+++ Der Vorschau-Ticker – Winter 2017/Frühjahr 2018 – Teil 1 +++

Es gibt ehrlich gesagt nicht viel, was ich diesem scheußlichen Aprilwetter da draußen momentan abgewinnen kann. Vor allem da ich in meiner Urlaubswoche eigentlich geplant hatte im Garten tätig zu werden. Aber es gibt ja bekanntlich zwei Seiten der Medaille – was in diesem Fall heißt: Nutze ich halt die Zeit für eine gute Lektüre. Und was ist noch besser als ein Buch? Richtig. Ein ganzes Regal davon, das man kontinuierlich weiter befüllen kann. Wie passend, dass inzwischen schon nach und nach die Verlage damit rausrücken, für welche Titel wir unserer Sucht in naher Zukunft wieder nachgeben dürfen. Den Anfang macht dabei – wie so oft – die Verlagsgruppe Random House, weshalb auch mein erster Vorschau-Ticker für das Halbjahr ab September auf diese einen näheren Blick wirft. Hier also ohne viel weiteres Gefasel die ersten vier Bücher, die es in meine äußerst enge (okay, hoffentlich enge 😉 ) Auswahl geschafft haben. Kleiner Hinweis: Wie immer werden die belletristischen Titel nochmal separat beleuchtet.

Mit „Korrupt“ geht Mike Nicols Reihe um die Agentin Vicky Kahn in die zweite Runde (Bad Cop war bereits im Februar 2015 erschienen) – und ich habe ehrlicherweise nicht mal den Auftakt gelesen. Warum der Titel trotzdem auf dem Wunschzettel landet? Nun, zum einen weil ich die „Rache“-Trilogie von Nicol noch in äußerst guter Erinnerung habe. Und zum anderen weil sich Südafrika in den letzten Jahren fast zu so etwas wie meinem Lieblingsschauplatz für Kriminalromane gemausert hat, was exzellenten Autoren wie eben Nicol, aber auch Malla Nunn, Deon Meyer, Andrew Brown oder Roger Smith zu verdanken ist. Ob Vicky Kahn das Potenzial hat mich über „Bad Cop“ hinweg zu begeistern – abwarten. Die Inhaltsbeschreibung des Nachfolgers macht aber zu neugierig, um diesen außer acht zu lassen.

Der nächste Titel ist einer aus der „Jawoll-endlich“-Kategorie, denn John Hart gehört für mich zu den besten Autoren dieses Genres, was nicht nur die zwei Edgar-Award-Auszeichnungen untermauern, sondern auch die von mir gelesenen Bücher eindrücklich und nachhaltig bewiesen haben. Und selbst wenn dem nicht so wäre: „Redemption Road – Straße der Gewalt“ fällt von der Inhaltsbeschreibung her einfach voll in mein Beuteschema. Schön, dass Hart nach fünf Jahren Schaffenspause nun endlich wieder für Nachschub sorgt. Ein ganz, ganz dicker Muss-Kauf!

Noch weitaus länger warte ich nun schon auf eine Übersetzung von „Lay Down My Sword And Shield“ aus der Feder des großen James Lee Burke. Noch im August diesen Jahres erhört mich Heyne Hardcore endlich und bringt die deutsche Übersetzung „Zeit der Ernte„. Auch wenn Hackberry Holland für mich persönlich immer im Schatten von Dave Robicheaux stehen wird – auf seinen ersten, richtigen Auftritt freue ich mich sehr. Und selbst für den Fall, dass ich damit der Professionalität gänzlich den Rücken kehre: Die Cover von Heyne Hardcore muss ich einfach mal loben – sehen richtig stark aus und passen perfekt zum jeweiligen Inhalt. Das gilt übrigens auch für die TB-Neuauflage von „Mississippi Jam„, welche ebenfalls dieses Jahr, allerdings im Dezember, erscheinen wird. Da das Auge manchmal mitliest und Burke bei mir ne Sonderstellung hat, packe ich mir den Titel wohl dann sogar mal doppelt ins Regal.

Alte Freunde“ macht von der Aufmachung weniger her, was mir allerdings auch vollkommen wurscht ist, so lange die Story zwischen den Buchdeckeln liefert. Und das hat John Niven bei den von mir gelesenen Bücher bis dato noch jedes Mal getan. Auch hier werde ich wohl tief in die ausgefranste Tasche greifen und zuschlagen.

