+++ Der Vorschau-Ticker – Winter 2017/Frühjahr 2018 – Teil 3 +++

Der Suhrkamp Verlag war in den letzten Jahren immer eine heiße Adresse, wenn es darum ging, bis dato hierzulande unbekannte Autoren aus dem Genre der Spannung für den deutschen Buchmarkt zu entdecken bzw. längst vergessene Schriftsteller (wie zuletzt James Grady oder Gerald Seymour) wieder ins Blickfeld der Leser zu zerren. Das ist insofern erwähnenswert, da ich mich noch gut an die damalige Ankündigung des Verlagshauses erinnern konnte, nun auch den Krimi-Markt bedienen zu wollen und meine erste Reaktion eher wie folgt aussah: „Suhrkamp und Krimi? Passt doch überhaupt nicht zusammen.“ Was bleibt mir heute zu sagen, als: Mea Culpa. Ob es zusammengehört oder nicht – dank Autoren wie Adrian McKinty, William Shaw, Don Winslow, Andreas Pflüger oder Walter Mosley scheint das (bisher) eine echte Erfolgsstory zu sein. Und da wir alle natürlich wissen wollen, wie diese weitergeht, ward daher auch die Vorschau dieses Verlags wieder äußerst genau unter die Lupe genommen, wobei auffällt, dass für mich dieses Mal doch tatsächlich etwas weniger dabei ist. Im aktuellen Vorschau-Ticker gesellt sich deshalb dann auch noch ein Titel aus dem Verlag Rütten & Loening hinzu. Und nun zu den Büchern:

Wahrscheinlich werde ich wohl einer von vielen sein, der sich die Veröffentlichung von „Dirty Cops“ herbeisehnt, ist doch McKintys Reihe um Inspector Sean Duffy im Nord-Irland der 80er so mit das Beste was das Genre derzeit so hergibt. Nein, kein ausgelutschter Superlativ, sondern Tatsache, weil McKinty sich tatsächlich immer wieder neu erfindet und das schon beängstigend hohe Niveau seit inzwischen fünf Bänden hält (die ebenso gelungenen Romane um Michael Forsythe mal nicht mit eingerechnet). Und es sieht so aus, als würde auch Nummer sechs da keine Ausnahme machen, wenn man sich die ersten Kritiken zu „Police at the station and they don’t look friendly“ (dt. „Dirty Cops„) mal durchliest. Da passt es gut ins Bild, das McKinty dieses Jahr mit dem Edgar Award ausgezeichnet und u.a. für folgende weiteren Preise nominiert wurde: „Theakston’s Old Peculier Crime Novel of the Year Award“, „Ned Kelly Award“, „CWA Ian Fleming Steel Dagger“ und „Barry Award“. Mehr geht wahrlich nicht. Und daher – natürlich – ein Muss-Kauf!

Überschlagen tun sich Kritiker und Durchschnitts-Leser gleichermaßen auch bei Andreas Pflüger, den ich – Schande über mein Haupt – immer noch nicht gelesen habe. In diesem Fall hat das aber nichts mit meiner natürlichen Skepsis bei deutschen Polit- oder Agententhriller-Vertretern zu tun, sondern vielmehr schlichtweg mit mangelnder Zeit. Ich hoffe, im Laufe des Jahres diese Scharte – im wahrsten Sinne des Wortes – „Endgültig“ auswetzen zu können, um vielleicht im Anschluss daran gleich den Nachfolger lesen zu können. Naja, sag „Niemals“ nie 😉 . Ins Regal wird es in jedem Fall wandern.

Ob „Die Ratten von Perth“ Pflüger da Gesellschaft leisten, muss ich noch abwarten. Der Autor ist für mich ein unbeschriebenes Blatt, die Inhaltsbeschreibung spricht meine niederen Sowat-lese-ich-jerne-Instinkte an und der Schauplatz Western Australia ist auch mal ne nette Abwechslung zum sonst so (im Krimi) vorherrschenden Osten Down Unders. Dennoch gehe ich da mit mehr Vorsicht ran. Die ein oder andere Neuerscheinung der letzten zwei Halbjahre bei Suhrkamp hat (zumindest bei mir) nicht mehr in dem Maße gezündet. Und um Candice Fox schleiche ich immer noch unentschlossen herum. Hier scheinen die Meinungen ebenfalls stark auseinanderzugehen bzw. die für mich maßgeblichen Rezensenten Fox eher durchwachsenes Niveau zu bescheinigen. Schaun mer mal wie sich Whish-Wilson da schlägt.

Obwohl man inzwischen ja beinahe von einem Südafrika-Overkill auf dem deutschen Krimi-Markt sprechen kann – Deon Meyer hat bei mir eine Ausnahmestellung inne. Seit „Der traurige Polizist“ hänge ich treu an seinen Lippen und freue mich wie ein Schneekönig auf jede weitere Neuerscheinung. So auch auf diese. „Fever“ wird fiebrig-heiß erwartet und ist so gut wie gekauft – auch wenn es mich nervt, dass man die einheitliche Covergestaltung nicht mal für ein paar Jahre durchhalten konnte.

