+++ Der Vorschau-Ticker – Winter 2017/Frühjahr 2018 – Teil 2 +++

Während sich die kleinen Verlage mit der Bekanntgabe der kommenden Veröffentlichungen noch etwas Zeit lassen und damit unwissentlich das Gefühl der Vorfreude bei mir noch steigern, sind einige der größeren Verlagshäuser mit ihren Vorschauen bereits online gegangen. Auffällig dabei diesmal: Im Bereich Krimi sieht es (wohlgemerkt bisher) etwas mau aus. Zuviel typische Fastfood-Thriller-Kost, wenig besonderes, das heraussticht. Dafür sind mir gleich mehr als ein Dutzend Titel aus der Belletristik (zu welcher ich den Spannungsroman hier auf diesem Blog zur Unterscheidung mal nicht zähle) ins Auge gefallen, die mindestens neugierig machen, in den meisten Fällen aber gar sichere Muss-Käufe sind. Aber dazu mehr in dem bereits angekündigten eigenen Belletristik-Ticker, denn „mau“ bedeutet ja nicht, dass die düsteren Seiten der Literatur in Zukunft gar nichts bieten werden.

Den Anfang macht „Ehrensache„, der nächste Fall aus der inzwischen 25-jährigen Serie um Detective Harry Bosch, welche zwar zuletzt mit einigen Tiefen zu kämpfen hatte, trotzdem aber zu den wenigen Reihen gehört, die durchweg ein hohes Niveau halten können. Und auch wenn in den letzten Titeln ein wenig die Frage mitschwang „Wie lange noch?“, folge ich Connellys Feder weiterhin gerne in die Unterwelt oder die Gerichtsgebäude der Stadt der Engel. Ob ich jedoch „Ehrensache“ gleich als Hardcover kaufe oder aufs TB warte – das hängt dann vom Bankkontostand im Januar nächsten Jahres ab. So oder so – schön, dass Droemer dem Autor weiterhin die Stange hält, habe ich doch (auch aus meiner Erfahrung als Buchhändler) so das Gefühl, dass Connelly sich hierzulande allenfalls solide verkauft.

Mit „Nighthawks – Stories nach Gemälden von Edward Hopper“ erfüllt sich doch tatsächlich eine bereits im April letzten Jahres von mir geäußerte Hoffnung. Die Kurzgeschichtensammlung –  in der u.a. Lawrence Block (der auch als Herausgeber fungiert), Joyce Carol Oates, Stephen King, Michael Connelly und Lee Child zum Stift gegriffen haben und die mit den Gemälden Edward Hoppers und der Welt des Verbrechens das zusammenführt, was für mich seit der ersten Betrachtung von „Nighthawks“ zusammengehört – erscheint nun auch bei uns in Deutschland. Dass dieser Titel ebenfalls bei Droemer herauskommt, ist für mich überraschend (Alf Mayer deutete allerdings vor nicht allzu langer Zeit so etwas an), aber dadurch nicht weniger erfreulich. Die beteiligten Autoren stehen für große Qualität. Im Verbund mit Hoppers Werk erwarte ich mir da doch einiges. Ein Muss-Kauf!

Im Anschluss nun zwei weitere Titel aus der großen Verlagsgruppe Random House, wobei ich nicht geglaubt hätte, den Namen John Grisham hier nochmal in einem meiner Vorschau-Ticker vorzufinden. Versteht mich nicht falsch – seine frühen Werke (z.B. „Die Jury„, „Der Regenmacher“ und „Die Akte„) habe ich in bester Erinnerung und waren ganz gewiss – zusammen mit einem Scott Turow – maßgeblich für die Etablierung des Subgenres des Justizthrillers. Dennoch kann auch ich nicht verhehlen: Nach einer gewissen Menge Grisham stellt sich recht schnell Übersättigung ein. Kennste einen, kennste alle. Ein Vorwurf, an dem schon ein bisschen etwas dran ist. „Das Original“ werde ich mir dennoch angucken. Eben weil es das übliche Gerichtssetting augenscheinlich hinter sich lässt. Stattdessen ein Manuskript von Fitzgerald, das FBI und ein findiger Buchhändler. Klingt interessant – ich werde hier mal die ersten Besprechungen abwarten.

