dreizehn Jahren wird der südafrikanische Schriftsteller Deon Meyer nun hierzulande bereits veröffentlicht – und rückblickend betrachtet muss man dies als eine absolute Erfolgsgeschichte bezeichnen, hat er doch nicht nur unheimlich viele Leser in Deutschland für sich gewonnen, sondern auch gleichzeitig dafür gesorgt, dass Kriminalromane aus der „Regenbogennation“ inzwischen vom heimischen Buchmarkt nicht mehr wegzudenken sind bzw. nicht mehr nur als Exot, sondern als etablierter Schauplatz wahrgenommen werden.

Ein großes Verdienst, welches wiederum der Qualität dieses Autors geschuldet ist, der – anfänglich noch vom Aufbau-Verlag als „südafrikanischer Mankell“ plakatiert – den Vergleich mit den ganz Großen des Genres mitnichten zu scheuen braucht. Ganz im Gegenteil: Insbesondere die Gegenüberstellung mit dem Erfinder von Kurt Wallander hinkt, da meines Erachtens Meyer weit facettenreicher und wandlungsfähiger daherkommt, als der sicherlich Maßstäbe setzende, aber irgendwann auch viel zu schwermütige und zähflüssig schreibende Schwede. Eine Meinung, über die sich streiten lässt und die sicherlich nicht jedermann teilt, welche aber das Kaliber des vorliegenden Autors unterstreichen soll, der mir, bei allem Erfolg, in Leserkreisen immer noch zu sehr unter dem Radar segelt. Ein Umstand, den diese Besprechung ja vielleicht zumindest in geringem Maße ändern kann, wenngleich sie eine Überarbeitung bedurfte, da ich – zehn Jahre nach meiner ersten Lektüre des Buches – mit den damals angelegten Maßstäben sowie der letztlichen Ausarbeitung nur bedingt zufrieden war. Insofern: Auf ein Neues, bei diesem inzwischen doch etwas älteren Titel, endete doch die Apartheid gerade mal zwei Jahre vor der Erstveröffentlichung von „Der traurige Polizist“. Ein Ende der Apartheid, das jedoch nicht das Ende von Rassismus und Ungerechtigkeit implizierte, was sich auch im Plot widerspiegelt, welcher hier kurz angerissen sei:

Mat Joubert, Captain bei der Mordkommission der South African Police, ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Der Tod seiner Ehefrau vor gut zwei Jahren – sie starb als Drogenfahnderin in einem Undercover-Einsatz – hat ihn völlig aus der Bahn geworfen, seinen Elan erstickt und droht ihn nun auch beruflich zu erledigen, da seine Leistungen im Dienst zunehmend unter den Depressionen leiden. Gedanken an Selbstmord kommen ihm und konkretisieren sich, als er einen Kollegen im Einsatz gefährdet und eine Abmahnung erhält. Soll er dem Ganzen ein Ende bereiten? Bevor er sich zu einer Entscheidung durchringen kann, kommt es zu einem Wechsel an der Spitze der Mordkommission in Kapstadt. Mit Colonel Bart de Wit bekleidet nun ein Schwarzer den Posten des Abteilungsleiters. Als Protegé der ANC hat er, trotz fehlender Erfahrung in praktischer Polizeiarbeit, jegliche Freiheiten und nutzt diese von Beginn an, um in seinen Augen für Gleichheit in der Truppe zu sorgen. So wird allen Detectives ein spezielles Trainingsprogramm für mehr körperliche Fitness verordnet. Joubert, mit mittlerweile miserabler Aufklärungsquote, Raucherlunge und Übergewicht, ist ihm besonders ein Dorn im Auge. Er wird auf strikte Diät gesetzt und zu der Polizeipsychologin Hanna Nortier geschickt.

Während er sich nur langsam aus seinem seelischen Loch herausarbeitet und überdies noch Gefühle für Hanna Nortier zu entwickeln beginnt, versetzt eine mysteriöse Mordserie ganz Kapstadt in Aufregung. Die Mordwaffe: Eine deutsche Mauser aus dem 19. Jahrhundert. Die Opfer: Auf den ersten Blick nicht miteinander in Verbindung zu bringen. Die Ausführung: Eiskalte Hinrichtung. Ausgerechnet Joubert wird nun mit der Leitung der Ermittlung betraut. Für ihn die letzte Chance als Cop und als Mensch einen Neuanfang zu schaffen …

Deon Meyers zweiter Roman (Sein Erstling „Wie Met Vuur Speel“ ist bis dato noch unübersetzt) „Der traurige Polizist“ erschien – wie alle seine Werke – zuerst in Afrikaans, unter dem Namen „Feniks“, um anschließend ins Englische (hier lautet der Titel „Dead before Dying“) und von dort wiederum ins Deutsche übersetzt zu werden. Ein durchaus ungewöhnlicher Vorgang, welcher aber wohl nicht zum Schaden des Buches war, wirkt doch die vorliegende Übersetzung trotz der doppelten Übertragung mehr als stimmig und scheint kein bisschen der originalen Essenz verloren zu haben. Und diese ist vielleicht nicht das, was man angesichts der obigen Kurzbeschreibung erwarten würde, denn trotz der mittlerweile endgültig zu Tode gerittenen Serienmörder-Thematik hat dieses Werk aber mal so gar nichts mit den 0815-Thrillern der Neuzeit gemein.

Während die Konkurrenz nichts unversucht lässt, um sich gegenseitig mit immer perfideren Mordmethoden und noch kränkeren Soziopathen zu übertreffen, bleibt Meyer mit beiden literarischen Beinen ganz fest auf dem Boden. So sehr Matt Joubert auf den ersten Blick all den anderen von Verlusten getroffenen, depressiven Ermittlern auch ähnelt – Deon Meyer verwehrt sich hier jeglicher künstliche Ausschmückungen, nimmt sich viel Zeit für seinen Protagonisten und schildert dessen Situation rundweg glaubhaft. Und diese ist vor allem zu Beginn des Buches äußerst verzweifelt, so dass sich relativ schnell ein enger Bezug zu Joubert herstellt, was insofern erstaunt, da er eigentlich nicht allzu viele sympathische Züge mit sich bringt.

Gekennzeichnet vom Verlust seiner Frau pflegt er die Verwahrlosung seiner eigenen Person mit genauso viel Hingabe, wie das Selbstmitleid, was nicht nur auf Seiten seines neuen Vorgesetzten Bart de Wit Zweifel aufkommen lässt, ob er für den Polizeidienst überhaupt noch taugt. Joubert ist gebrochen, zurechtgestutzt, am Boden. Und doch ist da auch irgendetwas zwischen all dem Schmerz, das uns hinschauen lässt, das den Leser bannt – inmitten all der Dunkelheit, denn „Der traurige Polizist“ kultiviert – wie der Name schon vermuten lässt – eine äußerst gedrückte und düstere, ja manchmal beinahe noireske Stimmung, welche wiederum nur dann überrascht, wenn man nicht weiß, dass Deon Meyer u.a. John D. MacDonald zu seinen großen Vorbildern zählt. MacDonald gehörte zu den Spannungsautoren, welche Anfang der 70er den Hardboiled in eine neue Ära führten. Weg von Fedora, Trenchcoat und dem getriebenen Private-Eye, hin zu Romanen, die mehr „plot driven“ waren und weit komplexere Figuren beinhalteten. Meyer greift diesen Faden auf, legt wie MacDonald unheimlich viel Wert auf die Dreidimensionalität der Charaktere und versucht – wie dieser mit dem vom Vietnam-Krieg verunsicherten Amerika der damaligen Zeit – das Südafrika nach Ende der Apartheid gesellschaftskritisch zu erfassen.

Sprachlich ist das – ebenfalls wie bei MacDonald – ein absolutes Vergnügen für den Leser, den Deon Meyer mit unvergleichlicher Stimme in seine Geschichte zieht. Und das mit einer Beiläufigkeit, welche angesichts der Tatsache, dass es sich hier erst um sein zweites Buch handelt, umso mehr beeindruckt. Meyer beherrscht das Handwerk – wohlgemerkt ohne stilistisch große Experimente wagen. Oder besser wagen zu müssen, denn „Der traurige Polizist“ liest sich auch ohne Staffage und Schnörkel wie aus einem Guss. Auch weil der Plot Seite um Seite mehr Atmosphäre und vor allem Südafrika atmet, funktioniert der Roman doch nur deshalb so gut, eben weil er in Kapstadt angesiedelt und würde – an einen anderen Schauplatz verlegt – ein Gros seiner Intensität verlieren. Diese reißt im Verlauf der Lektüre jegliche Barrieren zwischen Leser und Buch nieder, und entlädt sich in einem verstörenden Finale, welches schwer schlucken lässt und wohl nur ganz eiskalte Herzen nicht berührt. Meyers Feingefühl für die richtige und doch auch folgerichtige Auflösung – es kann gar nicht hoch genug gelobt werden.

