„Wir tun einfach so, als ob es nicht so wäre.“

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© DVA

Es gibt Autoren, die kann man gar nicht genug würdigen. Richard Yates ist so ein Autor. Daher jetzt ohne längere Umschweife meine vierte Rezension zum bloginternen Marathon durch das Schaffenswerk des US-Amerikaners, dem zu Lebzeiten die verdiente Ehrung leider nicht zuteil wurde.

The Lost World of Richard Yates – How the great writer of the Age of Anxiety disappeared from the print.

So lautete die Überschrift von Stewart O’Nans Artikel, welcher 1999 in den Monaten Oktober und November im Boston Review erschien und den sieben Jahre zuvor verstorbenen Autor aus der antiquarischen Versenkung holte. Bereits kurz nach seinem Tod war Yates, dem schon zu Lebzeiten der Publikumserfolg verwehrt geblieben ist, nur noch dort zu finden. Erst die Anerkennung seiner Schriftstellerkollegen, die, wie O’Nan oder auch Richard Ford, schon seit längerer Zeit seine Bedeutung für die amerikanische Literatur und den Einfluss auf eigene Werke priesen, hat Yates‘ Werk wieder mehr in den Fokus gerückt.

Inzwischen auch in Deutschland, wo der DVA-Verlag bzw. im Anschluss daran btb sowie Penguin für die Titelpflege verantwortlich zeichnet. Ein Einsatz, der sich, geht man von den dortigen regelmäßigen Veröffentlichungen aus, zu lohnen scheint. Auch für den Leser, den im Gegensatz zu vielen anderen modernen Klassikern keine undurchdringlichen Sprachlabyrinthe, sondern ruhig-nüchterne und doch eindringliche Geschichten erwarten, die mit viel Herzblut auf Papier gebracht worden sind und in jeder Zeile auch vom schwierigen Leben Yates‘ künden. Das dieses in erster Linie von Einsamkeit, Misserfolg, Alkoholexzessen und Depressionen geprägt war, merkt man keinem seiner Bücher so sehr an wie „Eine besondere Vorsehung“. Im Erscheinungsjahr 1969 von Kritikern weitestgehend ignoriert und vom Publikum als unzeitgemäß abgelehnt – von mir vollkommen gebannt verschlungen. Yates unterstreicht seinen Namen in meiner Kategorie der Lieblingsautoren hier nochmal dick und fett mit rotem Edding. Und das, obwohl kaum ein anderer Roman mich wohl so deprimiert hat wie dieser. Ein Widerspruch?

Kurz zur Geschichte: New York im Jahr 1944. Der junge GI Robert Prentice besucht ein letztes Mal seine Mutter Alice, ehe er mit seinen Kameraden nach Europa eingeschifft wird, wo der Krieg auf ihn wartet. Es ist ein Treffen zweier Menschen, welche ihre Vergangenheit gemeinsam meistern mussten und sich doch jetzt fremder sind als je zuvor. Besonders Robert durchschaut die zwanghaften Versuche seiner Mutter, eine halbwegs normale Konversation zu führen:

„Wovon sie sprach, war bedeutungslos, er wusste, was sie tatsächlich sagen wollte. Hilflos und vorsichtig, klein und müde und bestrebt zu gefallen, bat sie ihn, ihr zu bestätigen, dass ihr Leben nicht gescheitert war.“

Ein Leben, in dessen Schlepptau sich stets auch Robert befand, der als Kind immer wieder von Ort zu Ort ziehen musste, um den Lebenstraum seiner Mutter, eine erfolgreiche Karriere als Bildhauerin zu starten, irgendwann einmal wahr werden zu lassen. Eisern, stur und verblendet hält Alice selbst an diesem fest, als sie aufgrund einer Klage wegen nicht bezahlter Mieten den Staat verlassen muss. Robert erträgt die täglich neuen Demütigungen des Alltags, die andauernde Armut und die Abwesenheit des Vaters, der in Trennung von seiner Mutter lebt, mit stoischer Gelassenheit und zusammengebissenen Zähnen.

