I’m hearing only sad news from Radio Africa

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© Rowohlt Polaris

Südafrika hat in den letzten Jahrzehnten einige hervoragende Schriftsteller*innen hervorgebracht, Paul Mendelson gesellt sich mit seinen bislang beiden auf Deutsch erschienen Romanen um den Polizei Colonel Vaughn De Vries erfolgreich hinzu. Geschickt verbindet er die Geschichte eines sich wandelnden Landes mit  einer spannenden Kriminalhandlung.

Südafrika, Januar 1994. Kurz vor den ersten Wahlen, die nach dem allgemeinen Wahlrecht durchgeführt wurden, und die faktisch das Ende der Rassentrennung bedeuteten, wird Vaughn de Vries, Captain der South African Police, Zeuge eines Massakers. Begangen von seinem Vorgesetzten und einigen Kollegen. Die Opfer sind dunkelhäutig, von unterschiedlichem Geschlecht und Alter. Ihr einziges Vergehen: Zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen zu sein.   De Vries ist entsetzt, doch in einer Mischung aus Angst um seine Familie und Existenz sowie Feigheit, Unsicherheit (auch und gerade in seiner Weltanschauung)  und Ohnmachtsgefühl, hängt er den Vorfall nicht an die große Glocke. Ein Skandal bleibt aus. Bei den Wahlen verfehlt Nelson Mandelas ANC knapp die Zweidrittelmehrheit und bildet mit Frederik Willem de Klerks  National Party und der Zulu-Partei Inkatha Freedom Party eine Regierung der Nationalen Einheit.

21 Jahre später ist Vaughn de Vries zum Colonel aufgestiegen, Nelson Mandela ist seit zwei Jahren tot, der ANC besitzt immer noch die absolute Mehrheit im Parlament und wird von Skandalen und internen Machtkämpfen erschüttert. Kriminalität, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus existieren weiterhin in großem Ausmaß.

An der Polizeiarbeit hat sich wenig geändert. De Vries und sein ihm unterstellter Kollege  Don February sollen den Mord an der schwerreichen Industriemagnatin und Kunstmäzenin Taryn Holt aufklären, die in ihrer Villa erschossen wurde. Ein auffällig arrangierter Tatort und Manipulationen an der Leiche lassen die Ermittlungen von Beginn an zu einem schwierigen Unterfangen werden.   Da Holt ein Ausstellung kontroverser Kunst geplant hat, die fundamentalistische Kirchgänger in Rage bringt, ihr Privatleben sich sehr diffus gestaltete und finanzstarke Erbinnen zahlreiche Neider auf den Plan rufen, müssen die beiden Polizisten an verschiedenen Fronten nach Tatverdächtigen suchen. Bis sich ein ebenfalls ermordeter, psychisch labiler Drogenfreak auf dem Silbertablett als Täter anbietet. Doch gerade das macht Colonel De Vries misstrauisch. Und er stößt bald auf eine mörderische politische Gemengelage, die bis in hohe Regierungskreise reicht.   Außerdem löst sich ein Schatten aus dem Jahr 1994, der sämtliche Beteiligte an dem Massaker, dessen Zeuge DeVries wurde, auslöscht. Er selbst steht auch auf der Todesliste.

Mit James McClure, Deon Meyer, Mike Nicol, Richard Kunzmann, Roger Smith  und vor allem Malla Nunn gibt es bereits seit Jahren hochinteressante und spannende Autor*innen aus Südafrika. Paul Mendelson gesellt sich mit seinen beiden Kriminalromanen   zu dieser Riege. Mendelson, der zuvor hauptsächlich als vielbeschäftigter Schöpfer von Büchern über Karten- und Glücksspiele reüssierte, wirft mit „Die Straße ins Dunkel“ einen genauen und ernüchternden Blick auf zwei Jahrzehnte sich wandelndes Südafrika. Explizit auf jene Stellen, an denen sich die geweckten Hoffnungen, die mit dem Ende der Apartheid und der Etablierung eines pluralistischen, demokratischen Systems einhergingen, nicht erfüllten.

Eine exorbitant hohe Kriminalitätsrate, der angstgepaarte Rassismus manch weißer Einwohner, die um Pfründe, Sicherheit, Komfort und  Auskommen bangen, der von Hass über die die jahrhundertlange Unterdrückung geprägte Rassismus in Teilen der schwarzen Bevölkerung sowie die üblichen Probleme wie Korruption, Vetternwirtschaft und Machtgier, machen nicht nur der Justiz zu schaffen. Doch der Mord an Taryn Holt führt Vaughn de Vries und Don February in ein finsteres politisches Geflecht, in dem Verbündete und Gegner kaum auseinanderzuhalten sind.

Mendelson lässt sich Zeit für die Entwicklung seines Haupterzählstrangs. Er schickt seine Ermittler auf einen beschwerlichen Weg, auf dem sich falsche Fährten, Stillstand, Widerstände und zähes Ringen um Erkenntnisse ein aufreibendes Stelldichein geben. Es dauert, bis sich die wahren Hintergründe peu a peu offenbaren. Das hätte ein langatmiges Unterfangen werden können, doch Mendelson gelingt es, das Interesse wach zu halten. Die Verästelungen ergeben Sinn, schaffen einen Prüfstand fürs literarische Personal, offenbaren Motivationen, Hintergründe und Konstellationen.

Ob streitbare Pathologin, engagierte und couragierte Künstlerin, loyaler Polizist, gewissenloser Handlanger mit Befugnissen oder bigotte Christenmenschen, Vaughn de Vries ist an vielen Fronten unterwegs. Und ist selbst eine höchst ambivalente Figur. Der Bure nennt sich selbst einen „Rassisten“. Er ist kein gewaltbereiter Radikaler, sondern ein alltäglicher, der halt Namen von dunkelhäutigen Kollegen nicht aussprechen kann und von einer indifferenten Angst heimgesucht wird, dass eine Gesellschaft ohne Rassentrennung seine Existenz gefährdet.  Andererseits ist seine oberste Priorität, Kriminalitätsopfern Gerechtigkeit zuteilwerden zu lassen.  Dabei interessieren ihn weder gesellschaftliche Positionen noch Hautfarbe. Weswegen de Vries auch von seinen farbigen Vorgesetzten geschätzt wird. Trotz aller Vorbehalte.

Vaughn de Vries ist wahrlich kein Sympathieträger, dafür eignet sich eher sein Adlatus Don February, aber eine facettenreiche Figur, die von ihrem Autoren auf eine frustrierende und trotzdem entlarvende Reise in die finstere politische Gegenwart Kapstadts geschickt wird. „Die Straße ins Dunkel“ hält geschickt die Waage zwischen Polizei- und (gesellschafts)politischem Roman. Lediglich der Part, der 1994 seinen Anfang nahm und in der Lynchjustiz 2015 endet, wird etwas unentschlossen in die Handlung eingebunden. Zwischenzeitlich fast gänzlich in den Hintergrund gedrängt, nimmt er erst zum Ende hin an Fahrt auf und wirft Vaughn De Vries auf sich selbst zurück. Das passt inhaltlich sehr gut, hätte aber etwas mehr an Vertiefung und dramatischer Wucht vertragen können.  Abgesehen von dieser kleinen Einschränkung ist der im Präsens verfasste Roman formal wie inhaltlich ein feines Stück Literatur, gewohnt eloquent übersetzt von Jürgen Bürger.

Wertung: 82 von 100 Trefferneinschuss2Autor: Paul Mendelson

  • Titel: Die Straße ins Dunkel
  • Originaltitel: The Serpentine Road
  • Übersetzer: Jürgen Bürger
  • Verlag: Rowohlt Polaris
  • Erschienen: 16.12.2016
  • Einband: Paperback
  • Seiten: 395
  • ISBN: 978-3-499-27241-7

+++ Der Vorschau-Ticker – Frühjahr/Herbst 2017 – Teil 7 +++

Wie bereits angekündigt befasse ich mich in meinem letzten Ticker für die aktuelle Vorschau-Saison mit dem weit gefassten Feld der Belletristik. Und auch wenn da für mein Dafürhalten die ganz großen Titel dieses mal fehlen, sind doch ein paar Bücher zusammengekommen, die nicht nur Neugierde wecken, sondern letztlich wohl auch den hauseigenen Geldbeutel schröpfen werden. Überhaupt ist der Anteil an Non-Crime-Fiction bei mir zuletzt immer mehr gestiegen, was u.a. daran liegt, dass man selbst inwischen weit offener füt Tipps aus allen Richtungen ist bzw. sich Beuteschema und Leseverhalten in den vergangenen Jahren doch stark geändert haben. In der Hoffnung, dass das auch bei ein paar von meinen Blog-Besuchern der Fall ist, hier mal meine heiß erwarteten Neuerscheinungen.

Den Anfang macht „Fay“ von Larry Brown, zu dem ich jetzt nicht viel weitere Worte verliere, sondern einfach Heyne CORE Verlagsleiter Markus Naegele zitiere, der folgendes über das Buch schreibt:

Fay hat eine ungewöhnliche Publikationsgeschichte. Kurz nachdem ich 1998 als Junglektor zum Heyne Taschenbuch stieß, bekam ich das Manuskript eines gewissen Larry Brown auf den Tisch. Es war umfangreich und nicht unbedingt das, was im Heyne Verlag seinerzeit veröffentlicht wurde. Aber ich war eifrig und sehr begeistert, also las ich das ganze Manuskript. Trotzdem war mir bewusst, dass es dafür im Heyne-Taschenbuch eher keinen Platz gäbe, also legte ich das Buch zur Seite beziehungsweise ins Regal. Dort blieb es auch die nächsten Jahre. Es überstand alle Umzüge unbeschadet, denn ich wusste, dass irgendwann der richtige Moment für das Buch kommt.

Und dieser Moment ist jetzt gekommen! Larry Brown ist ein Autor aus dem Süden der USA, der dort für viele andere Autoren und auch Musiker sehr einflussreich war, der vielfach ausgezeichnet wurde und 2004 im Alter von 53 Jahren viel zu früh verstorben ist. Aus unerfindlichen Gründen ist bis heute keines seiner Werke auf Deutsch veröffentlicht. Das werden wir mit Fay jetzt ändern.

Der Roman erzählt die Geschichte der 17-jährigen Fay, einer bildhübschen jungen Frau, die von Zuhause, von ihrem gewalttätigen Vater, wegläuft. Mit nichts als zwei Dollars in der Handtasche verlässt sie ihre Hütte im Wald und macht sich auf den Weg Richtung Küste, auf der Suche nach einem besseren Leben. Auf diesem Weg erlebt sie allerhand Bedrohliches, Gewalttätiges, aber auch Liebe und Hoffnung.

Mich hat dieser Roman mehr als 15 Jahre nicht losgelassen. Als ich ihn jetzt noch einmal gelesen habe, hat wer mich erneut kalt erwischt. Wie eine epische Breitbandfassung von Winters Knochen, dem Klassiker von Daniel Woodrell, erzählt Larry Brown eine harte Geschichte, aber sehr feinfühlig und sprachlich großartig. In den USA wurde Larry Brown immer wieder mit literarischen Großkalibern wie William Faulkner, Raymond Carver, Flannery O’Connor, John Steinbeck, Ernest Hemingway oder Mark Twain verglichen, nicht zu unrecht.