Und wo schlägt euer Herz höher?

  • Adrian McKinty – Dirty Cops (Broschiertes Taschenbuch, Februar 2018 – Suhrkamp Verlag – 978-3518468425)
  • Inhalt: Belfast 1988: Ein Mann wird mit einem Pfeil im Rücken tot aufgefunden. Es waren wohl kaum Indianer, und auch Robin Hood dürfte als Täter nicht in Frage kommen. Und da das Opfer eh nur ein Drogendealer war, könnte man sein kurioses Dahinscheiden ruhigen Gewissens zu den Akten legen. Doch Inspector Sean Duffy tut sich schwer damit, Morde zu den Akten zu legen – auch wenn seine Vorgesetzten ihn dazu drängen und der Haussegen bei der jungen Familie Duffy gerade reichlich schief hängt. Und noch jemand möchte Duffy zum Aufgeben zwingen: Eines Nachts findet er sich im Wald wieder, wo drei bewaffnete, maskierte Gestalten ihn dazu zwingen, sein eigenes Grab auszuheben …

© Suhrkamp

  • Andreas Pflüger – Niemals (Hardcover, Oktober 2017 – Suhrkamp Verlag – 978-3518427569)
  • Inhalt: Die blinde Polizistin Jenny Aaron ist nach den schlimmsten zweiunddreißig Stunden ihres Lebens nur knapp dem Tod entkommen und sucht Zuflucht bei ihrem väterlichen Freund in Schweden. Aaron weiß nicht, welchen Weg sie einschlagen soll: Sie hat das Angebot, wieder der Abteilung beizutreten, der geheimen Sondereinheit, der sie vor ihrer Erblindung angehörte. Aber um welchen Preis? Sie klammert sich an die Hoffnung, wieder sehen zu können – ohne zu wissen, ob es ein Traum bleiben wird. Da erreicht Aaron eine Nachricht, die all ihre Zukunftspläne zertrümmert: Ihr Todfeind hat ihr ein gigantisches Vermögen hinterlassen – hinter dem sich ein grausames Geheimnis verbirgt. Um Gewissheit zu erlangen, muss sie nach Marrakesch. Dort bricht die Hölle los …

© Suhrkamp

  • David Whish-Wilson – Die Ratten von Perth (Taschenbuch, August 2017 – Suhrkamp Verlag – 978-3518468050)
  • Inhalt: Perth, Western Australia, 1975. Die Chefin eines Luxusbordells wird ermordet. Es besteht kein Zweifel daran, dass Polizisten die Frau publikumswirksam hingerichtet haben. Alle Ermittlungen aber verlaufen im Sande. Superintendent Frank Swann will das nicht hinnehmen und ermittelt auf eigene Faust gegen seine Kollegen. Deswegen ist sein Ruin beschlossene Sache in den Etagen der Macht. Mit einem aufwändigen Verfahren soll er aus dem Verkehr gezogen werden. Aber Swann ist zäh, ruppig und gefährlich. Er schlägt zurück und setzt damit sein Leben und das seiner Familie aufs Spiel. Dass er früher selbst kriminell war und selbst beste Kontakte im Milieu hat, hilft ihm in dem mörderischen Überlebenskampf. Auch wenn seine Chancen nicht allzu gut sind.

© Suhrkamp

  • Deon Meyer – Fever (Hardcover, Oktober 2017 – Rütten & Loening Verlag – 978-3352009020)
  • Inhalt: Nicolaas Storm fährt mit seinem Vater Willem durch ein vollkommen verändertes Südafrika. Nach einem Fieber, das weltweit fünfundneunzig Prozent der Menschen getötet hat, versuchen die beiden, einen sicheren Platz zum Leben zu finden. Das Land ist in einem Zustand der Gesetzlosigkeit. Gangs ziehen schwerbewaffnet umher, wilde Tiere bedrohen die Menschen. Schließlich aber finden Vater und Sohn einen Platz für eine Siedlung. Andere Menschen stoßen zu ihnen – Abenteurer, elternlose Kinder, ehemalige Soldaten. Sie alle müssen die Gesetze des Überlebens neu lernen. Nico wird zum Schützen ausgebildet. Er verliebt sich in Sofia, die wildeste Frau, die jemals ihre kleine Stadt betreten hat, und er beginnt wieder an eine Zukunft zu glauben. Bis die Katastrophe passiert – und sein Vater ermordet wird.

