+++ Vorschau-Ticker „Non-Crime“ – Frühling/Herbst 2020 – Teil 1 +++

Neben dem Kriminalroman wildert die kriminelle Gasse natürlich noch in anderen Genres – und so wird es auch dieses Jahr wieder einen (oder zwei?) Ticker über die Titel aus dem weitgefassten Bereich der Belletristik geben. Hierbei fällt auf, dass sich bereits unter den ersten Verlagsvorschauen gleich einige Bücher befinden, die mehr als einen zweiten Blick wert sind bzw. sogar definitiv den Weg in die heimische Bibliothek finden werden. Und damit ohne Umschweife zu unseren heißesten Anwärtern aus den Häusern Hanser, Piper, Berlin und Tropen.

Falls sich übrigens jemand wundert: Hilary Mantels abschließender Band der Tudor-Trilogie war mir in der vorherigen Vorschau glatt entgangen. Dennoch sei für Freunde des historischen Romans auf diese Schwarte nochmal explizit hingewiesen.

Welcher Titel aus der Liste spricht euch denn am meisten an?

  • Richard Frank – Irische Passagiere
    • Hardcover, April 2020, Hanser Berlin Verlag, 978-3446265882, 288 Seiten, 22,00 €
    • Crimealley-Prognose: Da ich in der Vergangenheit vermehrt auf den Kurzgeschichten-Geschmack gekommen bin, spielt mir diese Veröffentlichung sehr in die Hände. Von Ford steht a) ohnehin fast alles im Regal und er ist b) immer eine sichere Bank für große, markante Literatur. Schroff, eckig und doch am Ende stets auch auf überraschende Art und Weise berührend – das erwarte ich mir auch bei Irische Passagiere. Wird sicher gekauft.
  • David Vann – Momentum
    • Hardcover, März 2020, Hanser Berlin Verlag, 978-3446265943, 320 Seiten, 24,00 €
    • Crimealley-Prognose:  David Vanns Sprachgewalt hat mich in der Vergangenheit bereits mehrfach beeindruckt und sich damit in den engen Kreis der Autoren geschrieben, deren neues Buch ich sofort näher in Augenschein nehme. Das gilt auch für Momentum, mit dem Vann von Suhrkamp zu Hanser Berlin wechselt. Ohnehin schon immer sehr autobiographisch geprägt, scheint sich dieser Roman ziemlich eng an der Lebensgeschichte von Vanns Vater zu orientieren. Die Suche des depressiven Jim nach einer Erlösung in der Natur tönt wieder interessant. Und auch das Cover deutet daraufhin, dass wir einmal mehr einen Plot in der Tradition von McCarthy, Gay und Co. erwarten dürfen.
  • Jane Healey – Die stummen Wächter von Lockwood Manor
    • Broschiertes Taschenbuch, April 2020, hanserblau, 978-3446266001, 448 Seiten, 15,00 €
    • Crimealley-Prognose: Healeys ist Buch ist meinerseits ein absoluter Schuss ins Blaue, löst doch zumindest das Cover bei mir erstmal einen Fluchtreflex aus. Anderseits klingeln mir bei dem einsamen viktorianischen Herrenhaus, dem zeitlichen Rahmen der späten 30er Jahre und bei ausgestopfte Exponanten, welche des Nachts ihren Standort verändern, auch die Ohren. Dass zudem Healey selbst in einem angeblichen „Haunted“-Haus aufwuchs und auch noch ihre Abschlussarbeit über übersinnliche Phänomene in Jane Eyre schrieb, lässt auf einen guten, atmosphärischen Schauerroman hoffen (Wenn die „große Liebe“ nicht allzu sehr im Mittelpunkt steht). Ich werde mein Glück mal wagen.
  • Angie Kim – Miracle Creek
    • Hardcover, März 2020, hanserblau, 978-3446266308, 464 Seiten, 22,00 €
    • Crimealley-Prognose: Die gleichnamige Kleinstadt in Virgina ist der Schauplatz dieses Romans, in dem bei der Explosion eines Sauerstofftanks zwei Menschen ums Leben kommen. Die Mutter des einen Opfers, ein achtjähriger Junge, steht im Verdacht, für die Brandstiftung verantwortlich zu sein. Und doch haben auch alle anderen etwas zu vergeben. Das klingt für mich wie Broadchurch in den Südstaaten und damit äußerst verlockend. Wird ganz sicher ins Regal wandern.
  • Emma Flint – In der Hitze eines Sommers
    • Broschiertes Taschenbuch, Juni 2020, Piper Verlag, 978-3492061605, 448 Seiten, 16,99 €
    • Crimealley-Prognose: Schon John Balls In der Hitze der Nacht war mehr Gesellschaftsroman als Krimi und dieser „Gegenpart“ von Emma Flint spielt nicht nur ebenfalls in den 60er Jahren und thematisiert ein heikles Thema, sondern basiert gar auf einer wahren Begebenheit. Als zwei Kinder spurlos verschwinden, will man dies der selbstwussten Mutter und ihrem eigenwilligen Lebensstil zur Last legen. Nur der Reporter Ruth erkennt die frauenverachtenden Machenschaften der Polizei und beginnt selbst nachzuforschen. Wenn Flint es gelungen ist, ein treffendes Sittengemälde der damaligen Zeit mit der entsprechenden Dramaturgie zu zeichnen, steht einem ganz großen Wurf nichts im Wege. Für mich ein Muss-Kauf.
  • John Boyne – Die Geschichte eines Lügners
    • Hardcover, Mai 2020, Piper Verlag, 978-3492059633, 432 Seiten, 24,00 €
    • Crimealley-Prognose: Ein Schriftsteller, der einem anderen Schriftsteller die Ideen klaut und damit dessen Karriere beendet. Und das vor dem Hintergrund des ehemaligen Westberlin. Die im Klappentext angesprochene Beziehung der Autoren Maurice Swift und Ackermann ähnelt sehr den Figurenkonstellationen von Highsmiths Der talentierte Mr. Ripley. Ob Boyne ein ähnliches psychologisch-spannendes Duell auf Papier gebracht hat – davon werde ich mich gerne selbst überzeugen.
  • Willi Achten – Die wir liebten
    • Hardcover, Mai 2020, Piper Verlag, 978-3492059947, 336 Seiten, 22,00 €
    • Crimealley-Prognose: Willi Achtens Nichts bleibt war für mich eine der größten Überraschungen der letzten Jahre und so bewerte ich die Ankündigung von Die wir liebten äußerst positiv. Zwei Brüder, die in den 70ern auf einem Gnadenhof aufwachsen, einem Heim, in dem die Methoden der Nazis immer noch fortbestehen. Wenn Achten wieder ähnlich viel Liebe und Feingefühl in die Zeichnung seiner Figuren steckt, dürfen wir uns hier einmal mehr auf große Literatur freuen.
  • Sarah Moss – Geisterwand
    • Hardcover, Mai 2020, Berlin Verlag, 978-3827014139, 160 Seiten, 20,00 €
    • Crimealley-Prognose: Nostalgischer Nationalismus und Gewalt gegen Frauen in einer Gruppe von Archäologen, die für einen Sommer in den Wäldern Northumberlands wie in der Eisenzeit leben will. Sarah Moss rührt da ein äußerst spannendes Gemisch an, dass mich allein schon vom Schauplatz her lockt und zudem Potenzial hat, der Thematik „Sekte bzw. Kommune“ ein paar neue Facetten abzugewinnen. Ich bin angefixt und werde mir Geisterwand sicher gönnen (Über die 20 € für gerade mal 160 Seiten muss man sich dennoch wundern).
  • Hilary Mantel – Spiegel und Licht
    • Hardcover, März 2020, DuMont Buchverlag, 978-3832197247, 1200 Seiten, 30,00 €
    • Crimealley-Prognose: Schande über mein Haupt. Ich bin zwar ein großer Liebhaber des historischen Romans, aber die mehrfach preisgekrönten Titel Wölfe und Falken aus der Feder Hilary Mantels habe ich immer noch nicht gelesen. Und die Verfilmung zu ersterem Buch steht ebenfalls ungesehen im Regal. Nun erscheint der seitenstarke Abschluss der Trilogie über die Tudors und will mir damit wohl deutlich machen: Zeit wirds. Vielleicht sollte ich für alle drei Bände mal einen Monat Urlaub nehmen?
  • Tom Kummer – Von schlechten Eltern
    • Hardcover, März 2020, Tropen Verlag, 978-3608504286, 256 Seiten, 22,00 €
    • Crimealley-Prognose: Kummers Roman ist eine Wundertüte. Die Geschichte eines VIP-Fahrers, der des Nachts seine Runden gen Bern oder Zürich dreht und sich dabei mit seinen Fahrgästen unterhält – das kann auf intime Art und Weise beklemmend und eindringlich daherkommen. Oder auch zu Tode langweilen. Dass der Klappentext vor allem aber die Themen Verzweiflung und Tod betont, deutet zumindest an, dass auch in diesem Fall auf ein größeres Spannungsmoment hingearbeitet wird. Ich werde dennoch mal erste Besprechungen vor dem Kauf abwarten.
  • Anna Burns – Milchmann
    • Hardcover, Februar 2020, Tropen Verlag, 978-3608504682,  496 Seiten, 25,00 €
    • Crimealley-Prognose: Ob ich mit Milchmann am Ende warm werde, wird von mehreren Faktoren abhängen. Der Plot um eine selbstbewusste und selbstbestimmte Frau, die von einem älteren und mächtigen Mann, dem Milchmann, bedrängt wird, hat durchaus Konfliktpotenzial – gerade vor dem Hintergrund des Schauplatzes Irland, wo Burns dieses Gesellschaftsporträt in einem kleinen Dorf platziert. Ich hoffe auf einen typisch irischen – und damit lakonischen und etwas derben (in Bezug auf die Sprache) – Roman, der sich am Ende nicht nur wie eine feministische Kampfschrift lesen lässt, sondern auch eine überzeugende Geschichte zu erzählen weiß. Es gibt einige Bloggerkollegen und Bloggerkolleginnen, die dieses Buch sicher lesen werden und ich werde daher wohl auf erste Rückmeldungen warten.

