Clockwork Bohane

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© Tropen

Es gibt Bücher, da huschen bei einer Rezension die Finger nur so über die Tastatur, kommen die Worte und Sätze wie von selbst, können Gefühle und Gedanken in Sekundenschnelle in die Form eines Textes gebracht werden. Und dann gibt es Bücher, wo man minutenlang nur auf das weiße Word-Dokument starrt, eine enge Hassliebe zu den Tasten „Entfernen“ und „Rückschritt“ entwickelt, wo sich mühsam verkniffen die Augenbrauenbüschel sekündlich näher kommen, weil man schlichtweg nicht in der Lage ist, das Erlesene überhaupt irgendwie verständlich zu verschriftlichen – geschweige denn so, dass es irgendeinen Mehrwert für andere hat, welcher über die reine inhaltliche Zusammenfassung hinausgeht.

Dunkle Stadt Bohane“, das Werk des irischen Schriftstellers Kevin Barry, fällt in eben jene zweite Kategorie, mischt sich unter die elitäre Klientel nicht fassbarer Literatur, die man schwerlich jemandem näher bringen kann, da man ihr selbst einfach nicht nahe genug kommt, sie sich windet, uns Rätsel aufgibt und schwindlig erzählt. Jegliche Herangehensweise bedarf hier scheinbar eines gesunden Maßes an Skepsis und muss behutsam vonstatten gehen – zu groß die Gefahr, von Barrys Sprach- und Fabulierkunst mitgerissen zu werden, welche, wie der fiktive Fluss Bohane im Roman, nachtschwarz dahin rauscht und unsere Sinneseindrücke verfremdet. Western, Dystopie, Gangster-Epos, Noir, Märchen, Tragödie. Dieser in allen Belangen außergewöhnliche Debütroman lässt sich nicht ohne Weiteres in irgendeinem Genre verorten, sperrt sich gegen jeglichen Versuch einer Verankerung, weder in Raum noch in der Zeit. Und wenn letztere dann irgendwann im Verlauf des Buches doch genannt wird, gibt uns „Dunkle Stadt Bohane“ nur mehr Fragen auf. Das ist, was wir wissen:

Irland, im Jahr 2053. Die Stadt Bohane – wie Barry zugibt, eine Reminiszenz und Karikatur seiner Heimatstadt Limerick (geographische Parallelen wie der die Stadt teilende Fluss oder die torfig-moorigen Weiten im Hinterland wären auch nicht von der Hand zu weisen gewesen) – ist auf dem absteigenden Ast. Einst wichtigstes Zentrum an der irischen Westküste, ist sie jetzt nur noch ein abschreckendes Beispiel für die Verwaltung des Verfalls. Die Kontrolle ist von den Höhen der von Stadträten gemachten Politik längst in die Tiefen der verwinkelten Gassen und Straßen übergegangen, durch den der beißend kalte Hartwind der Nichtsöde bläst und rivalisierende Banden mit Messern („Schächder“) patrouillieren – ständig miteinander im Clinch um die untereinander aufgeteilten Stadtviertel, von dem das größte, Smoketown, immer noch von Logan Hartnett und seinen Fancy-Boys beansprucht wird. Doch seine Stellung ist in Gefahr, denn nach 25 Jahren des selbstauferlegten Exils kehrt sein alter Rivale, der Gant Broderick, zurück nach Bohane – um den Kampf um die Macht und das Herz einer Frau, Logans Frau, fortzusetzen. Dieser muss handeln, denn auch seine Untergebenen sehen nun die Zeit gekommen, selbst nach der Macht zu greifen …

Weltschmerz, Wehmut, Abschied, Sehnsucht. „Dunkle Stadt Bohane“ ertrinkt geradezu in einer düsteren Melancholie, die sich – wie der Nebel des Atlantiks im Buch – durch die verwinkelten Schluchten der Metropole ergießt, Türen und Fenster durchdringt, und Gefühle wie Liebe und Freude noch im Ansatz erstickt. Jede Bewegung ist zähflüssig, jeder Fortschritt erlahmt. Die Bewohner ergehen sich in nostalgischen Diskussionen über das Früher und das Damals, hegen und pflegen ihre alten Espresso-Maschinen, lauschen dem Klang des klassischen Jazz oder ergötzen sich – wie Girly, die greise und doch immer noch mächtige Mutter von Logan Hartnett – an den alten Hollywoodschinken der 30er bis 50er Jahre. Obwohl in der Zukunft spielend, ist Barrys Werk der Gegenentwurf zu einem „Blade Runner“ von Philip K. Dick, eine Hymne an das rückwärtsgewandte Denken und den zivilisatorischen Stillstand. Annehmlichkeiten werden hier nicht erarbeitet, sondern konserviert und dann mit Zähnen und Klauen verteidigt – wohlgemerkt ohne Schießeisen, welche ebenso durch Abwesenheit glänzen wie Autos, Mobiltelefone und das Internet. Warum dem so ist, was dazu geführt hat, dass Bohane vom digitalen in das analoge Zeitalter zurückgefallen ist – das lässt Barry offen. Vergangenes ist nur insofern relevant, wie es die handelnden Figuren betrifft.

