John Rebus – Die frühen Jahre

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Es mag für den ein oder anderen vielleicht wenig Sinn ergeben, dass ich Ian Rankins Kurzgeschichtensammlung „Eindeutig Mord“ hier überhaupt eines näheren Blickes würdige, ist sie nicht nur bereits seit längerem vergriffen, sondern inzwischen auch durch ein Buch mit dem schlichten Titel „Rebus“ ersetzt worden, welches, im Januar 2017 auf Deutsch veröffentlicht, sämtliche Stories (aus „Eindeutig Mord“ und „Der Tod ist erst der Anfang“ sowie zehn hierzulande zuvor unveröffentlichte Geschichten) rund um den Detective Inspector aus Edinburgh enthält. Ich tue es dennoch, da ich „Rebus“ bis dato noch nicht mein Eigen nenne – und weil „Eindeutig Mord“ genau die gut portionierte Dosis Rebus darstellt, die ich nach meinem eigenen Trip in die Stadt am Arthur’s Seat gebrauchen und zeitlich dazwischen quetschen konnte (Das sich bei Interesse natürlich der Kauf des lieferbaren Gesamtpakets eher lohnt, steht außer Frage).

Für mich war die kürzlich erfolgte Lektüre von „Eindeutig Mord“ bereits meine zweite und insofern schon lohnenswert, weil ich erstmals die eigenen Bilder dieser so vielschichtigen Stadt mit den Beschreibungen Ian Rankins in Kontrast stellen konnte. Es ist erstaunlich, um wieviel sich dadurch das Leseerlebnis intensiviert hat bzw. die Geschichten nochmal an Atmosphäre gewonnen haben, wenngleich auch Nichtkenner Edinburghs hier (Achtung Wortspiel) nicht zu kurz kommen. Im Gegenteil: Auch auf kurzer Distanz weiß der schottische Krimi-Autor zu überzeugen, lohnt gar besonders für Kenner der Reihe dieser Rückblick, da der bärbeißige Bulle hier gleich mehrfach außerhalb seines üblichen polizeilichen Tätigkeitsfeldes angetroffen wird, was uns wiederum einen näheren und perspektivisch anderen Blick auf den Menschen John Rebus erlaubt. Und zwar den frühen John Rebus, denn diese Kurzgeschichtensammlung, 1992 im Original erschienen, konfrontiert den Leser noch mit dem labilen Ex-Soldat, der weit davon entfernt ist, sein Trauma überwunden zu haben und weiterhin an dem psychischen Zusammenbruch (nachzulesen in „Verborgene Muster“) zu knabbern hat (siehe Kurzgeschichte „Sonntag“). Eine Thematik, welche die Bände ab Mitte der 90er hinter sich gelassen bzw. durch andere Schwerpunkte (z.B. den Konflikt mit Big „Ger“ Cafferty) ersetzt haben.

In folgenden zwölf Erzählungen begleiten wir John Rebus durch sein persönliches Edinburgh:

  • Playback
  • Der Fluch des Hauses Dean
  • Frank und Freitag
  • Eine Leiche im Keller
  • Ansichtssachen
  • Gut gehängt
  • Von Menschen und Meisen
  • Not Provan
  • Sonntag
  • Auld Lang Syne
  • Der Gentlemen’s Club
  • Monströse Trompete

Wer erst später im Verlauf der John-Rebus-Romane eingestiegen und daher in erster Linie an einen komplexen, vielschichtigen Handlungsaufbau über vierhundert Seiten und mehr gewöhnt ist, wird an dieser Stelle vielleicht skeptisch die Augen hochziehen, ob Rankin diese Stärke auch in weit geringerem Umfang „auf die Straße bringt“. Eine Frage, die ich in meinem Fall mit Ja beantworten kann, da der Autor nicht nur das Kaleidoskop der Figur um neue Facetten erweitert, sondern auch dem restlichen Personal (u.a. Detective Constable Brian Holmes) mehr Profil verleiht. Wenngleich allerdings nicht in der ersten Geschichte „Playback“, wo sich der mit der Technik auf Kriegsfuß stehende John Rebus mit der Funktionalität eines Anrufbeantworters herumschlagen muss und im Stile der klassischen Spürnasen aus dem Golden Age nach dem einen entscheidenden Indiz herumschnüffelt. Der Einstand in diese Sammlung ist spürbar sperrig und Rebus-untypisch geraten. Ein wie aus der Zeit gefallenes Krimi-Rätsel, welches in den 30ern – und mit einem anderen Hauptprotagonist – weit besser aufgehoben wäre.

