+++ Der Vorschau-Ticker – Frühjahr/Herbst 2018 – Teil 3 +++

Nach zögerlichem Beginn geht es bei den Vorschau-Veröffentlichungen in den letzten Tagen Schlag auf Schlag. Viel zu sichten also – zumindest für jemanden wie mich, dessen Beutespektrum in den letzten Jahren um einige Verlage angewachsen ist, wobei es da besonders die vermeintlich Kleinen sind, welche Eindruck gemacht und manche Nische für sich erobert haben. Eine erfreuliche Entwicklung und meines Erachtens auch eine notwendige, denn gefühlt nimmt doch die Zahl wirklich interessanter Titel bei den großen Häusern weiterhin ab. Insbesondere im Bereich Krimi, wo das von mir favorisierte Spektrum inzwischen meist nur von den alten Bekannten unter den Autoren bedient und der Großteil des Programms vom Metzel-ab-und-folter-vorher-Format in Beschlag genommen wird. Nummer sicher, scheint die Devise. Experimente werden weniger gewagt – und wenn, nach relativ kurzer Zeit abgebrochen. Ob der Markt nicht dafür da ist (was ich bezweifle) oder kleinere Nachfrage vom Budget nicht mehr abgefangen werden kann (oder soll) – Gründe mag es viele geben.

Nun gehören Droemer und Aufbau bzw. Rütten & Loening nicht unbedingt zu den Kleinen, dennoch ist es für mich bezeichnend, dass ich bei der Verlagsgruppe Random House derzeit mit der Lupe suchen muss, um überhaupt fünf oder sechs interessante Krimis zusammen zu bekommen, weshalb es hier mit einer Auswahl noch etwas länger dauert. Dafür werde ich tatsächlich eher im Bereich der Belletristik fündig, welche wie jedes Halbjahr am Ende meiner Vorschau-Ticker ins Visier genommen wird. Daher lange Rede, kurzer Sinn. Hier meine Kandidaten im dritten Ticker:

Nach dem Ausflug ins postapokalyptische Südafrika in „Fever“ kehrt Deon Meyer mit „Die Amerikanerin“ zu seiner Bennie-Griessel-Reihe zurück und ich erwarte, wie immer bei diesem erstklassigen Autor, einmal mehr einen beeindruckenden Kriminalroman allererster Güte. Anfangs noch ein Exot auf dem deutschen Buchmarkt, ist er – zumindest für mich – aus der hiesigen Krimi-Landschaft nicht mehr wegzudenken. Vor allem da er bereits seit längerer Zeit ein vergleichsweise hohes Niveau hält. Weswegen er dann übrigens auch bald hier Einzug in der Crime Alley halten wird. Das Cover passt sich dem Vorgänger „Fever“ an, was mir eigentlich wurscht wäre, hätte man die vorherigen Bände nicht einheitlich gestaltet. Kann man nicht mal über einen gewissen Zeitraum eine Gestaltung beibehalten? Und wieso trägt die Frau einen roten Mantel, wenn der originale Afrikaans-Titel übersetzt „Die Frau mit dem blauen Mantel bzw. Umhang“ heißt? Und wenn wir schon bei den Fragen sind: 12 Euro für ein – laut Angabe – gebundenes Buch – wie kann das denn sein? – Und ja, ja. Natürlich kauf ich es so oder so.

Der nächste Titel – „Die Verlorene“ – ist weniger Tipp als eine persönliche Erinnerung, dass wieder mal ein Michael Connelly erscheint, der sich inzwischen vom Veröffentlichungspensum her auf Grisham-Niveau eingependelt hat. Zuletzt dann wie Grisham auch mit sinkender Qualität. Dennoch: Harry Bosch und Mickey Haller sind mir über die Jahre ans Herz gewachsen. Und wie sagte schon einst Gimli: Treulos ist, wer Lebewohl sagt, wenn die Straße dunkel wird. Insofern werde ich auch hier weiterhin am Ball bleiben.

Steve Hamilton kredenzt uns mit „Drei Zeugen zu viel“ den nächsten Roman mit Killer wider Willen Nick Mason. Und obwohl das an sich eine gute Nachricht ist, frage ich mich doch weiterhin, wann endlich mal wieder einer den Faden bei der Alex-McKnight-Reihe aufgreifen wird. Liegen die Rechte noch bei DuMont? Und falls nicht, meine Frage an Droemer und alle anderen Verlage: What’s stopping you? Ich habe das vage Gefühl, dass uns hier der beste (oder zumindest bessere) Teil von Hamiltons Werk vorenthalten wird. Dennoch: Die Story von „Drei Zeugen zu viel“ klingt nach ne Menge Spaß härter Gangart. Das werd ich mir nicht entgehen lassen.

Das gilt vor allem und noch viel mehr für George P. Pelecanos „Das dunkle Herz der Stadt„, bei dem mich bereits die Inhaltsbeschreibung verträumt und wissend lächeln lässt. Der Drehbuchautor für „The Wire“ und aktuell „The Deuce“ scheint dank ars vivendi nochmal einen zweiten Frühling (könnte auch der dritte sein) in Deutschland zu haben. Und wie bei James Lee Burke, so feiere ich auch diese Rückkehr, denn Pelecanos ist – von ein, zwei tatsächlichen Rohrkrepierern abgesehen – eine ganz sichere Bank für ganz große Unterhaltung. Auch wenn das noch dunklere Herz der Stadt einen Schmollmund hat und im Weißen Haus sitzt – dieser Trip wird mit Sicherheit in mein Regal wandern.

