Noir endlich

© Polar

Es gibt doch nichts Schöneres, als wenn sich unausgesprochene Wünsche erfüllen. So geschehen im Januar 2015, als der zum damaligen Zeitpunkt noch relative junge Polar Verlag Ray Banks‚ Standalone „Dead Money“ auf den deutschen Buchmarkt warf – wo dieses, wie leider so viele andere Titel aus Wolfgang Franßens erlesenen Ensemble, trotz vielfacher, guter Feuilletonkritiken keinen größeren Eindruck hinterlassen konnte.

Mir war es letztlich gleich, hatten doch Schriftsteller-Kollegen wie z.B. Ian Rankin ihn in Interviews zu oft und zu sehr gelobt, um ihn links lassen zu können. Mehr noch: Banks, wie Rankin ein echter Fifer und damit auf dem Edinburgh gegenüberliegenden Ufer des Firth of Forth aufgewachsen, gilt in Schottland bereits seit längerer Zeit als absoluter Kult-Autor. Eine Übersetzung war also mehr als überfällig, wiewohl es wenig verwundert, dass auch dieses literarische Produkt aus dem Land des Whisky erst mit einiger Verzögerung den Weg zu uns gefunden hat. Ein Schicksal, das sich Banks ebenfalls mit Rankin teilt. Wenngleich wir schnell dabei sind, noch den x-ten Bretagne-Krimi zeitnah zu veröffentlichen und in Massen auf den Buchhandlungstischen zu platzieren – den Norden des Vereinigten Königreichs rückt man hierzulande im Bereich der Spannungsliteratur seit jeher weit weniger intensiv in den Fokus. Beste Gelegenheit also, diesen losen Faden hier aufzugreifen und Ray Banks die dringend benötigte und vor allem verdiente Aufmerksamkeit zu schenken. Ja, verdient, denn „Dead Money“, bereits schon mal im Jahr 2000 als Manuskript unter dem Namen „The Big Blind“ verlegt, gehört genau in die Kategorie Erstlingswerk, der man ihren Debütcharakter mal so rein gar nicht anmerkt. Stattdessen erwartet den Leser ein Parforce-Ritt in bester Noir-Tradition, welcher zwar sichtlich von Banks großen Vorbildern beeinflusst ist und doch in seinem ganz eigenen Stil daherkommt. Worum geht es:

Gute Miene zum bösen Spiel – das ist Alan Slaters Lebenseinstellung. Während er am Tage mit steinhartem Grinsen Doppelglasfenster an widerwillige Kunden vertickt, flüchtet er des Nachts vor der ungeliebten Frau in die dreckigsten und dunkelsten Spielhöllen von Manchester. Stets an seiner Seite: Sein bester, weil auch irgendwie einziger Freund Les Beale. Ein Choleriker der schlimmsten Sorte, welcher bereits in den meisten Pubs und Casinos der Stadt Hausverbot hat, nichtsdestotrotz aber weiter seinen Traum vom großen Jackpot lebt und dafür auch bereit ist, sein Glück zu erzwingen. Zum Leidwesen von Alan, der wegen Les‘ losem Mundwerk immer wieder in Schwierigkeiten gerät und seinem trostlosen Dasein mittels einer Affäre mit der jungen Studentin Judy zu entfliehen versucht. Es bleibt jedoch beim Versuch, denn die gute Judy ist zwar leicht zu haben, aber finanziell anspruchsvoll und die Liaison somit kostspielig. Als Les ihm von einem geheimen Poker-Turnier mit garantiertem Gewinn erzählt, nimmt Alan dennoch Abstand. Die Sache ist ihm zu heiß. Und er soll mit seinem Argwohn Recht behalten.

Die sichere Sache ist in Wirklichkeit ein abgekartetes Spiel. Statt auf einem Pott von Geld sitzt Les am Ende auf einer Leiche. Nur Alan kann noch helfen, der sich tatsächlich dazu überreden lässt, den Körper im Kanal bei Salford zu versenken. Eine folgenschwere Entscheidung, denn die Entsorgung verläuft nicht ohne Probleme – und Les Geldschulden bringen sie ins Blickfeld eines hiesigen Gangsters, zu dessen Stärken Geduld nicht gehört …

Dead Money“ – Das ist in erster Linie ein Roman über Kontrollverlust. Ein Kontrollverlust, den Alan Slater zwar bis zum bitteren Ende leugnet, der ihn aber letztlich unaufhaltsam Richtung Abgrund zieht, beschleunigt doch jede getroffene Entscheidung nur den freien Fall, in dem er sich befindet. Eine Tatsache, die Slater ebenso beharrlich ignoriert, wie jegliche Parallelen zu Les Beale, für den er sich in Kollegenkreisen oder bei seiner Frau immer wieder entschuldigt.

(…) „Ich war erledigt. Zeit für was Neues: Ich sollte aufhören, so viele verdammt bescheuerte Risiken einzugehen. Ich hatte mich zu lange von Beale runterziehen lassen und dem ganzen Rest. Ich musste Abstand gewinnen und mir meine Prioritäten klarmachen. Wieder Kontrolle über mein Leben kriegen.“ (…)

Doch sein Versuch Abstand zu gewinnen, er ist bestenfalls halbherzig, denn in Wirklichkeit braucht er das Risiko und die Aufregung, sind sie schließlich das Einzige, was Abwechslung in sein eintöniges Leben bringt, das wiederum vollkommen von Materialismus geprägt ist. Gewinn, Umsatz, Zahlen – Alles dreht sich um Geld. Ein Hauen und Stechen, das alle Beteiligten zu dumpfen Automaten abstumpfen lässt. Menschlichkeit ist nur noch eine Fassade, ein Mittel zum Zweck – ein falsches, schales und liebloses Lächeln, hinter dem sich nichts als Leere verbirgt und das Slater selbst zuhause nicht mehr ablegen kann. Ein Ort, den er ohnehin nur so lange wie notwendig aufsucht, um sich möglichst schnell wieder ins dunkle Nachtleben zu stürzen und damit unbewusst seine eigene Demontage voranzutreiben. Banks schildert dies im weiteren Verlauf zunehmend drastischer und drückt das Gaspedal für das Erzähltempo bis aufs Bodenblech, wobei er seinen Protagonisten auf der Strecke in jede noch so kleine Leitplanke knallen lässt.

Es ist dabei mehr als nur offensichtlich, dass in Alan Slater ein gehörige Portion Ray Banks steckt, der selbst eine Zeitlang Doppelglasfenster an den Mann gebracht und sogar als Croupier in einem Casino in Manchester gearbeitet hat – zumindest bis zu dem Moment, als eine Gruppe Männer mit einem Auto durch den Eingang rauschte, um dieses auszurauben. Und auch der exzessive Alkoholgenuss ist mitunter zu plastisch geschildert, als das Banks da nicht selbst seine Erfahrungen mit gehabt hätte. Möglicherweise geprägt durch seine literarischen Vorbilder wie James M. Cain, Jim Thompson, Hubert Selby, Ken Bruen oder Charles Willeford (Banks Carl-Innes-Reihe ist durchaus als Hommage an Willefords Hoke-Moseley-Quartett zu verstehen), welche er in jungen Jahren verschlang und die ihn letztlich auch dazu inspirierten sein Studium von Kunst und Theaterwissenschaft hinzuschmeißen – und von Coventry in die Industrie-Stadt Manchester zu ziehen. Das passende Pflaster für einen Roman wie „Dead Money“, der in der Tat von seinem Schauplatz und von Banks stilsicheren Gespür für Sprache lebt.

Die ist mitunter äußerst dreckig und hart, aber vor allem bar jeglicher künstlicher Ausschmückungen. Banks verzichtet auf größeres Personal oder komplexere Handlungsebenen und treibt stattdessen den Plot geradlinig dem Ende entgegen, dessen Ich-Erzähler als dramaturgische Abrissbirne alles auf seinem Weg zum Einsturz und den Leser damit an seine Grenzen bringt. Banks steht hier in nichts seinen Idolen nach, weiß die Elemente des Noirs zielgenau und vor allem literarisch ansprechend und leidenschaftlich in Szene zu setzen. Die ganze Ausweglosigkeit von Alan Slaters Situation – sie ist nichts geringeres als mitreißend und lässt uns, trotz fehlender Sympathiepunkte des Erzählers, dann am Ende auch ironischerweise mitfühlen. Wenn dieser zum x-ten Mal seine Rennie-Tabletten mit Alk tränkt, kommt man nicht umhin, selbst ein Magengrummeln zu empfinden. Nein, dieser ganze Scheiß, er kann schlicht nicht gut ausgehen. Da helfen auch keine Säureblocker mehr. Doch selbst das sichere Wissen, dass dem so ist, hält nicht davon ab, die Seiten fester zu packen und diese in zunehmender Geschwindigkeit zu verschlingen.

Dead Money“ ist ein lautstarker, nihilistischer Abstieg in den Sündenpfuhl Manchester. Eine Reise ohne Wiederkehr und ein Noir reinsten Wassers, hochklassig in seiner Präsentation und mit genau dem richtigen Maß an anarchistischem Wahnsinn zu Ende gebracht. Ein Ende, welches keinerlei Illusionen mehr übrig lässt und für Alan Slater vor allem eins nochmal eindringlich verdeutlicht:

Rien ne va plus. Nichts geht mehr.

Wertung: 88 von 100 Treffern

einschuss2
  • Autor: Ray Banks
  • Titel: Dead Money
  • Originaltitel: Dead Money
  • Übersetzer: Antje Maria Greisiger
  • Verlag: Polar
  • Erschienen: 01/2015
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 220 Seiten
  • ISBN: 978-3945133255
Advertisements

Im Hinterland, die Hölle

© Heyne

Hört ihr Pferdewiehern oder das Quietschen von gutem Leder, so schärfte man den Kindern von Mitcham Beat ein, dann lauft und versteckt euch.

Dies ist ein Zitat aus dem Buch „The Mitcham War of Clarke County, Alabama“ von Harvey H. Jackson III., in welchem er, gemeinsam mit den Co-Autoren Joyce White Burrage und James A. Cox, die bürgerkriegsähnlichen Zustände im Clarke County von 1892 thematisiert, die aufgrund gleich einer Reihe brutaler Morde bis heute fest im Gedächtnis der Region verankert sind und auch den Autoren Tom Franklin zu seinem Debütroman „Die Gefürchteten“ inspirierten.

Franklin, selbst in Alabama geboren und aufgewachsen, greift die geschichtlichen Ereignisse rund um die so genannte „Hell-at-the-Breech“-Bande auf und formt aus ihnen mit einiger kreativer Freiheit einen waschechten „Southern-Gothic“, der in seinen besten Momenten den Vergleich mit Cormac McCarthy, Flannery O’Connor oder William Faulkner keinesfalls zu scheuen braucht. Und wenngleich er dabei von Setting und Ton her an cineastische Machwerke wie „Open Range“ oder „Gnadenlos“ erinnert und teils gar klassische Western-Themen bedient, stilistisch orientiert er sich stattdessen eher an den Vertretern aus der ersten Großen Depression. Diese hatte insbesondere den Süden der USA in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hart getroffen, der nach Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs und der damit einhergehenden Abschaffung der Sklaverei ohnehin wirtschaftlich darniederlag. Ehemalige Farmbesitzer schufteten nun selbst von morgens bis abends auf ihren Baumwollfeldern. Viele von ihnen mussten Pachten an die neuen Besitzer in den Städten zahlen und waren danach gerade noch so in der Lage sich selbst zu ernähren. Der einstige Stolz und die moralische Überlegenheit – sie waren Selbstzweifeln und Minderwertigkeitskomplexen gewichen. Inmitten dieser von Missgunst und Rachegefühlen geschwängerten Atmosphäre nimmt „Die Gefürchteten“ seinen Anfang.

