Sophie Kratzenschneiderwümpel kriegt sie alle

elfenbeinkugel

© Edition Phantasia

Nein, Sophie Kratzenschneiderwümpel alias Suing Sophie wie sie auch genannt wird, kommt in „Die geheimnisvolle Elfenbeinkugel des Wong Shing Li“ („The Mysterious Ivory Ball of Wong Shing Li“) gar nicht vor.  Sie ist die Antagonistin im mysteriösen “The Riddle of the Travelling Skull”, zeigt aber wie keine andere Figur im namensreichen Universum Harry Stephen Keelers, welche kindliche Lust  der Autor an sprachlichen Absurditäten hat. Sie ist damit eine Vorläuferin des von Monty Python unsterblich gemachten deutschen Komponisten Johann Gambolputty de von Ausfern-schplenden-schlitter-crasscrenbon-fried-digger-dingel-dangel-dongel-dungel-burstein-von-knacker-thrasher-apple-banger-horowitz-ticolensic-grander-knotty-spelltinkle-grandlich-grumbelmeyer-spelterwasser-kurstlich-himbeleisen-bahnwagen-gutenabend-bitte-ein-nürnburger-bratwurstl-gerspurten-mitz-weimache-luber-hundsfut-gumberaber-schönendanker-kalbsfleisch-mittler-aucher von Hautkopf of Ulm.

Die weibliche Hauptfigur in der „geheimnisvollen Elfenbeinkugel“ rangiert als Mehitabel Mouse aber nicht weit weg von Miss Sophie. Dito ihr möglicher Zukünftiger Jareth Kilgo, um den sich die lange Erzählung dreht.  Der junge Architekt kann hunderttausend Dollar erben, wenn er nachweist, dass die magischen Elfenbeinkugeln von Seng keinerlei mystische Kräfte besitzen. Gelingt ihm dies nicht, soll das Geld zur Erforschung dieser Kräfte genutzt werden.

So führt ihn sein Weg direkt zu Miss Mouse, die als Sekretärin für ihren Onkel Horace Burlinghame arbeitet, dessen chinesischer Gärtner, der titelgebende Wong Shing Li im Umgang mit den Zauberkugeln bewandert ist.

Kilgo wird zum Teilnehmer einer magischen Vorführung, an deren Ende er fast an die übernatürlichen Fähigkeiten der Kugeln glaubt. Ein Gespräch mit Prof. Dr. rer. nat. Adrian Insett bringt auch keine Klärung, stattdessen wird viel über Pseudo-Philosophie und –Physik doziert  und (nicht nur) über die Zeit als vierte Dimension diskutiert. Das bringt Kilgo nicht weiter, im Gegenteil, er ist bereit, seine Niederlage einzugestehen und aufs Erbe zu verzichten. Immerhin bringt ihm der finanzielle Verlust eine reizende Braut. Mäusehochzeit.

Doch dann nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung und alles ist wieder anders. Bloß ein bisschen Restmagie bleibt.

Hach ja, der Harry Stephen Keeler wieder. Ein Autor, der so unikal war, dass man ihm oft sehr despektierlich begegnete. Was sich auch auf die Publikation seiner Werke auswirkte. So erschien der vorliegende 1957 verfasste Roman „The Mysterious Ivory Ball of Wong Shing Li“ erstmals 1961 – auf Spanisch. Keelers Fähigkeiten als Schriftsteller wurden mit negativen Attributen überhäuft, ihn  als „Ed Wood der  Literatur“ zu titulieren, war nur eine von zahlreichen Schmähungen.

Erst später wurden seine Fabulierkunst, seine Wortspielereien und seine überbordende Phantasie, die in ganz eigene Richtungen abschweifte, sich gerne und durchaus naiv (hier trifft er sich tatsächlich mit Ed Wood, der seine Ideen auch auf Teufel komm raus umsetzte, egal wie unausgegoren sie waren, ob Geld für die Filmproduktion zur Verfügung stand oder ob Hauptdarsteller während der Dreharbeiten starben. Wood ließ sich durch nichts beirren) mit Philosophie, Physik und fernöstlicher Mystik und Wissenschaft auseinandersetzte.