 

+++ Vorschau-Ticker „Crime“ – Frühling/Herbst 2020 – Teil 1 +++

Ich habe mal gerade einen Rundumblick durch unsere Bibliothek geworfen und muss ehrlich konstatieren: Wenn die Autoren ab sofort keinerlei Bücher mehr schreiben und die Verlage nichts mehr veröffentlichen würden – wir wären in diesem Hause trotzdem bis zum Rest unserer Tage mehr als ausreichend versorgt. Wer immer jedoch behauptet hat, dass mehr nicht immer besser ist, er war sicherlich nicht bibliophil veranlagt oder hat so gerne wie ich in neuen Vorschauen gestöbert. Diese gehen nun nämlich gerade wieder peu à peu online und geben einen Blick auf die Titel des kommenden Halbjahres frei. Und was da so angekündigt wird, das kann sich bis jetzt meines Erachtens durchaus sehen, Merkzetteln und teilweise sogar gleich vorbestellen lassen.

Und daher ohne viel weiteres Tamtam hier mal meine persönliche Krimi-Auslese der Verlage Suhrkamp, Klett-Cotta/Tropen, Piper und Pulp Master.

Wofür könntet ihr euch aus dieser Auswahl erwärmen?

  • Scott Thornley – Der gute Cop
    • Broschiertes Taschenbuch, August 2020, Suhrkamp Verlag, 978-3518470817, 550 Seiten, 16,00 €
    • Crimealley-Prognose: Die Frankfurter Buchmesse mit dem Gastland Norwegen ist gerade vorbei, da werden bereits seitens Suhrkamp die Weichen für den Landesvertreter im nächsten Jahr gestellt. Mit Der gute Cop kündigt der Verlag einen kanadischen Krimi an, der zumindest schon mal vom Cover her durchaus für Aufmerksamkeit sorgt. Hier steht, nicht wie meist üblich, ein Protagonist im Vordergrund, sondern gleich ein ganzes Ermittlerteam. Angeführt von Detective Superintendent MacNeice, der mich in seiner Beschreibung ein wenig an Landsmann Farrows Émile Cinq-Mars erinnert und mit sich bekriegenden Biker-Gangs ähnliche Probleme zu lösen hat. Könnte was werden und wird daher im Auge behalten.
  • Adrian McKinty – Alter Hund, neue Tricks
    • Broschiertes Taschenbuch, Juli 2020, Suhrkamp Verlag, 978-3518470602, 380 Seiten, 15,95 €
    • Crimealley-Prognose: Nachdem er zuletzt mit dem kruden The Chain vor allem dumpfe Mainstream-Fantasien bedienen musste, um fällige Rechnungen zu bezahlen, kehrt McKinty mit Alter Hund, neue Tricks (engl. Hang On St Christopher), dem achten und vorletzten Band der Serie,  wieder zu seiner Kult-Figur Sean Duffy – und damit ins Belfast der 90er Jahre zurück. Man kann nur hoffen, dass dieser Titel reißenden Absatz findet, damit sich der Autor nicht nochmal so an den amerikanischen Kommerz verkaufen muss. Wer die Reihe kennt, der weiß – an deren Qualität kann das ja verdammt nochmal wirklich nicht liegen. Unbedingte Kaufempfehlung – für mich und alle anderen Freunde gut geplotteter Krimis.
  • Zoë Beck – Paradise City
    • Broschiertes Taschenbuch, Juni 2020, Suhrkamp Verlag, 978-3518470558, 350 Seiten, 16,00 €
    • Crimealley-Prognose: Eine der besten deutschen Krimi-Autorinnen schreibt eine Dystopie mit der molochartigen Mega-City Frankfurt am Main als Setting? Klingt ziemlich gewagt, wenn eben nicht Frau Beck hier verantwortlich zeichnen würde, die bereits in der Vergangenheit gezeigt hat (siehe Die Lieferantin), dass sie für Zukunftsthemen im Thriller-Gewand durchaus ein Händchen hat. Der Klappentext verspricht in jedem Fall eine düstere Story ganz nach meinem Gusto. Und so wird auch Paradise City sicher in mein Regal wandern.
  • Melissa Scrivner Love – Capitana
    • Broschiertes Taschenbuch, Mai 2020, Suhrkamp Verlag, 978-3518470503, 330 Seiten, 15,95 €
    • Crimealley-Prognose: Mit Capitana erleben wir die Rückkehr der Gang-Leaderin Lola, dessen gleichnamiger erster Auftritt zwar von mir ebenfalls gemerkzettelt, aber noch immer nicht gekauft, geschweige denn gelesen wurde. Warum die Fortsetzung trotzdem in der Auswahl landet? Weil mich diese Kill-Bill-Version aus L.A. schlichtweg lockt und es neben all den versoffenen Private-Eyes auch ruhig mal eine skrupellos-wahnsinnige Drogen-Lady sein darf. Wie ich mich überhaupt über jede weibliche Figur in einem Spannungsroman freue, die nicht „ins Visier des Killers gerät„.
  • Lauren Wilkinson – American Spy
    • Broschiertes Taschenbuch, Juni 2020, Tropen Verlag, 978-3608504644, 352 Seiten, 16,00 €
    • Crimealley-Prognose: Auch die Ankündigung von American Spy weckt bei mir große Vorfreude. Nicht nur, weil ich damit den Prozentanteil an weiblichen Autoren in meinen Tickern etwas heben kann (Mir wird ja immer wieder gern mal vorgeworfen, ich würde Frauen absichtlich keinerlei Beachtung schenken), sondern weil die Story um eine schwarze Geheimagentin – welche am Ende des Kalten Kriegs ausgeschickt wird, um einen afrikanischen Präsidenten auszuspionieren – genau das ist, was die Krimi-Szene der USA jetzt gebrauchen kann. Eine mutige Afroamerikanerin unter weißen Männern – das ist in der Tat mal etwas anderes und macht mich äußerst neugierig. Wird ganz sicher gekauft.
  • Keigo Higashino – Unschuldige Täter
    • Hardcover, März 2020, Tropen Verlag, 978-3608504132, 400 Seiten, 22,00 €
    • Crimealley-Prognose: Wer mich näher kennt, der weiß – ich hab es nicht so mit asiatischer Kriminalliteratur. Unter der Mitternachtssonne hat allerdings allerorten überaus positives Feedback erhalten und auch der in die Vergangenheit zurückreichende Fall in Unschuldige Täter lässt mich wieder aufhorchen, ist doch der geniale Physiker Yukawa zwar an klassische Vorbilder angelehnt, aber vor dem Hintergrund des Schauplatzes Japan eine erfrischende Abwechslung.
  • Rex Stout – Die goldenen Spinnen
    • Hardcover, März 2020, Klett-Cotta Verlag, 978-3608963908, 240 Seiten, 16,00 €
    • Crimealley-Prognose: Hier versuche ich mich mal kurz zu fassen. Die Neuauflage der Nero-Wolfe-Bände ist für Freunde des einmaligen Gourmet-Detektivs ein Segen und – zumindest meiner Ansicht nach – auch optisch ein absoluter Hingucker. Da es in meinem ureigensten Interesse ist, dass die Reihe noch lange fortgesetzt wird, werde ich Klett-Cotta wieder mit einem Kauf unterstützen.
  • Ray Celestin – Gangsterswing in New York
    • Broschiertes Taschenbuch, April 2020, Piper Verlag, 978-3492061650, 704 Seiten, 18,00 €
    • Crimealley-Prognose: Mit Gangsterswing von New York legt Celestin bereits den dritten Band seines City Blues Quartetts vor, dessen Beschreibung mich wieder komplett abholt – und mich in meinem blinden Eifer sogar vergessen lässt, dass ich noch nicht einmal die ersten beiden Teile gelesen habe. Die späten 40er Jahre, Mafia, verrauchte Clubs, Privatdetektive und der Abschaum der Unterwelt. Shut up and take my money!
  • Tom Franklin – Wilderer
    • Taschenbuch, Januar 2020, Pulp Master, 978-3946582076, 270 Seiten, 14,80 €
    • Crimealley-Prognose: Natürlich wird Wilderer, wie auch der folgende Pulp Master Titel Moder, nicht im Januar 2020 erscheinen, ist doch das Datum erstmal als reiner Platzhalter gedacht. Zeit ist aber auch kein Faktor der im Zusammenhang mit Frank Nowatzkis Verlag eine Rolle spielt, der schon immer eine Prämisse verkörpert hat: It’s done when it’s done – and it’s always fucking great. Dennoch ist Vorfreude auf Wilderer groß, sind es doch diese Kurzgeschichten, welche dem Southern Gothic Autor Franklin zum Durchbruch verhalfen. Als Freund dieses in den alten Südstaaten beheimateten Sub-Genres ist die angekündigte Veröffentlichung für mich jedenfalls eine großartige Nachricht.
  • Garry Disher – Moder
    • Taschenbuch, Januar 2020, Pulp Master, 978-3946582069,  270 Seiten, 14,80 €
    • Crimealley-Prognose: Nach dem gerade erschienenen Hitze hat Pulp Master mit Moder gleich den nächsten Titel mit dem Berufsverbrecher Wyatt in der Pipeline. Unglaublich, dass ich es immer noch nicht über den Auftakt Gier hinausgeschafft habe. Andererseits beruhigend zu wissen, dass da noch so viel Gutes auf mich wartet, zumal ja Wallace Stroby mit seiner Crissa Stone auch eine Pause eingelegt hat. Wer Wyatt übrigens bisher nicht kannte, sollte diese kulturelle Lücke unbedingt füllen.

 

+++ Vorschau-Ticker „Crime“ – Winter 2019/Frühjahr 2020 – Teil 1 +++

Nachdem ich bei der letzten Verlagsvorschauen-Saison meine heiß erwarteten Buchtitel mit monatelanger Verzögerung nachliefern musste, versuche ich für das kommende Halbjahr wieder etwas der Zeit voraus zu sein. Die Chancen dafür stehen auch gut, denn ein Gros der Vorschauen wurde bereits online gestellt und so habe ich mich – bereits jetzt in dem Wissen, nur einen Bruchteil davon in den nächsten Jahren lesen zu können – in die Auslese gestürzt. Wie zu erwarten sind mir wieder einige äußerst interessante Titel ins Netz gegangen. Oder um es mal wenig zurückhaltend auszudrücken: Auch der Winter 2019/2020 wird wieder teuer werden.