Der Krieg ist für Robert nun die Chance dieser tristen Mittelmäßigkeit zu entfliehen. Doch seine Hoffnungen auf Ruhm und Ehre erfüllen sich nicht, denn die großen Schlachten sind bei seiner Ankunft längst geschlagen …

Eine besondere Vorsehung“ beinhaltet zwei konträr laufende Handlungsstränge, die zwar in unterschiedlichen zeitlichen Ebenen spielen, dennoch aber dieselbe Thematik behandeln: Sie erzählen von Menschen, die sich fortlaufend über ihre Möglichkeiten täuschen und die hartnäckig an ihren Vorstellungen von der Welt festhalten, obwohl sich die Kluft zwischen den hochfliegenden Erwartungen und der letztlich ernüchternden Realität mit jedem verzweifelten Versuch weiter auftut. Besonders tragisch ist dies im Fall von Robert, der zwar die Lebenslügen seiner Mutter durchschaut, dennoch aber wie sie hofft, seiner gewöhnlichen Herkunft, dieser deprimierenden Mittelmäßigkeit mittels großer Taten entfliehen und den Erfolgreichen gefallen zu können. Ein Vorhaben, das am Ende zum Scheitern verurteilt ist, da zum heldenhaften Kampfe nicht nur der Gegner fehlt, sondern auch eine Lungenentzündung ihn schließlich zum wichtigsten Zeitpunkt von der Front holt.

Yates, den sein Militärdienst wie Robert selbst nach Deutschland brachte, schildert das Grauen des Zweiten Weltkriegs schonungslos, drastisch, detailreich – und doch auch nicht ohne eine gehörige Prise Zynismus, die er schonungslos über seine Protagonisten und damit auch den Leser entlädt. Die Bitterkeit, welche man schmeckt, scheint nicht selten die des Autors, der wie Robert ebenfalls immer dem Erfolg hinterherlaufen musste. Dabei bewertet und moralisiert er jedoch nicht. Stattdessen hebt er die Fallstricke der Herkunft hervor, führt er uns vor Augen, wie verheerend es sein kann, sich in der Welt der Illusionen zu flüchten und diese auf Kosten der Wirklichkeit aufrechterhalten zu wollen. Ein Fehler, den Mutter und Sohn in ihrem fortwährenden Selbstbetrug gleichermaßen begehen:

„Wir tun einfach so, als ob es nicht so wäre.“

Dieser radikale Pessimismus, die entsetzliche Lieblosigkeit mit der Yates die Beziehung zwischen Alice und Robert zeichnet – sie wird nicht jedermann gefallen können. „Eine besondere Vorsehung“ kann trotz des eingängigen, perfekt getimten Stils keine „gute Unterhaltung“ im weiteren Sinne sein. Es ist ein Roman, der genauso viel gibt, wie er uns abverlangt. Eine Aneinanderreihung vieler kleiner und großer Niederlagen, ohne wirkliches Happyend. Und doch ein Buch, das im Gedächtnis, das haften bleibt – weil es eben berührt. Große amerikanische Literatur, die kein zweites Mal ihr Dasein nur in Antiquariaten fristen sollte.

Wertung: 90 von 100 Treffern

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  • Autor: Richard Yates
  • Titel: Eine besondere Vorsehung
  • Originaltitel: A Special Providence
  • Übersetzer: Anette Grube
  • Verlag: DVA
  • Erschienen: 08.2008
  • Einband: Hardcover
  • Seiten: 389 Seiten
  • ISBN: 978-3421043313
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Lehrer ist ein Beruf, Schüler ein Schicksal

Eine gute Schule von Richard Yates

© DVA

So, heute zur Abwechslung mal wieder etwas vom Belletristik-Gabentisch. Zwei Werke von Richard Yates habe ich hier ja bereits vorgestellt, nun folgt Nummer drei.