Selbiges gilt für „Commissaire Le Floch und das Geheimnis der Weißmäntel„, dessen Autor Parot bereits mit Maigret verglichen wird. Mich erinnern Aufmachung und Inhaltsbeschreibung eher an eine Mischung aus Malet und C. J. Sansom. Wenn Parot die Qualität der beiden erreicht, wäre es den Kauf sicherlich wert. Auch weil der Schauplatz historisches Paris seit jeher eine besondere Faszination auf mich ausübt. Ein Titel, den ich im Auge behalten werde.

Was spricht euch an?

  • Michael Connelly – Ehrensache (Hardcover, Januar 2018 – Droemer Verlag – 978-3442715923)
  • Inhalt: Detective Harry Bosch ist in Rente gegangen und nicht mehr beim Los Angeles Police Department (LAPD), aber sein Halbbruder, der Anwalt Mickey Haller, braucht die Hilfe des erfahrenen Ermittlers. Eine Frau ist im Schlafzimmer ihres Hauses brutal ermordet worden, und alle Indizien deuten auf einen von Hallers Klienten, einen früheren Gangster, mittlerweile bürgerlicher Familienvater. Obwohl die Mordanklage wasserdicht scheint, hält Mickey sie für vorgeschoben. Offenbar soll seinem unschuldigen Klienten etwas angehängt werden. Zuerst will Bosch damit nichts zu tun haben, aber dann nimmt er sich der Sache an und betreibt mit der ihm eigenen Hartnäckigkeit Nachforschungen, um den Fall aufzuklären. Doch je näher er der Wahrheit kommt, umso mehr gerät er in das Visier des Täters …
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© Droemer

  • Lawrence Block (Hrsg.) – Nighthawks – Stories nach Gemälden von Edward Hopper(Hardcover, November 2017 – Droemer Verlag – 978-3426281642)
  • Inhalt: Jedes Bild erzählt eine Geschichte. Für die Gemälde von Edward Hopper (1882 – 1967), einer Ikone der modernen amerikanischen Malerei, gilt das in besonderem Maße. Seine Porträts von Menschen, die auf rätselhafte Weise in ihre Einsamkeit versunken scheinen, lassen der Phantasie einen weiten Spielraum. Siebzehn renommierte US-Autoren haben sich inspirieren lassen, jede(r) von einem anderen Bild. Ihre Geschichten setzen dort an, wo das Gemälde als Momentaufnahme zwangsläufig aufhören muss, erzählen weiter, was verborgen in der Mimik, der Körpersprache der Figuren und in der festgehaltenen Szene zu erspüren ist. Entstanden ist eine vielschichtige, faszinierende Kollektion von Storys über die menschliche Existenz und ihre Abgründe. Realistisch, anrührend, beunruhigend – immer aber fesselnd und überraschend.
    Mit Geschichten von Stephen King, Michael Connelly, Lee Child, Jeffery Deaver, Joyce Carol Oates, Lawrence Block u.a.
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© Droemer

  • John Grisham – Das Original (Hardcover, August 2017 – Heyne Verlag – 978-3453271531)
  • Inhalt: In einer spektakulären Aktion werden die handgeschriebenen Manuskripte von F. Scott Fitzgerald aus der Bibliothek der Universität Princeton gestohlen. Eine Beute von unschätzbarem Wert. Das FBI übernimmt die Ermittlungen, und binnen weniger Tage kommt es zu ersten Festnahmen. Ein Täter aber bleibt wie vom Erdboden verschluckt und mit ihm die wertvollen Schriften. Doch endlich gibt es eine heiße Spur. Sie führt nach Florida, in die Buchhandlung von Bruce Kable, der seine Hände allerdings in Unschuld wäscht. Und so heuert das Ermittlungsteam eine junge Autorin an, die sich gegen eine großzügige Vergütung in das Leben des Buchhändlers einschleichen soll. Doch die Ermittler haben die Rechnung ohne Bruce Kable gemacht, der überaus findig sein ganz eigenes Spiel mit ihnen treibt.
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© Heyne