So ist die Diskussion mit Professor Insett im Mittelteil des Buches über die Schriften Lo Tsaus und die vierte Dimension kaum mehr als kurioser Kokolores.  Die Dramaturgie des Romans ist ebenfalls wieder abenteuerlich. So ist eines von Keelers Lieblingsthemen, die problematische, rätselbehaftete Erbschaft, der Aufhänger des Buches, führt aber umgehend zu der 135seitigen Beschreibung einer Magieshow. Die abgelöst wird von der erwähnten „wissenschaftlichen“ Diskussion, die keine weitere Bedeutung für den Fortlauf der Geschichte besitzt, sondern einfach nur eine Zäsur darstellt. Denn der Schlusssteil dient nur dazu, die Zaubervorstellung mit ihren sehr realen Hintergründen zu durchleuchten  und die Romanze von Jareth Kilgo und Mehitabel Mouse zu einem versöhnlichen Ende zu bringen. Ein klein bisschen Unaufgeklärtes und Magie am Abendhimmel bleiben bestehen.

Das besitzt – fast wie bei Keeler gewohnt – eine Nulllinie als Spannungskurve, das Triptychon des Dramas ist vorhanden, spielt aber keine Rolle, weil jede Episode ziemlich selbstzufrieden abgespult wird. Ist trotzdem amüsant wegen all der Absurditäten, der Sprachspiele und gut versteckten kleinen Denkanstöße. Der Enthusiasmus mit dem „Die geheimnisvolle Elfenbeinkugel des Wong Shin Li“ unters Lesepublikum gebracht wird, ist ansteckend. Dazu passt auch, dass die „Kugeln von Seng“ bestenfalls ein Red Herring sind und für die drei Episoden überhaupt keine Bedeutung besitzen. Oder sollte doch mehr dahinterstecken? Magie vielleicht…

Ach ja, als Mystery ohne Thrill geht „Die geheimnisvolle Elfenbeinkugel des Wong Shin Li“ wohl durch, als Kriminalroman kaum.

Wertung: Pi × Lo Faus IQ ÷ 3 Kugeln von Seng von 100 Trefferneinschuss2

  •  Autor: Harry Stephen Keeler
  • Titel: Die geheimnisvolle Elfenbeinkugel des Wong Shin Li
  • Originaltitel: The Mysterious Ivory Ball of Wong Shing Li
  • Übersetzer: Joachim Körber
  • Verlag: Edition Phantasia
  • Erschienen: 01.2017
  • Einband: Hardcover
  • Seiten: 350
  • ISBN: 978-3-924959-95-1
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Die Göttin des Todes

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© Edition Phantasia

Während sich viele Schriftsteller im Verlauf ihrer Karriere an einem gewissen Punkt für eine Stilrichtung entscheiden und dieser in der Regel schon aus marketingtechnischen Gründen durchgehend folgen müssen, gibt es doch auch immer wieder Autoren, welche sich zwischen den Grenzen der Genres so frei bewegen können, wie ein Fisch im Wasser. Dan Simmons ist so ein Jemand.

Ob Horror, Science-Fiction, Psycho-Thriller oder Hardboiled-Private-Eye – er scheint sich überall zuhause zu fühlen bzw. die sich ihm bietenden Möglichkeiten zu nutzen, um dem klassischen Stereotyp einer jeden Literaturgattung bloß keinerlei Angriffsflächen zu bieten. Andersartigkeit lautet das Credo, wodurch es dann mitunter auch schwer wird, Simmons Werke einzuordnen und zu interpretieren, denn den einen Ansatz zur Entschlüsselung, diesen sonst gängigen Weg zum Verständnis des Ganzen – er will sich hier zumeist partout nicht zeigen oder auftun. Und selbst dann wenn man während der Lektüre glaubt, die gewünschte Verbindung hergestellt zu haben, kann es vorkommen, dass Simmons blitzschnell seine Perspektive ändert oder der Handlung gleich zwei oder drei neue hinzufügt. Doch wo andere mit solchen Experimenten Schiffbruch erleiden, da stellen sie hier einen Gewinn dar.