Ehrlich gesagt hätte es dieser Worte bei mir nicht gebraucht, um Interesse für „Fay“ zu wecken. Neben dem mich instinktiv ansprechenden Klappentext reicht allein Markus Beteiligung an dieser „Entdeckung“ aus, um mich vom Kauf zu überzeugen, funken wir literaturtechnisch doch seit vielen Jahren auf einer Wellenlänge. In dem Sinne: Shut up and take my money! 😉

Carsten Jensens „Der erste Stein“ befasst sich mit einem äußerst aktuellen Thema und schickt uns ans der Seite eines Zugs dänischer Soldaten in ein Militärcamp in Afghanistan. Ich muss gestehen, dass ich hier immer noch auf eine (wertige) Unterhaltungslektüre zu diesem Konfikt warte. Und Jensens Buch weckt da doch gewisse Hoffnungen bzw. birgt einiges an Potenzial. Werde mal die ein oder andere Besprechung abwarten, bevor ich mir selber ein Bild mache.

Für Proulx „Aus hartem Holz“ gilt das nicht, denn die hat bereits mit „Postkarten“ und „Schiffsmeldungen“ eindrücklich bewiesen, was für eine große Schriftstellerin sie ist. Im Verbund mit dem Schauplatz der endlosen nordamerikanischen Wälder reicht das schon voll und ganz aus, um aber sowas von sicher in mein Bücherregal zu wandern.

Allein der Preis (39,95 €!!) könnte mich vom Kauf von Upton Sinclairs „Boston“ abhalten, dessen „Der Dschungel“ mir bis heute nachhaltig in Erinnerung geblieben ist. Die in den 20ern angesiedelte Handlung um einen der größten Justizirrtümer (zwei Menschen zu Unrecht zum Tode verurteilt) in der amerikanischen Geschichte war in Sinclairs Händen sicher mehr als gut aufgehoben. Und an Boston habe ich seit „Departed“ und Lehane sowieso irgendwie einen Narren gefressen. Dennoch: Hier werde ich wahrscheinlich aufs TB warten.

Skizzen und Erzählungen über New Orleans. Aus der Feder von William Faulkner. Übersetzt von Arno Schmidt. Herausgegeben vom Diogenes Verlag. Alles gute Argumente. Und das ich Faulkners Werk sammle, wie Eichhörnchen die Nüsse, rundet das dann nochmal ab. Muss. Ich. Haben.

Licht und Glut“ klingt irgendwie nach einem James-Lee-Burke-Titel und scheint zumindest ähnlich rauh daherzukommen. Eines dieser vermeintlich schroffen, unangepassten Werke über das ländliche Amerika außerhalb der blühenden Metropolen. Eine Thematik, die ja auch im Krimi-Bereich derzeit ziemlich in ist, mich tatsächlich jedoch schon seit weit längerer Zeit fasziniert. Jennifer Haigh kenne ich nicht. Und Droemer Knaur ist jetzt ehrlich gesagt auch nicht der Verlag, wo ich so einen Titel vermutet hätte. Hier werde ich einfach mal den Sprung ins kalte Wasser wagen.

Was gönnt ihr euch? Oder kauft ihr doch lieber Taschenbücher?

  • Larry Brown – Fay (Hardcover, Mai 2017 – Heyne Hardcore – 978-3453270961)
  • Inhalt: Der Roman erzählt die Geschichte der 17-jährigen Fay, einer bildhübschen jungen Frau, die von Hause, von ihrem gewalttätigen Vater, wegläuft. Mit nichts als einer Packung Zigaretten und zwei Dollar in der Handtasche verlässt sie ihre Hüte im Wald und macht sich auf den Weg Richtung Küste, auf der Suche nach einem bessere Leben. Auf diesem Weg erlebt sie allerhand Bedrohliches, Gewalttätiges, aber auch Liebe und Hoffnung.
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(c) Heyne Hardcore

  • Carsten Jensen – Der erste Stein (Hardcover, März 2017 – Albrecht Knaus Verlag – 978-3813507416)
  • Inhalt: In einem Militärcamp in Afghanistan trifft ein Zug dänischer Soldaten ein, 24 Männer und die Soldatin Hannah unter Führung des charismatischen Rasmus Schrøder. Alle sind hochmotiviert, hervorragend ausgebildet und abenteuerhungrig. Doch die Tage fließen monoton dahin, bis durch eine Landmine zwei Männer sterben und eine sich immer schneller drehende Spirale der Gewalt in Gang setzt. Als schließlich Schrøder die Truppe verrät, gerät alles außer Kontrolle.
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(c) Albrecht Knaus

  • Annie Proulx – Aus hartem Holz (Hardcover, März 2017 – Luchterhand Verlag – 978-3630872490)
  • Inhalt: Annie Proulxs erster Roman seit über zehn Jahren, das lang erwartete Meisterwerk der Pulitzerpreisträgerin: ein monumentales Epos, das lebensprall, sprachgewaltig und intensiv dreihundert Jahre nordamerikanischer Geschichte einfängt und von der Abholzung der scheinbar endlosen Wälder erzählt, vom ewigen Kampf zwischen Mensch und Natur.
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(c) Luchterhand

  • Upton Sinclair – Boston (Hardcover, Juni 2017 – Manesse Verlag – 978-3717523802)
  • Inhalt: Glamour, Jazz und endlose Partys: Das waren die Roaring Twenties. Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit – Upton Sinclair zeigt uns die ganze. Denn während die Happy Few feierten, wurden die Massen mittels brutaler Klassenjustiz niedergehalten. Am Beispiel der einflussreichen Ostküsten-Sippe Thornwell zeigt «Boston», wie das System staatlich sanktionierter Korruption funktionierte. Als Kulminationspunkt dient der Schauprozess gegen die zwei bekanntesten Justizopfer der amerikanischen Geschichte, Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti, die 1927 wegen Mordes hingerichtet wurden. In diesem ergreifenden Buch geht es um die moralische Glaubwürdigkeit offizieller Repräsentanten und Institutionen, um Menschenliebe und Bürgerpflicht, um Gerechtigkeit und den Mut zur Wahrheit.
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(c) Manesse

  • William Faulkner – New Orleans – Skizzen und Erzählungen (Hardcover, März 2017 – Diogenes Verlag – 978-3518804100)
  • Inhalt: 1925 veröffentlichte der damals noch völlig unbekannte William Faulkner einige Skizzen und Kurzgeschichten in regionalen Zeitschriften. Einfache Leute sind das Personal dieser in New Orleans angesiedelten Genrebilder, Seeleute, Schmuggler, Bettler und Huren, Wettbetrüger und Priester. 1960 wurden diese „New Orleans Sketches“ des mittlerweile weltberühmten Nobelpreisträgers Arno Schmidt zur Übersetzung angeboten. Er griff, wie er sagte, nur »aus Reklamegründen« zu, denn er mochte Faulkner nicht. Seine 1962 erschienene deutsche Version der Sketches ist trotzdem brillant – in Faulkners Alltagssprache war Schmidt eben zu Hause.
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(c) Diogenes

  • Jennifer Haigh – Licht und Glut (Hardcover, April 2017 – Droemer Verlag – 978-3426281697)
  • Inhalt: Bakerton im ländlichen Pennsylvania hat schon bessere Zeiten gesehen. Die einst blühende Region ist durch den Niedergang von Kohle und Stahl schwer gezeichnet. Ist es da Segen oder Fluch, dass ein Energiekonzern den verarmten Landbesitzern plötzlich das große Geld verspricht? Naivität und Gier, Hysterie und blinder Aktivismus, Ehekrisen und unverhoffte neue Allianzen – der Erdgas-Boom bringt die kleine eingeschworene Gemeinschaft aus den Fugen. 
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(c) Droemer

Vorhang auf für die Gentleman-Ganoven

Die Luegen des Locke Lamora von Scott Lynchlocke-lamora-i-die_luegen_des_locke_lamora

Aktuelles Cover (links), Cover Erstveröffentlichung (rechts) – (c) Heyne Verlag

„Was hat ein Fantasy-Werk auf einem Krimi-Blog verloren?“, mag sich jetzt der ein oder andere fragen. Nun, wer mal ein näheren Blick auf die Rubrik „Behind the Alley“ geworfen hat, der wird feststellen, dass zwar das Hauptaugenmerk auf der namensgebenden Kriminalliteratur liegt, wir uns aber das Recht herausnehmen auch auf Titel abseits dieses Genres hinzuweisen, wenn einer von uns der Ansicht ist, dass diese einen Platz im Scheinwerferlicht verdient haben. Und nicht nur das: Wenn ich in den vergangenen zehn Jahren, vor allen in der Zeit als Buchhändler, eins gelernt habe, dann dass man sich nicht selbst in seinem Beuteschema zu sehr beschränken und auch mal über Genre-Grenzen hinweg auf Suche gehen sollte. Andernfalls ist die Gefahr, große Literatur zu verpassen, recht hoch. Und auf diese weise ich in folgender Besprechung mit Nachdruck hin:

Auch wenn man als Buchhändler in Ausbildung noch grundsätzlich jedes Leseexemplar eines Verlags freudig entgegennimmt – diese Euphorie des Neuen lässt später im Beruf übrigens dann doch etwas nach – so ist es erstens mangels Zeit unmöglich alles zu lesen und gibt es zweitens einfach Titel, bei denen man sich von vornherein nicht zu einer Lektüre durchringen kann. Letzteres traf vor nun fast zehn Jahren auch erst einmal auf Scott Lynchs „Die Lügen des Locke Lamora“ zu, welches, beigelegt im großen Random-House-Paket, für mich optisch ungefähr genauso ansprechend daherkam, wie ein Mund voll fauler Zähne.

Ein lieblos zusammengezimmertes Cover mit potthässlichem Schriftzug, das förmlich „billiger Schund“ schrie und den Eindruck erweckte, dass da bei Heyne jemand mal aber so gar keinen Bock gehabt hatte, irgendwie groß Mehrarbeit in diesen Titel zu investieren. Und überhaupt: Ein Fantasy-Roman vor Renaisscance-ähnlicher Kulisse in einem an Venedig angelehnten Setting? Das war so ziemlich all das, was ich in diesem Genre nicht brauche bzw. mich seit jeher schon kalt gelassen hat (selbst zum Zocken von „Assassins Creed 2“ musste ich aus selbigen Gründen hartnäckig überredet werden), zumal es im Verbund mit dem Namen des Protagonisten irgend so eine abgeschmackte Jugendbuchgeschichte vermuten ließ.

Langer Rede, kurzer Sinn. „Die Lügen des Locke Lamora“ ward zwar mitgenommen, aber für mehrere Monate ins Regal verbannt. An Fantasy konnte ich und kann ich auch heute eh nur sporadisch und in Maßen ran und zumindest zum damaligen Zeitpunkt hatten George R.R. Martin, Andrzej Sapkowski oder Patrick Rothfuss (Tolkien sowieso) die Nase in meiner Gunst weit vorn. Warum ich dann letztlich doch zum Buch gegriffen habe, kann ich rückblickend nicht mehr genau sagen, aber in der nun folgenden Besprechung darlegen, warum das letztlich eine äußerst, äußerst gute Entscheidung war, denn, dies sei vorab mal alle Zurückhaltung fahren lassend bemerkt: Scott Lynchs Erstlingswerk ist eines dieser Werke, das sich von der ersten Seite an in die Mundwinkel des Lesers krallt, um dessen Kiefer dann mit einem kräftigen Ruck nach unten zu ziehen und dort verweilen zu lassen. Ein hässliches Entlein, das zwischen den Buchdeckeln mit einer der innovativsten Geschichten aufwartet, die ich in diesem literarischen Umfeld bis hierhin erleben durfte und welche selbst denjenigen, welche sonst mit Fantasy so gar nichts anfangen können, auf das eindringlichste ans Herz gelegt sei.