Die Bewerbung von „Der traurige Polizist“ als simpler Thriller – das ist Understatement pur, denn dieses Werk ist soviel mehr als das. Ein filigraner und doch auch mitunter brachialer, gefühlvoller und eiskalter Police Procedural, der die Veränderungen im neuen Südafrika aufs Trefflichste abbildet und gleichzeitig im Segment der anspruchsvollen Spannungsliteratur neue, tiefe Fußspuren hinterlassen hat. Und für alle, die Deon Meyer bereits kennen: Ja, auch dieses Frühwerk ist unbedingt lesenswert – und das nicht nur, weil die spätere Serienfigur Bennie Griessel hier ihren ersten kleineren (und doch auch für die Geschichte wichtigen) Auftritt hat.

Wertung: 93 von 100 Treffern

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  • Autor: Deon Meyer
  • Titel: Der traurige Polizist
  • Originaltitel: afrikaans: Feniks / englisch: Dead before Dying
  • Übersetzer: Ulrich Hoffmann
  • Verlag: Aufbau
  • Erschienen: 04/2014
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 452 Seiten
  • ISBN: 978-3746630502

+++ Der Vorschau-Ticker – Frühjahr/Herbst 2018 – Teil 7 +++

Auf den letzten Drücker nun der letzte Ticker – zumindest was den Spannungsroman anbelangt, denn wer unsere kriminelle Gasse schon etwas länger kennt, weiß, dass wir auch abseits von Thriller, Whodunit und Co. allzu gerne wildern und dementsprechend für die Belletristik ebenfalls eine Auswahl unserer interessantesten Titel präsentieren werden. Doch vorher stecken wir die Nase wie gesagt nochmal in die dunklen Ecken der Literatur. Und das vielleicht sogar ganz unter der Prämisse „Das Beste kommt zum Schluss“, denn was Pendragon, Liebeskind, Ariadne/Argument und Alexander in ihren Vorschauen auffahren, unterstreicht einmal mehr, dass die Kleinen beim Auge für herausragende Kriminalromane den Großen so langsam den Rang abgelaufen haben.

Beispielhaft dafür steht vor allem Wallace Stroby. Für mich die bis dato größte Entdeckung von Günther Butkus, denn sowohl „Kalter Schuss ins Herz“ als auch „Geld ist nicht genug“ wussten nachhaltig beeindrucken. Mehr noch: Hier hat sich jemand längst in den engsten Kreis meiner Lieblingsautoren geschrieben. Auch weil Serien-Anti-Heldin Crissa Stone nicht bereits ausgelatschte Pfade betritt, sondern ihren ganz eigenen Charakter mit in das Genre bringt. Knallhart und doch verletzlich. Berechnend und doch auch loyal. Die Zerrissenheit zwischen dem, was das Herz sagt und was es erfordert, um ein Verbrechen zu begehen – dies macht Stone einzigartig. Dementsprechend freue ich mich unheimlich auf „Fast ein guter Plan„. Und lege hier jedem nochmal nah, den Einstieg in diese Reihe unbedingt zu wagen!

Wer jetzt die beiden James Lee Burke-Titel näher betrachtet und denkt „Moment mal, das sind doch keine Neuerscheinungen!“, der hat durchaus recht. Mit „Im Schatten der Mangroven“ und „Im Dunkel des Deltas“ spendiert uns der Pendragon Verlag zwei Neuauflagen – allerdings zwei auf die viele Burke-Fans, und natürlich auch ich selbst, lange gewartet haben, denn erstens werden mit den beiden Titeln innerhalb der Reihen-Chronologie weitere Lücken geschlossen, zweitens gehört insbesondere „Im Dunkel des Deltas“ zum Besten, was der ohnehin nicht für Rohrkrepierer bekannte James Lee Burke zu Papier gebracht hat. Und auch wenn sich beim ein oder anderen inzwischen eine gewisse Übersättigung angesichts der vielen Veröffentlichungen eingestellt hat – es lohnt. Außerdem bedarf es der anhaltenden Unterstützung, damit Günther Butkus sein Projekt, alle Robicheaux-Bände zu bringen, auch stemmen kann.

Mit „Red Grass River“ von James Carlos Blake geht diesmal der Liebeskind-Verlag ins Rennen (weitere Titel des Verlages haben es in unsere Belletristik-Auswahl geschafft). Als Jochen König, Susanne Fink und ich uns im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse über das kommende Programm unterhalten haben, wurde mir einmal klar, wieviel dieses vergleichsweise kleine Verlagshaus in den letzten Jahren richtig gemacht hat. Und vor allem warum. Jürgen Christian Kill, Susanne Fink und Marion Hertle sind die Trüffelschweine in diesem Geschäft. Woran andere achtlos vorbeilaufen, das wird hier nicht nur ansprechend in Szene gesetzt und hervorragend lektoriert, sondern schafft auch meist das Kunststück, prägend in Erinnerung zu bleiben. Carlos Blake ist dies bereits mit zwei knallharten Western gelungen. Nun geht es in das Florida der Prohibitionszeit. Wer mich kennt, der weiß, dass ich hier zugreifen muss.

Etwas das ich jetzt endlich auch bei Denise Mina zu tun gedenke, deren bisher bei Heyne erschienene Bücher ich all die Jahre – trotz lobpreisender Kritiken im Feuilleton – links liegen gelassen habe. Warum? Schwer zu sagen. Mit Autoren wie u.a. Ian Rankin, Mark Billingham oder Zoe Beck hat sie gleich mehrere von mir geschätzte Unterstützer – und dennoch setzte bereits meist bei der Lektüre des Klappentextes das Stirnrunzeln ein. Irgendwie wurden da dann doch die richtigen Knöpfe eben nicht gedruckt. Da die gute Zoe aber diesmal selbst für die Übersetzung verantwortlich zeichnet (und schon in Karan Mahajans „In Gesellschaft kleiner Bomben“ einen wortwörtlichen Bombenjob gemacht hat) und es mich derzeit noch mehr als sonst gen Schottland (Warum, dazu bald mehr hier) ziert, wandert „Blut Salz Wasser“ im April ins Regal. Schön übrigens, dass Ariadne/Argument jetzt hier das Ruder übernommen hat (wobei Frau Beck sicher auch hier ihre Finger im Spiel hatte 8-) ). Besser kannst du als Krimi-Autorin kaum aufgehoben sein.

Im selben Verlag erscheinen seit Jahren auch die Bücher von Dominique Manotti, über die ich an dieser Stelle gar nicht allzu viele Worte verlieren will, sollte die Qualität der bisher veröffentlichten Titel doch für sich sprechen. Mehr am Puls der Zeit kann Kriminalliteratur kaum sein. Und unter die Haut gehender und sprachlicher beeindruckender wohl ebenso nicht. „Kesseltreiben“ ist ein absoluter Muss-Kauf. Jedem, der Manotti immer noch nicht kennt, empfehle ich zudem, diese Lücke schnellstmöglich zu schließen.

Ein Statement, das sich eins zu eins für Ross Thomas übernehmen lässt, den der Alexander Verlag seit Jahren in einer eigenen Edition wiederveröffentlicht und dem deutschsprachigen Publikum damit nach und nach den für mich besten Politthriller-Autoren zugänglich macht. Wie alle anderen Werke, so wandert auch „Wenn du nicht brav sein kannst“ in mein Regal.

Was könnte euch aus dieser Liste in Versuchung bringen?