Und was lässt euch den Geldbeutel zücken?

  • Mike Nicol – Korrupt (Taschenbuch, Januar 2018 – btb Verlag – 978-3442715923)
  • Inhalt: Bring Linda Nchaba nach Südafrika zurück! So lautet der Auftrag an Agentin Vicky Kahn, die sich um die Sicherheit des Staates kümmern soll. Dass Linda nicht nur Expertin in Sachen Kindesentführung, sondern auch ein Topmodel mit besten Verbindungen zum Sohn des südafrikanischen Präsidenten ist, macht die Sache nicht einfacher. Auch, als Vicky beobachten muss, wie Linda am Amsterdamer Flughafen außer Gefecht gesetzt wird. Und sie ihre wichtigste Kontaktperson in Berlin tot auf dem Küchenfußboden findet. Kopfschuss. Vickys Instinkt sagt ihr: Such das Weite! Aber leider ist auch ihr eigener Geliebter in den Fall verwoben …
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© btb

  • John Hart – Redemption Road – Straße der Vergeltung (Hardcover, September 2017 – C. Bertelsmann Verlag – 978-3570103104)
  • Inhalt: Ein Junge wartet mit einer Waffe auf den Mann, der seine Mutter getötet hat. Eine Polizistin, die in Schwierigkeiten steckt, wird nach einer brutalen Schießerei mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Nach dreizehn Jahren im Gefängnis wird ein Polizist in die Freiheit entlassen – doch für wie lange?
    John Hart beschreibt eine Stadt am Abgrund. Ihre Einwohner scheinen alle auf der Straße der Verdammnis unterwegs zu sein.
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© C. Bertelsmann

  • James Lee Burke – Zeit der Ernte (Paperback, Klappbroschur, August 2017 – Heyne Hardcore – 978-3453271012)
  • Inhalt: Eine texanische Kleinstadt an der Grenze zu Mexiko. Als Hackberry Holland im Jahr 1967 aus dem Koreakrieg zurückkehrt, wird er von vielen Seiten zu einer politischen Karriere gedrängt. Doch der Anwalt setzt sich stattdessen für einen mexikanischstämmigen Landarbeiter ein, der kurz vor seiner Freilassung im Gefängnis ermordet wird. Bald kommt es zu handfesten Auseinandersetzungen mit der Polizei und gewaltbereiten Rednecks.
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© Heyne Hardcore

  • John Niven – Alte Freunde (Hardcover, November 2017 – Heyne Hardcore – 978-3453269446)
  • Inhalt: Zwei alte Schulfreunde. Craig war früher der charismatische Anführer, zu dem alle aufschauten und der zum Rockstar avancierte. Alan stand stets im Abseits, war Mitläufer. Dreißig Jahre später haben sich die Vorzeichen radikal geändert. Alan ist erfolgreicher Gourmetkritiker und Bestsellerautor, während sich Craig als Obdachloser auf Londons Straßen rumtreibt. Das Schicksal führt die beiden wieder zusammen. Alan greift seinem alten Freund unter die Arme und versucht ihn wieder auf die richtige Bahn zu bringen. Und bald ist nichts mehr so wie es war.
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© Heyne Hardcore

 

+++ Der Vorschau-Ticker – Frühjahr/Herbst 2017 – Teil 4 +++

Stillstand ist bekanntlich Rückschritt und deswegen „Feuer frei!“ für den vierten Teil meines persönlichen Vorschau-Tickers, der sich mit der ersten Hälfte meiner heiß erwarteten Random-House-Titel befasst und gleich mehrere Titel beinhaltet, die es ganz sicher in mein Regal schaffen werden.