Irgendwie ist dies aber auch für uns als Leser nicht weiter von Belang, wie man überhaupt darüber hinwegsieht, dass die Handlung an sich relativ wenig Substanz hat bzw. keine größeren Risiken angeht, was den grundsätzlichen Aufbau der Geschichte angeht. Doch warum sollte man sich auch das Innere, den Kern näher anschauen, wenn das Äußere derart kunstvoll, ungewöhnlich, ja, und manchmal auch überbordend grotesk daherkommt. Ein Äußeres, für das zwar Kevin Barry verantwortlich zeichnet, die deutschen Leser aber in erster Linie den Hut vor Übersetzer Bernhard Robben ziehen müssen, der weit über seine eigentlichen Aufgaben hinaus, einen eigenen Stil finden musste, um den stark vom örtlichen Dialekt und dem Gälischen durchsetzten englischsprachigen Text ins Deutsche zu übertragen. Mangels einer hiesigen Entsprechung und in Anbetracht der Tatsache, dass sich Barry hier mehr als nur ein wenig von Burgess‘ „Clockwork Orange“ hat inspirieren lassen, wurde Altes mit Neuem vermischt und die Alliteration gesucht, wo immer man ihrer habhaft werden konnte – herausgekommen ist ein anglisierter Jugendslang („Checkste“) mit deutlich altertümlicher Patina. Eine Sprache, die man so noch nicht kannte und welche die aus allen Poren tropfende Andersartigkeit dieses Werks, diese ganz spezielle Atmosphäre noch zusätzlich betont.

Über mehr als 200 Seiten ist es auch diese Atmosphäre, welcher der noiresken und doch auch irgendwie shakespearhaften Tragödie Berechtigung verleiht, sie über die Trivialität erhebt und dieses dreckige Durcheinander aus Fäusten und Messern, aus Wünschen und Gelüsten – kredenzt in cineastischen Schnitten – erträglich und letztendlich auch lesenswert macht. Die überzeichneten Figuren, die übergroße Inszenierung – das alles wirkt durch den Vielklang von Barrys Sprache, wirkt im Zwielicht der Stadt Bohane. Und nur dort, weshalb ich wohlweislich darauf verzichte, Passagen zu zitieren, die, herausgerissen aus ihrem künstlichen Rahmen ihren Halt und damit ihre Glaubwürdigkeit verlieren würden. Doch bei all dieser stilistischen Kunst und Experimentierfreudigkeit Barrys – über die volle Distanz kann sein Debütroman mich dann letztlich nicht überzeugen.

Solange seine Fabulierkunst das stimmungsvolle Geschehen vor sich her treibt – so lange ist man gewillt und in gewissen Sinne auch ehrfurchtsvoll genötigt, zu folgen. Kevin Barry gelingt es aber meines Erachtens nicht, den Faden bis zu seinem Ende durchzuweben, weshalb der Roman kurz vor der Ziellinie und dem erwarteten Crescendo in ein Loch fällt, aus dem er sich dann auch nicht mehr befreien kann. Hier versandet der nachtschwarze Fluss Bohane – nicht jedoch, ohne vorher noch einmal nachhaltig unsere Gefühle zu umspülen.

So kalt diese irische Metropole ist – kalt lassen, tut uns die Dunkle Stadt, dieses Clockwork Bohane dann doch nicht. Was bleibt ist eine einprägsame und vor allem einzigartige Lektüre, die sicherlich nicht jedermann liegen wird, aber gerade dadurch, dass sie sich einen Dreck um Konventionen schert, den literarischen Horizont des Kriminalromans um eine weitere Facette erweitert. Man darf gespannt sein, was Kevin Barry in der Zukunft (oder sollte ich doch sagen in der Vergangenheit?) noch für uns bereithält.

Wertung: 84 von 100 Treffern

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  • Autor: Kevin Barry
  • Titel: Dunkle Stadt Bohane
  • Originaltitel: City of Bohane
  • Übersetzer: Bernhard Robben
  • Verlag: Tropen
  • Erschienen: 02.2015
  • Einband: Hardcover
  • Seiten: 304 Seiten
  • ISBN: 978-3328101543
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+++ Der Vorschau-Ticker – Winter 2017/Frühjahr 2018 – Teil 4 +++

Der vierte Teil unseres Vorschau-Tickers kommt leider mit einiger zeitlicher Verzögerung und doch hoffentlich noch rechtzeitig, um den ein oder anderen Titel schmackhaft zu machen oder vielleicht solche vorzustellen, die zuvor noch nicht im Blickfeld gelandet waren. Auf bereits vor kurzem erschienene Bücher, welche in meiner engeren Auswahl (oder gar bereits im Bücherregal) gelandet sind, werde ich dann nochmal separat zurückkommen. Wie immer auch hier getrennt nach Spannungsliteratur und der restlichen Belletristik. Nun aber zu den vorliegenden Auserwählten aus der düsteren Ecke des Krimis.

Einmal mehr Südafrika (dieses Halbjahr gibt es hier tatsächlich reichlich Lesestoff für Krimi-Freunde) heißt es bei „Mann am Boden“ von Roger Smith, der sich dank Tropen und Heyne inzwischen in Deutschland als Autor etabliert und – von Ausnahmen wie „Schwarzes Blut“ mal abgesehen – stets auf hohem Niveau harte Kost abgeliefert hat. Nach letzterer riecht es auch im aktuellen Buch, wenngleich der Kurztext ebenfalls Twists und Turns verspricht, was nach den vergangenen „Straight-Forward“-Plots aus Smiths Feder eine erfrischende Abwechslung darstellen könnte. Ich bin mal gespannt und werde sicher zugreifen.