Bei Tom Bouman waren die Kritiken bei dem mit dem Edgar Award ausgezeichneten Roman „Auf der Jagd“ ja äußerst zwiegespalten – die Tendenz ging letztlich gefühlt eher Richtung negativ. Bei mir steht der Titel noch unangetastet im Regal. Ein eigenes Bild will ich mir aber definitiv noch machen. Auch auf die Gefahr hin, hier in der Kommentarspalte ein „Ich hab es Dir doch gesagt“ zu ernten. Selbiges wird daher wohl für „Im Morgengrauen“ gelten. Das klingt einfach zu gut, um es komplett zu ignorieren. Mal ganz abgesehen davon, dass der Kauf vielleicht ars vivendi darin bestätigt, auch weiterhin im Bereich Krimi derart experimentierfreudig und wagemutig zu veröffentlichen.

Welcher Titel kann euch aus der Reserve locken?

  • Deon Meyer – Die Amerikanerin (Gebundene Ausgabe, März 2018 – Rütten & Loening Verlag – 978-3352009143)
  • Inhalt: Bennie Griessel und ein Mord in der Kunstszene: Auf der Mauer des Aussichtspunktes am Sir Lowry’s Pass in der Nähe von Kapstadt wird frühmorgens die Leiche einer nackten weißen Frau entdeckt. Todesursache ist ein heftiger Schlag auf den Hinterkopf. Bennie Griessel muss übernehmen. Bald stellt sich heraus, dass die Tote Amerikanerin und Kunstexpertin war und auf der Suche nach dem kostbaren Gemälde eines Rembrandt-Schülers – „Der Frau im blauen Umhang“ –, das offenbar nach Südafrika geschmuggelt worden ist.
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© Rütten & Loening

  • Michael Connelly – Die Verlorene (Hardcover, August 2018 – Droemer Verlag – 978-3426281925)
  • Inhalt: Harry Bosch, mittlerweile als Privatermittler tätig, soll den Erben des Milliardärs Whitney Vance finden: Der alte Mann hatte als Student ein Verhältnis mit einer Mexikanerin, die er auf Druck seines Vaters verließ, als die junge Frau schwanger wurde. Ein Leben lang hat Vance sich dafür geschämt, nun will er Wiedergutmachung leisten. Es versteht sich, dass kaum einer in seinem Umfeld von dieser Entwicklung begeistert ist. Bosch ist klar, dass er mit äußerster Vorsicht vorgehen muss. Doch kaum hat er erste Erfolge erzielt, erfährt er vom plötzlichen Tod seines Auftraggebers. Für Harry Bosch bedeutet das nur eines: Jetzt erst recht!
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© Droemer

  • Steve Hamilton – Drei Zeugen zu viel (Broschiertes Taschenbuch, April 2018 – Droemer Verlag – 978-3426304990)
  • Inhalt: Darius Cole, der Pate von Chicago, will Rache nehmen an den drei Männern, die ihn lebenslang hinter Gitter gebracht haben. Und Nick Mason, Killer wider Willen, weil er sich an ihn verkaufen musste, um zu überleben, wird sein Werkzeug sein. Das gesuchte Trio aber ist mit neuen Identitäten im Zeugenschutzprogramm des FBI abgetaucht und wird rund um die Uhr von US Marshals bewacht. Nick muss das Programm knacken, um herauszufinden, wo die drei „Zielobjekte“ sich aufhalten – eine lebensgefährliche Aufgabe. Denn der Detective, der ihm vor Jahren ein Totschlagsdelikt anhing, das er nicht begangen hatte, ist ihm hart auf den Fersen …
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© Droemer

  • George Pelecanos – Das dunkle Herz der Stadt (Hardcover, August 2018 – Ars Vivendi Verlag – 978-3869139173)
  • Inhalt: Washington, D. C.: Bartender und Gelegenheitsdetektiv Nick Stefanos ist ziemlich am Ende und lebt eigentlich nur noch für den nächsten Drink. Als er eines Abends auf einer Parkbank am Anacostia River heillos betrunken Ohrenzeuge des Mordes an dem Teenager Calvin Jeter wird, reißt er sich zusammen, denn die Metropolitan Police scheint der Fall nicht besonders zu interessieren, sie hält den Toten doch für ein typisches Opfer der Washingtoner Gang-Kriminalität. Aber Nick weiß, dass Gangs keine Schalldämpfer benutzen – gemeinsam mit Privatdetektiv Jack LaDuke versucht er die Killer zu fassen und findet sich bald in einem Sumpf aus Drogen und sexueller Ausbeutung wieder: Eine Reise in die Dunkelheit der menschlichen Seele und durch die schwärzesten Schatten der amerikanischen Hauptstadt beginnt …
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© ars vivendi

  • Tom Bouman – Im Morgengrauen (Hardcover, Juni 2018 – ars vivendi Verlag – 978-3869139005)
  • Inhalt: Der Sommer hält Einzug in die tiefen Wälder von Wild Thyme, Pennsylvania, und für Officer Farrell hat er nichts als Ärger im Gepäck. So muss er sich in dieser vom industriellen Niedergang schwer gezeichneten Region nicht nur mit kleinkriminellen Mitbürgern und den zerstörerischen Auswirkungen des grassierenden Heroinhandels auseinandersetzen, sondern auch die spurlos verschwundene Penny Pellings finden, eine drogenabhängige Mutter, die mit ihrem Freund in einem heruntergekommenen Wohnwagen hauste. Henry Farrell startet eine groß angelegte Suchaktion, und bald wird in Tioga County ein Toter entdeckt – Pennys Dealer? Mit der Ruhe des Jägers begibt sich Farrell in die Schattenwelt eines zum Albtraum gewordenen american dream, doch der Vermisstenfall entwickelt sich mehr und mehr zu einem Labyrinth aus Geheimnissen, deren Aufdeckung die ganze Region erschüttern wird …
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© ars vivendi