Dass ich wohl nicht umhin komme, sein ganzes Werk lesen zu „müssen“, kristallisierte sich bereits nach der Lektüre von „Easter Parade“ und „Elf Arten der Einsamkeit“ heraus. Nachdem ich nun „Eine gute Schule“ von Richard Yates genießen durfte, steht zudem fest: Auch die Biographie von Rainer Moritz (wie alle anderen Titel ebenfalls als Hardcover im DVA-Verlag erschienen) wird in mein Regal wandern müssen – allein um meine Vermutung, dass es sich beim vorliegenden Roman um das wohl am meisten autobiografische Buch handelt, zu bestätigen (Auch die Figur John Wilder in „Ruhestörung“ trägt Yates‘ Züge, lässt sich aber in ihrer Charakterisierung nicht so eins zu eins ihm zuordnen). Eine Feststellung, die allein schon insofern bemerkenswert ist, da in allen seiner Romane eine gehörige Portion von Yates‘ eigenen Erfahrungen und Erlebnissen steckt. Und diese waren in den seltensten Fällen positiv, weshalb Zynismus und Ironie beliebte Stilmittel seinerseits sind, was sich hier bereits im Titel zeigt. „Eine gute Schule“ – Kenner von Yates erkennen natürlich das süffisante Grinsen hinter dem Eigenschaftswort, wissend dass sich dahinter ganz sicher ein eher gegenteiliges Adjektiv verbirgt und der Autor dem Maskenball, den er in der Gesellschaft sieht, einmal mehr äußerst subtil seiner Verkleidung entledigt. Und das erneut im Rahmen einer gänzlich unspektakulären Handlung, die mir wahrscheinlich bei den meisten anderen Schriftstellern keinen Kauf wert gewesen wäre. Sie sei hier kurz angerissen:

William Grove ist ein Jedermann, sein Auftreten und seine Intelligenz von beinahe auffälliger Durchschnittlichkeit. Seit frühester Kindheit wächst er allein bei seiner Mutter auf, die mittels ihrer Bildhauerei darum bemüht ist, den Aufstieg in die höheren und damit ihres Erachtens auch besseren Kreise der Gesellschaft zu vollziehen und ihrem Kind auch eine dementsprechend gute Bildung zu ermöglichen. Ein Vorhaben, das allein schon an fehlenden finanziellen Mitteln scheitert, welche wiederum immer wieder Williams Vater zur Verfügung stellen muss, der mit seinem Sohn eine distanzierte, „ständig voneinander irritierte“ Beziehung pflegt und seine Gefühle in erster Linie auf dessen ältere Schwester konzentriert. Dennoch: Als der 15-jährige William Anfang der 40er Jahre wider Erwarten ein Stipendium an der Dorset Academy in Connecticut, Neuengland, erhält, bringt er die benötigte Summe auf, wenngleich niemand in seinem beruflichen Umfeld die so elitär anmutende Schule oder dessen Direktor, Alcott Knoedler, auch nur vom Namen her kennt.

Gegründet von der Millionärin Abigail Church Hooper, die in den 20er Jahren die Söhne der besseren Leute fördern wollte, steht die Dorset Academy stellvertretend für individuelles Lernen und Lehren, was durch ein aufgestocktes, qualifiziertes Personal sichergestellt werden soll. Die Realität sieht jedoch, insbesondere für William Grove, anders aus, der relativ schnell die Träume seiner Mutter vom sozialen Aufstieg abschreiben und auf täglicher Basis für seine proletarischen Wurzeln und die damit verbundene Aufmachung leiden muss. Verzweifelt auf der Suche nach Anerkennung oder zumindest stillschweigender Missbilligung, muss William mehrmals schlimme Demütigungen ertragen, bevor er erst nach und nach seinen Platz – wenn auch am Rand – der schulischen Gemeinschaft findet. Als Ablenkung dient ihm die Mitarbeit an der Schülerzeitung „Dorseter Chronicle“, wo er auch die Liebe zum Schreiben entdeckt (spätestens hier dürften den meisten Lesern die Parallelen zu Yates‘ eigenem Werdegang ersichtlich werden).