Bereits Simmons Debütwerk „Göttin des Todes“, welches 1986 mit dem „World Fantasy Award“ ausgezeichnet wurde, kokettiert mit dieser Art des Surrealen und spielt mit der Wahrnehmung des Lesers. Und, soviel sei schon verraten, durchaus gekonnt, was in hohem Maße auch der äußerst gelungenen Übersetzung von Joachim Körber zu verdanken ist, der den Roman erst für den Heyne-Verlag ins Deutsche übertrug, um ihn dann einige Jahre später in seinem eigenen Verlag „Edition Phantasia“ im Rahmen der Paperback-Reihe unter dem originalen Titel „Song of Kali“ und in überarbeiteter Form nochmals neu zu veröffentlichen. Und darum geht es:

Robert Luczak, angesehener Experte für fernöstliche Dichtung bei der Zeitung von Abe Bronstein, spitzt die Ohren, als ihn eben dieser auf eine Reise nach Kalkutta schicken will, um ein angeblich neues Manuskript des vor Jahren verschwundenen und für tot erklärten indischen Dichters N. Das in Empfang zu nehmen, welches ein bisher unveröffentlichtes Gedicht enthalten soll. Ein Glücksfall für den kaufinteressierten Bronstein, der allein durch die Tatsache geschmälert wird, unter welch mysteriösen Umständen N. Das vor so langer Zeit verschwand. Nichtsdestotrotz bricht Luczak schon recht bald mit seiner indisch-stämmigen Frau Amrita, welche ihn als Übersetzerin unterstützen soll, auf. Mit an Bord ist auch ihr gemeinsames Baby Victoria.

Bereits bei der Ankunft klingen Zynismus und Häme seines Vorgesetzten nur noch hohl nach. Die Metropole Kalkutta scheint förmlich erdrückend und die fremdartigen Gerüche und Geräusche betäuben die Sinne. Unter der Smogwolke wird plötzlich jeder rationale Gedanke zur Anstrengung, schrumpft Idealismus im Angesicht der Realität zu schnödem Wunschdenken, das alsbald in eine Ablehnung umschlägt, welche von allen Seiten erwidert zu werden scheint. Insbesondere ihr Führer vor Ort, der junge M. T. Krishna, erweist sich als ungewöhnlich aggressiv und weckt das Misstrauen bei Luczak. Was steckt wirklich hinter dem Verschwinden von N. Das? Und welche Rolle spielt Krishna? Als Luczak die Antworten auf diese Fragen findet, befindet er sich schon mitten in einem äußerst realen Alptraum. Oder ist er etwa doch nicht real?

Auch wenn dem Leser die Handlung durch die Augen von Robert Luczak präsentiert wird, so macht Dan Simmons doch keinen Hehl daraus, wer die eigentliche Hauptfigur in „Song of Kali“ ist: Kalkutta. Ein beängstigender, in ständiges Zwielicht getauchter Moloch, dessen Straßenzüge tiefe Schatten werfen, in denen sich windschiefe Blechhütten gen Boden neigen und sich meterhohe Müll- und Fäkalhaufen auftürmen. Die Menschen, die hier leben, sind jenseits der Hoffnung, hungernd, bettelnd, verwahrlost und krank. Wo sonst eine Lektüre in erster Linie die bildliche Fantasie anregen will, wird Simmons Werk zum Schlachtfest für die Sinne, das Nase und Ohren gleichermaßen zu betäuben scheint. Es ist ein Ort des Todes, eine Deponie der Angst und der Gewalt. Beherrscht von der Kakofonie aus Motorenlärm und Menschenschreien. Zu Boden gedrückt von einer bleiernen, schwülen Hitze, die vom düster-grauen Himmel herunterbrennt und kaum Luft zum Atmen, ja, dem Leser kaum Luft zum Atmen lässt.