 

 

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+++ Der Vorschau-Ticker – Winter 2017/Frühjahr 2018 – Teil 5 +++

Mord, Vergewaltigung, häusliche Gewalt, Attentate, Bandenkriege. Elemente, die im Genre des Spannungsromans keine Unbekannten sind und daher wenig überraschend in den Rezensionen auf „Crimealley“ auch immer wieder Erwähnung finden. Dennoch sind sie nicht auf dieses Feld der Literatur beschränkt, was der vorliegende Vorschau-Ticker durchaus anschaulich beweist, in dem in erster Linie Titel vorgestellt werden, welche man zwar in der Krimi-Abteilung einer durchschnittlichen Buchhandlung (aus gutem Grund) vergebens sucht und die doch gleichzeitig vielleicht dasselbe Publikum ansprechen könnten. So zumindest in meinem Fall, denn das Noireske, der Gegensatz von Kain und Abel, die gerissene Manipulation, die vergrabenen Geheimnisse und die fatalen Affären – sie alle sind Versatzstücke, die mich auch in anderer Form zu begeistern wissen, weshalb ich mich auf folgende Bücher aus dem weiten Bereich der Belletristik besonders freue.

Tim Bindings‘ „Eine tadellose Vollstreckung“ lässt nicht nur aufgrund des zeitlichen Kontexts aufhorchen, sondern steht auch irgendwie im krassen Gegensatz zu den mir bekannten Werken der „Cliffhanger“-Trilogie, welche eher das komödiantische Element bedienten. Die Geschichte um einen Henker, der so human wie möglich töten will, scheint da nicht so recht reinpassen zu wollen. Und auch sonst deutet der Klappentext an, dass der Deutsch-Brite hier die übliche Komfortzone verlässt, um sich auf ernsthaftere Art und Weise mit dem Lebensweg zweier Brüder auseinanderzusetzen. Klingt interessant, klingt anders und neu. Und klingt doch irgendwie auch ziemlich britisch. Klingt also so, als müsste ich es kaufen.

CulturBooks hat dieses mal für mich gleich zwei Eisen im Feuer. Den Anfang macht noch diesen Monat der True-Crime-Roman „Pommerenke„, in dem die wahre Geschichte des gleichnamigen Serienmörders mit den – augenscheinlich – fiktiven Recherchen der Journalistin Billie verwoben wird. Ich gestehe, Heinrich Pommerenke war mir bis dato kein Begriff, aber ein kurzer Blick in seine erschreckende Vita übt dann doch eine gewisse morbide Faszination aus. Ein zweites „Kaltblütig“ erwarte ich hier nicht, dennoch bin ich genug angefixt, um mir wohl auch dieses Buch vom Fleck weg zu kaufen.

Das gilt noch mehr für „Paris Noir„, eine Anthologie über die Baulieus und die dunkle Seite der Stadt der Liebe, in welcher sich einige der besten französischen Polar-Autoren der Moderne (u.a. Didier Daeninckx, Patrick Pécherot und Jean-Bernard Pouy) ein Stelldichein geben und die Metropole in 12 exklusiven Stories erkunden. „Noir“ pur also und für jeden Freund dieses Genres (und natürlich auch der Stadt selbst) damit ein ganz heißer Tipp. Und nebenbei bemerkt bei einem Preis von 15,00 € für ein Hardcover mit diesem Umfang (256 Seiten) heutzutage vergleichsweise günstig. Das Beste ist allerdings der Ausblick, denn es sollen weitere Anthologien folgen. „Berlin Noir“ (Frühjahr 2018) und „USA Noir“ (Herbst 2018) sind schon fest eingeplant. Städte-Noirs aus Stockholm, London, Rom, Toronto, Venedig, Dublin, Los Angeles und Las Vegas stehen in der Warteschleife. Wenn man da mal einen Blick auf die beteiligten Schreiber wirft, kann man nur mit der Zunge schnalzen und sagen: Rosige oder besser – noireske Aussichten.

Moabit“ von Volker Kutscher kann dieses ausgewogene Preisverhältnis nicht halten, müssen wir hier doch 18,00 € für knappe 88 Seiten berappen. Dafür bekommt der Fan vom Geron-Rath-Zyklus aber eine Geschichte über Charly Ritter vor ihrem Treffen mit dem Kriminalkommissar, der ja Ende diesen Jahres auch bei Sky (und nächstens Jahr bei ARD) im TV-Serien-Format („Babylon Berlin“) über die Mattscheibe flimmern wird. Zudem ist das Büchlein von Kat Menschik illustriert worden. Seit Döblin und Fassbinders Literaturverfilmung  bin ich dem Berlin dieser Zeit hoffnungslos verfallen und freue mich daher über diesen Ausflug in das Nachtleben des Moabit der 20er Jahre.

Twardochs „Der Boxer“ ist dagegen meinerseits ein Schuss ins Blaue, da „Morphin“ immer noch ungelesen auf meinem SUB ruht. Einen Treffer rechne ich mir dennoch aus, da der Klappentext über rivalisierende Gangsterbanden und einen talentierten Boxer auf dem Weg zum Paten der Unterwelt genau meinen Nerv trifft. Dass das dann noch im Warschau der Vorkriegsjahre spielt, welches in Punkto Gewalt und Laster bekanntermaßen dem damaligen Berlin in nichts nachstand, macht zusätzlich neugierig. Interessanterweise scheint zudem auch hier (also wie in „Moabit„) die Thematik des immer mehr an den Rand der Gesellschaft getriebenen Juden großen Raum einzunehmen.