Doch Grove ist auch nicht der einzige, der an der Dorset Academy mit Problemen zurechtkommen muss. Während Direktor Knoedler tagtäglich aufgrund des unrentablen Systems der Schule mit den Finanzen zu kämpfen hat, ist auch der Zusammenhalt und die Zufriedenheit innerhalb der Lehrerschaft empfindlich gestört. So befindet sich einer der Lehrer in der ungünstigen Situation, das Versagen des eigenen Sohns an der Academy sehen zu müssen, wohingegen der an Kinderlähmung leidende Mr. Draper hilflos die Affäre seiner Ehefrau mit dem Französischlehrer Frenchy La Prade verfolgt und seine Trauer im Alkohol ertränkt. Und über allem drohen nach Pearl Harbor zusätzlich die Schrecknisse des Zweiten Weltkrieges, wartet doch auf viele Schüler nach ihrem Abschluss der Dienst an der Front…

Auch wenn aus diesem kurzen Inhaltsausschnitt eher das Gegenteil hervorgeht – im Vergleich mit seinen anderen Werken kommt „Eine gute Schule“ erstaunlich versöhnlich, der oftmals ätzende Sarkasmus auffällig verhalten daher. Fast so, als hätte der Autor mit einer gewissen Nostalgie den Blick zurück gerichtet, was ihn aber nicht davon abhält, die Vielzahl der Figuren mit spitzer, wissender Feder zu beschreiben und äußerst feinfühlig – aber auch ernüchternd klar – in deren Gedanken- und Gefühlswelt einzutauchen. Ob amouröse Verstrickungen in der Erwachsenenwelt oder die Begleiterscheinungen der Pubertät – einfach grandios wie Yates hier die Brücke zwischen seinen Charakteren und dem Leser schlägt, ohne dabei irgendein Klischee zu bedienen. Es ist diese tiefe Menschlichkeit, dieser für amerikanische Autoren der damaligen Zeit so seltene kritische Blick auf unsere Schwächen und Fehler, der Yates‘ Werk trotz vermeintlich alltäglicher Themen so vielschichtig – und vor allem so lesenswert macht. Freundschaften schließen, mit Mädchen flirten, Anerkennung suchen. Richard Yates skizziert all dies gestochen scharf und auch die jeweiligen tragischen Begleitumstände entwaffnend aufrichtig.

So ist „Eine gute Schule“ dann auch mehr als nur ein Porträt über eine akademische Einrichtung oder eine Zeitaufnahme der amerikanischen Vorkriegsjahre, sondern vor allem eine wahrheitsgetreue Abbildung über das menschliche Zusammenleben auf kleinstem Raum. Eine künstlich zusammengestellte Gemeinschaft, die vor allem das distanzierte Verhältnis zu ihrer Schule (mit ihrer ungewissen Zukunft) eint. Obwohl das Scheitern der Einrichtung unabwendbar scheint – die Tragik des Scheiterns ist Leitmotiv eigentlich aller Werke von Richard Yates – bricht doch niemand aus dieser Gemeinschaft aus, versuchen alle die Fassade einer „guten Schule“ mitzutragen und aufrechtzuerhalten. Und selbst Mr. Draper, der sich längst nicht mehr mit der Lehrerschaft zugehörig fühlt und sich in einem finalen Schritt seiner tief empfundenen Schande entziehen will, versagt dabei, muss die Rolle des gehörnten Ehemanns auf Gedeih und Verderb weiterspielen. Wie schwer dies allen fällt wird dann vor allem auf den letzten Seiten deutlich, wo die Abschlussfeier im Schatten einer für viele anstehenden Fahrt nach Übersee stattfindet. Besonders die Szene, in welcher der Lehrer Mr. Driscoll die nach der Feier ausgerissenen Schüler zurück zur Dorset Academy bringt, ist mir hier nachhaltig in Erinnerung geblieben.

(…) Auf diesem Pick-Up gab es keine Kriegsbereitschaft, keine ernste und übermütige Begrüßung von Herausforderungen. Sie klangen … Mutter Gottes – sie klangen wie Kinder.