Warum der zweite Band aus Douglas-Homes „Sea Detective„-Reihe den Weg in meine persönliche Vorschau gefunden hat, ist gar nicht so einfach zu erklären, zumal ich den ersten bis dato noch nicht mal gelesen habe. Allerdings waren die Kritiken – insbesondere die von Krimi-Kennern und Bloggern, deren Meinung ich sehr schätze – mehr als positiv. Und mit dem Schlagwort „Schottland“ kann man bei mir ohnehin immer punkten. Dazu eine die kleine Gemeinde an rauer Küste, hinter deren Fassade sich Geheimnisse verbergen. Das ist ganz nach meinem Gusto, da werde ich wohl schwach werden und erneut blind kaufen.

Vollkommend sehenden Auges empfehle ich allerdings „Weißes Leuchten“ von James Lee Burke, das als alte Goldmann-Ausgabe noch in meinem Regal weilt und durch die neue Pendragon-Broschur ersetzt werden wird. Warum? Nun weil erstens die Reihe um Dave Robicheaux einfach zur Crème de la Créme zählt. Und das weit über die Grenzen des Genres „Krimi“ hinaus. Und weil man zweitens Günther Butkus‘ Ansinnen, die gesamte Reihe veröffentlichen zu wollen, unbedingt nachhaltig unterstützen sollte. Insbesondere wenn man sich umschaut, was sonst in Massen für ein Schwachsinn auf den Markt geworfen wird.

Auch bei Ross Thomas kann ich in das gleiche Lobeshymnen-Horn blasen. Die Werkausgabe aus dem Alexander Verlag wächst mit jedem Jahr stetig, macht sich äußerst schmuck im Regal und beinhaltet nebenbei noch die Bücher aus der Feder des Autors, der im Bereich Polit-Thriller Maßstäbe für spätere Generationen gesetzt hat. Ich muss einfach alle haben und stelle hiermit mal die forsche These auf: Mindestens einen Ross Thomas sollte man im Leben gelesen haben.

Das kann man wiederum für Joe R. Lansdale übernehmen. Meister des „Southern Gothic“ und Erschaffer der grandiosen Hap/Leonard-Reihe, welche seit einiger Zeit nun auch als Fernsehserie (in Deutschland meines Wissen Amazon-exklusiv) über die Mattscheibe flimmert. Golkonda ist hier die treibende Feder hinter den Veröffentlichungen. Ein ebenso kleiner wie feiner Verlag, der weiterhin Support erfahren sollte und diesen seit Jahren mit gleich einigen Juwelen (Ted Chiang, Jo Walton, Robert Bloch u.v.m.) rechtfertigt. „Krasse Killer“ wird vermutlich auch da keine Ausnahme darstellen. Als großer Lansdale-Fan werde ich definitiv zuschlagen.

Für was kann ich euch noch so kurz vor „Toreschluss“ begeistern?

  • Roger Smith – Mann am Boden (Taschenbuch, Januar 2018 – Tropen Verlag – 978-3608502176)
  • Inhalt: Tucson, Arizona. Eine dreiköpfige Familie wird in ihrem eigenen Haus überfallen und als Geisel gehalten. Doch schnell offenbart sich, dass der Vater ein doppeltes Spiel spielt. Wer sind die wahren Täter und wer die Opfer? Zehn Jahre ist es her, seit John Turner und seine Frau ihre Zelte in Südafrika abbrachen, um gemeinsam mit ihrer Tochter Lucy in den USA ein neues Leben aufzubauen. Als drei Männer in ihr Haus in Arizona eindringen und sie als Geiseln nehmen, zerbricht das familiäre Idyll. Langsam kommen die Schatten aus Turners Vergangenheit ans Licht. Warum verließ die Familie ihre Heimat Johannesburg so überstürzt? Roger Smith, der härteste Krimiautor Südafrikas, erzählt in rasantem Tempo von Vertrauen, Korruption und den Fehlern der Vergangenheit, die jeden von uns zwangsläufig einholen. Und er beweist: Unschuldige gibt es in dieser Welt nicht.
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  • Mark Douglas-Home – Sea Detective: Sog der Tiefe (Taschenbuch, Oktober 2017 – Rowohlt Verlag – 978-3499272479)
  • Inhalt: Durch die schmutzige Windschutzscheibe seines Wagens beobachtet Cal McGill eine junge Frau. Ganz reglos schaut sie aufs Meer, eine gefühlte Ewigkeit lang. Cal packt die Neugierde – was hat sie an den entlegenen Strand getrieben, was sucht sie dort? Seine Neugier mündet in einen neuen Fall, als er herausfindet, dass 26 Jahre zuvor eine andere junge Frau am selben Strand stand, bevor sie ins Meer ging. Laut Angaben der Polizei tötete sie sich selbst und ihr ungeborenes Kind. Doch Cal kommen Zweifel an dieser Version, und bei seinen Nachforschungen stößt er auf eine Küstengemeinde, die beharrlich schweigt. Zu beharrlich.
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© Rowohlt