Bei „Ashland & Vine“ gebe ich John Burnside, der mich bis jetzt noch nicht gänzlich überzeugen konnte (siehe auch meine Rezension zu „Die Spur des Teufels„), nochmal eine zweite Chance. Und diesmal stehen die Erfolgssaussichten ganz gut, denn die Geschichte einer Familie beginnend in den 30er Jahren und durch die folgenden Jahrzehnte der USA führend, birgt gerade momentan – wo man sich immer wieder fragt, wie konnte es soweit kommen – einen gewissen Reiz in sich. Rassentrennung, McCarthy-Ära, Vietnam-Krieg – Konflikte an denen sich auch ein guter Plot entzünden könnte. Ich werden einen zweiten Anlauf wagen.

Es war einmal eine Stadt“ von Thomas Reverdy hatte mich spätestens mit „Versatzstücke des Noir-Genres“ und spielt dazu noch in Detroit – eine Stadt, an der ich seit Loren D. Estleman auch irgendwie einen Narren gefressen habe. Mit der Thematik „Weltwirtschaftskrise 2008“ bin ich aktuell gerade wieder in Gene Kerrigans „In der Sackgasse“ konfrontiert worden und daher gespannt, wie dies hier mit der Geschichte verflochten wird. Ob ich es mir gleich als HC gebe, abwarten. Im Regal landet es in der ein oder anderen Form aber ziemlich sicher.

Welcher Titel kann euer Interesse wecken?

  • Tim Binding – Eine tadellose Vollstreckung (Hardcover, September 2017 – ars vivendi Verlag – 978-3869138664)
  • Inhalt: Die beiden Cousins Jeremiah und Will werden während des Zweiten Weltkriegs Zeugen, wie ein deutsches Kampfflugzeug über dem Südosten Englands abgeschossen wird und der Pilot schwer verletzt in einem Baum landet. Dieses Ereignis verändert das Leben der beiden für immer – während Jeremiah durch einen Glassplitter ein Auge verliert, beteiligt sich Will am Mord an dem Deutschen. Nicht zuletzt die Erfahrung dieser rohen Lynchjustiz löst in Jeremiah das Bedürfnis aus, Todgeweihten in ihren letzten Lebensmomenten beizustehen: Er bewirbt sich um die Stelle als Henker Ihrer Majestät, um Verurteilte so human wie möglich zu töten. Bis in die Sechzigerjahre übt er diesen Beruf im Geheimen aus und findet für sich eine Balance zwischen Mitgefühl und Gerechtigkeit. Bis ein Mordfall dieses Gleichgewicht ins Wanken bringt und sich eine Kain-und-Abel-Geschichte um Liebe und Tod entspinnt …
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  • Miron Zownir & Nico Anfuso – Pommerenke: Ein True-Crime-Roman (Hardcover, September 2017 – CulturBooks Verlag – 978-3959880237)
  • Inhalt: Er war „das Ungeheuer vom Schwarzwald“: Der Serienmörder Heinrich Pommerenke (1937 – 2008) versetzte im Jahr 1959 eine ganze Region in Angst und Schrecken und beging eine unvergleichliche Serie von mehr als sechzig Überfällen, Gewaltverbrechen, Vergewaltigungen und Morden. Anfang unseres Jahrtausends besucht die junge Journalistin Billie den Verbrecher einige Male im Gefängnis, weil sie seine Biografie schreiben möchte. Das Ungeheuer ist nun ein alter Mann, aber noch immer ein Meister darin, Menschen zu manipulieren … Während der Beschäftigung mit Pommerenke und seinen Morden driftet Billie tatsächlich immer weiter in eine Wahnwelt ab. Ihre Recherchen werden immer atemloser, die grausamen Taten und die Überführung des Mörders werden Teil ihrer Realität. Das Leben des Serienmörders setzt sich langsam zusammen, das von Billie zerfällt.
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  • Aurélien Massons Paris Noir (Hardcover, Oktober 2017 – CulturBooks Verlag – 978-3865325914)
  • Inhalt: Spannendes literarisches Städteporträt: 12 Kurzgeschichten, 12 Blickwinkel, 12 Stadtviertel – und 12 faszinierende Teile eines größeren Puzzles. Ein spannendes Städteporträt und eine Entdeckungsreise durch die Kriminalliteratur Frankreichs.Mit Storys von Salim Bachi, Didier Daeninckx, DOA, Jérôme Leroy, Dominique Mainard, Laurent Martin, Christoph Mercier, Patrick Pécherot, Chantal Pelletier, Jean-Bernard Pouy, Hervé Prudon und Mark Villard. Herausgegeben von Aurélien Masson. »Paris Noir« führt den Leser mit 12 exklusiven Storys durch die Banlieues und das mittelalterliche Zentrum der Stadt mit seinen gewundenen Gassen, seinen Geistern und den tief in der Geschichte vergrabenen Geheimnissen. Mitten hinein in Kriminalität, Schießereien, verwickelte Affären und zerstörte Träume – denn Paris ist nicht nur die Stadt der Liebe …
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© CulturBooks

