Wenn die Dinge aus dem Lot kommen …

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© Heyne

Nein, die größte Strahlkraft besitzt Stephen Kings 1980 erschienener Roman heute nicht mehr. Und auch an die – meines Erachtens eher missratene – Verfilmung mit der jungen Drew Barrymore, welche vier Jahre später auf die Leinwand gebracht wurde, erinnern sich wohl nur noch die ganz enthusiastischen Anhänger des „Grand Master of Horror“.

In beiden Fällen mag dies daran liegen, dass der Plot vergleichsweise schlecht gealtert ist bzw. seine Sogkraft aus Themen zieht (Telekinese, halluzogene Mittel, Mutationen und Verschwörungstheorien), die bei Veröffentlichung von „Feuerkind“ voll im Trend lagen, heute aber nur noch die wenigsten Leser hinter dem Ofen hervorlocken, da sie in der Zwischenzeit bereits viel zu oft in verschiedensten Medien behandelt worden sind. Grund genug also, dieses Werk links liegen zu lassen und zu überspringen?

Das hängt vor allem von der Erwartungshaltung mit der man die Lektüre herangeht ab, denn nach klassischen Horror- und Gruselgeschichten wie „Brennen muss Salem“ oder „Shining“ sowie einem Endzeit-Szenario („The Stand“) deutete bereits „Dead Zone“ an, dass King das literarische Spiel mit unserer Angst weit komplexer definiert, als man es vom reinen Horror-Genre bis dato gewöhnt war. Wie schon zuvor Algernon Blackwood dient das Übersinnliche oder Übernatürliche lediglich als Fundament, um darauf eine Handlung aufzubauen, der man – auch wenn das viele seiner Kritiken nicht gerne hören bzw. wahrhaben wollen – so auch in der modernen Unterhaltungsliteratur begegnen könnte. Es ist nun also die Frage, ob einem als King-Leser einzig und allein der „magische Effekt“ interessiert oder auch die Bühne, auf der dieser aufgeführt wird. Ist Letzteres der Fall, so vermag auch das etwas antiquierte „Feuerkind“ zu unterhalten, da es, wie zuvor schon „Carrie“ (und später „Es“ und andere Werke), eine „Coming-of-Age“-Geschichte erzählt, welche eben trotz der aus heutiger Sicht kruden Begleitumstände nichtsdestotrotz auf gefühlsmäßiger Ebene genau ins Schwarze trifft.

Und nun kurz zum Inhalt: Geld ist etwas, das man als Student in den späten 60er Jahren genauso gut gebrauchen konnte wie heute. Und Andy McGee und Vicky Tomlinson glauben sich dies besonders leicht verdienen zu können, als sie sich am 6. Mai 1969 als Freiwillige für ein (vermeintlich) harmloses wissenschaftliches Experiment zur Verfügung stellen. Doch in dem Moment wo ihnen die neuartige Substanz Lot 6 verabreicht wird, ändert sich ihr ganzes Leben. Andy erlebt hautnah mit, wie einige der Probanden ihren Verstand verlieren und kann urplötzlich eine geistige Verbindung zu seinem behandelnden Arzt herstellen. Der ist in Wirklichkeit ein Mörder und Vergewaltiger, welcher für eine geheime Organisation namens „Die Firma“ arbeitet, die mittels der Tests herausfinden will, ob Drogen paranormale Fähigkeiten bei Menschen wecken können. Während sich der Patient neben ihm vor Wahn die Augen mit bloßen Händen aus dem Kopf reißt, erfasst Andy das ganze Ausmaß des Komplotts. Nach dem er in seinem Bett aufgewacht ist, flieht er gemeinsam mit Vicky – nicht wissend, dass die Firma sie die nächsten Jahre in den Augen behalten wird.

Für eine lange Zeit kehrt fast so etwas wie Normalität im Leben der beiden ein, die mittlerweile geheiratet und eine gemeinsame Tochter bekommen haben. Charlie hat jedoch nicht nur die kinetische Begabung ihrer Eltern geerbt, sondern kann sogar Kraft ihrer Gedanken Feuer entfachen. Mehr noch: Gerät ihre Fähigkeit außer Kontrolle, birgt sie das Potenzial den ganzen Planeten zu vernichten. Eine Gefahr, die drohend über dem Glück der Familie schwebt. Als die „Firma“ von der Stärke ihrer Begabung erfährt, macht sie Jagd auf die McGees. Und für Vater und Tochter beginnt die Flucht und der Kampf uns Überleben …

… und für den Leser damit die Lektüre, denn anders als bei den meisten anderen Büchern aus Stephen Kings Feder, verzichtet er hier auf eine längere Einführung, sondern schmeißt uns direkt ins Getümmel der Metropole New York, aus der Andy McGee und Charlie entfliehen wollen. Dicht gefolgt von den Agenten der „Firma“, die erst kurz zuvor Charlies Mutter auf brutale Weise gefoltert und umgebracht haben. Ein Sprung in das kalte Wasser bzw. in diesem Fall heiße Wasser, sind doch sowohl Vater als auch Tochter im Verlauf der weiteren Stunden gleich mehrmals auf ihre Fähigkeiten angewiesen, worunter insbesondere ersterer zu leiden hat, der bei jedem Einsatz seiner Gedankenkontrolle seinem Gehirn mehr Schaden zufügt. Viel prasselt auf den ersten Seiten auf den Leser ein, dem nur nach und nach in Rückblicken offen gelegt wird, was die Gründe für die Jagd auf die beiden sind und wie sie zu ihren Kräften kamen – wodurch wiederum gerade zum Anfang hin das Tempo ziemlich hoch gehalten wird. „Ungewöhnlich actionreich“ war da mein erster Eindruck, kenne ich King sonst eher doch als bedächtigen Plot-Baumeister, der den Spannungsbogen zugunsten von Kurzweil und Dynamik stattdessen weit ausholend emporhebt.

Im Zuge dessen ist es vor allem das erste Drittel von „Feuerkind“, das sich am besten gehalten hat bzw. an dem am wenigsten der Zahn der Zeit genagt hat, auch weil man relativ einfach Zugang zu den Figuren, hier an erster Stelle Andy, findet. Wenn dieser andere Menschen beeinflusst, geht das genauso wenig am Leser spurlos vorbei, wie die Schicksalsschläge, welcher dieser immer wieder verkraften muss. Wo sich sonst bei King der Horror eher gemächlich in den Alltag schleicht, wird der Frieden diesmal urplötzlich gestört und gebrochen, wodurch das Gefahrenmoment umso greifbarer wird. Auch wenn es sich um Personen mit besonderen Fähigkeiten handelt – letztlich versucht doch nur ein Vater seine Tochter zu beschützen. Und dieses simple Rezept funktioniert, zumindest am Anfang, hervorragend.

Den gerade gezogenen, strammen Faden verliert King allerdings im Mittelteil des Buches und das obwohl das namensgebende „Feuerkind“ nun weit mehr in den Fokus rückt und sich mit dem Indianer Rainbird ein skrupelloser Antagonist der Besetzung anschließt. Dessen Wirken auf die junge Charlie ist noch das beklemmendste Element eines an Höhepunkten eher armen Abschnitts, dem es mir persönlich einfach zu sehr an Konsequenz gemangelt hat. Über die Andeutungen von Gefahren kommt „Feuerkind“ über viele Seiten nicht hinaus – zu wenig, um auf Dauer bei der Stange zu halten. Erst als Andy wieder die Initiative ergreift, wird das Steuer herumgerissen und Fahrt aufgenommen, wobei es mich selbst überrascht hat, dass ich seinen geistigen Einfluss (und die Folgen) für lange Zeit als weit erschreckender empfand, als das pyrokinetische Zerstörungspotenzial seiner Tochter. Erst am Ende wird diese dann – in gewisser Weise als Reminiszenz an „Carrie“ – von Kings Leine gelassen. Mit dem sprichwörtlich heißen Finale kriegt er dann letztendlich noch die Kurve und schafft es mal wieder mit traumwandlerischer Sicherheit dem Leser seine zuvor (unbewusst) zu den Figuren aufgebaute Beziehung emotional vor Augen zu halten.

Feuerkind“ mag kein Meilenstein von Stephen King sein, ist aber auch weit davon entfernt zu den schlechtesten seiner Werke zu gehören. Menschliche Schicksale menschlich darzustellen – darin ist und bleibt er auch hier einfach ein Großer. Ein Buch das zufrieden sättigt, wenn man auf Kingsche Feinkost steht, den einzigartigen Geschmack seiner Klassiker aber über weite Strecken vermissen lässt.

Wertung: 83 von 100 Treffern

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  • Autor: Stephen King
  • Titel: Feuerkind
  • Originaltitel: Firestarter
  • Übersetzer: Harro Christensen
  • Verlag: Heyne
  • Erschienen: 10.2007
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 560 Seiten
  • ISBN: 978-3453432734

 

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Die letzte Fahrt der „Terror“

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© Heyne

Dan Simmons historisches Epos über die sagenumwobene Franklin-Expedition kann sich damit rühmen, Grauen und Ekel, aber auch Trauer und Mitleid bei mir ausgelöst zu haben. Ihm ist gelungen, was bisher noch fast jedem Film versagt geblieben ist: Mir sprichwörtlich das Blut in den Adern gefrieren zu lassen. Noch nie war der Horror, der Schrecken so sehr greifbar, noch nie die Distanz zwischen historischen Figuren und der Gegenwart derart gering.

Terror“ ist eine Zeitreise, welche man nicht authentischer oder plastischer hätte auf Papier bringen können. Ein Trip in das eisige Herz der Finsternis, der, grandios übersetzt, die Macht des geschriebenen Wortes beeindruckend deutlich macht und der den Leser, trotz vieler sicherlich nicht wegzudiskutierender Längen, über die gesamte Distanz nicht aus seinen Fängen lässt. Wie Simmons uns Einblick in die Abgründe der menschlichen Natur gewährt, zerrt hart an den Nerven. Er zeigt, wo die Bruchpunkte von Moral und so genannter Zivilisation liegen. Zeigt, zu was ein Mensch imstande ist, wenn er gezwungen ist, um sein Leben zu kämpfen.

Fundament für Simmons‘ Werk ist die bereits oben genannte Expedition von Sir John Franklin, welcher im Mai des Jahres 1845 mit zwei Schiffen der königlich-britischen Marine, der HMS „Erebus“ und HMS „Terror“, aufbricht, um die legendäre Nordwest-Passage zu finden, die den Atlantik mit dem Pazifik verbindet. Von diesem Seeweg erhofft man sich neben der Zeitverkürzung vor allem Ruhm, und damit einmal mehr auch einen Beweis für die Dominanz und das Können der britischen Navy. Insgesamt 129 Mann befinden sich an Bord der beiden Schiffe, die kurz vor ihrer Durchfahrt der kanadischen Arktis ein allerletztes Mal von Walfängern in der Baffin-Bay gesichtet werden. Danach verliert sich ihre Spur, denn kein einziger Mann der Besatzung taucht je wieder auf. Sie sind bis heute verschwunden, verschollen im Eis.

Erst Jahre später werden Gräber von Matrosen gefunden, aus denen sich der weitere Weg der Expedition teilweise rekonstruieren lässt. Nachrichtenfetzen auf der King-William-Insel legen die Vermutung nahe, dass beide Schiffe fast ganze zwei Jahre im Packeis festsaßen, bis die Mannschaft sie letztlich aufgaben und ihr Heil im Süden suchten. Berichten von Eskimos zufolge scheinen sie auf dem Weg dorthin verhungert zu sein. Knochenfunde deuten daraufhin, dass es zu Kannibalismus gekommen ist. Trotz dieser belegten Fakten bleibt viel Raum zur Spekulation.

Warum hat die Mannschaft ihre Schiffe nicht früher verlassen? Wieso sind die Männer verhungert, wo doch der Proviant laut Berechnungen eigentlich mindestens für ganze fünf Jahre hätte reichen müssen? Was genau ist an Bord der Schiffe vorgefallen?

Simmons hat eben diese und andere Fragen aufgegriffen und aus ihnen einen unheilvolle, düstere Geschichte gesponnen, die sicherlich keinen Anspruch auf historische Genauigkeit hat, aber dafür einen überzeugenden Einblick in die Unwirtlichkeit dieser finsteren Eiswüste und die hoffnungslose Situation der Besatzung gibt. Und er zeigt auf, dass diese lang geplante Expedition eigentlich schon von Beginn an zum Scheitern verurteilt war. So sind die „Erebus“ und die „Terror“ zwar äußerlich und in ihrem Aufbau bestens für das feste Packeis gewappnet, ihre Dampfmaschinen aber bei weitem nicht stark genug, um dieses zu durchbrechen. Der Kohlevorrat ist zu knapp bemessen, Schutzbrillen fehlen genauso wie Ausrüstungsgegenstände zur Jagd. Und besonders letzteres wiegt später schwer, da der Nahrungsmittelzulieferer, den man aufgrund seiner niedrigen Preise auswählte, bei der Herstellung seiner Konserven gepfuscht hat. Diese verderben bereits nach verhältnismäßig kurzer Zeit und haben teilweise sogar tödliche Lebensmittelvergiftungen zur Folge. All das führt letztlich dazu, dass man einer in dieser Epoche längst überwunden geglaubten Krankheit Tür und Tor öffnet: dem Skorbut.

Der Fisch stinkt immer vom Kopfe her“.