An einem Buch zu ersticken mag eine weit hergeholte Metapher sein, beschreibt aber doch gut die Auswirkungen dieses Romans, der weniger die brutale Art des Horrors zelebriert, sondern nach und nach und auf äußerst subtile Weise die Finger über den Rücken Richtung Kehle wandern lässt. Simmons punktet mit einer Sprachgewalt, die einem Stephen King in nichts nahesteht, in einigen Passagen sogar noch konkreter wird. So konkret, dass man sich ab eines gewissen Punkts einer gewissen Paranoia nicht erwehren kann – derart plastisch das Grauen, derart unmittelbar das Gefühl der Bedrohung, welches Robert und seine Familie – und damit auch den Leser – umweht. Wie bei einer Fahrt durch die Geisterbahn birgt jede Kehre der Handlung eine mögliches Gefahrenmoment, werden wir tiefer in diese Geschichte um dunkle Kulte und dämonische Erscheinungen hineingesogen, die man ab einem gewissen Punkt nicht mehr nur als Träumereien des Protagonisten abtun kann und will.

Joachim Körber hat es hier bis auf das kleinste I-Tüpfelchen verstanden, die Essenz von „Song of Kali“ zu erfassen und auf Papier zu bannen. Und macht sich somit „mitschuldig“ am Auf und Ab der Gefühle, welches mich, insbesondere was die familiäre Tragödie betrifft, trotz subtropischer Temperaturen des Schauplatzes ziemlich kalt erwischt und verstört zurückgelassen hat. Simmons Gespür für den richtigen Zeitpunkt war dabei ausschlaggebend. Wo viele in Blut badende Thriller-Autoren der Moderne dutzende künstlicher Effekte in einem Buch sinnlos verschießen, steigt bei ihm das Spannungsmoment nach und nach wie aus sumpfigen Abgründen empor, um sich auf den letzten fünfzig Seiten zur erschütternden Bedrohung aufzutürmen, die alles Licht verdunkelt.

Alles Licht? Nun nicht ganz, denn Simmons lässt dann doch noch so etwas wie einen Ausweg aus der Nacht erkennen. Ein winziger, heller Strahl, der nicht von der Schwärze verschluckt wird und vielleicht für Luczak ausreicht um die erlittenen Verluste seelisch verarbeiten, irgendwie weitermachen zu können. Das Böse jedoch bleibt. Lauernd wie eine Spinne in ihrem feinen, klebrigen Netz. Einem Netz namens Kalkutta.

Song of Kali“ – das ist ein exotischer Horror-Trip in der Tradition klassischer Vorbilder wie H. P. Lovecraft und Algernon Blackwood, der diesem Anspruch trotz gerade mal knapp 250 Seiten auch durchgängig gerecht wird. Eine nachdrückliche Empfehlung für alle Freunde des wohlziselierten Grusels, welche so lange zugreifen sollten, wie der zumeist begrenzte Vorrat bei der Edition Phantasia noch reicht – und nebenbei bemerkt, das perfekte Einstiegswerk in die variablen und vielschichtigen Welten des Dan Simmons.

Wertung: 88 von 100 Treffern

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  • Autor: Dan Simmons
  • Titel: Song of Kali
  • Originaltitel: Song of Kali
  • Übersetzer: Joachim Körber
  • Verlag: Edition Phantasia
  • Erschienen: 05.2006
  • Einband: Kartoniertes Taschenbuch
  • Seiten: 252 Seiten
  • ISBN: 978-3937897011

Neues von Edition Phantasia

Es ist eine mitunter traurige Begleiterscheinung des Älterwerdens, dass man sich im Laufe seines Lebens über viele Dinge nicht mehr so freuen kann, vieles weit weniger zu schätzen weiß, als man es noch mit den strahlenden Augen eines Kindes getan hat. Weihnachten, Ostern – das sind in erster Linie beliebte Auszeiten zwischen dem stressigen Arbeitsalltag, die (begrenzte) Zeit für die eigene Familie mitbringen, an der man im schlechtesten Fall die letzten Wochen vorbeigelebt hat. Dennoch sorgt es bei den meisten von uns wohl nicht mehr für einen Ausbruch ungeduldiger Nervösität, das hübsch verpackte Geschenk aus dem Papier auszuwickeln, selbst wenn der Inhalt zuvor tatsächlich gewünscht war – was ja auch leider nicht immer zutrift. Und überhaupt: Gerade an solchen Tagen, sind einem die Liebsten inzwischen weit wichtiger, als der materialistische Pomp.