© Rütten & Loening

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+++ Der Vorschau-Ticker – Frühjahr/Herbst 2017 – Teil 5 +++

Der fünfte Vorschau-Ticker wirft den Blick auf zwei weitere Titel aus der Verlagsgruppe Random House sowie mehr Licht auf meine am meisten erwarteten Bücher aus dem Spannungsbereich des Suhrkamp Verlags. Das Wort Spannungsbereich sei betont, da ich am Schluss meiner Vorschau-Reihe nochmal explizit näher auf die verheißungsvollsten Kandidaten im Bereich der Belletristik bzw. modernen Unterhaltungsliteratur eingehen werde. Und soviel sei vorab verraten – das sind schon ein paar Romane dabei, die mir den Mund mindestens genauso wässrig machen, wie manch Krimi. Doch nun zu den heutigen Auserwählten:

Marlon James‘ mit dem „Man Booker Prize“ ausgezeichnetes Werk „Eine kurze Geschichte von sieben Morden“ scheint das (zweite) Highlight in diesem Halbjahresprogramm von Heyne Hardcore zu werden und wurde gleich von mehreren renommierten Übersetzern (u.a. Robert Brack) ins Deutsche übertragen. Das – sowie die stattliche Zahl von 864 Seiten – mag die Ursache für den ebenso stattlichen Preis von knapp 28 € sein. Eine inzwischen fast salonfähig gewordene Summe für gebundene Bücher, die ich allerdings im Fall von Heyne Hardcore gerne zu zahlen bereit bin. Vor allem, wenn es den vielen Vorschusslorbeeren gerecht wird. Die Vergangenheit zeigt jedoch auch hier, dass Markus Naegele und sein Team sehr, sehr oft ein gutes Gespür für große Literatur besitzen. In diesem Sinne, Markus: Fuck Yeah! Das wird gekauft.

Nach C. Bertelsmann („Die sieben Leben des Arthur Bowman„) und Ullstein („Fakire„) übernimmt nun der inzwischen auch auf Deutsch veröffentlichende Penguin Verlag den Autor Antonin Varenne. Und da es fast so scheint, als würde der „Country Noir“ derzeit ein höchst aktuelles Thema sein, kommt „Die Treibjagd“ zu einem passenden Zeitpunkt. Hinterwäldler, archaische Wildnis, verfeindete Clans und ein Umweltskandal – das klingt so, als könnte es in mein Beuteschema passen.

Weiter geht’s mit Suhrkamp, wo mit „Beton Rouge“ ein neuer Kiez-Krimi von Simone Buchholz erscheint, die ich schon seit ihren Jahren bei Knaur (nicht Piper, danke für die Korrektur) immer wieder von meinen Merkzetteln rauf unter runterschiebe, unschlüssig, ob ich es mit der Lektüre wagen soll oder nicht. Da zuletzt allerdings immer mehr aus der Krimi-Szene hier voll des Lobes sind, habe ich jetzt mal den Kauf vom neuen Titel fest eingeplant.

Der Klappentext von William Shaws „Der gute Mörder“ holt mich jetzt zwar nicht wirklich ab, doch aufgrund der positiven Erfahrungen mit seiner Trilogie über die Sixties (bisher ward nur der erste gelesen) kommt auch dieses Buch in die engere Auswahl. Und weil ich Bücher aus der Mörderperspektive auf unheimliche Art und Weise faszinierend finde – wenn es denn gut umgesetzt wird.

Louise Meys „Das Spiel mit der Angst“ war mal aus Verdacht hier in der Liste mit aufgenommen, ist die Autorin doch ein (für mich) ungeschriebenes Blatt. Doch das Thema Gewalt gegen Frauen ist ein heißes und kann, wenn richtig angepackt, durchaus zugkräftig im Spannungsroman verarbeitet werden. Hier wird es interessant sein zu sehen, wie geerdet der Plot daher kommt oder ob die Autorin einfach nur nach weiblicher Leserschaft fischt.

Und damit Feierabend für heute.

  • Marlon James – Eine kurze Geschichte von sieben Morden (Hardcover, März 2017 – Heyne Hardcore – 978-3453270879)
  • Inhalt: Jamaika, 1976: Sieben bewaffnete Männer dringen in das Haus des Reggae-Musikers Bob Marley ein und eröffnen das Feuer. Marleys Manager wirft sich schützend über ihn und erleidet dabei lebensgefährliche Verletzungen. Marleys Frau Rita wird ebenfalls schwer verwundet, er selbst bleibt mit leichteren Verletzungen an Armen und Brust zurück. Wer waren die Täter? Was waren ihre Motive? Ausgehend von dem Attentat und den Spekulationen, die sich darum ranken, entwirft Marlon James ein vielseitiges Stimmungsbild Jamaikas in den 70er und 80er Jahren voll Gewalt, politischer Willkür, Drogen und Intrigen, ausgestaltet bis ins kleinste Detail.
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(c) Heyne Hardcore

  • Antonin Varenne – Die Treibjagd (Taschenbuch, Juni 2017 – Penguin Verlag – 978-3328101567)
  • Inhalt: Zwei rivalisierende Familien kämpfen seit Generationen um die Herrschaft über ein gottverlassenes Nest im Massif Central. Die Courbiers und die Messenets führen ihre Provinzimperien mit harter Hand und unter rücksichtsloser Ausbeutung von Mensch und Natur. Rémi Parrot, der seit seiner Jugend entstellte Revierjäger, kämpft als einsamer Cowboy gegen die verkrusteten Clanstrukturen und um die Liebe der schönen Michèle Messenet. Als er einem Umweltskandal auf der Spur ist, beginnt eine mörderische Treibjagd durch düstere Wälder und unterirdische Tunnelsysteme. Fein gesponnener, archaischer Thriller um Schuld und Sühne vor der grandiosen Kulisse einer einstmals erhabenen Landschaft.
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(c) Penguin