  • Volker Kutscher (Illustriert von Kat Menschik) – Moabit (Hardcover, Oktober 2017 – Galiani-Berlin – 978-3895814525)
  • Inhalt: Wen fasziniert sie nicht? Charly Ritter, die große Liebe von Kriminalkommissar Gereon Rath, die ihren eigenen Kopf hat, so charmant wie neugierig ist und ein Geheimnis in sich zu tragen scheint. In »Moabit« lernen wir Charly kennen, als sie noch Lotte heißt und bei ihren Eltern wohnt, in einer Beamtenwohnung am Zellengefängnis Moabit. Gerade hat sie das Abitur im Kleistlyzeum geschafft, und dies, obwohl sie aus einfachen Verhältnissen stammt. Ihre frisch errungene Freiheit genießt Lotte vor allem nachts, bei heimlichen Eskapaden mit ihrer Freundin Greta durch die Tanzlokale Berlins. Tagsüber lernt sie Schreibmaschine und Stenografie, denn eins ist klar: Ihr Studium wird sie sich selbst finanzieren müssen. Charlottes Vater ist Gefängniswärter – ein einfacher, ehrlicher Mann. Doch seine Ansprüche an seinen Augenstern Lotte in puncto Bildung, Ehre und Anstand sind hoch. Und Lotte ist ein Vaterkind. Kein Wunder, dass es nicht spurlos an ihr vorübergeht, als ihr Vater eines Tages in ein brutales Attentat im Moabiter Gefängnis verwickelt wird. Ein Vorfall, der Charlottes weiteres Leben prägt und der aus Lotte letzten Endes Charly macht.
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© Galiani-Berlin

  • Szczepan Twardoch – Der Boxer (Hardcover, Januar 2018 – Rowohlt Berlin – 978-3946503064)
  • Inhalt: Jakub Shapiro ist ein hoffnungsvoller junger Boxer und überhaupt sehr talentiert. Das erkennt auch der mächtige Warschauer Unterweltpate Kaplica, der Shapiro zu seinem Vertrauten macht. Doch rechte Putschpläne gegen die polnische Regierung bringen das Imperium Kaplicas in Bedrängnis; er kommt in Haft, als ihm ein politischer Mord angehängt wird. Im Schatten dieser Ereignisse bricht ein regelrechter Krieg der Unterwelt los. Jakub Shapiro muss die Dinge in die Hand nehmen: Er geht gegen Feinde wie Verräter vor, beginnt – aus Leidenschaft und Kalkül – eine fatale Affäre mit der Tochter des Staatsanwalts, muss zugleich seine Frau und Kinder vor dem anschwellenden Hass schützen – und nimmt immer mehr die Rolle des Paten ein.
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© Rowohlt Berlin

  • John Burnside – Ashland & Vine (Hardcover, September 2017 – Albrecht Knaus Verlag – 978-3813504613)
  • Inhalt: Saint Louis, Missouri, 1935: Mit dem Mord an ihrem Vater, Rechtsanwalt und Gegner der Rassentrennung, endet jäh die behütete Kindheit der achtjährigen Jean Louise und ihres Bruders Jem. In der Lebensgeschichte der beiden Geschwister spiegeln sich die politischen Entwicklungen, die in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts Amerika tief gespalten haben: von der Kommunistenhatz der McCarthy-Ära über die erstarkende Bürgerrechtsbewegung zur Black Panther Party, Vietnam und dem Kalten Krieg. Als der Traum von einer gerechten Welt in immer weitere Ferne rückt, zieht sich Jean Louise in die Einsamkeit zurück. Bis eines Tages eine junge, alkoholkranke Frau vor ihrer Tür steht und ihre Hilfe braucht.
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© Albrecht Knaus

  • Thomas Reverdy – Es war einmal eine Stadt (Hardcover, Oktober 2017 – Berlin Verlag – 978-3827013453)
  • Inhalt: Der Traum des grenzenlosen Kapitalismus, der Traum von Reichtum und Fortschritt, ist im September 2008 endgültig geplatzt. Das gilt für Eugène, den gescheiterten Manager genau wie für die Stadt, in die man ihn geschickt hat: Detroit – einst das Herz der aufstrebenden Industrienation USA – jetzt nur noch Rost und Ruinen. Hier kreuzt Eugènes Weg den von Charlie, einem Zwölfjährigen, der sich auf die falschen Freunde eingelassen hat. Er trifft Gloria, Charlies Großmutter, die Himmel und Hölle in Bewegung setzt, um den mittlerweile verschwundenen Jungen wiederzufinden. Außerdem Lieutenant Brown, dessen Job es ist, solche Kinder zu suchen. Und dann noch Candice, die Kellnerin mit dem »strahlenden, roten Lächeln«. Raffiniert spielt Thomas Reverdy mit Versatzstücken des Noir-Genres, um das Ende einer lange gültigen Vorstellung der Moderne in Moll zu besingen.
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© Berlin

 

+++ Der Vorschau-Ticker – Frühjahr/Herbst 2017 – Teil 1 +++

Jetzt noch ein Vorschau-Ticker? Ernsthaft? Ja, bin spät dran dieses Mal, keine Frage. Dennoch hoffe ich kurz vor Toreschluss noch den ein oder anderen Titel gefunden zu haben, der vielleicht noch nicht in eurem Fokus war oder nun bei näherer Betrachtung den Weg auf euren Merkzettel findet. Und falls nicht, so bleiben die kommenden Bücher in jedem Fall in meinem ganz persönlichen Blickfeld. Verbunden mit der Hoffnung, bei ausreichend verschafften Platz im Bücherregal und mehr Zeit zum Lesen, diese dann auch irgendwann mal schmökernd in den Händen zu halten.

Und nun zum Thema: „Mysterium“ von Axat wird, bis zum Aufklappen des Buchdeckels, sicherlich eins bleiben, tönt allerdings äußerst vielversprechend. Vergleiche mit Hitchcock und „Shutter Island“ mögen letztendlich hochgegriffen sein, machen aber nichtsdestotrotz neugierig. Außerdem habe ich seit Guillermo Orsi und Raúl Argemí ein Faible für argentinische Kriminalliteratur. Bin hier auch mal gespannt, wie die ersten Kritiken ausfallen werden.