Auf Ian Rankins „Ein kalter Ort zum Sterben“ freue ich mich besonders. Der ein oder andere wird es schon zwischen den Zeilen gelesen oder auch von mir gewusst haben – der Edinburgher Autor ist neben James Lee Burke und dem großen Sir Arthur Conan Doyle mein unangefochtener Lieblingsautor im Spannungsbereich. Und die Serie über den kauzig-schroffen John Rebus liegt mir unheimlich am Herzen. Hoffe da bei jedem neuen Fall, dass es nicht der letzte ist. Eine Krimi-Welt ohne Rebus, Siobhan oder Big „Ger“ Cafferty möchte ich mir gar nicht vorstellen. Wer die Serie noch nicht kennt, dem sei als Quereinstieg „Das Souvenir des Mörders“ empfohlen, das Ende März neu aufgelegt wird. Der aktuelle Titel (Nr. 21 der Reihe) könnte zwar durchaus auf demselben Level unterhalten – es ist meines Erachtens hier aber immer schade, wenn man als Neuling die ganzen Querweise und Anspielungen auf die Geschehnisse früherer Bände überliest.

Im Bereich des „True Crime“ erscheint im April bei btb der verheißungsvolle Titel „Das Verbrechen„, welcher sich mit der Mordserie an einem Indianer-Stamm in den 20er Jahren beschäftigt – einer der ersten großen Fälle des FBI. Setting, zeitlicher Kontext sowie die Umstände der Morde. All das klingt durchweg interessant und lesenswert. Und seit Capotes „Kaltblütig“ habe ich an (guter) „True-Crime“-Literatur ohnehin einen Narren gefressen. Ein Buch, das ich mir definitiv holen werde.

Der Komplettist in mir wird wohl auch zu „Das Böse vergisst nicht“ greifen, dem Abschluss von Roberto Costantinis Trilogie, von der ich bisher nur Band eins (mit Wonne) gelesen habe. Fraglich aber, ob ich nicht – wie bei Band zwei, der zeitgleich mit dem HC des dritten Bands erscheint – auf das Taschenbuch warten werde. Das Libyen von 2011 ist jedenfalls mal ein Schauplatz, der mir im Krimi so nicht begegnet ist. Bin gespannt, was Constantini aus der Ausgangslage gemacht hat.

Luca D’Andreas „Der Tod so kalt“ wird in der Vorschau ja ausgiebig mit Lobeshymnen überschüttet, die, wenn man daran glaubt, das Buch als nächsten großen Ausnahme-Krimi preisen, an dem zudem gleich mehrere deutsche Verlage Interesse gehabt haben sollen. Für mich hat so ein Vorab-Gepreise immer ein gewisses Geschmäckle, wenngleich ich nicht verhehlen kann, dass mich der Klappentext durchaus anspricht. Klingt nach einer Lektüre im Stil von Thomas Willmanns „Das finstere Tal„. Und wenn es ähnlich gut wird, hat sich ein Kauf mit Sicherheit rentiert. Wird also nach jetzigem Stand den Weg in mein Regal finden.

Ob das für Bracken MacLeods „Im finsteren Eis“ gilt, ist eher unsicher. Der Titel fällt in die Kategorie der Bücher, die ich vielleicht mitnehme, wenn ich sie irgendwo ausliegen sehe, zumal das Rezept hier wohl 1:1 bei „Terror“ abgeguckt wurde. Zumindest klingt die Beschreibung doch arg ähnlich. Vielleicht greife ich jedoch auch erst zu „Mountain Home„, welches bereits vor einiger Zeit bei Festa erschienen ist und von (Ex-)Kollege Michael Drewniok auf der Krimi-Couch äußerst wohlwollend bewertet worden ist.

Irgendetwas für euch dabei?

  • Ian Rankin – Ein kalter Ort zum Sterben (Hardcover, März 2017 – Goldmann Verlag – 978-3442314614)
  • Inhalt: Bei einem romantischen Dinner im Caledonian Hotel erinnert sich Rebus an einen Mord, der fast vierzig Jahre zuvor dort stattgefunden hat: Eine junge lebenslustige Bankiersgattin wollte in dem Luxushotel einen Liebhaber empfangen – am nächsten Morgen wurde sie tot aufgefunden. Die Verdächtigen kamen aus den besten Kreisen, der Täter wurde nie gefasst. Ein Skandal, der Rebus nicht loslässt. Während er sich in den alten Akten vergräbt, gerät das kriminelle Machtgefüge in Edinburgh gefährlich ins Wanken: Darryl Christie, einer der Hauptakteure, wird überfallen und halb totgeschlagen; eine Ermittlung wegen Geldwäsche bringt ihn zusätzlich in Bedrängnis. Es sieht so aus, als würde Ex-Gangsterboss Big „Ger“ Cafferty im Hintergrund die Fäden ziehen. Eine Entwicklung, die Rebus gar nicht recht sein kann. Zumal die erste Leiche im tödlichen Revierkampf von Schottlands Unterwelt nicht lange auf sich warten lässt …
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(c) Goldmann