  • Simone Buchholz – Beton Rouge (Broschiertes Taschenbuch, August 2017 – Suhrkamp Verlag – 978-3518467855)
  • Inhalt: Ein ungewöhnlich warmer Septembermorgen auf St. Pauli. Der Regen der letzten Nacht ist noch nicht verdunstet, und vor dem Gebäude eines großen Zeitschriftenverlags steht ein Käfig, darin der Chef der Personalabteilung. Nackt, bewusstlos und offensichtlich misshandelt. Drei Tage später steht der nächste Käfig vorm Verlag, diesmal liegt der Geschäftsführer drin. Riley und ihr neuer, undurchsichtiger Kollege Stepanovic glauben zunächst an einen Racheakt der Verlagsmitarbeiter – seit Jahren werden Leute entlassen, während sich die Führungskräfte dicke Boni in die Taschen stopfen. Als dann ans Licht kommt, dass alle drei Opfer nicht nur ihr Status, sondern auch eine mehr als zweifelhafte Vergangenheit verbindet, verschwindet der Vorstandsvorsitzende …
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(c) Suhrkamp

  • William Shaw – Der gute Mörder (Broschiertes Taschenbuch, Juli 2017 – Suhrkamp Verlag – 978-3895814402)
  • Inhalt: Der Police Sergeant und passionierte Vogelbeobachter William South hat zwei gute Gründe, wieso er nicht in einem Mordfall ermitteln will, der seinen Heimatort erschüttert. Die Zugvögel machen gerade Zwischenhalt an der Küste von Kent. Und er ist selbst ein Mörder. Souths Verbrechen liegt lange zurück und ist nie aufgedeckt worden, er war damals noch ein Kind und lebte in Nordirland. Doch nun scheint ihn die Vergangenheit einzuholen. Als ein Freund von South brutal ermordet aufgefunden wird, ist allzu schnell der Täter ausgemacht: Danny Fraser, ein Landstreicher, der sich anscheinend selbst gerichtet hat. South kennt ihn aus seiner Kindheit und glaubt nicht, dass er der Mörder war. Doch was hat Fraser überhaupt nach Kent verschlagen? An der Seite seiner neuen Vorgesetzten Alexandra Cupidi, einer gerade aus London zugezogenen alleinerziehenden Mutter, sucht South nach den wahren Hintergründen des Mordes. Stets erfüllt von der Angst, dass sein lange gehütetes Geheimnis gelüftet wird.
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(c) Suhrkamp

  • Louise Mey – Das Spiel mit der Angst (Taschenbuch, August 2017 – Suhrkamp Verlag – 978-3518467848)
  • Inhalt: Dueso, alleinerziehende Mutter und hartgesottene Kriminalpolizistin, hat es sich in den Kopf gesetzt, zusammen mit ihrem Ermittlerteam der Gewalt gegen Frauen in ihrer Stadt ein Ende zu setzen. Die völlig uneinsichtigen Täter, mit denen sie es zu tun bekommt, sind ihr mehr als zuwider. Doch plötzlich wird alles anders, als ein männliches Opfer auftaucht, das noch dazu aus Scham nicht über die Nacht des Verbrechens sprechen will. Bald darauf kommt es zu weiteren Überfällen auf Männer, und der Beginn einer unerhörten Gewaltserie stellt Dueso und ihren Freund und Kollegen Marco auf eine harte Probe: Sie müssen ihr bisheriges Ermittlungsschema über Bord werfen und sich in die Psyche der frauenfeindlichen Opfer begeben – und zwar sehr viel tiefer, als ihnen lieb ist.
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(c) Suhrkamp

 

+++ Der Vorschau-Ticker – Winter/Frühjahr 2016/2017 – Teil 6 +++

Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie viele den Suhrkamp Verlag belächelt haben, als er vor ein paar Jahren ankündigte, nun auch im Genre des Spannungsromans wildern zu wollen. Suhrkamp und Krimis – passt überhaupt nicht, so zwar nicht die einhellige, aber doch vor allem unter Buchhändlern weitverbreitete Auffassung. Einige Titel und Verlagsvorschauen später ist klar – das passt und wie. Autoren wie Don Winslow, Adrian McKinty, William Shaw und zuletzt Candice Fox haben nicht nur die Entscheidung des Verlags mehr als gerechtfertigt, sondern ihn zu einer meiner ersten Adressen gemacht. Nun legt auch Thomas Wörtche im aktuellen Verlagsprogramm bei der Auswahl der Titel mit Hand an (zumindest fällt es mir jetzt erst auf), dessen Name durchaus für Qualität bürgt, was u.a. sein monatlicher Leichenberg, seine kurzlebige Penser-Pulp-Reihe bei Diaphanes sowie das langjährige Engagement beim Unionsverlag eindrucksvoll unter Beweis stellen.

Für die Entdeckung von „Der eiserne Sommer“ zeichnet er meines Wissens zwar nicht verantwortlich – nichtsdestotrotz ist der Titel auf meinen Merkzettel gewandert, da mich diese Epoche interessiert und ich neben Autoren wie Hültner, Kutscher, Zweyer und Co. immer auch gerne mal neue Schriftsteller entdecke. Das Kartonierte TB war mir dennoch zu teuer, weswegen ich jetzt erst beim Taschenbuch zugreife. Bin gespannt, ob ich Kommissar Reitmeyer länger begleiten werde.