Sing wu-hunderbar

Wu-hunderbar

Ein ganzes Fass Bier

Allein für uns vier …

Und Robert Driscoll wusste beim besten Willen nicht, wie man ihm das, was er dann tat, jemals vorwerfen konnte. Er ging sicherheitshalber auf vierzig Stundenkilometer herunter; er beugte sich übers Lenkrad und hielt es mit beiden Händen fest; er behielt ein Auge offen, richtete es fest auf die Straße, und alles andere in ihm ließ er zerbrechen, und er weinte und weinte. (…)

Wer jetzt fragt, wo hierin jetzt sonst noch Richard Yates zu finden ist, sollte vor allem Vor- und Nachwort seine Aufmerksamkeit schenken. Die anfänglich beschriebene Familiensituation ist eindeutig und bis hin zum Beruf von William Groves Vater autobiografisch. Und wenn am Ende Grove über die von ihm besuchte Schule konstatiert:

„Sie half mir durch die schlimmsten Momente meiner Adoleszenz, wie nur wenige Schulen es vermocht hätten, und sie hat mich die Grundzüge meines Gewerbes gelehrt. Ich lernte schreiben…“

Dann ist das eindeutig Yates, der da spricht.

Eine gute Schule“ mag der kürzeste Roman im Werk des Zeitlebens so schmählich missachteten Schriftstellers sein. Es ist möglicherweise aber auch sein persönlichster, da er wie kaum ein anderer Einblick in das Seelenleben seines Schöpfers gewährt, was wiederum seinen Widerhall beim Leser findet, dem es nur schwer möglich sein wird, angesichts des hier beschriebenen eine emotionale Distanz zu wahren.

Wertung: 88 von 100 Treffern

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  • Autor: Richard Yates
  • Titel: Eine gute Schule
  • Originaltitel: A Good School
  • Übersetzer: Eike Schönfeld
  • Verlag: DVA
  • Erschienen: 09.2012
  • Einband: Hardcover
  • Seiten: 240 Seiten
  • ISBN: 978-3421043948

+++ Der Vorschau-Ticker – Frühjahr/Herbst 2017 – Teil 4 +++

Stillstand ist bekanntlich Rückschritt und deswegen „Feuer frei!“ für den vierten Teil meines persönlichen Vorschau-Tickers, der sich mit der ersten Hälfte meiner heiß erwarteten Random-House-Titel befasst und gleich mehrere Titel beinhaltet, die es ganz sicher in mein Regal schaffen werden.

Auf Ian Rankins „Ein kalter Ort zum Sterben“ freue ich mich besonders. Der ein oder andere wird es schon zwischen den Zeilen gelesen oder auch von mir gewusst haben – der Edinburgher Autor ist neben James Lee Burke und dem großen Sir Arthur Conan Doyle mein unangefochtener Lieblingsautor im Spannungsbereich. Und die Serie über den kauzig-schroffen John Rebus liegt mir unheimlich am Herzen. Hoffe da bei jedem neuen Fall, dass es nicht der letzte ist. Eine Krimi-Welt ohne Rebus, Siobhan oder Big „Ger“ Cafferty möchte ich mir gar nicht vorstellen. Wer die Serie noch nicht kennt, dem sei als Quereinstieg „Das Souvenir des Mörders“ empfohlen, das Ende März neu aufgelegt wird. Der aktuelle Titel (Nr. 21 der Reihe) könnte zwar durchaus auf demselben Level unterhalten – es ist meines Erachtens hier aber immer schade, wenn man als Neuling die ganzen Querweise und Anspielungen auf die Geschehnisse früherer Bände überliest.

Im Bereich des „True Crime“ erscheint im April bei btb der verheißungsvolle Titel „Das Verbrechen„, welcher sich mit der Mordserie an einem Indianer-Stamm in den 20er Jahren beschäftigt – einer der ersten großen Fälle des FBI. Setting, zeitlicher Kontext sowie die Umstände der Morde. All das klingt durchweg interessant und lesenswert. Und seit Capotes „Kaltblütig“ habe ich an (guter) „True-Crime“-Literatur ohnehin einen Narren gefressen. Ein Buch, das ich mir definitiv holen werde.