Und nun zum Punkt und damit zur Handlung: Die Küstenstadt Camorr, eine große Lagune voller Kanäle, beherrscht vom örtlichen Adel, der aus seinen prunkvollen Villen und Türmen auf das Elend in den dunkelsten Gassen herabschaut, in dem Wissen, unangreifbar zu sein, hat man doch schon vor vielen Jahrzehnten ein Abkommen mit der organisierten Kriminalität geschlossen. Die kann die untere Kaste nach Belieben schröpfen und schikanieren, sofern der Adel verschont und damit das Geschäft nicht gestört wird. Doch es gibt eine kleine Bande in der Stadt, die sich nicht an diesen Pakt gebunden fühlt – die „Gentleman-Ganoven“. Angeführt werden sie von dem jungen Locke Lamora und dessen besten Kumpel Jean Tannen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, den hochmütigen Adel mit den ausgefeiltesten und komplexesten Trickbetrügereien über den Tisch zu ziehen, wobei sie sich einer Vielzahl von Lügen und Maskeraden bedienen. Die eigentliche Beute ist dabei fast zweitrangig. Wichtiger ist, die Habgier ihrer Opfer gegen diese zu verwenden und die eigenen Fähigkeiten immer wieder einer Probe zu unterziehen. Je größer das Risiko, desto besser.

Ihr aktuelles Unterfangen, die Ausbeutung des Ehepaars Don und Dona Salvara, soll zur Krönung ihres bisherigen kriminellen Treibens werden. Und anfangs scheint es auch so, als würden die „Fische“ mit Begierde den Köder schlucken, bis sich urplötzlich die Situation in Camorr ändert. Eine geheimnisvolle Figur, genannt der „Graue König“, rüttelt am Gleichgewicht der alten Kräfte. Ohne Rücksicht auf Verlust zieht er jeden Gegner brutal aus dem Verkehr, um den herrschenden Paten von der Spitze zu verdrängen und sich selbst an diese zu setzen. Seine gnadenlose Vendetta macht auch vor der Tochter des Paten nicht halt. Und es dauert nicht lange, bis die grausame Welle der Gewalt schließlich Locke und seine Freunde erreicht. Obwohl zahlen- und waffenmäßig weit unterlegen, erweisen sich die Gentleman-Ganoven jedoch als findige Widersacher, woraufhin schließlich ein Hexer auf sie angesetzt wird. Nun beginnt für Locke, Jean und den Rest der Gentleman-Ganoven ein Kampf ums Überleben …

Nun mag manch einer denken, dass ich Worte wie „brutal“, „gnadenlos“ und „grausam“ nur verwende, um die kurze Inhaltsangabe etwas ansprechender und dramatischer gestalten, als sie eigentlich ist – Faktisch ist jedoch das Gegenteil der Fall: Es ist kaum möglich, nur einen Hauch dessen hier in Kürze anzuteasern, was Scott Lynch im weiteren Verlauf mit der Gewalt einer Abrissbirne auf uns niederregnen lässt. Die Handlung ist von Anfang bis Ende ein Ritt auf der Rasierklinge – und das heißt auch, es fließt Blut, aber wie. Nicht um des Schockmoments willen, nicht um Mord und Totschlag zu verherrlichen – nein, um zu verdeutlichen, wie die Welt von Camorr tickt und was es heißt tagtäglich in ihr zu leben. Obwohl Lynch, wie so fast jeder Fantasy-Autor, in diesem Debütwerk vor der großen Aufgabe stand, einen Schauplatz samt Kultur, Geschichte und politischer Gesetzmäßigkeiten aus dem Nichts zu erschaffen, hat man schon von der ersten Zeile an das Gefühl, dass seine Finger nur so über die Tastatur geflogen sein müssen, als er „Die Lügen des Locke Lamora“ zu „Papier“ gebracht hat. Nichts, aber auch nichts wirkt da konstruiert oder gestückelt, nichts künstlich ausgeschmückt oder gar auf Effekt gebürstet.

Mit traumwandlerischer Sicherheit führt er Figuren ein, beschreibt ihre Eigenheiten, verwebt ihre Schicksale, lässt diese in das größere Ganze einfließen und schickt den Leser dabei auf eine Achterbahnfahrt voller Kehren und Wendungen, die dafür sorgen, dass einem bald klar wird: Nichts ist sicher, alles ist möglich. Selbst wenn man ein paar Seiten zuvor noch genau zu wissen glaubte, wie der Hase jetzt läuft, hoppelt der entweder erst gar nicht oder es ist am Ende gar kein Hase. Wie Locke und seine Freunde nutzt Lynch alle möglichen Tricks und Kniffe, um immer wieder aufs Glatteis zu führen und uns nach allen Regeln der Kunst zu verarschen. Wie bei einem guten Magier schauen wir fasziniert auf die herumwirbelnde Hand, während die andere die Ausgangslage schon wieder komplett ändert und für den Bluff zu dem Bluff ein weiteres Ablenkungsmanöver startet. Wohlgemerkt alles ohne irgendwie den Faden zu verlieren oder nur ein Jota Tempo aus der Vollgas-Story zu nehmen, in der alles erlaubt ist, außer die verfluchten Hände vom Buch zu nehmen.

Scott Lynch hat den klassischen Fantasy-Helden auf der Queste genommen und in den Papierkorb gekloppt und stattdessen Han Solo, Indiana Jones und sämtliche stinkmäuligen Statisten aus „Gangs of New York“ in den Mixer geworfen, um einen Gangsterroman hinzukleistern, der sich hinsichtlich Konsequenz und scharfzüngiger, bitterböser und einfach nur großartiger Dialoge, selbst hinter den besten Hardboiled-Werken nicht verstecken muss. Ganz im Gegenteil: Wie die Private-Eyes bei Chandler und Hammett, so bekommt auch Locke ordentlich auf die Fresse – nur um im Anschluss noch sturer sein Ziel zu verfolgen und sich terriergleich in die Waden seiner Gegner zu verbeißen. Womit wir Action und Dramaturgie gestreift hätten. Doch ganz im Stile von QVC muss ich an dieser Stelle lauthals verkünden: „Das ist ja noch lange nicht alles.“

Keine Besprechung wird diesem herrlichen Buch gerecht, ohne auf den Tiefgang dieses vollkommen irren Bühnenstücks vor noch irrerer Kulisse einzugehen, bleiben doch die Augen des Lesers nicht nur aufgrund der zynischen, derben (und damit authentischen) Dialoge kaum trocken, sondern vor allem aufgrund dessen, was die Figuren im Verlauf der ca. 850 Seiten durchleben müssen. Hier reiten die Helden nicht am Schluss mit wackelndem Hintern in den Sonnenuntergang. Hier wird noch der geringste Erfolg mit Blut bezahlt. Das Leben eines Freundes mit glänzender Klinge gerächt. Und das tut vor allem uns weh, denen die Charaktere – obwohl durchweg eher amoralisch, egoistisch und kriminell – einfach allzu schnell ans Herz wachsen. Wie bei Stephen Kings „Es“, so ist man auch in Lynchs Welt bald Teil der Gruppe, liest nicht, sondern miterlebt die Abenteuer und damit eben all das, was ihnen dabei widerfährt. Das Pendel zwischen lauthalsigem Lachen und ungläubiger Trauer – es schlägt beständig aus. Und es erwischt uns jedes Mal mit voller Wucht.

Nun scheint es, dass bei all den Lobeshymnen meine Füße den Teppich nicht mehr berühren. Aber wie auch auf selbigen bleiben, wenn ein so vollkommen unauffälliger Fantasy-Roman sich plötzlich in eins der besten Bücher verwandelt, was man je gelesen hat. Denn nicht mehr und nicht weniger ist „Die Lügen des Locke Lamora“. Ob man Fantasy mag, gleich. Ob man ein Faible für Venedig hat, egal. Wer neben all den Tolkien-Klonen wirklich mal in eine kreative, neue Welt eintauchen und sich nicht erst durch drei 1000-seitige Bände kämpfen will, um den Epilog des Epos zu erleben, der ist bei diesem Werk genauso richtig, wie Leser, die emotional an der „Gurgel des Herzens“ gepackt werden wollen.

Die Lügen des Locke Lamora“ – das ist für mich der niedergeschriebene Beweis für die Macht eines Buches und für die Macht der Fantasie. Und das Beste daran: Es ist erst der Auftakt einer auf sieben Bände ausgelegten Reihe über den Vollblutganoven, in dessen weiteren Verlauf wir noch mehr dieser liebevoll-detaillierten Welt entdecken und – soviel sei verraten – die scheinbar das Niveau von Lynchs Debütwerk halten kann. Kompliment übrigens auch an Heyne, die sich nach dem völlig unpassenden ersten Cover, zu einer gelungeneren Neugestaltung entschieden haben.

Wertung: 93 von 100 Treffern

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  • Autor: Scott Lynch
  • Titel: Die Lügen des Locke Lamora
  • Originaltitel: The Lies of Locke Lamora
  • Übersetzer: Ingrid Herrmann-Nytko                                  
  • Verlag: Heyne
  • Erschienen: 07.2007
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 847 Seiten
  • ISBN: 978-3453530911

+++ Der Vorschau-Ticker – Frühjahr/Herbst 2017 – Teil 6 +++

Mein letzter, sich mit dem Spannungs-Genre beschäftigender Vorschau-Ticker beinhaltet in erster Linie einige Neuauflagen von schon seit langem vergriffenen Titeln sowie eine Erstveröffentlichung aus dem Hause Ullstein. Ich führe sie dennoch hier auf, da ich sie allesamt für entdeckenswert, im Fall von Dennis Lehane aufgrund eigener Erfahrung sogar für äußerst lesenswert erachte. Und überhaupt: Es gibt zwar Bücher, die schlechter altern als andere – ein Buch ist allerdings nie schlecht, weil es alt ist. Da zudem der Bereich des Kriminalromans selbst für ausgewiesene Krimi-Experten inzwischen kaum noch in seiner Gänze zu überblicken ist, findet vielleicht der ein oder andere ja hier unter den fünf Titel  einen, von dem er noch nichts gelesen hat bzw. wird daran erinnert, einem bestimmten Autor im Regal vielleicht doch mehr Aufmerksamkeit zu widmen. So, und nun genug gefaselt.

Mit „Es klingelte an der Tür“ erscheint nach langer Zeit (zuletzt 2009 im Rahmen der „Fischer Crime Classics“-Reihe mit „Nero Wolfe in Montenegro„) wieder ein Titel aus einer der langlebigsten Krimi-Reihen der Welt. Bereits 1933 feierte der spleenige Meisterdetektiv Nero Wolfe sein Debüt und löste seinen letzten Fall erst 32 Jahre später. Klett Cotta legt nun diesen Band von 1965 neu auf (früher erschienen unter „Per Adresse Mörder X„) und scheint sich in Punkto Aufmachung an den Christie-Romanen bei Atlantik zu orientieren. Ob gerade dieser Fall jetzt der richtige ist, um Stout den Lesern des 21. Jahrhunderts nahe zu bringen, kann ich mangels Kenntnis nicht beurteilen. Die Tendenz geht allerdings dahin, dass mal näher herauszufinden.

Die Wiederauflagen von James McClure beim Unionsverlag finden bei mir – wie auch die neue Herausgabe der Michael Dibdins – großen Zuspruch. McClure ist seit längerer Zeit ein blinder Fleck in meiner Krimi-Vita und meine zerschlissenen Exemplare von Rowohlt machen eine geplante Lektüre zu einem Wagnis, kann doch jede weitere Berührung ihr Ende bedeuten. Überhaupt ist die Lust nach mehr krimineller Energie aus Südafrika seit Malla Nunn, Deon Meyer und Mike Nicol derzeit sehr groß. Die werden definitiv beide gekauft.

Dunkels Gesetz“ von Sven Heuchert wird als Neo-Noir beworben, was ich, vor allem bei deutschen Vertretern, immer mit so einer gewissen Skepsis beobachte. Oft ist da vieles gewollt und nicht gekonnt. Heuchert ist mir kein Begriff, der Plot klingt jedoch danach, als könne er jemandem wie mir Spaß machen, wenn der Autor es mit „Noir“ tatsächlich ernst gemeint hat.

