It’s the End of the World as We Know It …

© Heyne

Stephen Kings „The Stand – Das letzte Gefecht“ gehört nicht nur zu den bekanntesten und beliebtesten Büchern aus dem riesigen Gesamtwerk des „King of Horror“ – es ist gleichzeitig auch sein Titel mit der höchsten Anzahl an Seiten, was insofern erwähnenswert ist, da der amerikanische Autor seit jeher nicht mit Worten geizt und aufgrund dessen in vielen heimischen Bücherregalen das Platzangebot oftmals erheblich beschränkt. Dazu sei allerdings gesagt: Nur die wenigsten Besitzer seiner Romane werden den Erwerb und letztlich auch die Lektüre bereut haben, was schlichtweg an der Tatsache liegt, dass es King stets aufs Neue schafft, den roten Faden seiner Geschichten trotz ausschweifender Ausschmückungen zielgerichtet mit dem Spannungsbogen zu verbinden. Ein Markenzeichen dieses Schriftstellers, das jedoch Ende der 70er Jahre noch auf den Prüfstand durfte.

King, damals noch ein talentierter Autor unter vielen, musste sein geniales Epos über einen von Menschen selbst verursachten Weltuntergang auf Wunsch des Lektorats zurechtstutzen. Ein Manuskript mit über 1.200 Seiten von jemanden, der sich noch keinen großen Namen gemacht hatte, war schlichtweg nicht an den Mann, und schon gar nicht auf den Markt zu bringen. Erst ganze zwölf Jahre später sah King sich in der Lage, den Roman in seiner ursprünglich erdachten, ungekürzten Art und Weise veröffentlichen zu können. Das Ergebnis war die inzwischen vergriffene zweibändige Ausgabe des Bastei Lübbe Verlags. Inzwischen liegen auch die Rechte für die ungekürzte Version von „The Stand“ ebenfalls beim Heyne Verlag (Die atmosphärischen Illustrationen von Bernie Wrightson fehlen leider in dieser Neuauflage, dafür ist das Schriftbild wesentlich lesefreundlicher).

Nun stellt sich für viele interessierte Käufer natürlich die Frage: Muss es denn unbedingt diese ungekürzte Fassung sein oder hat King die Handlung hier lediglich künstlich aufgebläht, um Geld zu scheffeln? Eine Antwort kann ich mangels Kenntnis der 78er Ausgabe leider nicht geben, aber zumindest soviel sagen: Als Einstieg in das Werk des Autor bzw. in das in vielen Dingen zusammenhängende Universum seiner Romane, taugt die vorliegende Ausgabe nur bedingt, da die immer wieder kritisierten Längen in Kings Büchern hier besonders zutage treten und auch sonst viele Elemente im wahrsten Sinne des Wortes epische Ausmaße annehmen. (Übrigens wieder mal ein Vergnügen Kings Vorwort zu lesen, in dem er diese „Kritik“ annimmt und seine Gründe für die Veröffentlichung des Romans schildert) Viele hunderte Charaktere, dutzende Nebenhandlungen und Nebenschauplätze, kleinere Geschichten inmitten des eigentlichen Plots. „The Stand“ setzt in Punkto Detailreichtum und Weitläufigkeit gleich in vielerlei Hinsicht Maßstäbe, welche bis heute gelten. Der Klappentext gibt darüber nur wenig Aufschluss, sei aber hier kurz angerissen, um einen kleinen Überblick über den Inhalt zu geben:

Mitte des Jahres 1990 kommt es in einer Forschungsstation der US-Army zu einem folgenschweren Zwischenfall. Ein mit einem mutierten Grippevirus infizierter Mitarbeiter des Labors flüchtet aus dem Hochsicherheitstrakt, steckt in Windeseile seine Familie an und überträgt das bald als „Captain Trips“ bekannte Virus nach einem Unfall an einer Tankstelle nochmals an mehrere weitere Personen. Das Militär versucht noch die Epidemie einzudämmen, scheitert aber an dessen schneller Verbreitung. Schon nach wenigen Tagen bricht die staatliche Ordnung komplett zusammen, fallen die Menschen zu Tausenden und bald Millionen „Captain Trips“ zum Opfer. Für kurze Zeit herrschen Chaos und Anarchie, bis sich schließlich eine erdrückende Stille über die USA (und wohl auch den Rest der Welt) legt. 99,4 der Bevölkerung sind am Virus gestorben. Ganze Metropolen sind verweist, unzählige Staus mit Autos voller toter Insassen blockieren die Highways. Auch Pferde und Hunde haben die Epidemie in den meisten Fällen nicht überlebt.

Die wenigen tausend Menschen, die sich als immun erwiesen haben, irren nun in kleinen Gruppen durch die entvölkerten Staaten, stets auf der Suche nach Nahrung, medizinischer Hilfe oder sonstigen Überresten der Zivilisation. Alle haben Partner, Familie und Freunde verloren, viele die Hoffnung darauf, dass es je wieder besser wird. In dieser düsteren Zeit träumen einige von einer alten, schwarzen Frau, die vor ihrem Haus in einem Maisfeld Gitarre spielt. Mutter Abagail Freemantle ruft sie zu sich nach Nebraska – und die Überlebenden, anfangs noch etwas verwirrt, folgen dem Ruf. Doch unter ihnen sind auch einige, die in den Einflussbereich einer anderen Person geraten. Inmitten der Wüste, in Las Vegas, sitzt Randall Flagg, der dunkle Mann, der wandelnde Geck – wie eine Spinne in seinem Netz. Die Verkörperung des Bösen ist Abagails Gegenspieler.

Und während ihre Jünger in Colorado die Freie Zone Boulder gründen, beginnt Flagg weiter westlich mit der Wiederaufrüstung. Als Bringer der Apokalypse will er die Menschheit in das letzte Gefecht führen. Das letzte Gefecht zwischen Gut und Böse …

Voran: Wer Gefecht jetzt wörtlich nimmt und befürchtet, dass hier zwei primitive Armeen aus Zivilisten gegeneinander in eine gewaltige Schlacht ziehen, dem kann diese Angst gleich genommen werden, da Stephen King sich selten für den einfachen und noch seltener für den offensichtlichen Weg in seinen Erzählungen entscheidet. So wird auch in „The Stand“ der Konflikt auf menschlicher Ebene geschildert und ausgetragen, das Ringen von Gut und Böse zu einem Wettbewerb von Idealen. Der Glaube an Gott auf der einen und die Versuchung des teuflischen Randall Flagg (ihm begegnen wir auch in der Saga vom „dunklen Turm“ und in „Das Auge des Drachen“) auf der anderen. Einem theologischen (und manchmal auf philosophischen) Schachspiel gleich, bringt Stephen King die Figuren nach und nach in Stellung, werden Bauern vorgeschoben und geopfert, um den Weg für andere frei zu machen, und dem Gegner den finalen Stoß zu versetzen. Doch bis es dazu, bis es überhaupt zu einem Treffen der beiden Lager kommt, vergehen viele Seiten, in den sich der Autor auf das konzentriert, was er am besten kann – die Figuren auf dem Papier vor den Augen des Lesers zu lebendigen Menschen werden zu lassen.