  • James Lee Burke – Weißes Leuchten (Broschiertes Taschenbuch, Oktober 2017 – Pendragon Verlag – 978-3865325914)
  • Inhalt: Alles beginnt mit einem Schuss durch ein Fenster im Haus des Öl-Magnaten Welden Sonnier. Dave Robicheaux wird mit den Ermittlungen beauftragt. Sofort ist er heillos verstrickt im engen Beziehungsgeflecht einer der angesehensten Familien Louisianas. Der Clan mauert und auch die Dämonen seiner eigenen Vergangenheit drohen Dave zu überwältigen. Wie soll er in diesem tödlichen Netz aus familiärer Gewalt, jahrzehntealter Schuld und Mafiaverbindungen den Überblick behalten?
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© Pendragon

  • Ross Thomas – Der Mordida-Mann (Broschiertes Taschenbuch, Oktober 2017 – Alexander Verlag – 978-3895814525)
  • Inhalt: 1981: Ein international gesuchter Terrorist wird von amerikanischen Agenten entführt. Kurz darauf lässt der Nachfolger Gaddafis den Bruder des amerikanischen Präsidenten kidnappen, um mit ihm den Freiheitskämpfer freizupressen, nicht ahnend, dass dieser schon tot ist. Der Einzige, der die Kohlen jetzt noch aus dem Feuer holen kann, ist Chubb Dunjee. Der ehemalige amerikanische Kongressabgeordnete war lange Mittelsmann in den unruhigen Gegenden dieser Welt; seine besondere Spezialität: Bestechung – »mordida«.
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© Alexander

  • Joe R. Lansdale – Krasse Killer (Broschiertes Taschenbuch, September 2017 – Golkonda Verlag – 978-3946503064)
  • Inhalt: Eine falsche Schönheit, die Luxusautos und mehr verkauft, eine Rockerbande als Schlägertruppe der Dixie-Mafia, und immer wieder übelste Gerüchte über einen unfassbaren Profikiller. Schlagfertigkeit, Mut und Witz reichen da nicht aus. Hap und Leonard brauchen Hilfe, in Rat und Tat. Denn natürlich haben sie keinen blassen Schimmer, in welches Wespennest sie diesmal gestochen haben – und ob es ihnen wieder gelingt, heil heimzukommen zu ihren geliebten Vanillekeksen und zu Haps unverhofftem Familienzuwachs.
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© Golkonda

 

+++ Der Vorschau-Ticker – Frühjahr/Herbst 2017 – Teil 2 +++

Damit aus dem Vorschau-Ticker hier kein Rückblick wird, heißt es für mich: Ranhalten. Daher schnell weiter mit meiner nächsten Auflistung verheißungsvoller Titel, von denen einige sogar bereits in den nächsten Tagen in gut sortierten Buchhandlungen stehen dürften. Die Betonung liegt auf gut sortiert, haben es doch besonders die kleineren Verlage seit Jahren immer schwerer, einen Fuß in die größeren Buchhandelsketten zu bekommen. Es ist zwar kein neues Leid über das ich hier klage, aber eins was mich doch weiterhin arg stört, wenn man sieht wie vielen herausragenden Büchern –  durch die inzwischen zu großen Teilen nur noch auf Massenkompatibilität ausgelegten Bestückungen in Filialen – ein größeres Lesepublikum verwehrt bleibt. Wenn daher durch diesen Blog auch nur ein Buch gekauft UND gelesen wird, das sonst auf Halde liegen geblieben wäre, hat sich die Mühe an dieser Stelle bereits gelohnt. Doch nun zu den Titeln:

Der Block“ könnte von der Thematik her wohl kaum aktueller sein und möge bitte eine Zukunftsvision bleiben, die sich nicht erfüllt. Dennoch ist Jérôme Leroys Ansatz von einem Frankreich kurz vor der Übernahme durch die äußersten Rechten ein heißes Eisen, welches man meines Erachtens anfassen muss, denn gerade jetzt heißt es: Wegschauen gilt und hilft vor allem nicht. Politik in Krimis ist immer so eine Sache. Gerade in diesem Fall bin ich aber mehr als optimistisch, hat doch Edition Nautilus schon in der Vergangenheit bewiesen, dass man für solche Titel ein feines Näschen besitzt.

Des Menschen Wolf“ präsentiert sich für mich in erster Linie als Wundertüte. Der Autor sagt mir nichts, der Inhalt klingt nach stereotyper Rache-Geschichte vor Mafia-Kulisse. Und doch: Tropen ist kein Verlag, der seichte Wohlfühlliteratur vertreibt und vielleicht lohnt hier doch ein zweiter Blick, zumal mich der Schauplatz Hollywood in Kriminalromanen schon seit längerem fasziniert.

Der nächste Titel ist ein „Muss“-Kauf mit einem besonders dicken  Ausrufezeichen hinter dem „Muss“. Cynan Jones‘ „Graben“ war für mich 2015 eines DER literarischen Kleinode überhaupt, wobei man inzwischen fast gönnerhaft behaupten muss: Kein Wunder, es ward ja auch bei Liebeskind veröffentlicht. Was dieser kleine, aber äußerst feine Verlag seit Jahren für Perlen entdeckt ist mitunter fast schon unheimlich und so ist es ein wenig überraschend, dass es in diesem Halbjahr tatsächlich nur ein Buch in meine engste Auswahl geschafft hat. Dies ist jedoch weniger einer vermuteten fehlenden Qualität der anderen Titel, als vielmehr dem eigenen Geldbeutel sowie dem endlichen Platz in meinem Bücherregal geschuldet. Und doch, so wie ich mich kenne, wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch „Meroe“ von Oliver Rolin Einzug in Letzteres halten.