Mit „Dunkelheit, nimm meine Hand“ setzt Diogenes seine Neuübersetzung der Kenzie/Gennaro-Reihe weiter fort. Ich nenne zwar die alten Ullstein-Ausgaben alle mein Eigen und habe die Serie durchweg gelesen – trotzdem lachen mich die Wiederveröffentlichungen sowohl optisch, als auch aufgrund des Übersetzers (Torberg!) durchaus an. Und weil man ja als Büchersüchtiger an alles denken muss – sie sind zudem nicht ganz so dick und nehmen dementsprechend im Regal weniger Platz weg. 😉 . Wer die Reihe von Dennis Lehane noch gar nicht kennen sollte – unbedingte Leseempfehlung!

Was wandert in euren Einkaufskorb?

  • Rex Stout – Es klingelte an der Tür (Hardcover, März 2017 – Klett Cotta Verlag – 978-3608981117)
  • Inhalt: Die reiche Exzentrikerin Rachel Bruner hat die Nase voll vom amerikanischen Geheimdienst. Sie kauft zehntausend Exemplare eines Enthüllungsbuchs und verschickt es landesweit. Klar, dass das Ärger gibt: Das FBI lässt sie auf Schritt und Tritt überwachen. In ihrer Not wendet sich die vornehme Dame an Nero Wolfe, den berühmtesten Privatermittler von New York. Doch wie soll der ihr helfen? Sein Gegenspieler ist immerhin kein Geringerer als J. Edgar Hoover. Ein Scheck über 100 000 Dollar überzeugt ihn, es zumindest zu versuchen. Da kommt ihm ein Mordfall an einem Journalisten sehr gelegen …
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(c) Klett Cotta

  • James McClure – Caterpillar Cop (Taschenbuch, April 2017 – Unionsverlag – 978-3293207653)
  • Inhalt: Jonathan hat sich sein erstes Rendezvous mit Penny anders vorgestellt. Kaum kommen sie sich näher, spürt er die Blicke eines Beobachters. Wutentbrannt stürmt er los, um dem vermeintlichen Spanner eine Lektion zu erteilen. Doch als er ihn hervorzerrt, sackt dieser zusammen: Der Unterleib ist blutüberströmt. Lieutenant Tromp Kramer erfährt, dass es sich bei dem Toten um den 12-jährigen Boetie handelt, der mit einem Draht erdrosselt und erbarmungslos verstümmelt wurde. Nun beginnt für Kramer und Sergeant Zondi eine intensive Zeit der Investigation. Ein grausamer Mord an einem Kind – das ist auch für die beiden erfahrenen Ermittler ein harter Brocken. Zudem sitzt ihnen der neue Colonel höchstpersönlich im Nacken; genauso wie die Witwe Fourie, Mutter von vier Kindern.
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(c) Unionsverlag

  • James McClure – Gooseberry Fool (Taschenbuch, April 2017 – Unionsverlag – 978-3293207660)
  • Inhalt: Laut dem Dorfpfarrer hatte niemand einen Grund, Hugo Swart, den treuen und angesehenen Bürger, zu hassen. Doch am Weihnachtsabend liegt dieser niedergestochen in seiner Küche. Es sieht aus, als könnte das einzige Motiv Geld gewesen sein und so verdächtigt man Swarts Diener, Shabalala, der mittlerweile aufs Land geflohen ist. Detective Michael Zondi verfolgt den Tatverdächtigen in entlegensten Dörfern, während Lieutenant Tromp Kramer mit einer anderen Angelegenheit beauftragt wird: einem Autounfall unter Alkoholeinfluss. Kramer zieht bald Parallelen zwischen beiden Fällen und versucht, den Bewohnern von Trekkersburg Informationen abzugewinnen. Die Behauptungen des Dorfpfarrers entpuppen sich langsam aber sicher als blanke Lügen.
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(c) Unionsverlag

  • Sven Heuchert – Dunkels Gesetz (Broschiertes Taschenbuch, April 2017 – Ullstein Verlag – 978-3550081781)
  • Inhalt: Ein Exsöldner, ein geplatzter Drogendeal und ein junges Mädchen: Altglück ist ein verlassenes Nest in der Nähe der belgischen Grenze, hier träumt es sich schlecht vom sozialen Aufstieg. Achim, der Tankstellenbesitzer, heuert bei der Lokalgröße Falco an und steigt gemeinsam mit seinem Knacki-Kumpel in den Drogenhandel ein. Seine letzte Chance auf ein gutes Leben, glaubt er ― für sich, seine Geliebte und deren Tochter Marie. Doch ein Mann droht alles kaputtzumachen: Richard Dunkel, Exsöldner. Um über die Runden zu kommen, arbeitet er als Security für eine Chemiefirma. Eines Nachts stößt er dort auf Achims Drogenversteck. Er setzt Falco und Achim mächtig unter Druck ― und bringt so, ohne es zu wollen, Marie in tödliche Gefahr.
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(c) Ullstein

  • Dennis Lehane – Dunkelheit, nimm meine Hand (Taschenbuch, Juni 2017 – Diogenes Verlag – 978-3257300437)
  • Inhalt: Die renommierte Bostoner Psychologin Diandra Warren lebt in Angst. Man hat gedroht, ihrem Sohn etwas anzutun. Die Drohung trägt die Handschrift der Mafia – nur hat die mit der Sache nachweislich nichts zu tun. Als Kenzie & Gennaro zu ermitteln beginnen, überschlagen sich die Ereignisse; ein Mord nach dem anderen geschieht. Alle Spuren führen zu einem Serienkiller, der seit Jahren im Gefängnis sitzt – und tief in Patrick Kenzies eigene Vergangenheit.
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(c) Diogenes

 

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(c) Pendragon

So schön Krimi-Reihen eigentlich sind, erweisen sie sich für Menschen wie mich, die notorischer Weise jeden Titel unbedingt besprechen wollen, dann doch manchmal als eine gewisse Bürde. Insbesondere im Falle von Autoren wie dem inzwischen verstorbenen Robert B. Parker, welcher sowohl mit seinen Spenser-Romanen als auch bei der Jesse-Stone-Reihe jegliche Experimente strikt abgelehnt und stets nach bewährten Rezept bzw. Konzept geschrieben hat, was es wiederum etwas schwierig macht, das „Besondere“ hervorzuheben. Denn – so negativ das jetzt geklungen haben muss– Parkers Werke sind, fernab krimineller Superlative der Mainstream-Konkurrenz, (fast) uneingeschränkt empfehlenswert und können größere Aufmerksamkeit seitens der deutschen Leser zweifelsfrei gebrauchen.

Insofern kommt da der fünfte Band um Polizeichef Jesse Stone (bekannt auch durch die CBS-Verfilmungen mit Tom Selleck in der Hauptrolle) gerade recht, stellt „Tod im Hafen“ doch den bisherigen Höhepunkt der Serie dar, was nicht zuletzt daran liegt, dass Parker ein wenig die Komfortzone verlässt und thematisch heißeres und auch emotional aufwühlenderes Eisen anfasst.

Sieben Jahre sind inzwischen vergangen, seit der Cop Jesse Stone Los Angeles den Rücken gekehrt und seinen Posten als Polizeichef im fiktiven Provinznest Paradise im Bundesstaat Massachusetts bezogen hat. Die Zeiten als Ermittler in der Mordkommission liegen genauso hinter ihm, wie seit kurzem auch der Alkohol. Seit zehn Monaten und genau dreizehn Tagen hat er keinen Schluck mehr getrunken. Und auch seine Beziehung zu Ex-Frau Jenn steht wieder unter einem besseren Stern. Nach vielen Affären auf beiden Seiten wagen sie nun einen Neuanfang. Wortwörtlich paradiesische Zustände also, wäre da nicht die im Hafenbecken angeschwemmte Leiche einer jungen Frau, welche Rätsel aufgibt, zumal Florence Horvath, so ihr Name, eigentlich in Fort Lauderdale, Florida, wohnhaft ist.

Ist es wirklich nur ein Zufall, dass gerade zu dieser Zeit die Rennwoche stattfindet? Ein riesiges Event in Paradise, das zahlreiche Besitzer großer, teurer Yachten in den Hafen lockt und doch weit weniger mit Segelsport zu tun hat, als der Name auf den ersten Blick vermuten lässt. Stattdessen werden feuchtfröhliche Parties an Bord und an Land gefeiert. Und Florence, Tochter reicher Eltern, attraktiv, durch und durch verwöhnt und mit einer Vorliebe für außergewöhnliche Sexspiele, scheint, wie Jesse Stone und seine Kollegen recht bald herausfinden, fester Bestandsteil der ausartenden Exzesse gewesen zu sein. Warum aber leugnen dann Besitzer, Crew und Gäste der „Lady Jane“ Florence gekannt zu haben? Und weshalb haben sich ihre Schwestern, Musterbeispiele der Kategorie „Blond und Blöd“, jetzt ebenfalls nach Paradise begeben, um selbst Nachforschungen anzustellen?

Mit der ihm eigenen Sturheit und Beharrlichkeit ermittelt Stone in den Kreisen der „Upper Class“ und muss nach und nach erkennen, dass es sich bei Florence‘ Tod nur um die Spitze eines Eisbergs aus Sex, Gewalt, Lügen und Verdrängung handelt …

Dass die High Society nicht selten einem Sündenpfuhl mit tiefsten Abgründen gleichkommt, ist ganz sicher keine neue Erkenntnis und wird in „Tod im Hafen“ auch nicht zum ersten Mal in der Form eines Kriminalromans präsentiert. Interessant ist aber die Herangehensweise von Robert B. Parker, der sich nur allmählich und – vor allem im ersten Drittel – behutsam der Thematik nähert, wobei er mittels einfachster Tricks und Kniffe, dem Leser die hedonistischen Ausschweifungen der Reichen vor Augen führt. Drogen, zügelloser Sex, Alkohol – im Rausch fällt die Fassade des Wohlstands zusammen, bricht sich ein Deck tiefer, unter dem blank gebohnerten Teakholz der Yachten, das Primitive und Dreckige des Menschen Bahn. Probleme und Widrigkeiten – unter den Oberen Zehntausend werden sie in Cocktails ertränkt, menschliche Schicksale mit starren, facegelifteten Masken weggelächelt, wodurch Jesse Stone wiederum auf eine Mauer des Schweigens stößt, die, vor allem was die sexuellen Ausschweifungen angeht, zunehmend seinen inneren Friedens stört, da etwas in ihm davon nicht unbehelligt bleibt. Er selbst hegt zunehmend unkeusche Gedanken gegenüber Jenn, kann die Eifersucht nicht abschütteln – macht ihn das den Teilnehmern dieser orgiastischen Veranstaltungen ähnlich? Antworten auf diese Fragen sucht er, wie fast in jedem Band, bei seinem Psychotherapeuten Dix.

Auch aus diesem Grund schleppen sich vor allem anfangs seine Ermittlungen hin, was die ungeduldigen unter den Lesern hoffentlich nicht mit einem Abbruch der Lektüre quittieren werden, da „Tod im Hafen“ einem guten Wein gleichkommt, dem man die Zeit zum Atmen geben muss, um anschließend das „Aroma“ kosten zu können. Wobei Aroma in diesem Zusammenhang eher einen faden Beigeschmack bezeichnet, der sich unabwendbar die Kehle hinaufarbeitet, wenn uns Robert B. Parker mit jeder weiteren Seite mehr haarsträubenden Details aussetzt und sich aus dem reinen Mordfall schließlich eine dramaturgische Tragödie entwickelt, welche zunehmend auch familiäre Züge aufweist. In der Auseinandersetzung mit den haarsträubenden, ans Licht kommenden Details zeigt sich dann auch die Stärke dieses Romans, der, gleichsam dem Ablauf einer rauschenden Party, einen Bogen von ungehemmter Ausgelassenheit hin zum morgendlichen Kater schlägt – in diesem Fall verkörpert durch menschliche und moralische Abgründe, die selbst hartgesottene Leser wohl nicht kalt lassen dürften.