  • Jean-François Parot – Commissaire Le Floch und das Geheimnis der Weißmäntel (Broschiert, September 2017 – Karl Blessing Verlag – 978-3896675736)
  • Inhalt: Paris, 1761: Als ein Polizeibeamter der Korruption verdächtig wird, betreut man den jungen Nicolas Le Floch mit dem Fall. Was als Bagatelle beginnt, wird schon bald zum Mordfall, da der verdächtigte Beamte verschwindet, und zu einem Skandal, der auch König Ludwig XV und seinen Hofstaat treffen könnte. Während die Pariser Gesellschaft sich dem wilden Treiben des Karnevals hingibt, führen Nachforschungen Nicolas Le Floch in Spielhöllen, Abdeckereien, Edelbordelle und die Verliese der Bastille. Wird er das Geheimnis lüften und den König retten?
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© Karl Blessing

 

Die Toten schauen zu – im Sonnenlicht und im Schatten

Eine Nachricht und eine Entdeckung, die ich gerne mal mit der Krimi-Gemeinde teilen möchte.

So ist seit Anfang diesen Monats (oder habe ich es einfach erst so spät mitbekommen) mit „Die Toten schauen zu“ von Gerald Kersh der neueste Titel aus Frank Nowatzkis Pulp Master-Verlag erschienen (Wer das grandiose Programm nicht kennt, folge bitte unverzüglich dem Link). Für meine Seite ein Muss-Kauf, zumal die

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(c) Pulp Master

Thematik es für dieses Genre in sich hat:

Als in der von deutschen Truppen besetzten „Tschechei“ der SS-Obergruppenführer und General der Polizei von Bertsch von einem vorbeifahrenden Motorradfahrer niedergeschossen wird, setzt das Dritte Reich 800.000 Reichsmark Belohnung für Hinweise aus, die zur Ergreifung des Täters führen. Als in der Nähe des kleinen Dorfes Dudicka ein verlassenes Motorrad am Uferrand geborgen wird, entsendet die Gestapo den berüchtigten SS-Offizier Heinz Horner, um eine Untersuchung einzuleiten und die Dorfbewohner Horners Repressalien auszusetzen. – Vor historischem Hintergrund schuf der großartige Gerald Kersh 1943 unauslöschliche Bilder vom Hereinbrechen des Schreckens über eine unschuldige Dorfgemeinschaft, die bis heute nichts von ihrer dramatischen Wucht und Sprachkraft verloren haben.

Das war die Nachricht und nun die Entdeckung: Für Dezember diesen Jahres ist im amerikanischen Original eine Anthologie angekündigt, bei der Titel, Name des Herausgebers, beteiligte Autoren und Aufmachung allesamt nur eine Antwort von meiner Seite aus zur Folge haben: „Shut up and take my Money!“

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(c) Pegasus

In Sunlight or in Shadow – Stories inspired by the paintings of Edward Hopper“ ist eine Hommage an einen der wichtigsten Maler aus dem Amerikanischen Realismus, der mich dazu noch mit seinem Bild „Nighthawks“ schon in jungen Jahren geprägt und meine Liebe zum „noiresken“ Buch befeuert hat. In der kommenden Storysammlung nehmen dann außerdem auch ein paar Schriftsteller den Stift in die Hand, die zu den ganz Großen ihrer Sparte (und passenderweise meinen Favoriten) zählen: Neben Herausgeber Lawrence Block sind so u.a. Stephen King, Joyce Carol Oates, Michael Connelly, Jeffery Deaver, Lee Child und Joe R. Lansdale beteiligt. Grund genug für mich, mal nicht auf eine Übersetzung ins Deutsche zu warten und mir das Buch als Weihnachtswunsch vorzumerken. Und vielleicht dürfen wir 2017 das Buch dann doch auch hierzulande begrüßen – Liebeskind übernehmen sie. 8-)