Nach dem Lob für Liebeskind müsste ich dieses eigentlich 1:1 beim Pendragon Verlag wiederholen, der übrigens dieses Jahr seinen 30. Geburtstag feiert, was in erster Linie Verleger Günther Butkus‘ unnachgiebigem Engagement zu verdanken ist, der mit fast schon ostwestfälischer Sturheit an seinen Autoren festhält, die es auf den mit „Augenschneidern“, „Knochenbrechern“ und Fingersammlern“ überschwemmten Markt nicht immer leicht haben. Das schmerzt angesichts vieler großartiger Krimi-Perlen in dessen Programm besonders, wenngleich zumindest James Lee Burke zuletzt (natürlich auch dank dem parallelen Erscheinen bei Heyne Hardcore) ein kleines (lange überfälliges!) Comeback feiern durfte. Hier hoffe ich weiterhin auf großes Feedback seitens der Krimi-Gemeinde, damit wir irgendwann alle 20 Robicheaux-Hände in deutscher Übersetzung unser Eigen nennen dürfen. Sollte irgendjemand tatsächlich noch keinen Titel dieses absoluten Ausnahme-Autors gelesen haben: „Schmierige Geschäfte / Black Cherry Blues“ ist meines Erachtens einer der besten Titel, die Burke zu Papier gebracht und dieses Genre zu verzeichnen hat. Unbedingte, nachdrückliche, ganz dicke Leseempfehlung!

Willi Achten ist für mich bisher ein unbeschriebenes Blatt, doch angesichts des Klappentext kann ich mir kaum vorstellen, dass am Ende der Lektüre „nichts bleibt“. Wenn das Buch nur halb so gut wird, wie es tönt, könnte hier Pendragon die nächste große Entdeckung gelungen sein.

Die letzte war (zusammen mit Andreas Kollender) der US-Amerikaner Wallace Stroby mit dem Auftakt seiner „Crissa-Stone„-Reihe „Kalter Schuss ins Herz„, welche nun mit „Geld ist nicht genug“ endlich fortgesetzt wird. Endlich deswegen, weil obiger Titel mein Krimi des Jahres 2015 war. Daher an dieser Stelle keine Empfehlung, sondern stattdessen ein Appell: Kaufen und lesen! Das ist ganz große, eindringliche und äußerst unterhaltsame Kriminalliteratur nach klassischem Muster, wie sie heute nur noch ganz wenige schreiben können. Dieser Reihe kann man wirklich nur so viele Leser wie möglich wünschen.

Da übrigens der ein oder andere Titel aus dem Frühjahrprogramm mancher Verlage bereits erschienen ist (ich war dieses Jahr zu langsam), werde ich am Ende meiner Vorschau-Ticker noch mal extra auf die „verpassten Empfehlungen“ hinweisen.

Welches Buch von den oben genannten kommt in eure nähere Wahl?

  • Jérôme Leroy – Der Block (Taschenbuch, März 2017 – Edition Nautilus – 978-3960540373)
  • Inhalt: Blutige Aufstände in den französischen Vorstädten, die Zahl der Toten steigt unaufhörlich. Die Partei der äußersten Rechten – der Patriotische Block – steht kurz vor dem Einzug in die Regierung. In dieser Nacht kann das Schicksal Frankreichs kippen, und sie ist für drei Menschen der Höhepunkt einer 25-jährigen Geschichte aus Gewalt, Geheimnissen und Manipulation. Agnès führt als Parteivorsitzende die Verhandlungen. Ihr Ehemann Antoine wartet in seiner luxuriösen Pariser Wohnung auf das Ergebnis, Stanko, der Chef des paramilitärischen Ordnerdienstes der Partei, versteckt sich in einem schäbigen Hotelzimmer. Antoine ist morgen vielleicht Staatssekretär – Stanko jedenfalls soll morgen tot sein.
    Ein Vierteljahrhundert lang waren die beiden wie Brüder. Ein Vierteljahrhundert lang waren sie bei allen Aktionen dabei, die den Patriotischen Block an die Macht gebracht haben. Ein Vierteljahrhundert lang sind sie vor nichts zurückgeschreckt. Sie haben dieses Leben geliebt, und sie bereuen nichts.
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(c) Edition Nautilus

  • Apostolos Doxiadis – Des Menschen Wolf (Hardcover, April 2017 – Tropen Verlag – 978-3608501575)
  • Inhalt: Ben Frank hat Blut an seinen Händen. Bei einer Kneipenschlägerei tötet er den Sohn des berüchtigten Mafiabosses Tonio Lupo. Und dieser sinnt auf Rache: Auch Franks Söhne sollen in dem Alter ermordet werden, in dem sein Sohn starb. Schicksal, Zufall, bewusste Entscheidungen: ein spannender Rache-Thriller über die Frage, wie wir dem Tod ein Schnippchen schlagen können. Al, Nick und Leo Frank sind sich keiner Schuld bewusst. Doch der vom Tode gezeichnete Mafiaboss nimmt seine Rache ernst: Er setzt einen Profikiller auf die drei Brüder an, der sie umbringen soll, sobald sie 42 Jahre alt sind. Während Al sich durch Reichtum zu schützen sucht, flüchtet Nick in den Glamour von Hollywood, um sich unverwundbar zu machen. Nur der jüngste Bruder Leo ist noch zu klein, um von dem Fluch zu erfahren, und führt zunächst ein unbeschwertes Leben. Aber auch für den Profikiller stellt sich die Frage, wie er leben soll, bis seine Opfer ihr entsprechendes Alter erreicht haben.
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(c) Tropen

