Die Rote und der Heilige

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© Pendragon

Wallace Stroby betritt mit „Kalter Schuss ins Herz“ zum ersten Mal deutschen Buchmarktboden – und hinterlässt gleich tiefe Spuren mit viel Profil. Meine Entschuldigung für die doch etwas lang geratene Besprechung, aber einmal ins Schwärmen geraten, flogen die Pfoten nur so über die Tasten. Außerdem: Pendragons neueste Entdeckung hat etwas tiefergehende Aufmerksamkeit verdient. Und zwar darum:

Es ist gerade mal ein bisschen mehr als einen Monat her, seit ich – gemeinsam mit Jochen König – Günther Butkus und Eike Birck am Stand von Pendragon auf der Frankfurter Buchmesse einen Besuch abgestattet und mit ihnen zwanglos über das aktuelle Programm und die zukünftige Planung geplaudert habe. Im Mittelpunkt des Gesprächs stand neben „Kolbe“ und den Neuauflagen älterer „Spenser“-Krimis vor allem der kommende James Lee Burke-Titel „Mississippi Jam“ (orig. „Dixie City Jam“), mit dem der Bielefelder Verlag einen weiteren bisher unübersetzten Titel aus der Robicheaux-Reihe veröffentlicht und meine langjährige Hoffnung nährt, irgendwann hierzulande doch in den Genuss aller Bände zu kommen. Gänzlich unbeachtet – zu meiner nachträglichen Schande – blieb größtenteils Wallace Strobys „Kalter Schuss ins Herz“. Und obwohl Kollege König schon zum damaligen Zeitpunkt durchaus voll des Lobes war, ging ich ein paar Wochen später die Lektüre mit eher moderaten Erwartungen an, da Stroby mir bis dato schlichtweg kein Begriff und der vom Titel ausgehende Lockreiz doch etwas verhalten war.

Tja, was bleibt mir im Nachhinein übrig als zu sagen: Himmel, welch fatale Fehleinschätzung. Eine Fehleinschätzung, für die es nicht mal eine gute Entschuldigung gibt, hat doch Pendragon bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass sie einen untrüglich guten Riecher für genau die hochkarätigen Juwelen haben, die andere Verlage übersehen oder lippenschürzend links liegen lassen. Und „Kalter Schuss ins Herz“, der Auftakt einer bisher vier Bände umfassenden Serie mit der professionellen Diebin Crissa Stone, macht doch kurz vor Ladenschluss den Kampf um Platz eins in meiner hauseigenen Jahres-Bestenliste nochmal so richtig spannend. Warum – dazu später. Nun erst einmal kurz zum Inhalt:

Die Zeiten sind schlecht für die Wahl-New-Yorkerin Crissa Stone seit ihr Mentor und Lebensgefährte Wayne im weit entfernten Texas seine Haftstrafe absitzen und sie allein auf Raubzüge gehen muss. Ihr letzter Coup, ein Überfall auf eine Wechselstube, ging zwar vom Ablauf her reibungslos über die Bühne, der letztliche Ertrag war aber enttäuschend, zumal Crissa, von Freunden liebevoll „Rote“ genannt, schnellstmöglich 250.000 Dollar braucht, um eine frühzeitige Entlassung Waynes in die Wege leiten zu können. Hinzu kommt ihre persönliche Situation. Die gemeinsame Tochter Maddie hat sie schweren Herzens in die Obhut ihrer Cousine gegeben. Auch als Vorsichtsmaßnahme aufgrund der Gefahren ihres „Geschäfts“ beobachtet sie sie nur aus der Ferne. Doch zumindest für den Lebensunterhalt will sie aufkommen, weshalb Crissa nun selbst Jobs in Erwägung zieht, die sie früher nicht angenommen hätte. Gemeinsam mit den beiden Profis Stimmer und Chance macht sie sich auf den Weg nach Fort Lauderdale, dem „Venedig Amerikas“, wo ein High Rollers Kartenspiel die Beute von einer Million Dollar und mehr verspricht.