Selten, wirklich sehr selten, hat Robert B. Parker seinen emotionalen Schutzschild derart tief gesenkt, wie hier in „Tod im Hafen“. Obwohl auch der fünfte Band der Reihe von seinem kurz-knappen, schnoddrigen und vor allem schnörkellos-geschliffenen Stil dominiert wird, umgibt ihn doch eine gewisse, traurige Schwere, die an keiner Stelle künstliche Züge annimmt, sondern der abschließenden Auflösung des Falls auf gebührende, und vor allem ernsthafte Art und Weise, Rechnung trägt. Insbesondere das letzte Drittel beeindruckt und bedrückt gleichermaßen, erinnerte mich streckenweise gar an die Umtriebe in Bret Easton Ellis Kult-Roman „Unter Null“, der in einem ähnlich parasitären Umfeld spielt und dessen Protagonisten sich auf der „Lady Jane“ wohl auch gut aufgehoben fühlen würden.

Natürlich wäre ein Jesse Stone kein Jesse Stone, wenn uns Parker nicht auch hier ein paar flotte Sprüche und noch flottere Damen kredenzen würde. Die Anwältin Rita Fiore (bekannt aus der „Spenser“-Reihe – der in „Tod im Hafen“ nur als „Detektiv“ bezeichnet wird) und die Polizeibeamtin Kelly Cruz aus Fort Lauderdale, die vor Ort im Auftrag des Polizeichefs aus Paradise weiteren Spuren nachgeht, komplettieren die übliche Besetzung aus heißen Bräuten, die nun mal immer irgendwie Stones Nähe suchen – wie sich das für den smarten Cop alter Schule halt gehört. Dass diese Schilderungen sich nicht abnutzen, liegt dann nicht zuletzt auch an der unheimlich gelungenen Übersetzung von Bernd Gockel, der die auf Tempo frisierten, lässigen Dialoge samt Ironie, Zynismus und Sarkasmus über die gesamte Distanz äußerst stilsicher ins Deutsche überträgt. Gerade bei diesem Band, der sich an der Balance zwischen Coolness und Ernsthaftigkeit unbedingt messen lassen muss, sollte Gockels Wirken als entscheidend gewürdigt werden.

Tod im Hafen“ – das ist eben doch nicht einfach nur der x-te Band irgendeiner Krimi-Reihe, sondern ein erschreckend aktueller, unheimlich eindringlicher Augenöffner im Gewand des Spannungsromans, dessen stufenweise zu Tage tretende Enthüllungen ihn entdeckungs- und vor allem lesenswert machen. Gefangen im Mahlstrom von Dekadenz und Pomp liefern sowohl Parker als auch Jesse Stone ihre bis hierhin beste Leistung innerhalb der Serie ab.

Wertung: 89 von 100 Treffern

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  • Autor: Robert B. Parker
  • Titel: Tod im Hafen
  • Originaltitel: Sea Change
  • Übersetzer: Bernd Gockel
  • Verlag: Pendragon
  • Erschienen: 07.2014
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 328 Seiten
  • ISBN: 978-3865324160

+++ Der Vorschau-Ticker – Frühjahr/Herbst 2017 – Teil 5 +++

Der fünfte Vorschau-Ticker wirft den Blick auf zwei weitere Titel aus der Verlagsgruppe Random House sowie mehr Licht auf meine am meisten erwarteten Bücher aus dem Spannungsbereich des Suhrkamp Verlags. Das Wort Spannungsbereich sei betont, da ich am Schluss meiner Vorschau-Reihe nochmal explizit näher auf die verheißungsvollsten Kandidaten im Bereich der Belletristik bzw. modernen Unterhaltungsliteratur eingehen werde. Und soviel sei vorab verraten – das sind schon ein paar Romane dabei, die mir den Mund mindestens genauso wässrig machen, wie manch Krimi. Doch nun zu den heutigen Auserwählten:

Marlon James‘ mit dem „Man Booker Prize“ ausgezeichnetes Werk „Eine kurze Geschichte von sieben Morden“ scheint das (zweite) Highlight in diesem Halbjahresprogramm von Heyne Hardcore zu werden und wurde gleich von mehreren renommierten Übersetzern (u.a. Robert Brack) ins Deutsche übertragen. Das – sowie die stattliche Zahl von 864 Seiten – mag die Ursache für den ebenso stattlichen Preis von knapp 28 € sein. Eine inzwischen fast salonfähig gewordene Summe für gebundene Bücher, die ich allerdings im Fall von Heyne Hardcore gerne zu zahlen bereit bin. Vor allem, wenn es den vielen Vorschusslorbeeren gerecht wird. Die Vergangenheit zeigt jedoch auch hier, dass Markus Naegele und sein Team sehr, sehr oft ein gutes Gespür für große Literatur besitzen. In diesem Sinne, Markus: Fuck Yeah! Das wird gekauft.

Nach C. Bertelsmann („Die sieben Leben des Arthur Bowman„) und Ullstein („Fakire„) übernimmt nun der inzwischen auch auf Deutsch veröffentlichende Penguin Verlag den Autor Antonin Varenne. Und da es fast so scheint, als würde der „Country Noir“ derzeit ein höchst aktuelles Thema sein, kommt „Die Treibjagd“ zu einem passenden Zeitpunkt. Hinterwäldler, archaische Wildnis, verfeindete Clans und ein Umweltskandal – das klingt so, als könnte es in mein Beuteschema passen.

Weiter geht’s mit Suhrkamp, wo mit „Beton Rouge“ ein neuer Kiez-Krimi von Simone Buchholz erscheint, die ich schon seit ihren Jahren bei Knaur (nicht Piper, danke für die Korrektur) immer wieder von meinen Merkzetteln rauf unter runterschiebe, unschlüssig, ob ich es mit der Lektüre wagen soll oder nicht. Da zuletzt allerdings immer mehr aus der Krimi-Szene hier voll des Lobes sind, habe ich jetzt mal den Kauf vom neuen Titel fest eingeplant.

Der Klappentext von William Shaws „Der gute Mörder“ holt mich jetzt zwar nicht wirklich ab, doch aufgrund der positiven Erfahrungen mit seiner Trilogie über die Sixties (bisher ward nur der erste gelesen) kommt auch dieses Buch in die engere Auswahl. Und weil ich Bücher aus der Mörderperspektive auf unheimliche Art und Weise faszinierend finde – wenn es denn gut umgesetzt wird.

Louise Meys „Das Spiel mit der Angst“ war mal aus Verdacht hier in der Liste mit aufgenommen, ist die Autorin doch ein (für mich) ungeschriebenes Blatt. Doch das Thema Gewalt gegen Frauen ist ein heißes und kann, wenn richtig angepackt, durchaus zugkräftig im Spannungsroman verarbeitet werden. Hier wird es interessant sein zu sehen, wie geerdet der Plot daher kommt oder ob die Autorin einfach nur nach weiblicher Leserschaft fischt.

Und damit Feierabend für heute.

  • Marlon James – Eine kurze Geschichte von sieben Morden (Hardcover, März 2017 – Heyne Hardcore – 978-3453270879)
  • Inhalt: Jamaika, 1976: Sieben bewaffnete Männer dringen in das Haus des Reggae-Musikers Bob Marley ein und eröffnen das Feuer. Marleys Manager wirft sich schützend über ihn und erleidet dabei lebensgefährliche Verletzungen. Marleys Frau Rita wird ebenfalls schwer verwundet, er selbst bleibt mit leichteren Verletzungen an Armen und Brust zurück. Wer waren die Täter? Was waren ihre Motive? Ausgehend von dem Attentat und den Spekulationen, die sich darum ranken, entwirft Marlon James ein vielseitiges Stimmungsbild Jamaikas in den 70er und 80er Jahren voll Gewalt, politischer Willkür, Drogen und Intrigen, ausgestaltet bis ins kleinste Detail.
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(c) Heyne Hardcore

  • Antonin Varenne – Die Treibjagd (Taschenbuch, Juni 2017 – Penguin Verlag – 978-3328101567)
  • Inhalt: Zwei rivalisierende Familien kämpfen seit Generationen um die Herrschaft über ein gottverlassenes Nest im Massif Central. Die Courbiers und die Messenets führen ihre Provinzimperien mit harter Hand und unter rücksichtsloser Ausbeutung von Mensch und Natur. Rémi Parrot, der seit seiner Jugend entstellte Revierjäger, kämpft als einsamer Cowboy gegen die verkrusteten Clanstrukturen und um die Liebe der schönen Michèle Messenet. Als er einem Umweltskandal auf der Spur ist, beginnt eine mörderische Treibjagd durch düstere Wälder und unterirdische Tunnelsysteme. Fein gesponnener, archaischer Thriller um Schuld und Sühne vor der grandiosen Kulisse einer einstmals erhabenen Landschaft.
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(c) Penguin

  • Simone Buchholz – Beton Rouge (Broschiertes Taschenbuch, August 2017 – Suhrkamp Verlag – 978-3518467855)
  • Inhalt: Ein ungewöhnlich warmer Septembermorgen auf St. Pauli. Der Regen der letzten Nacht ist noch nicht verdunstet, und vor dem Gebäude eines großen Zeitschriftenverlags steht ein Käfig, darin der Chef der Personalabteilung. Nackt, bewusstlos und offensichtlich misshandelt. Drei Tage später steht der nächste Käfig vorm Verlag, diesmal liegt der Geschäftsführer drin. Riley und ihr neuer, undurchsichtiger Kollege Stepanovic glauben zunächst an einen Racheakt der Verlagsmitarbeiter – seit Jahren werden Leute entlassen, während sich die Führungskräfte dicke Boni in die Taschen stopfen. Als dann ans Licht kommt, dass alle drei Opfer nicht nur ihr Status, sondern auch eine mehr als zweifelhafte Vergangenheit verbindet, verschwindet der Vorstandsvorsitzende …
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(c) Suhrkamp

  • William Shaw – Der gute Mörder (Broschiertes Taschenbuch, Juli 2017 – Suhrkamp Verlag – 978-3895814402)
  • Inhalt: Der Police Sergeant und passionierte Vogelbeobachter William South hat zwei gute Gründe, wieso er nicht in einem Mordfall ermitteln will, der seinen Heimatort erschüttert. Die Zugvögel machen gerade Zwischenhalt an der Küste von Kent. Und er ist selbst ein Mörder. Souths Verbrechen liegt lange zurück und ist nie aufgedeckt worden, er war damals noch ein Kind und lebte in Nordirland. Doch nun scheint ihn die Vergangenheit einzuholen. Als ein Freund von South brutal ermordet aufgefunden wird, ist allzu schnell der Täter ausgemacht: Danny Fraser, ein Landstreicher, der sich anscheinend selbst gerichtet hat. South kennt ihn aus seiner Kindheit und glaubt nicht, dass er der Mörder war. Doch was hat Fraser überhaupt nach Kent verschlagen? An der Seite seiner neuen Vorgesetzten Alexandra Cupidi, einer gerade aus London zugezogenen alleinerziehenden Mutter, sucht South nach den wahren Hintergründen des Mordes. Stets erfüllt von der Angst, dass sein lange gehütetes Geheimnis gelüftet wird.
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(c) Suhrkamp