Durchhalten lohnt jedoch, denn schon mit „Der Fluch des Hauses Dean“ (natürlich eine Anspielung Dashiell Hammetts „Der Fluch des Hauses Dain“) findet Ian Rankin zu gewohnter Stärke zurück, da er sich genau auf diese besinnt und – neben der Ermittlung um einen Dieb, der ein Auto stiehlt, in dem sich eine Bombe befindet – seine zweite „Hauptfigur“ Edinburgh, insbesondere ihre dunkle Vergangenheit, in den Vordergrund rückt. So ist der Fall auch weniger detailliert beschriebene Polizeiarbeit, als die liebgewonnene Konfrontation mit dem Milieu und ihren Bewohnern. Gewohnt rotzig und lakonisch, durchsetzt von einem Humor der Earl-Grey-schwarzen Sorte. Ein Highlight dieser Sammlung.

Kurzweilig unterhalten auch die nächsten fünf Kurzgeschichten, geben sie doch einen Vorgeschmack auf Rankins spätere Interpretation des Genres Kriminalromans, die weit über das eigentliche Verbrechen hinausgeht und vielmehr gesellschaftliche Zusammenhänge verbildlichen will bzw. eine ihn immer wieder beschäftigende Frage thematisieren: „Warum tun Menschen anderen Menschen böse Dinge an?“ Um dem näher auf den Grund zu gehen, entzieht er John Rebus auch schon mal dem Fokus, sowie in „Frank und Frei“, in welcher man den Detective Inspector schon fast vergessen glaubt, bis er schließlich seinen kleinen, aber feinen (und denkwürdigen) Auftritt hat. Überhaupt kommt bei einem Schottland-Freund wie mir hier fast durchgängig nur Freude auf, denn wer schon mal selbst in Kontakt mit diesen schrulligen, aber auch unheimlich liebenswerten und zuvorkommenden Menschen gekommen ist, wird in „Eindeutig Mord“ sicher das ein oder andere Déjà-vu-Gefühl durchleben. Rankin fängt diese Eigenartigkeit und Einzigartigkeit mit viel Witz und Selbstironie ein, ohne die Dualität der Stadt, ihre helle und ihre dunkle Seite, außer Acht zu lassen. Für jedes Lächeln wartet an anderer Stelle ein Verbrechen, für eine hell erleuchtete Einkaufsmeile zweigen gleich mehrere enge Gassen (schott. „Closes“) in die Düsternis der Old-Town ab.

Dieser Gegensatz kommt speziell in „Not Provan“ und „Auld Lang Syne“ zum Tragen. Während John Rebus in ersterer Geschichte sogar die Auslegung des Gesetzes bewusst anders interpretiert und den Verbrecher auf äußerst unkonventionelle Art und Weise dingfest macht, sieht er sich in „Auld Lang Syne“ einmal mehr mit dem zu kurzen Arm der Justiz konfrontiert. Inmitten des Trubels rund um Hogmanay, den Silvesterfeierlichkeiten in den Straßen von Edinburgh, wird er auf einen Gewaltverbrecher aufmerksam, den er eigentlich im Gefängnis glaubte. Licht und Schatten, Recht und Unrecht – sie halten sich in dieser Stadt die Waage und auch Rebus kann an diesen Naturgesetzmäßigkeiten wenig ändern, wie er äußerst verbittert in „The Gentleman’s Club“ feststellen muss, als der Schuldige der Gerechtigkeit gar ganz entgeht.

Getragen wird das Ganze natürlich von John Rebus selbst, welcher, nach außen hin standhafter Zyniker, unter der rauen Schale einen weichen Kern verbirgt und als unverbesserlicher Idealist immer wieder den Weg mit dem Kopf durch die Wand sucht, was öfters Erfolg zeitigt, als sein Kollege Brian Holmes sich selbst eingestehen mag. Rebus ist ein Anarchist und ein Getriebener, und doch stets fähig zum Mitleid, wenn es um die Kleinen und sozial Schwachen geht, bei denen er auch mal gewillt ist, ein Auge zuzudrücken. Äußere Einmischung, wie hier durch einen französischen Polizeikollegen, trägt er nur scheinbar mit Fassung und wird am Besten – wie auch Zurechtweisungen durch seinen Vorgesetzten „Farmer“ Watson – mit einem Pint Ale in der Oxford Bar heruntergespült. Um anschließend wieder den Kragen hochzuklappen, die Schultern hochzuziehen und sich in seine Stadt zu stürzen.

Eindeutig Mord“ ist trotz seines Alters eine gelungene Collage krimineller Kurzgeschichten, welche eine ohnehin schon äußerst vielschichtige Figur um zusätzliche Ebenen erweitert, äußerst „schottisch“ unterhält und am Ende vor allem eins macht: Lust auf mehr.