Zur gleichen Zeit verlässt Eddie „der Heilige“ Santiago den Knast. Schon früher Ausputzer für die Mobster, verschwendet er keinen zweiten Gedanken an Resozialisierung und macht sich sogleich daran, seine alte berufliche Tätigkeit wieder aufzunehmen. An seiner Seite der ehemalige Junkie Terry, der mehr gezwungen als gewollt die Rolle des Sidekicks übernimmt und dem Eddie nur so lange vertraut, wie dieser ihm bereitwillig folgt.

Crissas Aktion ist derweil in vollem Gang und läuft reibungslos nach Plan, bis Stimmer augenscheinlich die Nerven verliert und einen der Pokerspieler noch am Tisch sitzend erschießt. Aus dem coolen Abgang wird nun eine hektische Flucht, denn der Getötete ist niemand geringeres als der Schwiegersohn des alten Gangsterbosses Tino Conte – Eddies Arbeitgeber. Obwohl Conte sich bei der Beauftragung des Heiligen mit der Liquidierung Stimmers zufrieden gibt, macht der erst gar keine Anstalten sich zurückzuhalten. Dieser Job verspricht Geld – und Geld ist alles was Eddie interessiert. Crissa und Chance tauchen unter, doch beiden ist klar, dass über diese Sache kein Gras wachsen, ihr Verfolger die Sache nicht auf sich beruhen lassen wird. Und dieser hat auch noch einen Trumpf im Ärmel – er weiß genau, für wen Crissa ihr Leben riskieren würde. Eine Hetzjagd beginnt…

Bei der Besprechung eines Buches kann man Dutzende Fehler machen – der größte ist es aber wohl, vorab Rezensionen anderer zu lesen. Nicht unbedingt, weil man sich dadurch in seiner Bewertung beeinflussen lässt, sondern weil es Wort- und Schwerpunktwahl zusätzlich erschwert. In „Kalter Schuss ins Herz“ kam dies in meinem Fall besonders zum Tragen, ist es doch schier unmöglich, diesen Krimi einer näheren Betrachtung zu unterziehen, ohne genau diejenigen Vergleiche aufzulisten, welche auch anderen Rezensenten sogleich ins Auge gefallen sind. Und auch die kurze obige Inhaltsbeschreibung sollte bei Kennern des Genres sogleich die Glocken klingen lassen, welchem Vorbild Stroby hinsichtlich der Thematik folgt und nacheifert. Gemeint ist Donald E. Westlake, der als Richard Stark mit seiner Serie um den Berufsganoven Parker Literaturgeschichte (und u.a. dank der Verfilmung des Erstlings unter dem Titel „Point Blank“ mit Lee Marvin in der Hauptrolle auch Filmgeschichte) geschrieben und den klassischen „Noir“ eine ganz neue Perspektive verliehen hat. Wie Stroby unlängst in einem Interview mit Sonja Hartl bekannt und Übersetzer Alf Mayer im informativen Nachwort herausgearbeitet hat, spielte auch Garry Disher eine nicht unwesentliche Rolle in seiner Selbstfindung als Autor – vor allem in der Phase, als Stark eine langjährige Pause bei Parker einlegte.

Nun kommt natürlich die Frage, die viele stellen werden: Ist „Kalter Schuss ins Herz“ einfach nur eine weitere Variante mit weiblicher Hauptfigur, welche die Stilelemente ihrer Vorgänger eins zu eins kopiert?