Sieht man sich die Zahl der Charaktere an, die „The Stand“ bevölkern, wird klar, dass es schon des Kalibers eines Stephen King bedarf, um die sonst an dieser Stelle resultierende Oberflächlichkeit zu überwinden und dem Plot die dringend benötigte Tiefe zu verleihen. Geschickt und mit feiner Feder verwebt er die Schicksale der einzelnen Figuren, erzählt er ihre Geschichten, hebt King ihre Eigenheiten, ihre Stärken und Schwächen hervor. Dafür braucht es Zeit und natürlich auch Seiten, wenngleich diesem Aufwand ein Lohn folgt, der vielen anderen vergleichbaren Romanen gänzlich abgeht – Menschlichkeit. So abgedreht, unwirklich und unfassbar die Szenarien bei King oft sind (und im Falle von „The Stand“ ist dies gar nicht mal der Fall – schnäuzende Mitmenschen waren mir über Tage plötzlich ein Gräuel), ihre Wirkung können sie nur deshalb entfalten, weil sie allesamt zu einem gewissen Grad und manchmal noch darüber hinaus glaubhaft, nachvollziehbar, auf gefühlsmäßiger Ebene verständlich sind. Die Angst eines Larry Underwood erneut jemanden zurücklassen zu müssen. Die Trauer einer Frannie Goldsmith um ihren geliebten Vater. Die Unsicherheit des taubstummen Nick Andros plötzlich andere führen zu müssen. All das versteht der Leser nicht nur mittels der Vernunft, sondern weil King – und das mag kitschig klingen, trifft nichtsdestotrotz den Punkt – unser Herz berührt. Die Barriere zwischen dem Leser und der fiktiven Figur – sie wird durch die Art, wie King uns seine Geschichte erzählt, schnell niedergerissen.

Ein weiterer Grund dafür ist auch die Tatsache, dass der Autor Schwarz-Weiß-Malerei und das dadurch unvermeidbare Heldentum umgeht – etwas das angesichts dieses doch sehr offensichtlichen Gut-Böse-Gott-Teufel-Konflikts gar nicht so einfach ist. Doch King wäre nicht King, wenn er auch nicht diese Hürde mit Leichtigkeit überspringen und in den Entwicklungen der Charaktere die ein oder andere Überraschung mit einbauen würde. Dies ist wiederum nicht nur der Spannung zuträglich, sondern verdeutlicht auch noch einmal, dass man es mit normalen Menschen in einer Ausnahmesituation zu tun hat, welche in ihrer Furcht, und manchmal auch in gutem Glauben, zur falschen Zeit die falsche Wahl treffen. Diese Fehlentscheidungen, diese schicksalhaften Begegnungen und Entscheidungen, die Frage „Was-wäre-gewesen-wenn“, sind der Motor dieser weit verästelten Geschichte, in der Freud und Leid eng zusammenhängen, in der aus Gutem Böses entsteht und böse Absichten Gutes zur Folge haben können. Sie sind letztendlich auch für die Dynamik verantwortlich, welche die Handlung auch durch Passagen trägt, in denen der eigentliche Plot nicht vorangetrieben wird und King sich Zeit für die Fransen an seinem roten Faden nimmt.

Bestes Beispiel ist Glen Bateman, dessen soziologische Ausführungen sicherlich dem Tempo wenig zuträglich, dafür aber erschreckend visionär sind und den Glauben an die Menschheit in den Grundfesten erschüttern. Die Szenarien, welche er für die nahe Zukunft vorherzusehen glaubt, ernüchtern gerade durch ihre Nachvollziehbarkeit und lassen letztendlich auch den Schluss des Romans nochmal in einem anderen Licht erscheinen. Es ist schon beinahe unangenehm, wie gut King – und selten hat man den Autor in einer Figur genauer wiedererkannt – unsere Schwächen, Ängste und unsere Fehler erkennt. Und mit welch trauriger Resignation uns hier der Spiegel vor Augen gehalten wird.

Es ist daher einfach zu behaupten, dass „The Stand“ nur ein weiteres Weltuntergangsszenario, eine Dystopie unter vielen ist. Schaut man sich die Interpretationen der Neuzeit an (man betrachte allein die Welle an Zombie-Filmen, allen voran die Serie „The Walking Dead“), erkennt man nicht nur Kings Verdienst. Man muss auch eingestehen, dass der Meister des Horror selbst in dieser Hinsicht über jeden Zweifel und vor allem jeden Vergleich erhaben ist.

The Stand“ ist in Form, Umfang, Detailreichtum und auch Liebe zu eben jenen Details ganz sicher ein epochales Meisterwerk, das aber – und das unterscheidet das Buch meiner Ansicht nach von Werken wie „Es“ – ein ums andere Mal etwas vom Weg abkommt. Man könnte auch sagen – mit King sind hier stellenweise sprichwörtlich die Gäule durchgegangen. Kein unbegründeter Vorwurf, gesteht doch der Autor selbst ein, dass viele seiner Charaktere (und es müssen verdammt viele ihr Leben lassen) nur deshalb gestorben sind, weil er nicht wusste, was er mit ihnen noch anfangen sollte. Gerade für King-Neueinsteiger ist das eine bittere Erfahrung, da das Ableben oft sehr plötzlich kommt und (zumindest in meinem Fall) vor allem die tragenden, besonders interessanten Figuren die Zeche zahlen müssen.

Subtrahiert man diese Schwächen bleibt ein Wälzer von Roman, der trotz seines Alters so aktuell ist wie schon lange nicht mehr und die erst kürzlich eingedämmte Verbreitung des Ebola-Virus aus einem noch ganz anderen Blickwinkel einschätzen lässt. Ängste und Unsicherheit gibt es bei der Lektüre von „The Stand“ inklusive, was ein im Sessel sitzender Stephen King in seinem Haus in Bangor, Maine sicher mit zufriedener Miene und reibenden Händen zur Kenntnis nehmen dürfte:

„Ich habe es wieder einmal geschafft. Ich habe euch Angst gemacht.“

Wertung: 91 von 100 Treffern

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  • Autor: Stephen King
  • Titel: The Stand – Das letzte Gefecht
  • Originaltitel: The Stand
  • Übersetzer: Harro Christensen, Joachim Körber, Wolfgang Neuhaus
  • Verlag: Heyne
  • Erschienen: 03.2016
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 1712 Seiten
  • ISBN: 978-3453438187

Unterhalten wir uns hier im Dämmerlicht mal über Vampire …

Brennen muss Salem von Stephen King

(c) Heyne

Warum ich nach all der Zeit ausgerechnet eine Rezension zu „Brennen muss Salem“ auf meinem Blog poste? Da die Gegenfrage „Warum nicht?“ wohl ein bisschen zu wenig Inhalt bietet, komme ich mal auf meine Besprechung von „Carrie“ aus dem April letzten Jahres (Verdammt, ist das schon wieder so lange her?) zurück, die ja als Auftakt einer Reise in die Welt von Stephen King dienen sollte. Und da meine aktuelle Lektüre „Feuerkind“ der Feder desselben Schreiberlings stammt, lag die Idee nahe, mit dem „Grand Master of Horror“ den Faden wieder aufzunehmen.

Lange Rede, kurzer Sinn. Hier mein Senf zu „Brennen muss Salem“. Nicht weniger als einer der besten Horror-Schmöker, die ich je in Händen halten durfte.

„Schaut sich der interessierte Besucher heutzutage in den Buchhandlungen um, wird er immer öfter auf eine separate Abteilung für Vampire stoßen, die, losgetreten von Stephenie Meyers „Biss“-Zyklus, auf einer Welle reitet, welche die klassische Figur des „Nosferatu“ zum wunderschönen, romantischen Jüngling degradiert hat – der anscheinend nur ganz zufällig unsterblich und mit Eckzähnen versehen ist. Saugten früher die Wesen der Nacht noch in der Halsbeuge ihrer Opfer, wird nun wesentlich tiefer liegenden Körperteilen die volle Aufmerksamkeit geschenkt. Der Vampir ist zum Zugpferd des „Nackenbeißer“-Genres geworden, der eigentliche Schrecken und Aberglauben um diese sagenumwobene Figur wurde der Schmonzette und letztlich vor allem dem Profit geopfert. Währenddessen herrschen im eigentlichen Horror-Genre inzwischen Splatter und Folter vor, wird sackkarrenweise Blut und Gedärm über den Leser ausgeschüttet, der, oftmals abgestumpft von „Saw“ und Co., davon ungefähr so emotional bewegt wird, wie manch anderer mittlerweile von den Abendnachrichten – vom fein ziselierten, psychologischen Grusel scheint man weiter entfernt denn je. Was bleibt ist der Griff zum Klassiker – und zu denen muss, nicht erst seit der Wiederveröffentlichung des Titels in einer „Illstrated Edition“ bei Zsolnay und Heyne, „Brennen muss Salem“ unbedingt gezählt werden.