  • David Grann – Das Versprechen (Hardcover, April 2017 – btb Verlag – 978-3442757268)
  • Inhalt: In den 1920ern hatten nicht die Bewohner von New York oder Paris das höchste Pro-Kopf-Einkommen: die reichsten Menschen der Welt waren die Osage-Indianer im amerikanischen Bundesstaat Oklahoma. Das karge Land, das ihnen als Reservat zugewiesen worden war, barg gigantische Ölvorkommen, die ihnen ein Leben in ungeahntem Luxus ermöglichten. Doch der Reichtum brachte den Osage kein Glück: Eine mysteriöse Serie von Morden nahm ihren Anfang, der schließlich mehr als 300 Stammesmitglieder zum Opfer fallen sollten – sie wurden vergiftet, erschlagen oder erschossen. Die Osage-Morde wurden zum ersten großen Fall für das noch junge FBI. Doch Korruption und Geldgier hatten auch hier bereits Einzug gehalten. Erst einer Gruppe von Undercover-Agenten gelingt es schließlich, diese wohl finsterste und spektakulärste Mordserie in der Geschichte der USA aufzuklären.
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(c) btb

  • Roberto Costantini – Das Böse vergisst nicht (Hardcover, April 2017 – C. Bertelsmann – 978-3570102572)
  • Inhalt: Sommer 2011: Während in Libyen Bürgerkrieg herrscht, treffen sich in Rom auf einem Luxusschiff internationale Wirtschaftsbosse zu Geheimverhandlungen über den Mittleren Osten. Am nächsten Tag werden eine junge Hostess, die auf dem Schiff arbeitete, und ihre kleine Tochter ermordet aufgefunden. Commissario Balistreri, desillusionierter Chef der Mordkommission, trifft bei den Ermittlungen bald auf alte Bekannte aus seiner libyschen Kindheit, die er in den letzten Winkel seines Bewusstseins verdammt hatte. Durch die Ermittlungen wird er gezwungen, in das von Bomben zerstörte Libyen zurückzukehren und seinem früheren Ich und einer unerträglichen Wahrheiten ins Auge zu sehen …
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(c) C. Bertelsmann

  • Luca D’Andrea – Der Tod so kalt (Broschiertes Taschenbuch, März 2017 – DVA Verlag – 978-3421047595)
  • Inhalt: Südtirol, 1985. Tagelang wütet ein gewaltiges Gewitter über der Bletterbach-Schlucht. Drei junge Einheimische aus dem nahegelegenen Siebenhoch kehren von einer Wanderung nicht zurück – schließlich findet ein Suchtrupp ihre Leichen, aufs Brutalste entstellt. Den Täter vermutet man im Bekanntenkreis, doch das Dorf hüllt sich in eisiges Schweigen. Dreißig Jahre später beginnt ein Fremder unangenehme Fragen zu stellen. Jeder warnt ihn vor den Konsequenzen, allen voran sein Schwiegervater, der die Toten damals gefunden hat. Doch Jeremiah Salinger, der seiner Frau in ihr Heimatdorf gefolgt ist, lässt nicht locker – und wird schon bald seine Neugier bereuen. Ein Fluch scheint alle zu verfolgen, die sich mit den Morden beschäftigen. Ist dort unten am Bletterbach etwas Furchtbares wieder erwacht? Etwas, so uralt wie die Erde selbst …
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(c) DVA

  • Bracken MacLeod – Im finsteren Eis (Taschenbuch, September 2017 – Heyne Verlag – 978-3453438903)
  • Inhalt: Als sich die Crew des Versorgungsschiffes Arctic Promise plötzlich im Zentrum eines Orkans findet, ahnen die von Wind und Wetter gehärteten Männer nicht, dass dies erst der Beginn ihrer Irrfahrt ist. Vom rücksichtslosen Kapitän immer weiter in die schwarze, eisige See getrieben, läuft das Schiff in einer gigantischen Eisscholle auf. In Kälte und Dunkelheit eingeschlossen, bricht eine seltsame Krankheit unter den Männern aus. Doch sie sind nicht alleine. In der Ferne sind die Umrisse eines zweiten Schiffes zu sehen. Dunkel, bedrohlich … In ihrer Verzweiflung machen sich die Überlebenden auf, um nach Rettung zu suchen. Sie ahnen nicht, dass in dem Schiff bereits etwas haust … etwas Böses …
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(c) Heyne