Wertung: 88 von 100 Treffern

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  • Autor: Ian Rankin
  • Titel: Eindeutig Mord
  • Originaltitel: A Good Hanging and Other Stories
  • Übersetzer: Giovanni Bandini, Ditte Bandini
  • Verlag: Goldmann
  • Erschienen: 05.2008
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 318 Seiten
  • ISBN: 978-3442456048
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Strip Jack Naked

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Geduld. Vielleicht die wertvollste Tugend, welche man sich als angehender Schriftsteller zu Eigen machen kann. Geduld mit sich selbst, bis endlich die Worte gefunden sind, die so lange darauf gewartet haben auf Papier gebracht zu werden. Und dann nochmal Geduld, um jemanden zu finden, der den Wert hinter diesen Worten erkennt, wertschätzt was von Herz und Seele zwischen die Zeilen geflossen ist. Selbst wenn dieser Weg zurückgelegt, ein unterstützender Verleger gefunden wurde – für viele Autoren, für die meisten Autoren, ist dies letztlich nur der erste Schritt, denn um von diesem künstlerischen Handwerk leben zu können, vergehen mitunter Jahre.

Der schottische Krimi-Autor Ian Rankin kann davon ein Lied singen. Knappe zehn Bücher und ebenso viele Jahre hat es gebraucht, bis aus dem lokalen Phänomen Edinburghs ein weltbekannter Bestsellerautor wurde – um auf dem deutschsprachigen Buchmarkt Fuß zu fassen sogar noch eine ganze Weile länger. Diese Phase des „Apprenticeship“, wie Rankin sie selbst nennt, war nicht nur von finanzieller Unsicherheit und Rastlosigkeit gekennzeichnet, in ihr bilden sich auch die größten Entwicklungsschritte ab, welche er als Schriftsteller vollzogen hat. Anfänglich gar keinen Krimi schreiben wollend, spiegeln besonders die ersten vier Romane seiner Reihe um den einzelgängerischen Detective John Rebus seine Wandlung zu eben jenen späteren Leuchtturm des britischen Spannungsromans wieder. Mit jedem Band gewinnt die Figur Rebus an Schärfe und Kanten, integriert er den zu Beginn noch künstlichen Schauplatz in das reale Edinburgh.

Diese Stadt zwischen Alt und Neu, Hell und Dunkel, Gut und Böse, diese Stadt der Jekyll und Hydes – sie wird am Ende von „Ehrensache“ endgültig zum zweiten Fixpunkt der Serie und verleiht ihr im weiteren Verlauf diese unverwechselbare Eigenart, diesen rauen, einzigartigen Charakter. Und genau diesen Aspekt sollte man bei der Lektüre des vorliegenden Romans im Hinterkopf behalten, dem dieser beispielloser Rhythmus und Sound zwar noch abgeht, der dennoch aber einen wichtigen Mosaikstein im Gesamtkonstrukt von Rankins Werk darstellt.

Nun kurz zur Geschichte: Als junger, im Volk populärer Abgeordneter des schottischen Parlaments steht Gregor Jack vor einer großen politischen Karriere – zumindest bis zu dem Tag, als man ihn und andere Mitglieder der High Society bei einer Polizeirazzia in einem Bordell im besseren Stadtteil Edinburghs erwischt. Ein gefundenes Fressen für die örtliche Presse, welche nicht nur schon am nächsten Morgen sein Foto in der Zeitung prangen lässt, sondern überhaupt erstaunlich schnell am Tatort war. Wie konnten die Medien bloß so schnell von diesem Einsatz erfahren haben? Gibt es eine Quelle innerhalb der Polizei? Und wenn ja, woher wusste diese von Jacks Anwesenheit? Oder hat man ihn gar gezielt in eine Falle gelockt? Detective Inspector Rebus, eigentlich mit einem ganz anderen Fall betreut, gehen diese Fragen nicht aus dem Kopf. Auch weil er eine gewisse Sympathie für diesen Politiker hegt, dessen Werdegang dem seinen nicht unähnlich ist.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Brian Holmes – der einzige, der es länger in der Gesellschaft des Griesgrams Rebus aushält – beginnt er zu recherchieren, während er gleichzeitig mit einem weiteren dringlichen Problem kämpft. Soll er tatsächlich bei seiner neuen Lebensgefährtin Patience einziehen und sein Leben als Einsiedler aufgeben? Geistig schließt er mit sich selbst den Pakt, dass er diesen Schritt nur dann geht, wenn die alte, liebgewonnene Polizeistation Great London Road erhalten bleibt und renoviert wird (Die letzte Seite des Buches gibt hierüber auf äußerst amüsante Art und Weise Auskunft – und markiert eben jenes bereits erwähnte Ende des fiktiven Edinburghs). Diese private Zwickmühle gerät allerdings recht bald in den Hintergrund, denn nur kurze Zeit nach dem er Jack persönlich besucht hat, entdeckt man die Leiche von dessen Frau in ihrem Wochenendhaus in den Highlands. Ein weiterer Schicksalsschlag für den Politiker – oder etwa nicht? Böse Zunge behaupten, Jack hätte sie nur wegen des Geldes geheiratet und als Trittbrett für seine Karriere genutzt. Rebus kommen langsam Zweifel …