Ein Sprichwort, welches ebenfalls auf diese Expedition zutrifft, denn Sir John Franklin ist mit seinen mehr als 60 Jahren nicht nur viel zu alt für eine derart kräftezehrende Reise, sondern auch zu unflexibel, um auf die sich stetig verändernden Begebenheiten reagieren zu können. Die weitaus erfahreneren Kapitäne der beiden Schiffe, James Fitz-James und Francis Crozier, stoßen mit ihren Ratschlägen bei dem sturen Befehlshaber auf taube Ohren, der in der Regel die falschen Entscheidungen trifft und in Simmons‘ Buch letztlich auch dafür verantwortlich ist, dass die „Erebus“ und die „Terror“ im Packeis auf offener See festfrieren. Franklin steht damit sinnbildlich und stellvertretend für den Geist des britischen Empire, das es gewohnt ist, sich die Natur genauso Untertan zu machen, wie die Ureinwohner bisher unerforschter Landstriche, welche es zu zivilisieren gilt. Gerade diese Einstellung ist es, die dann auch verhindert, dass den hungernden Matrosen Hilfe durch die Inuits zuteil wird, welche im Gegensatz zu den hungernden und frierenden Expeditionsteilnehmern auch im tiefsten polaren Winter noch zu überleben wissen. Als man erkennt, was die Arktis erfordert, was die Natur abverlangt, ist es bereits zu spät.

Und auch die Natur weigert sich nicht nur, sich zu beugen. In Simmons „Terror“ schlägt sie in Gestalt eines über vier Meter großen Menschenfressers sogar zurück. Als ob die klirrende Kälte des Eises und der drohende Hungertod nicht bereits genug sind, werden die Matrosen nun auch noch von einem teuflisch schlauen Wesen gejagt, das scheinbar aus dem Nichts auftaucht und sich nach und nach seine Beute holt. Die schlecht ausgerüsteten Engländer sind nicht in der Lage es aufzuhalten und nachdem Sir John Franklin selbst zum Opfer dieser Bestie wird, beginnt man in den Kreisen der abergläubischen Seeleute an den Teufel selbst zu glauben.

Warum Dan Simmons sich entschieden hat, dieses Monster in seine Geschichte einzubauen, ist eine Frage, die wohl nur er selbst beantworten kann. Aus meiner Sicht hätte es sicherlich keines mythischen Wesens bedurft, um das Grauen zu beschreiben, dass die im Eis festsitzenden Matrosen erlebt haben müssen. Ganz im Gegenteil. Mit Ausnahme der atemlosen Flucht des Eislotsen Blanky durch die Takelage des eingeschlossenen Schiffes überzeugen in erster Linie die Passagen, in denen das tödliche Schneemonster durch Abwesenheit glänzt.

Simmons „Terror“ ist aber nicht nur die Verkörperung der ansonsten schwer fassbaren Schrecken des Eises und der Kälte, die unpersönlich töten, wer sich ihnen nicht anzupassen vermag. Wie üblich benötigt der Mensch keine Hilfe, um sich selbst das Leben zur Hölle zu machen. Disziplin und Kameradschaft sind menschliche Eigenschaften, die sich unter allzu großem Druck in Nichts auflösen. Wahnsinn, brutaler Egoismus und Mord lauern dichter unter der Oberfläche, als sich der „zivilisierte“ Zeitgenosse (alb)träumen lassen würde.“ So schreibt Michael Drewniok in seiner grandiosen Rezension, die genau das trifft, was ich auch selbst bei der Lektüre empfunden habe. Es heißt keine Fiktion ist so schlimm wie die Realität. Und genau das stellt „Terror“ erschreckend unter Beweis. Stellvertretend dafür ist die ergreifende Szene kurz vor Ende des Romans, in dem ein völlig entkräfteter skorbutkranker Seemann sich aus seinem Zelt hervorkämpft, nur um unter Tränen mitzuverfolgen, wie sich seine Kameraden mit dem einzigen Boot auf die Fahrt in den Süden aufmachen. Seine leisen Schreie um Hilfe verhallen in der Ewigkeit des Eises, bleiben unerhört … und treffen doch haargenau ins Herz des Lesers. Mir war es für viele Minuten unmöglich an dieser traurigen Stelle weiterzulesen, die für mich wie keine andere im Buch, die Dramatik und Hoffnungslosigkeit dieser Expedition widerspiegelt.

Bis hierhin könnte es für manchen Leser ebenfalls ein Kampf gewesen sein, da ganz sicher nicht jedermann Dan Simmons detailreiche Schreibe liegt, welche noch die kleinste Schiffsplanke in Form und Farbe beschreibt und der schlichten Weiße des Schnees immer wieder neue Facetten abringt. Hier liegt für mich jedoch die größte Stärke des Romans, denn gerade diese feinsinnige Betrachtung braucht es, um die Isolation der Seeleute, die eintönigen Tagesabläufe und das Fehlen jedweder Fluchtmöglichkeit nachvollziehen zu können. Und das kann man schließlich fast mehr als einem lieb sein kann. Bedingt durch die Tatsache, dass Simmons das Geschehen stets aus den Blickwinkeln mehrerer Expeditionsmitglieder zeigt, geht uns das Schicksal jedes Einzelnen an die Nieren, kann man die Verzweiflung, die Angst und den Hunger in einem Maß nachfühlen, wie das sonst wohl nur Augenzeugenberichte vermögen. Vom grobschlächtigen, aber kämpferischen Trinker Kapitän Crozier über den hilfsbereiten Dr. Goodsir und den witzigen Blanky bis hin zum Gentleman Irving.

Simmons ist es vortrefflich gelungen den Namen (die übrigens im fast 30 Seiten umfassenden Anhang nochmal aufgeführt werden) Leben einzuhauchen, ihnen Charakteristika und einen persönlichen Hintergrund zu verleihen. So trifft fast jeder Tod eines Besatzungsmitglieds hart, fühlt man den Verlust trotz der Tatsache, dass man ja eigentlich von Seite eins an weiß, dass niemand überleben wird. Und dennoch bleibt das Buch über die gesamte Länge spannend. Dennoch hofft und betet der Leser, dass es ihnen irgendwie gelingen wird, dem grausamen Eis mit seinen tobenden Stürmen und den dunklen Wintertagen zu entkommen.

Hätte Dan Simmons nach gut 880 Seiten den Stift an die Seite gelegt, eine Maximalwertung für „Terror“ wäre genauso unumgänglich gewesen wie das Prädikat literarisches Meisterwerk. Leider hat Simmons dies nicht getan und nachträglich versucht, das Monster mittels der Inuit-Mythologie zu erklären. Ein Versuch ist es geblieben, denn dieser überflüssige Stilbruch nimmt dem Buch völlig unnötig einen Großteil seiner Atmosphäre. Er hätte uns im Ungewissen, das Ende unerzählt lassen sollen. Nur so wären die Mitglieder der Expedition das geblieben, was sie gewesen sind – eine Fußnote in der Unendlichkeit des ewigen Eises, das seine eigenen Gesetze hat und sich nicht erobern lässt.

Es ist der einzige, aber leider meines Erachtens sehr schwerwiegende Kritikpunkt in einem großartigen Roman, der gekonnt historische Fakten und Figuren mit Elementen des Horrors verbindet und unbekannten Schicksalen nachvollziehbares und vor allem nachfühlbares Leben einhaucht. Großartig, schrecklich, aber auch halt „Terror“, der mir bei der Lektüre viel abverlangt hat. Danke, Mr. Simmons, für diesen äußerst gelungenen Wurf.

Wertung: 94 von 100 Treffern

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  • Autor: Dan Simmons
  • Titel: Terror
  • Originaltitel: The Terror
  • Übersetzer: Friedrich Mader
  • Verlag: Heyne
  • Erschienen: 12.2008
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 992 Seiten
  • ISBN: 978-3453406131

+++ Der Vorschau-Ticker – Winter 2017/Frühjahr 2018 – Teil 6 +++

Auf den letzten Drücker nun der letzte Ticker, in dem sich noch mal ein paar – meiner Ansicht nach – heiße Tipps tummeln, die vielleicht auch für den ein oder anderen bisher unter dem Radar geflogen sind. Auffällig dabei, wie sich hier in den letzten Jahre immer wieder die kleineren Verlage hervorgetan haben, welche, angesichts der doch vergleichsweise übersichtlichen Programme, den vermeintlich Großen oft eine ziemlich lange Nase drehen. Für mich zuletzt zunehmend interessanter geworden, ist da zum Beispiel der Steidl Verlag, von dem sich auch diesmal wieder zwei Titel hier tummeln. Doch fangen wir von vorne an.

Ich gebe ganz ehrlich zu: Die Qualität der letzten Le Carré-Romane konnten das Niveau früherer Werke (z.B. „Der Spion, der aus der Kälte kam“ oder „Dame, König, As, Spion„) nicht mehr erreichen. Vielleicht auch, weil Le Carrés bekanntester Protagonist, George Smiley (u.a. legendär verkörpert von Alec Guinness und auch Gary Oldman), durch Abwesenheit glänzte. Nun kehrt Smiley zum (vermeintlich) letzten Mal zurück. In „Das Vermächtnis der Spione“ bringt er Licht in das Dunkle eines Falls, der seinen Ursprung in 60er Jahren in Berlin hat. Wie glaubhaft dieser Auftritt Smileys im hohen Alter ist und ob der Autor nochmal dieses so prägnante, für ihn typische Kalte-Kriegs-Flair aufleben lassen kann – das bleibt abzuwarten. Ich will es jeden Fall selbst herausfinden und werde daher zuschlagen.

Das Thema Irland hat mich momentan irgendwie in den Fängen. Nach Kerrigan lese ich derzeit Kevin Barrys „Dunkle Stadt Bohane“ – und irgendwie juckt es mich zusätzlich, auch Behans „Borstal Boy“ ein zweites Mal zu lesen. Wie passend, dass Steidl – die seit ein paar Jahren Fahnenträger für literarisches Kleinod der grünen Insel sind – gleich zwei Titel im Programm hat, bei denen schon die Kurzbeschreibung wohligen Schauer verursacht und mich den Kontostand kontrollieren lässt. Sollte der Daumen hoch gehen, wird auch hier der Etat gänzlich investiert.

Zum einen in Edna O’Briens „Die kleinen roten Stühle“ („Das Mädchen mit den grünen Augen“ war einer meiner ersten Kontakte mit irischer Literatur), in dem die Umtriebe des Kriegsheimkehrers Vladimir Dragan, genannt „Vuk“, das Idyll eines kleinen, verschlafenen Nests zerstören. Klingt düster, klingt nach einem Hauch Hitchcock – klingt nach genau dieser Art feinziselierten Schauders, den man heute nur noch so selten findet. Muss-Kauf.

Und auch Pechmanns „Sieben Lichter“ fällt in diese Kategorie, welches auf wahren Begebenheiten basiert und den mysteriösen Mord an einer Bordbesatzung eines Segelschiffs im Jahr 1828 thematisiert. Erinnert mich von der Beschreibung ein wenig an Draculas Ankunft in England bei Stoker – das ist aber nicht der einzige Grund, warum ich hier aufhorche. Der Ausgangspunkt bietet einfach unheimlich viel Potenzial, um Freunde von Schauerroman und Whodunit gleichsam zu unterhalten. Wie passend, dass mich gleich beide Genres ansprechen.

Beim nächsten Titel mach ichs kurz: 70er Jahre. Hardboiled. Country-Noir. Herbstlich. Danke, reicht Ariadne. Rendons „Am roten Fluss“ wird aber sowas von gekauft. Auch weil man bei diesem Verlag eigentlich grundsätzlich nichts falsch machen kann.

Auch Robert Harris legt dieses Jahr wieder einen neuen Roman vor und widmet sich der Münchner Konferenz von 1938, in dessen Umfeld ein britischer Privatsekretär und ein deutscher Vertreter des Auswärtigen Amts alle Hebel in Bewegung setzen, um einen drohenden Krieg zu verhindern. Das Versagen der Appeasement-Politik im Handlungsrahmen eines Politthrillers zu verarbeiten, find ich äußerst spannend. Besonders hinsichtlich dessen, dass diese Thematik heute aktueller denn je ist. Mal schauen, ob ich mir das als HC gönne oder 1 1/2 Jahre aufs TB warte.

Das gilt auch für Stephen Kings „Sleeping Beauties„, welches er zusammen mit seinem Sohn Owen King geschrieben hat und mal wieder von der Inhaltsbeschreibung einfach nur zu krank klingt, um gut zu sein. Doch King ist eben King – wo andere Tele 5-Material produzieren, da macht der „Master of Horror“ daraus eine nägelkauende Achterbahnfahrt, der man jeden Satz abnimmt. Sollte wohl diesmal auch nicht anders sein. Wie jeder King, wandert auch dieser ins Regal.

Der letzte Tipp, ist eher ein Schuss ins Blaue, habe ich den bei Suhrkamp erschienenen Zahler-Titel („Die Toten der North Ganson Street) aufgrund vieler äußerst verhaltener Kritik ausgelassen und dabei auch nicht das Gefühlt verspürt, etwas verpasst zu haben. „Catacumbas“ klingt nach Trash at it’s best – nach „From Dusk till Dawn“ in Papierform. Da ich Lansdales Ausflüge in den pulpigen Horror eigentlich ziemlich mochte und dieser voll des Lobes für Craig Zahler ist, gebe ich diesem Titel aber vielleicht mal eine Chance. – An dieser Stelle übrigens ein Danke Schön an Krimi-Couch-Freund Thomas Schmidt, ohne den ich den Luzifer Verlag bis heute nicht auf den Schirm hätte. Angesichts solch großartiger Bücher wie z.B. Robert McCammons „Matthew-Corbett“ wäre mir da einiges entgangen.

Welcher Titel kann euer Interesse wecken?