Über George P. Pelecanos muss man in Krimi-Kreisen eigentlich keine großen Worte verlieren. Und wem der Name bis dato nichts sagt, dem sei eindringlich sein großartiges D.C. Quartet ans Herz gelegt. Wurde (bis auf den Abschluss „Shame the Devil„) erst vor ein paar Jahren bei Dumont nochmal neu aufgelegt. – „Hard Revolution“ gehört allerdings nicht dazu, sondern ist der vierte Band der „Derek-Strange-und-Terry-Quinn“-Reihe (der dritte ist meines Wissens bis dato unübersetzt geblieben – korrigiert mich, wenn ich falsch liege), aus der ich persönlich nur „Schuss ins Schwarze“ kenne. Und wenn der neue Band ein ähnliches Niveau erreichen sollte, sind die 24 Euro gut angelegt. Überhaupt finde ich es klasse, dass ars vivendi hinsichtlich Hardboiled dauerhaft ernst zu machen scheint. Hoffentlich wird es dementsprechend honoriert.

Apropos ernst machen. Einen Monat vor „Hard Revolution“ kommt Bernd Ohms „Das Schattenkorps“ in die Buchläden, ebenfalls von ars vivendi und ebenfalls in den 60ern angesiedelt, wenngleich es vom Inhalt her dann doch eher nach einer Mischung aus John Le Carré und Alistair MacLean klingt. Wenn sich Ohm in Punkto Qualität an „Agenten sterben einsam“ aus der Feder des letzteren Autors orientiert hat, dürfte auch dieser Schmöker kurzweilige Unterhaltung bieten. … Und ich überlege trotzdem immer noch, woher mir das Cover so bekannt vorkommt.

Charles Willefords „Hahnenkampf“ ist die Neuauflage eines bereits 1990 unter gleichnamigen Titel bei Ullstein veröffentlichten Buches und erscheint nun in neuer Übersetzung plus dem bis dato nicht ins Deutsche übertragenen „Cockfighter“-Tagebuch. Ein Vorwort von James Lee Burke rundet diese herrliche Ausgabe ab. Für mich ein absoluter Muss-Kauf.

Das ist „Corruption“ von Don Winslow nicht unbedingt. Zu sehr hat er mir nach „Tage der Toten“ geschwächelt bzw. sich dem Mainstream-Geschmiere angedient. Da mit „Das Kartell“ die Formkurve aber zuletzt wieder etwas nach oben gezeigt hat, werde ihm hier wohl nochmal eine Chance geben.

Und damit bin ich mit dem ersten Teil des Vorschau-Tickers durch. Ich hoffe, ich werde in den kommenden Tagen noch den ein oder anderen folgen lassen können.

Welcher Titel spricht euch besonders an oder ist gar schon vorbestellt?

  • Federico Axat – Mysterium (Hardcover, Februar 2017 – Atrium Verlag – 978-3855350063)
  • Inhalt: Der Thriller-Bestseller aus Argentinien wurde zum internationalen Phänomen und erscheint in 35 Ländern. Als der erfolgreiche und todkranke Geschäftsmanns Ted McKay beschließt, sich selbst das Leben zu nehmen, bekommt er Besuch von einem Fremden, der ihn überredet, einen Mord zu begehen. Er willigt ein – und findet heraus, dass ihm sein Auftraggeber etwas Wichtiges verschweigt. Ted beschließt, die ihm verbleibende Zeit zu nutzen, um das Geheimnis des Fremden zu ergründen. Doch wie kann man die Wahrheit finden, wenn die eigene Welt eine einzige Lüge ist?
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(c) Atrium

  • George P. Pelecanos – Hard Revolution (Hardcover, Mai 2017 – ars vivendi Verlag – 978-3869137667)
  • Inhalt: Washington, D. C., 1968: Der junge schwarze Polizist Derek Strange fährt bei der Metropolitan Police mit seinem weißen Partner Streife, während sich die Atmosphäre in der Stadt immer weiter aufheizt: die Bürgerrechtsbewegung und der Marsch der Armen, die traumatisierten Rückkehrer aus Vietnam, Sex, Soul, Drogen, Morde, Unruhen und Rassismus. Inmitten dieser explosiven Gemengelage entspinnt sich ein tödliches Drama: Drei Weiße planen einen Banküberfall und ermorden einen Schwarzen, auch Dereks Bruder Dennis wird umgebracht – und in Memphis wird ein Attentat auf Martin Luther King verübt. Für Derek Strange, seine Freunde und seine Feinde ist nichts wie zuvor. Wer ist gut, wer böse – und wem kann man noch vertrauen? Die alten Kategorien gelten nicht mehr, die Welt ist komplex geworden.
    Und die Revolution hat gerade erst begonnen …
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(c) ars vivendi

  • Bernd Ohm – Das Schattenkorps (Hardcover, April 2017 – ars vivendi Verlag – 978-3869137643)
  • Inhalt: Hans Barkhusen hat viel verloren: die Zukunft, die ihm im »Dritten Reich« offenstand, den Kampf gegen den Kommunismus, den Anschluss an das bürgerliche Leben. Nach dem Krieg von den Briten für eine geheime Kampftruppe angeworben, arbeitet er 1962 desillusioniert als Taucher und hofft darauf, das vom Atomkrieg bedrohte Europa zu verlassen. Als er für die Suche nach dem sagenumwobenen »Rommel-Schatz« angeheuert wird, glaubt er zunächst an einen schlechten Scherz. Aber dann taucht plötzlich sein alter Agentenführer auf, und Hans erhält einen neuen Auftrag, der ihn von Hamburger Hafenkais und einsamen Heideforsten in die Sonne Italiens führt, wo die Jagd nach dem Schatz im Dickicht der Geheimdienstintrigen und internationalen Verschwörungen immer rasanter wird, bis schließlich der Friede der Welt selbst auf dem Spiel steht …
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(c) ars vivendi