Zu Adrian McKintys „Rain Dogs“ muss ich eigentlich nicht mehr viel sagen. Für mich eine DER Entdeckungen der letzten Jahre und natürlich ist auch der neueste Sean-Duffy-Band ein Muss-Kauf. Sollte McKinty tatsächlich noch wer nicht gelesen haben – unbedingt nachholen!

Der erste Part der Trilogie, „Hades„, steht noch ungelesen bei mir im Regal, was mich Büchersüchtigen natürlich nicht davon abhält trotzdem gleich den zweiten namens „Eden“ zu kaufen. Zu passend das Sujet, zu gut die Bewertungen derjenigen, deren Geschmäcker sich in vielerlei Dingen mit meinen überschneiden. Bin gespannt, was da von Candice Fox – abgesehen vom abschließenden dritten Band – in Zukunft noch zu erwarten ist.

Joe Ides „I.Q.“ tönt ebenfalls mehr als interessant. Das-Sherlock-und-Watson-Thema im Rapper-Milieu. Könnte funktionieren, wenn es im Stil von Training Day neben all der Coolness auch die knallharte Realität mit einbezieht. Der Klappentext macht da jedenfalls Hoffnung – und mich so neugierig, dass ich den Titel scharf im Auge behalten werde.

Mit „Vagabond“ macht sich Suhrkamp im Januar 2017 an die Wiederentdeckung von Gerald Seymour und gibt mir dadurch die Gelegenheit ihn erstmals zu lesen. Der Klappentext klingt verheißungsvoll. Und für das Irland-Thema bin ich überhaupt gerne zu haben. Ein Titel von Suhrkamp, auf den ich besonders gespannt bin. Vielleicht beantwortet er mir auch die Frage, warum ich den Autor all die Jahre so gar nicht wahrgenommen habe.

Freunde des Pulps – und damit natürlich auch meine Wenigkeit – dürften bei „Mila“ auf ihre Kosten kommen. Triaden, Mafia und eine schwertschwingende rote Schönheit. Da hätte wohl auch Quentin Tarantino seine helle Freude dran. Abhängig vom Trashigkeits-Grad werd ich mir das Buch sicher mal näher anschauen. Kann amüsant, kann aber auch ein gänzlich platter Rohrkrepierer werden. Gerade bei Pulp ist dieser Grad ja mitunter sehr schmal.

Im Bereich Belletristik ist mir vor allem „Der letzte beste Ort“ von Callan Wink aufgefallen. Eine Storysammlung, die mich von der Beschreibung her unheimlich an Breece D’J Pancakes „Stories“ erinnert. (Nebenbei bemerkt eine der besten Anthologien, die bisher lesen durfte!) Der raue „American Way of Life“, die grenzenlose Wildnis, der harte Kampf ums Überleben. Für solche Art von Literatur bin ich, bei entsprechender Ausführung, immer gern zu haben. Wink könne zum Geheimtipp werden.

So viele Titel – welcher wandert in euer Regal?

Angelika Felenda – Der eiserne Sommer (Taschenbuch, September 2016 – Suhrkamp Verlag – 978-3518467138)

  • Inhalt: München 1914: Während die Bevölkerung wie im Taumel das hundertjährige Bestehen des königlichen Leibregiments feiert, wird am Isarufer die Leiche eines jungen Mannes gefunden. Die Todesumstände gelten als »pikant«, und die Behörden würden den Fall am liebsten unter den Teppich kehren. Doch der junge Kommissär Reitmeyer macht sich gegen den Willen seiner Vorgesetzten auf die Suche nach dem Mörder. Seine Ermittlungen führen ihn von den Arbeitervierteln bis in die Villen der Großbürger. Und in das berühmt-berüchtigte Café Neptun, Vergnügungsort der Offiziere. Ausgerechnet dort stößt er auf eine heiße Spur. Weil er per Gesetz nicht gegen das Militär ermitteln darf, drängt der Polizeipräsident persönlich Kommissär Reitmeyer, seine Ermittlungen in einem Mordfall einzuschränken. Da macht Reitmeyer eine ungeheuerliche Entdeckung, die nicht nur ihn selbst zum Abschuss freigibt – unmittelbar vor Kriegsausbruch könnte sie das ganze Land in den Untergang stürzen …
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(c) Suhrkamp