  • Wallace Stroby – Fast ein guter Plan (Broschiertes Taschenbuch, Februar 2018 – Pendragon Verlag – 978-3865326072)
  • Inhalt: Eine halbe Million Dollar aus Drogendeals, bewacht von drei skrupellosen Kerlen mit automatischen Waffen. Für die Berufsverbrecherin Crissa Stone und ihr Team gehört der Raub des Geldes noch zu den einfachsten Übungen. Als das Aufteilen der Beute schiefgeht, entkommt Crissa dem Kugel­hagel allerdings nur knapp. Mit einem Seesack voll gestohlenem Geld befindet sie sich auf der Flucht.
    Gejagt wird sie von brutalen Handlangern eines Drogenbosses und einem ehemaligen Cop aus Detroit, der seine eigenen tödlichen Pläne verfolgt. Crissa will ihnen das Geld auf keinen Fall überlassen. Auch als sie und ein Kind in Lebensgefahr geraten und ihre Verfolger sie in die Enge treiben, kämpft Crissa weiter.
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© Pendragon

  • James Lee Burke Im Schatten der Mangroven (Broschiertes Taschenbuch, April 2018 – Pendragon Verlag – 978-3865326027)
  • Inhalt: In den Atchafalaya-Sümpfen ist ein jahrzehntealtes Skelett aufgetaucht. Das jedenfalls behauptet der große Filmstar Elrod Sykes. Detective Dave Robicheaux schenkt der Geschichte zunächst keine Beachtung. Denn er hält es für fraglich, ob Sykes, der für seine Trunksucht bekannt ist, tatsächlich ein menschliches Skelett gefunden hat. Doch dann gerät Robicheaux ins Grübeln: Vor 35 Jahren war er in den Sümpfen Zeuge eines kaltblütigen Mordes an einem Schwarzen. Der Mörder konnte allerdings nie identifiziert werden und auch die Leiche wurde nie gefunden. Robicheaux entschließt sich, den alten Fall noch einmal aufzurollen. Eine Spur führt ihn direkt zu einem Schulfreund.
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  • James Lee Burke – Im Dunkel des Deltas (Broschiertes Taschenbuch, Mai 2018 – Pendragon Verlag – 978-3865326034)
  • Inhalt: Seit über hundert Jahren lebt die schwarze Farmerfamilie Fontenot auf einer Plantage in der Nähe von New Orleans. Doch jetzt will man sie von dem gepachteten Stück Land vertreiben. Detective Dave Robicheaux kümmert sich darum und stößt auf die zwielichtigen Machenschaften des Giacano-Clans. Schnell verstrickt er sich selbst in das wirre Geflecht der undurchsichtigen Verbindungen. Erste Anhaltspunkte findet er in einem Notizbuch, das ihm Sonny Boy Marsallus, ein Dealer und Spieler zwischen den Fronten, auf der Flucht vor dem Clan anvertraut. Bald fließt das erste Blut …
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  • James Carlos Blake – Red Grass River (Hardcover, Februar 2018 – Liebeskind Verlag – 978-3954380879)
  • Inhalt: John Ashley und Bobby Baker sind Todfeinde. Der eine, Spross einer Familie von Schwarzbrennern, ist der berühmteste Schmuggler und Bankräuber im Florida der Prohibitionszeit. Der andere, Gesetzeshüter aus einer Familie von Gesetzeshütern, treuer Ehemann und liebevoller Vater, verkörpert für viele Recht und Ordnung in einer florierenden Wohlstandsgesellschaft, die ihre archaischen Wurzeln vergessen machen will. Doch niemand ist der, der zu sein er vorgibt, und das Recht ist nicht immer auf der Seite des Gesetzes. Besonders, wenn die Mafia aus Chicago nach Florida drängt, um ein Stück vom Kuchen abzubekommen. Immer wieder kreuzen sich die Wege von John Ashley und Bobby Baker, gewaltsam und unvermeidlich, bis einer von beiden in einem Hinterhalt auf dem Dixie Highway in Richtung Jacksonville zu Boden geht …
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© Liebeskind

  • Denise Mina – Blut Salz Wasser (Hardcover, April 2018 – Argument/Ariadne Verlag – 978-3867542302)
  • Inhalt: Iain Fraser stammt aus Helensburgh. War lange weg, eine Haftstrafe absitzen. Jetzt ist er zurück. Und muss tun, was sein Boss von ihm erwartet, egal wie, egal was. Aber eine arglose Frau zu töten ist verdammt finster. Das wird Iain nicht mehr los. Inzwischen steht Detective Inspector Alex Morrow vor einem Rätsel. Die von der Polizei überwachte Roxanna Fuentecilla ist verschwunden – sehr peinlich, zumal die Spanierin in einen Fall von Wirtschaftskriminalität verwickelt ist, der dem frisch verschlankten Budget der zuständigen Ermittlungsabteilung helfen sollte. Die Leiche, die im Loch Lomond treibt, ist jedoch nicht die der Gesuchten. Morrow hat also zusätzlich einen Mordfall am Hals. Und der führt sie nach Helensburgh …
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  • Dominique Manotti – Kesseltreiben (Hardcover, Mai 2018 – Argument/Ariadne Verlag – 978-3867542319)
  • Inhalt: Commandant Noria Ghozali, 25 Berufsjahre bei der Polizei, zuletzt in der Terrorbekämpfung des französischen Inlandsgeheimdiensts, fällt in Ungnade, als ihr jüngerer Bruder nach Syrien in den Djihad zieht, und wird in die randständige Abteilung »Unternehmenssicherheit« versetzt. Dort verfolgt man aktuell die Aktivitäten um den ­Orstam-Konzern, französischer Weltmarktführer im Kraftwerksbau von natio­naler strategischer Bedeutung. Am Flughafen JFK wird ein Orstam-Manager verhaftet – Vorwurf: Bestechung beim Indonesiengeschäft. Eine konzertierte Aktion von amerikanischer Justiz, CIA, NSA und Unternehmerkreisen?
    In Paris bleibt es seltsam still: Der Orstam-Chef hüllt sich in Schweigen, die Regierung bleibt untätig. Ein interessierter Konkurrent, die amerikanische Power Energy, streckt bereits seine Finger nach Orstam aus. Während Noria Ghozali und ihr Team Bericht auf Bericht schreiben, die ihre Ansprechpartner in der Regierung vollkommen kalt lassen, rückt bei Orstam die entscheidende Aktionärsversammlung näher. Mit Anreizen, Manipulation und Erpressung sucht Power Energy gewisse Orstam-Mitarbeiter ins Boot zu holen oder unschädlich zu machen …
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  • Ross Thomas – Wenn du nicht brav sein kannst (Broschiertes Taschenbuch, April 2018 – Alexander Verlag – 978-3895814761)
  • Inhalt: Wer hat den Millionär und Senator Robert F. Ames mit 50.000 Dollar bestochen und dann seine Tochter ermordet? Warum hat er seine Frau verlassen, um mit einem wesentlich jüngeren Callgirl in einem Watergate-Appartement zu leben? Trieb ihn ein Erpresser in diesen Skandal? Das soll der Historiker und Korruptionsspezialist Decatur Lucas für Frank Size, Inhaber einer gefürchteten Presseagentur in Washington, herausfinden.
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Das Zeichen im Brunnen

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© DuMont

Nach einer langen Pause vom Rezensieren ist John Dickson Carr höchstwahrscheinlich nicht die günstigste Wahl, um den verlorenen Schreibrhythmus wieder aufzunehmen und das Gefühl für die richtige, pointierte Interpretation zurückzubekommen, hat er doch nicht nur das so genannte „Golden Age“ des Kriminalromans (ungefähr vom Anfang der 20er bis zum Ende der 30er Jahre) maßgeblich mitbestimmt und beeinflusst, sondern auch mit mehr als 80 Detektivromanen ein beachtliches Werk hinterlassen, das jedoch – im Gegensatz zu dem früherer Schriftstellerkollegen und -kolleginnen wie Gilbert Keith Chesterton, Dorothy Leigh Sayers oder Agatha Christie – gerade im deutschsprachigen Raum bis heute weniger Beachtung gefunden und damit auch Bekanntheit erreicht hat.

Woraus sich wiederum – auch aufgrund meiner großen Sympathie für den Autor – die Verantwortung ergibt, mit der vorliegenden Besprechung hinter die allgemein oft bemühte und klischeehafte Einordnung als Liebhaber des künstlich-romantisierten Schauplatzes zu blicken. Denn bei all der Wahrheit, die hinter dieser „Anschuldigung“ liegt – John Dickson Carr war immer schon weit mehr als das.

Tod im Hexenwinkel“ (engl. „Hag’s Nook“) war zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung das sechste Werk des damals 27-jährigen Schriftstellers – und markierte gleichzeitig den ersten Auftritt seiner inzwischen bekanntesten Figur: Dem schwergewichtigen und scharfsinnigen Amateur-Detektiv Dr. Gideon Fell. Zu dieser Bekanntheit trug zu einem guten Teil vor allem Fells Vorlage bei, nahm doch John Dickson Carr niemand geringeres als den bereits oben erwähnten Gilbert Keith Chesterton (1876 – 1936) – Journalist, Reformer, Literat, Menschenfreund und passenderweise auch erster Präsident des Detection Clubs – als reales Vorbild.