  • John le Carré – Das Vermächtnis der Spione (Hardcover, Oktober 2017 – Ullstein Verlag – 978-3550050121)
  • Inhalt: 1961: An der Berliner Mauer sterben zwei Menschen, Alec Leamas, britischer Top-Spion, und seine Freundin Liz Gold. 2017: George Smileys ehemaliger Assistent Peter Guilliam wird ins Innenministerium einbestellt. Die Kinder der Spione Alec Leamas und Elizabeth Gold drohen, die Regierung zu verklagen. Die Untersuchung wirft neue Fragen auf: Warum mussten die Agenten an der Berliner Mauer sterben? Hat der britische Geheimdienst sie zu leichtfertig geopfert? Halten die Motive von damals heute noch stand? In einem dichten und spannungsgeladenen Verhör rekonstruiert Peter Guilliam, was kurz nach dem Mauerbau in Berlin passierte. Bis George Smiley die Szene betritt und das Geschehen in einem neuen Licht erscheint.
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© Ullstein

  • Edna O’Brien – Die kleinen roten Stühle (Hardcover, September 2017 – Steidl Verlag – 978-3865325914)
  • Inhalt: In einer kalten, dunklen Nacht taucht in Cloonoila an der irischen Westküste ein Fremder auf und bringt Unruhe ins eingeschlafene Dorfleben. »Ein bisschen Romantik« erhoffen sich die einen, »Skandal« wittern die anderen. Denn Dr. Vladimir Dragan, kurz Vuk: »Wolf«, aus Montenegro will sich als Heiler und Sexualtherapeut bei ihnen niederlassen. Priesterliche Bedenken gegen seine Behandlungen zerstreut der Doktor im Nu, einen misstrauischen Polizisten wickelt er um den Finger. Der ganze Ort erliegt nach und nach dem Charisma des mysteriösen Fremden, der martialische Gedichte schreibt, lateinische Verse rezitiert und vor allem bei den Frauen scheinbar Wunder bewirkt. Die schöne, mit einem viel älteren Mann verheiratete Fidelma hat ihn sogar als Vater des Kindes auserwählt, nach dem sie sich so verzweifelt sehnt. Doch Vuk ist wirklich ein Wolf unter Schafen, ein gesuchter Kriegsverbrecher, und Fidelma wird für ihren Pakt mit ihm bitter bezahlen. Ihr Leben nimmt eine dramatische Wendung.
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© Steidl

  • Alexander Pechmann – Sieben Lichter (Hardcover, September 2017 – Steidl Verlag – 978-3958293700)
  • Inhalt: Im Juni 1828 erreicht ein Schiff die irische Hafenstadt Cove – an Bord sieben brutal ermordete Crewmitglieder und Passagiere. Drei Lehrlinge, zwei Matrosen und der elfjährige Sohn des Reeders haben das Massaker überlebt, der Kapitän ist verschwunden. Noch vor der offiziellen Untersuchung bekommt der berühmte Arktisforscher und Theologe William Scoresby die Gelegenheit, mit allen Überlebenden und Zeugen zu sprechen. Aus den Aussagen ergibt sich nach und nach ein lückenloses Bild der grauenvollen Ereignisse, und doch bleibt der unheimliche Fall rätselhaft: Wer lügt? Wer sagt die Wahrheit? War die Besatzung der Mary Russell in einen mörderischen Plan verwickelt oder wurden die sieben Männer Opfer eines Wahnsinnigen? Die Ermittlungen führen Scoresby in einen Abgrund aus Zweifeln, Aberglauben und mitternächtlichen Trugbildern. Sieben Lichter beruht auf einer wahren Geschichte, einem der sonderbarsten Kriminalfälle des 19. Jahrhunderts.
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© Steidl

  • Marcie Rendon – Am roten Fluss (Taschenbuch, Oktober 2017 – Argument Ariadne – 978-3867542296)
  • Inhalt: Marcie Rendons tief in den Siebzigern angesiedelter, herbstlich stimmungsvoller Country Noir folgt einem ganz eigenen Erzählrhythmus. Cash ist eine traumhafte Hardboiled-Protagonistin: cool, wortkarg, tough und absolut instinktsicher. Das Porträt der ländlichen USA aus Sicht einer einzelgängerischen jungen Indianerin ist historisch akkurat und so poetisch wie illusionslos.
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  • Robert Harris – München (Hardcover, Oktober 2017 – Heyne Verlag – 978-3867542296)
  • Inhalt: September 1938 – in München treffen sich Hitler, Chamberlain, Mussolini und Daladier zu einer kurzfristig einberufenen Konferenz. Der Weltfrieden hängt am seidenen Faden. Im Gefolge des britischen Premierministers Chamberlain befindet sich Hugh Legat aus dem Außenministerium, der ihm als Privatsekretär zugeordnet ist. Auf der deutschen Seite gehört Paul von Hartmann aus dem Auswärtigen Amt in Berlin zum Kreis der Anwesenden. Den Zugang zur Delegation hat er sich erschlichen. Insgeheim ist er Mitglied einer Widerstandszelle gegen Hitler. Legat und von Hartmann verbindet eine Freundschaft, seit sie in Oxford gemeinsam studiert haben. Nun kreuzen sich ihre Wege wieder. Wie weit müssen sie gehen, wenn sie den drohenden Krieg verhindern wollen?
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© Heyne

  • Stephen King – Sleeping Beauties (Hardcover, November 2017 – Heyne Verlag – 978-3453271449)
  • Inhalt: Die Welt sieht sich einem faszinierenden Phänomen gegenüber. Sobald Frauen einschlafen, umhüllt sie am ganzen Körper ein spinnwebartiger Kokon. Wenn man sie weckt oder das unheimliche Gewebe entfernen will, werden sie zu barbarischen Bestien. Sind sie im Schlaf etwa an einem schöneren Ort? Die zurückgebliebenen Männer überlassen sich zunehmend ihren primitiven Instinkten. Eine Frau allerdings, die mysteriöse Evie, scheint gegenüber der Pandemie immun zu sein. Ist sie eine genetische Anomalie, die sich zu Versuchszwecken eignet? Oder ist sie ein Dämon, den man vernichten muss? Schauplatz und Brennpunkt ist ein kleines Städtchen in den Appalachen, wo ein Frauengefängnis den größten Arbeitgeber stellt.
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© Heyne

  • S. Craig Zahler – Catacumbas – Abrechnung in der Hölle (Broschiertes Taschenbuch, Dezember 2017 – Luzifer Verlag – 978-3958352773)
  • Inhalt: Bei ihrem verzweifelten Versuch, zwei entführte Schwestern zu befreien, die man in die Prostitution gezwungen hat, stürmt eine Gruppe wild zusammengewürfelter Charaktere durch das Mexiko des Jahres 1899. Ihre Reise ist dabei nicht nur ein Ritt in die Hölle, sondern auch in die tiefsten Abgründe menschlicher Existenzen. Diese Geschichte zerrt Sie von Anfang bis Ende erbarmungslos durch Staub, Dreck und Blut. Ähnlich wie in seinem Film »Bone Tomahawk“ schuf S. Craig Zahler mit diesem Buch eine außergewöhnliche Western-Erfahrung, die Elemente des Horrors mit der brachialen Gewalt des Asiatischen Kinos vereint. Sagen Sie nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt …
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© Luzifer

 

You can run, but you can’t hide …

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© Blanvalet

Sie bevorzugen verwinkelte und realitätsnahe Plots, lieben bodenständige, authentische Figuren und haben besonders an psychologisch ausgefeilten Wendungen innerhalb der Handlung ihre Freude? Dann lassen Sie lieber mal schön die Finger vom zweiten Roman aus der Feder von Lee Child – denn „Ausgeliefert“ bietet, wie auch schon der Erstling, geradlinige und in erster Linie auf Unterhaltung ausgelegte Kriminalliteratur. Und wie bei einem Film aus der „Stirb langsam“-Reihe, tritt da die Logik schnell in den Hintergrund. Überraschungsmomente werden patronengeschwängerten Action-Szenen geopfert, Dialoge räumen ihre Platz für ausführliche Beschreibungen von Kugellaufbahnen. Es ist diese Art amerikanischer Thriller, welche mir mit ihrem triefenden Patriotismus, dem Ehre-und-Pflicht-Palaver und den strahlenden, muskelbepackten Helden eigentlich normalerweise zutiefst zuwider ist. Wie gesagt normalerweise, denn der muskelbepackte Held ist in diesem Fall ein gewisser Jack Reacher – und der ist schlichtweg Kult und macht süchtig.

Völlig egal, dass die Geschichte so vorhersehbar wie ein „James-Bond“-Streifen und der Tod des Antagonisten bereits bei der Lektüre des Klappentexts beschlossene Sache ist. Und wen interessiert es schon, dass die Bösen mit ihrem Plan dank des dazwischen funkenden Jack Reachers auf jeden Fall Schiffbruch erleiden werden? Ein Band aus der Serie um den Ex-Militärpolizisten und „Lonesome Wolf“ lebt weniger von der „Wie geht’s aus?“ als vielmehr von der „Wann legt Reacher endlich richtig los?“-Frage. Und genau aus dieser bezieht der Plot letztlich auch seine Spannung. Diese stetig ansteigende Erwartung, die unter der Oberfläche brodelnde Gewalt, das Sehnen nach dem unvermeidlichen Ausbruch treiben die Story voran und lassen vergessen, dass die eigentliche Handlung mit wenig Tiefgang aufwartet und die Figuren allesamt nach stereotypen Schablonen-Muster gezeichnet wurden. Vom sowohl in Gestalt als auch in Grausamkeit überproportionalen Bösewicht über den tumben Handlanger bis hin zur toughen FBI-Agentin, die letztlich doch als „damsel in Distress“ von Reacher gerettet werden muss – Child setzt dem Leser altbekannte Hausmannskost vor und macht am Herd wenig Experimente.

Aber – und das ist sein Erfolgsrezept – es schmeckt. Und es macht Laune, da trotz teils ausschweifender Erklärungen, Beschreibungen und Inneneinsichten die Geschichte stetig vorangetrieben wird, die inszenierten Höhepunkte fast allesamt zünden. Das liegt schlichtweg daran, dass Child seine literarischen Fähigkeiten punktgenau einzusetzen weiß und nicht mehr will, als er letztlich kann. Und was er kann ist letztlich mehr als ausreichend, um in den Bann zu ziehen, wenngleich man deutlich sagen muss, dass „Ausgeliefert“ qualitativ nicht an den Erstling heranreicht. Auch weil die Handlung, größtenteils in den Bergen von Montana angesiedelt, ein paar Längen zu viel aufweist und es zu lange dauert, bis Reacher endlich in Action tritt. Wenn er dies dann endlich tut, ist alles viel zu schnell vorbei. Und der an diesem Punkt so verhasste Bösewicht tritt viel schneller ab, als er angesichts seiner Gräueltaten verdient gehabt hätte. Dies ist jedoch wohl auch ein Zugeständnis an die Hauptfigur – Jack Reacher ist Pragmatist. Er setzt nur soviel Gewalt wie nötig ein, springt (wie auch sein Schöpfer) nicht höher als er muss, um sein Ziel zu erreichen. Getreu dem Motto: Warum auf Schnellfeuer stellen und Kugeln verschwenden, wenn ich die drei Gegner mit drei Schüssen in den Kopf zu Boden schicken kann.

In der Konzentration des Ganzen auf Reacher besteht jedoch auch stets eine Gefahr, denn mit ihm steht und fällt die Geschichte. Das wird in „Ausgeliefert“ immer dann deutlich, wenn Child seinen Blick weg von Montana schweifen lässt und der Leser den deutlich hinterher hinkenden FBI-Agenten über die Schulter blicken muss. 100 Seiten weniger hätten dem vorliegenden Buch da gut getan und das Tempo höher gehalten. Pluspunkte gibt’s aber diesmal für die Idee der isolierten Unabhängigkeitsbewegung, deren Mitglieder, gespeist aus örtlichen Milizen und hinterwäldlerischen „White-Trash“-Bürgern, an den Grundpfeilern der amerikanischen Demokratie sägen will. So weit hergeholt das für den ein oder anderen noch gewirkt haben muss – Lee Child dürfte hier inzwischen näher an der Realität sein, als den meisten lieb ist.

Ausgeliefert“ ist grundsolide, unterhaltsame Popcorn-Literatur, die Reachers Einfallsreichtum einmal mehr auf die Probe und an den Leser keine allzu hohen Ansprüche stellt. Ein Buch von einem Mann über einen Mann für Männer – und für Frauen, die bei Bourne, Bond und Co. nicht die Augen verdrehen. Viel Testosteron, viel explizite Gewalt, viel Geballer – mir gefällt es und ich werde mir auch den nächsten schnappen.

Wertung: 85 von 100 Treffern

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  • Autor: Lee Child
  • Titel: Ausgeliefert
  • Originaltitel: Die Trying
  • Übersetzer: Heinz Zwack
  • Verlag: Blanvalet
  • Erschienen: 05.2017
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 576 Seiten
  • ISBN: 978-3734105135

This little light of mine …

© Heyne

Stephen King und Horror. Untrennbar scheint der Name des US-amerikanischen Bestsellerautors mit diesem Genre verbunden, das den Spaß an der Angst seit Jahrhunderten bedient (Horace Walpoles „The Castle of Otranto“ von 1764 gilt als ein Meilenstein dieser Literaturgattung) – und damit den ursprünglichen Gradmesser für eine Bedrohung oder nahende Gefahr, nämlich die Furcht, im Leser auszulösen. Eine insbesondere bei schreckhaften bzw. zartbesaiteten Menschen äußerst leichte Aufgabe, weshalb es die Horrorliteratur – wie auch der Kriminalroman – lange Zeit schwer gehabt hat, unter dem prüfenden Auge der professionellen Kritik zu bestehen. Das hat vor allem Stephen King erfahren müssen, dessen „Fließband-Literatur“ über viele Jahre getadelt und jeglicher literarischer Wert abgesprochen wurde. Erst seit der Ehrung mit dem „National Book Award ot American Letters“ (2003) hat hier ein, in meinen Augen längst überfälliges, Umdenken eingesetzt. Nicht nur weil Kings Sprachgewalt und sein außerordentliches Gespür für Figuren weit über die Genre-Grenzen hinaus Maßstäbe gesetzt haben, sondern weil er, allen Klischees zum Trotz, eben nicht nur ein reiner Horror-Autor ist.