Stephen Kings zweiter Roman, der in seiner Idee bereits vor „Carrie“ entstanden ist, sollte allen heutigen „Vampir“-Autoren mit satter Vorhand um die Ohren gehauen und anschließend als Lehrmaterial in die Hand gedrückt werden, erweist sich diese moderne Version von Bram Stokers „Dracula“ doch als zeitloses Werk, dessen Story auch über vierzig Jahre nach der Veröffentlichung immer noch funktioniert. Sein Erfolgsrezept: Die Einfachheit, das unkomplizierte Du und Du mit dem Leser, dem nichts von oben herab erzählt und der auch nicht belehrt, sondern mit simpelsten, aber wirkungsvollsten Mitteln in die Geschichte hineingezogen wird:

„Schalten Sie den Fernseher aus – schalten Sie doch auch mal alle Lichter aus bis auf die eine Lampe über ihrem Lieblingssessel -, und dann unterhalten wir uns hier im Dämmerlicht mal über Vampire. Ich denke, ich bringe Sie dazu, an sie zu glauben, denn ich habe es, während ich an meinem Buch arbeitete, selber auch getan.“ Stephen King in seinem Vorwort zur Ausgabe von 2005. Und soviel sei vorab gesagt: An Vampire habe ich nach der Lektüre des Buches zwar letztlich nicht geglaubt – das allabendliche Warten an der finsteren Haltestelle unseres kleinen Dorfes fiel aber irgendwie noch stiller aus als sonst.

Ihren Anfang nimmt die Geschichte von „Brennen muss Salem“ im Herbst des Jahres 1975. Ben Mears, Schriftsteller und Sohn der Kleinstadt Salem’s Lot (kurz für Jerusalem’s Lot), kehrt in die Heimat seiner Kindheit zurück, um den Tod seiner bei einem Unfall gestorbenen Freundin zu verarbeiteten und einen Neuanfang zu wagen. Gleichzeitig will er sich einer alten Angst stellen, welche in Form des alten Marsten-Hauses oberhalb der Stadt thront. Erbaut im frühen 20. Jahrhundert, ranken sich viele Mythen und Legenden um das Haus und seine Bewohner. Hubert Marsten soll gar für einige Morde verantwortlich und praktizierender Satanist gewesen sein. Für Ben Mears, der sich in frühester Jugend bei einer Mutprobe Zutritt verschafft und eine bis heute nicht rational zu erklärende Begegnung mit dem Geist Marstens gehabt hat, sieht darin genug Potenzial für ein neues Buch und beginnt zu schreiben. Gesellschaft leistet ihm dabei die junge Susan Norton, in die er sich recht bald verliebt.

Doch Mears Inspiration, das seit vielen Jahren unbewohnte Haus, scheint nun einen neuen Mieter gefunden zu haben. Mr. Straker, ein mysteriöser Herr mittleren Alters mit noch älterem Auto, hat sich dort niedergelassen. Gemeinsam mit seinem Partner Mr. Barlow will er ein Antiquitätengeschäft in Salem’s Lot eröffnen. Ein ungewöhnliches Ansinnen, nicht nur aufgrund der überhöhten Preise. Doch bevor sich die Bevölkerung der Kleinstadt länger über den Neuankömmling und den durch Abwesenheit glänzenden Kompagnon wundern kann, erregen weit schlimmere Dinge ihre Aufmerksamkeit: Am Friedhofszaun wird ein gepfählter Hund aufgefunden. Und nur kurze Zeit später verschwindet ein Sohn der Glicks spurlos, während der andere plötzlich an einer unerklärlichen Blutarmut zu leiden scheint. Da all die Ereignisse mit Ben Mears Ankunft in Salem’s Lot zusammenfallen, wird dieser nun zunehmend schärfer beäugt. Er selbst richtet seinen Blick dagegen hoch zum Marsten-Haus.

Sind die alten Gemäuer erneut zu einem Hort des Bösen geworden? Oder gibt es für all das eine vollkommen logische Erklärung? Gemeinsam mit Sue, dem trinkenden Priester Callahan, dem alten Lehre Burke und einem scharfsinnigen, kleinen Jungen namens Mark, geht Ben Mears dem Übel auf dem Grund … und stößt auf einen Gegner, der ihm und seinen Gefährten stets einen Schritt voraus zu sein scheint.

Achtzig Jahre nach Stokers „Dracula“ kehrt King mit „Brennen muss Salem“ zu den Ursprüngen des Vampir-Romans zurück und konfrontiert den Leser, ausgehend von der Idee den alten Stoff in die Moderne zu übernehmen, mit den Urängsten der Menschen. Dunkle, knarzende Kellertreppen. Huschende Schatten in der Finsternis. Vom Wind raschelnde Blätter im Wald. Rot funkelnde Augen in völliger Schwärze. Kings Mittel sind so einfach wie wirkungsvoll, kreieren von Beginn an eine Stimmung, welcher man sich nur schwerlich entziehen mag und mit jeder umgeschlagenen Seite an Intensität gewinnt. Das ist insofern beeindruckend, da die Hommage in Aufbau und Chronologie den Ereignissen des älteren Vorbilds durchaus ähnelt. Von der Verschiffung der Kisten, über den Gehilfen und die Ausbreitung der Vampire bis hin zum Aussehen des Vampirs – „Brennen muss Salem“ hält sich eng an den Ur-Stoff, ordnet sich aber dennoch nicht gänzlich den klassischen Tönen unter. Wo Stoker lediglich andeutete, wird King konkret. Dabei macht er die Thematik Vampirismus glaubhaft ohne sie zu entmystifizieren. Als Mittel dient ihm, wie auch in vielen seiner späteren Romane, die provinzielle US-Kleinstadt, welche dem Leser zwar nicht als Karte vorliegt, aber derart en detail beschrieben wird, das deren Aufbau uns bald so vertraut ist, wie die sie bevölkernden Figuren, welche uns teilweise mit schwindelerregender Schnelligkeit ans Herz wachsen. Und hiervon lebt, ja, hierdurch atmet die gesamte Geschichte.

Salem’s Lot ist nicht einfach der zufällige Schauplatz eines auf ihm tobenden Horrors – es wird zur Heimat des Lesers, die dort lebenden Menschen zu Bekannten, Freunden, Vertrauten. Und hieraus zieht „Brennen muss Salem“ seine Spannung. Wie eine langsam vor die Sonne schiebende Wolke greift der Schauder auf uns über. Die gemütliche Wärme eines spätsommerlichen Abends weicht herbstlicher Kälte. Statt zirpenden Grillen und Zikaden erklingen die Schreie der Ziegenmelker in der Nacht. Schritt für Schritt nimmt die Dunkelheit Besitz von Salem’s Lot, während wir hilflos mit anschauen müssen wie Barlow und Straker, von der Abgeschiedenheit des Ortes genauso begünstigt wie von der typischen Kleinstadt-Mentalität der Bewohner, die Reihen mit eiskalter Präzision lichten und dabei auf fast keinerlei Gegenwehr stoßen. King, der selbst an einem ähnlichen Ort aufgewachsen ist, erweist sich hier einmal mehr – und das ist seine große Stärke, die mich immer wieder so begeistern und bewegen vermag – als perfekter Beobachter seiner Mitmenschen. Salem’s Lot ist voller Ecken und Kanten. Seine Bevölkerung, so amerikanisch sie auch sein mag, ist der unserer Dörfer und Kleinstädte mit all ihren Fehlern erschreckend ähnlich. Häusliche Gewalt, Gleichgültigkeit, Snobismus, tugendhafter Wahn, Spießbürgertum, soziales Elend. Anhand der Figuren erhalten wir einen Querschnitt der Gesellschaft, welcher den eigentlichen Horror des Vampirs durch die alltägliche Bösartigkeit noch verstärkt.