(Übrigens: Das ein oder andere Buch, z.B. der neue Alan Parks oder der neue Ross Thomas, wurde von mir bereits in einem früheren Ticker erwähnt bzw. fälschlicherweise der vergangenen Vorschau-Saison zugeordnet. Nur für den Fall, dass sich jemand über fehlende Titel wundert)

Und damit zu meinen heiß erwarteten Vertretern aus dem Bereich Spannung. Was wird den Weg in euer Bücherregal finden?

  • Kevin Hardcastle – Im Käfig
    • Hardcover, Juli 2019, Polar Verlag, 978-3945133859, 300 Seiten, 20,00 €
    • Crimealley-Prognose: Hm, kommt mir irgendwie bekannt vor. Das war so der erste Gedanke, der mir bei der Lektüre des Klappentexts durch den Kopf ging. Und in der Tat: Es gibt sicher schon die ein oder andere auf der Leinwand platzierte Version dieser Geschichte, was mich aber garantiert nicht davon abhalten wird, diesen Polar-Titel zu lesen. Martial-Arts, Mohawk-Gangster, Drogen und dazu Vergleiche mit Cormac McCarthy und Donald Ray Pollock. Shut up and take my money!
  • William Boyle – Einsame Zeugin
    • Hardcover, August 2019, Polar Verlag, 978-3945133811, 350 Seiten, 20,00 €
    • Crimealley-Prognose: Nach dem äußerst positiv besprochenen Gravesend kommt mit Einsame Zeugin nun der zweite Roman aus der Feder von William Boyle. Und obwohl ich (natürlich wieder) noch nicht mal den ersten gelesen habe, wird auch das ein Muss-Kauf. Eine dem Spiritismus zugewandte Frau (sie spielte bereits in Gravesend mit), die mit einem Mörder ein Katz-und-Maus-Spiel treibt. Das ist – im Verbund mit der restlichen Figurenkonstallation – ein erfrischend anderer Ansatz.
  • Anthony J. Quinn – Gestrandet
    • Hardcover, November 2019, Polar Verlag, 978-3945133835, 350 Seiten, 20,00 €
    • Crimealley-Prognose: Wie für Schottland, so habe ich auch für die verrückten Iren sowohl musikalisch als auch literarisch schon immer eine Schwäche gehabt. Und im Spannungsbereich sind in den letzten Jahren immer mehr hochklassige Kaliber von der Grünen Insel auf dem deutschen Buchmarkt gestrandet. Quinns gleichnamiger Roman spielt direkt im Grenzbereich zwischen der Republik Irland und Nordirland und könnte angesichts der Thematik nicht aktueller sein. Franßen hat augenscheinlich weiterhin ein Näschen für das richtige Buch zum richtigen Zeitpunkt.
  • Lisa McInerney – Blutwunder
    • Hardcover, September 2019, Liebeskind Verlag, 978-3945133750, 352 Seiten, 22,00 €
    • Crimealley-Prognose: Irland ist auch der Schauplatz von Blutwunder. Nach Glorreiche Ketzereien veröffentlicht Liebeskind hiermit bereits das zweite Buch von Lisa McInerney. Und erneut dürfen wir wohl einen nachtschwarzen, rotzig-dreckigen Roman im Gangster-Milieu – in der für diesen Verlag schon typischen hochwertigen Qualität – erwarten. Wandert naturelement auch in mein Regal.
  • Stuart Turton – Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle
    • Hardcover, August 2019, Tropen Verlag, 978-3608504217, 224 Seiten, 24,00 €
    • Crimealley-Prognose: Neben Noir oder Hardboiled schätze ich bekanntermaßen zwischendurch auch immer mal wieder einen gut komponierten Whodunit. Ein Genre, das aber heutzutage eher auf dem Abstellgleis steht. Turton greift das klassische Konzept auf, mixt es mit Täglich grüßt das Murmeltier und 8 Blickwinkel und lässt den ermittelnden Protagonisten immer wieder aufs Neue – und im Körper eines anderen Gastes –  den Mord erleben. In talentierten Händen hat das durchaus Potenzial.  Und die ausländischen Pressereaktionen lassen tatsächlich ein intelligentes Katz-und-Maus-Spiel erwarten. Ich bin sehr geneigt auch hier mein Geld zu lassen.
  • Thomas Mullen – Weißes Feuer
    • Hardcover, November 2019, DuMont Verlag, 978-3832183950, 480 Seiten, 24,00 €
    • Crimealley-Prognose: Der zweite Band der Darktown-Saga von Thomas Mullen führt uns in das Atlanta der 50er Jahre, in dem die ersten schwarzen Polizisten der Stadt nicht nur mit dem alltäglichen Rassismus, sondern auch mit gewalttätigen Schmugglerbanden zu kämpfen haben. Die Kurzbeschreibung, welche auch von persönlichen Verstrickungen „spricht“, deutet bereits an, dass es um weit mehr als nur Schwarz und Weiß geht und setzt daher genug grüne Häkchen in meiner persönlichen Checkliste, weshalb ich auch diesen Roman vom Fleck weg kaufe.
  • Anthony Horowitz – James Bond – Ewig und ein Tag
    • Broschiertes Taschenbuch, Dezember 2019, Cross Cult Verlag, 978-3865326454, 400 Seiten, 16,99 €
    • Crimealley-Prognose: Horowitz hat einen neuen Bond geschrieben. Und nicht nur das. Es handelt sich dabei sogar um die Vorgeschichte von Casino Royale. Wir erfahren also endlich, wie 007 in den Dienst des britischen Geheimdiensts kam . Ich habe an diesem Autor seit seinen Holmes-Pastichés einen Narren gefressen und bin von jeher ein bekennender Bond-Fan. Ergo: Dieses Buch wird natürlich heiß von mir erwartet.
  • Joe R. Lansdale – Coco Butternut
    • Broschiertes Taschenbuch, Oktober 2019, Golkonda Verlag, 978-3946503415, 190 Seiten, 14,00 €
    • Crimealley-Prognose: Auch wenn Lansdale das hohe Niveau innerhalb der Hap & Leonard-Reihe nicht immer halten konnte, hat er – wie Horowitz – seit langem einen Stein bei mir im Brett. Und wer weiß, vielleicht läuft er in Coco Butternut wieder zur Höchstform auf. Unabhängig davon will meine Lansdale-Sammlung aber möglichst komplett bleiben. Ergo ein weiterer sicherer Einkaufs-Kandidat.
  • Scott Adlerberg – Graveyard Love
    • Hardcover, September 2019, ars vivendi Verlag, 978-3747200933,  220 Seiten, 18,00 €
    • Crimealley-Prognose: Ars vivendi mausert sich langsam aber stetig zur Juwelenschmiede, denn die letzten Jahre bewies man ein wirklich ausgezeichnetes Gespür was Spannungsromane betrifft. Graveyard Love klingt wie ein von Hitchcock nicht verfilmtes Drehbuch aus den frühen 60er Jahren. Ein Kammerspiel im Stil von Woolrich und Highsmith, das psychologisch raffinierte Suspense erwarten lässt und auf das ich mich besonders freue.
  • Alex Beer – Unter Wölfen
    • Broschiertes Taschenbuch, November 2019, Limes Verlag, 978-3809027119, 416 Seiten, 16,00 €
    • Crimealley-Prognose: Statt August Emmerich Isaak Rubinstein. Statt Wien Nürnberg. Alex Beer, Pseudonym der österreichischen Autorin Daniela Larcher, gönnt ihrem inzwischen etablierten Serienhelden eine Pause und führt den Leser stattdessen an den Schauplatz der späteren Kriegsverbrecherprozesse. Inzwischen gibt es ja viele Krimiautoren, die sich der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts annehmen. Beer gehört jedoch meines Erachtens mit zu den Besten, so dass ich auch ihrem neuen Protagonisten eine Chance geben werde.

 

+++ Der Vorschau-Ticker – Frühjahr/Herbst 2018 – Teil 5 +++

Es mag sich mittlerweile schon unter allen Krimi-Freunden herumgesprochen haben – dennoch möchte ich auch an dieser Stelle nochmal darauf hinweisen: Der vom Aus bedrohte Polar Verlag hat einen Financier gefunden und konnte dadurch ein drohendes Insolvenzverfahren abwenden. Und nicht nur das – der Betrieb soll in Bälde – mit weiterhin gleicher Ausrichtung und Verlagsgründer Wolfgang Franßen als Herausgeber und Programmleiter – wieder aufgenommen werden. Acht Titel pro Jahr sind angedacht: Vier von deutschsprachigen und vier von internationalen Autoren – alle angesiedelt im Genre Polar bzw. dem Subgenre Néo Polar. Hervorragende Nachrichten, war der Verlag doch die letzten vier Jahre für mich eine sichere Bank. Mal ganz abgesehen davon, dass es mich für Wolfgang vor allem persönlich sehr freut. Es bedeutet natürlich auch: Die für die zweite Hälfte von 2017 angekündigten Titel werden nicht erscheinen – zumindest nicht mehr in diesem Jahr.

Mit William Boyles „Gravesend“ und Roland Sprangers „Tiefenscharf“ konnten zwei Bücher in das neue Jahr „herübergerettet“ werden. Einzig hinsichtlich der Cover-Gestaltung hat es hier Änderungen gegeben. Meiner Ansicht nach in die richtige Richtung, was aber keinen überraschen dürfte, der sich unseren Blog mal ein bisschen näher angeschaut hat.

Inhaltlich fügen sich beide gut in das bisher bestehende Programm ein, wenngleich ich – wie ich gerade wieder feststelle – meine Skepsis gegenüber dem deutschsprachigem Polar noch immer nicht so richtig ablegen kann. Hier muss ich wohl noch wiederholt eines Besseren belehrt werden. Es klingt aber ganz danach, als wäre Spranger dafür der richtige Mann, denn „Tiefenscharf“ liegt mit seinen Themen voll am Puls der Zeit. Wenn er nun auch noch sein Handwerk beherrscht, kann das für mich eine durchaus positive Überraschung werden.