Was das mit Edition Phantasia zu tun hat? Ganz einfach:

Die Veröffentlichung eines Buches aus Joachim Körbers kleinem, aber unvergleichlich feinem Verlag ist für die Bibliomanen unter uns Viellesern genau DER Feiertag, wo das Kind in einem selbst noch mal zum Vorschein kommt und man schon in freudiger Erwartung die Bestellung abschickt, um die meist zügig zugestellte Buchsendung dann im Anschluss mit zitternden Händen und ins Gesicht gefrästem Grinsen auszupacken. Insbesondere dann, wenn es sich um eine der limitierten Vorzugsausgaben handelt, die, nur in kleiner Stückzahl gedruckt, sowohl außen als auch innen vor Hochwertigkeit nur so strotzen – und vor allem von der Liebe des Verlegers zum Medium Buch künden.

Edition Phantasia – das ist kein Zielhafen für die Freunde von eBook-Downloadern, Bücher-Grabbeltischen, Bestsellerlisten und Top-irgendwas-Titeln des Monats. Kein Hamburger für zwischendurch oder ein Wiener Schnitzel mit Pommes. Das was man hier auf den Teller bekommt, wurde so sorgfältig wie es nur geht zubereitet und will auch dementsprechend im Preis honoriert werden. Soll übersetzt heißen: Ein hervorragend gebundenes und gelettertes, vom Verleger selbst übersetztes Kleinod, das eben nur wenige ihr Eigen nennen dürfen – und das es, wenn einmal vergriffen, dann auch nicht nochmal in dieser Form geben wird.

Nun lässt sich darüber streiten, ob dieses Modell erfolgsorientiert oder gar zeitgemäß ist. Für einen Liebhaber des Buches wie mich sind dies beides keine Kriterien, weswegen ich auch genau deshalb auf die aktuelle Veröffentlichung von „Die geheimnsivolle Elfenbeinkugel des Wong Shing Li“ hinweise – dem inzwischen dritten Band von Harry Stephen Keeler im Hause Edition Phantasia.

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(c) Edition Phantasia

Spätestens jetzt sind sie dann vielleicht dem obigen Link gefolgt, haben das Cover betrachtet und im besten Fall noch vorher den Klappentext gelesen, bevor ihr Blick auf den Preis und die Kinnlade herunterfiel. Ja, 59 €. Für ein Buch. Mit „nur“ 350 Seiten. Wenn Sie jetzt so ticken wie die meisten, ist die „Unterhaltung“ an dieser Stelle bereits beendet. Wenn sie ganz böse sind, zweifeln sie vielleicht an meinem Verstand, warum ich für so ein „teures Buch“ unverhohlen Werbung mache. Und ich muss dann an dieser Stelle kapitulieren, weil ich sie – selbst mit meiner jahrelangen Erfahrung als Buchhändler – nicht vom Gegenteil überzeugen kann.

Vielleicht sind sie aber auch jemand, der sich „Der Herr der Ringe“ auch nochmal als ledergebundene Ausgabe in den Schrank gestellt hat, der immer noch voll Stolz auf die schon lange nicht mehr aktuelle Brockhaus-Sammlung schaut oder sich lediglich grundsätzlich den Stephen King im Hardcover holt. Vielleicht erkennen sie die Arbeit hinter der Fertigstellung dieses Buches, haben Joachim Körbers pointierte Übersetzungen bereits andernorts genießen können oder konnten sich bereits mal im persönlichen Gespräch vom ungebrochenen Enthusiasmus dieses Verleger-Urgesteins überzeugen. Vielleicht sehen sie dann, warum diese 59 € äußerst gut angelegt sind und verstehen, warum ich mir (kurz vor Ende des Geld… äh … Monats) dieses tolle Buch ins Regal geholt habe.

