+++ Der Vorschau-Ticker – Frühjahr/Herbst 2018 – Teil 2 +++

The trend is your friend“ – Wenn man diese alte Börsenweisheit eins zu eins auf den deutschen Buchmarkt übernehmen könnte, würde uns das im kommenden Programm-Halbjahr gleich eine Vielzahl äußerst lesenswerter Krimis in Aussicht stellen, denn Fakt ist: Dafür, dass erst so wenige Verlage ihre Vorschau publik gemacht haben, ist die Dichte an „Shut-up-and-take-my-money“-Titel bereits erschreckend hoch.

So zumindest mein Empfinden, das noch dadurch bestätigt wird, dass sogar der Piper Verlag diesmal einen Titel stellt – was in Bezug auf den Spannungsroman eine Premiere für meine Vorschau-Ticker-Reihe bedeutet. Sonst ist nämlich aus diesem Hause für meine Wenigkeit meist eher wenig bis nichts zu holen. Desweiteren fährt auch Kiepenheuer & Witsch wieder größere Geschütze auf. Neben der (von mir sehnlichst erwarteten) Taschenbuchauflage von Volker Kutschers „Lunapark“ schaffen es gleich zwei weitere Bücher in meine Auswahl (Belletristik-Titel nicht mitgerechnet, die ich wieder separat aufführen werde). Komplettiert wird diese durch einen weiteren Suhrkamp-Krimi – auf dessen Übersetzung ich schon seit längerer Zeit sehnlichst gewartet habe und mit dem ich mal beginnen will.

Mit „Die Morde von Pye Hall“ hat Autor Anthony Horowitz einmal mehr das gemacht, was er einfach am Besten kann – nämlich einen traditionellen Whodunit auf Papier zu bringen. Schon als Drehbuchautor für „Inspector Barnaby“ oder „Agatha Christie’s Hercule Poirot“ hat er für mich hier Maßstäbe gesetzt und den klassischen Vorbildern wie eben Christie oder auch Sayers in Nichts nachgestanden. Und auch seine beiden Holmes-Pastichés wussten selbst eingefleischte Sherlockians zu begeistern. Überflüssig also zu erwähnen, dass es auf dem direkten Weg in mein Bücherregal wandern wird – allein schon deshalb, weil man gute Whodunits heutzutage mit der Lupe suchen muss.

Ray Celestins „Höllenjazz in New Orleans“ klingt zwar so, als hätte der Praktikant den Titel aussuchen dürfen, macht mit seiner Inhaltsbeschreibung aber durchaus neugierig: New Orleans im Jahr der beginnenden Prohibition. Mafia. Jazz. Die Pinkerton-Detektei. Alles Zutaten, welche, bei richtiger Verwendung, einen gelungenen Krimi ergeben dürften. Da sehe ich sogar mal darüber hinweg, dass auch dieser Titel nicht ohne einen Serienkiller (diesmal mit Axt) auskommt. I’ll give it a try. Vielleicht hat Piper hier ja mal den richtigen Riecher bewiesen.

Christopher Brookmyre habe ich nun bereits zweimal ignoriert. Beim dritten Mal werde ich ihm endlich die (verdiente?) Aufmerksamkeit schenken. Auch weil „Wer andern eine Bombe baut“ nach einer Menge spaßiger Kurzweil klingt. Simon befiehlt hier zwar nicht, scheint aber von den Toten erweckt und ist im Begriff einen Terroranschlag zu begehen. Ein verhinderter Rockstar soll ihn aufhalten und in den schottischen Highlands kommt es zum Showdown? Das liest sich herrlich bescheuert und erfrischend anders. Und, nun ja, es spielt halt in Schottland. Also Zeit wird’s, für mich und den ersten Brookmyre.

Die größten Erwartungen habe ich tatsächlich allerdings an Christof Weigolds „Der Mann, der nicht mitspielt“ – was insofern mich erstaunt, da der Autor ein unbeschriebenes Blatt und der erste Kriminalroman damit auch irgendwie eine Wundertüte ist. Die macht jedoch zumindest in Punkto Außenwerbung alles richtig. Ein „Guck-mal-Stefan-musst-du-kaufen“-Cover sowie ein Plot, bei dem der Raymond-Chandler-und-Nathanael-West-Liebhaber in mir Schmetterlinge im Bauch bekommt. Hollywood der 20er Jahre. Nachtclubs. Starlets. Prohibition. Und mittendrin ein Private-Eye deutscher Herkunft. Wenn da alles richtig gemacht wird, habe ich eine neue Lieblings-Reihe. Ja, richtig gehört, Reihe, denn das soll erst der Auftakt einer Serie werden, welche sich mit den größten Skandalen und unaufgeklärten Mordfällen des frühen Hollywood beschäftigt. Ergo: Ein Muss-Kauf, den ich hoffentlich nicht bereuen werde.

Bei welchem Buch fangen eure Augen an zu leuchten?