Nach Dave Zeltsermans „Small Crimes“ werden wir uns auch in Boyles „Gravesend“ wieder mit einem entlassenen Häftling konfrontiert sehen, den vor den Toren des Gefängnisses die eigene Vergangenheit wieder einholt. Eine ordentlich Portion Rachegelüste, ein vom Leben desillusionierter Ex-Knacki, ein Problemviertel – perfekte Gemengelage für bordsteinharte Literatur nach meinem Geschmack. Kauf ich.

Peter Haffners „So schön wie tot“ könnte laut der Kurzbeschreibung kaum mehr nach klassischem Noir klingen bzw. mit geänderten Schauplatz und einem anderen Protagonisten auch der Feder eines Robert B. Parker entsprungen sein. Womit man natürlich offene Türen bei mir einrennt, konsumiere ich zwischendurch doch immer mal gerne einen traditionellen Private-Eye. Bleibt lediglich die Fragen: Funktioniert das in Berlin? Un kann Haffner das? Für mich ist er noch ein unbeschriebenes Blatt – aber eins, dass ich mir wohl zulegen und durchschmökern werde.

Graeme Macrae Burnet hat für seine letzten beiden Titel äußerst wohlwollende bis begeisternde Kritiken erhalten, wenngleich sich einige darüber streiten, ob man es bei seinen Werken wirklich immer mit reinen Kriminalromanen zu tun hat. Auf dem Buchmarkt erfolgreich scheinen sie zu sein, denn der Europa Verlag legt nun mit „Der Unfall auf der A35“ das bereits dritte Buch nach, welches den Leser diesmal ins Elsass entführt. Auch wenn der Titel (tatsächlich sogar wortwörtlich aus dem Original übersetzt) lahmer kaum sein könnte – Burnet hat seine Klasse schon bewiesen. Und auch die Inhaltsbeschreibung ist alles andere als 0815. Ich bin gespannt und werde mich selbst überzeugen.

Um japanische Literatur mache ich in der Regel – von Murakami mal abgesehen – meist einen großen Bogen. Was höchstwahrscheinlich besonders hinsichtlich der Krimi-Autoren aus dem Land der aufgehenden Sonne ein großes Versäumnis darstellt. Fakt ist aber auch: Bisher konnten mich die wenigen hier gelesenen Bücher nicht überzeugen bzw. war der Inhalt nicht mit den Lobpreisungen des Feuilletons oder auch anderer Blogger in Einklang zu bringen. Bei Higashinos „Unter der Mitternachtssonne“ werde ich den Sprung ins kalte Wasser jedoch noch mal wagen. Und das obwohl die Geschichte um einen hartnäckigen Ermittler und einen lange verjährten Mord eigentlich nichts Neues verspricht. Warum also? Die Stimme im Hinterkopf (könnte auch nur der süchtige Buchsammler im Ohr sein) sagt, probiere Dein Glück nochmal.

Wofür werdet ihr euer Weihnachtsgeld an die Seite legen?

  • William Boyle – Gravesend (Broschiertes Taschenbuch, Januar 2018 – Polar Verlag – 978-3945133552)
  • Inhalt: Ray Boy Calabrese wird aus dem Gefängnis entlassen. Während seiner Schulzeit hat er einen Jungen wegen seines Schwulseins gequält, ihn zusammen mit Freunden geschlagen, getreten, sodass Duncan nur die Flucht blieb und er überfahren wurde. Vor Gericht nannten sie es Hate Crime, ein sexistisch motiviertes Verbrechen. Nun kommt Ray Boy Calabrese aus der Haft frei und will nur noch sterben. Duncans Bruder Conway hat Rache geschworen, lernt schie­ßen und trifft nicht. Er ist neunundzwanzig, arbeitet in einem Rite Aid und wohnt bei seinem Vater Pope. Mit Ray Boys Heimkehr in sein altes Viertel reißen die nur leicht übertünchten Risse in der Familie auf, in der er aufgewachsen ist. Während sein Neffe Eugene in ihm ein Idol sieht und bitter enttäuscht ist, dass sein Held zu einem gebrochenen Mann geworden ist.
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© Polar

  • Roland Spranger Tiefenscharf (Broschiertes Taschenbuch, Januar 2018 – Polar Verlag – 978-3945133590)
  • Inhalt: Das Leben ist nicht immer fair zu einem. Vor allem, wenn die falschen Entscheidungen getroffen werden. Drogendealer Max mit Nazihintergrund wirft vor einer Polizeikontrolle die Lieferung aus dem Fenster und irrt danach auf der Suche nach dem Crystal Meth durch den Schnee. Als er einem Flaschensammler begegnet, glaubt er, dass der das Päckchen an sich genommen hat, und lässt seine Wut an ihm aus, wird sogar zum Mörder, um einen Zeugen zu beseitigen. Das Leben des Video­Journalisten Sascha verläuft in ruhigeren Bahnen. Für ihn stellt sich eher die Frage, was der Journalismus im Zeitalter sozialer Medien noch wert ist, wenn ein Attentat mit einer Wasserpistole voller Urin die Schlagzeilen beherrscht. Als er einem Drogendeal auf die Spur kommt, glaubt er an seine große Chance. –  Alles dreht sich um den Rausch, mit dem die innere Leere überdeckt wird. Sie trinken zu viel. Sie nehmen zu viel Crystal Meth. Sie halten schwierige Beziehungen durch, kennen sich bestens in Serien und Musik aus, und werden von der Sehnsucht nach Romantik, Lust und Leidenschaft angetrieben, während Autos und Flüchtlingsheime in Brand gesetzt werden.
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© Polar

  • Peter Haffner – So schön wie tot (Hardcover, Februar 2018 – Nagel & Kimche Verlag – 978-3312010592)
  • Inhalt: Privatermittler Larry Hardy ahnt nichts Gutes, als eine junge Frau in sein Büro stürmt und verlangt, dass er ihren verschollenen Vater findet. Sie ist die Tochter des berühmten Autors Michael McCullen, der wie Larry selbst aus Amerika stammt und nun in Berlin lebt. Zunächst aber findet Larry nur die Ehefrau des Vermissten, und zwar tot in der Badewanne. Dummerweise gerät der Detektiv selbst in Verdacht. Larrys Probleme vermehren sich ebenso wie die Verdächtigen, und zu allem Überfluss setzen ihn auch noch russische Verbrecher unter Druck.
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© Nagel & Kimche

  • Graeme Macrae Burnet – Der Unfall auf der A35 (Broschiertes Taschenbuch, Februar 2018 – Europa Verlag – 978-3958901544)
  • Inhalt: Eigentlich gibt es nichts Außergewöhnliches an dem tödlichen Autounfall auf der A35 unweit des elsässischen Städtchens Saint Louis. Doch eine Frage treibt Kommissar Georges Gorski um: Wo war das Unfallopfer Bertrand Barthelme in der Nacht, in der er mit seinem Wagen frontal gegen einen Baum krachte? Als Barthelmes Spuren zu einer jungen Prostituierten in Straßburg führen, die just in jener Nacht erdrosselt wurde, ist der kauzige Provinzkommissar alarmiert. Schnell verstrickt sich Gorski in einem mysteriösen Rätsel um den Toten, das tief hinter die harmlose Fassade der verschlafen wirkenden Kleinstadt Saint Louis blicken lässt. Und auch Barthelmes Sohn Raymond beginnt dem Geheimnis seines verstorbenen Vaters nachzuspüren, das die wohlgeordnete Welt des 17-Jährigen schon bald gehörig ins Wanken bringt …
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© Europa Verlag

  • Keigo Higashino – Unter der Mitternachtssonne (Hardcover, März 2018 – Tropen Verlag – 978-3608503487)
  • Inhalt: Ein zwanzig Jahre alter Mord. Eine Verkettung unlösbarer Rätsel. Ein Detektiv, der entschlossen ist, das dunkle Geheimnis zu entschlüsseln. – Osaka, 1973: Der Pfandleiher Kirihara wird ermordet in einem verlassenen Gebäude aufgefunden. Der unerschütterliche Detektiv Sasagaki nimmt sich des Falls an, der von nun an sein Leben bestimmt. Schnell findet er heraus: Ryo, der wortkarge Sohn des Opfers, und Yukiho, die hübsche Tochter der Hauptverdächtigen, sind in das Rätsel um den Toten verwickelt. Beinahe zwanzig Jahre lang versucht Sasagaki mit zunehmender Verzweiflung, den Mord aufzuklären, in dessen Netz sich Täter, Opfer und Polizei verfangen haben. Bis über alle Grenzen hinaus, bis hin zur Obsession.
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© Tropen

 

 

 

Clockwork Bohane

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© Tropen

Es gibt Bücher, da huschen bei einer Rezension die Finger nur so über die Tastatur, kommen die Worte und Sätze wie von selbst, können Gefühle und Gedanken in Sekundenschnelle in die Form eines Textes gebracht werden. Und dann gibt es Bücher, wo man minutenlang nur auf das weiße Word-Dokument starrt, eine enge Hassliebe zu den Tasten „Entfernen“ und „Rückschritt“ entwickelt, wo sich mühsam verkniffen die Augenbrauenbüschel sekündlich näher kommen, weil man schlichtweg nicht in der Lage ist, das Erlesene überhaupt irgendwie verständlich zu verschriftlichen – geschweige denn so, dass es irgendeinen Mehrwert für andere hat, welcher über die reine inhaltliche Zusammenfassung hinausgeht.