Als Zentrum des Ganzen versteht sich dabei das Marsten-Haus. Eine Reminiszenz an Shirley Jacksons „Hill House“ (oder auch Blackwoods „Das leere Haus“), steckt auch in ihm „etwas Dunkles“ und bleibt, selbst als Barlow es verlässt, ein unheimlicher, das ursprünglich Böse verströmender Ort. In Folge dessen sind es besonders die Passagen, welche rund um das Haus spielen, welche die angesichts heutiger Schrecken schon fast in Vergessenheit geratene Gänsehaut auslösen und den Leser mit leicht nervösem Blick den Gang in den eigenen Keller antreten lassen. Die photographische Schärfe mit der King all dies zeichnet, sein unnachahmliches Gefühl für das richtige Timing – im Verbund mit der sich stetig zuspitzenden Handlung machen sie aus „Brennen muss Salem“ mehr als nur schlichte Unterhaltung.

Kings zweiter Roman ist voller Finsternis, Schwärze und Hoffnungslosigkeit, aber auch gleichzeitig durchsetzt von herzerwärmender Liebe und tiefempfundener Freundschaft. Ein herausragendes, berührendes und beklemmendes Meisterstück des Genres, das den guten alten Horror wieder salonfähig gemacht und mich über viele Stunden von allen anderen Aktivitäten abgehalten hat.

Der Abschied fiel mir, wie schon bei „Es“, nicht leicht, wird in der aktuellen „Illustrated Edition“ aber durch zwei weitere Kurzgeschichten hinausgezögert, welche die Geschehnisse rund um Salem’s Lot komplettieren.

Eins für Unterwegs“ setzt zwei Jahre nach dem Ende von „Brennen muss Salem“ an und erzählt die Geschichte eines Durchreisenden, dessen Familie im tiefsten Winter in einem Auto nahe Salem’s Lot eingeschneit worden ist. Widerstrebend erklären sich zwei Einheimische bereit, ihren Drink in der Bar zurückzulassen und dem Mann bei der Suche zu helfen. Im Gepäck: Eine Bibel und ein Kruzifix …

Bereits in der Kurzgeschichtensammlung „Nachtschicht“ erschienen, bietet „Eins für Unterwegs“ für King-Jünger nichts Neues. Für alle anderen stellt die nur wenige Seiten umfassende Geschichte aber eine äußerst stimmungs- und humorvolle Weitererzählung der vorhergehenden Ereignisse dar.

Jerusalem’s Lot“ (auch bereits vorher unter dem Titel „Briefe aus Jerusalem“ erschienen) erzählt von Charles Boone, der Mitte des 19. Jahrhunderts von seiner Familie das Anwesen Chapelwaite erbt und sich dort mit seinem treuen Diener Calvin McCann niederläßt. In den Briefen an seinen Freund Bones wird nach und nach deutlich, dass mit dem Haus etwas nicht stimmt. Die unheimlichen Geräusche, die erschrockenen Gesichter der Ortsansässigen, die Andeutungen und rätselhaften Geschichten von Mrs. Cloris lassen Charles bald selbst an einen Fluch glauben, den seine Familie mit in den Ort gebracht hat…

Jerusalem’s Lot“ ist insofern interessant, da es chronologisch nicht nur Jahre vor „Brennen muss Salem“ spielt, sondern auch in Aufbau und Sprache nah an Bram Stokers „Dracula“ bleibt, dem dieses Werk auch direkt gewidmet ist. So setzt sich die komplette Geschichte aus Briefen zusammen, die, anfangs noch amüsiert, später immer mehr vom Grauen befallenen, von den Geschehnissen rund um Chapelwaite berichten. Gleichzeitig zitiert King hier ausgiebig Lovecraft. Unter anderem verwendet James Boone dessen Zauberformeln, um das Böse heraufzubeschwören. In Wirkung und Atmosphäre bleibt „Jerusalem’s Lot“ jedoch gegenüber der vorherigen Erzählung zurück.

Komplettiert wird die vorliegende Ausgabe durch die einstmals „Gestrichenen Szenen“ von „Brennen muss Salem“. Diese sind allerdings, von der alternativen Fassung des Endes von Dr. Cody und Barlow mal abgesehen, vernachlässigbar und lassen deutlich erkennen, warum Lektor und Autor diese in Absprache nicht mit ins Buch übernommen haben. Hier hätte man sie ebenfalls – nun ja – streichen können.“

Wertung: 96 von 100 Treffern (plus Kurzgeschichte „Eins für unterwegs“ 93 Treffer, „Jerusalem’s Lot“ 84 Treffer)

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  • Autor: Stephen King
  • Titel: Brennen muss Salem
  • Originaltitel: Salem’s Lot
  • Übersetzer: Peter Robert
  • Verlag: Heyne
  • Erschienen: 09.2010
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 736
  • ISBN: 978-3453407497

+++ Der Vorschau-Ticker – Winter/Frühjahr 2016/2017 – Teil 2 +++

Da Random House gleich eine ganze Vielzahl von Verlagshäusern unter einem Dach vereint, erwarte ich besonders hier die Vorschauen zumeist mit großer Spannung, wobei der Heyne Verlag jedes Jahr aufs Neue die größte Dichte an Treffern aufweist, welche genau meinen literarischen Geschmacksnerv ins Visier nehmen. Das ist auch im Halbjahr 2016/2017 nicht anders. Im Gegenteil: Vor allem der September schickt sich an der teuerste Monat des Jahres zu werden, da hier gleich mehrere Titel meine Aufmerksamkeit wecken und meinen Geldbeutel an die Belastungsgrenze treiben.

Los geht’s allerdings bereits im August mit David F. Ross „Schottendisco„, das vom Setting, der schottischen Provinz, bis hin zum zeitlichen Kontext, den 80er Jahren (bin selbst in diesem Jahrzehnt aufgewachsen), schon mal alles richtig macht. Darüber hinaus ist der Titel eine Wundertüte, zumal mit der Autor bis heute unbekannt war. Die Tatsache, dass Markus Naegele es allerdings als würdig für sein Programm erachtet, reicht in der Regel jedoch aus, um einen Kauf zu rechtfertigen. Enttäuschungen, wie das eher fade „Winter Family“, bilden die Ausnahme.

Dann kommt der prallvolle September, wo Gregor Webers „Asphaltseele“ den Anfang macht. Deutscher Hardboiled. Das ist immer so eine Sache. Autoren wie Frank Göhre oder zuletzt David Gray zeigen jedoch, dass es funktioniert, wenn der richtige Schreiber die Feder führt. Ob Weber dies ist, bleibt abzuwarten. Das Frankfurter Bahnhofsviertel ist mir als ehemaliger Pendler allerdings nicht unbekannt. Allein daher werde ich mal einen Blick riskieren. Mal sehen, ob es wirklich so ein Drecksloch ist, wie Weber andeutet – und ich es in Erinnerung habe.

Die zwei Welshs sind sicherlich keine Muss-Käufe, aber meine alte „Porno„-Ausgabe hat erstens die besten Tage hinter sich und zweitens habe ich von den aktuellen Titeln des Autors keinen mehr gelesen. Das „Ein ordentlicher Ritt“ dann noch in Edinburgh, meiner Lieblingsstadt spielt, muss ein Zeichen von ganz oben sein. 😉

Über Stephen King verliere ich jetzt mal keine großen Worte. Ich liebe King. Ich kaufe jedes Buch von ihm. Punkt.

Dann kommt im September eine Autobiographie, die ich schon lange sehnlichst erwarte. Der „Boss“ persönlich gibt sich die Ehre und wirft einen Blick zurück auf sein Leben. Ich bin mit dem Sound Springsteens aufgewachsen – verbinde viele schöne Momente meiner Jugend mit ihm – und er begleitet mich bis heute. „Born to Run“ ist ein Muss-Kauf und auch ein perfektes Weihnachtsgeschenk für den ein oder anderen in meiner Verwandtschaft.