Eine Tatsache, die oft vergessen wird und unter anderem sein im Jahr 1979 erschienener Roman „Dead Zone – Das Attentat“ in Erinnerung ruft, der sich über weite Strecken eher wie ein Drama mit Thriller-Elementen liest und für Freunde des Schauderns (im Gegensatz zur gleichnamigen, gelungenen Verfilmung von 1983 mit Christopher Walken und Martin Sheen in den Hauptrollen) nur wenige Schock-Momente bereithält. Der Schrecken liegt hier – wie auch in vielen seiner Bücher, die er unter dem Pseudonym Richard Bachman geschrieben hat – in den alltäglichen Widrigkeiten, den Unwägbarkeiten des Lebens, den tragischen Zwischenfällen, den moralischen Entscheidungen. Genug Material für einen begnadeten Schriftsteller wie Stephen King, der es sich aber natürlich auch diesmal nicht nehmen lässt, seine Geschichte mit etwas Übernatürlichem zu würzen.

Kurz zum Inhalt: Ende Oktober 1970. Johnny Smith, ein junger Highschool-Lehrer, hat sein erstes richtiges Date mit Sarah Bracknell, einer Kollegin. Gemeinsam besuchen sie einen Jahrmarkt, bis sich Sarahs Gesundheitszustand verschlechtert und sie zu ihr nach Hause fahren. Johnny lässt das Auto stehen, nimmt ein Taxi und wird in einen schweren Unfall verwickelt, bei dem er so schwere Kopfverletzungen davonträgt, dass er in ein fast fünfjähriges Koma fällt. Als er 1975 wieder erwacht, hat sich zu Johnnys Schrecken viel geändert. Nixon ist nach dem Watergate-Skandal zurückgetreten, seine Mutter komplett einem religiösen Wahn verfallen und Sarah hat inzwischen geheiratet und einen Sohn. Für Johnny ist es ein schwerer Kampf zurück ins Leben. Mehrere Operationen, Reha-Maßnahmen und medizinische Tests fesseln ihn weiterhin ans Krankenhaus.

Bei einem dieser Tests kommt heraus, dass er bestimmte Dinge nicht visualisieren kann, weil die Erinnerungen daran in jenen Hirnregionen gespeichert waren, die nun geschädigt sind – seiner jetzigen „Dead Zone“. Es wird aber auch bald klar, dass sich bei Johnny noch etwas grundlegend verändert hat: Er besitzt auf einmal die Gabe, die Zukunft der Menschen vorherzusehen, mit denen er in Berührung kommt. Doch seine Fähigkeiten erweisen sich in erster Linie als Bürde. Die meisten Menschen beginnen ihn zu meiden, verlachen ihn als Scharlatan oder suchen lediglich ihren eigenen Vorteil in Johnnys Gabe. Dieser zieht sich mehr und mehr zurück. Bis ihn eines Tages Sheriff George Bannerman (dem wir übrigens in „Cujo“ wieder begegnen) anruft. In Castle Rock („Dead Zone“ gilt als erstes Buch des so genannten „Castle-Rock“-Zyklus – eine Stadt die hart geprüft wird) sind seit Jahren Frauen auf brutale Weise ermordet worden, der Täter bis heute nicht gefasst. In Johnny sieht der Sheriff seine letzte Chance, dem scheinbar unlösbaren Fall neue Indizien zu abzugewinnen. Johnny zögert erst, willigt aber schließlich ein. Eine Entscheidung, die letztlich nicht nur seinen Umgang mit der eigenen Gabe ändert, sondern ihn einige Zeit später auch dazu bewegt, in Aktion zu treten, nachdem er bei einer Veranstaltung dem Lokalpolitiker Greg Stillson die Hand geschüttelt hat. Stillson wird in nicht allzu ferner Zukunft Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden – und mit einem Atomschlag den Dritten Weltkrieg auslösen …

Bevor nun interessierte Leser sich echauffieren mögen, dass ich hier zu viel verrate – der Klappentext der aktuellen Ausgabe des Heyne-Verlags gibt genau dasselbe her. Und auch der, meines Erachtens völlig überflüssige und irreführende, deutsche Zusatztitel „Das Attentat“, lässt bereits erahnen, wo der Hase letztlich langläuft. „Letztlich“ sollte dabei aber hervorgehoben werden, denn wer glaubt, dass Johnny über knapp 600 Seiten einen Weg sucht Stillsons Amtsantritt zu verhindern bzw. das Attentat zu planen, befindet sich gänzlich auf dem Irrweg. Bis es überhaupt zu einer Begegnung der beiden kommt, braucht es etwa 450 (!) Seiten, was wiederum typisch für einen King-Roman ist, der selten auf einen Spannungsbogen zusteuert, sondern in der Regel mehrere Highlights setzt, für deren Ausarbeitung er sich Zeit und Raum lässt. Ein Merkmal, mit dem meiner Ansicht nach die Affinität zu Stephen King steht und fällt, weil nicht allen Werken dieser epische Rahmen gut tut. Der Griff zum „falschen“ Buch zur falschen Zeit kann da einer aufkeimenden Liebe zum Autor schnell ein Ende setzen. Und ich bin ehrlich: Hätte ich „Dead Zone“ zuerst gelesen, wäre es zwar nicht der letzte Roman dieses Autors gewesen, meine Sammlung seiner Werke hätte aber wohl nicht diese Ausmaße angenommen.

Doch genug der kritischen Töne, die vor allem deswegen herausrutschen, da diese Lektüre bei mir herausragenden Titeln wie „Shining“, „Brennen muss Salem“ und „Es“ folgt, und im direkten Vergleich zwangsläufig Schiffbruch erleiden muss. Ein Vergleich, der zudem hinkt, weil „Dead Zone“, wie oben bereits angedeutet, nicht die Horror-Sparte bedient, sondern sich vor allem auf die menschlichen Aspekte – und hier vor allem auf Johnny Smith – konzentriert. King-typisch entsteht bereits nach wenigen Seiten eine enge Beziehung zu dem Hauptprotagonisten, dessen Schicksalsschläge auch den Leser nicht kalt lassen, zumal relativ schnell klar wird, dass seine Gabe eher eine Bürde denn ein Segen ist. Erstaunlich, wie King es immer wieder gelingt, übernatürliche Phänomene zu veranschaulichen und zu erden, und dabei gleichzeitig mit sicherem Gespür die Reaktionen der Menschen vorherzusehen. Ob eine weltweite Epidemie, ein Angriff durch Vampire oder eben in diesem Fall der in die Zukunft sehende Patient – das schwer vorstellbare, das zuvor nicht fassbare, wird nun greifbar und glaubwürdig, da der Menschenkenner King innerhalb des künstlichen Rahmens echte, authentische Menschen agieren lässt. Ihre Gefühle, ihre Gedanken und ihre Handlungen sind für den Leser jederzeit nachvollziehbar. Und die übliche „Das-ist-doch-nur-so-ein-fantastischer-Quatsch-Barriere“, welche besonders Realisten mit Stolz umhertragen, dürfte in „Dead Zone“ vielleicht bei einigen zügig überwunden werden. Zu eng der Kontakt zu den Figuren, zu nah ihr Leiden, aber auch ihr Lieben.

Natürlich – man muss sich darauf einlassen. Sich klar darüber werden, dass Spannung und „Page-Turning“ nicht die Hauptmerkmale des Romans sind. Im Gegenteil: Hier ist eher der Weg das Ziel. Wer die Seiten überfliegt, in der Hoffnung endlich Johnny mit Gewehr im Anschlag zu begegnen, missversteht nicht nur den Sinn der Lektüre, sondern nimmt sich vielleicht auch ganz den Spaß daran. Hier geht es nicht um den erlösenden Schuss, sondern um die Frage, ob es richtig ist ihn abzugeben. Und ob man die Möglichkeit ihn abzugeben, in jedem Fall nutzen oder einen anderen Weg zur Lösung suchen soll. Im späteren Verlauf des Buchs bespricht Johnny die Möglichkeit Hitler auszuschalten, wenn man in der Zeit zurückreisen könnte. Und er konfrontiert seine Gesprächspartner damit, dass dieses Attentat höchstwahrscheinlich den eigenen Tod zur Folge hätte. Würde man unter diesen Umständen sein Leben opfern, um Millionen zu retten? Und würde dies später als Heldentat gefeiert oder man selber als Verräter gebrandmarkt?

Es sind solche Theorien, die „Dead Zone“ Tiefe verleihen und auch ein bisschen darüber hinweghelfen, dass das Buch in der Tat ein paar Seiten zu viel hat. Wie schon bei „The Stand“, so kommt es mir auch hier so vor, als wäre Stephen King während der Niederschrift ein wenig vom Weg abgekommen. Die Episode in Castle Rock, wo Johnny sich auf die Suche nach dem Mörder macht, gehört zu den atmosphärischen Höhepunkten des Romans (und ja, sie hat schon einiges an „Horror“ in sich) und hat mich noch Tage danach verfolgt. Besonders das Bild eines nassen Vinyl-Regenmantels ist mir hartnäckig in schauriger Erinnerung geblieben. Aber auch wenn es dadurch teils zähere Passagen zum Ende hin äußerst kurzweilig überbrückt – irgendwie passt dieses Zwischenabenteuer vom Ton und der Art des Erzählens her nicht ganz in das restliche Gefüge. Neben der menschlichen Komponente besteht dieses vor allem aus Politik, was wiederum eine gewisse Kenntnis der amerikanischen Geschichte voraussetzt, da King sich äußerst explizit auf die Wahlkampf-Geschehnisse, insbesondere in New Hampshire und Maine, bezieht. Und das gut 16 Jahre vor der Veröffentlichung dieses Romans ein Präsident der Vereinigten Staaten einem Scharfschützen zum Opfer fiel, wird den Autor ebenfalls nicht unwesentlich beeinflusst haben.

Ein gutes, ein lesenswertes und ein nachdenkliches Buch aus der Feder des Altmeisters Stephen King, der mehr kann, als nur Horror schreiben und dies – nicht nur hiermit – eindringlich unter Beweis gestellt hat. Und das Ende … ja, das Ende … ah, lieber nix verraten.

Wertung: 85 von 100 Treffern

einschuss2
  • Autor: Stephen King
  • Titel: Dead Zone – Das Attentat
  • Originaltitel: The Dead Zone
  • Übersetzer: Joachim Körber, Alfred Dunkel
  • Verlag: Heyne
  • Erschienen: 10.2007
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 608 Seiten
  • ISBN: 978-3453432727

It’s the End of the World as We Know It …

© Heyne

Stephen Kings „The Stand – Das letzte Gefecht“ gehört nicht nur zu den bekanntesten und beliebtesten Büchern aus dem riesigen Gesamtwerk des „King of Horror“ – es ist gleichzeitig auch sein Titel mit der höchsten Anzahl an Seiten, was insofern erwähnenswert ist, da der amerikanische Autor seit jeher nicht mit Worten geizt und aufgrund dessen in vielen heimischen Bücherregalen das Platzangebot oftmals erheblich beschränkt. Dazu sei allerdings gesagt: Nur die wenigsten Besitzer seiner Romane werden den Erwerb und letztlich auch die Lektüre bereut haben, was schlichtweg an der Tatsache liegt, dass es King stets aufs Neue schafft, den roten Faden seiner Geschichten trotz ausschweifender Ausschmückungen zielgerichtet mit dem Spannungsbogen zu verbinden. Ein Markenzeichen dieses Schriftstellers, das jedoch Ende der 70er Jahre noch auf den Prüfstand durfte.

King, damals noch ein talentierter Autor unter vielen, musste sein geniales Epos über einen von Menschen selbst verursachten Weltuntergang auf Wunsch des Lektorats zurechtstutzen. Ein Manuskript mit über 1.200 Seiten von jemanden, der sich noch keinen großen Namen gemacht hatte, war schlichtweg nicht an den Mann, und schon gar nicht auf den Markt zu bringen. Erst ganze zwölf Jahre später sah King sich in der Lage, den Roman in seiner ursprünglich erdachten, ungekürzten Art und Weise veröffentlichen zu können. Das Ergebnis war die inzwischen vergriffene zweibändige Ausgabe des Bastei Lübbe Verlags. Inzwischen liegen auch die Rechte für die ungekürzte Version von „The Stand“ ebenfalls beim Heyne Verlag (Die atmosphärischen Illustrationen von Bernie Wrightson fehlen leider in dieser Neuauflage, dafür ist das Schriftbild wesentlich lesefreundlicher).

Nun stellt sich für viele interessierte Käufer natürlich die Frage: Muss es denn unbedingt diese ungekürzte Fassung sein oder hat King die Handlung hier lediglich künstlich aufgebläht, um Geld zu scheffeln? Eine Antwort kann ich mangels Kenntnis der 78er Ausgabe leider nicht geben, aber zumindest soviel sagen: Als Einstieg in das Werk des Autor bzw. in das in vielen Dingen zusammenhängende Universum seiner Romane, taugt die vorliegende Ausgabe nur bedingt, da die immer wieder kritisierten Längen in Kings Büchern hier besonders zutage treten und auch sonst viele Elemente im wahrsten Sinne des Wortes epische Ausmaße annehmen. (Übrigens wieder mal ein Vergnügen Kings Vorwort zu lesen, in dem er diese „Kritik“ annimmt und seine Gründe für die Veröffentlichung des Romans schildert) Viele hunderte Charaktere, dutzende Nebenhandlungen und Nebenschauplätze, kleinere Geschichten inmitten des eigentlichen Plots. „The Stand“ setzt in Punkto Detailreichtum und Weitläufigkeit gleich in vielerlei Hinsicht Maßstäbe, welche bis heute gelten. Der Klappentext gibt darüber nur wenig Aufschluss, sei aber hier kurz angerissen, um einen kleinen Überblick über den Inhalt zu geben:

Mitte des Jahres 1990 kommt es in einer Forschungsstation der US-Army zu einem folgenschweren Zwischenfall. Ein mit einem mutierten Grippevirus infizierter Mitarbeiter des Labors flüchtet aus dem Hochsicherheitstrakt, steckt in Windeseile seine Familie an und überträgt das bald als „Captain Trips“ bekannte Virus nach einem Unfall an einer Tankstelle nochmals an mehrere weitere Personen. Das Militär versucht noch die Epidemie einzudämmen, scheitert aber an dessen schneller Verbreitung. Schon nach wenigen Tagen bricht die staatliche Ordnung komplett zusammen, fallen die Menschen zu Tausenden und bald Millionen „Captain Trips“ zum Opfer. Für kurze Zeit herrschen Chaos und Anarchie, bis sich schließlich eine erdrückende Stille über die USA (und wohl auch den Rest der Welt) legt. 99,4 der Bevölkerung sind am Virus gestorben. Ganze Metropolen sind verweist, unzählige Staus mit Autos voller toter Insassen blockieren die Highways. Auch Pferde und Hunde haben die Epidemie in den meisten Fällen nicht überlebt.