September 1897, Mitcham Beat, Alabama. Die beiden Brüder William und Mack Burke, zwei Waisen, die von der alten Hebamme und Witwe Gates großgezogen wurden, sind auf Freiersfüßen. Sie wollen der Hure Annie einen Besuch abstatten. Um das dafür benötigte Geld zu beschaffen, schleichen sie sich als Räuber verkleidet im Dickicht an den Ladenbesitzer und aufstrebenden Lokalpolitiker Arch Bedsole heran. Doch die Nacht ist dunkel, der Boden unwegsam und Mack Burkes Hand schweißnass. Als er in der Bewegung mit dem Knie wegknickt, löst sich ein Schuss und Bedsole fällt tot vom Pferd. Zu diesem Zeitpunkt kann keiner von den beiden ahnen, dass diese Tat für die gesamte Umgebung schwerwiegende Folgen haben wird, denn Arch Bedsoles Cousin Tooch nutzt diese Gelegenheit nicht nur um dessen Geschäft zu übernehmen, sondern hebt gleichzeitig einen Geheimbund aus der Taufe. Vordergründig soll er die Interessen der verarmten Farmer vor der Willkür der Städter aus Grove Hill schützen – in Wirklichkeit dient er vor allem dazu, um sich gegenseitig eines Alibis zu versichern, wenn auserwählte Mitglieder mit gezogener Waffe und schwarzen Kapuzen ihr Unwesen treiben.

Es dauert nicht lange und bald wird die gesamte Gegend von der so genannten „Hell-at-the-Breech“-Bande terrorisiert. Es kommt zu Lynchjustiz und zu Angriffen auf Schwarze. Wer sich unter der Landbevölkerung weigert die Bande zu unterstützen, zahlt mit Blut oder gar mit dem Leben. Als die ersten Nachrichten von brutalen Überfällen Grove Hill erreichen, wird der Ruf nach Gerechtigkeit laut. Doch der alte Sheriff Billy Waite hat mit sich selbst und vor allem mit dem Alkohol zu kämpfen. Seit längerem weigert er sich beharrlich, jemanden zum Deputy zu benennen. Und fast ebenso lange hat er sich nicht mehr im Umland von Mitcham Beat blicken lassen. Mit dem Mord an dem Farmer Anderson ist aber auch er schließlich gezwungen zu handeln. Während er sich mit seinem treuen Gaul King durch das Gehölz des Bear Thicket kämpft, plagen seinen Cousin Oscar York Zweifel. Der Richter von Grove Hill glaubt nicht, dass der Sheriff in der Lage ist, die Situation zu lösen und nimmt daher die Hilfe des ehrgeizigen Ardy Grant in Anspruch. Unwissentlich schließt er damit einen Pakt mit dem Teufel, denn Grant ist nicht das, was er zu sein scheint …

Vertreter des „Southern Gothic“ werden oftmals auch als „Country Noir“ beworben und wenn letztere Plakatierung wohl je gepasst hat, dann bei „Die Gefürchteten“, denn diese Lektüre ist nichts weniger als ein Parforceritt ohne Sattel durch tiefste menschliche Abgründe – von Autor Tom Franklin in einer Lakonie kredenzt, welche noch der muntersten Frohnatur das Lächeln mit knallharter Schreibe aus der Fresse haut. Entspannt zurücklehnen und genießen, das kann man hier getrost vergessen. Von Beginn an legt sich mit bleierner Schwere eine deprimierende und rigoros nihilistische Grundstimmung über das Geschehen, welche den Leser aus seiner gemütlichen Sofa-Ecke in den Nahkampf mit den eigenen Gefühlen zerrt. Die ärmlichen Bedingungen unter denen die Farmer ihre Familie großziehen müssen – sie schildert Franklin in einer drastischen Konsequenz, die jegliche Distanz zum Buch unmöglich macht. So wird schon auf den ersten Seiten ein Sack voller Welpen im Fluss ertränkt. Mehr als den einen Hund kann die alte Witwe schließlich nicht ernähren. Und es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass sie Mack diese Aufgabe überlässt, der damit zum zweiten Mal in kurzer Zeit zum Mörder wird.

Inmitten der dunklen Wälder, zwischen weißen Baumwollfeldern und maroden Holzhütten – hier droht eine ganze Generation dem Vergessen anheim zu fallen. Und so fällt es schwer, nicht die Bitternis nachzufühlen, welche die Bewohner von Mitcham Beat empfinden, die trotz schwerster körperlicher Arbeit am „American Way of Life“ nie teilnehmen werden, beim Streben nach Glück von ihren Nachbarn in der Stadt zurückgelassen wurden. Die wiederum nutzen jede Tragödie, um sich am Leid ihrer Pächter zu bereichern. Notfalls sogar durch Meineid, was im vorliegenden Fall dazu führt, dass die Bürger der Stadt selbst zur Waffe greifen und als wilder Mob der Bande entgegenreiten. Bis dahin lässt sich Tom Franklin ausgiebig Zeit. Meines Erachtens manchmal etwas zu viel, wenn er gewisse Szenen im wahrsten Sinne des Wortes zu sehr ausreitet, anstatt sie der Fantasie des Lesers zu überlassen.

Aber auch Zeit, die er nutzt um Mack mit seinem Gewissen und Billy mit seinem Alkoholproblem und der nörgelnden Ehefrau kämpfen zu lassen. Letzteres klingt lustiger, als es dann im Buch wirklich ist, wie überhaupt man Humor eigentlich in diesem nachtschwarzen Werk vergeblich sucht. Dafür ist der Grundtenor allerdings auch viel zu ernst. So ernst, dass selbst Liebe ein Element ist, das es in „Die Gefürchteten“ schwer hat zur Entfaltung zu kommen. Zumindest bis ganz zum Schluss, wo die gesamte Handlung noch einmal eine überraschende Wendung erfährt und sich zudem die angestaute Spannung in einem brachialen Kugelhagel entlädt, der selbst für mich nur schwer zu ertragen war.

Wenn sich der Pulverdampf schließlich verzieht, ist der Plot um einige Figuren ärmer – und der Leser um eine eindringliche literarische Erfahrung reicher. „Die Gefürchteten“ – das ist ein Debüt bar jeglicher Sentimentalität und Wildwest-Romantik. Ein harter, bisweilen auch arg brutaler Trip ins Hinterland von Alabama, für den Tom Franklin in seiner Heimat zurecht gefeiert wurde und der hierzulande eine Neuauflage durchaus verdient hätte. Ein passender Moment wäre es, ist doch gerade erst bei Pulp Master mit „Krumme Type, krumme Type“ ein weiteres Werk des Schriftstellers in Erstveröffentlichung erschienen und vom Feuilleton gepriesen worden.

Wertung: 87 von 100 Treffern

einschuss2
  • Autor: Tom Franklin
  • Titel: Die Gefürchteten
  • Originaltitel: Hell at the Breech
  • Übersetzer: Wolfgang Müller
  • Verlag: Heyne
  • Erschienen: 01.2008
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 414 Seiten
  • ISBN: 978-3453431980

Kampf gegen die Ungewissheit

© Piper

Direkt im Kielwasser von Larssons „Millennium“-Trilogie auf Deutsch erschienen, gehört „Öland“ hierzulande zu den erfolgreichsten skandinavischen Spannungsromanen, dessen Stellenwert Autor Johan Theorin mit den nachfolgenden Titeln „Nebelsturm“ und „Blutstein“ in der früheren Vergangenheit noch zementierte. Gemeinsam mit dem vierten Band „Inselgrab“ bilden sie das so genannte „Jahreszeiten“-Quartett, welches, stets auf der schwedischen Insel Öland spielend, den üblichen Reißerelementen heutiger Krimis zuwiderläuft und sich stattdessen gänzlich auf die atmosphärische Beschreibung des Schauplatzes sowie das Zusammenspiel und die Innerlichkeit der Protagonisten konzentriert.

Ein Ansatz, den Theorin äußerst rigide verfolgt, der aber auch gleichzeitig dem Aufbau eines wirklichen Spannungsbogens nicht immer zuträglich ist. Daher gleich vorneweg: Wer temporeiche Action, Verfolgungsjagden, zerstückelte Leichen und Forensik-Blabla als unabdingbare Zutaten für eine gelungene Lektüre ansieht, sollte von „Öland“ und seinen Nachfolgern besser die Finger lassen. Bereits der Erstling widersetzt sich jeglichem Versuch des Pageturnings, bietet dafür aber ein düster-stimmungsvolles Ambiente. Und eine mit Bedacht, Ruhe und Einfühlungsvermögen vorgetragene Handlung, deren Stille lauter hallt als so manch blutrünstiger Thriller der noch höher gejubelten Konkurrenz.

Schweden, Mitte der 90er Jahre. Die Vergangenheit hat ihre Spuren bei Julia Davidsson hinterlassen. Seit mehr als zwanzig Jahren befindet sie sich im Ungewissen über den Verbleib ihres Sohnes Jens, der als damals Fünfjähriger unbeobachtet das Haus seines Großvaters auf Öland verließ und danach nie wieder gesehen wurde. Ein Verlust, den sie bis zum heutigen Tage nicht überwinden kann. Ebenso wenig wie sie die Erklärung der Polizei akzeptiert, welche das Verschwinden des Jungen als Unfall mit Todesfolge im Meer zu den Akten gelegt hat. Von ihrer Familie lebt Julia fast gänzlich isoliert. Besonders das Verhältnis zu ihrem Vater Gerlof, dem sie insgeheim die Schuld für den unglückseligen Verlauf der Ereignisse (er war vor dem Haus eingeschlafen) gibt, ist belastet. Das jahrelange vergebliche Hoffen erträgt sie inzwischen allein mithilfe von Alkohol und Anti-Depressiva. Umso schockierter ist sie, als sie eines Tages einen Anruf von Gerlof erhält. Ihm wurde anonym per Post eine Sandale zugeschickt. Jens‘ Sandale.

Die Nachricht reißt Julia aus ihrer Lethargie. Sie fährt nach Öland zu ihrem Vater, der dort gemeinsam mit seinem Freund Ernst Adolfsson schon seit längerer Zeit Nachforschungen angestellt und eine Theorie bezüglich Jens‘ Verschwinden hat. Die beiden Senioren glauben, dass Nils Kant den Jungen umgebracht haben könnte. Er galt schon immer als schwarzes Schaf der Insel, war aber zum Zeitpunkt des Unglücks schon viele Jahre tot. Oder hatte er es damals tatsächlich geschafft, seinen Tod vorzutäuschen? Ernst verspricht diesbezüglich einige neue Informationen. Doch als Julia und Gerlof ihn an seinem Arbeitsplatz, dem Steinbruch, treffen wollen, finden sie nur noch seine Leiche vor. Er wurde von einer seiner eigenen Skulpturen erschlagen. Aber war es überhaupt ein Unfall?

Dass die nordischen Kriminalromane in den seltensten Fällen ein Ausbund der heiteren Fröhlichkeit sind, ist mitunter bekannt – dennoch habe ich schon lange nicht mehr eine solch schwermütige, tieftraurige Geschichte gelesen, die, in einer scheinbar aussichtslosen Situation beginnend, im weiteren Verlauf immer wieder die Hoffnungen des Lesers torpediert, am Ende der Lektüre zumindest so etwas ähnliches wie ein Happyend vorzufinden. Tristesse ist die Grundstimmung „Ölands“, dessen titelgebender Schauplatz aber auch eben gerade dieses melancholische Element innewohnt. Geprägt vom rauen Klima und der schroffen, unwirtlichen Fauna ist die Insel seit jeher ein Ort, der es seinen Bewohnern schwer macht, welche ihr nur mit härtester Arbeit einen Ertrag abringen können. Bestes Beispiel dafür ist die Große Alvar, eine mit Gras und Büschen bewucherte Kalksteppe, die weite Teile des inneren Ölands bedeckt und in den kälteren Jahreszeiten für Ortsunkundige zur tödlichen Falle werden kann. Theorin, der selbst für einige Monate im Jahr die schwedische Insel bewohnt, erweckt diese Landschaft nicht nur äußerst eindringlich zum Leben, sondern nutzt auch ihre Eigenheiten, um die Geheimnisse im Fall von Jens‘ Verschwinden immer wieder zu verschleiern.