  • Cynan Jones – Alles, was ich am Strand gefunden habe (Hardcover, Februar 2017 – Liebeskind Verlag – 978-3954380749)
  • Inhalt: Zwei Männer, die auf ihre Chance warten. Holden setzt alles daran, ein Versprechen einzulösen, das er einem sterbenden Freund gegeben hat, während Grzegorz auf ein besseres Leben für seine Familie hofft und zu allem bereit ist … Zwei Männer, die auf ihre Chance warten, setzen wider besseren Wissens ihr Leben aufs Spiel. Eine schiefgelaufene Drogenübergabe löst eine fatale Verkettung von Ereignissen aus, in deren Folge sie zum Spielball unkontrollierbarer Kräfte werden. Stringer, der lange im Gefängnis saß und nun merkt, wie sehr sich die Welt verändert hat, wird losgeschickt, um die verloren gegangene Lieferung wieder aufzutreiben. Und um ein Zeichen zu setzen …
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(c) Liebeskind

  • James Lee Burke – Schmierige Geschäfte / Black Cherry Blues (Broschiertes Taschenbuch, Mai 2017 – Pendragon Verlag – 978-3895814402)
  • Inhalt: Alte Freunde bringen manchmal Unglück. Diese Erkenntnis macht Dave Robicheaux, als er unverhofft dem abgehalfterten Rock ´n´ Roller Dixie Lee Pugh wiederbegegnet. Pugh arbeitet inzwischen für eine Ölfirma und berichtet ihm von zwei finsteren Kollegen und ihren dreckigen Machenschaften in den Bergen Montanas. Wenig später wird Pugh Opfer eines Brandanschlags und Dave Robicheaux flattert ein Drohbrief ins Haus. Als er sich die Absender schnappen will, steht er plötzlich selbst unter Mordverdacht. Robicheaux hat nur eine Chance: Er muss nach Montana und herausfinden, in welche Geschäfte Dixie Pughs Kollegen verwickelt sind. Es geht um eine Menge Geld, um mächtige Ölgesellschaften und um junge Indianer, die gegen altes Unrecht kämpfen.
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(c) Pendragon

  • Willi Achten – Nichts bleibt (Broschiertes Taschenbuch, Februar 2017 – Pendragon Verlag – 978-3865325686)
  • Inhalt: Franz Mathys ist Kriegsfotograf. Eines seiner Fotos wurde mit dem World Press Photo Award ausgezeichnet. Doch er hat tiefe Zweifel und Schuldgefühle, denn er profitiert von dem Leid anderer. Mathys spürt, dass sein Leben ihm mehr und mehr entgleitet. Er zieht sich auf einen abgeschiedenen Hof im Wald zurück. Lebt dort mit seinem Vater und seinem Sohn, kommt zur Ruhe und verliebt sich. Doch die Idylle trügt. Eines Nachts schlagen zwei Männer seinen Vater brutal nieder und er muss schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden. Mathys will die Täter finden. Der immer stärker werdende Wunsch nach Rache und die Suche nach den Männern entfremden ihn von den Menschen, die er liebt. Wird er nun alles verlieren? In einem zerklüfteten Tal in den Alpen trifft er eine einsame Entscheidung, die sein Leben kosten kann.
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(c) Pendragon

  • Wallace Stroby – Geld ist nicht genug (Broschiertes Taschenbuch, März 2017 – Pendragon Verlag – 978-3865325778)
  • Inhalt: Metallteile und Plastik schlittern über den Asphalt. Volltreffer. Crissa Stone hebelt den Geldautomaten mit der Schaufel eines Frontladers aus der Verankerung und balanciert die Beute auf die Ladefläche ihres Pick-ups. Sie liebt saubere Lösungen. Crissa hat das System des Bankraubs perfektioniert, aber ihre Partner verlieren die Nerven. Gangster, die sich gegenseitig umbringen – wie unprofessionell. Zum Glück wartet schon ein neuer Job: Ein verstorbener Mafiaboss soll die Millionen eines Raubs jahrelang versteckt haben. Leider ist Crissa nicht die Einzige, die es auf das Geld abgesehen hat. Sie gerät zwischen die Fronten und muss fliehen: Vor dem Gesetz und einer Mafia-Gang aus New York.
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(c) Pendragon

+++ Der Vorschau-Ticker – Winter/Frühjahr 2016/2017 – Teil 4 +++

Wer schon den letzten Vorschau-Ticker auf meinem Blog regelmäßig mit verfolgt und auch immer wieder die ein oder andere Besprechung von mir gelesen hat, dem wird aufgefallen sein, dass ich mich auf CrimeAlley mitnichten ausschließlich auf die Spannungsliteratur konzentriere, sondern als unheilbare Leseratte genreübergreifend schmökere, wo bei es nur die Grenzen gibt, welche ich mir in geschmacklicher Richtung selbst setze. So ist auch die vorliegende Auswahl eine belletristische Mischung von Titeln, von denen ich meine, dass sie mir gefallen könnten bzw. dass sie unbedingte Muss-Käufe sind.