Von der psychologischen Herangehensweise in „Verborgene Muster“ über das vom Jekyll-&-Hyde-Thema inspirierte „Das zweite Zeichen“ bis hin zu dem von Thomas Harris‘ geprägten „Wolfsmale“ – Ian Rankin hat zu Beginn seiner Reihe bereits eine Vielzahl verschiedener Stilrichtungen eingeschlagen, erst mit „Ehrensache“ schien aber schließlich der richtige Kurs gefunden. Insbesondere das Feedback seines Lektors zum Vorgänger, er möge doch in Zukunft auf explizite Gewalt und Sex verzichten, trägt hier bereits Früchte. So ist der vorliegende Rebus-Band weit weniger brutal in seinen Beschreibungen, spart gänzlich mit größeren Actionszenen und konzentriert sich stattdessen auf die Figuren und das Vorantreiben der Handlung. Wobei Vorantreiben in diesem Zusammenhang vielleicht das falsche Wort ist, denn selbst mit viel Wohlwollen entwickelt sich der Plot allenfalls behäbig. Ein Beweis dafür, dass Rankin das richtige Tempo, das Pacing zu diesem Zeitpunkt seiner Karriere noch nicht ganz gefunden hatte. Dafür hat er aber an anderer Stelle einen großen Schritt nach vorne gemacht.

John Rebus hat sich zu einer Figur weiterentwickelt, welche natürlich Parallelen zu anderen Krimi-Protagonisten aufweist, sich aber in ihren Marotten und Eigenheiten von diesen inzwischen abhebt und als eigene „Marke“ zu überzeugen weiß. „Ein echter Rebus“ – dieses heute so oft verliehene Prädikat erblickt nach drei in der Charakterisierung noch eher unsicheren Schritten in „Ehrensache“ endgültig das Licht der Welt. Und dies äußerst nachhaltig, denn auf den Schultern des kauzigen Cops errichtet Rankin hier und in späteren Werken seine komplexen Geschichten mit einer mitunter schon schlafwandlerischen Sicherheit. Ein stabiles Fundament, welches dem vierten Fall über einige äußerst zähe Passagen hinweghilft, denn der schottische Autor nimmt sich für sein Plot-Building ein bisschen zu viel Zeit, was dem Spannungsaufbau nur wenig zuträglich ist. Wenn man ehrlich ist muss man gar konstatieren – über viele Seiten will so gar keine aufkommen. Doch was macht dann überhaupt den Reiz dieser Lektüre aus?

Wenngleich „Ehrensache“ definitiv einen der „Tiefpunkte“ der Rebus-Serie darstellt, so kann auch dieser Band mit einem rauen, bodenständigen Charme und einem trockenen Humor punkten, der nicht nur die schottische Seele sprühend und sprudelnd zum Leben erweckt, sondern den Leser auch über manches Schlagloch im etwas wackelnden Konstrukt der Geschichte hinweghilft. John Rebus ergreift zwar erst relativ spät die Initiative, weiß diese Bühne jedoch aufs Beste zu nützen. Ob dies genügen wird, den Krimi-Gelegenheitsleser für weitere Ausflüge nach Edinburgh zu gewinnen, bleibt abzuwarten bzw. zu bezweifeln. Die Tatsache, dass man der Lösung wohl schneller näher kommt als Schnüffler Rebus (sowie ein weiterer unaufgeklärter Mord), setzt tatsächlich ein gewisses Maß an Genügsamkeit voraus – oder halt eine treue Liebe zu dieser sich im weiteren Verlauf auf höchstem Level einpendelnden Krimi-Reihe. Also weiterhin jedes Buch von Ian Rankin lesen? Für mich – Ehrensache.

Wertung: 81 von 100 Treffern

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  • Autor: Ian Rankin
  • Titel: Ehrensache
  • Originaltitel: Strip Jack
  • Übersetzer: Ellen Schlootz
  • Verlag: Goldmann
  • Erschienen: 02.2002
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 384 Seiten
  • ISBN: 978-3442450145

Wer hat Angst vorm bösen Wolf?

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Am dritten Teil der Reihe um den Edinburgher Detective Inspector John Rebus werden sich wohl die Geister der Fans dieser Serie scheiden, denn zum ersten und einzigen Mal verschlägt es den eigenwilligen Ermittler nach London. Ein Handlungsort den manch einer – auch aufgrund der Verwurzelung von Rebus in Edinburgh – unpassend finden könnte, doch in der Vergangenheit des Autors finden wir die Gründe für diese Wahl.