Dunkle Stadt Bohane“, das Werk des irischen Schriftstellers Kevin Barry, fällt in eben jene zweite Kategorie, mischt sich unter die elitäre Klientel nicht fassbarer Literatur, die man schwerlich jemandem näher bringen kann, da man ihr selbst einfach nicht nahe genug kommt, sie sich windet, uns Rätsel aufgibt und schwindlig erzählt. Jegliche Herangehensweise bedarf hier scheinbar eines gesunden Maßes an Skepsis und muss behutsam vonstatten gehen – zu groß die Gefahr, von Barrys Sprach- und Fabulierkunst mitgerissen zu werden, welche, wie der fiktive Fluss Bohane im Roman, nachtschwarz dahin rauscht und unsere Sinneseindrücke verfremdet. Western, Dystopie, Gangster-Epos, Noir, Märchen, Tragödie. Dieser in allen Belangen außergewöhnliche Debütroman lässt sich nicht ohne Weiteres in irgendeinem Genre verorten, sperrt sich gegen jeglichen Versuch einer Verankerung, weder in Raum noch in der Zeit. Und wenn letztere dann irgendwann im Verlauf des Buches doch genannt wird, gibt uns „Dunkle Stadt Bohane“ nur mehr Fragen auf. Das ist, was wir wissen:

Irland, im Jahr 2053. Die Stadt Bohane – wie Barry zugibt, eine Reminiszenz und Karikatur seiner Heimatstadt Limerick (geographische Parallelen wie der die Stadt teilende Fluss oder die torfig-moorigen Weiten im Hinterland wären auch nicht von der Hand zu weisen gewesen) – ist auf dem absteigenden Ast. Einst wichtigstes Zentrum an der irischen Westküste, ist sie jetzt nur noch ein abschreckendes Beispiel für die Verwaltung des Verfalls. Die Kontrolle ist von den Höhen der von Stadträten gemachten Politik längst in die Tiefen der verwinkelten Gassen und Straßen übergegangen, durch den der beißend kalte Hartwind der Nichtsöde bläst und rivalisierende Banden mit Messern („Schächder“) patrouillieren – ständig miteinander im Clinch um die untereinander aufgeteilten Stadtviertel, von dem das größte, Smoketown, immer noch von Logan Hartnett und seinen Fancy-Boys beansprucht wird. Doch seine Stellung ist in Gefahr, denn nach 25 Jahren des selbstauferlegten Exils kehrt sein alter Rivale, der Gant Broderick, zurück nach Bohane – um den Kampf um die Macht und das Herz einer Frau, Logans Frau, fortzusetzen. Dieser muss handeln, denn auch seine Untergebenen sehen nun die Zeit gekommen, selbst nach der Macht zu greifen …

Weltschmerz, Wehmut, Abschied, Sehnsucht. „Dunkle Stadt Bohane“ ertrinkt geradezu in einer düsteren Melancholie, die sich – wie der Nebel des Atlantiks im Buch – durch die verwinkelten Schluchten der Metropole ergießt, Türen und Fenster durchdringt, und Gefühle wie Liebe und Freude noch im Ansatz erstickt. Jede Bewegung ist zähflüssig, jeder Fortschritt erlahmt. Die Bewohner ergehen sich in nostalgischen Diskussionen über das Früher und das Damals, hegen und pflegen ihre alten Espresso-Maschinen, lauschen dem Klang des klassischen Jazz oder ergötzen sich – wie Girly, die greise und doch immer noch mächtige Mutter von Logan Hartnett – an den alten Hollywoodschinken der 30er bis 50er Jahre. Obwohl in der Zukunft spielend, ist Barrys Werk der Gegenentwurf zu einem „Blade Runner“ von Philip K. Dick, eine Hymne an das rückwärtsgewandte Denken und den zivilisatorischen Stillstand. Annehmlichkeiten werden hier nicht erarbeitet, sondern konserviert und dann mit Zähnen und Klauen verteidigt – wohlgemerkt ohne Schießeisen, welche ebenso durch Abwesenheit glänzen wie Autos, Mobiltelefone und das Internet. Warum dem so ist, was dazu geführt hat, dass Bohane vom digitalen in das analoge Zeitalter zurückgefallen ist – das lässt Barry offen. Vergangenes ist nur insofern relevant, wie es die handelnden Figuren betrifft.

Irgendwie ist dies aber auch für uns als Leser nicht weiter von Belang, wie man überhaupt darüber hinwegsieht, dass die Handlung an sich relativ wenig Substanz hat bzw. keine größeren Risiken angeht, was den grundsätzlichen Aufbau der Geschichte angeht. Doch warum sollte man sich auch das Innere, den Kern näher anschauen, wenn das Äußere derart kunstvoll, ungewöhnlich, ja, und manchmal auch überbordend grotesk daherkommt. Ein Äußeres, für das zwar Kevin Barry verantwortlich zeichnet, die deutschen Leser aber in erster Linie den Hut vor Übersetzer Bernhard Robben ziehen müssen, der weit über seine eigentlichen Aufgaben hinaus, einen eigenen Stil finden musste, um den stark vom örtlichen Dialekt und dem Gälischen durchsetzten englischsprachigen Text ins Deutsche zu übertragen. Mangels einer hiesigen Entsprechung und in Anbetracht der Tatsache, dass sich Barry hier mehr als nur ein wenig von Burgess‘ „Clockwork Orange“ hat inspirieren lassen, wurde Altes mit Neuem vermischt und die Alliteration gesucht, wo immer man ihrer habhaft werden konnte – herausgekommen ist ein anglisierter Jugendslang („Checkste“) mit deutlich altertümlicher Patina. Eine Sprache, die man so noch nicht kannte und welche die aus allen Poren tropfende Andersartigkeit dieses Werks, diese ganz spezielle Atmosphäre noch zusätzlich betont.

Über mehr als 200 Seiten ist es auch diese Atmosphäre, welcher der noiresken und doch auch irgendwie shakespearhaften Tragödie Berechtigung verleiht, sie über die Trivialität erhebt und dieses dreckige Durcheinander aus Fäusten und Messern, aus Wünschen und Gelüsten – kredenzt in cineastischen Schnitten – erträglich und letztendlich auch lesenswert macht. Die überzeichneten Figuren, die übergroße Inszenierung – das alles wirkt durch den Vielklang von Barrys Sprache, wirkt im Zwielicht der Stadt Bohane. Und nur dort, weshalb ich wohlweislich darauf verzichte, Passagen zu zitieren, die, herausgerissen aus ihrem künstlichen Rahmen ihren Halt und damit ihre Glaubwürdigkeit verlieren würden. Doch bei all dieser stilistischen Kunst und Experimentierfreudigkeit Barrys – über die volle Distanz kann sein Debütroman mich dann letztlich nicht überzeugen.

Solange seine Fabulierkunst das stimmungsvolle Geschehen vor sich her treibt – so lange ist man gewillt und in gewissen Sinne auch ehrfurchtsvoll genötigt, zu folgen. Kevin Barry gelingt es aber meines Erachtens nicht, den Faden bis zu seinem Ende durchzuweben, weshalb der Roman kurz vor der Ziellinie und dem erwarteten Crescendo in ein Loch fällt, aus dem er sich dann auch nicht mehr befreien kann. Hier versandet der nachtschwarze Fluss Bohane – nicht jedoch, ohne vorher noch einmal nachhaltig unsere Gefühle zu umspülen.

So kalt diese irische Metropole ist – kalt lassen, tut uns die Dunkle Stadt, dieses Clockwork Bohane dann doch nicht. Was bleibt ist eine einprägsame und vor allem einzigartige Lektüre, die sicherlich nicht jedermann liegen wird, aber gerade dadurch, dass sie sich einen Dreck um Konventionen schert, den literarischen Horizont des Kriminalromans um eine weitere Facette erweitert. Man darf gespannt sein, was Kevin Barry in der Zukunft (oder sollte ich doch sagen in der Vergangenheit?) noch für uns bereithält.

Wertung: 84 von 100 Treffern

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  • Autor: Kevin Barry
  • Titel: Dunkle Stadt Bohane
  • Originaltitel: City of Bohane
  • Übersetzer: Bernhard Robben
  • Verlag: Tropen
  • Erschienen: 02.2015
  • Einband: Hardcover
  • Seiten: 304 Seiten
  • ISBN: 978-3328101543

+++ Der Vorschau-Ticker – Winter 2017/Frühjahr 2018 – Teil 4 +++

Der vierte Teil unseres Vorschau-Tickers kommt leider mit einiger zeitlicher Verzögerung und doch hoffentlich noch rechtzeitig, um den ein oder anderen Titel schmackhaft zu machen oder vielleicht solche vorzustellen, die zuvor noch nicht im Blickfeld gelandet waren. Auf bereits vor kurzem erschienene Bücher, welche in meiner engeren Auswahl (oder gar bereits im Bücherregal) gelandet sind, werde ich dann nochmal separat zurückkommen. Wie immer auch hier getrennt nach Spannungsliteratur und der restlichen Belletristik. Nun aber zu den vorliegenden Auserwählten aus der düsteren Ecke des Krimis.

Einmal mehr Südafrika (dieses Halbjahr gibt es hier tatsächlich reichlich Lesestoff für Krimi-Freunde) heißt es bei „Mann am Boden“ von Roger Smith, der sich dank Tropen und Heyne inzwischen in Deutschland als Autor etabliert und – von Ausnahmen wie „Schwarzes Blut“ mal abgesehen – stets auf hohem Niveau harte Kost abgeliefert hat. Nach letzterer riecht es auch im aktuellen Buch, wenngleich der Kurztext ebenfalls Twists und Turns verspricht, was nach den vergangenen „Straight-Forward“-Plots aus Smiths Feder eine erfrischende Abwechslung darstellen könnte. Ich bin mal gespannt und werde sicher zugreifen.

Warum der zweite Band aus Douglas-Homes „Sea Detective„-Reihe den Weg in meine persönliche Vorschau gefunden hat, ist gar nicht so einfach zu erklären, zumal ich den ersten bis dato noch nicht mal gelesen habe. Allerdings waren die Kritiken – insbesondere die von Krimi-Kennern und Bloggern, deren Meinung ich sehr schätze – mehr als positiv. Und mit dem Schlagwort „Schottland“ kann man bei mir ohnehin immer punkten. Dazu eine die kleine Gemeinde an rauer Küste, hinter deren Fassade sich Geheimnisse verbergen. Das ist ganz nach meinem Gusto, da werde ich wohl schwach werden und erneut blind kaufen.

Vollkommend sehenden Auges empfehle ich allerdings „Weißes Leuchten“ von James Lee Burke, das als alte Goldmann-Ausgabe noch in meinem Regal weilt und durch die neue Pendragon-Broschur ersetzt werden wird. Warum? Nun weil erstens die Reihe um Dave Robicheaux einfach zur Crème de la Créme zählt. Und das weit über die Grenzen des Genres „Krimi“ hinaus. Und weil man zweitens Günther Butkus‘ Ansinnen, die gesamte Reihe veröffentlichen zu wollen, unbedingt nachhaltig unterstützen sollte. Insbesondere wenn man sich umschaut, was sonst in Massen für ein Schwachsinn auf den Markt geworfen wird.