  • Louise Mey – Das Spiel mit der Angst (Taschenbuch, August 2017 – Suhrkamp Verlag – 978-3518467848)
  • Inhalt: Dueso, alleinerziehende Mutter und hartgesottene Kriminalpolizistin, hat es sich in den Kopf gesetzt, zusammen mit ihrem Ermittlerteam der Gewalt gegen Frauen in ihrer Stadt ein Ende zu setzen. Die völlig uneinsichtigen Täter, mit denen sie es zu tun bekommt, sind ihr mehr als zuwider. Doch plötzlich wird alles anders, als ein männliches Opfer auftaucht, das noch dazu aus Scham nicht über die Nacht des Verbrechens sprechen will. Bald darauf kommt es zu weiteren Überfällen auf Männer, und der Beginn einer unerhörten Gewaltserie stellt Dueso und ihren Freund und Kollegen Marco auf eine harte Probe: Sie müssen ihr bisheriges Ermittlungsschema über Bord werfen und sich in die Psyche der frauenfeindlichen Opfer begeben – und zwar sehr viel tiefer, als ihnen lieb ist.
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(c) Suhrkamp

 

Neues von Edition Phantasia

Es ist eine mitunter traurige Begleiterscheinung des Älterwerdens, dass man sich im Laufe seines Lebens über viele Dinge nicht mehr so freuen kann, vieles weit weniger zu schätzen weiß, als man es noch mit den strahlenden Augen eines Kindes getan hat. Weihnachten, Ostern – das sind in erster Linie beliebte Auszeiten zwischen dem stressigen Arbeitsalltag, die (begrenzte) Zeit für die eigene Familie mitbringen, an der man im schlechtesten Fall die letzten Wochen vorbeigelebt hat. Dennoch sorgt es bei den meisten von uns wohl nicht mehr für einen Ausbruch ungeduldiger Nervösität, das hübsch verpackte Geschenk aus dem Papier auszuwickeln, selbst wenn der Inhalt zuvor tatsächlich gewünscht war – was ja auch leider nicht immer zutrift. Und überhaupt: Gerade an solchen Tagen, sind einem die Liebsten inzwischen weit wichtiger, als der materialistische Pomp.

Was das mit Edition Phantasia zu tun hat? Ganz einfach:

Die Veröffentlichung eines Buches aus Joachim Körbers kleinem, aber unvergleichlich feinem Verlag ist für die Bibliomanen unter uns Viellesern genau DER Feiertag, wo das Kind in einem selbst noch mal zum Vorschein kommt und man schon in freudiger Erwartung die Bestellung abschickt, um die meist zügig zugestellte Buchsendung dann im Anschluss mit zitternden Händen und ins Gesicht gefrästem Grinsen auszupacken. Insbesondere dann, wenn es sich um eine der limitierten Vorzugsausgaben handelt, die, nur in kleiner Stückzahl gedruckt, sowohl außen als auch innen vor Hochwertigkeit nur so strotzen – und vor allem von der Liebe des Verlegers zum Medium Buch künden.

Edition Phantasia – das ist kein Zielhafen für die Freunde von eBook-Downloadern, Bücher-Grabbeltischen, Bestsellerlisten und Top-irgendwas-Titeln des Monats. Kein Hamburger für zwischendurch oder ein Wiener Schnitzel mit Pommes. Das was man hier auf den Teller bekommt, wurde so sorgfältig wie es nur geht zubereitet und will auch dementsprechend im Preis honoriert werden. Soll übersetzt heißen: Ein hervorragend gebundenes und gelettertes, vom Verleger selbst übersetztes Kleinod, das eben nur wenige ihr Eigen nennen dürfen – und das es, wenn einmal vergriffen, dann auch nicht nochmal in dieser Form geben wird.

Nun lässt sich darüber streiten, ob dieses Modell erfolgsorientiert oder gar zeitgemäß ist. Für einen Liebhaber des Buches wie mich sind dies beides keine Kriterien, weswegen ich auch genau deshalb auf die aktuelle Veröffentlichung von „Die geheimnsivolle Elfenbeinkugel des Wong Shing Li“ hinweise – dem inzwischen dritten Band von Harry Stephen Keeler im Hause Edition Phantasia.

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(c) Edition Phantasia

Spätestens jetzt sind sie dann vielleicht dem obigen Link gefolgt, haben das Cover betrachtet und im besten Fall noch vorher den Klappentext gelesen, bevor ihr Blick auf den Preis und die Kinnlade herunterfiel. Ja, 59 €. Für ein Buch. Mit „nur“ 350 Seiten. Wenn Sie jetzt so ticken wie die meisten, ist die „Unterhaltung“ an dieser Stelle bereits beendet. Wenn sie ganz böse sind, zweifeln sie vielleicht an meinem Verstand, warum ich für so ein „teures Buch“ unverhohlen Werbung mache. Und ich muss dann an dieser Stelle kapitulieren, weil ich sie – selbst mit meiner jahrelangen Erfahrung als Buchhändler – nicht vom Gegenteil überzeugen kann.

Vielleicht sind sie aber auch jemand, der sich „Der Herr der Ringe“ auch nochmal als ledergebundene Ausgabe in den Schrank gestellt hat, der immer noch voll Stolz auf die schon lange nicht mehr aktuelle Brockhaus-Sammlung schaut oder sich lediglich grundsätzlich den Stephen King im Hardcover holt. Vielleicht erkennen sie die Arbeit hinter der Fertigstellung dieses Buches, haben Joachim Körbers pointierte Übersetzungen bereits andernorts genießen können oder konnten sich bereits mal im persönlichen Gespräch vom ungebrochenen Enthusiasmus dieses Verleger-Urgesteins überzeugen. Vielleicht sehen sie dann, warum diese 59 € äußerst gut angelegt sind und verstehen, warum ich mir (kurz vor Ende des Geld… äh … Monats) dieses tolle Buch ins Regal geholt habe.

Eine weitere Gruppe habe ich damit außen vor gelassen. Nämlich diejenigen, welche schlicht der Inhalt nicht anspricht und mit einer solchen Handlung weniger anfangen können. Diese verweise ich gerne auf die im Mai letzten Jahres gestartete Klassiker-Bibliothek, die in nicht allzu ferner Zeit weiter anwachsen wird und selbst das Potenzial zum Literatur-Klassiker hat. Und deshalb – weil ich Joachim Körber versprochen habe, nichts zu verraten – an dieser Stelle ohne zu spoilern: Hier haben wir definitv das Beste noch vor uns!

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Macht sich gut im Regal.

 

+++ Der Vorschau-Ticker – Frühjahr/Herbst 2017 – Teil 4 +++

Stillstand ist bekanntlich Rückschritt und deswegen „Feuer frei!“ für den vierten Teil meines persönlichen Vorschau-Tickers, der sich mit der ersten Hälfte meiner heiß erwarteten Random-House-Titel befasst und gleich mehrere Titel beinhaltet, die es ganz sicher in mein Regal schaffen werden.

Auf Ian Rankins „Ein kalter Ort zum Sterben“ freue ich mich besonders. Der ein oder andere wird es schon zwischen den Zeilen gelesen oder auch von mir gewusst haben – der Edinburgher Autor ist neben James Lee Burke und dem großen Sir Arthur Conan Doyle mein unangefochtener Lieblingsautor im Spannungsbereich. Und die Serie über den kauzig-schroffen John Rebus liegt mir unheimlich am Herzen. Hoffe da bei jedem neuen Fall, dass es nicht der letzte ist. Eine Krimi-Welt ohne Rebus, Siobhan oder Big „Ger“ Cafferty möchte ich mir gar nicht vorstellen. Wer die Serie noch nicht kennt, dem sei als Quereinstieg „Das Souvenir des Mörders“ empfohlen, das Ende März neu aufgelegt wird. Der aktuelle Titel (Nr. 21 der Reihe) könnte zwar durchaus auf demselben Level unterhalten – es ist meines Erachtens hier aber immer schade, wenn man als Neuling die ganzen Querweise und Anspielungen auf die Geschehnisse früherer Bände überliest.

Im Bereich des „True Crime“ erscheint im April bei btb der verheißungsvolle Titel „Das Verbrechen„, welcher sich mit der Mordserie an einem Indianer-Stamm in den 20er Jahren beschäftigt – einer der ersten großen Fälle des FBI. Setting, zeitlicher Kontext sowie die Umstände der Morde. All das klingt durchweg interessant und lesenswert. Und seit Capotes „Kaltblütig“ habe ich an (guter) „True-Crime“-Literatur ohnehin einen Narren gefressen. Ein Buch, das ich mir definitiv holen werde.

Der Komplettist in mir wird wohl auch zu „Das Böse vergisst nicht“ greifen, dem Abschluss von Roberto Costantinis Trilogie, von der ich bisher nur Band eins (mit Wonne) gelesen habe. Fraglich aber, ob ich nicht – wie bei Band zwei, der zeitgleich mit dem HC des dritten Bands erscheint – auf das Taschenbuch warten werde. Das Libyen von 2011 ist jedenfalls mal ein Schauplatz, der mir im Krimi so nicht begegnet ist. Bin gespannt, was Constantini aus der Ausgangslage gemacht hat.

Luca D’Andreas „Der Tod so kalt“ wird in der Vorschau ja ausgiebig mit Lobeshymnen überschüttet, die, wenn man daran glaubt, das Buch als nächsten großen Ausnahme-Krimi preisen, an dem zudem gleich mehrere deutsche Verlage Interesse gehabt haben sollen. Für mich hat so ein Vorab-Gepreise immer ein gewisses Geschmäckle, wenngleich ich nicht verhehlen kann, dass mich der Klappentext durchaus anspricht. Klingt nach einer Lektüre im Stil von Thomas Willmanns „Das finstere Tal„. Und wenn es ähnlich gut wird, hat sich ein Kauf mit Sicherheit rentiert. Wird also nach jetzigem Stand den Weg in mein Regal finden.

Ob das für Bracken MacLeods „Im finsteren Eis“ gilt, ist eher unsicher. Der Titel fällt in die Kategorie der Bücher, die ich vielleicht mitnehme, wenn ich sie irgendwo ausliegen sehe, zumal das Rezept hier wohl 1:1 bei „Terror“ abgeguckt wurde. Zumindest klingt die Beschreibung doch arg ähnlich. Vielleicht greife ich jedoch auch erst zu „Mountain Home„, welches bereits vor einiger Zeit bei Festa erschienen ist und von (Ex-)Kollege Michael Drewniok auf der Krimi-Couch äußerst wohlwollend bewertet worden ist.

Irgendetwas für euch dabei?