Ian Rankin, der während des Schreibens selbst noch eine zeitlang in der Hauptstadt, genauer gesagt in Tottenham gewohnt hat und dort wenig glücklich war, verarbeitet in „Wolfsmale“ (engl. „Tooth & Nail„) seine Erlebnisse mit dem krassen Materialismus der Thatcher-Ära und geht dabei auch näher auf das schwierige Verhältnis zwischen Schotten und Engländern ein. Die dicht unter der Oberfläche lauernden Ressentiments dürfen hier beide Seiten ausleben, was nicht nur zur Dramatik der Handlung entscheidend beiträgt, sondern den Roman auch zu einem der amüsantesten Vertreter der Reihe macht. Die Story setzt einige Zeit nach dem letzten Roman „Das zweite Zeichen“ ein:

John Rebus hat sich mal wieder in die Nesseln gesetzt und im nicht ganz ausgenüchterten Zustand seinen Chef mit dessen ungeliebten Spitznamen konfrontiert. Die „Strafe“ dafür folgt auf den Fuß, denn Chief Superintendent „Farmer“ Watson schickt seinen DI nach London, wo er die Ermittlungen in einer mysteriösen Mordserie unterstützen soll. Und der Yard hatte zwar auch einen Experten angefordert, aber nicht unbedingt mit dem Erscheinen dieses „Jocks“ aus dem wilden Norden gerechnet, dessen Sprache sie kaum verstehen und der sich auch gleich wenig Freunde unter den Londoner Polizisten macht. Dem Einzelkämpfer Rebus schlägt allerorten herablassender Argwohn und Verachtung entgegen, was dieser wiederum mit stoischer Gelassenheit und geistigen Bemerkungen kommentiert. Allein im Leiter der Ermittlungen, dem pragmatischen George Flight, findet er einen Verbündeten. Gemeinsam nehmen sie die Spur des so genannten „Wolfsmannes“ auf, der immer brutaler vorzugehen scheint und Rebus nur wenig Zeit lässt, sich in der ungewohnten Umgebung zurechtzufinden. Als die Abstände zwischen den Morde kürzer werden, überschlagen sich für Rebus auch privat bald die Ereignisse…

Auch wenn Rankin, meiner Meinung nach unnötigerweise, auf den Zug der Serienmörderplots aufspringt – der Autor hatte zum damaligen Zeitpunkt gerade Thomas Harris‘ Hannibal-Lector-Reihe für sich entdeckt –  der Schreibstil bleibt einzigartig und kann auch diesmal aufs Beste unterhalten. War der Vorgänger noch durch seine Düsternis gezeichnet, ist es hier besonders der treffende Humor, der ins Auge fällt und das London, das durchaus nicht von seiner schönsten Seite gezeigt wird, zur Bühne des zwar knurrigen, aber nicht charmelosen Inspektors macht. Über die herrlichen Wortgefechte von Engländern und Schotten gerät der eigentliche Krimifall fast in den Hintergrund, der auch diesmal zugegebenermaßen nicht ganz so überzeugen kann. Der Wolfsmann bleibt etwas blass und das Element der Bedrohung und Gefahr vermag uns Leser nicht ganz zu erreichen.

Das fällt jedoch kaum ins Gewicht, da Rankin in punkto Charakterzeichnung erneut eine Meisterleistung abliefert und die bereits lieb gewonnenen Edinburgher Kollegen durch ebenso interessante Londoner Vertreter ersetzt. Auch Rebus beginnt eine neue Affäre, diesmal mit einer Psychologin, während er sich gleichzeitig mit seiner Ex-Frau und der pubertierenden Tochter auseinandersetzen muss (Es ist übrigens das erste und letzte Mal, dass Rankin eine Sexszene im Detail näher schildert, was er später, auch auf Anraten seines Agenten, der Fantasie des Lesers überließ). Der Autor fügt dies alles zu einem in sich stimmigen Plot zusammen, welcher uns über die Identität des Mörders stets im Unklaren lässt und dessen Auflösung mich zu überraschen wusste. Was das Buch am Anfang an Längen zuviel hat, fehlt dann leider etwas gegen Ende, das Rankin etwas überhastet, aber dafür umso actionreicher (Stichwort: Verfolgungsjagd) auf Papier bringt.

Wolfsmale“ ist wie seine Vorgänger ein absolut kurzweiliger, unterhaltsamer Krimi-Thriller-Mischling, dem man die Lehrjahre des Schreibers zwar noch weiterhin anmerkt, welcher aber erneut das gewisse Etwas mitbringt und mich – vor allem auch durch die Marotten des John Rebus – endgültig zu einem glühenden Anhänger dieses schottischen Autoren bekehrt hat.

Übrigens: „Wolfsmale“ ist auch wegen dem ersten kleinen Auftritt von Morris Gerald Cafferty alias „Big Ger“ denkwürdig. Eine Figur, die im weiteren Verlauf noch eine sehr wichtige Rolle als Rebus‘ ganz persönlicher Moriarty zu spielen hat.