 

+++ Der Vorschau-Ticker – Winter/Frühjahr 2016/2017 – Teil 4 +++

Wer schon den letzten Vorschau-Ticker auf meinem Blog regelmäßig mit verfolgt und auch immer wieder die ein oder andere Besprechung von mir gelesen hat, dem wird aufgefallen sein, dass ich mich auf CrimeAlley mitnichten ausschließlich auf die Spannungsliteratur konzentriere, sondern als unheilbare Leseratte genreübergreifend schmökere, wo bei es nur die Grenzen gibt, welche ich mir in geschmacklicher Richtung selbst setze. So ist auch die vorliegende Auswahl eine belletristische Mischung von Titeln, von denen ich meine, dass sie mir gefallen könnten bzw. dass sie unbedingte Muss-Käufe sind.

Den Anfang macht der Piper Verlag, dessen Programm mich zwar im Großen und Ganzen (wie leider eigentlich jedes Halbjahr) ziemlich kalt lässt, aber nun zumindest auch Richard Flanagans „Der schmale Pfad durchs Hinterland“ im Taschenbuch-Format beinhaltet. Ein Buch, das nur aus Platzgründen nicht schon als Hardcover ins Regal gewandert ist und mich aufgrund seiner Inhaltsbeschreibung ein bisschen an Pierre Boulles „Die Brücke am Kwai“ erinnert – dessen Verfilmung nebenbei zu meinen ewigen Leinwandfavoriten zählt. Da der südostasiatische Kriegsschauplatz eher seltener ein Thema ist, wenn es darum geht, den 2. Weltkrieg literarisch zu verarbeiten, stellt Flanagans Buch – das die Kritik übrigens sehr positiv aufgenommen hat – eine angenehme Abwechslung dar.

Trügerisches Licht“ von Patrícia Melo hat es noch nicht endgültig auf den Merkzettel geschafft und ist bei mir mit einem dicken „Vielleicht“ versehen. „Leichendieb“ hat mir gut gefallen, wenngleich ich die Lobeshymen der vielen Krimi-Kenner da so nicht ganz nachvollziehen kann. Vielleicht kann mich der neue Roman, der erneut bei Tropen erscheint, diesmal mehr überzeugen.

Auch wenn mir der Name Hugo Claus und sein Buch „Der Kummer von Belgien“ bisher so gar nichts gesagt haben – die Nominierung des inzwischen verstorbenen Autors für den Literaturnobelpreis kommt sicher nicht von ungefähr. Und auch wenn das Werk mit Günther Grass‘ „Die Blechtrommel“ verglichen wird – für mich eins der überschätzten Bücher der deutschen Nachkriegsliteratur – reizt mich die belgische Perspektive ungemein. Ein Titel aus dieser Vorschau, den ich mir ganz sicher zulegen und lesen werde.

Ob das auch für „Gangsterland“ von Tom Goldberg gilt, muss ich erst noch abwarten. Die Inhaltsbeschreibung lässt eine launige Mafia-Komödie im Stile von Bazells „Schneller als der Tod“ vermuten. Schauplatz die Stadt der Lichter und des Glücksspiels Las Vegas. Das kann launig und amüsant werden, aber wie immer, wenn der Krimi lustig sein will, besteht die Gefahr, dass es letztlich doch vor allem eins wird – nämlich seicht und schrecklich darum bemüht, witzig zu sein. Nur wenige Caper-Novels konnten mich bisher überzeugen. Mal schauen, ob Goldbergs Werk dazugehören wird.

Ist irgendetwas für euch dabei?