  • Ian Rankin – Ein kalter Ort zum Sterben (Hardcover, März 2017 – Goldmann Verlag – 978-3442314614)
  • Inhalt: Bei einem romantischen Dinner im Caledonian Hotel erinnert sich Rebus an einen Mord, der fast vierzig Jahre zuvor dort stattgefunden hat: Eine junge lebenslustige Bankiersgattin wollte in dem Luxushotel einen Liebhaber empfangen – am nächsten Morgen wurde sie tot aufgefunden. Die Verdächtigen kamen aus den besten Kreisen, der Täter wurde nie gefasst. Ein Skandal, der Rebus nicht loslässt. Während er sich in den alten Akten vergräbt, gerät das kriminelle Machtgefüge in Edinburgh gefährlich ins Wanken: Darryl Christie, einer der Hauptakteure, wird überfallen und halb totgeschlagen; eine Ermittlung wegen Geldwäsche bringt ihn zusätzlich in Bedrängnis. Es sieht so aus, als würde Ex-Gangsterboss Big „Ger“ Cafferty im Hintergrund die Fäden ziehen. Eine Entwicklung, die Rebus gar nicht recht sein kann. Zumal die erste Leiche im tödlichen Revierkampf von Schottlands Unterwelt nicht lange auf sich warten lässt …
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(c) Goldmann

  • David Grann – Das Versprechen (Hardcover, April 2017 – btb Verlag – 978-3442757268)
  • Inhalt: In den 1920ern hatten nicht die Bewohner von New York oder Paris das höchste Pro-Kopf-Einkommen: die reichsten Menschen der Welt waren die Osage-Indianer im amerikanischen Bundesstaat Oklahoma. Das karge Land, das ihnen als Reservat zugewiesen worden war, barg gigantische Ölvorkommen, die ihnen ein Leben in ungeahntem Luxus ermöglichten. Doch der Reichtum brachte den Osage kein Glück: Eine mysteriöse Serie von Morden nahm ihren Anfang, der schließlich mehr als 300 Stammesmitglieder zum Opfer fallen sollten – sie wurden vergiftet, erschlagen oder erschossen. Die Osage-Morde wurden zum ersten großen Fall für das noch junge FBI. Doch Korruption und Geldgier hatten auch hier bereits Einzug gehalten. Erst einer Gruppe von Undercover-Agenten gelingt es schließlich, diese wohl finsterste und spektakulärste Mordserie in der Geschichte der USA aufzuklären.
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(c) btb

  • Roberto Costantini – Das Böse vergisst nicht (Hardcover, April 2017 – C. Bertelsmann – 978-3570102572)
  • Inhalt: Sommer 2011: Während in Libyen Bürgerkrieg herrscht, treffen sich in Rom auf einem Luxusschiff internationale Wirtschaftsbosse zu Geheimverhandlungen über den Mittleren Osten. Am nächsten Tag werden eine junge Hostess, die auf dem Schiff arbeitete, und ihre kleine Tochter ermordet aufgefunden. Commissario Balistreri, desillusionierter Chef der Mordkommission, trifft bei den Ermittlungen bald auf alte Bekannte aus seiner libyschen Kindheit, die er in den letzten Winkel seines Bewusstseins verdammt hatte. Durch die Ermittlungen wird er gezwungen, in das von Bomben zerstörte Libyen zurückzukehren und seinem früheren Ich und einer unerträglichen Wahrheiten ins Auge zu sehen …
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(c) C. Bertelsmann

  • Luca D’Andrea – Der Tod so kalt (Broschiertes Taschenbuch, März 2017 – DVA Verlag – 978-3421047595)
  • Inhalt: Südtirol, 1985. Tagelang wütet ein gewaltiges Gewitter über der Bletterbach-Schlucht. Drei junge Einheimische aus dem nahegelegenen Siebenhoch kehren von einer Wanderung nicht zurück – schließlich findet ein Suchtrupp ihre Leichen, aufs Brutalste entstellt. Den Täter vermutet man im Bekanntenkreis, doch das Dorf hüllt sich in eisiges Schweigen. Dreißig Jahre später beginnt ein Fremder unangenehme Fragen zu stellen. Jeder warnt ihn vor den Konsequenzen, allen voran sein Schwiegervater, der die Toten damals gefunden hat. Doch Jeremiah Salinger, der seiner Frau in ihr Heimatdorf gefolgt ist, lässt nicht locker – und wird schon bald seine Neugier bereuen. Ein Fluch scheint alle zu verfolgen, die sich mit den Morden beschäftigen. Ist dort unten am Bletterbach etwas Furchtbares wieder erwacht? Etwas, so uralt wie die Erde selbst …
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(c) DVA

  • Bracken MacLeod – Im finsteren Eis (Taschenbuch, September 2017 – Heyne Verlag – 978-3453438903)
  • Inhalt: Als sich die Crew des Versorgungsschiffes Arctic Promise plötzlich im Zentrum eines Orkans findet, ahnen die von Wind und Wetter gehärteten Männer nicht, dass dies erst der Beginn ihrer Irrfahrt ist. Vom rücksichtslosen Kapitän immer weiter in die schwarze, eisige See getrieben, läuft das Schiff in einer gigantischen Eisscholle auf. In Kälte und Dunkelheit eingeschlossen, bricht eine seltsame Krankheit unter den Männern aus. Doch sie sind nicht alleine. In der Ferne sind die Umrisse eines zweiten Schiffes zu sehen. Dunkel, bedrohlich … In ihrer Verzweiflung machen sich die Überlebenden auf, um nach Rettung zu suchen. Sie ahnen nicht, dass in dem Schiff bereits etwas haust … etwas Böses …
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(c) Heyne

 

By any means necessary

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„Don’t judge a book by it’s cover“ – Diese, inzwischen auch bei vielen deutschen Lesern, sehr geläufige englische Redewendung, besitzt natürlich durchaus eine gewisse Weisheit, wird von mir jedoch allenthalben immer wieder ausgehebelt bzw. ignoriert, wenn eine von Nebel überzogene Gaslichtlaterne, ein chromverzierter Oldtimer oder ein Mann mit Schlapphut und Mantel den Buchdeckel eines potentiell interessanten Buches ziert. Und da ist es oftmals dann tatsächlich gleich, ob es sich dabei um einen Kriminalroman oder einen Titel aus dem Bereich der Belletristik handelt.

Die Musik, die Literatur, die Filme, das gesellschaftliche Leben – irgendwie habe ich einen Narren an den Jahren zwischen den 20ern bis 60ern gefressen, liebe die „Noir“-Filme aus dieser Zeit genauso, wie ich mich an Wallace‘ „Hexer“ oder Rutherfurds „Marple“-Verkörperungen freuen kann. Ob die von Schatten durchsetzten Straßen Chicagos, wo Gangster, Femme Fatales und Private-Eyes ihre doppelten Spiele treiben oder das einsame Cottage in den englischen Cotswolds, in dem der kultivierte Meisterdetektiv vor allen Verdächtigen die Auflösung vollzieht – es ist wohl der Look, der mich all diese Geschichten so lieben lässt. Und dies ist auch der Grund, warum Paul Liebermans Sachbuch „Gangster Squad“ in mein Regal wandern musste, in dem der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Journalist die wahre Geschichte einer geheimen Polizeieinheit des LAPD dokumentiert, der jedes Mittel recht war, um Mickey Cohen und andere Mafiosi aus dem Los Angeles der Nachkriegsjahre zu vertreiben.

Der Hannibal-Verlag, bei dem „Gangster Squad“2013  auf Deutsch erschienen (und mittlerweile schon wieder vergriffen) ist, lässt schon bei der Aufmachung nichts unversucht, um die Tatsache zu unterstreichen, dass es sich bei Liebermans Werk um die Vorlage zum gleichnamigen Film handelt, in dem u.a. so gefragte Schauspielgrößen wie Sean Penn, Josh Brolin, Ryan Gosling und Nick Nolte ihr Stelldichein geben. „Das Buch zum Kinofilm“ prangt auf dem Titelbild. Eine Aussage, welche zwar nicht falsch ist, beim etwaigen Leser aber zumindest andere Erwartungen wecken dürfte, hat doch Liebermans akribische Recherche über die „Gangster Squad“ nur wenig mit dem Hollywood-Action-Feuerwerk auf der Leinwand gemeinsam. Bis auf eine Tatsache: Sowohl Buch auch als Film, schüren Hoffnungen, die letztlich nicht erfüllt werden können, was bei beiden allerdings nicht an der Thematik, sondern an der schlussendlichen Umsetzung liegt, wodurch weder die Warner Brothers Produktion ein richtiger „Blockbuster“ war, noch man im Zusammenhang mit Liebermans Tatsachenbericht solche Worte wie „rasant“, „packend“ oder gar „spannend“ in den Mund nehmen kann.

Bevor nun die wohlwollenden Kritiker über mich herfallen und argumentieren, dass man von „True Crime“ nicht die Suspense eines Kriminalromans erwarten darf, sei ihnen vorab gesagt: Hinsichtlich dessen hatte ich, auch nach den Erfahrungen mit Werken wie David Simons „Homicide“, tatsächlich keinerlei große Ansprüche gestellt, da oftmals allein die Menge an Informationen und ihre Aufarbeitung das Zustandekommen eines zusätzlichen Spannungsbogens zu einer Herkulesaufgabe macht. Nein, der Punkt der bitter aufstößt ist schlichtweg die stilistische Umsetzung, die literarische Auswertung dieses riesigen Berges von Interviews, die Lieberman mit den Polizisten selbst sowie mit Familienmitgliedern und Bekannten der von den Cops verfolgten Mafiosi und Ganoven geführt hat. Fast scheint es so, als wäre da alles eins zu eins von den Notizen ins endgültige Skript übertragen worden, hätte es an keiner Stelle so etwas wie eine Auslese gegeben bzw. ein Lektor mal Einhalt geboten. Selbst das kleinste, für Leser wie auch Thema unwichtige Detail, wird hier nicht außen vor gelassen, was im Zusammenspiel mit der fehlenden Kontinuität und Kohärenz zwischen den einzelnen Kapiteln dafür sorgt, dass man „Gangster Squad“ oft nur äußerst schwer und dann auch nicht selten unwillig folgen kann.

In vielen Passagen liest sich das Buch dann auch mehr wie eine Anthologie aus kleineren Anekdoten, deren chronologische Anordnung zugleich der Willkürlichkeit preisgegeben ist, weshalb nicht immer klar wird, in welchem Zeitraum sich das nun gerade Beschriebene zugetragen hat. Im Mittelpunkt stehen dabei, neben Gangster Mickey Cohen, vor allem die Seregeants John O’Mara und Jerry Wooters, sowie die Mitglieder des Whalen-Clans, deren Werdegang besonders am Anfang von Liebermans Ausführungen der Bezug zur Unterwelt L.A.s etwas fehlt, was sich dann erst mit der schicksalsträchtigen Nacht im Dezember 1959 ändert. Die tödliche Auseinandersetzung zwischen Jack Whalen und Mickey Cohen im Rondelli’s zählt nicht nur zu den kurzweiligeren Geschichten des Buches, sondern darf rückblickend auch als Ende einer blutigen Ära verstanden werden, in der lange Jahre noch das Recht des Stärkeren galt.

Es sind gerade solche Passagen, die andeuten wie viel besser das Werk mit einem anderen Autor hätte werden können, da sich gerade das Los Angeles des frühen 20. Jahrhunderts einem Wandel unterworfen sah, der die Stadt der Engel bis heute prägt. Von einer Metropole der Zuwanderer und Glücksritter zum Mekka des Entertainments, das bereits während des Zweiten Weltkriegs einen Bevölkerungszuwachs erfuhr, an dem nicht nur der legale Industriesektor mitverdiente, sondern eben auch Gangster wie Bugsy Siegel und Mickey Cohen. In einer Stadt, dessen Polizei in Aufbau und Personenstärke noch in den Kinderfüßen steckte, bauten sie sich vor allem im Sektor des Glücksspiels schnell ein Imperium auf, das ihren östlichen Gegenspielern in Chicago und New York in Nichts nachstand. Die Gründung der Gangster Squad ist als Antwort darauf zu verstehen und damit auch von essenzieller Bedeutung für das Bild des L.A.s der Jetztzeit, weswegen der Informationsaspekt des Buches, trotz stilistischer Schlaglöcher, ebenfalls – und trotz oftmals unnötigem Ballast auch in positiver Hinsicht – Erwähnung finden muss.