Die wenigen tausend Menschen, die sich als immun erwiesen haben, irren nun in kleinen Gruppen durch die entvölkerten Staaten, stets auf der Suche nach Nahrung, medizinischer Hilfe oder sonstigen Überresten der Zivilisation. Alle haben Partner, Familie und Freunde verloren, viele die Hoffnung darauf, dass es je wieder besser wird. In dieser düsteren Zeit träumen einige von einer alten, schwarzen Frau, die vor ihrem Haus in einem Maisfeld Gitarre spielt. Mutter Abagail Freemantle ruft sie zu sich nach Nebraska – und die Überlebenden, anfangs noch etwas verwirrt, folgen dem Ruf. Doch unter ihnen sind auch einige, die in den Einflussbereich einer anderen Person geraten. Inmitten der Wüste, in Las Vegas, sitzt Randall Flagg, der dunkle Mann, der wandelnde Geck – wie eine Spinne in seinem Netz. Die Verkörperung des Bösen ist Abagails Gegenspieler.

Und während ihre Jünger in Colorado die Freie Zone Boulder gründen, beginnt Flagg weiter westlich mit der Wiederaufrüstung. Als Bringer der Apokalypse will er die Menschheit in das letzte Gefecht führen. Das letzte Gefecht zwischen Gut und Böse …

Voran: Wer Gefecht jetzt wörtlich nimmt und befürchtet, dass hier zwei primitive Armeen aus Zivilisten gegeneinander in eine gewaltige Schlacht ziehen, dem kann diese Angst gleich genommen werden, da Stephen King sich selten für den einfachen und noch seltener für den offensichtlichen Weg in seinen Erzählungen entscheidet. So wird auch in „The Stand“ der Konflikt auf menschlicher Ebene geschildert und ausgetragen, das Ringen von Gut und Böse zu einem Wettbewerb von Idealen. Der Glaube an Gott auf der einen und die Versuchung des teuflischen Randall Flagg (ihm begegnen wir auch in der Saga vom „dunklen Turm“ und in „Das Auge des Drachen“) auf der anderen. Einem theologischen (und manchmal auf philosophischen) Schachspiel gleich, bringt Stephen King die Figuren nach und nach in Stellung, werden Bauern vorgeschoben und geopfert, um den Weg für andere frei zu machen, und dem Gegner den finalen Stoß zu versetzen. Doch bis es dazu, bis es überhaupt zu einem Treffen der beiden Lager kommt, vergehen viele Seiten, in den sich der Autor auf das konzentriert, was er am besten kann – die Figuren auf dem Papier vor den Augen des Lesers zu lebendigen Menschen werden zu lassen.

Sieht man sich die Zahl der Charaktere an, die „The Stand“ bevölkern, wird klar, dass es schon des Kalibers eines Stephen King bedarf, um die sonst an dieser Stelle resultierende Oberflächlichkeit zu überwinden und dem Plot die dringend benötigte Tiefe zu verleihen. Geschickt und mit feiner Feder verwebt er die Schicksale der einzelnen Figuren, erzählt er ihre Geschichten, hebt King ihre Eigenheiten, ihre Stärken und Schwächen hervor. Dafür braucht es Zeit und natürlich auch Seiten, wenngleich diesem Aufwand ein Lohn folgt, der vielen anderen vergleichbaren Romanen gänzlich abgeht – Menschlichkeit. So abgedreht, unwirklich und unfassbar die Szenarien bei King oft sind (und im Falle von „The Stand“ ist dies gar nicht mal der Fall – schnäuzende Mitmenschen waren mir über Tage plötzlich ein Gräuel), ihre Wirkung können sie nur deshalb entfalten, weil sie allesamt zu einem gewissen Grad und manchmal noch darüber hinaus glaubhaft, nachvollziehbar, auf gefühlsmäßiger Ebene verständlich sind. Die Angst eines Larry Underwood erneut jemanden zurücklassen zu müssen. Die Trauer einer Frannie Goldsmith um ihren geliebten Vater. Die Unsicherheit des taubstummen Nick Andros plötzlich andere führen zu müssen. All das versteht der Leser nicht nur mittels der Vernunft, sondern weil King – und das mag kitschig klingen, trifft nichtsdestotrotz den Punkt – unser Herz berührt. Die Barriere zwischen dem Leser und der fiktiven Figur – sie wird durch die Art, wie King uns seine Geschichte erzählt, schnell niedergerissen.

Ein weiterer Grund dafür ist auch die Tatsache, dass der Autor Schwarz-Weiß-Malerei und das dadurch unvermeidbare Heldentum umgeht – etwas das angesichts dieses doch sehr offensichtlichen Gut-Böse-Gott-Teufel-Konflikts gar nicht so einfach ist. Doch King wäre nicht King, wenn er auch nicht diese Hürde mit Leichtigkeit überspringen und in den Entwicklungen der Charaktere die ein oder andere Überraschung mit einbauen würde. Dies ist wiederum nicht nur der Spannung zuträglich, sondern verdeutlicht auch noch einmal, dass man es mit normalen Menschen in einer Ausnahmesituation zu tun hat, welche in ihrer Furcht, und manchmal auch in gutem Glauben, zur falschen Zeit die falsche Wahl treffen. Diese Fehlentscheidungen, diese schicksalhaften Begegnungen und Entscheidungen, die Frage „Was-wäre-gewesen-wenn“, sind der Motor dieser weit verästelten Geschichte, in der Freud und Leid eng zusammenhängen, in der aus Gutem Böses entsteht und böse Absichten Gutes zur Folge haben können. Sie sind letztendlich auch für die Dynamik verantwortlich, welche die Handlung auch durch Passagen trägt, in denen der eigentliche Plot nicht vorangetrieben wird und King sich Zeit für die Fransen an seinem roten Faden nimmt.

Bestes Beispiel ist Glen Bateman, dessen soziologische Ausführungen sicherlich dem Tempo wenig zuträglich, dafür aber erschreckend visionär sind und den Glauben an die Menschheit in den Grundfesten erschüttern. Die Szenarien, welche er für die nahe Zukunft vorherzusehen glaubt, ernüchtern gerade durch ihre Nachvollziehbarkeit und lassen letztendlich auch den Schluss des Romans nochmal in einem anderen Licht erscheinen. Es ist schon beinahe unangenehm, wie gut King – und selten hat man den Autor in einer Figur genauer wiedererkannt – unsere Schwächen, Ängste und unsere Fehler erkennt. Und mit welch trauriger Resignation uns hier der Spiegel vor Augen gehalten wird.

Es ist daher einfach zu behaupten, dass „The Stand“ nur ein weiteres Weltuntergangsszenario, eine Dystopie unter vielen ist. Schaut man sich die Interpretationen der Neuzeit an (man betrachte allein die Welle an Zombie-Filmen, allen voran die Serie „The Walking Dead“), erkennt man nicht nur Kings Verdienst. Man muss auch eingestehen, dass der Meister des Horror selbst in dieser Hinsicht über jeden Zweifel und vor allem jeden Vergleich erhaben ist.

The Stand“ ist in Form, Umfang, Detailreichtum und auch Liebe zu eben jenen Details ganz sicher ein epochales Meisterwerk, das aber – und das unterscheidet das Buch meiner Ansicht nach von Werken wie „Es“ – ein ums andere Mal etwas vom Weg abkommt. Man könnte auch sagen – mit King sind hier stellenweise sprichwörtlich die Gäule durchgegangen. Kein unbegründeter Vorwurf, gesteht doch der Autor selbst ein, dass viele seiner Charaktere (und es müssen verdammt viele ihr Leben lassen) nur deshalb gestorben sind, weil er nicht wusste, was er mit ihnen noch anfangen sollte. Gerade für King-Neueinsteiger ist das eine bittere Erfahrung, da das Ableben oft sehr plötzlich kommt und (zumindest in meinem Fall) vor allem die tragenden, besonders interessanten Figuren die Zeche zahlen müssen.

Subtrahiert man diese Schwächen bleibt ein Wälzer von Roman, der trotz seines Alters so aktuell ist wie schon lange nicht mehr und die erst kürzlich eingedämmte Verbreitung des Ebola-Virus aus einem noch ganz anderen Blickwinkel einschätzen lässt. Ängste und Unsicherheit gibt es bei der Lektüre von „The Stand“ inklusive, was ein im Sessel sitzender Stephen King in seinem Haus in Bangor, Maine sicher mit zufriedener Miene und reibenden Händen zur Kenntnis nehmen dürfte:

„Ich habe es wieder einmal geschafft. Ich habe euch Angst gemacht.“

Wertung: 91 von 100 Treffern

einschuss2
  • Autor: Stephen King
  • Titel: The Stand – Das letzte Gefecht
  • Originaltitel: The Stand
  • Übersetzer: Harro Christensen, Joachim Körber, Wolfgang Neuhaus
  • Verlag: Heyne
  • Erschienen: 03.2016
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 1712 Seiten
  • ISBN: 978-3453438187

+++ Der Vorschau-Ticker – Winter 2017/Frühjahr 2018 – Teil 2 +++

Während sich die kleinen Verlage mit der Bekanntgabe der kommenden Veröffentlichungen noch etwas Zeit lassen und damit unwissentlich das Gefühl der Vorfreude bei mir noch steigern, sind einige der größeren Verlagshäuser mit ihren Vorschauen bereits online gegangen. Auffällig dabei diesmal: Im Bereich Krimi sieht es (wohlgemerkt bisher) etwas mau aus. Zuviel typische Fastfood-Thriller-Kost, wenig besonderes, das heraussticht. Dafür sind mir gleich mehr als ein Dutzend Titel aus der Belletristik (zu welcher ich den Spannungsroman hier auf diesem Blog zur Unterscheidung mal nicht zähle) ins Auge gefallen, die mindestens neugierig machen, in den meisten Fällen aber gar sichere Muss-Käufe sind. Aber dazu mehr in dem bereits angekündigten eigenen Belletristik-Ticker, denn „mau“ bedeutet ja nicht, dass die düsteren Seiten der Literatur in Zukunft gar nichts bieten werden.

Den Anfang macht „Ehrensache„, der nächste Fall aus der inzwischen 25-jährigen Serie um Detective Harry Bosch, welche zwar zuletzt mit einigen Tiefen zu kämpfen hatte, trotzdem aber zu den wenigen Reihen gehört, die durchweg ein hohes Niveau halten können. Und auch wenn in den letzten Titeln ein wenig die Frage mitschwang „Wie lange noch?“, folge ich Connellys Feder weiterhin gerne in die Unterwelt oder die Gerichtsgebäude der Stadt der Engel. Ob ich jedoch „Ehrensache“ gleich als Hardcover kaufe oder aufs TB warte – das hängt dann vom Bankkontostand im Januar nächsten Jahres ab. So oder so – schön, dass Droemer dem Autor weiterhin die Stange hält, habe ich doch (auch aus meiner Erfahrung als Buchhändler) so das Gefühl, dass Connelly sich hierzulande allenfalls solide verkauft.

Mit „Nighthawks – Stories nach Gemälden von Edward Hopper“ erfüllt sich doch tatsächlich eine bereits im April letzten Jahres von mir geäußerte Hoffnung. Die Kurzgeschichtensammlung –  in der u.a. Lawrence Block (der auch als Herausgeber fungiert), Joyce Carol Oates, Stephen King, Michael Connelly und Lee Child zum Stift gegriffen haben und die mit den Gemälden Edward Hoppers und der Welt des Verbrechens das zusammenführt, was für mich seit der ersten Betrachtung von „Nighthawks“ zusammengehört – erscheint nun auch bei uns in Deutschland. Dass dieser Titel ebenfalls bei Droemer herauskommt, ist für mich überraschend (Alf Mayer deutete allerdings vor nicht allzu langer Zeit so etwas an), aber dadurch nicht weniger erfreulich. Die beteiligten Autoren stehen für große Qualität. Im Verbund mit Hoppers Werk erwarte ich mir da doch einiges. Ein Muss-Kauf!

Im Anschluss nun zwei weitere Titel aus der großen Verlagsgruppe Random House, wobei ich nicht geglaubt hätte, den Namen John Grisham hier nochmal in einem meiner Vorschau-Ticker vorzufinden. Versteht mich nicht falsch – seine frühen Werke (z.B. „Die Jury„, „Der Regenmacher“ und „Die Akte„) habe ich in bester Erinnerung und waren ganz gewiss – zusammen mit einem Scott Turow – maßgeblich für die Etablierung des Subgenres des Justizthrillers. Dennoch kann auch ich nicht verhehlen: Nach einer gewissen Menge Grisham stellt sich recht schnell Übersättigung ein. Kennste einen, kennste alle. Ein Vorwurf, an dem schon ein bisschen etwas dran ist. „Das Original“ werde ich mir dennoch angucken. Eben weil es das übliche Gerichtssetting augenscheinlich hinter sich lässt. Stattdessen ein Manuskript von Fitzgerald, das FBI und ein findiger Buchhändler. Klingt interessant – ich werde hier mal die ersten Besprechungen abwarten.

Selbiges gilt für „Commissaire Le Floch und das Geheimnis der Weißmäntel„, dessen Autor Parot bereits mit Maigret verglichen wird. Mich erinnern Aufmachung und Inhaltsbeschreibung eher an eine Mischung aus Malet und C. J. Sansom. Wenn Parot die Qualität der beiden erreicht, wäre es den Kauf sicherlich wert. Auch weil der Schauplatz historisches Paris seit jeher eine besondere Faszination auf mich ausübt. Ein Titel, den ich im Auge behalten werde.

Was spricht euch an?