Und dies überraschend genau, denn vergleicht man die Beschreibungen der Äußerlichkeiten Fells mit historischen Aufnahmen des Pater-Brown-Erfinders, so decken sich diese doch weitestgehend eins zu eins. Ein gekonnter Schachzug Carrs, der hiermit einerseits sein Jugendidol ehrte, andererseits aber auch die Popularität des allseits beliebten Chesterton für sich nutzte, welche wiederum, neben seiner onkelhaften, pompösen Erscheinung, vor allem auf seiner weltzugewandten Lebensfreude gründete. Wie Fell, so war auch Chesterton einem guten Bier nicht abgeneigt, wie sein Abbild, so konsumierte auch er genüsslich den Tabak, wenn er sich nicht gerade in einer Diskussion seiner Streitlust hingab. Eine perfekte Blaupause also für Carr, der in späteren Jahren als einziges Zugeständnis an größere Beweglichkeit einen der beiden Gehstöcke Fells entfernte. All dies geschah übrigens mit Billigung Chestertons, den Carr selbst allerdings nie kennengelernt haben soll.

Doch was macht „Tod im Hexenwinkel“, von seiner Bedeutung als Auftakt der Reihe abgesehen, noch heute so lesenswert? Um dies näher zu beantworten, lohnt zuallererst ein kurzer, nicht allzu tiefgehender Blick auf den Inhalt des Buches:

Chatterham, ein kleiner, abgelegener Dorfflecken in der Grafschaft Lincolnshire, in dem die Zeit seit dem frühen 19. Jahrhundert stehengeblieben zu sein scheint. Hier trifft im Jahr 1930 der junge amerikanische Student Tad Rampole ein, um auf seiner Bildungsreise durch das alte Europa dem über die Grenzen des Empire hinaus berühmten Privatgelehrten und Amateur-Detektiv Dr. Gideon Fell einen Besuch abzustatten und nebenbei die verschlafene Schönheit des ländlichen England kennenzulernen. Dominiert, aber auch beschattet wird das provinzielle Idyll von der Ruine des alten Gefängnisses. Seit fast hundert Jahren leer stehend, thront es über einem alten Hinrichtungsplatz für Mörder und vermeintliche Hexen. Seit diesen Tagen als „Hexenwinkel“ bekannt, geht bis heute eine merkwürdige Stimmung von diesem Ort aus, was nicht zuletzt an dem tiefen, feuchten Brunnen unterhalb der Gefängnismauern liegt, in dem einst die Leichen gehängter Straftäter entsorgt wurden.

Es scheint selbst für englische Verhältnisse bizarr, dass genau hier die Familie Starberth seit den Tagen des Erbauers und Gefängnis-Gouverneurs Anthony Starberth – ein gefühlskalter, grausamer und weithin gefürchteter Mann – einen mysteriösen Initiationsritus abhält, um das dort hinterlegte Erbdokument zu lesen. Jeder männliche Nachkomme muss zu diesem Zweck an seinem 25. Geburtstag zu Mitternacht den Tresor im alten Büro des Gouverneurs öffnen – und anschließend über das dort vorgefundene dem Anwalt der Familie Bericht erstatten. Eine vermeintlich einfache Aufgabe, würde dieses Ritual nicht von den Vorkommnissen der Vergangenheit überschattet. Verfolgt von seinen Taten und den Geistern der von ihm Gerichteten, stürzte Anthony Starbeth unter merkwürdigen Umständen vom Balkon und brach sich direkt an der Brunnenöffnung das Genick. Ein Schicksal, welches wiederum auch seinen Sohn ereilte – und seitdem einen dunklen Schatten auf die zumeist geheimnisumwitterten Ableben aller Nachfahren wirft.

Der letzte in dieser Reihe ist nun Martin Starberth. Als dessen Nacht gekommen ist und sich dieser nervös auf den Weg macht, entschließen sich Dr. Gideon Fell und Tad Rampole das Licht im Fenster des Gouverneur-Zimmers genau im Auge zu behalten. Eine wie sich bald herausstellt ungenügende Maßnahme, denn wenige Stunden nach Antritt der nächtlichen Mutprobe wird Martin Starbeth tot im Hexenwinkel aufgefunden. Sein Genick gebrochen. Wer ist der Mörder? Oder haben hier gar übernatürliche Kräfte hier gewirkt?

In der Tradition des klassischen britischen Whodunits kann diese Fragen natürlich nur der selbsternannte Detektiv beantworten – und in dieser Hinsicht macht natürlich auch John Dickson Carr mit seinem Gideon Fell keine Ausnahme. Business as usual könnte man also meinen und mit in das Horn der Kritiker stoßen, welche seit Hammett und Chandler das faire Spiel des Rätsel-Krimis als ebenso realitätsfremd abtun, wie die Anwesenheit einer Privatperson bei einer polizeilichen Ermittlung. Aus diesem Blickwinkel – und vor allem nicht tiefgehender betrachtet – bildet Carrs Erstlingswerk in der Tat genügend Angriffsfläche. Künstliche Szenerie, schablonenhafte Figuren, angestaubter Anachronismus. Der Reflex, diese nachweislich vorhandenen Elemente unter dem scharfen Brennglas „Qualitätskriterien eines Kriminalromans“ Punkt für Punkt mit dem Rotstift abzuhaken – er mag ein natürlicher sein, wird dem vorliegenden Roman aber nicht gerecht.

Natürlich treibt es John Dickson Carr mit seiner Vorliebe für das „typisch Britische“ auf die Spitze. Das von ihm so geliebte England der verfallenen Schlösser, schaurigen Hochmoore und nebelumwobenen Landhäuser – es war in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts bereits längst von motorisierter Schnelllebigkeit und funktioneller Bauweise eingeholt worden, wodurch der Verwendung von Gespenstern oder Geheimgängen etwas zunehmend Groteskes und Surreales anhaftete. Die gute, alte Zeit. In Carrs Werken wurde sie konserviert – als Mittel zur Ablenkung von einer Gegenwart, welche nicht nur aufgrund des Aufstiegs der Nationalsozialisten in Deutschland zusehends Krieg versprach. Im Gegensatz zu Kollegen wie Eric Ambler, war ihm aber daran gelegen, diese Realität auszublenden, den Leser zu entführen, ihm Gelegenheit zu geben, in der Fiktion einen Rückzugsort zu finden – einen Ort ausgeklinkt von Zeit, Raum und weltlichen Problemen. Dieses Verharren in der Vergangenheit, welches ihm immer wieder besonders zu Last gelegt wird, ist ironischerweise bis heute auch ein Grund für die Faszination seiner Romane – und stellt bei genauerer Betrachtung auch eine konsequente Weiterentwicklung dar. Zumindest wenn man den Blick weg vom klassischen Krimi, hin zu schwarzer Romantik, Schauerroman und Phantastik schwenkt.

Perfektion statt Innovation könnte man also sagen, denn John Dickson Carr gelang es wie später niemand anderem mehr, das kriminelle Rätsel-Spiel mit den Ingredienzen zu verbinden, derer sich auch Edgar Allan Poe, E.T.A. Hoffmann oder Sir Arthur Conan Doyle bedienten. Grusel und Spannung – bei Carr gehen sie eine Symbiose ein, welche ihre Wirkung auf den Leser nicht verfehlt. Auch weil der Autor Fairness gegenüber dem Leser zum obersten Gebot machte. Eigentlich keine Überraschung, war dies doch in den zehn selbst auferlegten Regeln des Detection Clubs fest verankert. Doch während manch einer (z.B. Agatha Christie mit „Alibi“) jene nicht allzu ernst nahm bzw. hin und wieder brach, ließ Carr dem Leser immer jegliche Chance, das Mysterium selbst zu lüften. So auch in „Tod im Hexenwinkel“, bei der uns auf äußerst geniale Art und Weise gleich mehrere Brotkrumen gelegt werden, für die es jedoch ein aufmerksames Auge bedarf.

Zu viel Fairness kann natürlich auch eine Gefahr in sich bergen (siehe z.B. Alan Alexander Milnes „Das Geheimnis des roten Hauses“ – bald mehr dazu in der Crime Alley), was John Dickson Carr damit ausgleicht, dass er die Jagd nach dem Mörder von vorneherein nicht übermäßig ernst nimmt. Da wird mehr als einmal – Andreas Graf arbeitet das im äußerst informativen Nachwort hervorragend heraus – Sherlock Holmes zitiert und gekonnt und charmant mit den klassischen Figurenkonstellationen (hübsche junge Frau, Butler, Chief Constable) jongliert. Und natürlich ist trotz der Kürze von knapp zweihundert Seiten noch genug Zeit für eine kleine Liebesgeschichte. In ihren Einzelteilen alles Dinge, welche bei vielen Lektüren einen pappigen bis faden Geschmack hinterlassen. John Dickson Carr erweist sich aber bereits in frühen Jahren als äußerst versierter Schreiber, der all diese kleinen Puzzleteile durch hohes erzählerisches Können zu einem – und hier zitiere ich nur zu gern Graf – „geschlossenen literarischen Ganzen“ verwebt.