  • Charles Willeford – Hahnenkampf (Hardcover, März 2017 – Alexander Verlag – 978-3895814402)
  • Inhalt: Ein Mann muss sein Versprechen halten. Daran glaubt Frank Mansfield, einer der besten Hahnenkämpfer des amerikanischen Südens. Deshalb will er nicht mehr sprechen, bis er mit dem höchsten Preis für Hahnenkämpfer ausgezeichnet wird. Alles steht für ihn auf dem Spiel: seine Stimme, seine Existenz, die Liebe zu einer Frau und nicht zuletzt seine Ehre. Wird er gewinnen? (Klappentext der alten Ullstein-Ausgabe)
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(c) Alexander Verlag

  • Don Winslow – Corruption (Hardcover, Juni 2017 – Droemer Verlag – 978-3426281680)
  • Inhalt: In den Straßenschluchten von New York lässt der internationale Star-Autor Don Winslow ein alptraumhaft realistisches Szenario von Drogen, Menschenhandel, Mord entstehen. Er zeichnet die todbringende Allianz von staatlichen Stellen und organisiertem Verbrechen: Sie sehen sich als Elitetruppe der Polizei, eine verschworene Einheit, ausgestattet mit weitreichenden technischen und rechtlichen Möglichkeiten. Gemeinsam sollen sie für Ruhe und Ordnung in ihrem Revier sorgen, dem nördlichen Manhattan. Und genau das tun sie. Hier gelten ihre Spielregeln, hier geschieht nichts ohne ihr Wissen. Doch die Truppe ist extremem Stress ebenso ausgesetzt wie extremen Risiken … und extremen Verlockungen …
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(c) Droemer Knaur

 

 

+++ Der Vorschau-Ticker – Winter/Frühjahr 2016/2017 – Teil 5 +++

Jedes halbe Jahr geht mir beim Sichten der Verlagsvorschauen derselbe Gedanke durch den Kopf: „Diesmal sind aber nicht so viele interessante Bücher dabei.“ Bis mir dann aufgeht, dass ich dieses und jenes Verlagshaus wieder mal komplett vergessen habe. Und die anfänglich übersichtliche Liste wächst dann doch wieder langsam und stetig zu einem mehrseitigen Wunschzettel an, bei dem sich beinahe ein Besuch beim Buchbinder lohnen würde. Ein weiterer Grund, warum ich das Tempo hier etwas anziehen und den nächsten Vorschau-Ticker auf den Weg bringen muss. Wie versprochen dieses Mal wieder mit dem Hauptaugenmerk auf den weitläufigen Bereich des „Krimis“.

Den Anfang machen zwei Titel aus Frank Nowatzkis Verlag Pulp Master, der es seit Jahren immer wieder aufs Neue schafft, Autoren auszugraben, von denen man zumeist vorher nie etwas gehört hat und die doch jedes Mal auf ganzer Länge (und nicht selten in der Magengrube) einschlagen, so dass man sich unwillkürlich fragt: Verdammt, warum habe ich von dem eigentlich noch nie etwas gehört?  Franks goldenes Händchen für den besonderen „Hardboiled“ und „Pulp“ wird mir jedenfalls langsam unheimlich, denn auch die kommenden Titel hören sich stark danach, als müsste ich sie kaufen und lesen.

Mit „Hitze“ erscheint nach längerer Durststrecke endlich wieder ein Roman aus der „Wyatt“-Reihe. Das allein ist Kaufargument genug. Und wer die Reihe noch nicht kennt, sollte dies spätestens jetzt dringend nachholen, denn der australische „Parker“ ist immer eine Lektüre wert. Les Edgerton dagegen ist für mich bis jetzt ein unbeschriebenes Blatt. In diesem Juni soll bei Pulp Master mit „Der Vergewaltiger“ der erste Titel in deutscher Übersetzung erscheinen. Und wie bei diesem, so scheinen auch in „Primat des Überlebens“ Knackis eine größere Rolle zu spielen. Knast, Gangster, Lug und Betrug. Klingt großartig, klingt genau nach der Art schroff-kantiger Literatur, die ich gern lese. Die Veröffentlichungstermine sind allerdings – wie immer bei Pulp Master – mit Vorsicht zu genießen. Nowatzki nimmt sich bei seinem Ein-Mann-Projekt die Zeit, die er braucht. Und wie heißt es so schön: Gut Ding muss Weile haben.

Mit „No one rides free“ von Larry Beinhart feiert ein alter Bekannter (früher bei Rowohlt) sein Comeback auf dem deutschen Buchmarkt, was mich wiederum sehr freut. Wenngleich ich verwundert bin, dass Emons für die Wiederveröffentlichung unter dem originalen Titel verantwortlich zeichnet. Sonst eher für regionale Krimis ausgelegt, scheint man unter dem Schlagwort „Emons: Vintage Crime“ – so zumindest lässt der Name vermuten – nun auch ältere Krimi-Titel (Andrew Vachss, Derek Raymond und Stephen Greenleaf, wenn ich bitten darf!) ins Blickfeld zu nehmen. Überhaupt sieht es derzeit nach einer Retro-Welle aus: George V. Higgins, Donald E. Westlake, Lawrence Block und natürlich James Lee Burke. Die „alte Garde“ mischt seit ein paar Jahren wieder ordentlich im Krimi-Becken mit. Gut und weiter so!