Mit „Zeit der Jagd“ von Crais bringt Heyne endlich wieder einen Pike/Cole-Titel, der vorher bereits noch nicht auf Deutsch veröffentlicht worden ist. Leider habe ich zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Informationen zum Inhalt (Bin jetzt auch gerade einfach zu faul, die englische Summary zu übersetzen). Ich werde diesen aber bei Verfügbarkeit natürlich nachreichen. Crais-Fans wird’s wohl eh schnuppe sein. Die wissen, was sie an diesem Autor haben, der übrigens vor zwei Jahren wohlverdienterweise den Grand Master Award verliehen bekommen hat.

So, und nun kommen die drei Titel, die mir das breiteste Grinsen ins Gesicht fräsen. Mit „Vater und Sohn“ bringt Heyne Hardcore im November die Übersetzung von „House of the Risung Sun„. Ein James-Lee-Burke-Roman über seine Holland-Dynastie, der uns in die Zeit von Butch und Cassidie zurückführt und von den Kritiken in den USA gefeiert wurde. Und selbst wenn Letzteres nicht der Fall gewesen wäre. Jeder Burke, der hierzulande aufschlägt, muss gepriesen werden, bedenkt man wie lange dieser großartige Autor in Deutschland in Vergessenheit geraten war. Ich hoffe, dass Heyne Hardcore (und auch Pendragon) hier über die volle Distanz gehen und genug Leute zuschlagen, damit die Verlage uns das gesamte Werk auf Deutsch kredenzen können. Interesse scheint da zu sein, was sich auch daran zeigt, dass „Sturm über New Orleans„, zuerst im Paperback-Format bei Pendragon erschienen, nun im Heyne Hardcore-Programm ebenfalls (diesmal im TB) aufgelegt wird. Und auch wenn ich das nur ungern zugebe, lieber Günther Butkus – das hier gewählte Cover gefällt mir um Längen besser.

Zum Abschluss schließlich ein Buch, dessen Veröffentlichungsdatum ich mit Vorsicht genieße, da aufgrund von Scott Lynchs Krankheitsgeschichte bereits der dritte Band, „Die Republik der Diebe„, gleich mehrfach verschoben wurde. Ein Schicksal, das auch „Das Schwert von Emberlain“ im Original jetzt schon geteilt hat. Letztendlich ist es dies aber gleich. Bisher hat sich das Warten noch immer gelohnt. Die „Gentleman-Ganoven“-Reihe ist so mit Abstand die kreativste, dreckigste, witzigste und auch herzerwärmenste Fantasy-Saga, die ich seit Jahren lesen durfte. Übrigens ein echter Geheimtipp, selbst für Leser, die sonst eher im Krimi (und da vor allem im Hardboiled-Bereich) gewildert haben.

Noch eine kleine Information am Schluss: Derzeit sind die ISBNs und Titel des Heyne-Programms (bis auf wenige Ausnahmen) noch nicht bibliographierbar. Das wird sich aber in absehbarer Zeit (in spätestens zwei, drei Wochen) mit Sicherheit geändert haben.

Und nun genug der Worte. Ist da auch was für euch dabei?

  • David F. Ross – Schottendisco (Paperback, August 2016 – Heyne Hardcore – 978-3-453-27040-4)
  • Inhalt: Zwei Jungs in der schottischen Provinz in den Achtzigern. Kein Plan, keine Perspektive. Was machen? Wie wäre es mit einer mobilen Disco? Gute Popmusik, die gibt es. Und die beiden kennen sich aus. Also wird eine kleine Anlage geliehen, und bald gibt es die ersten Geburtstagspartys. Und das erste Geld. Dumm nur, dass die beiden eines nicht wissen: Die Gegend wird von einem Partyveranstalter kontrolliert, der keinen Spaß versteht, wenn ihm jemand die Aufträge streitig macht.
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  • Gregor Weber – Asphaltseele (Klappbroschur, September 2016 – Heyne Hardcore – 978-3-453-27020-6)
  • Inhalt: »Mein Name ist Ruben Rubeck. Ich bin siebenundvierzig, sehe aus wie siebenundfünfzig und fühle mich manchmal wie siebenundachtzig. Geschieden, kinderlos und Kriminalkommissar, was in meinem Alter ein lächerlich niedriger Dienstgrad ist, aber das geht mir am Arsch vorbei. Ich komme zurecht. Das Frankfurter Bahnhofsviertel ist mein Revier. Viele denken, ich würde da wohnen, weil es bei mir für mehr nicht reicht, weil ich mich im Dreck wohlfühle und mit meinem Gesicht sowieso nirgends sonst in Frankfurt eine Wohnung bekäme, aber das stimmt nicht. Ich hab’s einfach gerne nah zur Arbeit.«
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  • Irvine Welsh – Porno (Taschenbuch, September 2016 – Heyne Hardcore – 978-3-453-67705-0)
  • Inhalt: Es gibt sie noch, die Jungs aus der Trainspotting-Crew! Zehn Jahre älter, aber kein bisschen weiser, haben sie nichts anderes im Kopf als die ultimative Abzocke, alte Rechnungen und den internationalen Durchbruch in der Pornoindustrie. Eine außergewöhnliche Geschichte über Lebenspläne, Freundschaft und Geschäftemachen – witzig, charmant und voller Seitenhiebe auf Scheinheilige und moralische Saubermänner.
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  • Stephen King – Mindcontrol (Gebunden, September 2016 – Heyne Verlag – 978-3-453-27086-2)
  • Inhalt: In Zimmer 217 ist etwas aufgewacht. Etwas Böses. Brady Hartsfield, verantwortlich für das Mercedes-Killer-Massaker mit vielen Toten liegt seit fünf Jahren in einer Klinik für Neurotraumatologie im Wachkoma. Seinen Ärzten zufolge wird er sich nie erholen. Doch hinter all dem Sabbern und In-die-Gegend-Starren ist Brady bei Bewusstsein – und er besitzt tödliche neue Kräfte, mit denen er unvorstellbares Unheil anrichten kann, ohne sein Krankenzimmer je zu verlassen. Ex-Detective Bill Hodges, den wir aus Mr. Mercedes und Finderlohn kennen, kann die Selbstmordepidemie in der Stadt schließlich mit Brady in Verbindung bringen, aber da ist es schon zu spät.
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  • Irvine Welsh – Ein ordentlicher Ritt (Paperback, Klappbroschur, September 2016 – Heyne Hardcore – 978-3-453-27067-1)
  • Inhalt: Juice Terry Lawson ist der unangenehmste Taxifahrer von ganz Edinburgh. Seine männlichen Fahrgäste textet er gnadenlos zu, die Frauen versucht er flachzulegen. Es kann sich eigentlich nur um ein Versehen handeln, dass ausgerechnet der amerikanische Fernsehstar Ronald Checker ihn als seinen Stammfahrer engagiert. Als dann ein Hurrikan die Ostküste Schottlands heimsucht und die Stadt im Chaos versinkt, verschwindet Terrys gute Freundin Jinty. Zuletzt wurde sie im berüchtigten Pub Ohne Namen gesehen. Ronald Checker wird wohl oder übel einen Umweg in Kauf nehmen müssen …
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  • Bruce Springsteen – Born to Run – Die Biographie (Gebunden, September 2016 – Heyne Verlag – 978-3-453-20131-6)
  • Inhalt: Selten zuvor hat ein Bühnenkünstler seine eigene Geschichte mit solch einer Kraft und solch einem lodernden Feuer niedergeschrieben. Wie viele seiner Songs (“Thunder Road”, “Badlands”, “Darkness on the Edge of Town“, “The River”, “Born in the U.S.A.“, “The Rising“ oder “The Ghost of Tom Joad,” um ein paar wenige zu erwähnen) ist Bruce Springsteens Autobiografie geprägt von der Lyrik eines einzigartigen Songwriters und der Weisheit eines Mannes, der ausgiebig über seine Leben nachgedacht hat.
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(c) Heyne