Wertung: 90 von 100 Treffern

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  • Autor: Ian Rankin
  • Titel: Wolfsmale
  • Originaltitel: Tooth & Nail
  • Übersetzer: Ellen Schlootz
  • Verlag: Goldmann
  • Erschienen: 07.2001
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 320 Seiten
  • ISBN: 978-3442446094

Eine Zeit in der Hölle

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„Eine Zeit in der Hölle“. Das ist womöglich etwas übers Ziel hinaus und dennoch doch auch irgendwie ganz passend für die letzten Monate in meinem Leben. Insofern vielleicht die beste Art den Faden dieses Blogs aufzugreifen, der hier vor mehr als zwei Monaten – man muss sagen erneut – verloren ging. Freizeit ist ein kostbares Gut, Seelenfrieden umso mehr. Wenn beides gen Null tendiert schlägt sich das halt dann auch in dem eigenen Hobby wieder. Doch wie sang Freddie Mercury einst inbrünstig: „Show must go on“. Und so geht es auch diesmal weiter, wobei ich mich einmal mehr in den Norden Europas flüchte. Genauer gesagt nach Schottland in die Oxford Bar zum guten, alten John Rebus, dessen zweitem Fall ich mich hiermit ein wenig näher widme.

Ian Rankins zweiter Kriminalroman mit John Rebus entstand in den Jahren 1988/89, während des Höhepunkts des Thatcherismus. In dieser Zeit, wo unter anderem rote Hosenträger wahnsinnig angesagt waren, schien es in manchen Bars kein anderes Gesprächsthema als die steigenden Grundstückspreise zu geben. Ian Rankin, mittlerweile mit seiner Frau in London lebend und nebenbei als Journalist tätig, war von Leuten umgeben, die alle mehr Erfolg hatten als er, Angestellte mit fetten Gehältern oder Schriftsteller mit fünfstelligen Garantierhonoraren.

Aus heutiger Sicht erklärt diese damalige Situation den ziemlich bitteren Ton von „Das zweite Zeichen“ (engl. „Hide & Seek„) und spiegelt sich besonders in den Erinnerungen von Brian Holmes, Detective Sergeant und fortan treuer Gehilfe und Partner an Rebus‘ Seite, wider. Für ihn war die Zeit als Student in London „Eine Zeit in der Hölle“. Im Gegensatz zum Vorgänger ist der der zweite Teil der Reihe also viel düsterer geworden, wenngleich handlungstechnisch nur wenige Monate seit „Verborgene Muster“ vergangen sind.

John Rebus ist mittlerweile zum Detective Inspector befördert worden und soll in dieser Position die Antidrogen-Kampagne seines publicitygierigen Chefs unterstützen. Etwas wonach ihm wenig der Sinn steht, zumal ihm seine Freundin Gill Templer gerade den Laufpass gegeben hat. Da passt es ihm ganz gut, dass ein neuer Fall seine volle Aufmerksamkeit erfordert. In der heruntergekommenen Siedlung Pilmuir, wo die meisten leeren Gebäude, welche den Stadtvätern seit langem ein Dorn im Auge sind, von Hausbesetzern bewohnt werden, wurde die Leiche eines jungen Mannes gefunden. Offenbar an einer Überdosis Heroin gestorben, scheint das auf den ersten Blick kein ungewöhnliches Ende in Pilmuir zu sein. Bis Rebus auffällt, dass der Körper des Toten von Blutergüssen übersäht ist und man im Nachhinein entdeckt, dass der „Stoff“ von Ronnie McGrath mit reichlich Rattengift gestreckt wurde. Auch das an die Wand gemalte Pentagramm im Nebenraum irritiert den Inspektor, der sich nun mit aller Kraft in die Ermittlungen stürzt…

War das Debütwerk in seinem Aufbau noch stellenweise etwas unausgegoren, deutet Rankin hier nun seine Qualitäten mehr als an und setzt den Startpunkt für den Siegeszug dieser Serie, welche sich mittlerweile auch in Deutschland fortgesetzt hat. Obwohl Rebus seine, auf die harte SAS-Ausbildung zurückgehenden Psychosen, offenkundig abgelegt hat, sind ihm sein kauziger Charme und die schroffe Art erhalten geblieben. Und die Welt um ihn herum, die düstere Heimatstadt Edinburgh, ist auch wenig dazu geeignet, zur Frohnatur zu mutieren. So wäre es nur zu einfach Vergleiche mit Mankells Kurt Wallander zu ziehen, hätte Rankin seine Hauptfigur nicht mit einer Portion nachtschwarzen schottischen Humors ausgestattet, die im notorisch depressiven Umfeld immer wieder für lichte Momente sorgt. Bestes Beispiel ist Rebus‘ kühler Umgang mit dem strebsamen Brian Holmes. Die Frotzeleien zwischen den beiden sowie die jeweils geschilderten Gedankengänge lassen zwischenzeitlich kein Auge trocken und erlauben gleichzeitig einen Blick auf Rankins eigenen Charakter.

Der eigentliche Fall kommt im zweiten Band zwar anfangs etwas zäher in den Gang, zeigt jedoch wieder die Raffinesse des Autors, der eine Vorliebe für das abgedrehte zu haben scheint und dessen Plot dieses Mal sehr „Gothic“-like anmutet. Spannend und gegen Ende wieder sehr rasant liest sich aber auch diese Geschichte, da die Ermittlungen, die Rebus wieder auf eigene Faust führt, uns in die wohlbekannten Gewässer der Globalisierungsauswirkungen führt. Die Gewinner und Verlierer macht er allzu klar deutlich und hat damit bereits schon damals den Finger in eine Wunde gelegt, die auch heute noch weiter schwelt. Das Ende fügt dann nicht nur alles bestens zusammen, sondern weckt auch Erinnerungen an einen gewissen Film mit Brad Pitt und Edward Norton.