Das verregnete Gefängnis, die Lichter in der Nacht, das Wetterleuchten eines schwülen Sommers. Es ist die stimmige Atmosphäre dieses schaurig-schönen Kriminalromans, welche mich auch nach der diesmaligen (zweiten) Lektüre wieder umfangen und sich im Gedächtnis verankert hat. Und selbst wenn sich an der Szenerie wortwörtlich die Geister scheiden sollten – in Zeiten, wo ein Rex Stout seine Wiederauferstehung in liebevoller Aufmachung feiert, ist es mehr als überfällig endlich auch John Dickson Carr seinen Respekt bzw. die überfällige Anerkennung zu erweisen und neu aufzulegen. Insbesondere wenn man im Hinterkopf behält, dass er sich im Verlauf der Fell-Reihe nochmal merklich steigern und hinsichtlich manch eingesetzter Elemente (Stichwort: „Locked-Room“) Maßstäbe setzen wird. Doch mehr dazu bald hier, in der kriminellen Gasse …

Wertung: 83 von 100 Treffern

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  • Autor: John Connolly
  • Titel: Tod im Hexenwinkel / Das Zeichen im Brunnen
  • Originaltitel: Hag’s Nook
  • Übersetzer: Andreas Graf
  • Verlag: DuMont Kriminal-Bibliothek
  • Erschienen: 1986
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 203 Seiten
  • ISBN: 978-3770118892

+++ Der Vorschau-Ticker – Frühjahr/Herbst 2018 – Teil 6 +++

Nachdem ich in den vergangenen Wochen wieder mal zu einem lethargischen lese- und schreibunlustigen Wesen mutiert bin (lieber Martin Compart, falls du das liest, ich habe Dich nicht vergessen) – Akku alle und Muße gen Null tendierend – wird es nun Zeit, wieder Schwung bzw. in der kriminellen Gasse wieder den Faden aufzunehmen.

Am besten vielleicht mit der nächsten Ausgabe des Vorschau-Tickers, die gleich auch Versäumtes nachzuholen gedenkt. So habe ich zwar in der vorherigen Auswahl auf zwei Titel des Polar Verlags aufmerksam gemacht, zwei weitere mangels vorschnellem Übereifer aber außen vor gelassen, was hiermit wieder gutgemacht werden soll. Im Fall des gerade geretteten Polar Verlags ist mir das ein besonders wichtiges Anliegen. Desweiteren wird die Liste komplettiert von Titeln aus dem Hause Kindler, Rowohlt und vom Unionsverlag – wobei mir übrigens eins immer mehr auffällt: Inhaltsbeschreibungen und Klappentexte werden länger und länger. Damit wir uns also selbst nicht die Hälfte des Plots spoilern, habe ich hier und da mal den Rotstift angesetzt und gekürzt. Ob die komplette Widergabe ganzer Handlungsstränge das Mittel der Zukunft ist, um Leser zu gewinnen – ich denke nicht. Doch nun zum Thema.

Den Anfang macht mit Friedemann Hahn ein Autor aus der „Bitte-wer-nie-gehört“-Kategorie, der er aber wohl nicht allzu lange angehören wird, spricht doch alles stark dafür, dass „Foresta Negra“ seinen Weg in mein Bücherregal finden wird. Die im Schwarzwald angesiedelte Geschichte (schön, wie hier bereits der Titel verdeutlicht, dass das mit nem Provinz-Krimi aber so gar nichts zu tun hat) um eine kriminelle Gruppierung aus ehemaligen Wehrmachtssoldaten, Fremdenlegionären und Polizeiveteranen mit düsteren Geheimnissen lässt die Lauscher aufstellen und birgt Potenzial für ein nachtschwarzes Gemengelage nach meinem Geschmack. Und auch mein Interesse für die Wirren der Nachkriegszeit, dürfte hier sicher bedient werden.

Undercover“ von Brennen Gerard, ebenfalls bis dato ein Unbekannter für mich, klingt ebenfalls mehr als verheißungsvoll. Eine Flucht quer durch Belfast, ein verdeckter Ermittler, der auch vor Selbstjustiz nicht zurückschreckt, gnadenlose Verfolger. Richtig (und hoffentlich klischeearm) zu Papier gebracht, sicher ein Roman der in den Bann schlagen dürfte. Und ein Setting, das spätestens seit Adrian McKinty immer wieder äußerst gern von mir besucht wird. Muss-Kauf für mich.

Ryan Gattis‘ „Safe“ (sein „In den Straßen die Wut“ wartet auch immer noch auf meine Aufmerksamkeit) klingt wie das Drehbuch für einen Michael-Bay-Film. Zwei Totgeweihte mit dem Rücken zur Wand. Tönt nach „a few bodies a long the way“ und patronengeschwängerter Umgebung. Da ich sowas, wenn es nicht zu arg platt daherkommt, zwischendurch immer mal gerne genieße – auf Leinwand und zwischen den Buchdeckeln – werde ich auf „Safe“ sicher einen näheren Blick werfen. Abhängig von Stil und Präsentation des Ganzen könnte ich dann auch hier meine Geldbörse zücken. Sicher ist das aber noch nicht.

Verrat“ von Nicholas Searle ist das beste Beispiel für die bereits oben erwähnte Tendenz, gefühlt das halbe Buch in den Klappentext zu quetschen. Ich erfahre – zumindest dem Gefühl nach – hier viel zu viel über das was passiert, was, wenn Searle die beschriebenen Ereignisse nicht in wenigen Seiten zu Beginn abhandelt, der Lektüre sicher nicht gut tun wird. Was schade wäre, denn der IRA-Killer, der sich plötzlich in einem Irland im Waffenstillstand (Frieden ist meines Erachtens immer noch ein zu gewagtes Wort, insbesondere angesichts des drohenden Brexits) wiederfindet, lockt mich sehr. Ein interessantes Kapitel Geschichte, welches der Autor von „Das alte Böse“ vor allem hinsichtlich der Charakterentwicklung zu einem spannenden Plot geschmiedet haben könnte. Die Tendenz geht dahin, mich davon selbst zu überzeugen.

Last but not least – „Leiser Tod“ von Garry Disher. Hier feiern wir das Wiedersehen mit Inspector Challis, den ich persönlich bis dato immer irgendwie weniger mochte als den Drecksack Wyatt. (Manch einer würde behaupten, wundert mich bei Dir nicht. ;-) ) Nachdem „Bitter Wash Road“ aber doch ziemlich gefeiert wurde, bekomme ich wieder etwas mehr Lust auf Disher und einen Ausflug auf die Peninsula. Ob ich den aber im Hardcover-Format unternehme oder aufs Taschenbuch warte, steht noch nicht fest.

Neues Jahr, neues Glück – wer frönt 2018 weiter seiner Sucht? Und mit welchem Buch aus dieser Auswahl?

  • Friedemann Hahn – Foresta Nera (Broschiertes Taschenbuch, März 2018 – Polar Verlag – 978-3945133613)
  • Inhalt: In einem abgelegenen Wirtshaus im Schwarzwald zelebrieren Polizei- und Wehrmachtveteranen ein blutiges Schlachtfest. Regie führt der selbstherrliche Bundesgrenzschutz-Offizier Felix Krüger. Der Polizeioffizier Hans Cremer, der wie viele „Alte Kameraden“ nach der Kapitulation `45 für Frankreichs Fahne in der Fremdenlegion weiterkämpfte, wechselt zum Bundesgrenzschutz und wird von Krüger, nicht ganz legal, als Sonderermittler eingesetzt. Eine Blutspur zieht durch den Schwarzwald und das angrenzende Rheintal. Ein Kunstmaler erschießt sich angeblich selbst. Ein Mitarbeiter der Organisation Gehlen wird hingerichtet. Mädchen verschwinden und tauchen als Leichen wieder auf. Auf Polizeioffiziere wird geschossen, sie werden gejagt, sie werden ermordet. Hans Cremer sieht einen Zusammenhang zwischen den Anschlägen und Morden im Dreiländereck Baden, Schweiz und dem Elsaß und Verbrechen im 2. Weltkrieg. Wer steckt hinter der Organisation Boxsport-Süd? Welche Rolle spielt der Gendarmerie-Commandant Proust? Die Vergangenheit holt die Täter ein. Auch Hans Cremer ist tiefer in die Mordtaten verstrickt, als er anfangs ahnt.
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  • Brennen Gerard Undercover (Broschiertes Taschenbuch, Juni 2018 – Polar Verlag – 978-3945133637)
  • Inhalt: Nachdem der verdeckte Ermittler Cormac Kelly eine skrupellose Entführer- und Erpresserbande infiltriert hat, ist er gezwungen, aus der Deckung zu gehen und sich den Weg aus einem eskalierten Geiseldrama freizuschießen. Mit einem zwölfjährigen Jungen und dessen schwer verletztem Vater im Schlepptau zieht Kelly durch die gefährlichen Straßen von Belfast, verzweifelt darum bemüht, der Bande zu entkommen und die Familie mit der Mutter des Jungen zu vereinen, einer Fußballagentin namens Lydia Gallagher. Diese ist jedoch in London, weiß nichts von der Befreiungsaktion und wird zudem von der Bande genötigt, ihren prominentesten Klienten zu verraten. Als Kelly sich über sämtliche Regeln hinwegsetzt und in einem Alleingang die Grenze zwischen Polizeiarbeit und Selbstjustiz überschreitet, liegt die Macht über Leben und Tod zunehmend in der Hand von Stephen Black, einem tödlich charmanten Ex-Spion.