  • Anthony Horowitz – Die Morde von Pye Hall (Hardcover, März 2018 – Suhrkamp Verlag – 978-3458177388)
  • Inhalt: Susan Ryeland, Lektorin bei Cloverleaf Books, arbeitet schon seit Jahren mit dem Bestsellerautor Alan Conway zusammen, und die Leser lieben seine Krimis mit dem Detektiv Atticus Pünd, der seine Fälle charmant wie Hercule Poirot zu lösen pflegt. Doch in seinem neuesten Fall ist nichts wie es scheint. Zwar gibt es zwei Leichen in Pye Hall und auch diverse Verdächtige, aber die letzten Kapitel des Manuskripts fehlen und der Autor ist verschwunden. Ein merkwürdiger Brief legt nahe, dass er sich das Leben genommen hat. Susan Ryeland muss selbst zur Detektivin werden, um nicht nur den Fall der Morde von Pye Hall zu lösen, sondern auch die Umstände des Todes von Alan Conway zu enträtseln.
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© Suhrkamp

  • Ray Celestin Höllenjazz in New Orleans (Broschiertes Taschenbuch, März 2018 – Piper Verlag – 978-3492060868)
  • Inhalt: New Orleans, 1919: Der mysteriöse »Axeman-Mörder« versetzt die Stadt in Angst und Schrecken. Seine Waffe ist eine Axt, sein Markenzeichen Tarotkarten, die er bei seinen Opfern hinterlässt. Detective Michael Talbot ist mit dem Fall betraut und verzweifelt an der Wendigkeit des Killers. Der ehemalige Polizist Luca d’Andrea sucht ebenfalls nach dem Axeman – im Auftrag der Mafia. Und Ida, die Sekretärin der Pinkerton Detektivagentur, stolpert zufällig über einen Hinweis, der sie und ihren besten Freund Louis Armstrong mitten in den Fall hineinzieht. Als Michael, Luca, Ida und Louis der Identität des Axeman immer näherkommen, fordert der Killer die Bewohner von New Orleans heraus: Spielt Jazz – sonst komme ich, um euch zu holen.
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© Piper

  • Christopher Brookmyre – Wer andern eine Bombe baut (Broschiertes Taschenbuch, März 2018 – Galiani Berlin – 978-3518468654)
  • Inhalt: War’s das für Raymond Ash? An der Uni träumten er und sein Kumpel Simon von einer Zukunft als Rockstar, stattdessen hat er jetzt, mit Mitte 30, ein schreiendes Baby und einen neuen Job als Lehrer an der Backe – und Simon ist seit drei Jahren tot. Kein Wunder, dass Ray seinen Augen nicht traut, als er ihn am Glasgower Flughafen sieht. Und dann geschehen auf einmal Dinge, die seltsamer und brutaler sind als jedes von Rays geliebten Computerspielen. Gemeinsam mit der Polizistin Angelique de Xavia (bekannt aus Die hohe Kunst des Bankraubs) gerät er in sich immer schneller überschlagende Ereignisse, und die beiden müssen über sich hinauswachsen, um einen Terroranschlag zu verhindern, den der ’neue‘, sehr sehr böse Simon verüben will. Nur: was ist überhaupt das Ziel der Attacke? Die Spur fuhrt in die schottischen Highlands …
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© Galiani Berlin

  • Christof Weigold – Der Mann, der nicht mitspielt (Hardcover, Februar 2018 – Kiepenheuer & Witsch Verlag – 978-3462051032)
  • Inhalt: Hollywood in den Roaring Twenties: ein wahres Sündenbabel zur Zeit der Stummfilme und der Prohibition. Privatdetektiv Hardy Engel, ein gescheiterter deutscher Schauspieler, wird von der schönen Pepper Murphy beauftragt, das verschwundene Starlet Virginia Rappe zu finden. Kurz darauf stirbt Virginia unter mysteriösen Umständen, nachdem sie eine Party des beliebten Komikers Roscoe ‚Fatty‘ Arbuckle besucht hat. Dieser wird beschuldigt, sie brutal vergewaltigt und tödlich verletzt zu haben. Angefacht von den Boulevardzeitungen des Hearst-Konzerns entwickelt sich der Fall zum größten Skandal der Stummfilmzeit, der ganz Hollywood in den Abgrund zu ziehen droht.
    Hardy Engel ermittelt in zwei rivalisierenden Filmstudios und in der Kolonie der Deutschen rund um Universal-Gründer Carl Laemmle. Unterstützt wird er von seinem Lieblings-Bootlegger Buck Carpenter, der ihn mit Insiderinfos und Whisky versorgt, und Pepper, in die er sich Hals über Kopf verliebt, obwohl sie etwas zu verbergen scheint. Als Hardy Engel schließlich die Wahrheit herausfindet, die allzu viele Leute vertuschen wollen, ist nicht nur sein Leben in Gefahr.
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© Kiepenheuer & Witsch