  • Adrian McKinty – Rain Dogs (Kartoniertes Taschenbuch, Februar 2017 – Suhrkamp Verlag – 978-3518467473)
  • Inhalt: Unruhen bekämpfen, Herzschmerz und Fälle aufklären, die aber nicht vor Gericht gebracht werden dürfen, darin ist Sean Duffy als katholischer Bulle in Nordirland inzwischen Spezialist. Immerhin bekommt er es zum zweiten Mal in seiner Karriere mit einem locked room mystery zu tun, und welcher Bulle – in Nordirland oder sonstwo, katholisch oder nicht – kann das schon von sich behaupten?
    Die Journalistin Lily Bigelow wird im Hof von Carrickfergus Castle, wo sie sich allem Anschein nach über Nacht hat einschließen lassen, tot aufgefunden. Selbstmord, glaubt man, aber ein paar Dinge geben Sean Duffy zu denken, und er weigert sich, es dabei zu belassen. Duffy findet heraus, dass Bigelow an einer verheerenden Enthüllung in Sachen Korruption und Amtsmissbrauch innerhalb der höchsten Regierungskreise Großbritanniens und darüber hinaus gearbeitet hat. Und so sieht er sich mit zwei schwerwiegenden Problemen konfrontiert: Wer hat Lily Bigelow umgebracht? Und was wollte er oder sie damit vertuschen?
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  • Candice Fox – Eden (Broschiertes Taschenbuch, September 2016 – Suhrkamp Verlag – 978-3518467145)
  • Inhalt: Heinrich Archer, genannt Hades, das kriminelle Mastermind von Sydney, wird bedroht. Er ›bittet‹ Detective Frank Bennett, den Kollegen seiner Tochter Eden, um diskrete Hilfe, denn die Spuren könnten tief in das faszinierende, gewaltsatte Vorleben von Hades führen. Gleichzeitig hat Eden, Top-Detective bei der Mordkommission mit dem seltenen Talent, Verbrecher aufzuspüren und zur Strecke zu bringen, einen extrem schwierigen Auftrag: Drei Mädchen sind verschwunden, und die Spur führt sie zu einer verlassenen Farm, auf der sich ein Serienkiller rumtreibt. Sie begibt sich dort undercover in eine Kommune, ein rabenschwarzes, gefährliches Paralleluniversum mit Mördern und Vergewaltigern. Sie muss all ihre erstaunlichen Fähigkeiten einsetzen, um zu überleben. Zudem ist ihre Beziehung zu ihrem Partner Bennett kompliziert, beide sind traumatisiert, und dass Bennett gerade auf Alkohol und Drogen ist, macht die Sache nicht einfacher. Aber die beiden sind auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen.
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  • Joe Ide – I.Q. (Kartoniertes Taschenbuch, November 2016 – Suhrkamp Verlag – 978-3518467282)
  • Inhalt: I.Q. nennt man Isaiah Quintabe in den schwarzen Hoods von Los Angeles. Weil er ein Genie ist und weil er als eine Art Nachbarschaftsdetektiv ohne Lizenz den »kleinen Leuten« zu ihrem Recht verhilft. Oder wenn das schwierig ist, immerhin zu Gerechtigkeit, Genugtuung und Entschädigung. Zusammen mit seinem Sidekick, dem schlagfertigen Gangsta Dodson, wird er wider Willen von dem Top-Rapper Murda One angeheuert, um Mordanschläge auf dessen Leben aufzuklären. Das führt ins finstere Herz des Rap-Business, wo sich jede Menge wunderliche und tödliche Gestalten tummeln: Gangsta Rapper, Bitches, Anwälte, Auftragskiller, Drogenbosse, Big-Business-Leute und Medienvolk.
    Bald haben es I.Q. und Dodson mit verfeindeten Gangs, schießwütigen Narcos und gierigen Musikproduzenten zu tun. Gut, dass I.Q. ein Weltmeister der Deduktion ist, und gut auch, dass er notfalls genauso viel kriminelle Energien hat wie seine Widersacher. Oder noch mehr …
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  • Gerald Seymour – Vagabond (Kartoniertes Taschenbuch, Januar 2017 – Suhrkamp Verlag – 978-3518467428)
  • Inhalt: ›Vagabond‹ ist der Deckname eines britischen Geheimagenten, der in Nordirland brutale Operationen gegen die IRA durchgeführt hat. Ausgebrannt zieht er sich für lange Jahre in die Normandie zurück und verdient seinen Lebensunterhalt als Touristenführer an den Invasionsstränden. Aber seine ehemaligen Vorgesetzten wollen ihn nicht ganz vom Haken lassen und zwingen ihn in eine MI-5-Aktion zurück: Er soll den Aufpasser für einen vom Geheimdienst erpressten Waffenhändler spielen, damit Waffenlieferungen aus Russland an die letzten, vom Friedensschluss frustrierten IRASplittergruppen unterbunden werden.
    Das erzählt man Vagabond zumindest, der gute Miene zum fiesen Spiel machen muss. Zudem droht seine Vergangenheit ihn einzuholen. Aber nicht nur sein Schicksal steht auf der Kippe in einer Welt, in der das Gestern keine Ruhe gibt und die Gegenwart extrem gefährlich ist. Realpolitik nimmt wenig Rücksicht auf Menschen, das ist klar wie Salzsäure.
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  • Matteo Strukul – Mila (Taschenbuch, Februar 2017 – Suhrkamp Verlag – 978-3518467480)
  • Inhalt: Norditalien im Würgegriff des organisierten Verbrechens. Nichts und niemand scheint der lokalen Triade und der mit ihr verfeindeten Mafia etwas anhaben zu können. Bis auf einmal und wie aus dem Nichts diese junge Frau mit den roten Dreadlocks und dem Schwert in der Hand auftaucht. Ein ebenso schöner wie gnadenloser Racheengel. Seither kann sich kein Gangster und kein Mafioso mehr sicher wähnen, der Tod lauert plötzlich überall. Wer aber ist diese Mila, was treibt sie an? Niemand weiß es, nur so viel ist sicher: Sie ist nicht nur eine schier unbesiegbare Kampfmaschine, sie ist auch clever. Sehr clever sogar. Aber wenn sich Triade und Mafia zusammentun, dann könnte es ziemlich eng werden – selbst für Mila …
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  • Callan Wink – Der letzte beste Ort (Hardcover, August 2016 – Suhrkamp Verlag – 978-3518425596)
  • Inhalt: Es ist ein Ort, an dem die Arbeit für gewöhnlich hart, Geld knapp und die Natur prächtig ist, durchgezogen vom Band des Yellowstone River, mit den Rockies am Horizont. Für die Männer in Callan Winks Stories ist es der letzte beste Ort und ihr Zuhause. Doch jeder von ihnen läuft Gefahr, in der Weite des heutigen American West verloren zu gehen: Einer bezahlt einen Faustschlag mit zwei Jahren Gefängnis. Ein anderer schmeißt alles hin, um auf einer Farm zu schuften. Und noch ein anderer befreit aus Mitleid einen Hund, kurze Zeit später flieht er vor zwei bewaffneten Verrückten quer über die Felsen durch die Nacht, barfuß und nackt …
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(c) Suhrkamp