Das zweite Zeichen“ ist ein äußerst gelungener und sehr schottischer zweiter Kriminalroman, der feinsinnig und tiefgründig spannend unterhält, aufgrund seines eher langsamen Beginns die Qualität des ersten Bands aber nicht erreicht.

Wertung: 89 von 100 Treffern

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  • Autor: Ian Rankin
  • Titel: Das zweite Zeichen
  • Originaltitel: Hide & Seek
  • Übersetzer: Ellen Schlootz
  • Verlag: Goldmann
  • Erschienen: 01.2001
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 320 Seiten
  • ISBN: 978-3442446087

Von Knoten und Kreuzen

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Edinburgh, das „Athen des Nordens“, hat schon seit jeher eine besondere Faszination auf mich ausgeübt, was insofern bemerkenswert ist, da ich es bis dato nicht geschafft habe, dieser Stadt einen Besuch abzustatten. Wie kann man ein Faible für etwas haben, ja, etwas beinahe lieben, ohne es persönlich gesehen zu haben? Und woher kommt dieses Gefühl? In meinem Fall schwer zu erklären und noch schwerer zu beantworten.

Literatur aus Schottland begleitet mich seit Teenager-Zeiten durch mein Leben. Über Sir Arthur Conan Doyle habe ich nicht nur das Genre Krimi für mich entdeckt, sondern sogar meine Lebensgefährtin kennengelernt, mit der ich inzwischen seit mehr als neun Jahren zusammenlebe und zwei gemeinsame Kinder habe. Robert Louis Stevensons Umtriebe von „Jekyll“ und „Hyde“ waren mein erster Kontakt mit dem wohligen Schauer, der aus den Zeilen eines Buches entspringen kann. Und Ian Rankin, ja, Ian Rankin hat meine Zuneigung und Sehnsucht zur Dùn Èideann über die Jahre hinweg nochmals zementiert, weswegen dieser Blog in gewissem Sinne auch als Hommage an ihn zu verstehen ist – inhaltlich wie visuell.

Zeit also, Rankin – unangreifbar ganz oben in meiner persönlichen Bestenliste der Autoren zu finden – auch in der Rubrik „Rezensionen“ die langverdiente Ehre zuteil werden zu lassen und sich dem Gesamtwerk des Schotten etwas näher zu widmen. Und dabei beginne ich natürlich da, wo alles seinen Anfang nahm …

Am 22. März 1985 schrieb Ian Rankin die ersten Zeilen seines Kriminalromans „Verborgene Muster“ (engl. „Knots & Crosses„) mitsamt der Hauptfigur John Rebus. Knappe zwei Jahre nach Beginn des Skripts kam sein Debütwerk im kleinen, mittlerweile nicht mehr existenten Verlag Bodley Head heraus. Das Buch konnte kein großes Aufsehen zu erregen. Die Absatzzahlen waren und blieben kümmerlich, die Besprechungen spärlich. Seine Karriere als Autor schien beendet, bevor sie richtig begonnen hatte und für Rankin war das Thema Rebus abgehakt. Er konnte zu dem Zeitpunkt nicht ahnen, dass er in Wirklichkeit eine Erfolgsserie aus der Taufe gehoben hatte, die bis zum heutigen Tag die britischen Bestsellerlisten anführt und für viele nachfolgende Krimiautoren zum Vorbild geworden ist. Krimi? Ja, für Ian Rankin war die Einordnung seines ersten Romans in dieses Genre – die er zu Beginn noch ablehnte – eine echte Überraschung. Bis er relativ schnell die Chance darin erkannte, sich als Autor zu etablieren.

Heute ist John Rebus Kult. Nicht nur in Edinburgh und in Schottland. Weltweit. Und der erste Fall mit dem kauzigen Detective Sergeant zeigt auch bereits all die typischen stilistischen Elemente, welche die Nachfolger so erfolgreich gemacht haben. Die Story sei kurz angerissen:

Edinburgh Mitte der 80er Jahre. John Rebus, 40-jähriger DS bei der Mordkommission, macht schwierige Zeiten durch. Sein Beruf hat ihn ausgebrannt, sein Alkohol- und Zigarettenkonsum das normale Maß bereits längst überschritten. Auch das Privatleben ist ein Desaster, seine Ehe gescheitert und die Ex-Frau nun eine erbitterte Feindin, die am liebsten auch den Kontakt zu seiner einzigen Tochter unterbinden möchte. Hinzu kommen die Nachwirkungen seiner Zeit beim SAS, wo ihn ein psychischer Zusammenbruch zur Aufgabe gezwungen hatte. Ein wahrlich ungeeigneter Zeitpunkt, um die Ermittlungen in einem Fall zu übernehmen, der ganz Edinburgh in Atem hält. Ein Kidnapper geht um, dem bereits zwei Mädchen zum Opfer gefallen sind und die im Dunkeln tappende Polizei steht unter heftigem Beschuss seitens der Medien und Politik. In all der Hektik und dem Stress bemerkt man zu spät, dass hinter den Entführungen ein verborgenes Muster steckt, eine Aufforderung zum Spiel. Mit niemand geringeren als Rebus selbst…