Dafür nimmt sich der Autor viel, manchmal zu viel Zeit. Fakt ist jedenfalls: Der Roman gewinnt seine Sogkraft in erster Linie durch diese bildreichen Beschreibungen, zumal Theorin sich den häufigen Fehler verkneift, einen halben Reiseführer aus seinem Werk zu machen. Dies wäre hier umso schwerwiegender gewesen, da die Protagonisten, allen voran die ewig suchende Mutter Julia, mich persönlich nicht so recht zu überzeugen wussten. Das mag vor allem daran liegen, dass deren Schicksalsschlag, so grauenvoll und einschneidend er ist, mir ein wenig zu häufig thematisiert wird und nach der Hälfte des Buches ein wenig den mitleidigen Charakter verliert. Stattdessen beginnt das dauernde Gejammer, besonders im Angesicht der Bemühungen ihres Vaters, an den Nerven des Lesers zu nagen. Gerlof andererseits ist der heimliche Gewinner des Romans. Auch weil Theorin uns mit ihm einen gänzlich neuen „Ermittler“ vorsetzt, der durch seine nautische Vergangenheit zu faszinieren weiß und zudem die Verbindung zwischen den parallel laufenden Handlungssträngen darstellt. Während der eine das Sandalen-Geheimnis näher verfolgt, führt uns der andere zurück bis in die späten 30er Jahre, wo wir, beginnend mit seinen ersten Untaten, einen jungen Nils Kant begleiten.

Die Polizei und andere Justizkräfte sind über weite Strecken des Romans außen vor, was der Handlung wiederum einen noch persönlicheren Charakter verleiht. So liest sich „Öland“ dann auch weniger wie ein klassischer Krimi, als vielmehr wie ein tragischer Familienroman, in dem es vor allem um die Verarbeitung eines möglichen Verbrechens geht – und nicht unbedingt um deren lückenlose Aufklärung. Das wird, wie die träge Erzählweise des Autors, sicher nicht jedermanns Sache sein. Ebenso wenig wie die Auflösung, die für mich persönlich jetzt nicht all zu viele Überraschungen bereit gehalten hat. Ein im Ganzen positives Fazit verhindert dies jedoch nicht.

Öland“ ist ein feinsinniger, gefühlvoller, aber auch sehr trauriger Spannungsroman, dessen zentrales Thema, der Kampf gegen die Ungewissheit, auch über das Ende der Lektüre hinaus beschäftigt. Ein wirklich gelungener Erstling.

Wertung: 85 von 100 Treffern

einschuss2
  • Autor: Johan Theorin
  • Titel: Öland
  • Originaltitel: Öland / Skumtimmen
  • Übersetzer: Kerstin Schöps
  • Verlag: Piper
  • Erschienen: 03/2009
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 448 Seiten
  • ISBN: 978-3492253680

Die Ambivalenz der Hoffnung

41TmZAWrPFL._SX309_BO1,204,203,200_

© DVA

„A writer’s writer“ – dieses Prädikat hing Richard Yates Zeit seines Lebens nach. Während die Schriftstellerkollegen seinen verfolgten Ansatz, die Realität und insbesondere den Amerikanischen Traum zu entromantisieren, mit Begeisterung aufnahmen und nicht wenige (wie z.B. Richard Ford oder Kurt Vonnegut) ihn gar als referenzielles Vorbild bewunderten, wurden seine Werke vom Feuilleton und der allgemeinen Leserschaft allenfalls verhalten beurteilt bzw. aufgenommen.

Weit davon entfernt, zur Erbauung zu taugen oder ein Loblied auf das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu singen, stießen sich viele an seiner nihilistischen Ader, an der Abwesenheit jeglicher guter Eigenschaften oder gar moralisch integrer Menschen. Sein Faible für Außenseiter und Verlierer schien schlichtweg nicht massenkompatibel, nicht vereinbar mit dem Selbstverständnis des durchschnittlichen Amerikaners, der Weg vom Tellerwäscher zum Millionär sei für jedermann auch jederzeit möglich. Yates‘ Werke bedeuteten eine Erinnerung an die eigene Selbsttäuschung, gewährten einen Blick auf die allgegenwärtige Möglichkeit des Scheiterns und hinter die Fassade des vermeintlichen Glücks. Die Konfrontation mit dem mühsam aufgebauten Selbstbild, die Auseinandersetzung mit falschen Hoffnungen – sie konnten augenscheinlich nur postum gewürdigt werden. Vielleicht auch weil Richard Yates selbst – der bei seinem Tod mehrere Aufenthalte in Psychiatrien hinter sich hatte und letztlich damit auch dem lebenslangen Alkoholkonsum Tribut zollte – eine stetige Erinnerung an die von ihm erfundenen Figuren war: Einzelgänger, Säufer, erfolgloser Drehbuchautor, Sohn eines kaputten Elternhauses, ängstlich – und vor allem mit ambivalenter Beziehung zu seiner Mutter. Und genau diese Attribute begegnen uns auch in den Charakteren der folgenden sieben Kurzgeschichten:

  • Ach, Joseph, ich bin so müde
  • Ein natürliches Mädchen
  • Probelauf
  • Verliebte Lügner
  • Urlaub aus privaten Gründen
  • Grüße zu Hause
  • Abschied von Sally

Wenn es eines Beispiels bedarf, dass Wiederveröffentlichungen längst verstorbener Autoren auch heute noch eine Erfolgsgeschichte sein können, dann hat ihn der Verlag DVA mit seiner Neuauflage von Yates Gesamtwerk äußerst eindrucksvoll angetreten. Mehr noch: Aus dem auch hierzulande zuvor eher unbekannten Autor Richard Yates ist nun eine echte Literaturgröße geworden, aus dem inzwischen sogar verfilmten Roman „Zeiten des Aufruhrs“ gar ein moderner Klassiker. Yates wird wieder gekauft und vor allem gelesen – und dies offensichtlich mit weit mehr Wertschätzung als zu seinen Lebzeiten. Zu verdanken ist dies unter anderem Stewart O’Nan, dessen 1999 im Boston Review erschienener Artikel Yates nicht nur über alle Maßen würdigte, sondern ihn auch plötzlich und erstmalig salonfähig machte. Eine Euphorie, die man nur dann versteht, wenn man sich selbst überzeugt. Und dafür sind insbesondere Yates‘ Kurzgeschichten eben treffend geeignet, da sie – noch weit mehr als die Romane – einen ungeschönten Blick auf die Gefühle und Gedanken der Protagonisten werfen, die Zusammenhänge auf eine erstaunlich einfache Formel herunterbrechen. Eine Formel, die da lautet: Jeder Mensch hat Angst. Auf die ein oder andere Weise.

So auch in der ersten Geschichte „Ach, Joseph, ich bin so müde“, in der Yates durch den Erzähler von den zum Scheitern verurteilten Versuchen einer geschiedenen Mutter berichtet, sich selbst als erfolgreiche Bildhauerin zu verwirklichen. Als sie den Auftrag erhält, eine Büste des gerade gewählten Präsidenten Franklin D. Roosevelt anzufertigen, ignoriert sie dabei die Tatsache, ohne Talent zu sein, genauso, wie die Einmaligkeit dieser Aufgabe, welche ihr ohnehin nur durch das Wirken Dritter zuteil wurde. Die Angst, nach Beendigung des Auftrags wieder Teil der verarmten Nachbarschaft in Greenwich Village zu sein, sie wird verdrängt. Stattdessen versucht sie sich als verkannte Künstlerin zu inszenieren – mit berechtigten Hoffnungen, in die obersten Schichten der Gesellschaft aufzusteigen.

„Wenn du richtig bekannt wirst – wenn die Zeitungen es aufgreifen und die Wochenschauen -, wirst du eine der interessantesten Persönlichkeiten in Amerika sein.“

Dabei bleibt es bei dem Versuch der Inszenierung, durchschaut doch selbst ihr Sohn ihre Lebenslügen („Sie war keine wirklich gute Bildhauerin“), den Yates nicht ohne Schadenfreude und mit einer gehörigen Portion Zynismus das Wirken seiner Mutter kommentieren lässt. Ihre Unabhängigkeit wird schnell als Schein entblößt, die Lust nach einem Drink als ausufernder Alkoholismus entlarvt, ihre Abneigung gegenüber dem ihren Sohn unterrichtenden Juden am Ende als Antisemitismus enttarnt. Und auch ihr unerschütterliche Glaube an die Aristokratie wird nur wie folgt, spröde und ohne jede Häme bewertet:

(…) „aber es gab keinen Grund zu der Annahme, dass die Aristokratie jemals an sie glauben würde“ (…)

In der titelgebenden Erzählung „Verliebte Lügner“ trifft der Leser wiederum auf Warren Matthews, der – nachdem er und seine Frau schon lange aneinander vorbeigelebt haben – vor den Scherben seiner Ehe steht und Abwechslung im Londoner Nachtleben sucht, welche er in der Prostituierten Christine Phillips findet. Die aus Glasgow stammende Einundzwanzigjährige verzichtet jedoch auf eine Bezahlung, stattdessen spricht man recht bald von Liebe und Beziehung – wohlwissend, dass man sich gegenseitig etwas vormacht. Doch während Warren anfangs noch die Unkompliziertheit (und die finanziellen Vorteile) dieser „Abmachung“ schätzt, entwickelt sich ihr Lügengebilde bald zu einer Bürde, die mehr Probleme als Vorteile mit sich bringt. Geheuchelte Gefühle, gestellte Mienen, gekünstelte Gesten – Yates fährt sein ganzes Repertoire auf, um die Verlogenheit ihrer Gefühle bloßzustellen und tut das derart unnachahmlich, dass man sich eines spöttischen Lächelns nicht erwehren kann.

Seine stärkste Geschichte liefert er meines Erachtens aber mit „Urlaub aus privaten Gründen“ ab, in welcher der junge GI Paul Colby, Soldat bei der 57. Division, Paris aufsucht, um sich den vielversprechenden Vergnügungen der Stadt der Liebe hinzugeben. Doch dort angekommen muss er feststellen, dass sich seine Ängste dort ebenso wenig verflüchtigen, wie seine Feigheit vor dem weiblichen Geschlecht. Hilflos muss er mit ansehen wie seine Kameraden die Vorzüge der französischen Frauen genießen, während er gleichzeitig alles daransetzt seine gleichgültige Miene ziellos durch die Straßen der Stadt zu tragen.

Geistreich, mit feinem Witz und doch auch scharfem Zynismus führt uns Richard Yates durch die sieben Geschichten dieses Erzählbands. Nur oberflächlich banal, stattdessen zielgerichtet und immer irgendwie desillusionierend. Wie schon in „Elf Arten der Einsamkeit“, seinem Debüt, so versteht er es auch in dieser Sammlung von Erzählungen – auf erschütternd einfache Art und Weise – die menschlichen Makel bloßzulegen. Eine unheimlich lesenswerte Collage aus Humoreske und Lakonie, welche die Zeiten überdauern und trotz des jeweiligen geschichtlichen Kontext auch in Zukunft noch seine Wahr- und Weisheiten bergen wird.