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    © Polar

  • Ryan Gattis – Safe (Hardcover, März 2018 – Rowohlt Verlag – 978-3498025373)
  • Inhalt: Ricky Mendoza, genannt Ghost, ist Panzerknacker, der beste von L.A. Früher war er Gangster, jetzt knackt er für die Polizei die Safes der Banden. Doch Ghost plant einen Coup. Er will Geld abzweigen, sehr viel Geld. Nicht aus Eigennutz – das hätte er vielleicht getan, bevor er in der Krebsklinik Rose kennenlernte. Rose ist lange tot, Ghost wurde geheilt. Doch nun ist der Tumor zurück. Ghost wird sterben. Bis dahin will er den Bösen nehmen und den Armen geben. Ein Dead Man Walking. – Rudy Reyes, genannt Glasses, ist die rechte Hand des Drogenkönigs. Er hat eine solide Verbrecherkarriere hinter sich, aber er hat auch Familie in Mexiko, wo die Kartelle ganze Dörfer abschlachten. Glasses fühlt sich mitschuldig, er will ein neues Leben beginnen. Mit der Polizei arbeitet er seit längerem zusammen; gerade hat er eine Liste mit den Gelddepots der Gangs geliefert. Vielleicht ist auch er ein Dead Man Walking …
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© Rowohlt

  • Nicholas Searle – Verrat (Hardcover, März 2018 – Kindler Verlag – 978-3463406923)
  • Inhalt: Weihnachten 1989. Bridget O’Neill blickt mit Grauen den Feiertagen entgegen: Wird ihre Gebäck Gnade finden vor der Schwiegermutter? Ihr Mann ist derweil in Calais, um einen britischen Soldaten vor den Augen seiner Familie zu töten. Francis ist ein Fußsoldat der IRA, der Kampf ist ihm Beruf und Lebenszweck. Doch seine Frau leidet sehr am Bürgerkrieg: Die bösen Geheimnisse, der Heimatort, der einer Geisterstadt gleicht, Jahre wie Blei. Bridget lässt sich vom britischen Geheimdienst rekrutieren und wird doch die Schuldgefühle – beiden Seiten gegenüber – nicht los. Auch Francis‘ Bruder Liam will Informant werden. Ein Hinweis von Francis beschert ihm den Tod. Und „Gentleman Joe“, Francis‘ Boss, schätzt solche Treue. Er hat gleich den nächsten Job für Francis: ein Bombenattentat. Dass die IRA insgeheim längst mit den Briten verhandelt, weiß Francis nicht …

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  • Garry Disher – Leiser Tod (Hardcover, Februar 2018 – Unionsverlag – 978-3293005280)
  • Inhalt: Dicke Luft auf der Peninsula: Ein Vergewaltiger in Polizeiuniform treibt sein Unwesen. Eine Reihe von bewaffneten Raubüberfällen hält die Polizei in Atem. Eine gerissene Meisterdiebin spielt Katz und Maus mit den Sergeants. Einsparungen an allen Ecken und Enden drücken die Arbeitsmoral auf dem Revier. Als Hal Challis das alles auch noch einem Zeitungsreporter erzählt, sieht er sich an allen Fronten belagert.
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© Unionsverlag

 

 

 

Die Gasse öffnet wieder …

Feiertage bzw. die Tage zwischen den Jahren sollten ja eigentlich für das Zusammensein mit der Familie genutzt werden – blöd wenn einem dann die Arbeit da einen Strich durch die Rechnung macht.

Nun ward der Urlaub nachgeholt, die Akkus wieder zumindest ein wenig aufgeladen und damit auch Schwung geholt, um auch in der Crimealley wieder Entdeckenswertes aus den dunklen Ecken zu ziehen.

Für alle die sich also gefragt haben „Wo isser jetzt wieder?“ – Ich bin noch da, vergrabe mich jetzt die nächsten Tage in die Notizen zu John Dickson Carr und hoffe alsbald meine Rezension hier präsentieren zu können.

Und natürlich last but not least – Ich möchte allen meinen Followern, Freunden und Krimi-Kollegen nachträglich noch ein frohes, neues und vor allem gesundes Jahr 2018 wünschen. Freue mich wieder auf den regen Austausch mit euch!

Bis bald also hier in der Gasse

Euer Stefan

+++ Der Vorschau-Ticker – Frühjahr/Herbst 2018 – Teil 5 +++

Es mag sich mittlerweile schon unter allen Krimi-Freunden herumgesprochen haben – dennoch möchte ich auch an dieser Stelle nochmal darauf hinweisen: Der vom Aus bedrohte Polar Verlag hat einen Financier gefunden und konnte dadurch ein drohendes Insolvenzverfahren abwenden. Und nicht nur das – der Betrieb soll in Bälde – mit weiterhin gleicher Ausrichtung und Verlagsgründer Wolfgang Franßen als Herausgeber und Programmleiter – wieder aufgenommen werden. Acht Titel pro Jahr sind angedacht: Vier von deutschsprachigen und vier von internationalen Autoren – alle angesiedelt im Genre Polar bzw. dem Subgenre Néo Polar. Hervorragende Nachrichten, war der Verlag doch die letzten vier Jahre für mich eine sichere Bank. Mal ganz abgesehen davon, dass es mich für Wolfgang vor allem persönlich sehr freut. Es bedeutet natürlich auch: Die für die zweite Hälfte von 2017 angekündigten Titel werden nicht erscheinen – zumindest nicht mehr in diesem Jahr.

Mit William Boyles „Gravesend“ und Roland Sprangers „Tiefenscharf“ konnten zwei Bücher in das neue Jahr „herübergerettet“ werden. Einzig hinsichtlich der Cover-Gestaltung hat es hier Änderungen gegeben. Meiner Ansicht nach in die richtige Richtung, was aber keinen überraschen dürfte, der sich unseren Blog mal ein bisschen näher angeschaut hat.

Inhaltlich fügen sich beide gut in das bisher bestehende Programm ein, wenngleich ich – wie ich gerade wieder feststelle – meine Skepsis gegenüber dem deutschsprachigem Polar noch immer nicht so richtig ablegen kann. Hier muss ich wohl noch wiederholt eines Besseren belehrt werden. Es klingt aber ganz danach, als wäre Spranger dafür der richtige Mann, denn „Tiefenscharf“ liegt mit seinen Themen voll am Puls der Zeit. Wenn er nun auch noch sein Handwerk beherrscht, kann das für mich eine durchaus positive Überraschung werden.

Nach Dave Zeltsermans „Small Crimes“ werden wir uns auch in Boyles „Gravesend“ wieder mit einem entlassenen Häftling konfrontiert sehen, den vor den Toren des Gefängnisses die eigene Vergangenheit wieder einholt. Eine ordentlich Portion Rachegelüste, ein vom Leben desillusionierter Ex-Knacki, ein Problemviertel – perfekte Gemengelage für bordsteinharte Literatur nach meinem Geschmack. Kauf ich.

Peter Haffners „So schön wie tot“ könnte laut der Kurzbeschreibung kaum mehr nach klassischem Noir klingen bzw. mit geänderten Schauplatz und einem anderen Protagonisten auch der Feder eines Robert B. Parker entsprungen sein. Womit man natürlich offene Türen bei mir einrennt, konsumiere ich zwischendurch doch immer mal gerne einen traditionellen Private-Eye. Bleibt lediglich die Fragen: Funktioniert das in Berlin? Un kann Haffner das? Für mich ist er noch ein unbeschriebenes Blatt – aber eins, dass ich mir wohl zulegen und durchschmökern werde.