  • Robert Crais – Zeit der Jagd (Taschenbuch, Oktober 2016 – Heyne Verlag – 978-3-453-43881-1)
  • Inhalt: – noch kein Inhalt bekannt – aktuellster Band der Elvis-Cole/Joe-Pike-Serie –
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(c) Heyne

  • James Lee Burke – Vater und Sohn (Paperback, Klappbroschur, November 2016 – Heyne Hardcore – 978-3-453-27088-6)
  • Inhalt: Vater und Sohn ist ein epischer Roman über das Ende des Wilden Westens und den Beginn des 20. Jahrhunderts. Texas Ranger Hackberry Holland wird zur Zeit der mexikanischen Revolution von seinem Sohn Ishmael getrennt, den er in der Folge aufzuspüren versucht, um sich mit ihm auszusöhnen. Dabei fällt er Soldaten der Revolutionsarmee in die Hände, die ihn verdächtigen, als Texas Ranger im Rahmen einer Strafexpedition mexikanische Zivilisten ermordet zu haben. Der Roman springt zurück in die Zeit von Butch Cassidy und Sundance Kid und endet im Ersten Weltkrieg.
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(c) Heyne Hardcore

  • James Lee Burke – Sturm über New Orleans (Taschenbuch, Klappbroschur, Januar 2017 – Heyne Hardcore – 978-3-453-67716-6)
  • Inhalt: Hurrikan Katrina trifft New Orleans mit voller Wucht. In der überfluteten Stadt treiben Leichen umher, und die Menschen versuchen panisch, ihr Hab und Gut zu retten. Die Häuser sind verlassen, der Strom ist weg und keine Spur mehr von Recht und Ordnung. Ein tiefer Graben des Misstrauens trennt die weiße und die schwarze Bevölkerung, während Hilfe der Behörden auf sich warten lässt. Inmitten dieses Szenarios soll Dave Robicheaux die Vergewaltigung an einem jungen Mädchen aufklären und einen verschwundenen Priester finden. Dabei müsste er sich viel dringender um den Gründer einer Bürgerwehr kümmern, der wesentlich gefährlicher ist als die vielen Verbrecher, die damit beschäftigt sind, die Stadt zu plündern.
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(c) Heyne Hardcore

  • Scott Lynch – Das Schwert von Emberlain (Papernback, Klappbroschur, März 2017 – Heyne Verlag – 978-3-453-31749-9)
  • Inhalt: – noch kein Inhalt bekannt; die langerwartete Fortsetzung der „Gentleman-Ganoven“-Reihe –
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(c) Heyne

 

Der Fluch des Blutes

Unbenannt

(c) Bastei Lübbe

Ich bin wohl alles andere als der typische Stephen-King-Fan, habe ich diesen Autor doch – im Gegensatz zu vielen anderen meiner Schulkollegen – in Jugendzeiten komplett verschlafen. Ob seine Werke oder die Verfilmungen – das Genre Horror war für mich lange Zeit nur über klassische Grusel -und Schauergeschichten von Stoker, Shelley, Walpole, Lovecraft oder Blackwood zugänglich. King selbst erschien mir stets zu trivial, zu billig und zu wenig subtil. Eine Einschätzung, welche natürlich auf Nichtkenntnis beruhte und sich erst änderte, als ich mich vor ein paar Jahren schließlich doch überwand, um mir „Es“ und im Anschluss daran „Carrie“ zu Gemüte zu führen. Ab da an war es um mich geschehen – und um mein Konto, denn nach und nach sind schließlich fast alle seine Bücher in mein Regal gewandert, welche ich nun chronologisch nach Erscheinungsdatum verschlinge, glücklich darüber, dass King in den letzten Jahrzehnten so produktiv gewesen ist (Und hoffentlich auch noch sehr lange bleiben wird).

In den nächsten Monaten (und vielleicht auch Jahren) möchte ich euch hier auf meinem Blog an dieser Reise in die Welt des „Grand Master of Horror“ teilnehmen lassen. Den Anfang macht, logischerweise, „Carrie“. 

Wohl kaum ein anderer Autor in der Literaturgeschichte schuldet seiner Frau derart viel Dankbarkeit wie Stephen King, war es doch seine Frau Tabitha, die Anfang der 70er Jahre das Manuskript zu „Carrie“ aus dem Papierkorb fischte und ihren Mann, damals noch ein arbeitsloser Englischlehrer, dazu überredete, es fertig zu schreiben und den Verlagen anzubieten. Der Grundstein für sein späteres literarisches Schaffen war damit gelegt, alles weitere liest sich aus heutiger Sicht wie die perfekte Version der amerikanischen „from rags to riches“-Biographie. Knapp 40 Jahre später ist Stephen King nicht nur der finanziell erfolgreichste Schriftsteller der Welt, sondern gilt auch als unangefochtener „Grand Master of Horror“, der eine ganze Generation folgender Schreiberlinge des Genres inspiriert und beeinflusst hat. Umso interessanter der Blick auf diesen allerersten Erfolgsroman, welcher jedoch mitnichten der erste war, den King geschrieben hat. Einige der frühen vier, die genauen Titel sowie ihre Anzahl sind immer noch umstritten, kamen ein paar Jahre später, überarbeitet, unter dem Pseudonym „Richard Bachman“ heraus, das der zum damaligen Zeitpunkt bereits berühmte King wählte, um zu sehen, ob sich sein Stil möglicherweise auch ohne den zugkräftigen Namen verkaufen würde. (Der Erfolg blieb, so groß er war, weit hinter den „King“-Werken zurück)

Nimmt man „Carrie“ heute in die Hand und schaut sich gleichzeitig die weiteren King-Titel im Regal an, fällt dem Betrachter vor allem der geringe Umfang von knapp dreihundert Seiten ins Auge, der sich im Vergleich zu den späteren epischen Wälzern beinahe mickrig ausnimmt. Bringt man sich dabei noch in Erinnerung, dass das ursprüngliche „Müll“-Manuskript gerade mal 98 Seiten umfasste, wird die bemerkenswerte Entwicklung des Autors King umso deutlicher. Das ein jeder für eine steile Karriere aber unten beginnen muss, kann auch „Carrie“ nicht verhehlen. Auch wenn es in Punkto Qualität und Wirkung sich nicht hinter Meisterwerken wie „Brennen muss Salem“ oder „Es“ verstecken muss, haftet dem Buch doch dieser typische Erstlings-Charakter an. Stark am Zeitgeist der 70er Jahre orientiert, bot es eine Gänsehaut für Puristen, die angesichts moderner Splatter-und-Folter-Werke, oberflächlich gesehen, schrecklich trivial erscheint. Eine Kritik, welche der haarscharfe Beobachter aber bereits nach wenigen gelesenen Seiten relativieren muss, denn „Carrie“ hat weder an Aktualität noch an Intensität verloren.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht das titelgebende junge Mädchen, das, aufgewachsen im Schatten des religiösen Wahns ihrer fanatischen Mutter, als Außenseiterin ihr Leben an der Ewen High School im kleinen Städtchen Chamberlain fristet. Versehen mit der Gabe der Telekinese, lässt sie bereits als Dreijährige einen Steinregen auf ihr Elternhaus prasseln, weil die Mutter ihrer in „Sünde gezeugten“ Tochter nach dem Leben trachtet. Dreizehn Jahre später sieht sich Carrie nicht enden wollendem Spott seitens ihrer Mitschüler ausgesetzt, welche keinerlei Gelegenheit auslassen, um das scheue, zurückhaltende Mädchen für ihren christlichen Glauben und die aus ihrer Erziehung resultierende Unwissenheit zu hänseln. Den Höhepunkt findet das Ganze schließlich im Duschraum der Sporthalle, wo Carrie, vollkommen überrumpelt vom Eintreten ihrer ersten Menstruation, mit Binden und Tampons beworfen und schließlich von der Sportlehrerin nach Hause geschickt wird.