  • Michael Connelly – Ehrensache (Hardcover, Januar 2018 – Droemer Verlag – 978-3442715923)
  • Inhalt: Detective Harry Bosch ist in Rente gegangen und nicht mehr beim Los Angeles Police Department (LAPD), aber sein Halbbruder, der Anwalt Mickey Haller, braucht die Hilfe des erfahrenen Ermittlers. Eine Frau ist im Schlafzimmer ihres Hauses brutal ermordet worden, und alle Indizien deuten auf einen von Hallers Klienten, einen früheren Gangster, mittlerweile bürgerlicher Familienvater. Obwohl die Mordanklage wasserdicht scheint, hält Mickey sie für vorgeschoben. Offenbar soll seinem unschuldigen Klienten etwas angehängt werden. Zuerst will Bosch damit nichts zu tun haben, aber dann nimmt er sich der Sache an und betreibt mit der ihm eigenen Hartnäckigkeit Nachforschungen, um den Fall aufzuklären. Doch je näher er der Wahrheit kommt, umso mehr gerät er in das Visier des Täters …
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© Droemer

  • Lawrence Block (Hrsg.) – Nighthawks – Stories nach Gemälden von Edward Hopper(Hardcover, November 2017 – Droemer Verlag – 978-3426281642)
  • Inhalt: Jedes Bild erzählt eine Geschichte. Für die Gemälde von Edward Hopper (1882 – 1967), einer Ikone der modernen amerikanischen Malerei, gilt das in besonderem Maße. Seine Porträts von Menschen, die auf rätselhafte Weise in ihre Einsamkeit versunken scheinen, lassen der Phantasie einen weiten Spielraum. Siebzehn renommierte US-Autoren haben sich inspirieren lassen, jede(r) von einem anderen Bild. Ihre Geschichten setzen dort an, wo das Gemälde als Momentaufnahme zwangsläufig aufhören muss, erzählen weiter, was verborgen in der Mimik, der Körpersprache der Figuren und in der festgehaltenen Szene zu erspüren ist. Entstanden ist eine vielschichtige, faszinierende Kollektion von Storys über die menschliche Existenz und ihre Abgründe. Realistisch, anrührend, beunruhigend – immer aber fesselnd und überraschend.
    Mit Geschichten von Stephen King, Michael Connelly, Lee Child, Jeffery Deaver, Joyce Carol Oates, Lawrence Block u.a.
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© Droemer

  • John Grisham – Das Original (Hardcover, August 2017 – Heyne Verlag – 978-3453271531)
  • Inhalt: In einer spektakulären Aktion werden die handgeschriebenen Manuskripte von F. Scott Fitzgerald aus der Bibliothek der Universität Princeton gestohlen. Eine Beute von unschätzbarem Wert. Das FBI übernimmt die Ermittlungen, und binnen weniger Tage kommt es zu ersten Festnahmen. Ein Täter aber bleibt wie vom Erdboden verschluckt und mit ihm die wertvollen Schriften. Doch endlich gibt es eine heiße Spur. Sie führt nach Florida, in die Buchhandlung von Bruce Kable, der seine Hände allerdings in Unschuld wäscht. Und so heuert das Ermittlungsteam eine junge Autorin an, die sich gegen eine großzügige Vergütung in das Leben des Buchhändlers einschleichen soll. Doch die Ermittler haben die Rechnung ohne Bruce Kable gemacht, der überaus findig sein ganz eigenes Spiel mit ihnen treibt.
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© Heyne

  • Jean-François Parot – Commissaire Le Floch und das Geheimnis der Weißmäntel (Broschiert, September 2017 – Karl Blessing Verlag – 978-3896675736)
  • Inhalt: Paris, 1761: Als ein Polizeibeamter der Korruption verdächtig wird, betreut man den jungen Nicolas Le Floch mit dem Fall. Was als Bagatelle beginnt, wird schon bald zum Mordfall, da der verdächtigte Beamte verschwindet, und zu einem Skandal, der auch König Ludwig XV und seinen Hofstaat treffen könnte. Während die Pariser Gesellschaft sich dem wilden Treiben des Karnevals hingibt, führen Nachforschungen Nicolas Le Floch in Spielhöllen, Abdeckereien, Edelbordelle und die Verliese der Bastille. Wird er das Geheimnis lüften und den König retten?
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© Karl Blessing

 

Vorhang auf für die Gentleman-Ganoven

Die Luegen des Locke Lamora von Scott Lynchlocke-lamora-i-die_luegen_des_locke_lamora

Aktuelles Cover (links), Cover Erstveröffentlichung (rechts) – (c) Heyne Verlag

„Was hat ein Fantasy-Werk auf einem Krimi-Blog verloren?“, mag sich jetzt der ein oder andere fragen. Nun, wer mal ein näheren Blick auf die Rubrik „Behind the Alley“ geworfen hat, der wird feststellen, dass zwar das Hauptaugenmerk auf der namensgebenden Kriminalliteratur liegt, wir uns aber das Recht herausnehmen auch auf Titel abseits dieses Genres hinzuweisen, wenn einer von uns der Ansicht ist, dass diese einen Platz im Scheinwerferlicht verdient haben. Und nicht nur das: Wenn ich in den vergangenen zehn Jahren, vor allen in der Zeit als Buchhändler, eins gelernt habe, dann dass man sich nicht selbst in seinem Beuteschema zu sehr beschränken und auch mal über Genre-Grenzen hinweg auf Suche gehen sollte. Andernfalls ist die Gefahr, große Literatur zu verpassen, recht hoch. Und auf diese weise ich in folgender Besprechung mit Nachdruck hin:

Auch wenn man als Buchhändler in Ausbildung noch grundsätzlich jedes Leseexemplar eines Verlags freudig entgegennimmt – diese Euphorie des Neuen lässt später im Beruf übrigens dann doch etwas nach – so ist es erstens mangels Zeit unmöglich alles zu lesen und gibt es zweitens einfach Titel, bei denen man sich von vornherein nicht zu einer Lektüre durchringen kann. Letzteres traf vor nun fast zehn Jahren auch erst einmal auf Scott Lynchs „Die Lügen des Locke Lamora“ zu, welches, beigelegt im großen Random-House-Paket, für mich optisch ungefähr genauso ansprechend daherkam, wie ein Mund voll fauler Zähne.

Ein lieblos zusammengezimmertes Cover mit potthässlichem Schriftzug, das förmlich „billiger Schund“ schrie und den Eindruck erweckte, dass da bei Heyne jemand mal aber so gar keinen Bock gehabt hatte, irgendwie groß Mehrarbeit in diesen Titel zu investieren. Und überhaupt: Ein Fantasy-Roman vor Renaisscance-ähnlicher Kulisse in einem an Venedig angelehnten Setting? Das war so ziemlich all das, was ich in diesem Genre nicht brauche bzw. mich seit jeher schon kalt gelassen hat (selbst zum Zocken von „Assassins Creed 2“ musste ich aus selbigen Gründen hartnäckig überredet werden), zumal es im Verbund mit dem Namen des Protagonisten irgend so eine abgeschmackte Jugendbuchgeschichte vermuten ließ.

Langer Rede, kurzer Sinn. „Die Lügen des Locke Lamora“ ward zwar mitgenommen, aber für mehrere Monate ins Regal verbannt. An Fantasy konnte ich und kann ich auch heute eh nur sporadisch und in Maßen ran und zumindest zum damaligen Zeitpunkt hatten George R.R. Martin, Andrzej Sapkowski oder Patrick Rothfuss (Tolkien sowieso) die Nase in meiner Gunst weit vorn. Warum ich dann letztlich doch zum Buch gegriffen habe, kann ich rückblickend nicht mehr genau sagen, aber in der nun folgenden Besprechung darlegen, warum das letztlich eine äußerst, äußerst gute Entscheidung war, denn, dies sei vorab mal alle Zurückhaltung fahren lassend bemerkt: Scott Lynchs Erstlingswerk ist eines dieser Werke, das sich von der ersten Seite an in die Mundwinkel des Lesers krallt, um dessen Kiefer dann mit einem kräftigen Ruck nach unten zu ziehen und dort verweilen zu lassen. Ein hässliches Entlein, das zwischen den Buchdeckeln mit einer der innovativsten Geschichten aufwartet, die ich in diesem literarischen Umfeld bis hierhin erleben durfte und welche selbst denjenigen, welche sonst mit Fantasy so gar nichts anfangen können, auf das eindringlichste ans Herz gelegt sei.

Und nun zum Punkt und damit zur Handlung: Die Küstenstadt Camorr, eine große Lagune voller Kanäle, beherrscht vom örtlichen Adel, der aus seinen prunkvollen Villen und Türmen auf das Elend in den dunkelsten Gassen herabschaut, in dem Wissen, unangreifbar zu sein, hat man doch schon vor vielen Jahrzehnten ein Abkommen mit der organisierten Kriminalität geschlossen. Die kann die untere Kaste nach Belieben schröpfen und schikanieren, sofern der Adel verschont und damit das Geschäft nicht gestört wird. Doch es gibt eine kleine Bande in der Stadt, die sich nicht an diesen Pakt gebunden fühlt – die „Gentleman-Ganoven“. Angeführt werden sie von dem jungen Locke Lamora und dessen besten Kumpel Jean Tannen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, den hochmütigen Adel mit den ausgefeiltesten und komplexesten Trickbetrügereien über den Tisch zu ziehen, wobei sie sich einer Vielzahl von Lügen und Maskeraden bedienen. Die eigentliche Beute ist dabei fast zweitrangig. Wichtiger ist, die Habgier ihrer Opfer gegen diese zu verwenden und die eigenen Fähigkeiten immer wieder einer Probe zu unterziehen. Je größer das Risiko, desto besser.

Ihr aktuelles Unterfangen, die Ausbeutung des Ehepaars Don und Dona Salvara, soll zur Krönung ihres bisherigen kriminellen Treibens werden. Und anfangs scheint es auch so, als würden die „Fische“ mit Begierde den Köder schlucken, bis sich urplötzlich die Situation in Camorr ändert. Eine geheimnisvolle Figur, genannt der „Graue König“, rüttelt am Gleichgewicht der alten Kräfte. Ohne Rücksicht auf Verlust zieht er jeden Gegner brutal aus dem Verkehr, um den herrschenden Paten von der Spitze zu verdrängen und sich selbst an diese zu setzen. Seine gnadenlose Vendetta macht auch vor der Tochter des Paten nicht halt. Und es dauert nicht lange, bis die grausame Welle der Gewalt schließlich Locke und seine Freunde erreicht. Obwohl zahlen- und waffenmäßig weit unterlegen, erweisen sich die Gentleman-Ganoven jedoch als findige Widersacher, woraufhin schließlich ein Hexer auf sie angesetzt wird. Nun beginnt für Locke, Jean und den Rest der Gentleman-Ganoven ein Kampf ums Überleben …

Nun mag manch einer denken, dass ich Worte wie „brutal“, „gnadenlos“ und „grausam“ nur verwende, um die kurze Inhaltsangabe etwas ansprechender und dramatischer gestalten, als sie eigentlich ist – Faktisch ist jedoch das Gegenteil der Fall: Es ist kaum möglich, nur einen Hauch dessen hier in Kürze anzuteasern, was Scott Lynch im weiteren Verlauf mit der Gewalt einer Abrissbirne auf uns niederregnen lässt. Die Handlung ist von Anfang bis Ende ein Ritt auf der Rasierklinge – und das heißt auch, es fließt Blut, aber wie. Nicht um des Schockmoments willen, nicht um Mord und Totschlag zu verherrlichen – nein, um zu verdeutlichen, wie die Welt von Camorr tickt und was es heißt tagtäglich in ihr zu leben. Obwohl Lynch, wie so fast jeder Fantasy-Autor, in diesem Debütwerk vor der großen Aufgabe stand, einen Schauplatz samt Kultur, Geschichte und politischer Gesetzmäßigkeiten aus dem Nichts zu erschaffen, hat man schon von der ersten Zeile an das Gefühl, dass seine Finger nur so über die Tastatur geflogen sein müssen, als er „Die Lügen des Locke Lamora“ zu „Papier“ gebracht hat. Nichts, aber auch nichts wirkt da konstruiert oder gestückelt, nichts künstlich ausgeschmückt oder gar auf Effekt gebürstet.

Mit traumwandlerischer Sicherheit führt er Figuren ein, beschreibt ihre Eigenheiten, verwebt ihre Schicksale, lässt diese in das größere Ganze einfließen und schickt den Leser dabei auf eine Achterbahnfahrt voller Kehren und Wendungen, die dafür sorgen, dass einem bald klar wird: Nichts ist sicher, alles ist möglich. Selbst wenn man ein paar Seiten zuvor noch genau zu wissen glaubte, wie der Hase jetzt läuft, hoppelt der entweder erst gar nicht oder es ist am Ende gar kein Hase. Wie Locke und seine Freunde nutzt Lynch alle möglichen Tricks und Kniffe, um immer wieder aufs Glatteis zu führen und uns nach allen Regeln der Kunst zu verarschen. Wie bei einem guten Magier schauen wir fasziniert auf die herumwirbelnde Hand, während die andere die Ausgangslage schon wieder komplett ändert und für den Bluff zu dem Bluff ein weiteres Ablenkungsmanöver startet. Wohlgemerkt alles ohne irgendwie den Faden zu verlieren oder nur ein Jota Tempo aus der Vollgas-Story zu nehmen, in der alles erlaubt ist, außer die verfluchten Hände vom Buch zu nehmen.