Wertung: 86 von 100 Treffern

einschuss2
  • Autor: Richard Yates
  • Titel: Verliebte Lügner
  • Originaltitel: Liars in love
  • Übersetzer: Anette Grube
  • Verlag: DVA
  • Erschienen: 09.2007
  • Einband: Hardcover
  • Seiten: 320 Seiten
  • ISBN: 978-3421058607

Chronik eines Gescheiterten

© btb

Edward Hoppers „Nighthawks“ (frei übersetzt: „Nachtschwärmer“) ist nicht nur eines der populärsten Bilder des 20. Jahrhunderts (es wurde oft kopiert und noch öfter zitiert), sondern gehört auch zu meinen persönlichen Favoriten, was insofern erwähnenswert ist, da ich mich ansonsten für Kunst kaum interessiere und noch weniger Ahnung von der Thematik habe. Fakt ist jedenfalls: Hoppers Komposition der Farben spricht mich genauso an, wie die Grundstimmung des Bilds, das drei in einer Bar sitzende Gäste zeigt, welche aneinander vorbeischauen und allem Anschein nach ihren eigenen Gedanken nachhängen.

Während draußen bereits die Nacht hereingebrochen ist, tauchen die Lampen des „Phillies“ alles in ein kühles, grelles Licht, das die Einsamkeit der Figuren noch unterstreicht. Durch die Theke von ihnen getrennt, geht der Barkeeper seiner Arbeit nach. Seine Aufmerksamkeit gilt dem rauchenden Mann vor ihm, der seinerseits die Frau neben sich kaum wahrzunehmen scheint. Abseits von ihnen sitzt ein weiterer Mann, mit der Rückenpartie zum Betrachter. Sein Hut hängt tief im Gesicht, sein Blick ist nach unten gerichtet. Meiner Ansicht nach ist es letztlich er, der die Popularität von „Nighthawks“ begründet. Einsam und in der hellen Ausleuchtung des Diners auch irgendwie exponiert, fungiert er als Fragezeichen für den Betrachter. Wer ist dieser Mann? Wo kommt er her? Warum wirkt er so niedergeschlagen?

Interpretationsansätze und -möglichkeiten gibt es sicherlich genug. Kein anderer hat für mich jedoch bisher eine passendere Hintergrundgeschichte geliefert als Richard Yates, der in seinem dritten Roman „Ruhestörung“, welcher im Jahr 1975 veröffentlicht worden ist, die Geschichte vom Absturz John Wilders erzählt. Und der erinnerte mich mehr als nur einmal, an den Mann auf dem bekannten Bild.

Wir schreiben den September des Jahres 1960. Wilder ist ein unauffälliger, durchschnittlicher New Yorker aus der Mittelschicht, mäßig talentiert, und doch beruflich recht erfolgreich im Verkauf von Anzeigen. Zuhause wartet eine auf ihn liebende Frau täglich auf seine Rückkehr aus dem Büro. Und am Wochenende entfliehen sie zumeist, gemeinsam mit ihrem zehnjährigen Sohn, dem Trubel des Big Apple und fahren aufs Land. Kurzum: Alles scheint gut und Wilder (der regelmäßig dem Alkohol frönt und sich auch immer mal wieder in einer heimlich gemieteten Wohnung mit anderen Frauen vergnügt) ein zufriedenes Leben zu führen. Doch die Idylle trügt … und etwas droht, die Ruhe zu stören.

Statt nach seiner Rückkehr von einem Arbeitstermin in Chicago wieder direkt die Wärme des Eigenheims anzusteuern, ruft er diesmal aus einer Telefonzelle seine Frau Janice an, um ihr mitzuteilen, dass er nicht nach Hause kommen kann. Ihre Frage nach dem Warum beantwortet er kurz und knapp: „Willst du es wirklich wissen, Schatz? Weil ich Angst habe, dass ich euch umbringen werde, deswegen. Euch beide.“ Einige Stunden später findet ihn sein Freund Paul Borg in einer Hotelbar. Wilder hat mehrere Whiskey zu viel Blut, ist mit dem Nerven am Ende und wirkt unberechenbar. Schließlich wird er, nicht ohne vorher noch dessen Frau aufs Übelste zu beleidigen, von Paul direkt ins Bellevue Hospital verfrachtet. Da es jedoch das Wochenende des Labor Day ist, wo ganz Amerika, einschließlich der Ärzteschaft, feiert und frei hat, überstellt man ihn zügig und ohne längere Erklärungen in die Psychiatrie. Hier, in der geschlossenen Station für gewalttätige Männer, zwischen Patienten in Zwangsjacken, Verbrechern, Verrückten und einem hünenhaften Schwarzen ausgeliefert, der mit freudiger Willkür seine Spritzen setzt – hier beginnt der tiefe und bodenlose Fall Wilders …

Richard Yates „Ruhestörung“ wird heute als eines seiner weniger guten Werke bezeichnet, wobei auch dabei die meisten Kritiker einen großen Bogen um das Wort „schlecht“ machen, schrieb der amerikanische Autor doch in solch literarischen Höhen, dass ein solches Adjektiv schlichtweg fehl am Platz wirken würde. Dennoch bin ich insofern geneigt zuzustimmen, dass es wohl Werke wie eben dieser dritte Roman waren, die Yates‘ dauerhaften Ruhm und Erfolg verwehrten. Seine sich durch alle Werke ziehende überaus pessimistische Ansicht vom Leben sowie die fortwährende Entmystifizierung des „American Dream“ stehen im krassen Gegensatz zum zuversichtlichen, gutgläubigen US-Amerikaner, dem ein Blick auf das flatternde Stars-and-Stripes-Banner zu reichen scheint, um voller Hoffnung in die Zukunft zu blicken. Diese Illusion vom lohnenden Happyend, dem letztendlichen Erreichen aller Träume – sie zerschlägt Yates mit einer Beiläufigkeit, welche zwar großen Anklang im Umfeld der Autorenkollegen fand, ihm aber den Beifall des Publikums versagte. Sein ernüchternder Realismus zieht sich wie ein Leitmotiv durch alle seine sieben Romane und Kurzgeschichten, und ist immer auch ein Abbild von Yates‘ eigener Biographie, was in „Ruhestörung“ wieder besonders stark zutage tritt.

Wie Wilder war Richard Yates ein starker Alkoholiker, der, trotz vieler Entziehungsversuche, sein Leben lang in exzessiven Mengen trank und dieses schließlich dadurch sogar beendete, als er 1992 an seinem eigenen Erbrochenen erstickte. Und wie Wilder war Yates in psychiatrischer Behandlung und Patient des Bellevue Hospitals. All das, was den amerikanischen Autor (auch aus seiner eigenen Sicht) scheitern ließ, lässt er hier seinem Protagonisten widerfahren, der ebenfalls glaubt, etwas Großes, Einmaliges erreichen zu können, Filmproduzent zu werden, Hollywood im Sturm zu erobern – und der letztlich mit jedem versuchten Ausbruch aus der Routine des ihm inzwischen so verhassten Familienlebens die Schlinge nur enger zieht, den Treibsand nur noch mehr dazu einlädt, ihn fester zu packen. Schon mit dem ersten Auftritt Wilders ist dem Leser klar, dass der Fahrstuhl in dem er steckt, allein in eine Richtung fahren kann – nach unten. Immer wieder ist es seine Trunksucht, die zuvor aufgewandte Mühen zermalmt, um ihn sich sogleich wieder in Hoffnungen verrennen zu lassen, die nichts als Luftschlösser sind. Wilders Geschichte liest sich somit als Chronik des Scheiterns, wobei Yates gänzlich darauf verzichtet diese mit Pathos und literarischem Zuckerguss zu versüßen.

Stattdessen erwartet uns in „Ruhestörung“ eine trockene, lakonische und distanzierte Sachlichkeit. Nachtschwarz, hoffnungslos, desillusionierend, und doch nicht ohne ein gewisses Gespür für Situationskomik und Witz, welches den Leser die Aneinanderreihung von Enttäuschungen mit einem lachenden und einem weinenden Auge verfolgen lässt. Nicht selten musste ich für kurze Zeit lauthals auflachen, um schon einen Absatz später ernüchtert zu schlucken, weil Yates den Schutzpanzer des Betrachters beharrlich malträtiert. Gerade seine Fähigkeit das Scheitern im kleinen Rahmen darzustellen, die Fehler im Alltag, die Unfähigkeit zur Umkehr in einfachsten Situationen zu betonen, macht seine Bücher so wirkungsvoll – und damit, trotz des düsteren Grundtenors, so lesenswert.

Ruhestörung“ liest sich wie eine rohe Abrechnung, wie ein verbitterter, aber auch zielgerichteter Rundumschlag eines Zeit seines Lebens Verkannten, der uns durch John Wilder gleichzeitig einen Blick in das eigene Befinden erlaubt. Er tut dies nicht als typischer allwissender Erzählender, sondern bodenständig und behutsam. Wir dürfen nur sehen, was Wilder sieht, fühlen, was er selbst fühlt. Wenn dieser einmal mehr vom Ärztepersonal zu Boden gerungen und narkotisiert wird, geht für uns das Licht gleichermaßen aus. Bis dieser wiederum erwacht und mit den Worten „Entschuldigen Sie. Können Sie mir sagen, wo ich bin?“ den Gang in den Abgrund auf ein Neues antritt. Einmal, zweimal, dreimal. Ein stilistischer Kunstgriff, der Wilders Höllenritt nicht nur glaubwürdiger macht, sondern seine geschädigte Psyche auch wesentlich intensiver wirken lässt.

Mit „Ruhestörung“ hat Richard Yates sein vielleicht düsterstes und eindringlichstes Werk abgeliefert. Eine „Tour de Force“ in den Untergang, die uns am Ende mit bitterem Geschmack in eine Wirklichkeit entlässt, welche der Wilders – in vielen Facetten – immer noch ähnelt. Ganz, ganz große, zierlose und geradlinige Literatur – höllisch gut erzählt.

Wertung: 93 von 100 Treffern

einschuss2
  • Autor: Richard Yates
  • Titel: Ruhestörung
  • Originaltitel: Disturbing the Peace
  • Übersetzer: Anette Grube
  • Verlag: btb
  • Erschienen: 04.2012
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 315 Seiten
  • ISBN: 978-3442744268

Von Knoten und Kreuzen

© Goldmann

Edinburgh, das „Athen des Nordens“, hat schon seit jeher eine besondere Faszination auf mich ausgeübt, was insofern bemerkenswert ist, da ich es bis dato nicht geschafft habe, dieser Stadt einen Besuch abzustatten. Wie kann man ein Faible für etwas haben, ja, etwas beinahe lieben, ohne es persönlich gesehen zu haben? Und woher kommt dieses Gefühl? In meinem Fall schwer zu erklären und noch schwerer zu beantworten.

Literatur aus Schottland begleitet mich seit Teenager-Zeiten durch mein Leben. Über Sir Arthur Conan Doyle habe ich nicht nur das Genre Krimi für mich entdeckt, sondern sogar meine Lebensgefährtin kennengelernt, mit der ich inzwischen seit mehr als neun Jahren zusammenlebe und zwei gemeinsame Kinder habe. Robert Louis Stevensons Umtriebe von „Jekyll“ und „Hyde“ waren mein erster Kontakt mit dem wohligen Schauer, der aus den Zeilen eines Buches entspringen kann. Und Ian Rankin, ja, Ian Rankin hat meine Zuneigung und Sehnsucht zur Dùn Èideann über die Jahre hinweg nochmals zementiert, weswegen dieser Blog in gewissem Sinne auch als Hommage an ihn zu verstehen ist – inhaltlich wie visuell.