Eine weitere Gruppe habe ich damit außen vor gelassen. Nämlich diejenigen, welche schlicht der Inhalt nicht anspricht und mit einer solchen Handlung weniger anfangen können. Diese verweise ich gerne auf die im Mai letzten Jahres gestartete Klassiker-Bibliothek, die in nicht allzu ferner Zeit weiter anwachsen wird und selbst das Potenzial zum Literatur-Klassiker hat. Und deshalb – weil ich Joachim Körber versprochen habe, nichts zu verraten – an dieser Stelle ohne zu spoilern: Hier haben wir definitv das Beste noch vor uns!

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Macht sich gut im Regal.

 

+++ Der Vorschau-Ticker – Sommer/Herbst 2016 – Teil 16 +++

Heute gibt’s mal etwas abseits des Krimi-Genres:

Ganz unter dem Motto „Besser spät als nie“ firmiert der vorliegende Vorschau-Ticker, in dem ich einen genaueren Blick auf das geplante Programm der Edition Phantasia werfe. Ein Verlag, bei dem schon die Erwähnung des Namens unter Bibliophilen und Bibliomanen gleichermaßen für Augenleuchten sorgt, steht er doch, in Eigenregie von Joachim Körber geführt, sowohl inhaltlich als auch in Bindung und Druck für das besondere Buch, für sammelnswerte Einzelausgaben, für wertvolle Raritäten. Kurzum: Ein Feinkostladen für Büchernarren, bei dem man nicht nur gerne länger wartet bis die Ware in der Auslage liegt, sondern auch den Preis vorbehaltslos bezahlt, wohlwissend, dass der Genuss diese Wartezeit mehr als wert ist. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Körber gleichzeitig zu den besten Übersetzern gehört, die wir hierzulande vorweisen können.

Diese gerechtfertigte Lobpreisung mal vorweg für all diejenigen, welche dem Link folgen und nach den üblichen Kriterien die Kosten in Augenschein nehmen – und gleichzeitig als Würdigung des seit 1984 bestehenden Verlags, den leider immer noch viel zu wenige Leser in Deutschland auf dem Zettel haben. Ändern könnten das vllt. die für März angekündigten Titel.

Mit „Frost, Erna Piaf und der Heilige“ ist für diesen Monat ein weiterer Titel von Richard Lorenz fest eingeplant, dessen „Amerika-Plakate“ allenthalben viel Beachtung gefunden hat und in diesem Moment (hoffentlich) gerade den Postweg zu meinem Briefkasten hinter sich bringt. Ende des Monats wird ihm „Durch die magische Tür“ von Sir Arthur Conan Doyle folgen – ein Autor dessen Stellenwert für mein Leben gar nicht höher eingeschätzt werden kann. Darüber aber später mal mehr an anderer Stelle.

Doyles Buch ist gleichzeitig der Auftakt für die kommende Klassiker-Bibliothek (allesamt auf 125 Stück pro Titel limitiert) der Edition Phantasia, deren weitere zwei Bände ebenfalls in den kommenden Wochen folgen „sollen“. Sollen in Anführungsstrichen, muss man die Termine doch mit etwas Vorsicht und Verständnis genießen, da Joachim Körber als Alleinverantwortlicher auch dementsprechend in seiner Zeit gebunden und die Produktion von dieser – und naturgemäß auch dem vorhandenen Geld – abhängig ist.

Aber wie es heißt es so schön: Gut Ding will Weile haben.

Wer von euch kennt die Edition Phantasia bzw. ist dort Kunde? Kommt ein Titel für euch in Frage?