Scott Lynch hat den klassischen Fantasy-Helden auf der Queste genommen und in den Papierkorb gekloppt und stattdessen Han Solo, Indiana Jones und sämtliche stinkmäuligen Statisten aus „Gangs of New York“ in den Mixer geworfen, um einen Gangsterroman hinzukleistern, der sich hinsichtlich Konsequenz und scharfzüngiger, bitterböser und einfach nur großartiger Dialoge, selbst hinter den besten Hardboiled-Werken nicht verstecken muss. Ganz im Gegenteil: Wie die Private-Eyes bei Chandler und Hammett, so bekommt auch Locke ordentlich auf die Fresse – nur um im Anschluss noch sturer sein Ziel zu verfolgen und sich terriergleich in die Waden seiner Gegner zu verbeißen. Womit wir Action und Dramaturgie gestreift hätten. Doch ganz im Stile von QVC muss ich an dieser Stelle lauthals verkünden: „Das ist ja noch lange nicht alles.“

Keine Besprechung wird diesem herrlichen Buch gerecht, ohne auf den Tiefgang dieses vollkommen irren Bühnenstücks vor noch irrerer Kulisse einzugehen, bleiben doch die Augen des Lesers nicht nur aufgrund der zynischen, derben (und damit authentischen) Dialoge kaum trocken, sondern vor allem aufgrund dessen, was die Figuren im Verlauf der ca. 850 Seiten durchleben müssen. Hier reiten die Helden nicht am Schluss mit wackelndem Hintern in den Sonnenuntergang. Hier wird noch der geringste Erfolg mit Blut bezahlt. Das Leben eines Freundes mit glänzender Klinge gerächt. Und das tut vor allem uns weh, denen die Charaktere – obwohl durchweg eher amoralisch, egoistisch und kriminell – einfach allzu schnell ans Herz wachsen. Wie bei Stephen Kings „Es“, so ist man auch in Lynchs Welt bald Teil der Gruppe, liest nicht, sondern miterlebt die Abenteuer und damit eben all das, was ihnen dabei widerfährt. Das Pendel zwischen lauthalsigem Lachen und ungläubiger Trauer – es schlägt beständig aus. Und es erwischt uns jedes Mal mit voller Wucht.

Nun scheint es, dass bei all den Lobeshymnen meine Füße den Teppich nicht mehr berühren. Aber wie auch auf selbigen bleiben, wenn ein so vollkommen unauffälliger Fantasy-Roman sich plötzlich in eins der besten Bücher verwandelt, was man je gelesen hat. Denn nicht mehr und nicht weniger ist „Die Lügen des Locke Lamora“. Ob man Fantasy mag, gleich. Ob man ein Faible für Venedig hat, egal. Wer neben all den Tolkien-Klonen wirklich mal in eine kreative, neue Welt eintauchen und sich nicht erst durch drei 1000-seitige Bände kämpfen will, um den Prolog eines Epos zu erleben, der ist bei diesem Werk genauso richtig, wie Leser, die emotional an der „Gurgel des Herzens“ gepackt werden wollen.

Die Lügen des Locke Lamora“ – das ist für mich der niedergeschriebene Beweis für die Macht eines Buches und für die Macht der Fantasie. Und das Beste daran: Es ist erst der Auftakt einer auf sieben Bände ausgelegten Reihe über den Vollblutganoven, in dessen weiteren Verlauf wir noch mehr dieser liebevoll-detaillierten Welt entdecken und – soviel sei verraten – die scheinbar das Niveau von Lynchs Debütwerk halten kann. Kompliment übrigens auch an Heyne, die sich nach dem völlig unpassenden ersten Cover, zu einer gelungeneren Neugestaltung entschieden haben.

Wertung: 93 von 100 Treffern

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  • Autor: Scott Lynch
  • Titel: Die Lügen des Locke Lamora
  • Originaltitel: The Lies of Locke Lamora
  • Übersetzer: Ingrid Herrmann-Nytko                                  
  • Verlag: Heyne
  • Erschienen: 07.2007
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 847 Seiten
  • ISBN: 978-3453530911

+++ Der Vorschau-Ticker – Frühjahr/Herbst 2017 – Teil 4 +++

Stillstand ist bekanntlich Rückschritt und deswegen „Feuer frei!“ für den vierten Teil meines persönlichen Vorschau-Tickers, der sich mit der ersten Hälfte meiner heiß erwarteten Random-House-Titel befasst und gleich mehrere Titel beinhaltet, die es ganz sicher in mein Regal schaffen werden.

Auf Ian Rankins „Ein kalter Ort zum Sterben“ freue ich mich besonders. Der ein oder andere wird es schon zwischen den Zeilen gelesen oder auch von mir gewusst haben – der Edinburgher Autor ist neben James Lee Burke und dem großen Sir Arthur Conan Doyle mein unangefochtener Lieblingsautor im Spannungsbereich. Und die Serie über den kauzig-schroffen John Rebus liegt mir unheimlich am Herzen. Hoffe da bei jedem neuen Fall, dass es nicht der letzte ist. Eine Krimi-Welt ohne Rebus, Siobhan oder Big „Ger“ Cafferty möchte ich mir gar nicht vorstellen. Wer die Serie noch nicht kennt, dem sei als Quereinstieg „Das Souvenir des Mörders“ empfohlen, das Ende März neu aufgelegt wird. Der aktuelle Titel (Nr. 21 der Reihe) könnte zwar durchaus auf demselben Level unterhalten – es ist meines Erachtens hier aber immer schade, wenn man als Neuling die ganzen Querweise und Anspielungen auf die Geschehnisse früherer Bände überliest.

Im Bereich des „True Crime“ erscheint im April bei btb der verheißungsvolle Titel „Das Verbrechen„, welcher sich mit der Mordserie an einem Indianer-Stamm in den 20er Jahren beschäftigt – einer der ersten großen Fälle des FBI. Setting, zeitlicher Kontext sowie die Umstände der Morde. All das klingt durchweg interessant und lesenswert. Und seit Capotes „Kaltblütig“ habe ich an (guter) „True-Crime“-Literatur ohnehin einen Narren gefressen. Ein Buch, das ich mir definitiv holen werde.

Der Komplettist in mir wird wohl auch zu „Das Böse vergisst nicht“ greifen, dem Abschluss von Roberto Costantinis Trilogie, von der ich bisher nur Band eins (mit Wonne) gelesen habe. Fraglich aber, ob ich nicht – wie bei Band zwei, der zeitgleich mit dem HC des dritten Bands erscheint – auf das Taschenbuch warten werde. Das Libyen von 2011 ist jedenfalls mal ein Schauplatz, der mir im Krimi so nicht begegnet ist. Bin gespannt, was Constantini aus der Ausgangslage gemacht hat.

Luca D’Andreas „Der Tod so kalt“ wird in der Vorschau ja ausgiebig mit Lobeshymnen überschüttet, die, wenn man daran glaubt, das Buch als nächsten großen Ausnahme-Krimi preisen, an dem zudem gleich mehrere deutsche Verlage Interesse gehabt haben sollen. Für mich hat so ein Vorab-Gepreise immer ein gewisses Geschmäckle, wenngleich ich nicht verhehlen kann, dass mich der Klappentext durchaus anspricht. Klingt nach einer Lektüre im Stil von Thomas Willmanns „Das finstere Tal„. Und wenn es ähnlich gut wird, hat sich ein Kauf mit Sicherheit rentiert. Wird also nach jetzigem Stand den Weg in mein Regal finden.

Ob das für Bracken MacLeods „Im finsteren Eis“ gilt, ist eher unsicher. Der Titel fällt in die Kategorie der Bücher, die ich vielleicht mitnehme, wenn ich sie irgendwo ausliegen sehe, zumal das Rezept hier wohl 1:1 bei „Terror“ abgeguckt wurde. Zumindest klingt die Beschreibung doch arg ähnlich. Vielleicht greife ich jedoch auch erst zu „Mountain Home„, welches bereits vor einiger Zeit bei Festa erschienen ist und von (Ex-)Kollege Michael Drewniok auf der Krimi-Couch äußerst wohlwollend bewertet worden ist.

Irgendetwas für euch dabei?

  • Ian Rankin – Ein kalter Ort zum Sterben (Hardcover, März 2017 – Goldmann Verlag – 978-3442314614)
  • Inhalt: Bei einem romantischen Dinner im Caledonian Hotel erinnert sich Rebus an einen Mord, der fast vierzig Jahre zuvor dort stattgefunden hat: Eine junge lebenslustige Bankiersgattin wollte in dem Luxushotel einen Liebhaber empfangen – am nächsten Morgen wurde sie tot aufgefunden. Die Verdächtigen kamen aus den besten Kreisen, der Täter wurde nie gefasst. Ein Skandal, der Rebus nicht loslässt. Während er sich in den alten Akten vergräbt, gerät das kriminelle Machtgefüge in Edinburgh gefährlich ins Wanken: Darryl Christie, einer der Hauptakteure, wird überfallen und halb totgeschlagen; eine Ermittlung wegen Geldwäsche bringt ihn zusätzlich in Bedrängnis. Es sieht so aus, als würde Ex-Gangsterboss Big „Ger“ Cafferty im Hintergrund die Fäden ziehen. Eine Entwicklung, die Rebus gar nicht recht sein kann. Zumal die erste Leiche im tödlichen Revierkampf von Schottlands Unterwelt nicht lange auf sich warten lässt …
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(c) Goldmann

  • David Grann – Das Versprechen (Hardcover, April 2017 – btb Verlag – 978-3442757268)
  • Inhalt: In den 1920ern hatten nicht die Bewohner von New York oder Paris das höchste Pro-Kopf-Einkommen: die reichsten Menschen der Welt waren die Osage-Indianer im amerikanischen Bundesstaat Oklahoma. Das karge Land, das ihnen als Reservat zugewiesen worden war, barg gigantische Ölvorkommen, die ihnen ein Leben in ungeahntem Luxus ermöglichten. Doch der Reichtum brachte den Osage kein Glück: Eine mysteriöse Serie von Morden nahm ihren Anfang, der schließlich mehr als 300 Stammesmitglieder zum Opfer fallen sollten – sie wurden vergiftet, erschlagen oder erschossen. Die Osage-Morde wurden zum ersten großen Fall für das noch junge FBI. Doch Korruption und Geldgier hatten auch hier bereits Einzug gehalten. Erst einer Gruppe von Undercover-Agenten gelingt es schließlich, diese wohl finsterste und spektakulärste Mordserie in der Geschichte der USA aufzuklären.
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(c) btb

  • Roberto Costantini – Das Böse vergisst nicht (Hardcover, April 2017 – C. Bertelsmann – 978-3570102572)
  • Inhalt: Sommer 2011: Während in Libyen Bürgerkrieg herrscht, treffen sich in Rom auf einem Luxusschiff internationale Wirtschaftsbosse zu Geheimverhandlungen über den Mittleren Osten. Am nächsten Tag werden eine junge Hostess, die auf dem Schiff arbeitete, und ihre kleine Tochter ermordet aufgefunden. Commissario Balistreri, desillusionierter Chef der Mordkommission, trifft bei den Ermittlungen bald auf alte Bekannte aus seiner libyschen Kindheit, die er in den letzten Winkel seines Bewusstseins verdammt hatte. Durch die Ermittlungen wird er gezwungen, in das von Bomben zerstörte Libyen zurückzukehren und seinem früheren Ich und einer unerträglichen Wahrheiten ins Auge zu sehen …
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(c) C. Bertelsmann

  • Luca D’Andrea – Der Tod so kalt (Broschiertes Taschenbuch, März 2017 – DVA Verlag – 978-3421047595)
  • Inhalt: Südtirol, 1985. Tagelang wütet ein gewaltiges Gewitter über der Bletterbach-Schlucht. Drei junge Einheimische aus dem nahegelegenen Siebenhoch kehren von einer Wanderung nicht zurück – schließlich findet ein Suchtrupp ihre Leichen, aufs Brutalste entstellt. Den Täter vermutet man im Bekanntenkreis, doch das Dorf hüllt sich in eisiges Schweigen. Dreißig Jahre später beginnt ein Fremder unangenehme Fragen zu stellen. Jeder warnt ihn vor den Konsequenzen, allen voran sein Schwiegervater, der die Toten damals gefunden hat. Doch Jeremiah Salinger, der seiner Frau in ihr Heimatdorf gefolgt ist, lässt nicht locker – und wird schon bald seine Neugier bereuen. Ein Fluch scheint alle zu verfolgen, die sich mit den Morden beschäftigen. Ist dort unten am Bletterbach etwas Furchtbares wieder erwacht? Etwas, so uralt wie die Erde selbst …
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(c) DVA

  • Bracken MacLeod – Im finsteren Eis (Taschenbuch, September 2017 – Heyne Verlag – 978-3453438903)
  • Inhalt: Als sich die Crew des Versorgungsschiffes Arctic Promise plötzlich im Zentrum eines Orkans findet, ahnen die von Wind und Wetter gehärteten Männer nicht, dass dies erst der Beginn ihrer Irrfahrt ist. Vom rücksichtslosen Kapitän immer weiter in die schwarze, eisige See getrieben, läuft das Schiff in einer gigantischen Eisscholle auf. In Kälte und Dunkelheit eingeschlossen, bricht eine seltsame Krankheit unter den Männern aus. Doch sie sind nicht alleine. In der Ferne sind die Umrisse eines zweiten Schiffes zu sehen. Dunkel, bedrohlich … In ihrer Verzweiflung machen sich die Überlebenden auf, um nach Rettung zu suchen. Sie ahnen nicht, dass in dem Schiff bereits etwas haust … etwas Böses …
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(c) Heyne

 

Unterhalten wir uns hier im Dämmerlicht mal über Vampire …

Brennen muss Salem von Stephen King

(c) Heyne

Warum ich nach all der Zeit ausgerechnet eine Rezension zu „Brennen muss Salem“ auf meinem Blog poste? Da die Gegenfrage „Warum nicht?“ wohl ein bisschen zu wenig Inhalt bietet, komme ich mal auf meine Besprechung von „Carrie“ aus dem April letzten Jahres (Verdammt, ist das schon wieder so lange her?) zurück, die ja als Auftakt einer Reise in die Welt von Stephen King dienen sollte. Und da meine aktuelle Lektüre „Feuerkind“ der Feder desselben Schreiberlings stammt, lag die Idee nahe, mit dem „Grand Master of Horror“ den Faden wieder aufzunehmen.

Lange Rede, kurzer Sinn. Hier mein Senf zu „Brennen muss Salem“. Nicht weniger als einer der besten Horror-Schmöker, die ich je in Händen halten durfte.