Zeit also, Rankin – unangreifbar ganz oben in meiner persönlichen Bestenliste der Autoren zu finden – auch in der Rubrik „Rezensionen“ die langverdiente Ehre zuteil werden zu lassen und sich dem Gesamtwerk des Schotten etwas näher zu widmen. Und dabei beginne ich natürlich da, wo alles seinen Anfang nahm …

Am 22. März 1985 schrieb Ian Rankin die ersten Zeilen seines Kriminalromans „Verborgene Muster“ (engl. „Knots & Crosses„) mitsamt der Hauptfigur John Rebus. Knappe zwei Jahre nach Beginn des Skripts kam sein Debütwerk im kleinen, mittlerweile nicht mehr existenten Verlag Bodley Head heraus. Das Buch konnte kein großes Aufsehen zu erregen. Die Absatzzahlen waren und blieben kümmerlich, die Besprechungen spärlich. Seine Karriere als Autor schien beendet, bevor sie richtig begonnen hatte und für Rankin war das Thema Rebus abgehakt. Er konnte zu dem Zeitpunkt nicht ahnen, dass er in Wirklichkeit eine Erfolgsserie aus der Taufe gehoben hatte, die bis zum heutigen Tag die britischen Bestsellerlisten anführt und für viele nachfolgende Krimiautoren zum Vorbild geworden ist. Krimi? Ja, für Ian Rankin war die Einordnung seines ersten Romans in dieses Genre – die er zu Beginn noch ablehnte – eine echte Überraschung. Bis er relativ schnell die Chance darin erkannte, sich als Autor zu etablieren.

Heute ist John Rebus Kult. Nicht nur in Edinburgh und in Schottland. Weltweit. Und der erste Fall mit dem kauzigen Detective Sergeant zeigt auch bereits all die typischen stilistischen Elemente, welche die Nachfolger so erfolgreich gemacht haben. Die Story sei kurz angerissen:

Edinburgh Mitte der 80er Jahre. John Rebus, 40-jähriger DS bei der Mordkommission, macht schwierige Zeiten durch. Sein Beruf hat ihn ausgebrannt, sein Alkohol- und Zigarettenkonsum das normale Maß bereits längst überschritten. Auch das Privatleben ist ein Desaster, seine Ehe gescheitert und die Ex-Frau nun eine erbitterte Feindin, die am liebsten auch den Kontakt zu seiner einzigen Tochter unterbinden möchte. Hinzu kommen die Nachwirkungen seiner Zeit beim SAS, wo ihn ein psychischer Zusammenbruch zur Aufgabe gezwungen hatte. Ein wahrlich ungeeigneter Zeitpunkt, um die Ermittlungen in einem Fall zu übernehmen, der ganz Edinburgh in Atem hält. Ein Kidnapper geht um, dem bereits zwei Mädchen zum Opfer gefallen sind und die im Dunkeln tappende Polizei steht unter heftigem Beschuss seitens der Medien und Politik. In all der Hektik und dem Stress bemerkt man zu spät, dass hinter den Entführungen ein verborgenes Muster steckt, eine Aufforderung zum Spiel. Mit niemand geringeren als Rebus selbst…

Sicherlich hat Rankin mit seinem Erstling das Rad nicht neu erfunden, aber trotz einiger Parallelen zu Wallander und Co. überrascht der Autor in vielen Dingen mit erfrischender Eigenständigkeit. Edinburgh als Kulisse war zu diesem Zeitpunkt noch herrlich unverbraucht und der Plot in dieser stets regnerischen, alten Stadt perfekt angesiedelt. Rankin kennt seine Heimat und seine Landsleute genau, vermag Atmosphäre, Marotten und Eigenheiten genauestens aufs Papier zu bringen, so dass man sich sehr schnell zuhause fühlt. Der Schlüssel zum Ganzen ist natürlich John Rebus, ein „Anti-Held“, schmutzig, arrogant, verschlossen und fehlbar. Ein guter Polizist, dessen Schläue und Kenntnisse in der Literatur in folgenden Bänden etwas abgemildert werden, und der sich meist eher auf seine Intuition denn auf sein Wissen verlässt. Und jemand, der seine Dämonen wie ein Kreuz mit sich von Bar zur Bar trägt. Nur nach und nach erhält man als Leser Einblick in seine Gefühlswelt, legt Rankin die Schichten zum Kern von Rebus frei, löst er die Knoten zu dessen Vergangenheit.

Dennoch erstaunlich schnell stellt man einen Zugang zu ihm und damit der Geschichte her, die äußerst geschickt mit den wiederkehrenden Motiven von Robert Louis Stevensons (auch ein Edinburgher) Novelle „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ spielt, denn auch John Rebus quälen Erinnerungslücken, die der Leser mit eigenen Vermutungen füllen kann, um sich am Ende die Frage zu stellen: Was wenn er am Ende selbst die Verbrechen begeht? Auch wenn der eigentliche Krimiplot besonders am Anfang der Charakterzeichnung noch weichen muss, entfesselt der Erstling bereits durch diese Neuinterpretation des klassischen Zwei-Persönlichkeiten-Themas eine enorme Sogwirkung. Frei ohne Fehler bleibt er dabei nicht: Rebus‘ eigentliche Ermittlungen bleiben recht dürftig und er stolpert eher zufällig und mithilfe anderer über die wichtigen Hinweise. Die Kurzweil leidet darunter jedoch nicht, was auch daran liegt, das Rankin eine Portion Humor der schwärzesten Sorte mit einbringt, die immer wieder zum Schmunzeln zwingt. (Großes Lob gilt hier auch der deutschen Übersetzerin, die den Ton genau getroffen hat) Das Ende, in dem die anfangs getrennten Handlungsstränge zusammengeführt werden, lässt den Puls noch mal höher schlagen und kann mit einer intelligenten Auflösung überzeugen.

Verborgene Muster“ ist ein zwar, kurzer, aber – vor allem für einen Erstling – schon sehr stimmiger, guter und düsterer Kriminalroman, der den Grundstein für eine erfolgreiche Reihe gelegt, die Klasse späterer Rankins allerdings allenfalls angedeutet hat. Mit jedem weiteren Roman wird sich der Autor steigern und dem Leser diese Figur und seine Kollegen von der Polizeistation Great London Road ans Herz wachsen.

Zum Schluss noch eine kleine Anekdote zur Entstehung von „Verborgene Muster„: Als der junge Ian Rankin damals die Edinburger Polizeistation auf der Suche nach mehr Informationen über die Arbeit der Beamten aufsuchte und mit seiner Idee konfrontierte, machte er sich unwissentlich selbst zum Verdächtigen, da zum gleichen Zeitpunkt eine geheime Ermittlung in einem Fall lief, der ganz ähnlich gelagert war, wie der im Roman beschriebene. So wurde der wissbegierige Rankin schließlich dazu gebracht, bei einem „fiktiven“ Verhör mitzuspielen, in der Hoffnung, er würde sich als der gesuchte Täter offenbaren. Erst nach einem Besuch bei seinem Vater und dessen Erklärung wurde ihm klar, wie knapp er einem Aufenthalt im Gefängnis entgangen war.

Wertung: 91 von 100 Treffern

einschuss2
  • Autor: Ian Rankin
  • Titel: Verborgene Muster
  • Originaltitel: Knots & Crosses
  • Übersetzer: Ellen Schlootz
  • Verlag: Goldmann
  • Erschienen: 05.2000
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 224 Seiten
  • ISBN: 978-3442446070

This bitch is like a rose …

516z-KgeuXL__SX317_BO1,204,203,200_

© Walde & Graf

Spricht man über die frühen „schwarzen“ Romane der amerikanischen Krimi-Kultur, die so genannten „Hardboiled-Novels“ oder „Noirs“, fallen unweigerlich immer die Namen der großen Drei: Dashiell Hammett, Raymond Chandler und James Mallahan Cain. Während jedoch das Werk der beiden ersteren auch literarisch seine Würdigung fand, galt letzterer Zeit seines Lebens als Autor der Massen, welchem letztendlich nur wegen seiner Popularität bei den Lesern anerkennende Beachtung geschenkt wurde – und weniger aufgrund der von ihm produzierten Qualität. Besonders die stetig wiederkehrenden Handlungsmotive in seinen Büchern, seine Fixierung auf den Zusammenhang von Sex, Kriminalität und Gewalt, haben Cains Werk immer wieder nah an den Rand der Schund-Literatur gerückt.

Ein Stigma, das ihm bis heute, fast vierzig Jahre nach seinem Tod, noch wie ein übler Geruch anhaftet und dem der Autor in seiner langen Karriere auch stets aufs Neue ausreichend Nährboden lieferte. Cain suchte zielgerichtet den Skandal, wollte schockieren, die niederen Instinkte des Lesers ansprechen. Und er erreichte dies, in dem er in den 40ern und 50ern Tabuthemen wie Ehebruch, Verführung, sündhaftes Verlangen und kalten Mord nicht nur ansprach, sondern explizit schilderte.

Besser gesagt: Cain ging durch die Türen, welche Hammett und Chandler geschlossen ließen. So ist das Düstere in ihren Romanen zwar ein kunstvolles, aber in seiner Beschreibung auch lediglich künstliches Stilmittel, um die scharfen Kanten und die Härte von Sam Spade und Philip Marlowe zu betonen, wohingegen Cains Milieuschilderungen weit naturalistischer daherkommen. Das unmoralische und triebhafte Verhalten seiner Charaktere dient keinesfalls atmosphärischen Zwecken oder Effekthascherei – es ist ein Abbild des Lebens in den Gossen Amerikas, eine Wiedergabe seiner eigenen Erfahrungen. Und gerade das machte seine Bücher letztlich auch so beliebt und erfolgreich.

Ein Grund mehr einen Blick auf „Abserviert“ zu werfen, Cains letzten großen Roman, der für lange Zeit unbeachtet in dessen Nachlass vorlag, bis ihn der „Hard-Case-Crime“-Herausgeber Charles Ardai, auf Hinweis des Autorenkollegen Max Allan Collins, geborgen und schließlich 2012, nach einiger Überarbeitung, unter dem Titel „The Cocktail Waitress“ veröffentlicht hat. Letztlich ist er auch in deutscher Übersetzung von Gunter Blank und Simone Salitter bei Walde+Graf/Metrolit erschienen und gehört für mich schon jetzt zu den Highlights der letzten Jahre.

Erzählt wird die Geschichte, welche in den späten 50er Jahren spielt, von Joan Medford. Eine junge Frau, die soeben ihren Ehemann beerdigen musste, der im Suff sein Auto in eine Wand gefahren hat. Während dessen Familie sein Ableben betrauert, ist Joan mehr als froh den gewalttätigen Trinker los zu sein, der nicht nur sie, sondern auch ihren gemeinsamen Sohn mehr als einmal geschlagen hat. Weil er ihr aber gleichzeitig einen Haufen Schulden hinterlassen hat, muss sie ihren Jungen vorerst in der Obhut ihrer Schwägerin lassen, die nichts unversucht lässt, um Joan mit dem Tod ihres Bruders in Verbindung zu bringen und ihr die Polizei auf den Hals zu hetzen. Geld muss also dringend her. Und Ansprüche kann sich die junge Mutter nicht leisten.

Bereits kurze Zeit später tritt sie ihre Stelle als Cocktail-Kellnerin an, wo sie, offenherzig gekleidet und sexy gestylt, schon bald nicht nur fette Trinkgelder einstreicht, sondern auch zwei männliche Stammgäste auf sich aufmerksam macht. Einer ist Earl K. White III. Ein steinreicher, älterer Witwer und erfolgreicher Geschäftsmann, der sich unsterblich in sie verliebt und Joan heiraten möchte. Sollte sie sein Angebot annehmen, wären die finanziellen Probleme auf einen Schlag gelöst. Doch es nicht nur Earls Erscheinung, die Joan zögert lässt. Da ist auch noch Tom, ein junger, mittelloser Herumtreiber mit großen, aber nicht umsetzbaren Ideen, der sie immer wieder mit seinen Unverschämtheiten ärgert und gleichzeitig ihre Gefühle zum Kochen bringt. Für wen soll sie sich entscheiden?