Sicherlich hat Rankin mit seinem Erstling das Rad nicht neu erfunden, aber trotz einiger Parallelen zu Wallander und Co. überrascht der Autor in vielen Dingen mit erfrischender Eigenständigkeit. Edinburgh als Kulisse war zu diesem Zeitpunkt noch herrlich unverbraucht und der Plot in dieser stets regnerischen, alten Stadt perfekt angesiedelt. Rankin kennt seine Heimat und seine Landsleute genau, vermag Atmosphäre, Marotten und Eigenheiten genauestens aufs Papier zu bringen, so dass man sich sehr schnell zuhause fühlt. Der Schlüssel zum Ganzen ist natürlich John Rebus, ein „Anti-Held“, schmutzig, arrogant, verschlossen und fehlbar. Ein guter Polizist, dessen Schläue und Kenntnisse in der Literatur in folgenden Bänden etwas abgemildert werden, und der sich meist eher auf seine Intuition denn auf sein Wissen verlässt. Und jemand, der seine Dämonen wie ein Kreuz mit sich von Bar zur Bar trägt. Nur nach und nach erhält man als Leser Einblick in seine Gefühlswelt, legt Rankin die Schichten zum Kern von Rebus frei, löst er die Knoten zu dessen Vergangenheit.

Dennoch erstaunlich schnell stellt man einen Zugang zu ihm und damit der Geschichte her, die äußerst geschickt mit den wiederkehrenden Motiven von Robert Louis Stevensons (auch ein Edinburgher) Novelle „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ spielt, denn auch John Rebus quälen Erinnerungslücken, die der Leser mit eigenen Vermutungen füllen kann, um sich am Ende die Frage zu stellen: Was wenn er am Ende selbst die Verbrechen begeht? Auch wenn der eigentliche Krimiplot besonders am Anfang der Charakterzeichnung noch weichen muss, entfesselt der Erstling bereits durch diese Neuinterpretation des klassischen Zwei-Persönlichkeiten-Themas eine enorme Sogwirkung. Frei ohne Fehler bleibt er dabei nicht: Rebus‘ eigentliche Ermittlungen bleiben recht dürftig und er stolpert eher zufällig und mithilfe anderer über die wichtigen Hinweise. Die Kurzweil leidet darunter jedoch nicht, was auch daran liegt, das Rankin eine Portion Humor der schwärzesten Sorte mit einbringt, die immer wieder zum Schmunzeln zwingt. (Großes Lob gilt hier auch der deutschen Übersetzerin, die den Ton genau getroffen hat) Das Ende, in dem die anfangs getrennten Handlungsstränge zusammengeführt werden, lässt den Puls noch mal höher schlagen und kann mit einer intelligenten Auflösung überzeugen.

Verborgene Muster“ ist ein zwar, kurzer, aber – vor allem für einen Erstling – schon sehr stimmiger, guter und düsterer Kriminalroman, der den Grundstein für eine erfolgreiche Reihe gelegt, die Klasse späterer Rankins allerdings allenfalls angedeutet hat. Mit jedem weiteren Roman wird sich der Autor steigern und dem Leser diese Figur und seine Kollegen von der Polizeistation Great London Road ans Herz wachsen.

Zum Schluss noch eine kleine Anekdote zur Entstehung von „Verborgene Muster„: Als der junge Ian Rankin damals die Edinburger Polizeistation auf der Suche nach mehr Informationen über die Arbeit der Beamten aufsuchte und mit seiner Idee konfrontierte, machte er sich unwissentlich selbst zum Verdächtigen, da zum gleichen Zeitpunkt eine geheime Ermittlung in einem Fall lief, der ganz ähnlich gelagert war, wie der im Roman beschriebene. So wurde der wissbegierige Rankin schließlich dazu gebracht, bei einem „fiktiven“ Verhör mitzuspielen, in der Hoffnung, er würde sich als der gesuchte Täter offenbaren. Erst nach einem Besuch bei seinem Vater und dessen Erklärung wurde ihm klar, wie knapp er einem Aufenthalt im Gefängnis entgangen war.

Wertung: 91 von 100 Treffern

einschuss2
  • Autor: Ian Rankin
  • Titel: Verborgene Muster
  • Originaltitel: Knots & Crosses
  • Übersetzer: Ellen Schlootz
  • Verlag: Goldmann
  • Erschienen: 05.2000
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 224 Seiten
  • ISBN: 978-3442446070