Auch bei Ross Thomas kann ich in das gleiche Lobeshymnen-Horn blasen. Die Werkausgabe aus dem Alexander Verlag wächst mit jedem Jahr stetig, macht sich äußerst schmuck im Regal und beinhaltet nebenbei noch die Bücher aus der Feder des Autors, der im Bereich Polit-Thriller Maßstäbe für spätere Generationen gesetzt hat. Ich muss einfach alle haben und stelle hiermit mal die forsche These auf: Mindestens einen Ross Thomas sollte man im Leben gelesen haben.

Das kann man wiederum für Joe R. Lansdale übernehmen. Meister des „Southern Gothic“ und Erschaffer der grandiosen Hap/Leonard-Reihe, welche seit einiger Zeit nun auch als Fernsehserie (in Deutschland meines Wissen Amazon-exklusiv) über die Mattscheibe flimmert. Golkonda ist hier die treibende Feder hinter den Veröffentlichungen. Ein ebenso kleiner wie feiner Verlag, der weiterhin Support erfahren sollte und diesen seit Jahren mit gleich einigen Juwelen (Ted Chiang, Jo Walton, Robert Bloch u.v.m.) rechtfertigt. „Krasse Killer“ wird vermutlich auch da keine Ausnahme darstellen. Als großer Lansdale-Fan werde ich definitiv zuschlagen.

Für was kann ich euch noch so kurz vor „Toreschluss“ begeistern?

  • Roger Smith – Mann am Boden (Taschenbuch, Januar 2018 – Tropen Verlag – 978-3608502176)
  • Inhalt: Tucson, Arizona. Eine dreiköpfige Familie wird in ihrem eigenen Haus überfallen und als Geisel gehalten. Doch schnell offenbart sich, dass der Vater ein doppeltes Spiel spielt. Wer sind die wahren Täter und wer die Opfer? Zehn Jahre ist es her, seit John Turner und seine Frau ihre Zelte in Südafrika abbrachen, um gemeinsam mit ihrer Tochter Lucy in den USA ein neues Leben aufzubauen. Als drei Männer in ihr Haus in Arizona eindringen und sie als Geiseln nehmen, zerbricht das familiäre Idyll. Langsam kommen die Schatten aus Turners Vergangenheit ans Licht. Warum verließ die Familie ihre Heimat Johannesburg so überstürzt? Roger Smith, der härteste Krimiautor Südafrikas, erzählt in rasantem Tempo von Vertrauen, Korruption und den Fehlern der Vergangenheit, die jeden von uns zwangsläufig einholen. Und er beweist: Unschuldige gibt es in dieser Welt nicht.
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© Tropen

  • Mark Douglas-Home – Sea Detective: Sog der Tiefe (Taschenbuch, Oktober 2017 – Rowohlt Verlag – 978-3499272479)
  • Inhalt: Durch die schmutzige Windschutzscheibe seines Wagens beobachtet Cal McGill eine junge Frau. Ganz reglos schaut sie aufs Meer, eine gefühlte Ewigkeit lang. Cal packt die Neugierde – was hat sie an den entlegenen Strand getrieben, was sucht sie dort? Seine Neugier mündet in einen neuen Fall, als er herausfindet, dass 26 Jahre zuvor eine andere junge Frau am selben Strand stand, bevor sie ins Meer ging. Laut Angaben der Polizei tötete sie sich selbst und ihr ungeborenes Kind. Doch Cal kommen Zweifel an dieser Version, und bei seinen Nachforschungen stößt er auf eine Küstengemeinde, die beharrlich schweigt. Zu beharrlich.
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© Rowohlt

  • James Lee Burke – Weißes Leuchten (Broschiertes Taschenbuch, Oktober 2017 – Pendragon Verlag – 978-3865325914)
  • Inhalt: Alles beginnt mit einem Schuss durch ein Fenster im Haus des Öl-Magnaten Welden Sonnier. Dave Robicheaux wird mit den Ermittlungen beauftragt. Sofort ist er heillos verstrickt im engen Beziehungsgeflecht einer der angesehensten Familien Louisianas. Der Clan mauert und auch die Dämonen seiner eigenen Vergangenheit drohen Dave zu überwältigen. Wie soll er in diesem tödlichen Netz aus familiärer Gewalt, jahrzehntealter Schuld und Mafiaverbindungen den Überblick behalten?
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© Pendragon

  • Ross Thomas – Der Mordida-Mann (Broschiertes Taschenbuch, Oktober 2017 – Alexander Verlag – 978-3895814525)
  • Inhalt: 1981: Ein international gesuchter Terrorist wird von amerikanischen Agenten entführt. Kurz darauf lässt der Nachfolger Gaddafis den Bruder des amerikanischen Präsidenten kidnappen, um mit ihm den Freiheitskämpfer freizupressen, nicht ahnend, dass dieser schon tot ist. Der Einzige, der die Kohlen jetzt noch aus dem Feuer holen kann, ist Chubb Dunjee. Der ehemalige amerikanische Kongressabgeordnete war lange Mittelsmann in den unruhigen Gegenden dieser Welt; seine besondere Spezialität: Bestechung – »mordida«.
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  • Joe R. Lansdale – Krasse Killer (Broschiertes Taschenbuch, September 2017 – Golkonda Verlag – 978-3946503064)
  • Inhalt: Eine falsche Schönheit, die Luxusautos und mehr verkauft, eine Rockerbande als Schlägertruppe der Dixie-Mafia, und immer wieder übelste Gerüchte über einen unfassbaren Profikiller. Schlagfertigkeit, Mut und Witz reichen da nicht aus. Hap und Leonard brauchen Hilfe, in Rat und Tat. Denn natürlich haben sie keinen blassen Schimmer, in welches Wespennest sie diesmal gestochen haben – und ob es ihnen wieder gelingt, heil heimzukommen zu ihren geliebten Vanillekeksen und zu Haps unverhofftem Familienzuwachs.
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© Golkonda

 

+++ Der Vorschau-Ticker – Frühjahr/Herbst 2017 – Teil 2 +++

Damit aus dem Vorschau-Ticker hier kein Rückblick wird, heißt es für mich: Ranhalten. Daher schnell weiter mit meiner nächsten Auflistung verheißungsvoller Titel, von denen einige sogar bereits in den nächsten Tagen in gut sortierten Buchhandlungen stehen dürften. Die Betonung liegt auf gut sortiert, haben es doch besonders die kleineren Verlage seit Jahren immer schwerer, einen Fuß in die größeren Buchhandelsketten zu bekommen. Es ist zwar kein neues Leid über das ich hier klage, aber eins was mich doch weiterhin arg stört, wenn man sieht wie vielen herausragenden Büchern –  durch die inzwischen zu großen Teilen nur noch auf Massenkompatibilität ausgelegten Bestückungen in Filialen – ein größeres Lesepublikum verwehrt bleibt. Wenn daher durch diesen Blog auch nur ein Buch gekauft UND gelesen wird, das sonst auf Halde liegen geblieben wäre, hat sich die Mühe an dieser Stelle bereits gelohnt. Doch nun zu den Titeln:

Der Block“ könnte von der Thematik her wohl kaum aktueller sein und möge bitte eine Zukunftsvision bleiben, die sich nicht erfüllt. Dennoch ist Jérôme Leroys Ansatz von einem Frankreich kurz vor der Übernahme durch die äußersten Rechten ein heißes Eisen, welches man meines Erachtens anfassen muss, denn gerade jetzt heißt es: Wegschauen gilt und hilft vor allem nicht. Politik in Krimis ist immer so eine Sache. Gerade in diesem Fall bin ich aber mehr als optimistisch, hat doch Edition Nautilus schon in der Vergangenheit bewiesen, dass man für solche Titel ein feines Näschen besitzt.

Des Menschen Wolf“ präsentiert sich für mich in erster Linie als Wundertüte. Der Autor sagt mir nichts, der Inhalt klingt nach stereotyper Rache-Geschichte vor Mafia-Kulisse. Und doch: Tropen ist kein Verlag, der seichte Wohlfühlliteratur vertreibt und vielleicht lohnt hier doch ein zweiter Blick, zumal mich der Schauplatz Hollywood in Kriminalromanen schon seit längerem fasziniert.

Der nächste Titel ist ein „Muss“-Kauf mit einem besonders dicken  Ausrufezeichen hinter dem „Muss“. Cynan Jones‘ „Graben“ war für mich 2015 eines DER literarischen Kleinode überhaupt, wobei man inzwischen fast gönnerhaft behaupten muss: Kein Wunder, es ward ja auch bei Liebeskind veröffentlicht. Was dieser kleine, aber äußerst feine Verlag seit Jahren für Perlen entdeckt ist mitunter fast schon unheimlich und so ist es ein wenig überraschend, dass es in diesem Halbjahr tatsächlich nur ein Buch in meine engste Auswahl geschafft hat. Dies ist jedoch weniger einer vermuteten fehlenden Qualität der anderen Titel, als vielmehr dem eigenen Geldbeutel sowie dem endlichen Platz in meinem Bücherregal geschuldet. Und doch, so wie ich mich kenne, wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch „Meroe“ von Oliver Rolin Einzug in Letzteres halten.

Nach dem Lob für Liebeskind müsste ich dieses eigentlich 1:1 beim Pendragon Verlag wiederholen, der übrigens dieses Jahr seinen 30. Geburtstag feiert, was in erster Linie Verleger Günther Butkus‘ unnachgiebigem Engagement zu verdanken ist, der mit fast schon ostwestfälischer Sturheit an seinen Autoren festhält, die es auf den mit „Augenschneidern“, „Knochenbrechern“ und Fingersammlern“ überschwemmten Markt nicht immer leicht haben. Das schmerzt angesichts vieler großartiger Krimi-Perlen in dessen Programm besonders, wenngleich zumindest James Lee Burke zuletzt (natürlich auch dank dem parallelen Erscheinen bei Heyne Hardcore) ein kleines (lange überfälliges!) Comeback feiern durfte. Hier hoffe ich weiterhin auf großes Feedback seitens der Krimi-Gemeinde, damit wir irgendwann alle 20 Robicheaux-Hände in deutscher Übersetzung unser Eigen nennen dürfen. Sollte irgendjemand tatsächlich noch keinen Titel dieses absoluten Ausnahme-Autors gelesen haben: „Schmierige Geschäfte / Black Cherry Blues“ ist meines Erachtens einer der besten Titel, die Burke zu Papier gebracht und dieses Genre zu verzeichnen hat. Unbedingte, nachdrückliche, ganz dicke Leseempfehlung!