Für Joan beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, denn ihre Schwägerin will ihren Sohn endgültig für sich selbst. Und auch die Polizei gibt sich mit der Unfallerklärung für den Tod ihres Mannes nicht zufrieden und beginnt neue Ermittlungen…

Bereits nach diesem kurzen Ausschnitt wird klar: Auch „Abserviert“ beinhaltet all die üblichen Zutaten eines klassischen Cain-Romans, einschließlich des typischen Frauenporträts. Verführerisch, verrucht, mit einer sexuellen Anziehungskraft, die in Joans Fall Fluch und Segen gleichermaßen darstellt, weil sie ihr zwar die Mittel zum sozialen Aufstieg verleiht, im selben Moment aber auch eben diesem im Weg steht. So nutzt ihre Schwägerin Joans Ruf weidlich aus, um deren Position im Kampf um das Sorgerecht des Jungen zu schwächen. Diese ist aufgrund ihrer Zahlungsunfähigkeit gezwungen, von den Vorzügen des Körpers Gebrauch zu machen, wenngleich sie nicht soweit gehen will wie ihre Kollegin Liz, und ihn an den meistbietenden verkauft. Stattdessen spielt sie geschickt mit ihren Reizen, wobei die Dreiecksbeziehung, so oft in Cains Romanen thematisiert, Joan in die Rolle der „femme fatale“ zwingt. Oder doch nicht?

Inwiefern Joans Rolle innerhalb der Handlung zu interpretieren ist, hängt ganz vom Blickwinkel des Lesers ab, der über knapp 350 Seiten ihren Ausführungen durchaus wortgetreu glauben kann, wodurch er die Geschichte eine naiven, aber selbstbewussten Frau erlebt, die aus jeder Situation ihren Vorteil zu ziehen versucht und dabei gegen das Rollenverständnis der Männer kämpft, welchen weniger an ihrem Glück, als vielmehr an ihrem Körper gelegen ist. Das würde aus „Abserviert“ einen Kriminalroman ohne Verbrecher bzw. Verbrechen machen, da Joan, trotz der Zweifel des jungen Cops Private Church, in allen Todesfällen nichts nachzuweisen ist. Bringt man sich jedoch in Erinnerung, dass bei Cain (mit Ausnahme von „Mildred Pierce“) stets die Männer einer Frau verfallen, die in kriminelle Handlungen verstrickt ist und ihre Verehrer nach Strich und Faden betrügt, erscheint der Roman in einem gänzlich anderen Licht. So bleibt am Ende stets der Zweifel, ob Joan nicht doch eine Lügnerin und damit letztlich eine dreifache Mörderin ist, die, ähnlich wie der Erzähler in Christies „Alibi“, uns Leser lediglich das wissen lässt, was wir wissen sollen.

Es sind diese beiden Interpretationsmöglichkeiten, im Verbund mit Cains zeitlosem Stil, die „Abserviert“ zu einer Perle im Lebenswerk des amerikanischen Schriftstellers machen. Charles Ardai ist es gelungen, aus den vielen Einzelteilen und Ansätzen der Notizen eine in sich stimmige, stringent erzählte Fassung zu schmieden, welche den Geist der 50er und 60er in jeder Zeile atmet und diesen konserviert (hier stechen besonders die Passagen innerhalb der Cocktail-Bar hervor), ohne dabei in irgendeiner Art und Weise altmodisch zu wirken. Ganz im Gegenteil: Joans Situation und ihr Versuch sich dieser zu entziehen, sind heute noch genauso nachvollziehbar wie damals.

Abserviert“, Cains so lange verschollener Roman, ist, auch dank der erneut großartigen Aufmachung von Walde+Graf/Metrolit, für Krimi-Freunde wie Bibliophile gleichermaßen eine mehr als empfehlenswerte Wiederentdeckung. Ein düsteres und doch berauschendes „Noir“-Werk der alten Schule, das durch Ardais Nachwort informativ abgerundet wird.

Wertung: 90 von 100 Treffern

einschuss2
  • Autor: James Mallahan Cain
  • Titel: Abserviert
  • Originaltitel: The Cocktail Waitress
  • Übersetzer: Gunter Blank, Simone Salitter
  • Verlag: Metrolit (Walde + Graf)
  • Erschienen: 03.2013
  • Einband: Hardcover
  • Seiten: 272 Seiten
  • ISBN: 978-3849300623

… und der rote Tod herrscht über alles.

51i8DKjZEkL._SX334_BO1,204,203,200_

© Bastei Lübbe

Im Vergleich Verfilmung mit literarischer Vorlage zieht erstere in der allgemeinen Auffassung in den meisten Fällen der Kürzeren. Und doch gibt es immer wieder Fälle, in welcher die Popularität der Leinwandversion das Buch längst überholt hat. Stephen Kings „Shining“ ist hierfür ein mehr als treffendes Beispiel.

Fast unmöglich allein den Titel zu lesen, ohne an Jack Nicholsons furchteinflößendes Spiel und sein manisch-irres Grinsen zwischen den Resten der zertrümmerten Badezimmertür zu denken. Ein Moment in der Geschichte des Kinos, der inzwischen Kult ist, und das obwohl Autor King, dessen Roman im Jahre 1977 als dritter nach „Carrie“ und „Brennen muss Salem“ (und drei Jahre nach seiner Fertigstellung) veröffentlicht wurde, an Stanley Kubricks Interpretation bis heute kein gutes Haar lässt. Gerade in Nicholson sieht er eine fatale Fehlbesetzung. Und wahr ist: Legt man Kings Werk neben das Drehbuch, fallen dem aufmerksamen Beobachter eklatante Unterschiede ins Auge. Kubrick hat wenig von der Essenz des Buches übernommen und vollkommen andere Schwerpunkte gesetzt. So fällt die Vorgeschichte von Jack Torrance, sein Scheitern als Lehrer und damit der Grund für seine Anstellung im „Overlook“-Hotel, fast gänzlich weg. Auch dessen Alkoholsucht wird zwar angedeutet, hat aber im Gegensatz zum Roman keinerlei Zusammenhang mit dem ihm befallenden schleichenden Wahnsinn.

Stephen King hat schließlich Mitte der 90er, frei nach dem Motto „Am besten macht man alles selbst“, eine vierteilige Serie für das Fernsehen folgen lassen. Unter seiner Leitung entstanden, hält sie sich, auch was den Umfang angeht (über 270 Minuten Länge), eng ans Buch. Trotz guter Kritiken blieb der Erfolg der Neuverfilmung hinter Kubricks Version zurück, was der Ausnahmestellung von „Shining“ im Gesamtwerk Kings jedoch keinerlei Abbruch getan hat. Das scheint auch der „König des Horror“ schon vor einiger Zeit selbst erkannt zu haben. Lange angekündigt, erschien mit „Doktor Sleep“ Ende 2013 eine direkte Fortsetzung, deren Handlung drei Jahre später einsetzt. Nur ein Grund mehr, sich diesen Klassiker des psychologischen Horrors noch einmal zu Gemüte zu führen.

Seinen Anfang nimmt „Shining“ in den schroffen Bergen von Colorado. Hier thront seit Anfang des Jahrhunderts einsam das legendäre Hotel „Overlook“. Im Sommer Treffpunkt der amerikanischen High-Society, wird es im tiefen Winter, durch meterhohen Schnee von der Außenwelt getrennt, nur vom Hausmeister und seiner Familie bewohnt. Auf eben diese Stelle bewirbt sich Jack Torrance. Ein ehemaliger Lehrer, selbsternannter Intellektueller und Hobby-Literat, für den der Job im „Overlook“ die scheinbar letzte Möglichkeit darstellt, wieder finanziell auf die Beine zu kommen und die brüchige Beziehung zu Frau Wendy und Sohn Danny zu kitten. Zudem sieht er in der winterlichen Abgeschiedenheit der Umgebung beste Voraussetzungen, den lang gehegten Traum vom eigenen Theaterstück endlich auf Papier zu bringen. Allen Warnungen zum Trotz – der letzte Hausmeister Delbert Grady brachte im Hotel seine gesamte Familie um und richtete sich anschließend selbst – und entgegen den Wünschen des Direktors, der gern einen Single für die Stelle gehabt hätte, tritt Torrance samt Familie in den letzten Tages des Herbstes seine Arbeit im „Overlook“ an.

Anfänglich scheinen alle Träume der Familie in Erfüllung gehen. Während Jack sein langjähriges Alkoholproblem immer weiter hinter sich lässt und auch in der Ehe mit Wendy einen zweiten Frühling erlebt, freut sich der fünfjährige Danny über das wiedergewonnene Glück seiner Eltern. Doch im Besitz des Zweiten Gesichts, des „Shining“, sieht der Junge Bilder aus Zukunft und Vergangenheit, welche die Idylle trügerisch und hohl erscheinen lassen. Gewarnt vom Chefkoch des Hotels, dem Schwarzen Dick Hallorann, der seine Gabe teilt, meidet er gleich mehrere Bereiche des „Overlook“. Aber der Ort selbst scheint Mittel und Wege zu finden, auf Danny und seine Familie Einfluss zu nehmen. Fahrstühle bewegen sich des Nachts plötzlich höllisch laut ratternd durch die Etagen. Die Heckentiere im großen Vorgarten verändern ihre Position. Und obwohl der Direktor versichert hat, dass alle Gäste abgereist sind, werden sie das Gefühl nicht los, dass sie nicht allein sind. Wer oder was befindet sich in Zimmer 217?

Nach und nach enthüllen sich die grauenhaften Ereignisse aus der langen Geschichte des „Overlook“, welches zusehends die Kontrolle über Jacks Geist gewinnt. Getrieben von dessen bösen Willen treibt er schleichend in den Wahnsinn. Und für Wendy und Danny beginnt in den langen Korridoren des vom Schnee eingeschlossenen Hotels ein Kampf ums Überleben …

Ein abgelegener, vom Rest der Welt abgeschnittener Ort in den Bergen. Ein einsames Hotel voll riesiger langer Korridore. Ein alter, knarrender Fahrstuhl. Von Schneestürmen umtoste Fensterläden. „Shining“ weist all die Rahmenbedingungen auf, mit denen schon vierzig Jahre zuvor John Dickson Carr seine „Locked-Room“-Mystery erzählte. King nimmt diesen Faden mit der Situation der Torrance-Familie nicht nur auf, sondern führt hier auch konsequent seine eigenen Stilelemente weiter. War in „Carrie“ das Geburtshaus der titelgebenden Protagonistin „nur“ Schauplatz der grausamen fanatisch-religiösen Erziehung ihrer Mutter, wurde das Marsten-Haus in „Brennen muss Salem“ bereits zur Manifestation des Bösen, aus dem der Vampir Barlow seinen Feldzug gegen die Stadt Jerusalem’s Lot führte. In „Shining“ geht King nun nochmal eine Stufe weiter, fungiert das „Overlook“ als Handlungsort UND Hauptfigur. Aus dem menschlichen bzw. menschenähnlichen und damit greifbaren Grauen wird ein, für die Protagonisten wie Leser gleichermaßen, nicht fassbarer Gegenspieler (Allein Danny ist es möglich, sich der versuchten Einflussnahme des Hotels zumindest teilweise zu entziehen). An dieser Stelle setzt auch die Kritik Kings an Kubricks Interpretation an, der Jack Torrance nicht nur von Anfang an als verrückt und verschroben zeigt, sondern diesem zugleich die Hauptrolle übertragen hat.