Die Antwort darauf kann und muss nach der Lektüre von Strobys Werk nur „Nein“ lauten, da der US-amerikanische Autor nicht nur in der Figurenzeichnung neue und andere Wege geht, sondern einen eigenen schnörkellosen Ton kultiviert. Zwar in der Tradition der Vorgänger, aber nur durch sie inspiriert und mit soviel Individualität, dass man reinen Gewissens behaupten kann: Hab ich so in dieser Art noch nicht gelesen. Auch wenn Strobys Crissa und Starks Parker dasselbe Berufsfeld teilen, unterscheiden sie sich doch stark in deren Ausübung und in der Auffassung eines moralischen Kodexes. Am Ende muss zwar bei beiden der Schnitt stimmen – der Weg dorthin ist aber im Falle von Crissa Stone nicht grundsätzlich mit Leichen gepflastert. Noch weniger als Schusswaffen mag sie deren Einsatz. Die Ausübung von Gewalt, außer im Notfall, sieht sie als die Schwäche eines Amateurs. Und obwohl sie wie Parker auf sich allein gestellt und gegenüber jedem misstrauisch ist, lässt sie gewisse Loyalitäten zu, wohingegen ersterer sich immer selbst am Nächsten ist und sich erst in späteren Bänden wenige sentimentale oder gar mitfühlende Momente erlaubt. Stattdessen bleibt er eckig, kantig, unnahbar und roh. Ein Eindruck, den auch Crissa auf den ersten Blick erweckt und der es ihr erlaubt, in dem dreckigen Tümpel, welcher ihr Milieu ist, auf Augenhöhe mit den meist doch männlichen Partnern ihr Ding durchzuziehen.

Ein zweiter Blick offenbart jedoch auch eine verletzliche Seite. Crissa leidet unter der Trennung von ihrer Tochter ebenso wie unter Waynes Gefangenschaft. Verbarrikadiert und zurückgezogen in ihrem Schlupfloch gönnt Stroby uns Lesern einen Blick in ihr Gefühlsleben, ohne dabei – und das ist meiner Ansicht nach eine herausragende Eigenschaft dieses Krimis – die Professionalität der Figur zu untergraben. Im Gegenteil: Durch diesen Blick „hinter die Kulissen“ wirkt Crissa umso stärker nach, gewinnt der Ablauf der Handlung, die Stroby mit einigen wohl dosierten Wendungen gespickt und mit einem steil nach oben führenden Spannungsbogen ausgestattet hat, zusätzlich an Dramatik.

Für dessen steilen Anstieg zeichnet insbesondere dann Eddie, „der Heilige“ verantwortlich. Ein eiskalter Killer und Soziopath wie er nur in wenigen Büchern steht und vielleicht einer der besten Antagonisten, der mir in den letzten Jahren zwischen den Seiten unter die Augen gekommen ist. Sobald er die Bühne betritt, sinkt die Temperatur rapide, hallt da ein dünnes, ängstliches „Oh-oh“ genauso zwischen unseren Ohren nach wie böse Vorahnungen, was das jeweilige Gegenüber Eddies angeht. Stroby hat hier einen Charakter geschaffen, dessen Ausstrahlung allein schon die Lektüre des Buches rechtfertigt. In einer Welt, wo die meisten Schriftsteller ihre Bösewichte künstlich aufblähen und zu abartigen Tieren verkommen lassen, ist Eddie dieses glaubhafte, erschreckend ehrliche und äußerst unangenehme Moment, welches uns daran erinnert, dass dort draußen tatsächlich solche Menschen existieren. Jegliche Szene mit ihm hier – garantierte Gänsehaut und nachvollziehbare Gefahr für Crissa Stone, deren Überleben man deshalb – trotz der Kenntnis dreier weiterer Krimis mit ihr – kurzerhand in Zweifel zieht.

Abgerundet wird das von einer stilistischen Sicherheit (auch dank Alf Mayers punktgenauer Übersetzung!), die denen der großen Meister vergangener Tage in Nichts nachsteht und einige denkwürdige Passagen hervorbringt, welche atmosphärisch lange nachwirken werden. Ob der Showdown in einem allein stehenden, verschneiten Haus oder der kurze Besuch Eddies bei der schwangeren Lebensgefährtin Terrys – „Kalter Schuss ins Herz“ besticht mit einer plastischen Schärfe, welche den „Ist-doch-nur-ein-Buch-Gedanken“ mit spitzer Feder sogleich zerreißt und es aufs Beste versteht, die Fähigkeiten dieses Mediums maximal zu nutzen. Knackige Dialoge, karge Kulissen, lakonischer Witz und dabei doch nie konstruiert wirkend – genau so will ich meinen Krimi haben, genau so muss „Hardboiled“ aussehen.

Bei meiner nächsten Unterhaltung mit Günther Butkus kann es daher nur ein Thema und eine Frage geben: „Günther, wann bringst du den nächsten Stroby?