Graeme Macrae Burnet hat für seine letzten beiden Titel äußerst wohlwollende bis begeisternde Kritiken erhalten, wenngleich sich einige darüber streiten, ob man es bei seinen Werken wirklich immer mit reinen Kriminalromanen zu tun hat. Auf dem Buchmarkt erfolgreich scheinen sie zu sein, denn der Europa Verlag legt nun mit „Der Unfall auf der A35“ das bereits dritte Buch nach, welches den Leser diesmal ins Elsass entführt. Auch wenn der Titel (tatsächlich sogar wortwörtlich aus dem Original übersetzt) lahmer kaum sein könnte – Burnet hat seine Klasse schon bewiesen. Und auch die Inhaltsbeschreibung ist alles andere als 0815. Ich bin gespannt und werde mich selbst überzeugen.

Um japanische Literatur mache ich in der Regel – von Murakami mal abgesehen – meist einen großen Bogen. Was höchstwahrscheinlich besonders hinsichtlich der Krimi-Autoren aus dem Land der aufgehenden Sonne ein großes Versäumnis darstellt. Fakt ist aber auch: Bisher konnten mich die wenigen hier gelesenen Bücher nicht überzeugen bzw. war der Inhalt nicht mit den Lobpreisungen des Feuilletons oder auch anderer Blogger in Einklang zu bringen. Bei Higashinos „Unter der Mitternachtssonne“ werde ich den Sprung ins kalte Wasser jedoch noch mal wagen. Und das obwohl die Geschichte um einen hartnäckigen Ermittler und einen lange verjährten Mord eigentlich nichts Neues verspricht. Warum also? Die Stimme im Hinterkopf (könnte auch nur der süchtige Buchsammler im Ohr sein) sagt, probiere Dein Glück nochmal.

Wofür werdet ihr euer Weihnachtsgeld an die Seite legen?

  • William Boyle – Gravesend (Broschiertes Taschenbuch, Januar 2018 – Polar Verlag – 978-3945133552)
  • Inhalt: Ray Boy Calabrese wird aus dem Gefängnis entlassen. Während seiner Schulzeit hat er einen Jungen wegen seines Schwulseins gequält, ihn zusammen mit Freunden geschlagen, getreten, sodass Duncan nur die Flucht blieb und er überfahren wurde. Vor Gericht nannten sie es Hate Crime, ein sexistisch motiviertes Verbrechen. Nun kommt Ray Boy Calabrese aus der Haft frei und will nur noch sterben. Duncans Bruder Conway hat Rache geschworen, lernt schie­ßen und trifft nicht. Er ist neunundzwanzig, arbeitet in einem Rite Aid und wohnt bei seinem Vater Pope. Mit Ray Boys Heimkehr in sein altes Viertel reißen die nur leicht übertünchten Risse in der Familie auf, in der er aufgewachsen ist. Während sein Neffe Eugene in ihm ein Idol sieht und bitter enttäuscht ist, dass sein Held zu einem gebrochenen Mann geworden ist.
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© Polar

  • Roland Spranger Tiefenscharf (Broschiertes Taschenbuch, Januar 2018 – Polar Verlag – 978-3945133590)
  • Inhalt: Das Leben ist nicht immer fair zu einem. Vor allem, wenn die falschen Entscheidungen getroffen werden. Drogendealer Max mit Nazihintergrund wirft vor einer Polizeikontrolle die Lieferung aus dem Fenster und irrt danach auf der Suche nach dem Crystal Meth durch den Schnee. Als er einem Flaschensammler begegnet, glaubt er, dass der das Päckchen an sich genommen hat, und lässt seine Wut an ihm aus, wird sogar zum Mörder, um einen Zeugen zu beseitigen. Das Leben des Video­Journalisten Sascha verläuft in ruhigeren Bahnen. Für ihn stellt sich eher die Frage, was der Journalismus im Zeitalter sozialer Medien noch wert ist, wenn ein Attentat mit einer Wasserpistole voller Urin die Schlagzeilen beherrscht. Als er einem Drogendeal auf die Spur kommt, glaubt er an seine große Chance. –  Alles dreht sich um den Rausch, mit dem die innere Leere überdeckt wird. Sie trinken zu viel. Sie nehmen zu viel Crystal Meth. Sie halten schwierige Beziehungen durch, kennen sich bestens in Serien und Musik aus, und werden von der Sehnsucht nach Romantik, Lust und Leidenschaft angetrieben, während Autos und Flüchtlingsheime in Brand gesetzt werden.
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© Polar

  • Peter Haffner – So schön wie tot (Hardcover, Februar 2018 – Nagel & Kimche Verlag – 978-3312010592)
  • Inhalt: Privatermittler Larry Hardy ahnt nichts Gutes, als eine junge Frau in sein Büro stürmt und verlangt, dass er ihren verschollenen Vater findet. Sie ist die Tochter des berühmten Autors Michael McCullen, der wie Larry selbst aus Amerika stammt und nun in Berlin lebt. Zunächst aber findet Larry nur die Ehefrau des Vermissten, und zwar tot in der Badewanne. Dummerweise gerät der Detektiv selbst in Verdacht. Larrys Probleme vermehren sich ebenso wie die Verdächtigen, und zu allem Überfluss setzen ihn auch noch russische Verbrecher unter Druck.
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© Nagel & Kimche

  • Graeme Macrae Burnet – Der Unfall auf der A35 (Broschiertes Taschenbuch, Februar 2018 – Europa Verlag – 978-3958901544)
  • Inhalt: Eigentlich gibt es nichts Außergewöhnliches an dem tödlichen Autounfall auf der A35 unweit des elsässischen Städtchens Saint Louis. Doch eine Frage treibt Kommissar Georges Gorski um: Wo war das Unfallopfer Bertrand Barthelme in der Nacht, in der er mit seinem Wagen frontal gegen einen Baum krachte? Als Barthelmes Spuren zu einer jungen Prostituierten in Straßburg führen, die just in jener Nacht erdrosselt wurde, ist der kauzige Provinzkommissar alarmiert. Schnell verstrickt sich Gorski in einem mysteriösen Rätsel um den Toten, das tief hinter die harmlose Fassade der verschlafen wirkenden Kleinstadt Saint Louis blicken lässt. Und auch Barthelmes Sohn Raymond beginnt dem Geheimnis seines verstorbenen Vaters nachzuspüren, das die wohlgeordnete Welt des 17-Jährigen schon bald gehörig ins Wanken bringt …
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© Europa Verlag

  • Keigo Higashino – Unter der Mitternachtssonne (Hardcover, März 2018 – Tropen Verlag – 978-3608503487)
  • Inhalt: Ein zwanzig Jahre alter Mord. Eine Verkettung unlösbarer Rätsel. Ein Detektiv, der entschlossen ist, das dunkle Geheimnis zu entschlüsseln. – Osaka, 1973: Der Pfandleiher Kirihara wird ermordet in einem verlassenen Gebäude aufgefunden. Der unerschütterliche Detektiv Sasagaki nimmt sich des Falls an, der von nun an sein Leben bestimmt. Schnell findet er heraus: Ryo, der wortkarge Sohn des Opfers, und Yukiho, die hübsche Tochter der Hauptverdächtigen, sind in das Rätsel um den Toten verwickelt. Beinahe zwanzig Jahre lang versucht Sasagaki mit zunehmender Verzweiflung, den Mord aufzuklären, in dessen Netz sich Täter, Opfer und Polizei verfangen haben. Bis über alle Grenzen hinaus, bis hin zur Obsession.
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© Tropen

 

 

 

Goin‘ down the only road I’ve ever known …

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© Ullstein

Weiter geht es mit unserer bloginternen Connolly-Marathon. Doch wo sonst in den ersten drei Bänden der Charlie „Bird“ Parker-Reihe die Lobeshymnen nur so aufs Papier gepurzelt sind, herrscht hier plötzlich bei mir nur große Ernüchterung. Warum hat mich das Buch nicht wie die Vorgänger begeistert? Bin ich des rächenden Privatdetektivs mit seinen beiden treffsicheren Freunden Angel und Louis etwa überdrüssig geworden?