„Schaut sich der interessierte Besucher heutzutage in den Buchhandlungen um, wird er immer öfter auf eine separate Abteilung für Vampire stoßen, die, losgetreten von Stephenie Meyers „Biss“-Zyklus, auf einer Welle reitet, welche die klassische Figur des „Nosferatu“ zum wunderschönen, romantischen Jüngling degradiert hat – der anscheinend nur ganz zufällig unsterblich und mit Eckzähnen versehen ist. Saugten früher die Wesen der Nacht noch in der Halsbeuge ihrer Opfer, wird nun wesentlich tiefer liegenden Körperteilen die volle Aufmerksamkeit geschenkt. Der Vampir ist zum Zugpferd des „Nackenbeißer“-Genres geworden, der eigentliche Schrecken und Aberglauben um diese sagenumwobene Figur wurde der Schmonzette und letztlich vor allem dem Profit geopfert. Währenddessen herrschen im eigentlichen Horror-Genre inzwischen Splatter und Folter vor, wird sackkarrenweise Blut und Gedärm über den Leser ausgeschüttet, der, oftmals abgestumpft von „Saw“ und Co., davon ungefähr so emotional bewegt wird, wie manch anderer mittlerweile von den Abendnachrichten – vom fein ziselierten, psychologischen Grusel scheint man weiter entfernt denn je. Was bleibt ist der Griff zum Klassiker – und zu denen muss, nicht erst seit der Wiederveröffentlichung des Titels in einer „Illstrated Edition“ bei Zsolnay und Heyne, „Brennen muss Salem“ unbedingt gezählt werden.

Stephen Kings zweiter Roman, der in seiner Idee bereits vor „Carrie“ entstanden ist, sollte allen heutigen „Vampir“-Autoren mit satter Vorhand um die Ohren gehauen und anschließend als Lehrmaterial in die Hand gedrückt werden, erweist sich diese moderne Version von Bram Stokers „Dracula“ doch als zeitloses Werk, dessen Story auch über vierzig Jahre nach der Veröffentlichung immer noch funktioniert. Sein Erfolgsrezept: Die Einfachheit, das unkomplizierte Du und Du mit dem Leser, dem nichts von oben herab erzählt und der auch nicht belehrt, sondern mit simpelsten, aber wirkungsvollsten Mitteln in die Geschichte hineingezogen wird:

„Schalten Sie den Fernseher aus – schalten Sie doch auch mal alle Lichter aus bis auf die eine Lampe über ihrem Lieblingssessel -, und dann unterhalten wir uns hier im Dämmerlicht mal über Vampire. Ich denke, ich bringe Sie dazu, an sie zu glauben, denn ich habe es, während ich an meinem Buch arbeitete, selber auch getan.“ Stephen King in seinem Vorwort zur Ausgabe von 2005. Und soviel sei vorab gesagt: An Vampire habe ich nach der Lektüre des Buches zwar letztlich nicht geglaubt – das allabendliche Warten an der finsteren Haltestelle unseres kleinen Dorfes fiel aber irgendwie noch stiller aus als sonst.

Ihren Anfang nimmt die Geschichte von „Brennen muss Salem“ im Herbst des Jahres 1975. Ben Mears, Schriftsteller und Sohn der Kleinstadt Salem’s Lot (kurz für Jerusalem’s Lot), kehrt in die Heimat seiner Kindheit zurück, um den Tod seiner bei einem Unfall gestorbenen Freundin zu verarbeiteten und einen Neuanfang zu wagen. Gleichzeitig will er sich einer alten Angst stellen, welche in Form des alten Marsten-Hauses oberhalb der Stadt thront. Erbaut im frühen 20. Jahrhundert, ranken sich viele Mythen und Legenden um das Haus und seine Bewohner. Hubert Marsten soll gar für einige Morde verantwortlich und praktizierender Satanist gewesen sein. Für Ben Mears, der sich in frühester Jugend bei einer Mutprobe Zutritt verschafft und eine bis heute nicht rational zu erklärende Begegnung mit dem Geist Marstens gehabt hat, sieht darin genug Potenzial für ein neues Buch und beginnt zu schreiben. Gesellschaft leistet ihm dabei die junge Susan Norton, in die er sich recht bald verliebt.

Doch Mears Inspiration, das seit vielen Jahren unbewohnte Haus, scheint nun einen neuen Mieter gefunden zu haben. Mr. Straker, ein mysteriöser Herr mittleren Alters mit noch älterem Auto, hat sich dort niedergelassen. Gemeinsam mit seinem Partner Mr. Barlow will er ein Antiquitätengeschäft in Salem’s Lot eröffnen. Ein ungewöhnliches Ansinnen, nicht nur aufgrund der überhöhten Preise. Doch bevor sich die Bevölkerung der Kleinstadt länger über den Neuankömmling und den durch Abwesenheit glänzenden Kompagnon wundern kann, erregen weit schlimmere Dinge ihre Aufmerksamkeit: Am Friedhofszaun wird ein gepfählter Hund aufgefunden. Und nur kurze Zeit später verschwindet ein Sohn der Glicks spurlos, während der andere plötzlich an einer unerklärlichen Blutarmut zu leiden scheint. Da all die Ereignisse mit Ben Mears Ankunft in Salem’s Lot zusammenfallen, wird dieser nun zunehmend schärfer beäugt. Er selbst richtet seinen Blick dagegen hoch zum Marsten-Haus.

Sind die alten Gemäuer erneut zu einem Hort des Bösen geworden? Oder gibt es für all das eine vollkommen logische Erklärung? Gemeinsam mit Sue, dem trinkenden Priester Callahan, dem alten Lehre Burke und einem scharfsinnigen, kleinen Jungen namens Mark, geht Ben Mears dem Übel auf dem Grund … und stößt auf einen Gegner, der ihm und seinen Gefährten stets einen Schritt voraus zu sein scheint.

Achtzig Jahre nach Stokers „Dracula“ kehrt King mit „Brennen muss Salem“ zu den Ursprüngen des Vampir-Romans zurück und konfrontiert den Leser, ausgehend von der Idee den alten Stoff in die Moderne zu übernehmen, mit den Urängsten der Menschen. Dunkle, knarzende Kellertreppen. Huschende Schatten in der Finsternis. Vom Wind raschelnde Blätter im Wald. Rot funkelnde Augen in völliger Schwärze. Kings Mittel sind so einfach wie wirkungsvoll, kreieren von Beginn an eine Stimmung, welcher man sich nur schwerlich entziehen mag und mit jeder umgeschlagenen Seite an Intensität gewinnt. Das ist insofern beeindruckend, da die Hommage in Aufbau und Chronologie den Ereignissen des älteren Vorbilds durchaus ähnelt. Von der Verschiffung der Kisten, über den Gehilfen und die Ausbreitung der Vampire bis hin zum Aussehen des Vampirs – „Brennen muss Salem“ hält sich eng an den Ur-Stoff, ordnet sich aber dennoch nicht gänzlich den klassischen Tönen unter. Wo Stoker lediglich andeutete, wird King konkret. Dabei macht er die Thematik Vampirismus glaubhaft ohne sie zu entmystifizieren. Als Mittel dient ihm, wie auch in vielen seiner späteren Romane, die provinzielle US-Kleinstadt, welche dem Leser zwar nicht als Karte vorliegt, aber derart en detail beschrieben wird, das deren Aufbau uns bald so vertraut ist, wie die sie bevölkernden Figuren, welche uns teilweise mit schwindelerregender Schnelligkeit ans Herz wachsen. Und hiervon lebt, ja, hierdurch atmet die gesamte Geschichte.

Salem’s Lot ist nicht einfach der zufällige Schauplatz eines auf ihm tobenden Horrors – es wird zur Heimat des Lesers, die dort lebenden Menschen zu Bekannten, Freunden, Vertrauten. Und hieraus zieht „Brennen muss Salem“ seine Spannung. Wie eine langsam vor die Sonne schiebende Wolke greift der Schauder auf uns über. Die gemütliche Wärme eines spätsommerlichen Abends weicht herbstlicher Kälte. Statt zirpenden Grillen und Zikaden erklingen die Schreie der Ziegenmelker in der Nacht. Schritt für Schritt nimmt die Dunkelheit Besitz von Salem’s Lot, während wir hilflos mit anschauen müssen wie Barlow und Straker, von der Abgeschiedenheit des Ortes genauso begünstigt wie von der typischen Kleinstadt-Mentalität der Bewohner, die Reihen mit eiskalter Präzision lichten und dabei auf fast keinerlei Gegenwehr stoßen. King, der selbst an einem ähnlichen Ort aufgewachsen ist, erweist sich hier einmal mehr – und das ist seine große Stärke, die mich immer wieder so begeistern und bewegen vermag – als perfekter Beobachter seiner Mitmenschen. Salem’s Lot ist voller Ecken und Kanten. Seine Bevölkerung, so amerikanisch sie auch sein mag, ist der unserer Dörfer und Kleinstädte mit all ihren Fehlern erschreckend ähnlich. Häusliche Gewalt, Gleichgültigkeit, Snobismus, tugendhafter Wahn, Spießbürgertum, soziales Elend. Anhand der Figuren erhalten wir einen Querschnitt der Gesellschaft, welcher den eigentlichen Horror des Vampirs durch die alltägliche Bösartigkeit noch verstärkt.

Als Zentrum des Ganzen versteht sich dabei das Marsten-Haus. Eine Reminiszenz an Shirley Jacksons „Hill House“ (oder auch Blackwoods „Das leere Haus“), steckt auch in ihm „etwas Dunkles“ und bleibt, selbst als Barlow es verlässt, ein unheimlicher, das ursprünglich Böse verströmender Ort. In Folge dessen sind es besonders die Passagen, welche rund um das Haus spielen, welche die angesichts heutiger Schrecken schon fast in Vergessenheit geratene Gänsehaut auslösen und den Leser mit leicht nervösem Blick den Gang in den eigenen Keller antreten lassen. Die photographische Schärfe mit der King all dies zeichnet, sein unnachahmliches Gefühl für das richtige Timing – im Verbund mit der sich stetig zuspitzenden Handlung machen sie aus „Brennen muss Salem“ mehr als nur schlichte Unterhaltung.

Kings zweiter Roman ist voller Finsternis, Schwärze und Hoffnungslosigkeit, aber auch gleichzeitig durchsetzt von herzerwärmender Liebe und tiefempfundener Freundschaft. Ein herausragendes, berührendes und beklemmendes Meisterstück des Genres, das den guten alten Horror wieder salonfähig gemacht und mich über viele Stunden von allen anderen Aktivitäten abgehalten hat.

Der Abschied fiel mir, wie schon bei „Es“, nicht leicht, wird in der aktuellen „Illustrated Edition“ aber durch zwei weitere Kurzgeschichten hinausgezögert, welche die Geschehnisse rund um Salem’s Lot komplettieren.

Eins für Unterwegs“ setzt zwei Jahre nach dem Ende von „Brennen muss Salem“ an und erzählt die Geschichte eines Durchreisenden, dessen Familie im tiefsten Winter in einem Auto nahe Salem’s Lot eingeschneit worden ist. Widerstrebend erklären sich zwei Einheimische bereit, ihren Drink in der Bar zurückzulassen und dem Mann bei der Suche zu helfen. Im Gepäck: Eine Bibel und ein Kruzifix …

Bereits in der Kurzgeschichtensammlung „Nachtschicht“ erschienen, bietet „Eins für Unterwegs“ für King-Jünger nichts Neues. Für alle anderen stellt die nur wenige Seiten umfassende Geschichte aber eine äußerst stimmungs- und humorvolle Weitererzählung der vorhergehenden Ereignisse dar.

Jerusalem’s Lot“ (auch bereits vorher unter dem Titel „Briefe aus Jerusalem“ erschienen) erzählt von Charles Boone, der Mitte des 19. Jahrhunderts von seiner Familie das Anwesen Chapelwaite erbt und sich dort mit seinem treuen Diener Calvin McCann niederläßt. In den Briefen an seinen Freund Bones wird nach und nach deutlich, dass mit dem Haus etwas nicht stimmt. Die unheimlichen Geräusche, die erschrockenen Gesichter der Ortsansässigen, die Andeutungen und rätselhaften Geschichten von Mrs. Cloris lassen Charles bald selbst an einen Fluch glauben, den seine Familie mit in den Ort gebracht hat…

Jerusalem’s Lot“ ist insofern interessant, da es chronologisch nicht nur Jahre vor „Brennen muss Salem“ spielt, sondern auch in Aufbau und Sprache nah an Bram Stokers „Dracula“ bleibt, dem dieses Werk auch direkt gewidmet ist. So setzt sich die komplette Geschichte aus Briefen zusammen, die, anfangs noch amüsiert, später immer mehr vom Grauen befallenen, von den Geschehnissen rund um Chapelwaite berichten. Gleichzeitig zitiert King hier ausgiebig Lovecraft. Unter anderem verwendet James Boone dessen Zauberformeln, um das Böse heraufzubeschwören. In Wirkung und Atmosphäre bleibt „Jerusalem’s Lot“ jedoch gegenüber der vorherigen Erzählung zurück.

Komplettiert wird die vorliegende Ausgabe durch die einstmals „Gestrichenen Szenen“ von „Brennen muss Salem“. Diese sind allerdings, von der alternativen Fassung des Endes von Dr. Cody und Barlow mal abgesehen, vernachlässigbar und lassen deutlich erkennen, warum Lektor und Autor diese in Absprache nicht mit ins Buch übernommen haben. Hier hätte man sie ebenfalls – nun ja – streichen können.“

Wertung: 96 von 100 Treffern (plus Kurzgeschichte „Eins für unterwegs“ 93 Treffer, „Jerusalem’s Lot“ 84 Treffer)

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  • Autor: Stephen King
  • Titel: Brennen muss Salem
  • Originaltitel: Salem’s Lot
  • Übersetzer: Peter Robert
  • Verlag: Heyne
  • Erschienen: 09.2010
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 736
  • ISBN: 978-3453407497