Wertung: 93 von 100 Trefferneinschuss2Autor: Wallace Stroby

  • Titel: Kalter Schuss ins Herz
  • Originaltitel: Cold shot to the heart
  • Übersetzer: Alf Mayer
  • Verlag: Pendragon
  • Erschienen: 8/2015
  • Einband: Broschiertes Taschenbuch
  • Seiten: 352
  • ISBN: 978-3-86532-487-0
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Der Geige des Engels entkommt keiner

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(c) Unionsverlag

2010 wenige Monate vor der Buchmesse erschienen – dessen Gastland passenderweise auch Argentinien war – durfte ich damals Argemís „Und der Engel spielt dein Lied“ für die Krimi-Couch rezensieren. Auch wenn der Unionsverlag ohnehin für gute Spannungsliteratur steht (auch dank Thomas Wörtches Engagement), ist mir dieser Titel doch nachhaltig in Erinnerung geblieben. Ein Roman, wie mit der Sense gestutzt und geschrieben. Knapp, knackig, eindrucksvoll – und gerade deswegen unbedingt wert nochmal ins Scheinwerferlicht gerückt zu werden.

„Argentinien im Jahr 1978. Während sich das gesamte Land für die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft um eine positive Außenwirkung bemüht, bekommt der junge Ganove El Negro von seinem Boss, dem Mafiosi Polaco, einen heiklen Auftrag erteilt. Er soll gemeinsam mit vier anderen Fahrern eine große Ladung Drogen über die chilenische Grenze schaffen. Eigentlich eine leichte Aufgabe, zumal das Transportunternehmen von den Führern der Militärjunta gedeckt wird. Doch El Negro ist vom Pech verfolgt. Als die Fahrer in eine mobile Straßenkontrolle der Polizei geraten, schlägt bei einem der Autos ein Drogenhund an. Ehe Negro überhaupt reagieren kann, sind zwei der Fahrer dem konzentrierten Kugelhagel mehrerer Maschinengewehre zum Opfer gefallen. Ein Debakel. Negro kann fliehen und kommt bei der wunderschönen Irma unter. Eine Femme Fatale, mit der ihn bald eine heiße Affäre verbindet. Bis zu dem Tag, an dem er verraten wird und für acht Jahre ins Gefängnis wandert.

Als er herauskommt, hat sich nicht nur Argentinien verändert. Aus dem jungen Kriminellen ist ein Mann geworden. Ein Mann, der sich nach Rache und nach der Liebe von Irma sehnt. Zu spät erkennt er, dass es sich bei der Frau um die Geliebte des Polaco handelt. Im Büro des alternden Mafiosi trifft man sich wieder … zur endgültigen Abrechnung.

Und der Engel spielt dein Lied“ (2006 im Original veröffentlicht) ist nach „Chamäleon Cacho“, schon bereits der zweite im Unionsverlag erschienene Kriminalroman des in Barcelona lebenden argentinischen Schriftstellers Argemí, welcher zur Zeit der Militärdiktatur Jorge Rafael Videlas aktiver Mitstreiter der bewaffneten Guerilla war, im Jahre 1974 ins Gefängnis kam und erst nach der Einführung der Demokratie vier Jahre später frei gelassen wurde. Seine Zeit hinter Gittern hat er in seinen Werken verarbeitet, wobei er allerdings der Versuchung widersteht, die Taten beider Seiten in irgendeiner Art und Weise zu rechtfertigen oder moralisch zu legitimieren. Stattdessen streift er die politischen Themen nur skizzenhaft, während sich die eigentliche Handlung immer wieder um die sich gegenüber sitzenden Gangster El Negro und Polaco dreht. Diese Szene bildet den Kernpunkt des Romans, wird stets aufs Neue von Rückblenden unterbrochen, welche sich wiederum in verschiedenen Zeitebenen zutragen und Einblicke in die schmutzigen Geschäfte geben, die El Negro für seinen Boss erledigen musste.