+++ Der Vorschau-Ticker – Sommer/Herbst 2016 – Teil 5 +++

Na, wer sagt’s denn. Während der ein oder andere Verlag (u.a. Ullstein/List) im kommenden Programm nur wenig bis gar nichts Interessantes für mich bereithält, fährt Suhrkamp gleich eine ganze Reihe von Titeln auf, die entweder Neugier wecken oder (wie im Fall William Shaw) sehnlichst erwartet werden. Hier seien besonders „Cottoncrest“ und „Die Toten der North Ganson Street“ genannt, die beide wohl ziemlich sicher gleich bei Erscheinen in mein Regal wandern werden. Auffällig ist, dass mir – von Grady und Shaw  mal abgesehen – kein anderer der Autoren wirklich etwas sagt. Eine nette Abwechslung, setzen viele Verlage doch vornehmlich auf Fortsetzungen oder alte, etablierte Bekannte und gehen das mit einer Erstveröffentlichung verbundene Risiko erst gar nicht ein.

Einziger Wermutstropfen: Kein neuer McKinty. Der wird aber ziemlich sicher im darauffolgenden Programm erscheinen, wieder von Peter Torberg übersetzt werden und (sofern mich meine Erinnerung nicht trügt) in tropischeren Gefilden spielen. Woher ich das weiß? – Ich stand direkt neben dem guten Peter, als der Cheflektor von Suhrkamp ihn mit der Übertragung ins Deutsche beauftragt hat. 🙂 Was nebenbei bemerkt einmal mehr ein Glücksfall ist. Peter Torberg ist meines Erachtens einer der besten Übersetzer.

Und was sagt ihr zu den Titeln? Ist was dabei, das euch interessiert?