Der Komplettist in mir wird wohl auch zu „Das Böse vergisst nicht“ greifen, dem Abschluss von Roberto Costantinis Trilogie, von der ich bisher nur Band eins (mit Wonne) gelesen habe. Fraglich aber, ob ich nicht – wie bei Band zwei, der zeitgleich mit dem HC des dritten Bands erscheint – auf das Taschenbuch warten werde. Das Libyen von 2011 ist jedenfalls mal ein Schauplatz, der mir im Krimi so nicht begegnet ist. Bin gespannt, was Constantini aus der Ausgangslage gemacht hat.

Luca D’Andreas „Der Tod so kalt“ wird in der Vorschau ja ausgiebig mit Lobeshymnen überschüttet, die, wenn man daran glaubt, das Buch als nächsten großen Ausnahme-Krimi preisen, an dem zudem gleich mehrere deutsche Verlage Interesse gehabt haben sollen. Für mich hat so ein Vorab-Gepreise immer ein gewisses Geschmäckle, wenngleich ich nicht verhehlen kann, dass mich der Klappentext durchaus anspricht. Klingt nach einer Lektüre im Stil von Thomas Willmanns „Das finstere Tal„. Und wenn es ähnlich gut wird, hat sich ein Kauf mit Sicherheit rentiert. Wird also nach jetzigem Stand den Weg in mein Regal finden.

Ob das für Bracken MacLeods „Im finsteren Eis“ gilt, ist eher unsicher. Der Titel fällt in die Kategorie der Bücher, die ich vielleicht mitnehme, wenn ich sie irgendwo ausliegen sehe, zumal das Rezept hier wohl 1:1 bei „Terror“ abgeguckt wurde. Zumindest klingt die Beschreibung doch arg ähnlich. Vielleicht greife ich jedoch auch erst zu „Mountain Home„, welches bereits vor einiger Zeit bei Festa erschienen ist und von (Ex-)Kollege Michael Drewniok auf der Krimi-Couch äußerst wohlwollend bewertet worden ist.

Irgendetwas für euch dabei?

  • Ian Rankin – Ein kalter Ort zum Sterben (Hardcover, März 2017 – Goldmann Verlag – 978-3442314614)
  • Inhalt: Bei einem romantischen Dinner im Caledonian Hotel erinnert sich Rebus an einen Mord, der fast vierzig Jahre zuvor dort stattgefunden hat: Eine junge lebenslustige Bankiersgattin wollte in dem Luxushotel einen Liebhaber empfangen – am nächsten Morgen wurde sie tot aufgefunden. Die Verdächtigen kamen aus den besten Kreisen, der Täter wurde nie gefasst. Ein Skandal, der Rebus nicht loslässt. Während er sich in den alten Akten vergräbt, gerät das kriminelle Machtgefüge in Edinburgh gefährlich ins Wanken: Darryl Christie, einer der Hauptakteure, wird überfallen und halb totgeschlagen; eine Ermittlung wegen Geldwäsche bringt ihn zusätzlich in Bedrängnis. Es sieht so aus, als würde Ex-Gangsterboss Big „Ger“ Cafferty im Hintergrund die Fäden ziehen. Eine Entwicklung, die Rebus gar nicht recht sein kann. Zumal die erste Leiche im tödlichen Revierkampf von Schottlands Unterwelt nicht lange auf sich warten lässt …
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(c) Goldmann