Jack Torrance ist aber nicht nur Zankapfel zwischen Verfilmung und Buch, King bezeichnet dessen Charakterisierung auch als letztlich ausschlaggebend für seine weitere Karriere als Schriftsteller. Nach „Carrie“ und „Brennen muss Salem“ von Kritikern und Lesern dem Horrorgenre zugeordnet, wurde „Shining“ zum von ihm selbst bezeichneten Wendepunktroman („a crossroads novel“), mit dem er die vorgegebenen Pfade der in erster Linie auf Unterhaltung ausgerichteten Literaturkategorie verlässt. Hier findet sich der Ursprung für die so oft angeprangerte Weitschweifigkeit Kings, der in seinen Figuren nicht nur ein Mittel sieht, um den roten Faden durch das Handlungsgebäude zu weben, sondern stets deren Mehrdimensionalität betonen will. Vom schlichten Held will er genauso wenig wissen wie vom tumben Bösewicht. Stattdessen begegnet uns mit der Familie Torrance drei Menschen mit Problemen, wie sie in fast jedem Haushalt vorkommen und die, und das ist besonders wichtig hinsichtlich der Zeichnung von Jack, auch Stephen King selbst alles andere als unbekannt sind.

Der erfolglose Lehrer, welcher allein die wirtschaftliche Existenz der Familie schultern muss und nach und nach dem Alkohol verfällt – das hat eindeutig autobiographische Züge. Und das King mit der Situation vertraut war, liest und spürt man auch immer wieder zwischen den Zeilen. Überhaupt ist die Darstellung der Figuren, neben den unheimlich intensiven und beklemmenden Beschreibungen des „Overlook“, ein Highlight des Romans. Entgegen dem „Overacting“ Nicholsons vollzieht sich das Abgleiten in den Wahnsinn von Kings Jack langsam und schleichend. Misshandelt von seinem eigenen Vater und von einer nie verarbeiteten Hassliebe geprägt, hat sein Fall im Buch weit tragischere Züge (Um das ganze Ausmaß zu begreifen, empfiehlt sich hier übrigens die Lektüre der bisher unübersetzten Kurzgeschichte „Before the play“). Die Übergriffe auf seinen Sohn, der unterdrückte Zorn, welchen der Leser bereits zu Beginn während dem Vorstellungsgespräch bemerkt – all das unterstreicht die Hoffnungslosigkeit von Jack Torrance‘ Lage. Egal, was er anpackt oder sich vornimmt geht schief. Seine von vorneherein feststehende Niederlage ist die Konsequenz seines Handelns, mit der er unbewusst selbst erlebte Kindheitserinnerungen verarbeitet. Das „Overlook“ spiegelt letztlich diese dunklen Flecken der Familie, gibt den lange unterdrückten Aggressionen ein Ventil und versucht sie für eigene Zwecke zu nutzen. Wie der Heizkessel, dessen Druck Jack in seiner Tätigkeit als Hausmeister stets zu kontrollieren hat, so nimmt auch das Buch mit jeder Seite mehr der gespannten Atmosphäre auf, bis sich Wut und Hass in einem blutigen und äußerst dramatischen Finale entladen.

Das verfolgt der Leser erschöpft, ernüchtert, traurig und am Ende auch etwas erleichtert. Völlig zerschlagen von dieser Gratwanderung zwischen Familientragödie und Horror-Roman, die, ganz in der Tradition eines „Psycho“ von Robert Bloch, auf kleinstem Raum und im Sekundentakt für Gänsehautmomente sorgt.

Mit „Shining“ ringt Stephen King einem als trivial verschrieenen Genre nicht nur neue Facetten ab – er beweist auch nachdrücklich, dass er sich in seiner erzählerischen Kraft nicht hinter den großen Namen der US-amerikanischen Literatur zu verstecken braucht. Ein beklemmendes, packendes Meisterstück, das bis heute kein bisschen von seiner Wirkung verloren hat.

Wertung: 93 von 100 Treffern

einschuss2
  • Autor: Stephen King
  • Titel: Shining
  • Originaltitel: The Shining
  • Übersetzer: Harro Christensen
  • Verlag: Bastei Lübbe
  • Erschienen: 04.1985 (21. Auflage)
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 624 Seiten
  • ISBN: 978-3404130085

Debüt mit Handicap

41EASW03BZL__SX298_BO1,204,203,200_

(c) Ullstein

Es dürfte vielleicht dem ein oder anderen aufgefallen sein, dass ich mich mit Vorliebe den Erstlingswerken eines Schriftstellers widme bzw. mir die Bücher chronologisch nach ihrer Veröffentlichung vornehme. Das ist auch im Fall des großen James Ellroy nicht anders. Nachdem ich bereits vor ein paar Jahren u.a. das L.A.-Quartett ehrfürchtig verschlungen habe, geht es nun zurück zu den Wurzeln. Meine Besprechung zu „Browns Grabgesang“ ist zwar kein Loblied, fördert aber durchaus ein paar interessante Dinge zu Tage.

Der Himmel ist wolkenverhangen, der Wind schneidend kalt, der Weg zum Haus von Pfützen übersät. Eine Szenerie, wie geschaffen, um im Sofa zu versinken, die Finger in die Tastatur zu hauen und eine Rezension auf Papier zu bringen. Doch irgendwas ist diesmal anders, die gewohnte Leichtigkeit abhanden gekommen. Möglich, dass es am Titel liegt, den ich zu besprechen gedenke und der aus der Feder eines Krimi-Autoren stammt, welcher nicht nur für viele Leser, sondern auch für ein Gros der modernen Schriftsteller im Bereich Spannungsroman eine unanfechtbare Referenz darstellt – James Ellroy. Der „Demon Dog of American Crime Fiction“ hat u.a. mit seinem ersten L.A.-Quartett tiefe und vor allem große Spuren hinterlassen, dem so mancher erfolglos zu folgen versucht hat. Und nun schicke ausgerechnet ich mich an, sein Erstlingswerk „Browns Grabgesang“ (Erstveröffentlichung 1981), einer näheren (und leider auch kritischen) Betrachtung zu unterziehen – in der Magengegend das ungute Gefühl, dass ein älterer, Fedora-tragender Herr mit scharfen Blick und missbilligend verzogenen Schmollmund jede Bewegung meiner Finger auf dem Notebook taxiert. „Ich bin der Autor von 19 Büchern, die allesamt Meisterwerke sind …“ Ellroys übliche Begrüßung, die jeder seiner Lesungen vorhergeht, hallt hier beschwörend in meinen Gedanken nach. Wer bin ich, dieses Naturgesetz in Frage zu stellen?

Doch Spaß beiseite. Bei aller Ehrfurcht für diesen großartigen und erfrischend unbescheidenen und egozentrischen Schriftsteller – nach der Lektüre von „Browns Grabgesang“ komme ich nicht umhin zu bemerken, dass auch ein „dämonischer Hund“ mal als Welpe angefangen hat. Den Debütcharakter merkt man dem Buch dann doch deutlich an. Und ich bin auch ganz ehrlich: Würde da nicht James Ellroy auf dem Cover prangen und ich nicht seine Entwicklung chronologisch verfolgen wollen – dieses Werk hätte ich wohl auf halber Strecke zur Seite gelegt, was jedoch nicht impliziert, dass es sich nicht durchaus auf die ein oder andere Weise lohnen kann. Will man Ellroys Werdegang folgen, seine Wandlung vom Autor des klassischen Detektivromans hin zum Erschaffer komplexester historischer und „noiresker“ Epen nachvollziehen, muss man zurück zum Anfang, zu den Wurzeln gehen, was sich besonders für Kenner der späteren Werke bezahlt macht, finden wir doch hier gleich mehrere der Ingredienzien vor, auf die auch Ellroys späterer Erfolg fußt. Kurz zum Inhalt:

Die Stadt Los Angeles, Ende 70er Jahre. Fritz Brown, Amerikaner mit deutschen Wurzeln, dessen Karriere als Polizist in der Stadt der Engel nur von kurzer und schmählich endender Dauer gewesen ist, verdingt sich sein Geld im Auftrag eines hiesigen Autoverkäufers. Als Repo-Man arbeitet er die ihm ausgehändigte Schuldner-Liste ab und scheut auch nicht davor zurück, Gewalt anzuwenden, um sich von einem säumigen Zahler die Karre wiederzuholen. Seine Detektei betreibt er dagegen in erster Linie aus Abschreibungsgründen, zumal die Lizenz sich hin und wieder als praktisch erweist, um an Orte zu gelangen, die anderen Menschen verwehrt bleiben. Mal ganz abgesehen davon, dass man offen eine Waffe am Körper tragen darf. Und wenn es nach Brown geht, der seinem Alkoholismus in schöner Regelmäßigkeit erliegt, würde er nur zu gern mal Gebrauch von ihr machen. Ein richtiger Kriminalfall, der ihn fordert und vielleicht etwas Gutes bewirkt und sein eintöniges Leben ändert. Darauf wartet er seit Jahren vergeblich.

Bis der Golfcaddy Frederick „Fat Dog“ Baker an seine Tür klopft und ihm einen – wie sich nur allzu bald herausstellt – verhängnisvollen Auftrag erteilt. Für eine mehr als üppige Bezahlung soll er dessen Schwester Jane Baker observieren, da „Fat Dog“ ihr Zusammenleben mit dem deutlich älteren und gut betuchten Sol Kupferman missbilligt und hinter deren idyllischer Fassade weit mehr vermutet. Brown ist interessiert, muss allerdings schon recht schnell feststellen, dass sich die Sache doch eher anders darstellt, denn „Fat Dog“ ist ein Soziopath, wie er im Buche steht, der zudem aus seinen rassistischen Ansichten keinerlei Hehl macht und wo es nur geht gegen Juden und „Nigger“ hetzt. Gibt es vielleicht einen ganz anderen Grund, warum Brown Sol und Jane derart intensiv beschatten soll?

Als Brown Sol Kupferman zum ersten Mal sieht, bringt die Erinnerung an ihn Licht ins Dunkel des Falls. Ein paar Jahre zuvor hatte er Kupferman in dessen Club „Utopia“ getroffen. Ein Etablissement, das kurz nachdem es Brown damals verließ, Opfer eines Brandanschlags wurde, bei dem mehrere Menschen starben. Die Täter wurden recht schnell gefasst und zum Tode verurteilt. Vor Vollstreckung des Urteils beteuerten sie, von einem vierten Täter dazu angestiftet worden sein, dessen Identität man nie ermitteln konnte. Doch Brown erinnert sich noch an dessen Beschreibung – und die passt haargenau auf „Fat Dog“ Baker. Ist er der geheimnisvolle Brandstifter?

Browns Suche nach Antworten führt tief hinein in das Caddymilieu Kaliforniens und schließlich bis nach Mexiko, wo er dem Teufelskreis aus Mord, Brandstiftung, Erpressung, Verschwörung und Sozialhilfebetrug zu nahe kommt. Doch wo er früher resigniert und sich dem Alkohol ergeben hat, sieht er jetzt die Chance zur Wiedergutmachung. Ein erbitterter Rachefeldzug beginnt…

Na, das klingt doch schmissig und ganz nach dem guten, alten „Hardboiled“-Rezept, das sich seit Chandler und Hammett bewährt hat. Der versoffene, unbestechliche Private-Eye. Die dunkle, lebensfeindliche Stadt. Die miesen, verruchten Gauner. Die hübsche Maid in Nöten. Oder ist es gar eine Femme Fatale? James Ellroy schreibt hier ganz in der Tradition der oben genannten, wenngleich er selbst Ross MacDonald weit höher schätzt, mit dessen Serien-Protagonist Lew Archer sein Fritz Brown durchaus auch ein paar Eigenschaften teilt. Dennoch ist Brown in erster Linie vor allem einem ähnlich – und zwar Ellroy selbst. Zumindest fließt doch ein Großteil seiner Vita in dessen Lebenslauf mit ein. Wie sein Schöpfer, so ist auch Brown Alkoholiker. Und auch die Liebe zu klassischer Musik ist ihnen gemein. Wenn Brown hier über Hippies und Rock ‚N Roll lästert, dann erinnert man sich automatisch an bekannte Interviews mit James Ellroy, der sich sowohl gedanklich als auch hinsichtlich seines Lebensstils beständig weigert, das L.A. der 50er Jahre zu verlassen.