Willi Achten ist für mich bisher ein unbeschriebenes Blatt, doch angesichts des Klappentext kann ich mir kaum vorstellen, dass am Ende der Lektüre „nichts bleibt“. Wenn das Buch nur halb so gut wird, wie es tönt, könnte hier Pendragon die nächste große Entdeckung gelungen sein.

Die letzte war (zusammen mit Andreas Kollender) der US-Amerikaner Wallace Stroby mit dem Auftakt seiner „Crissa-Stone„-Reihe „Kalter Schuss ins Herz„, welche nun mit „Geld ist nicht genug“ endlich fortgesetzt wird. Endlich deswegen, weil obiger Titel mein Krimi des Jahres 2015 war. Daher an dieser Stelle keine Empfehlung, sondern stattdessen ein Appell: Kaufen und lesen! Das ist ganz große, eindringliche und äußerst unterhaltsame Kriminalliteratur nach klassischem Muster, wie sie heute nur noch ganz wenige schreiben können. Dieser Reihe kann man wirklich nur so viele Leser wie möglich wünschen.

Da übrigens der ein oder andere Titel aus dem Frühjahrprogramm mancher Verlage bereits erschienen ist (ich war dieses Jahr zu langsam), werde ich am Ende meiner Vorschau-Ticker noch mal extra auf die „verpassten Empfehlungen“ hinweisen.

Welches Buch von den oben genannten kommt in eure nähere Wahl?

  • Jérôme Leroy – Der Block (Taschenbuch, März 2017 – Edition Nautilus – 978-3960540373)
  • Inhalt: Blutige Aufstände in den französischen Vorstädten, die Zahl der Toten steigt unaufhörlich. Die Partei der äußersten Rechten – der Patriotische Block – steht kurz vor dem Einzug in die Regierung. In dieser Nacht kann das Schicksal Frankreichs kippen, und sie ist für drei Menschen der Höhepunkt einer 25-jährigen Geschichte aus Gewalt, Geheimnissen und Manipulation. Agnès führt als Parteivorsitzende die Verhandlungen. Ihr Ehemann Antoine wartet in seiner luxuriösen Pariser Wohnung auf das Ergebnis, Stanko, der Chef des paramilitärischen Ordnerdienstes der Partei, versteckt sich in einem schäbigen Hotelzimmer. Antoine ist morgen vielleicht Staatssekretär – Stanko jedenfalls soll morgen tot sein.
    Ein Vierteljahrhundert lang waren die beiden wie Brüder. Ein Vierteljahrhundert lang waren sie bei allen Aktionen dabei, die den Patriotischen Block an die Macht gebracht haben. Ein Vierteljahrhundert lang sind sie vor nichts zurückgeschreckt. Sie haben dieses Leben geliebt, und sie bereuen nichts.
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(c) Edition Nautilus

  • Apostolos Doxiadis – Des Menschen Wolf (Hardcover, April 2017 – Tropen Verlag – 978-3608501575)
  • Inhalt: Ben Frank hat Blut an seinen Händen. Bei einer Kneipenschlägerei tötet er den Sohn des berüchtigten Mafiabosses Tonio Lupo. Und dieser sinnt auf Rache: Auch Franks Söhne sollen in dem Alter ermordet werden, in dem sein Sohn starb. Schicksal, Zufall, bewusste Entscheidungen: ein spannender Rache-Thriller über die Frage, wie wir dem Tod ein Schnippchen schlagen können. Al, Nick und Leo Frank sind sich keiner Schuld bewusst. Doch der vom Tode gezeichnete Mafiaboss nimmt seine Rache ernst: Er setzt einen Profikiller auf die drei Brüder an, der sie umbringen soll, sobald sie 42 Jahre alt sind. Während Al sich durch Reichtum zu schützen sucht, flüchtet Nick in den Glamour von Hollywood, um sich unverwundbar zu machen. Nur der jüngste Bruder Leo ist noch zu klein, um von dem Fluch zu erfahren, und führt zunächst ein unbeschwertes Leben. Aber auch für den Profikiller stellt sich die Frage, wie er leben soll, bis seine Opfer ihr entsprechendes Alter erreicht haben.
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(c) Tropen

  • Cynan Jones – Alles, was ich am Strand gefunden habe (Hardcover, Februar 2017 – Liebeskind Verlag – 978-3954380749)
  • Inhalt: Zwei Männer, die auf ihre Chance warten. Holden setzt alles daran, ein Versprechen einzulösen, das er einem sterbenden Freund gegeben hat, während Grzegorz auf ein besseres Leben für seine Familie hofft und zu allem bereit ist … Zwei Männer, die auf ihre Chance warten, setzen wider besseren Wissens ihr Leben aufs Spiel. Eine schiefgelaufene Drogenübergabe löst eine fatale Verkettung von Ereignissen aus, in deren Folge sie zum Spielball unkontrollierbarer Kräfte werden. Stringer, der lange im Gefängnis saß und nun merkt, wie sehr sich die Welt verändert hat, wird losgeschickt, um die verloren gegangene Lieferung wieder aufzutreiben. Und um ein Zeichen zu setzen …
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(c) Liebeskind

  • James Lee Burke – Schmierige Geschäfte / Black Cherry Blues (Broschiertes Taschenbuch, Mai 2017 – Pendragon Verlag – 978-3895814402)
  • Inhalt: Alte Freunde bringen manchmal Unglück. Diese Erkenntnis macht Dave Robicheaux, als er unverhofft dem abgehalfterten Rock ´n´ Roller Dixie Lee Pugh wiederbegegnet. Pugh arbeitet inzwischen für eine Ölfirma und berichtet ihm von zwei finsteren Kollegen und ihren dreckigen Machenschaften in den Bergen Montanas. Wenig später wird Pugh Opfer eines Brandanschlags und Dave Robicheaux flattert ein Drohbrief ins Haus. Als er sich die Absender schnappen will, steht er plötzlich selbst unter Mordverdacht. Robicheaux hat nur eine Chance: Er muss nach Montana und herausfinden, in welche Geschäfte Dixie Pughs Kollegen verwickelt sind. Es geht um eine Menge Geld, um mächtige Ölgesellschaften und um junge Indianer, die gegen altes Unrecht kämpfen.
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(c) Pendragon

  • Willi Achten – Nichts bleibt (Broschiertes Taschenbuch, Februar 2017 – Pendragon Verlag – 978-3865325686)
  • Inhalt: Franz Mathys ist Kriegsfotograf. Eines seiner Fotos wurde mit dem World Press Photo Award ausgezeichnet. Doch er hat tiefe Zweifel und Schuldgefühle, denn er profitiert von dem Leid anderer. Mathys spürt, dass sein Leben ihm mehr und mehr entgleitet. Er zieht sich auf einen abgeschiedenen Hof im Wald zurück. Lebt dort mit seinem Vater und seinem Sohn, kommt zur Ruhe und verliebt sich. Doch die Idylle trügt. Eines Nachts schlagen zwei Männer seinen Vater brutal nieder und er muss schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden. Mathys will die Täter finden. Der immer stärker werdende Wunsch nach Rache und die Suche nach den Männern entfremden ihn von den Menschen, die er liebt. Wird er nun alles verlieren? In einem zerklüfteten Tal in den Alpen trifft er eine einsame Entscheidung, die sein Leben kosten kann.
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(c) Pendragon

  • Wallace Stroby – Geld ist nicht genug (Broschiertes Taschenbuch, März 2017 – Pendragon Verlag – 978-3865325778)
  • Inhalt: Metallteile und Plastik schlittern über den Asphalt. Volltreffer. Crissa Stone hebelt den Geldautomaten mit der Schaufel eines Frontladers aus der Verankerung und balanciert die Beute auf die Ladefläche ihres Pick-ups. Sie liebt saubere Lösungen. Crissa hat das System des Bankraubs perfektioniert, aber ihre Partner verlieren die Nerven. Gangster, die sich gegenseitig umbringen – wie unprofessionell. Zum Glück wartet schon ein neuer Job: Ein verstorbener Mafiaboss soll die Millionen eines Raubs jahrelang versteckt haben. Leider ist Crissa nicht die Einzige, die es auf das Geld abgesehen hat. Sie gerät zwischen die Fronten und muss fliehen: Vor dem Gesetz und einer Mafia-Gang aus New York.
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(c) Pendragon

+++ Der Vorschau-Ticker – Winter/Frühjahr 2016/2017 – Teil 4 +++

Wer schon den letzten Vorschau-Ticker auf meinem Blog regelmäßig mit verfolgt und auch immer wieder die ein oder andere Besprechung von mir gelesen hat, dem wird aufgefallen sein, dass ich mich auf CrimeAlley mitnichten ausschließlich auf die Spannungsliteratur konzentriere, sondern als unheilbare Leseratte genreübergreifend schmökere, wo bei es nur die Grenzen gibt, welche ich mir in geschmacklicher Richtung selbst setze. So ist auch die vorliegende Auswahl eine belletristische Mischung von Titeln, von denen ich meine, dass sie mir gefallen könnten bzw. dass sie unbedingte Muss-Käufe sind.

Den Anfang macht der Piper Verlag, dessen Programm mich zwar im Großen und Ganzen (wie leider eigentlich jedes Halbjahr) ziemlich kalt lässt, aber nun zumindest auch Richard Flanagans „Der schmale Pfad durchs Hinterland“ im Taschenbuch-Format beinhaltet. Ein Buch, das nur aus Platzgründen nicht schon als Hardcover ins Regal gewandert ist und mich aufgrund seiner Inhaltsbeschreibung ein bisschen an Pierre Boulles „Die Brücke am Kwai“ erinnert – dessen Verfilmung nebenbei zu meinen ewigen Leinwandfavoriten zählt. Da der südostasiatische Kriegsschauplatz eher seltener ein Thema ist, wenn es darum geht, den 2. Weltkrieg literarisch zu verarbeiten, stellt Flanagans Buch – das die Kritik übrigens sehr positiv aufgenommen hat – eine angenehme Abwechslung dar.