+++ Der Vorschau-Ticker – Sommer/Herbst 2016 – Teil 14 +++

Nein, eine Vorschau ist das in dem Sinne tatsächlich nicht mehr, ward der Titel doch bereits vor ein paar Tagen veröffentlicht. Dennoch: Für mich persönlich sind das in jedem Fall „Breaking News“, bewahrheitet sich doch nun das, was mir Lawrence Block schon im letzten Jahr in einem kurzen Chat auf Facebook freudig angekündigt hatte: Matthew Scudder feiert sein Rückkehr im deutschsprachigen Raum!

Nachdem mit „Ruhet in Frieden“ anlässlich der Verfilmung mit Liam Neeson wieder ein Titel dieser auch für viele andere Autoren prägenden Reihe (u.a. Ian Rankin und Mark Billingham – zwei meiner Lieblingskrimischreiber – zählen Block zu ihren großen Vorbildern) bei Heyne neu aufgelegt worden ist, scheint sich nun, unterstützt von Übersetzer Stefan Mommertz, Block selbst seiner Figur Scudder anzunehmen und diese über den Print-On-Demand-Dienstleister  CreateSpace Independent Publishing zu veröffentlichen. Mit „Die Sünden der Väter“ ist nun der Auftakt der Serie wieder für deutsche Leser erhältlich. Eine hervorragende Nachricht, waren doch insbesondere die ersten zwei Scudder-Bände über Jahre antiquarisch nur äußerst schwer und dann auch nur zu höchsten Preisen zu bekommen.

Es bleibt zu hoffen, dass Block und seine Unterstützer hierzulande jetzt langen Atem beweisen und wir in den Genuss aller Bände kommen. Nach zuletzt James Lee Burke wäre das für mich DAS Comeback der letzten Jahre!

  • Lawrence Block – Die Sünden der Väter (Februar 2016 – CreateSpace Independent Publishing Platform – 978-1523832699)
  • Inhalt : »Die Sünden der Väter« stellt Matthew Scudder vor, jenen New Yorker Privatdetektiv, der von Liam Neeson in »Ruhet in Frieden« auf der Leinwand verkörpert wurde. Eine junge Prostituierte wurde getötet und der mutmaßliche Mörder hat sich in seiner Gefängniszelle erhängt. Auf der Suche nach Antworten wendet sich der Vater des toten Mädchens an Scudder. Dieser erste Band der preisgekrönten Reihe wurde ursprünglich 1976 veröffentlicht, die deutsche Ausgabe ist aber bereits seit vielen Jahren vergriffen. Der Roman wurde nun für heutige Leser von Stefan Mommertz neu übersetzt, einschließlich einer 1991 verfassten Einführung von Stephen King. Darin weist King darauf hin, dass Scudder zwar »den romantischen Untertönen der Gattung« entspricht, er aber »genauso viel von Dorian Gray wie von Travis McGee« hat. King schreibt weiter: »Block hat den Teil des Mythos, der ebenso Klischee wie Wunscherfüllung ist, beiseitegelegt und ihn durch etwas ersetzt, das sehr viel glaubwürdiger ist. Das Ergebnis ist eine Reihe von Büchern, die genau genommen ein einziges sind – eine urban-alkoholkranke moderne Version der ›Pilgerreise‹ –, mit einer Figur, die ganz und gar über die Gattung hinauswächst, der sie entsprungen ist.«
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(c) CreateSpace