Was zu diesem Zeitpunkt keiner weiß: „Der Fluch des Blutes“, wie ihre Mutter später kalt feststellt, führt schließlich zu einer Kette von Ereignissen, welche die zurückhaltende Carrie an ihre Grenzen und darüber hinaus treiben. Während manch einer versucht, die begangenen Gemeinheiten durch gute Taten zu sühnen, bereiten sich andere auf einer allerletzten Streich vor, der Carries Position innerhalb der Gemeinschaft der anderen Schüler und Schülerinnen endgültig vernichten soll. Um ihre erste aufkeimende Liebe gebracht und durch Wut und Verzweiflung zum Äußersten getrieben, entfesselt Carrie schließlich ihre Gabe, um Kraft ihres Willens gnadenlose Rache zu nehmen …

Auch wenn das Motiv des Loser-Teenagers bereits zu Beginn der 70er Jahre kein Neues mehr war – derart emotional auf die Spitze getrieben und in seiner Essenz erfasst, hat es wohl nur Stephen King, der in einem von Vietnam-Krieg, Umweltzerstörung und atomarer Bedrohung geprägten Amerika, die Angst mit „Carrie“ wieder auf ihren Ursprung reduziert. Es ist der alltägliche Horror, der Blick unter die Dächer und damit hinter die Kulissen der sauberen Vorstadtsiedlungen und Kleinstädte, welcher den Autor nicht nur durch seine weiteren Werken begleitet, sondern letztlich auch seine große Popularität begründet hat. Grusel, Schrecken, Spannung – all dies ergibt sich in erster Linie aus den ursprünglichen, menschlichen Gefühlen und nicht aus den durchaus auch immer präsenten übersinnlichen oder fantastischen Elementen. Der Grund warum man die Seiten von „Carrie“ schon direkt nach Beginn der Lektüre immer fester packt, ist die gefühlsmäßige Verbindung zu den Figuren, deren präzise Zeichnung Stephen Kings herausragende Stärke ist. Ob Wut, Hass, Mitleid oder eben Angst – die Gefühle dieser fiktiven Charaktere sind stets nachvollziehbar und vor allem nachfühlbar. So resultiert die Spannung schließlich aus Dingen, welche man in ähnlicher Form selbst bereits erlebt hat.

In „Carrie“ ist dieses Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen Kings zwar erst in Ansätzen vorhanden – im Verbund mit den fiktiven, (pseudo-)wissenschaftlichen Fachartikeln und Verhandlungen der White-Kommission, welche King nachträglich einbaute, um einerseits den Umfang zu strecken und andererseits die Authentizität zu erhöhen, ergibt sich jedoch ein äußerst intimer Einblick in die Schicksale der Figuren. Das dieser so prägend ausfällt, ist auch insofern verwunderlich, da eigentlich niemand der Beteiligten in seinen Handlungen Sympathie erwecken kann. Selbst gut meinende Charaktere wie Miss Desjardin oder Sue Snell können sich ihrer Abscheu für Carrie nicht erwehren, müssen sich von der Falschheit der gegen sie begangenen Taten mit Logik überzeugen, weil ihre Gefühle, wie die aller anderen, gegen die Außenseiterin sprechen. Diese innere Zerrissenheit zieht sich durch das gesamte Buch und sorgt für diese immense Sogkraft, der man sich nur schwer entziehen kann. Und das obwohl durch oben genannte Berichte dem Leser bereits Fakten zukünftiger Ereignisse bekannt gemacht werden und man dadurch eigentlich bereits weiß, wohin das Ganze führt.

Dem Lesevergnügen tut das keinen Abbruch – im Gegenteil: Durch sie wird das Ausmaß der Katastrophe, welches im Kleinen, nämlich im Hause der Whites, seinen Anfang nahm, in seiner vollen Tragweite deutlich. Angesichts heutiger Schulmassaker, nicht nur in Amerika, ist der beinahe deckungsgleiche Verlauf ein zusätzlich unheimlicher und nachdenklich stimmender Nebeneffekt. Dazu passt auch der Ursprung der Figur Carrie, die ein reales Vorbild hat. King, der als Kind in Durham, Maine lebte, wählte den Namen aufgrund eines seltsamen Mädchens, welches mit ihm zusammen zur Schule fuhr und von allen gemieden wurde – im Erwachsenenalter nahm sie sich das Leben.

Trotz durchaus vorhandener und kritikwürdiger Schwächen – Stephen Kings Frühwerk „Carrie“ ist, immer noch, ein in allen Belangen überzeugender Horror-Roman. Ein perfekter Einstieg in das Kingsche Universum, der mich persönlich tief beeindruckt und endgültig zum „Jünger“ dieses fantastischen Schriftstellers gemacht hat.

Wertung: 95 von 100 Trefferneinschuss2Autor: Stephen King

  • Titel: Carrie
  • Originaltitel: Carrie
  • Übersetzer: Wolfgang Neuhaus
  • Verlag: Bastei Lübbe
  • Erschienen: 01.2011
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 320
  • ISBN: 978-3404169580

Die Toten schauen zu – im Sonnenlicht und im Schatten

Eine Nachricht und eine Entdeckung, die ich gerne mal mit der Krimi-Gemeinde teilen möchte.

So ist seit Anfang diesen Monats (oder habe ich es einfach erst so spät mitbekommen) mit „Die Toten schauen zu“ von Gerald Kersh der neueste Titel aus Frank Nowatzkis Pulp Master-Verlag erschienen (Wer das grandiose Programm nicht kennt, folge bitte unverzüglich dem Link). Für meine Seite ein Muss-Kauf, zumal die

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(c) Pulp Master

Thematik es für dieses Genre in sich hat:

Als in der von deutschen Truppen besetzten „Tschechei“ der SS-Obergruppenführer und General der Polizei von Bertsch von einem vorbeifahrenden Motorradfahrer niedergeschossen wird, setzt das Dritte Reich 800.000 Reichsmark Belohnung für Hinweise aus, die zur Ergreifung des Täters führen. Als in der Nähe des kleinen Dorfes Dudicka ein verlassenes Motorrad am Uferrand geborgen wird, entsendet die Gestapo den berüchtigten SS-Offizier Heinz Horner, um eine Untersuchung einzuleiten und die Dorfbewohner Horners Repressalien auszusetzen. – Vor historischem Hintergrund schuf der großartige Gerald Kersh 1943 unauslöschliche Bilder vom Hereinbrechen des Schreckens über eine unschuldige Dorfgemeinschaft, die bis heute nichts von ihrer dramatischen Wucht und Sprachkraft verloren haben.

Das war die Nachricht und nun die Entdeckung: Für Dezember diesen Jahres ist im amerikanischen Original eine Anthologie angekündigt, bei der Titel, Name des Herausgebers, beteiligte Autoren und Aufmachung allesamt nur eine Antwort von meiner Seite aus zur Folge haben: „Shut up and take my Money!“

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(c) Pegasus

In Sunlight or in Shadow – Stories inspired by the paintings of Edward Hopper“ ist eine Hommage an einen der wichtigsten Maler aus dem Amerikanischen Realismus, der mich dazu noch mit seinem Bild „Nighthawks“ schon in jungen Jahren geprägt und meine Liebe zum „noiresken“ Buch befeuert hat. In der kommenden Storysammlung nehmen dann außerdem auch ein paar Schriftsteller den Stift in die Hand, die zu den ganz Großen ihrer Sparte (und passenderweise meinen Favoriten) zählen: Neben Herausgeber Lawrence Block sind so u.a. Stephen King, Joyce Carol Oates, Michael Connelly, Jeffery Deaver, Lee Child und Joe R. Lansdale beteiligt. Grund genug für mich, mal nicht auf eine Übersetzung ins Deutsche zu warten und mir das Buch als Weihnachtswunsch vorzumerken. Und vielleicht dürfen wir 2017 das Buch dann doch auch hierzulande begrüßen – Liebeskind übernehmen sie. 😎

+++ Der Vorschau-Ticker – Sommer/Herbst 2016 – Teil 6 +++

Weiter geht’s an der Vorschauen-Front – Random House lässt nach und nach die Hüllen fallen und ich werfe gierige Blicke auf folgende Titel aus dem Hause Heyne (und Heyne Hardcore). Übrigens: Falls der Pfeifer noch aus der alten Vorschau stammt – Mea Culpa.