Trügerisches Licht“ von Patrícia Melo hat es noch nicht endgültig auf den Merkzettel geschafft und ist bei mir mit einem dicken „Vielleicht“ versehen. „Leichendieb“ hat mir gut gefallen, wenngleich ich die Lobeshymen der vielen Krimi-Kenner da so nicht ganz nachvollziehen kann. Vielleicht kann mich der neue Roman, der erneut bei Tropen erscheint, diesmal mehr überzeugen.

Auch wenn mir der Name Hugo Claus und sein Buch „Der Kummer von Belgien“ bisher so gar nichts gesagt haben – die Nominierung des inzwischen verstorbenen Autors für den Literaturnobelpreis kommt sicher nicht von ungefähr. Und auch wenn das Werk mit Günther Grass‘ „Die Blechtrommel“ verglichen wird – für mich eins der überschätzten Bücher der deutschen Nachkriegsliteratur – reizt mich die belgische Perspektive ungemein. Ein Titel aus dieser Vorschau, den ich mir ganz sicher zulegen und lesen werde.

Ob das auch für „Gangsterland“ von Tom Goldberg gilt, muss ich erst noch abwarten. Die Inhaltsbeschreibung lässt eine launige Mafia-Komödie im Stile von Bazells „Schneller als der Tod“ vermuten. Schauplatz die Stadt der Lichter und des Glücksspiels Las Vegas. Das kann launig und amüsant werden, aber wie immer, wenn der Krimi lustig sein will, besteht die Gefahr, dass es letztlich doch vor allem eins wird – nämlich seicht und schrecklich darum bemüht, witzig zu sein. Nur wenige Caper-Novels konnten mich bisher überzeugen. Mal schauen, ob Goldbergs Werk dazugehören wird.

Ist irgendetwas für euch dabei?

  • Richard Flanagan – Der schmale Pfad durchs Hinterland (Taschenbuch, Januar 2017 – Piper – 978-3492309998)
  • Inhalt: Preisgekrönt entfachte Richard Flanagans Roman weltweit einhellige Begeisterung: Sein Held ist Dorrigo Evans, ein begabter Chirurg, dem eine glänzende Zukunft bevorsteht. Als der Zweite Weltkrieg auch Australien erreicht, meldet er sich zum Militär. Doch der Krieg macht keine Unterschiede, und während Dorrigo in einem japanischen Gefangenenlager mit seinen Männern gegen Hunger, Cholera und die Grausamkeit des Lagerleiters kämpft, quält ihn die Erinnerung an die Liebe zu der Frau seines Onkels. Bis er einen Brief erhält, der seinem Leben eine endgültige Wendung gibt.
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(c) Piper

  • Patrícia Melo – Trügerisches Licht (Broschiert, Juli 2016 – Tropen – 978-3608502152)
  • Inhalt: Sensationslust folgt überall den gleichen Regeln: Schön ist interessanter als hässlich, reich spannender als arm, und nichts geht über einen ermordeten Star. Ein abgründiger Krimi über den Kontrast zwischen glamouröser Fernsehwelt und einem Brasilien, das im Chaos versinkt.
    Tatort São Paulo: Bei einer Theatervorstellung erschießt sich der Serienstar Fábbio Cássio auf der Bühne. Schnell ist der Kriminaltechnikerin Azucena klar, dass dieser Selbstmord in Wahrheit ein geschickt inszenierter Mord ist. Zunächst fällt ihr Verdacht auf die Ehefrau des Toten, die zur Tatzeit Kandidatin einer Reality-Show ist und deren Beliebtheitswerte beim Publikum nach Fábbios Tod in die Höhe schnellen. Und während Azucena noch um das Sorgerecht für ihre Töchter kämpft, wird sie mit einem skrupellosen Mörder konfrontiert, der es am Schluss auf die Ermittlerin selbst abgesehen hat.
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(c) Tropen

  • Hugo Claus – Der Kummer von Belgien (Hardcover, August 2016 – Klett Cotta – 978-3608960372)
  • Inhalt: Der kleine, rotzfreche Louis Seynaves ist zunächst hingerissen vom Einmarsch deutscher SS-Verbände in sein flämisches Heimatstädtchen Walle, das alsbald zum Spiegel der großen Welt wird. Spielerisch, humorvoll und mitreißend fügt Hugo Claus in seinem Meisterwerk Hunderte von Episoden zu einem epochalen Roman zusammen, der zum Kanon der Weltliteratur gezählt wird.
    Belgien ist zur Zeit des Zweiten Weltkriegs weniger ein Land denn ein Zustand, in dem sich auch der kleine Louis wiederfindet. Mit drei Mitschülern hat er einen Geheimbund geschlossen, in dem sie verbotene Bücher lesen, bis ihn seine Mutter nach dem deutschen Überfall auf Polen aus dem Internat nach Hause holt. Sein Zuhause, das sind die Gassen um den Grote Markt, die schummrigen Winkel in der väterlichen Druckerei und vor allem der Familientratsch am Küchentisch. Jede kleine Denunziation, jede opportunistische Versuchung, sich mit den ‚Germanen‘ gegen die Wallonen zu verbünden, jede Episode dieser spannenden Jahre erlebt Louis hautnah mit – wie einen Weltalltag, der sich in diesem Stück Weltliteratur spiegelt.
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(c) Klett-Cotta

  • Tod Goldberg – Gangsterland (Broschiert, September 2016 – C. Bertelsmann – 978-3570103005)
  • Inhalt: Mafia-Killer Sal Cupertine hat es vermasselt. Durch Verquickung unglücklicher Umstände hat er in Chicago drei FBI-Beamte getötet – ein böser Fehler. Statt dafür von seinem Boss selbst ins Jenseits befördert zu werden, landet er nach diversen Gesichtsoperationen und entsprechendem Intensivstudium als Rabbi David Cohen in einer jüdischen Gemeinde in Las Vegas. Aber auch dort hat die Mafia ihre Finger im Spiel. Bald geht Rabbi Cohen nicht nur wieder seinem alten Gewerbe nach, sondern entdeckt weitere lukrative Betätigungsfelder, die sich mit der Rolle als Seelsorger aufs Beste vereinen lassen.
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(c) C. Bertelsmann

+++ Der Vorschau-Ticker – Sommer/Herbst 2016 – Teil 7 +++

Tropen war in den letzten Jahren ein sicherer Garant für richtig große Literatur außerhalb des grauen Mainstreams. Und es scheint fast, als würde sich daran auch im nächsten Frühjahr nichts ändern, wobei es auffällig ist, dass der Western derzeit eine gewisse Renaissance erlebt. Antonin Varenne, James Carlos Blake, Bruce Holbert und jetzt auch Joe R. Lansdale – Saloons, Steppenläufer und Shootouts sind eindeutig wieder in. Mir gefällt’s.

Was Carlotto angeht – bisher habe ich immer noch keinen gelesen. „Am Ende eines öden Tages“ könnte ein guter Titel sein, um das zu ändern. Und „Willkommen in Night Vale“ von Klett Cotta – muss man abwarten. Klingt in jedem Fall echt schrill und interessant.

  • Joe R. Lansdale – Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick (April 2016 – Tropen Verlag – 978-3-608-50140-7)
  • Inhalt : Nachdem Willie unverschuldet eine Einladung zum Lynchen erhält, stiehlt er ein Pferd und flieht. Er begibt sich unter den Schutz eines ehemaligen Soldaten namens Loving, der ihm Lesen und Schießen beibringt. Als er erneut fliehen muss, nimmt Willie den Namen Nat Love an und meldet sich im Norden freiwillig zur Armee. Er und ein anderer freigelassener Sklave sind kurz darauf die einzigen Überlebenden ihrer Einheit bei einem Apachenhinterhalt. Gemeinsam machen sie sich auf nach Deadwood, wo Nat sich in eine wunderschöne junge Frau verliebt, das Leben von Wild Bill Hickok rettet – und auf Rache an seinen Verfolgern sinnt.
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(c) Tropen

  • Massimo Carlotto – Am Ende eines öden Tages (Februar 2016 – Tropen Verlag – 978-3-608-50137-7)
  • Inhalt : Giorgio Pellegrini ist Exterrorist und skrupelloser Verbrecher: Gute Eigenschaften, um sich im korrupten Nordosten Italiens an die Spitze der bürgerlichen Gesellschaft zu arbeiten. Dabei geht er über Leichen. Doch dann fällt ihm ausgerechnet der Mensch in den Rücken, der ihm geholfen hat, in die ehrbaren Kreise einer von mafiöser Korruption durchtränkten Gesellschaft aufzusteigen. Pellegrini muss ein weiteres Mal seine dunkle Seite bemühen, um nicht unterzugehen. Mit eiskaltem Pathos und elektrisierender Lakonie erzählt, bietet Carlottos Roman einen tiefen Einblick in die Abgründe einer dunklen Seele und das korrupte System Italiens.
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(c) Tropen

  • Joseph Fink, Jeffrey Cranor – Willkommen in Night Vale (März 2016 – Klett Cotta Verlag – 978-3-608-96137-9)
  • Inhalt : Jackie Fierro betreibt schon lange das örtliche Pfandhaus in Night Vale. Eines Tages verpfändet ein Fremder einen Zettel, auf dem in Bleistift die zwei Worte »King City« geschrieben stehen. Jackie hat sofort ein merkwürdiges Gefühl. Kaum ist er in Richtung Wüste verschwunden, erinnert sich niemand an ihn – aber Jackie kann das Papier nicht mehr aus der Hand legen. Zusammen mit der alleinerziehenden Mutter eines jugendlichen Gestaltwandlers geht Jackie daran, das Rätsel von »King City« zu lösen. Ihr Weg führt die beiden in die Bibliothek von Night Vale, die allerdings noch kaum jemand wieder lebend verlassen hat …
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(c) Klett Cotta