Den Anfang macht der Piper Verlag, dessen Programm mich zwar im Großen und Ganzen (wie leider eigentlich jedes Halbjahr) ziemlich kalt lässt, aber nun zumindest auch Richard Flanagans „Der schmale Pfad durchs Hinterland“ im Taschenbuch-Format beinhaltet. Ein Buch, das nur aus Platzgründen nicht schon als Hardcover ins Regal gewandert ist und mich aufgrund seiner Inhaltsbeschreibung ein bisschen an Pierre Boulles „Die Brücke am Kwai“ erinnert – dessen Verfilmung nebenbei zu meinen ewigen Leinwandfavoriten zählt. Da der südostasiatische Kriegsschauplatz eher seltener ein Thema ist, wenn es darum geht, den 2. Weltkrieg literarisch zu verarbeiten, stellt Flanagans Buch – das die Kritik übrigens sehr positiv aufgenommen hat – eine angenehme Abwechslung dar.

Trügerisches Licht“ von Patrícia Melo hat es noch nicht endgültig auf den Merkzettel geschafft und ist bei mir mit einem dicken „Vielleicht“ versehen. „Leichendieb“ hat mir gut gefallen, wenngleich ich die Lobeshymen der vielen Krimi-Kenner da so nicht ganz nachvollziehen kann. Vielleicht kann mich der neue Roman, der erneut bei Tropen erscheint, diesmal mehr überzeugen.

Auch wenn mir der Name Hugo Claus und sein Buch „Der Kummer von Belgien“ bisher so gar nichts gesagt haben – die Nominierung des inzwischen verstorbenen Autors für den Literaturnobelpreis kommt sicher nicht von ungefähr. Und auch wenn das Werk mit Günther Grass‘ „Die Blechtrommel“ verglichen wird – für mich eins der überschätzten Bücher der deutschen Nachkriegsliteratur – reizt mich die belgische Perspektive ungemein. Ein Titel aus dieser Vorschau, den ich mir ganz sicher zulegen und lesen werde.

Ob das auch für „Gangsterland“ von Tom Goldberg gilt, muss ich erst noch abwarten. Die Inhaltsbeschreibung lässt eine launige Mafia-Komödie im Stile von Bazells „Schneller als der Tod“ vermuten. Schauplatz die Stadt der Lichter und des Glücksspiels Las Vegas. Das kann launig und amüsant werden, aber wie immer, wenn der Krimi lustig sein will, besteht die Gefahr, dass es letztlich doch vor allem eins wird – nämlich seicht und schrecklich darum bemüht, witzig zu sein. Nur wenige Caper-Novels konnten mich bisher überzeugen. Mal schauen, ob Goldbergs Werk dazugehören wird.

Ist irgendetwas für euch dabei?

  • Richard Flanagan – Der schmale Pfad durchs Hinterland (Taschenbuch, Januar 2017 – Piper – 978-3492309998)
  • Inhalt: Preisgekrönt entfachte Richard Flanagans Roman weltweit einhellige Begeisterung: Sein Held ist Dorrigo Evans, ein begabter Chirurg, dem eine glänzende Zukunft bevorsteht. Als der Zweite Weltkrieg auch Australien erreicht, meldet er sich zum Militär. Doch der Krieg macht keine Unterschiede, und während Dorrigo in einem japanischen Gefangenenlager mit seinen Männern gegen Hunger, Cholera und die Grausamkeit des Lagerleiters kämpft, quält ihn die Erinnerung an die Liebe zu der Frau seines Onkels. Bis er einen Brief erhält, der seinem Leben eine endgültige Wendung gibt.
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(c) Piper

  • Patrícia Melo – Trügerisches Licht (Broschiert, Juli 2016 – Tropen – 978-3608502152)
  • Inhalt: Sensationslust folgt überall den gleichen Regeln: Schön ist interessanter als hässlich, reich spannender als arm, und nichts geht über einen ermordeten Star. Ein abgründiger Krimi über den Kontrast zwischen glamouröser Fernsehwelt und einem Brasilien, das im Chaos versinkt.
    Tatort São Paulo: Bei einer Theatervorstellung erschießt sich der Serienstar Fábbio Cássio auf der Bühne. Schnell ist der Kriminaltechnikerin Azucena klar, dass dieser Selbstmord in Wahrheit ein geschickt inszenierter Mord ist. Zunächst fällt ihr Verdacht auf die Ehefrau des Toten, die zur Tatzeit Kandidatin einer Reality-Show ist und deren Beliebtheitswerte beim Publikum nach Fábbios Tod in die Höhe schnellen. Und während Azucena noch um das Sorgerecht für ihre Töchter kämpft, wird sie mit einem skrupellosen Mörder konfrontiert, der es am Schluss auf die Ermittlerin selbst abgesehen hat.
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(c) Tropen