Was die angekündigten Bücher angeht: „Fremdes Land“ ist natürlich ein absolutes Muss. James Lee Burke ist für mich einer der bis dahin besten Schriftsteller, die ich entdecken durfte. Auch weit über die Grenzen des Spannungsgenres hinaus. „American Blood“ klingt ebenfalls nicht übel, die weiteren Titel sind (von Marks abgesehen) Neuausgaben als TB und waren mir im gebundenen Format schlicht zu teuer.

Mein Fazit: Ein bissel enttäuscht bin ich schon. Robert Crais‘ Zeit scheint schon wieder vorbei zu sein. Hatte gehofft, dass man hier nach und nach die älteren und neueren Titel herausbringt. Da scheinen wohl die Absatzzahlen nicht gestimmt zu haben. Stattdessen ein neuer Mark Billingham, dessen frühe Thorne-Bände hervorragend waren, der aber zuletzt ziemlich im Mittelmaß versackt ist. Dass Jim Thompson nicht im neuen Programm auftaucht ist ebenso schade. Und auch auf eine Übersetzung von William Kent Kruegers „Ordinary Grace“ (2014 immerhin mit dem Edgar Award ausgezeichnet) warte ich weiterhin – zumindest an dieser Stelle – vergeblich.

  • David Pfeifer – Schlag weiter, mein Herz (März 2016 – Heyne Hardcore – 978-3-453-67693-0)
  • Inhalt : Nichts schlägt härter zu als die Liebe. Das lernt Mert, als er Nadja bei einem Boxturnier begegnet. Er kämpft verbissener um sie als um alles andere in seinem Leben. Jahrelang versuchen die beiden, sich gegenseitig glücklich zu machen. Und doch bleiben sie in ihrer Beziehung immer Anfänger, erleben Siege und Niederlagen. Bis er den letzten Kampf verloren hat und nur noch sie bleibt.
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(c) Heyne Hardcore

  • Howard Marks – Mr. Smiley (März 2016 – Heyne Hardcore – 978-3-453-27069-5)
  • Inhalt : Howard Marks war der berühmteste Drogenschmuggler seiner Zeit und gleichzeitig Held einer ganzen Generation. Nach seiner Freilassung aus einem der härtesten amerikanischen Gefängnisse schrieb er den Millionen-Bestseller Mr. Nice. Was kaum einer wusste: Neben seiner Rolle als Bestsellerautor geriet er Mitte der Neunziger in den Strudel der Ecstasyund Clubkultur. Und hatte es plötzlich wieder mit Verbrecherbossen und Gangstern zu tun. Mr Smiley nimmt den Leser mit auf eine unglaubliche Reise durch die Drogen-, Clubbing- und Verbrecherszene der Neunziger.
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  • James Lee Burke – Fremdes Land (Mai 2016 – Heyne Hardcore – 978-3-453-27015-2)
  • Inhalt : Texas im Jahr 1934: Weldon Holland fristet in der ländlichen Ödnis ein perspektivloses Dasein. Einzig das Gangsterpärchen Bonnie und Clyde, das nach einem Bankraub auf dem Grundstück campiert, durchbricht die Monotonie. Zehn Jahre später überlebt Weldon als Leutnant nur knapp die Ardennenoffensive und rettet die jüdische Kriegsgefangene Rosita Lowenstein vor dem Tod. Zurück in Texas steigt er ins boomende Ölgeschäft ein, wo er bald in ein gefährliches Spiel aus Intrigen, Korruption und Machtstreben verwickelt wird.
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  • Giancarlo de Cataldo – Suburra (August 2016 – Heyne Hardcore – 978-3-453-43856-9)
  • Inhalt : Das größte Bauvorhaben, das Rom je gesehen hat, stinkt nach Korruption, Betrug und kaltblütigem Mord! Rom zwischen Ostia und Cinecittà – Ein brutaler Bandenkrieg erschüttert die Straßen. Kommissar Malatesta erahnt den wahren Grund hinter der Fehde: ein riesiges Bauvorhaben, das die Peripherie Roms bis zur Küste von Ostia mit Casinos, Hotels, Clubs zubetonieren soll. Nicht nur korrupte Behörden, Mafia und Zigeunerclans ziehen am selben schmutzigen Strang, sondern auch Würdenträger aus Kirche und Politik. Allen voran Samurai, der letzte Überlebende der Magliana-Bande und eiskalter Neo-Faschist – mit dem einzigen Ziel: Geld.
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  • Stephen King – Revival (August 2016 – Heyne Verlag – 978-3-453-43848-4)
  • Inhalt : Revival erzählt die Geschichte des Jungen Jamie und des Predigers Charles Jacobs, deren Wege sich von den Sechzigern bis heute auf unglückselige Weise immer wieder kreuzen. Sie steuert auf ein beängstigendes, auswegloses Ende zu, wie es selbst Stephen King bislang nicht zu Papier gebracht hat, und ist gleichzeitig Abrechnung mit dem Religionsfanatismus in unserem hoch technisierten Zeitalter und Verbeugung vor den Größen des klassischen Horrors.
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  • Steffen Kopetzky – Risiko (September 2016 – Heyne Verlag – 978-3-453-41956-8)
  • Inhalt : Steffen Kopetzky hat einen funkelnden Abenteuerroman geschrieben, der auf historischen Fakten beruht. Er folgt einer legendären Afghanistan-Expedition auf der 5000 Kilometer langen Reise und begegnet historischen Personen wie Lucien Camus, dem Vater von Albert, oder Alois Musil, auch genannt Musil von Arabien. Geheimexpedition des Deutschen Reichs an den Hindukusch: Nach einem Plan des Orientkenners Freiherr Max von Oppenheim ziehen sechzig Mann mit der Bagdadbahn, zu Pferd und auf Kamelen durch Wüsten und Gebirge. Das Ziel: den Emir von Afghanistan und die Stämme der Paschtunen im Namen des Islam zum Angriff auf Britisch-Indien zu bewegen. Der junge Marinefunker Sebastian Stichnote liegt mit seinem Schiff vor der Küste Albaniens. Aus der Enge der Giesinger Gerberei seiner Brüder hat ihn das Fernweh hinaus auf See und zur vielstimmigen Funktechnik gezogen. Diese gibt ihm das Gefühl, mit dem ganzen Kosmos in Kontakt zu stehen. Als der Erste Weltkrieg beginnt, muss die unterlegene deutsche Flotte durchs Mittelmeer nach Konstantinopel fliehen. Stichnote hat es nach den ersten Seegefechten eilig, sein Schiff so schnell wie möglich zu verlassen und schließt sich als Funkoffizier einer geheimen Expedition nach Kabul an. Ihre Reise führt sie nach Syrien, Bagdad, Teheran, Isfahan und schließlich durch die persische Wüste. Am Ende hängt der Erfolg der Expedition von Stichnote ab, der mit allem brechen muss, was ihm einst heilig war.
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  • Ben Sanders – American Blood (September 2016 – Heyne Verlag – 978-3-453-41839-4)
  • Inhalt : – Noch keine näheren Informationen zum Inhalt – Ben Sanders, geboren 1989 in Auckland, veröffentlichte seinen ersten Thriller im Alter von 21 Jahren. The Fallen erreichte direkt nach Erscheinen Platz 1 der neuseeländischen Bestsellerliste und hielt sich dort für mehrere Wochen. Zwei Fortsetzungen wurden ebenfalls zu Bestsellern und waren für den neuseeländischen Krimipreis nominiert. Mit American Blood startet eine neue Serie um den ehemaligen New Yorker Cop Marshall Grade.
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