  • David Grann – Das Versprechen (Hardcover, April 2017 – btb Verlag – 978-3442757268)
  • Inhalt: In den 1920ern hatten nicht die Bewohner von New York oder Paris das höchste Pro-Kopf-Einkommen: die reichsten Menschen der Welt waren die Osage-Indianer im amerikanischen Bundesstaat Oklahoma. Das karge Land, das ihnen als Reservat zugewiesen worden war, barg gigantische Ölvorkommen, die ihnen ein Leben in ungeahntem Luxus ermöglichten. Doch der Reichtum brachte den Osage kein Glück: Eine mysteriöse Serie von Morden nahm ihren Anfang, der schließlich mehr als 300 Stammesmitglieder zum Opfer fallen sollten – sie wurden vergiftet, erschlagen oder erschossen. Die Osage-Morde wurden zum ersten großen Fall für das noch junge FBI. Doch Korruption und Geldgier hatten auch hier bereits Einzug gehalten. Erst einer Gruppe von Undercover-Agenten gelingt es schließlich, diese wohl finsterste und spektakulärste Mordserie in der Geschichte der USA aufzuklären.
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(c) btb

  • Roberto Costantini – Das Böse vergisst nicht (Hardcover, April 2017 – C. Bertelsmann – 978-3570102572)
  • Inhalt: Sommer 2011: Während in Libyen Bürgerkrieg herrscht, treffen sich in Rom auf einem Luxusschiff internationale Wirtschaftsbosse zu Geheimverhandlungen über den Mittleren Osten. Am nächsten Tag werden eine junge Hostess, die auf dem Schiff arbeitete, und ihre kleine Tochter ermordet aufgefunden. Commissario Balistreri, desillusionierter Chef der Mordkommission, trifft bei den Ermittlungen bald auf alte Bekannte aus seiner libyschen Kindheit, die er in den letzten Winkel seines Bewusstseins verdammt hatte. Durch die Ermittlungen wird er gezwungen, in das von Bomben zerstörte Libyen zurückzukehren und seinem früheren Ich und einer unerträglichen Wahrheiten ins Auge zu sehen …
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(c) C. Bertelsmann

  • Luca D’Andrea – Der Tod so kalt (Broschiertes Taschenbuch, März 2017 – DVA Verlag – 978-3421047595)
  • Inhalt: Südtirol, 1985. Tagelang wütet ein gewaltiges Gewitter über der Bletterbach-Schlucht. Drei junge Einheimische aus dem nahegelegenen Siebenhoch kehren von einer Wanderung nicht zurück – schließlich findet ein Suchtrupp ihre Leichen, aufs Brutalste entstellt. Den Täter vermutet man im Bekanntenkreis, doch das Dorf hüllt sich in eisiges Schweigen. Dreißig Jahre später beginnt ein Fremder unangenehme Fragen zu stellen. Jeder warnt ihn vor den Konsequenzen, allen voran sein Schwiegervater, der die Toten damals gefunden hat. Doch Jeremiah Salinger, der seiner Frau in ihr Heimatdorf gefolgt ist, lässt nicht locker – und wird schon bald seine Neugier bereuen. Ein Fluch scheint alle zu verfolgen, die sich mit den Morden beschäftigen. Ist dort unten am Bletterbach etwas Furchtbares wieder erwacht? Etwas, so uralt wie die Erde selbst …
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(c) DVA

  • Bracken MacLeod – Im finsteren Eis (Taschenbuch, September 2017 – Heyne Verlag – 978-3453438903)
  • Inhalt: Als sich die Crew des Versorgungsschiffes Arctic Promise plötzlich im Zentrum eines Orkans findet, ahnen die von Wind und Wetter gehärteten Männer nicht, dass dies erst der Beginn ihrer Irrfahrt ist. Vom rücksichtslosen Kapitän immer weiter in die schwarze, eisige See getrieben, läuft das Schiff in einer gigantischen Eisscholle auf. In Kälte und Dunkelheit eingeschlossen, bricht eine seltsame Krankheit unter den Männern aus. Doch sie sind nicht alleine. In der Ferne sind die Umrisse eines zweiten Schiffes zu sehen. Dunkel, bedrohlich … In ihrer Verzweiflung machen sich die Überlebenden auf, um nach Rettung zu suchen. Sie ahnen nicht, dass in dem Schiff bereits etwas haust … etwas Böses …
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(c) Heyne