  • Richard Lorenz – Frost, Erna Piaf und der Heilige (März 2016 – Edition Phantasia – 978-3-937897-56-1)
  • Inhalt: »Mit Gedichten den Sterbenden einen Himmel zeigen.« Diese merkwürdige Gabe besitzt der junge Frost, mit ihr wächst er zwischen RAF-Gespenstern und Traumgestalten inmitten einer ländlichen Stille auf – und entwickelt sich zu einem Wunderkind. Mit dem Erwachsenwerden jedoch geht der Glaube an Gott und einen Himmel verloren. Die Sehnsucht nach dem eigenen Sterben wird immer größer. Seine einst beseelten Gedichte sind nur noch Buchstaben für ihn, und jedes Sterben statt einer Himmelfahrt nur noch ein trauriger Abschied.
    Im Schatten seiner Arbeit in einem Hospiz findet Frost langsam seinen Herzschlag wieder. Er sucht die verworrenen Geheimnisse von Erna Piaf und die dunkelblauen Träume des Heiligen. Und begegnet am Ende seiner großen Liebe.
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  •  Sir Arthur Conan Doyle – Durch die magische Tür (März 2016 – Edition Phantasia – 978-3-924959-89-0)
  • Inhalt: Wer ein Buch liest, der schreitet durch eine magische Tür in fremde und exotische Welten, andere Kontinente, die unermesslichen Länder der Phantasie. Sir Arthur Conan Doyle nimmt den Leser mit zu einer Besichtigung seiner eigenen Bibliothek. Mit Witz und Wehmut erinnert er sich an die Bücher seiner Kindheit und Jugend, an die bedeutenden Werke der Weltliteratur, die er bewundert und die ihn geprägt haben. Durch die magische Tür ist eine Liebeserklärung an die Literatur und eine leidenschaftliche Aufforderung, die Klassiker zu lesen … welchen besseren Auftakt für eine Klassiker-Bibliothek könnte es geben?
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  •  Daniel Defoe – Der Konsolidator (März 2016 – Edition Phantasia – 978-3-924959-93-7)
  • Inhalt: Dass Daniel Defoe zu Lebzeiten ausgedehnte Reisen unternahm, ist wenig bekannt. Ganz und gar unbekannt geblieben ist seine Reise nach China. In den Chinesen fand er ein hochentwickeltes Volk vor, dessen technische Errungenschaften die des westlichen Kulturkreises bei Weitem übersteigen. Nicht nur stehen die Chinesen in Kontakt mit den Bewohnern des Mondes, es findet auch ein reger kultureller und wissenschaftlicher Austausch statt. Defoe unternimmt selbst eine Reise zu unserem Trabenten und macht sich vor Ort aus erster Hand ein Bild von den lunaren Verhältnissen. 1705 veröffentlicht er einen Bericht über seine Mondreisen – eine satirische Schilderung, die nicht mit Seitenhieben auf die bestehenden politischen und sozialen Verhältnisse geizt. Für die Encyclopedia of Science Fiction ist Der Konsolidator ein bedeutender früher Meilenstein auf dem Weg zur modernen Science Fiction.
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  • Henry Newbolt – Alador (März 2016 – Edition Phantasia – 978-3-924959-94-4)
  • Inhalt: Als der Ritter Sir Ywain Besuch von einem geheimnisvollen Knaben erhält, der ihn auffordert, mit ihm zu kommen, schwört er jeglichem weltlichen Besitz ab, übergibt sein Anwesen an seinen Bruder und macht sich allein und mittellos auf eine mythische Reise, die ihn in fremde Königreiche und sagenhafte Länder der Phantasie führt, um die Liebe seines Lebens zu finden, Lady Aithne, die aus einem alten Geschlecht von Feen abstammt.
    Alador
    ist ein allegorischer Roman über die Suche nach dem Ich und die Reise des Lebens von der Geburt bis in den Tod. Der Roman steht in der Tradition von William Morris und gilt in England als bedeutender Fantasy-Klassiker. Die vorliegende erste deutsche Übersetzung enthält die Illustrationen der Erstausgabe von Lady Hamilton.
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