  • Nicholas Petrie – Drifter (Juni 2016 – Suhrkamp Verlag – 978-3518466797)
  • Inhalt : Peter Ash ist fertig mit der Welt: Seit seiner Rückkehr aus den Kriegen im Irak und in Afghanistan erleidet er Panikattacken, sobald er bloß einen Raum betritt. Das »weiße Rauschen«, wie er es nennt, zwingt ihn, in der Wildnis zu bleiben und bei jedem Wetter unter freiem Himmel zu schlafen. Doch als ein Freund aus der Army Selbstmord begeht, spürt Ash, dass mehr hinter der Geschichte steckt, und wagt sich wieder unter Menschen. Er hilft der Witwe des Mannes, ihr baufälliges Haus zu renovieren. Unter der ramponierten Veranda entdeckt er mehr als nur morsches Holz: Hier bewacht ein verdammt großer und verdammt hässlicher Hund einen explosiven Fund – einen Koffer voller Geld und Sprengstoff. Der Koffer ist aber lediglich ein Puzzleteil in einem wahnsinnigen Anschlagsplan, der Tausende das Leben kosten soll. Ash bleibt nicht viel Zeit, um die Täter ausfindig zu machen …
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  • James Grady – Die letzten Tage des Condor (Juni 2016 – Suhrkamp Verlag – 978-3-518-46685-8)
  • Inhalt : Ronald Malcolm alias Vin alias Condor ist zurück. Der einstige Whistleblower und spätere Top-Agent hatte die letzten Jahre in einem Irrenhaus der CIA verbracht und arbeitet jetzt in der Library of Congress in Washington. Routinemäßig wird er von der inzwischen neu gegründeten Homeland Security überprüft. Als einer deren Agenten tot in Condors Wohnzimmer gefunden wird, scheinen alle Geheimdienste hinter ihm her zu sein. Manche davon so geheim, dass niemand weiß, wer oder was sie überhaupt sind. Washington verwandelt sich in einen kafkaesken Bau, ständig von neuester Technologie überwacht. Nichts ist mehr harmlos, nichts ist unschuldig, nichts durchsichtig. Geschossen wird sofort und ohne Rücksicht auf Verluste. Der Condor und die CIA-Agentin Faye Dozier versuchen sich in Sicherheit zu bringen, aber vor wem eigentlich?
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  • Charlie Stella – Johnny Porno (Juli 2016 – Suhrkamp Verlag – 978-3-518-46686-5 )
  • Inhalt : John Albano schlägt sich als Geldeinsammler für die New Yorker Cosa Nostra durch. Er kassiert die Tageseinnahmen, die beim Abspielen des von der Mafia produzierten Pornofilms und späteren Welthits Deep Throat in schmuddeligen Hinterzimmern anfallen. Bezahlt wird hauptsächlich mit 5-Dollar-Scheinen, die Johnny Porno (so nennt man den Mann, der diesen Job macht) in seinem Schrottauto durch die Gegend fährt.  Das erweckt Begehrlichkeiten, und so sind sie alle hinter Johnny Porno her: korrupte Cops, neurotische Killer, freischaffende Schurken, das FBI und seine sehr gierige Ex-Frau.
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  • Candice Fox – Hades (Mai 2016 – Suhrkamp Verlag – 978-3-518-46673-5)
  • Inhalt : Hades ist der ›Herr der Unterwelt‹ von Sydney. Er weiß alles über das Verbrechen in seiner Stadt, denn auf seiner gigantischen Müllhalde entsorgt er gegen Honorar Menschen, die gewaltsam zu Tode gekommen sind. Dieses Schicksal hätten auch beinahe die Kleinkinder Eden und Eric geteilt, die man bei Hades deponiert hat. Aber die beiden leben noch. Sie wachsen bei Hades auf und werden Top-Cops bei der Mordkommission von Sydney. Das ist jedoch nur ihr eines Gesicht, ihr eines Konzept von »Gerechtigkeit«. Denn schließlich hat Hades Eden und Eric erzogen.
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  • Michael H. Rubin – Cottoncrest (Juli 2016 – Suhrkamp Verlag – 978-3-518-46678-0)
  • Inhalt : Cottoncrest, ein prächtiger Herrensitz in Louisiana, scheint mit einem Fluch beladen, seit sich der Gründer, Colonel Judge Augustine Chastaine, nach dem Bürgerkrieg umgebracht hat. Als Jahre später auch sein Sohn und dessen Frau ermordet aufgefunden werden, gerät der fahrende Händler Jake Gold ins Visier der Ermittlungen. Der ist vor den antisemitischen Pogromen des zaristischen Russlands geflohen, ein Überlebensspezialist. Um der Hatz des Sheriffs und einer rassistischen Bürgerwehr zu entkommen, muss er sich mit der anderen unterdrückten und geächteten Gruppe von Menschen zusammentun, mit den Schwarzen der Gegend. Jake Gold muss den Mörder entlarven, aber hat die Wahrheit überhaupt eine Chance?
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  • S. Craig Zahler – Die Toten der North Ganson Street (August 2016 – Suhrkamp Verlag – 978-3-518-46693-3)
  • Inhalt : Die Bewohner nennen ihre Stadt Shitopia, weil es seit Langem nur bergab geht, die Kriminalitätsrate mit jedem Tag steigt und nicht einmal die Tauben sie lebenswert finden. Kein Detective tritt hier freiwillig seinen Dienst an. Hierhin wird man strafversetzt. Denn es ist die Hölle auf Erden. Weil seine Vorgesetzten ihn für den Selbstmord eines Geschäftsmannes verantwortlich machen, muss Jules Bettinger das sonnige Arizona verlassen und mit seiner Familie ins eiskalte Missouri ziehen. Sein neuer Einsatzort ist Victory, doch die Stadt ist alles andere als ein Gewinn. Die Polizeibehörde ist sträflich unterbesetzt, auf jeden Ermittler kommen gefühlt siebenhundert Straftäter. Dennoch wird Bettinger von den neuen Kollegen alles andere als willkommen geheißen. Um mit ihnen warmzuwerden, bleibt ihm allerdings kaum Zeit: Einer nach dem anderen wird auf grausame Art ermordet …
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  • William Shaw – History of Murder (August 2016 – Suhrkamp Verlag – 978-3-518-46691-9)
  • Inhalt : 1969. Helen Tozer hat ihren Job bei der Polizei aufgegeben und kehrt gemeinsam mit dem schwer verletzten Detective Sergeant Cathal Breen auf die Farm ihrer Familie in Südengland zurück. Ein Ort mit einer furchtbaren Vorgeschichte: Fünf Jahre zuvor wurde Alexandra Tozer, Helens Schwester, hier ermordet. Breen, dem ursprünglich Nichtstun und Erholung verordnet wurden, verbeißt sich in den ungelösten Fall, und er entdeckt schnell, dass die Tozers nie die ganze Wahrheit über Alexandras Tod erfahren haben …
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