Dieser Plotaufbau mit den Wechseln der Perspektive ist nicht nur äußerst geschickt und raffiniert, er macht „Und der Engel spielt dein Lied“ auch zu einem Buch mit enormer Sogkraft. Wie schon Landsmann Guillermo Orsi, der seinen Kriminalroman „Im Morgengrauen“ in einem Westernähnlichen Finale schließen ließ, so versprüht auch Argemís Werk dieses Flair von Highnoon. Stetige Anspannung liegt in der Luft. Man spürt förmlich, dass es irgendwann zum Ausbruch von Gewalt kommen muss. Getragen wird das Ganze von der Sprache des Romans, die in einem kurzen, lakonischen und sehr düsteren Ton gehalten ist und die die unterschwellige Hoffnungslosigkeit, welche man als Leser in allen beteiligten Figuren spürt, noch verstärkt. Wenn sich El Negro und Polaco über den Schreibtisch hinweg taxieren, wirkt es, als würde man über Pistolenläufe blicken. Knappe, schnelle Schnitte vermitteln eine durchaus vorhandene Dramatik, die aber versteckt im Untergrund brodelt und sich im erst im überraschenden Ende entlädt.

Und der Engel spielt dein Lied“ ist ein sprachlicher und formaler Hochgenuss. Wie Argemí hier mit den Blickwinkeln arbeitet, die Handlung trotz ihrer Kürze Haken wie ein Hase schlagen lässt, das verdient höchste Beachtung. Bemerkenswert auch die Wahl seiner Figuren, welche allesamt dem kriminellen Milieu entstammen und dennoch nicht nur schwarz und weiß gezeichnet sind. Stattdessen zeigt er die Verflechtungen von militärischen und konventionellen Verbrechern, die zu Zeit der Diktatur Hand in Hand gearbeitet und sich beide in der Ausübung ihres Terrors nicht zurückgehalten haben. Ohne den Erzählfluss zu stören oder dies zum zentralen Thema zu machen, deutet Argemí die natürliche Symbiose von Diktatur und Verbrechertum an. Zwei Elemente, welche einander brauchen und dafür auch gemeinsam gegen Oppositionelle vorgehen. El Negro ist dabei unpolitisch geblieben, wenngleich sogar er den Widerspruch erkennt (Der deutsche Leser fühlt sich eventuell ein wenig an die Olympischen Spiele von 1936 erinnert): Einerseits ein Argentinien, das Heimat für viele Vertriebene (Ein Großteil der argentinischen Bevölkerung hat seine Wurzeln in Europa. Besonders in Italien, Deutschland oder Spanien. Oder wie in Polacos Fall in Polen) bietet und sich zur WM weltoffen zeigt. Und anderseits ein Argentinien, das jeglichen Aufstand im Keim ersticken will und gegenüber Gegnern des Systems keine Gnade zeigt. Dieser Gegensatz spiegelt sich untergründig und subtil erzählt im Handeln der beteiligten Figuren wieder.

Trotz seiner Kürze und dem ruhigen, unspektakulären Ton ist „Und der Engel spielt dein Lied“ ein äußerst eindringlicher, fesselnder und hervorragend übersetzter (!) Kriminalroman, der mit Passagen wie dieser nachhaltig in Erinnerung bleibt:

(…) „Was willst du machen, Kleiner, das Leben ist wie ein Tango, so ist das nun mal. Wenn du auf die Welt kommst, greift ein Engel nach der Geige und spielt eine Melodie, nach der du dein Leben lang tanzen wirst. Immer dasselbe Lied. Bei deinen Geschäften, bei deinen Freunden, bei allem. Und wenn du als Mann geboren wurdest, hast du es verschissen, denn mit den Frauen tanzt du auch immer nach demselben Lied. Der Geige des Engels entkommt keiner.“ (…).“

Wertung: 88 von 100 Trefferneinschuss2Autor: Raúl Argemí

  • Titel: Und der Engel spielt dein Lied
  • Originaltitel: Siempre la misma música
  • Übersetzer: Susanna Mende
  • Verlag: Unionsverlag
  • Erschienen: 7/2010
  • Einband: Hardcover
  • Seiten: 192
  • ISBN: 978-3-2930-0418-4