Fragen, die mir seit Ende der Lektüre des vierten Teils der Reihe durch den Kopf gingen, in dem John Connolly zwar einmal mehr mit seinen schriftstellerischen Fähigkeiten glänzt, aber gleichzeitig eine überraschende Ideenarmut an den Tag legt, welche dazu führt, dass sich das Buch eher wie die zweite Hälfte von „In tiefer Finsternis“ liest, denn wie ein eigenständiges Buch. Eine Tatsache, die nicht nur letztendlich das Leseerlebnis getrübt hat, sondern auch neu hinzugekommenen Lesern den Einstieg fast gänzlich unmöglich macht, da Connolly die Kenntnis der Vorgängerromane einfach voraussetzt und nicht näher erläuternd auf sie eingeht. Ein echtes Manko, klingt doch die im Klappentext angerissene Geschichte mehr als spannend und lässt Großes erwarten:

Gut drei Jahre sind vergangen, seit der ehemalige New Yorker Cop Charles, genannt „Bird“, Parker, seine Frau und Tochter an einen brutalen Serienkiller verloren hat. Nun wagt er, gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Rachel, die mittlerweile schwanger ist, einen Neuanfang. Seine neue Tätigkeit als Privatdetektiv lässt sie beide gut über die Runden kommen, gemeinsam genießt man die Idylle im neuen Heim (das Haus des Großvaters wurde verkauft) samt obligatorischen Hund. Zum ersten Mal seit langer Zeit empfindet Parker so etwas wie Glück und Zufriedenheit. Und doch, wie so oft in seinem Leben, ziehen bereits dunkle Wolken auf. Der sinistre Prediger Faulkner, den er einige Zeit zuvor noch höchstpersönlich hinter Schloss und Riegel gebracht hat, sinnt in seiner Zelle auf Rache. Er will Vergeltung für den Tod seiner Kinder (siehe „In tiefer Finsternis“) und scheint sogar schon in Bälde dafür die Gelegenheit zu bekommen, denn die Beweislage gegen ihn ist alles andere als eindeutig, was sein Verteidiger nun ausnutzen will, um ihn auf Kaution frei zu bekommen. Parker ist klar, dass, wenn man Faulkner auf freien Fuß setzt, dieser sofort abtauchen und seine kleine Familie zur Zielscheibe wird. Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, erreicht ihn zur gleichen Zeit auch noch ein Hilferuf.

Elliot Norton, ein Freund aus New Yorker Tagen und Anwalt in der Südstaatenstadt Charleston, bittet Parker um Unterstützung bei seinem derzeitigen Mandat. Atys Jones, ein 19-jähriger schwarzer Junge und sein aktueller Klient, wird beschuldigt seine Freundin, die weiße Marianne Larousse, Tochter des reichen Industriemagnaten Earl Larousse, vergewaltigt und dann erschlagen zu haben. Die Bevölkerung rund um den kleinen Ort Grace Falls fordert den Kopf des Jungen. Elliot Norton fürchtet um das Leben seines Klienten und braucht dringend Hilfe. Parker, der Rachel nicht allein lassen will, steckt in einer moralischen Zwickmühle, zumal er selbst noch einen Fall zu bearbeiten und ein seit langem vermisstes Mädchen zu finden hat. Nach einem Anschlag auf Nortons Leben infolge dessen diesem fast sein Haus abbrennt, reist Parker schließlich doch, wenn auch schweren Herzens, in den Süden.

Schon kurz nach seiner Ankunft wird ihm klar, dass Norton nicht alles preisgegeben hat. Die Bevölkerung kocht vor Zorn und ein Bund skrupelloser Nazis und Rassisten, welche zudem in Kontakt mit dem „Prediger“ zu stehen scheinen, trachtet ihm bald nach dem Leben. Als dann auch noch Louis und Angel, Parkers beste und treffsicherste Freunde auf der Bildfläche erscheinen, droht das hochexplosive Gemisch aus Gewalt und Hass endgültig in die Luft zu gehen …

„Same procedure as last book, Mr. Connolly?“ „Same procedure as every book!“ So oder ähnlich ließe sich gemeinerweise der Grundtenor zusammenfassen, der sich letztendlich aus dem Eindruck von „Die weiße Straße“ ergibt. Und es ist schon was Wahres dran, denn der Autor kopiert viel bei sich selbst, um aus einer unter näherer Betrachtung simplen Grundstory wieder mal ein in sich stimmiges und spannendes Lesevergnügen zu schmieden. Erneut sind die Gegenspieler äußerst hassenswerte Gestalten, erneut tritt das coole schwule Killerpaar auf den Plan, um den Tag zu retten. Und erneut ist das alles gut geschrieben, wäre da nicht dieses gewisse Déjà-vu-Gefühl, das sich spätestens beim Auftauchen des Predigers einstellt. Warum man ihn wieder aus dem Hut gezaubert hat, wird sich wohl erst im weiteren Lauf der Reihe herausstellen. Fakt ist jedoch, dass Connolly ihn als Werkzeug gebraucht, um den langsamen, aber stetigen Wandel der Reihe von der Hardboiled-Detective-Eye-Literatur zum eher mystischen Milieu einzuläuten. Schwarze Engel, welche über den Gefängnistürmen kreisen. Beschuppte Frauen in langen weißen Gewändern. Die Themen „dunkle Welt“ und „weiße Straße“ werden hier jetzt noch expliziter hervorgehoben, was dazu führt, das die gerade so bedrückende und mitfühlende Nähe zur Figur Charlie „Bird“ Parker irgendwie verloren geht.

Meiner Meinung nach ein Fehler, ist Parker doch der Leim der Connollys Bücher zuvor zusammengehalten bzw. sie einzigartig gemacht hat. Das wird besonders in jenen Passagen deutlich, wo der Autor auf ältere Ereignisse eingeht, um die Figur näher zu beschreiben. Eine Weiterentwicklung oder gar Wandlung macht sie nämlich hier nicht durch, was auch zur Folge hat, dass die Geschichte sich lange Zeit ungewöhnlich zäh und langatmig liest. Wo sonst schon nach wenigen Seiten Adrenalin und Wohlfühlschauerfaktor in die Höhe schossen, blieb ich dieses Mal seltsam ungerührt.

Nun jedoch zum Positiven, denn das kann sich immer noch sehen und lesen lassen. John Connollys Darstellung des immer noch von Fanatismus und Rassismus durchzogenen Südens legt einmal mehr Zeugnis von seinen schriftstellerischen Qualitäten ab und überzeugt mit einer literarischen Akribie und tiefgehender Eindringlichkeit. Besonders die Anfangsszene, in der sich ein Lynchmob für die bevorstehende Verbrennung eines Schwarzen versammelt, hinterlässt beim Leser Spuren, wenngleich sich wohl der ein oder andere an den Film „Die Jury“ erinnert fühlen wird.

Zudem betätigt sich Connolly wieder als meisterhafter Landschaftsmaler, der die Natur des Südens bis ins kleinste Detail zum Leben erweckt und den gebannten Beobachter so geistig in selbige Gefilde katapultiert. Wenn Parker durch von Spanischem Moos behangene Bäume stolpert, um im Dickicht Zuflucht vor einem mysteriösen Verfolger zu suchen, packt man die Seiten dieses Buches unwillkürlich fester. Lockern tut man sie meist erst dann, wenn auf der Bildfläche Louis und Angel erscheinen, die natürlich wieder für manchen schwarzhumorigen Gag gut sind, insgesamt aber noch ernster herüberkommen als in den Vorgängerromanen. Connolly geht näher auf ihre bis hierhin eher nebulöse Lebensgeschichte ein, wiewohl ich mir gewünscht hätte, dass er sich für beide noch etwas mehr Zeit genommen bzw. sie stärker in die Geschichte mit eingebaut hätte.

Am Schluss führen viele Fäden, wenngleich auch nicht alle, zusammen, wobei die sich dort überschlagenden Ereignisse irgendwie nicht ganz zum eher ruhigeren Erzählton des ersten Drittels passen wollen. Es scheint ganz so, als wollte da jemand möglichst schnell zum Ende kommen.

Am Ende ist „Die weiße Straße“ zwar immer noch ein waschechter Connolly, der jedoch qualitativ nicht an die Vorgänger anknüpfen kann und mit seiner irgendie arg entzerrten Erzählweise für ungewohnte Längen sorgt. Wer auf harte, düstere Literatur mit einem Schuss Phantastik steht, wird letztendlich aber immer noch blendend unterhalten.

Wertung: 82 von 100 Treffern

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  • Autor: John Connolly
  • Titel: Die weiße Straße
  • Originaltitel: The White Road
  • Übersetzer: Georg Schmidt
  • Verlag: Ullstein
  • Erschienen: 03.2008
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 480 Seiten
  • ISBN: 978-3548267890