  • Richard Flanagan – Der schmale Pfad durchs Hinterland (Taschenbuch, Januar 2017 – Piper – 978-3492309998)
  • Inhalt: Preisgekrönt entfachte Richard Flanagans Roman weltweit einhellige Begeisterung: Sein Held ist Dorrigo Evans, ein begabter Chirurg, dem eine glänzende Zukunft bevorsteht. Als der Zweite Weltkrieg auch Australien erreicht, meldet er sich zum Militär. Doch der Krieg macht keine Unterschiede, und während Dorrigo in einem japanischen Gefangenenlager mit seinen Männern gegen Hunger, Cholera und die Grausamkeit des Lagerleiters kämpft, quält ihn die Erinnerung an die Liebe zu der Frau seines Onkels. Bis er einen Brief erhält, der seinem Leben eine endgültige Wendung gibt.
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(c) Piper

  • Patrícia Melo – Trügerisches Licht (Broschiert, Juli 2016 – Tropen – 978-3608502152)
  • Inhalt: Sensationslust folgt überall den gleichen Regeln: Schön ist interessanter als hässlich, reich spannender als arm, und nichts geht über einen ermordeten Star. Ein abgründiger Krimi über den Kontrast zwischen glamouröser Fernsehwelt und einem Brasilien, das im Chaos versinkt.
    Tatort São Paulo: Bei einer Theatervorstellung erschießt sich der Serienstar Fábbio Cássio auf der Bühne. Schnell ist der Kriminaltechnikerin Azucena klar, dass dieser Selbstmord in Wahrheit ein geschickt inszenierter Mord ist. Zunächst fällt ihr Verdacht auf die Ehefrau des Toten, die zur Tatzeit Kandidatin einer Reality-Show ist und deren Beliebtheitswerte beim Publikum nach Fábbios Tod in die Höhe schnellen. Und während Azucena noch um das Sorgerecht für ihre Töchter kämpft, wird sie mit einem skrupellosen Mörder konfrontiert, der es am Schluss auf die Ermittlerin selbst abgesehen hat.
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(c) Tropen

  • Hugo Claus – Der Kummer von Belgien (Hardcover, August 2016 – Klett Cotta – 978-3608960372)
  • Inhalt: Der kleine, rotzfreche Louis Seynaves ist zunächst hingerissen vom Einmarsch deutscher SS-Verbände in sein flämisches Heimatstädtchen Walle, das alsbald zum Spiegel der großen Welt wird. Spielerisch, humorvoll und mitreißend fügt Hugo Claus in seinem Meisterwerk Hunderte von Episoden zu einem epochalen Roman zusammen, der zum Kanon der Weltliteratur gezählt wird.
    Belgien ist zur Zeit des Zweiten Weltkriegs weniger ein Land denn ein Zustand, in dem sich auch der kleine Louis wiederfindet. Mit drei Mitschülern hat er einen Geheimbund geschlossen, in dem sie verbotene Bücher lesen, bis ihn seine Mutter nach dem deutschen Überfall auf Polen aus dem Internat nach Hause holt. Sein Zuhause, das sind die Gassen um den Grote Markt, die schummrigen Winkel in der väterlichen Druckerei und vor allem der Familientratsch am Küchentisch. Jede kleine Denunziation, jede opportunistische Versuchung, sich mit den ‚Germanen‘ gegen die Wallonen zu verbünden, jede Episode dieser spannenden Jahre erlebt Louis hautnah mit – wie einen Weltalltag, der sich in diesem Stück Weltliteratur spiegelt.
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(c) Klett-Cotta

  • Tod Goldberg – Gangsterland (Broschiert, September 2016 – C. Bertelsmann – 978-3570103005)
  • Inhalt: Mafia-Killer Sal Cupertine hat es vermasselt. Durch Verquickung unglücklicher Umstände hat er in Chicago drei FBI-Beamte getötet – ein böser Fehler. Statt dafür von seinem Boss selbst ins Jenseits befördert zu werden, landet er nach diversen Gesichtsoperationen und entsprechendem Intensivstudium als Rabbi David Cohen in einer jüdischen Gemeinde in Las Vegas. Aber auch dort hat die Mafia ihre Finger im Spiel. Bald geht Rabbi Cohen nicht nur wieder seinem alten Gewerbe nach, sondern entdeckt weitere lukrative Betätigungsfelder, die sich mit der Rolle als Seelsorger aufs Beste vereinen lassen.
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(c) C. Bertelsmann