Gerade diejenigen Leser, die sich für professionelle Polizeiarbeit interessieren, dürften an diesem Buch deshalb ihre Freude haben, da gerade die Gangster Squad wesentlich zur Modernisierung veralteter Ermittlungsmethoden beigetragen hat. Anfangs gänzlich auf sich allein gestellt und schlecht ausgestattet, konnten Jack O’Mara und seine Kollegen schon recht bald auf ein beachtliches Arsenal zurückgreifen, das sie zudem nach eigenem Gutdünken einsetzen durften. Angeführt vom brillanten Con Keeler, leistete die Squad insbesondere in der elektronischen Überwachung und dem Einsatz von Wanzen grundlegende Pionierarbeit, was selbst vom mächtigen FBI unter Hoover neidvoll verfolgt wurde. In einer Zeit, wo diese Bundesbehörde noch die Existenz einer organisierten Mafia in den USA verleugnete, führten O’Mara, Wooters und seine Kollegen eventuelle Verdächtige in die Berge Hollywoods, um, notfalls auch mit Fäusten, Informationen über die Verflechtungen zwischen den Gangstern zu gewinnen und der eingeschüchterten Quelle dann einen Rückzug aus L.A. nahezulegen. Es ist diese Tätigkeit am Rande des Gesetzes, aus der auch „Gangster Squad“ am Ende seinen Reiz bezieht, wenngleich man das Gefühl nicht los wird, das ein Schriftsteller vom Kaliber eines James Ellroy aus all den Elementen wohl noch weit Besseres zustande gebracht hätte.

Insgesamt ist Paul Liebermans „Gangster Squad“ dennoch ein unheimlich informatives und sicher auch wichtiges Buch für Freunde des „True-Crime“-Genres, denen der umfassend recherchierte Inhalt vor der kurzweiligen Unterhaltung geht.

Wertung: 85 von 100 Treffern

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  • Autor: Paul Lieberman
  • Titel: Heimlich
  • Originaltitel: Gangster Squad
  • Übersetzer: Alan Tepper
  • Verlag: Hannibal
  • Erschienen: 01.2013
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 496 Seiten
  • ISBN: 978-3854454052

+++ Der Vorschau-Ticker – Frühjahr/Herbst 2017 – Teil 3 +++

Ganz in weiß kommen die nächsten fünf Titel meines dritten Vorschau-Tickers daher, was tatsächlich mehr Zufall denn gewollte Absicht ist und zudem wohl im starken Kontrast zum Inhalt der Bücher stehen dürfte, welche sich eher dem Reich der dunklen, seelischen Abgründe, dem „Noir“, zugehörig fühlen. Hier hat sich in den letzten Jahren insbesondere der Polar Verlag mit bärenstarken Autoren wie Benjamin Whitmer, Newton Thornburg, Gene Kerrigan oder Ben Atkins hervorgetan und seine ganz eigene Nische erarbeitet, was nicht nur mit der eingängigen Cover-Gestaltung, sondern vor allem am feinen Gespür des Teams rund um Verlagsleiter Wolfgang Franßen zusammenhängt. Und diesem traue ich auch diesmal blind, weshalb es gleich alle vier Titel aus der aktuellen Vorschau in meine persönliche Auswahl geschafft haben. Komplettiert wird das Ganze durch einen eher zufällig entdeckten und neugierig machenden Roman vom Verbrecher Verlag. Ein Verlag, der- obwohl es ihn bereits seit 1995 gibt – bis dato eher unter meinem Radar geflogen ist. Nun aber schnell zu den fünf Auserwählten:

Den Anfang – zumindest in meiner Auflistung – macht „Libreville“ von Janis Otsiemi, mit dem die Krimi-Szene in Deutschland um einen weiteren schwarzafrikanischen Krimi-Autor bereichert wird. Der gebürtige Gabuner wird aller Voraussicht nach 2017 Gast auf der Leipziger Buchmesse sein, wodurch sich vielleicht dem ein oder anderen die Gelegenheit bietet, mehr über die Hintergründe der Entstehung seines Polizeiromas zur erfahren, der sich augenscheinlich an den großen, klassischen Vorbildern orientiert. So heißt u.a. einer seiner Titel im Original „African Tabloid„. Afrikanisches Flair, eingebettet im „Noir“ sowie zwei Polizisten im Kampf gegen Machtmissbrauch und Korruption. Und das auf gerade mal 170 Seiten. Shut up and take my money!

Das gilt natürlich genauso für den dritten Band mit Detective Sergeant Brant, der passenderweise dann auch wie sein Protagonist heißt und unter dem Titel „Blitz“ mit Jason Statham in der Hauptrolle bereits verfilmt worden ist. Zu Ken Bruen muss ich hoffentlich nichts mehr sagen, wenngleich ich gerne Jochen Königs kürzlich an mich gerichtete Worte wiederhole: „Die Bruens im Polar Verlag sind meines Erachten die Besten.“ Im April können wir uns, jetzt schon zum dritten Mal, selber davon überzeugen.

Paris, Stadt der Liebe. „Von wegen“, scheint sich Wolfgang Franßen zu denken und schickt uns mit „So kam die Nacht“ erneut in das düstere Gewirr der Metropole, wo Nathalie, Kriegsflüchtling und verroht durch die Geschehnisse in Tschetschenien, mit blindem Gehorsam Jagd auf zwei ehemalige Studenten macht, die dem leicht verdienten Geld verfallen sind und dieses nun als Dealer verdienen. Klingt explosiv, klingt anders, klingt wirklich gut.

Benjamin Whitmer zweiter bei Polar erscheinender Titel „Im Westen nichts“ fällt augenscheinlich erneut in die Kategorie „Country Noir“ und dadurch bei Erscheinen mir wohl auch direkt in die Hände. Appalachen, Winter, skrupellose Gesetzeshüter, Wildnis – Sie haben die richtigen Knöpfe gedrückt, Herr Franßen. Interesse ist da, Buch wird gekauft.

Ob das am Tag der Veröffentlichung auch für „Über uns der Schaum“ gilt, weiß ich noch nicht. Fakt ist aber: Die Beschreibung klingt sehr verheißungsvoll, die Mischung aus „Noir“ und surrealer Welt könnte, mit dem richtigen Autor an der Feder, durchaus für Furore sorgen. Otremba ist allerdings für mich noch ein unbeschriebens Blatt, weswegen ich da etwas hadere.

Was könnte euch hier zum Griff in den Geldbeutel bewegen?

  • Janis Otsiemi – Libreville (Broschiertes Taschenbuch, März 2017 – Polar Verlag – 978-3945133439)
  • Inhalt: Ein Jahr vor den Wahlen wird Roger Missang, Journalist der Èchos du sud, am Strand von Libreville nahe dem Palast des Präsidenten der Republik mit durchgeschnittener Kehle aufgefunden. Er hat kritisch über die Ermordung von Pacel Kurka, dem Sicherheitschef der gabunischen Verteidigung, berichtet. Wegen seiner kritischen Untersuchungen über die heimlichen wirtschaftlichen Beziehun­gen in Ghana war er den Mächtigen des Landes ein Dorn im Auge. Er prangerte hemmungslos die Korruption an. Für die Presse ist sein Tod offensichtlich ein politischer Mord. Mit den Ermittlungen im Mordfall werden Pierre Koumba Owoula und Hervé Louis Boukinda Envame beauftragt, zwei Polizisten, die ohne die bei uns übliche DNA-Analyse und Forensik auskommen müssen. Sie sind auf Zeugenaussagen und Informanten angewiesen. Die technische Ausrüstung ihrer Einheit beschränkt sich auf eine Schreibmaschine aus der de-Gaulle-Zeit.
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  • Ken Bruen – Brant (Broschiertes Taschenbuch, April 2017 – Polar Verlag – 978-3945133453)
  • Inhalt: Nachdem Detective Sergeant Brant sich erst vor kurzem über alle Regeln hinweggesetzt und in einer Billardkneipe einen Randalierer bewusstlos geschlagen hat, wird eine junge Polizistin auf der Straße von einem Unbekannten erschossen. Der Sensationsreporter Harold Dunlop, der sich in seinen Artikeln besonders um den Rufmord von Brant hervorgetan hat, erhält von dem Polizistenmörder einen Anruf, bei dem der Mörder ankündigt, er wolle insgesamt acht weitere Polizisten töten. Kurz danach erschießt er einen Polizisten in seinem Dienstfahrzeug. Zusammen mit Detective Inspector Porter Nash wird ein Ermittlerteam gebildet, das den Cop-Killer so schnell wie möglich fassen soll. Was, wenn jedoch der Täter gefasst und wieder freigelassen wird? Sollte man den Mörder davonkommen lassen? Weil man sich ans Gesetz hält? Detective Sergeant Brant hat da seine eigenen Methoden.
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  • Estelle Surbranche – So kam die Nacht (Broschiertes Taschenbuch, Mai 2017 – Polar Verlag – 978-3945133477)
  • Inhalt: Zwei befreundete Jurastudenten aus Paris finden beim Surfen in Biarritz eine große Menge reinen Kokains. Zurück in Paris werden die bis dahin unauffälligen Studenten zu Dealern und zu gern gesehenen Gästen auf Partys der Pariser Jeunesse dorée. Während Matthieu versucht, dem Drogenkonsum und exzessiven Partyleben zu entfliehen und sein Studium wieder aufzunehmen, macht Romain unter dem Einfluss des Kokses eine Persönlichkeitswandlung durch, die den immer im Schatten seines gutaussehenden Freundes stehenden, blassen Typen zum skrupellosen und brutalen Dealer werden lässt. Längst hat sich die Auftragskillerin Nathalie an ihre Fersen geheftet. Sie hat als Teenager im Krieg nicht nur ihre Eltern, sondern nach Erfahrungen extremer Gewalt jeglichen Glauben an so etwas wie Humanität verloren. Ihr einziger Halt ist der bedingungslose Gehorsam, mit dem sie ihrem Auftraggeber, einem Drogenboss dient.
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  • Benjamin Whitmer – Im Westen nichts (Broschiertes Taschenbuch, Juni 2017 – Polar Verlag – 978-3945133491)
  • Inhalt: Gerade noch war Douglas Pike, ehemals gewalttätiger Berufsverbrecher, auf dem Weg der Resozialisierung im eisigen Abstellgleis der gottverlassenen Appalachen, da holt ihn die Nachricht ein, dass seine ihm entfremdete Tochter an einer Überdosis gestorben sein soll. Ihr einziges Vermächtnis ein 12 Jahre altes Mädchen, das ausgerechnet in Pikes Obhut landet. Dabei hat er alle Hände voll damit zu tun, sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und mit hartem Suff die Dämonen vom Leib zu halten. Als die beiden langsam zueinanderfinden, kommt ihnen Derrick Kreiger, ein krummer Bulle aus Cincinnati, in die Quere, sodass Pike kein anderer Ausweg bleibt, als selbst herauszufinden, wer seine Tochter wirklich auf dem Gewissen hat. Dass er sich dabei mit Gott, der Welt, mit skrupellosen Gesetzeshütern und dem erbarmungslosen Winter Ohios anlegt, führt zu einer blutigen Suche in einer Vergangenheit, die ihn unausweichlich einholt.
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  • Hendrik Otremba – Über uns der Schaum (Hardcover, März 2017 – Verbrecher Verlag – 978-3957322340)
  • Inhalt: Der drogenabhängige Detektiv Joseph Weynberg trauert um seine Liebe – Hedy. Sie ist tot. Er bekommt den Auftrag, eine Frau, Maude Anandin, zu beschatten. Diese Femme Fatale ähnelt Hedy wie ein Klon. Weynberg entwickelt eine Obsession für Maude, die in Schwierigkeiten steckt und in ihrem exzessiven Leben dem Tod immer näher kommt. Menschen sterben. Weynberg ist unbeabsichtigt in diese Tode verstrickt. Maude und Weynberg müssen aus ihrer namenlosen Heimatstadt fliehen, die sie noch nie zuvor verlassen haben. Sie wollen nach Neu-Qingdao, ein Ort, von dem sie sich Zuflucht und Perspektive versprechen. In einer von Menschen verlassenen Welt finden sie Schönheit, stolpern in surreale Szenarien, die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmt. Doch die Flucht fordert ihren Tribut. Sie werden schwächer, ihre Lage hoffnungsloser, schließlich aber erreichen sie mit letzter Kraft die verheißungsvolle Stadt.
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