  • Hugo Claus – Der Kummer von Belgien (Hardcover, August 2016 – Klett Cotta – 978-3608960372)
  • Inhalt: Der kleine, rotzfreche Louis Seynaves ist zunächst hingerissen vom Einmarsch deutscher SS-Verbände in sein flämisches Heimatstädtchen Walle, das alsbald zum Spiegel der großen Welt wird. Spielerisch, humorvoll und mitreißend fügt Hugo Claus in seinem Meisterwerk Hunderte von Episoden zu einem epochalen Roman zusammen, der zum Kanon der Weltliteratur gezählt wird.
    Belgien ist zur Zeit des Zweiten Weltkriegs weniger ein Land denn ein Zustand, in dem sich auch der kleine Louis wiederfindet. Mit drei Mitschülern hat er einen Geheimbund geschlossen, in dem sie verbotene Bücher lesen, bis ihn seine Mutter nach dem deutschen Überfall auf Polen aus dem Internat nach Hause holt. Sein Zuhause, das sind die Gassen um den Grote Markt, die schummrigen Winkel in der väterlichen Druckerei und vor allem der Familientratsch am Küchentisch. Jede kleine Denunziation, jede opportunistische Versuchung, sich mit den ‚Germanen‘ gegen die Wallonen zu verbünden, jede Episode dieser spannenden Jahre erlebt Louis hautnah mit – wie einen Weltalltag, der sich in diesem Stück Weltliteratur spiegelt.
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(c) Klett-Cotta

  • Tod Goldberg – Gangsterland (Broschiert, September 2016 – C. Bertelsmann – 978-3570103005)
  • Inhalt: Mafia-Killer Sal Cupertine hat es vermasselt. Durch Verquickung unglücklicher Umstände hat er in Chicago drei FBI-Beamte getötet – ein böser Fehler. Statt dafür von seinem Boss selbst ins Jenseits befördert zu werden, landet er nach diversen Gesichtsoperationen und entsprechendem Intensivstudium als Rabbi David Cohen in einer jüdischen Gemeinde in Las Vegas. Aber auch dort hat die Mafia ihre Finger im Spiel. Bald geht Rabbi Cohen nicht nur wieder seinem alten Gewerbe nach, sondern entdeckt weitere lukrative Betätigungsfelder, die sich mit der Rolle als Seelsorger aufs Beste vereinen lassen.
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(c) C. Bertelsmann

+++ Der Vorschau-Ticker – Sommer/Herbst 2016 – Teil 7 +++

Tropen war in den letzten Jahren ein sicherer Garant für richtig große Literatur außerhalb des grauen Mainstreams. Und es scheint fast, als würde sich daran auch im nächsten Frühjahr nichts ändern, wobei es auffällig ist, dass der Western derzeit eine gewisse Renaissance erlebt. Antonin Varenne, James Carlos Blake, Bruce Holbert und jetzt auch Joe R. Lansdale – Saloons, Steppenläufer und Shootouts sind eindeutig wieder in. Mir gefällt’s.

Was Carlotto angeht – bisher habe ich immer noch keinen gelesen. „Am Ende eines öden Tages“ könnte ein guter Titel sein, um das zu ändern. Und „Willkommen in Night Vale“ von Klett Cotta – muss man abwarten. Klingt in jedem Fall echt schrill und interessant.

  • Joe R. Lansdale – Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick (April 2016 – Tropen Verlag – 978-3-608-50140-7)
  • Inhalt : Nachdem Willie unverschuldet eine Einladung zum Lynchen erhält, stiehlt er ein Pferd und flieht. Er begibt sich unter den Schutz eines ehemaligen Soldaten namens Loving, der ihm Lesen und Schießen beibringt. Als er erneut fliehen muss, nimmt Willie den Namen Nat Love an und meldet sich im Norden freiwillig zur Armee. Er und ein anderer freigelassener Sklave sind kurz darauf die einzigen Überlebenden ihrer Einheit bei einem Apachenhinterhalt. Gemeinsam machen sie sich auf nach Deadwood, wo Nat sich in eine wunderschöne junge Frau verliebt, das Leben von Wild Bill Hickok rettet – und auf Rache an seinen Verfolgern sinnt.
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(c) Tropen

  • Massimo Carlotto – Am Ende eines öden Tages (Februar 2016 – Tropen Verlag – 978-3-608-50137-7)
  • Inhalt : Giorgio Pellegrini ist Exterrorist und skrupelloser Verbrecher: Gute Eigenschaften, um sich im korrupten Nordosten Italiens an die Spitze der bürgerlichen Gesellschaft zu arbeiten. Dabei geht er über Leichen. Doch dann fällt ihm ausgerechnet der Mensch in den Rücken, der ihm geholfen hat, in die ehrbaren Kreise einer von mafiöser Korruption durchtränkten Gesellschaft aufzusteigen. Pellegrini muss ein weiteres Mal seine dunkle Seite bemühen, um nicht unterzugehen. Mit eiskaltem Pathos und elektrisierender Lakonie erzählt, bietet Carlottos Roman einen tiefen Einblick in die Abgründe einer dunklen Seele und das korrupte System Italiens.
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(c) Tropen

  • Joseph Fink, Jeffrey Cranor – Willkommen in Night Vale (März 2016 – Klett Cotta Verlag – 978-3-608-96137-9)
  • Inhalt : Jackie Fierro betreibt schon lange das örtliche Pfandhaus in Night Vale. Eines Tages verpfändet ein Fremder einen Zettel, auf dem in Bleistift die zwei Worte »King City« geschrieben stehen. Jackie hat sofort ein merkwürdiges Gefühl. Kaum ist er in Richtung Wüste verschwunden, erinnert sich niemand an ihn – aber Jackie kann das Papier nicht mehr aus der Hand legen. Zusammen mit der alleinerziehenden Mutter eines jugendlichen Gestaltwandlers geht Jackie daran, das Rätsel von »King City« zu lösen. Ihr Weg führt die beiden in die Bibliothek von Night Vale, die allerdings noch kaum jemand wieder lebend verlassen hat …
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(c) Klett Cotta