Eine Stadt, die auch für seine Golf-Plätze berühmt ist, welche Ellroy, der selbst lange Zeit als Caddy gearbeitet hat, aus eigener Erfahrung kennt. Eine Erfahrung, derer er sich hier in „Browns Grabgesang“ weidlich bedient, das tief in die Subkultur der unverzichtbaren Schlägerträger eintaucht, wobei es schon sehr Ellroy-Like ist, dies den Leser durch die Augen von „Fat Dog“ Baker kennen lernen zu lassen. Gemeinsam mit Fritz Brown, dessen Gesinnungswandel mitunter schizophrene Züge haben, bildet er ein wenig den Urahn und Prototyp der später so prägenden Figur von Captain Dudley Smith, wobei auffällig ist, dass der Autor sich nicht ganz sicher zu sein scheint, wie weit er in seiner Charakterzeichnung – insbesondere bei Brown – gehen kann. Immer wenn man den Eindruck bekommt, er ließe ihn nun endgültig von der Kette, ordnet sich der Privatdetektiv wieder in gesellschaftlich akzeptable Normen ein. James Ellroy, das merkt der geübte Beobachter sofort, ist noch nicht in der Position, schreiben zu können, was er will und sich um die Wirkung einen Dreck zu scheren. Im Jahre 1981 hält man den „Demon Dog“ noch an der kurzen Leine, musste dieses erste Werk vor allem eins: Und zwar sich verkaufen. Heute sorgt dafür allein schon sein Name.

Vielleicht auch ein Grund, warum sich Ellroy im vorliegenden Roman noch derart vieler Klischees bedient und nur peu à peu seine naturalistische Ader entdeckt bzw. zwischen den Zeilen den Realismus einfließen lässt, denn er uns so behände und stakkato-artig in seinen späteren Werken um die Ohren haut. „Browns Grabgesang“ merkt man an, dass er Neues wagen, die Grenzen des klassischen Noirs aufbrechen, die Schattenseiten von L.A. kenntlich machen will – allein der letzte Schritt, er vollzieht ihn nicht. So bleibt diese Welt aus Psychopathen, Mördern, Erpressern und Prostituierten noch ein künstliches Konstrukt, das sich – wie auch ihr Hauptprotagonist – der Handlung anzupassen hat. Die brachiale und epochale Gewalt in Schrift, Inhalt und Form wird erst ein paar Jahre später von der bereits erwähnten Leine gelassen.

Browns Grabgesang“ ist ein dunkler, kantiger, aber manchmal auch leider wenig dynamischer Ausflug in die düsteren Gassen der Traumfabrik, der zudem wohl nicht die beste Übersetzung erfahren hat und aus dem man letztendlich vor allem eine Erkenntnis zieht: Auch Ellroy ist nicht direkt als Meister vom Himmel gefallen. Aber sagen sie das nicht laut und vor allem sagen sie IHM nicht, dass ich es gesagt habe.“

Wertung: 71 von 100 Trefferneinschuss2Autor: James Ellroy

  • Titel: Browns Grabgesang
  • Originaltitel: Brown’s Requiem
  • Übersetzer: Martin Dieckmann
  • Verlag: Ullstein
  • Erschienen: 04.2000
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 383
  • ISBN: 978-3548247892

… und sie spielen Bonnie und Clyde.

9783865323910_1437659929000_xl

(c) Pendragon

Während mir mein Job mal wieder kaum Zeit lässt, mich meiner aktuellen Lektüre, James Ellroys „Browns Grabgesang“ zu widmen, nutze ich hier mal die Gelegenheit, um meinen Jesse-Stone-Marathon weiterzuführen. Dieses Mal im Fokus – Band 4, „Eiskalt“.

„Es ist ein Merkmal von Krimi-Serien, das mit fortschreitender Dauer und wachsender Anzahl der Titel, die Wahrscheinlichkeit immer größer wird, vom möglicherweise nächsten Fall enttäuscht zu werden, da sich die steigende Qualität naturgemäß auf die Erwartungshaltung eines Lesers auswirkt. Eine Bürde, welche auch der vierte Band aus Robert B. Parkers Reihe um den Polizeichef Jesse Stone, „Eiskalt“, tragen muss, der in Stil und Ton zwar durchaus an seinen äußerst lesenswerten Vorgänger anzuknüpfen weiß, dessen Esprit und Spannungsbogen jedoch nicht mehr durchgängig aufrecht erhalten kann. Damit pflegt der amerikanische Autor, der bereits im Januar 2010 verstarb, aber auch eine gewisse Tradition: Im Modus Operandi was das Schreiben betrifft sich stets treu geblieben, fehlte, insbesondere in Bezug auf die Spenser-Krimis, manchmal dann doch diese gewisse Konstanz, wenngleich man an dieser Stelle auch deutlich betonen muss – in der Ausarbeitung seiner Figur Jesse Stone zeigt sich Parker nochmal um einiges gereift.

Bei vielen seiner Leser gilt der kauzige Provinzcop, den Tom Selleck auch in mehreren Fernsehverfilmungen verkörperte, inzwischen ohnehin als der bessere Spenser. War der Bostoner Privatdetektiv noch eindeutig den Traditionen von Chandler und Hammett verhaftet und als zeitgemäße Fortsetzung des „Noir“-Genres konzipiert, ist Parkers jüngere Serie in gewissem Sinne als ein Zugeständnis an die Moderne zu verstehen – ohne dabei die Wurzeln, denen sich der Autor verbunden fühlte, leugnen zu wollen. Eine Mischung, die funktioniert und in deren Genuss wir dank des Pendragon Verlags nun endlich auch in Deutschland kommen.

Das Wort „Genuss“ darf, trotz oben bereits angedeuteter Kritik, auch im Zusammenhang mit „Eiskalt“ verwandt werden, da der im Original („Stone Cold“) bereits 2003 erschiene Titel zwar der bis hierhin schwächste Titel der Stone-Serie ist, die (leider) mehr etablierte Genre-Konkurrenz hierzulande aber in den meisten Fällen hinter sich lässt. Dies sei schon allein deswegen erwähnt, weil sich Parker gleich zwei Themen widmet, welche er in der Vergangenheit eher gemieden hat und die dem Krimi-Freund derzeit in immer billigeren und blutigeren Varianten in Buchhandlungen stapelweise präsentiert werden. Um das zu konkretisieren, sei die Story kurz angerissen:

Eine Mordserie hält die (fiktive) US-Kleinstadt Paradise in Atem: ein Jogger am Strand, eine Frau vor einem Einkaufscenter und ein Mann auf offener Straße. Getötet durch zwei Schüsse in die Brust aus kurzer Distanz. Parallel abgefeuert aus zwei verschiedenen Waffen. Und damit enden auch die Gemeinsamkeiten der Morde. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die Opfer sich kannten. Was also ist das Motiv? Polizeichef Jesse Stone steht vor einem Rätsel und angesichts des stetig wachsenden Medienaufkommens auch unter öffentlichem Druck. Weitere Morde kann er sich nicht leisten – er muss die Täter fassen. Und zwar so schnell wie möglich…

Was erst einmal wie der typisch abgeschmackte „Serienkiller-nimmt-Ermittler-ins-Visier“-Plot klingt, umschifft das Mainstream-Allerlei mit der wie üblich stilsicheren Routine, die halt nur ein Robert B. Parker auf Papier zu bringen weiß. Wer also bei der Lektüre des Klappentexts Angst bekommen sollte, einen weiteren drögen Schlitzer-Thriller im Ami-Style präsentiert zu bekommen, dem sei diese sogleich genommen. Zynisch, knapp und mit herrlich lakonischen Dialogen gewürzt zieht die Story recht schnell in den Bann, welche sich in erster Linie auf Jesse Stone konzentriert und nur in kurzen Ausschnitten auch einen Blick auf die anderen Charaktere wirft. Das hat Vor- und Nachteile, denn gerade der Weiterentwicklung seines privaten Lebens – seine Alkoholabhängigkeit und die äußerst seltsame „Nicht“-Ehe mit Ex-Frau Jenn sind wieder äußerst präsent – wird in manchen Passagen der Spannungsbogen dann doch zu arg geopfert. Zumal Weiterentwicklung einen weit größeren Schritt ankündigt, als Stone ihn in Wirklichkeit geht. Der sehr gelassene, in sich ruhende und sture Cop beharrt, trotz Sprechstunden beim Psychologen, stur auf seinem Standpunkt, der Liebe zu seiner Ex – die ihn jedoch nicht davon abhält, in schöner Regelmäßigkeit mit jeder sich bietenden Frau in die Kiste zu steigen. Es ist Parkers großes Verdienst, dass er es trotzdem irgendwie schafft, dass dieser Womanizer und eiskalte Hund trotzdem so menschlich daherkommt.

Einen Fehler macht er dennoch. Und dieser ist gerade bei Kriminalromanen eigentlich unverzeihlich. Er lässt Stone an keiner Stelle die Kontrolle über das Geschehen verlieren. Sicher, kleine Fehler baut er auch diesmal wieder, doch wird an keiner Stelle im Buch ein Gefühl der Gefahr oder Bedrohung kreiert, da seine Gegenüber ihm augenscheinlich nicht gewachsen sind und Stone, der selbst ins Visier des Killerpärchens gerät, weiterhin gänzlich in sich ruht. Coolness gut und schön – aber gerade die hier im weiteren Verlauf geschilderten Schicksalsschläge und Niederlagen sollten auch an einem so gelassenen Gemüt wie dem von Stone mehr rütteln. Was für andere Krimis jetzt der Genickschlag wäre, ist in „Eiskalt“ tatsächlich aber nur ein Schönheitsfehler, der dem Lesevergnügen letztlich nicht abträglich ist. Auch weil Parker zweigleisig fährt und neben der Jagd nach den Killern (die Idee durch Mord einen Kick beim Sex zu bekommen fand ich durchaus interessant geschildert; die nach außen gelebte Normalität der beiden unheimlich erschreckend) den Vergewaltigungsfall nicht aus den Augen verliert. Stoisch versucht er Gerechtigkeit für die junge Candace zu erreichen oder ihr zumindest den Spaß am Leben in gewissem Maß zurückzugeben. Parker gelingt dieser Balanceakt zwischen Sozialkritik und juristischen Fallstricken hervorragend. Im Verbund mit dem durchgehend melancholisch-traurigen Ton von „Eiskalt“ sorgen sie für die Realitätsnähe, welche der Krimi-Konkurrenz oftmals abgeht.

Wer sich jetzt fragt, ob das als Kaufargument reicht, dem sei eindrücklich mit „Ja“ geantwortet. Trotz gewisser Abnutzungserscheinungen und einem latent vorhandenen Gefühl der Vorhersehbarkeit – „Eiskalt“ unterhält doch einmal mehr gekonnt und unaufgeregt, so dass die knapp 350 Seiten schnell durchgeschmökert sind – und wir uns auf den nächsten Band der Jesse-Stone-Reihe freuen dürfen.

In diesem Sinne: Ich bleibe weiterhin „Stoned“.

Wertung: 80 von 100 Trefferneinschuss2Autor: Robert B. Parker

  • Titel: Eiskalt
  • Originaltitel: Stone Cold
  • Übersetzer: Bernd Gockel
  • Verlag: Pendragon
  • Erschienen: 02.2014
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 348
  • ISBN: 978-3865323910