Nun kommen zwei Titel, bei denen mir das Warten auf die Veröffentlichung noch schwerer fallen wird. „Zeit der Finsternis“ von Malla Nunn ist ein absoluter Muss-Kauf. Ihre Cooper-Serie im Südafrika der 50er Jahre gehört meines Erachtens zum Besten was der „Hardboiled“ derzeit bietet. Man kann der Autorin nur wünschen, dass sie hierzulande so viele Leser wie möglich findet, damit Argument/Ariadne – wie schon bei Manotti – am Drücker bleibt bzw. bleiben kann. Da ist sie jedenfalls in allerbesten Händen.

Auf die Übersetzung von Tom Boumans „Auf der Jagd“ hatte ich die ganze Zeit gehofft. Nicht nur weil der Autor aktueller Edgar-Award-Preisträger ist, sondern die bisherigen Kritiken in Verbund mit der Inhaltsbeschreibung große Krimi-Literatur erwarten lassen. Lassen wir uns überraschen, ob das Buch den Vorschusslorbeeren gerecht wird. Ich freue mich in jedem Fall drauf!

Und welcher Titel regt euer Interesse an?

  • Garry Disher – Hitze (Taschenbuch, Juni 2017 – Pulp Master – 978-3927734951)
  • Inhalt: Wyatt sondiert mal wieder die Möglichkeiten. Eine Bank wäre toll oder ein Geldtransporter. Doch soll er sich deswegen mit dreisten, jungen Idioten und
    Meth-Köpfen einlassen? So groß ist seine Verzweiflung dann doch nicht, zumal ihm ein Broker in Queensland einen One-Man-Job anbietet. Ein flämisches Gemälde aus dem 16. Jahrhundert – von den Nazis während des Zweiten Weltkriegs erbeutet – sei
    im Erholungsort Noosa, in der sengenden Hitze der Sunshine Coast im Haus eines Pädophilen aufgetaucht und eine israelische Auftraggeberin biete viel Geld dafür. Ganz nach Wyatts Geschmack, denn er kann den Coup in Eigenregie ausbaldowern …
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(c) Pulp Master

  • Les Edgerton – Primat des Überlebens (Taschenbuch, November 2017 – Pulp Master – 978-3927734937)
  • Inhalt: Jake Bishop ist voll resozialisiert und träumt gemeinsam mit seiner Frau Paris den amerikanischen Traum, der sich als eigener Friseursalon materialisieren soll. Doch seine kriminelle Vergangenheit holt Bishop ein, und zwar in Gestalt seines ehemaligen Zellenkumpels Walker, der ihm im Knast das Leben rettete und nun, frisch entlassen, im Gegenzug etwas Starthilfe einfordert. Sich des über seinem Kopfe schwebenden Damoklesschwertes bewusst – einer bei der nächsten Verurteilung anstehenden lebenslangen Haftstrafe –, lehnt Jake entschlossen ab. Doch der Auftraggeber im Hintergrund hat Jakes Schwachstelle längst ausgemacht und zwingt ihn, den Einbruch bei einem lokalen Juwelier durchzuziehen …
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(c) Pulp Master

  • Larry Beinhart – No one rides free (Broschiert, Januar 2017 -Emons – 978-3954517718)
  • Inhalt: Privatdetektiv Tony Cassella soll die Aussage eines Anwalts aufnehmen, der über die miesen Machenschaften seines eigenen Berufsstands auspacken will. Doch dazu kommt es nicht, denn der Mann liegt tot auf einem Parkplatz. Tony muss die Lügen der Vergangenheit aufdecken und die ehrenwerten Männer, die jeden Preis zu zahlen bereit sind, um die Vergangenheit ruhen zu lassen, aus dem von ihnen bevorzugten Halbdunkel ans Licht der Öffentlichkeit zerren.
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(c) emons

  • Malla Nunn – Zeit der Finsternis (Broschiert, September 2016 – Ariadne/Argument – 978-3867542173)
  • Inhalt: Im zutiefst korrupten Apartheidstaat Südafrika geht das Jahr 1953 zu Ende. Fünf Tage vor Weihnachten wird im Johannesburger Villenviertel ein weißes Ehepaar überfallen und bewusstlos geprügelt. Dann verschwinden die Täter mit dem neuen Automobil der Familie Brewer. Die fünfzehnjährige Tochter Cassie hatte sich versteckt und blieb unversehrt. Der Vater erliegt noch in derselben Nacht seinen Verletzungen. Detective Sergeant Emmanuel Cooper hat sich nach Johannesburg versetzen lassen, um hier mit seiner heimlichen Familie ein Doppelleben zu führen, von dem keiner seiner Kollegen etwas ahnen darf, schon gar nicht sein argwöhnischer Vorgesetzter Lieutenant Walter Mason. Andernfalls droht Cooper Berufsverbot und Gefängnis, ganz zu schweigen von den Repressalien, die seine farbige Frau und ihre kleine Tochter zu erwarten hätten: Die assentrennungsgesetze sind gnadenlos. Er muss also extrem behutsam lavieren.Die traumatisierte Cassie Brewer sagt aus, für die Bluttat seien zwei Zulu-Jungs verantwortlich, die auf die Förderschule in Sophiatown gehen und von ihrem Vater zum Dinner eingeladen wurden. Zu Coopers Entsetzen ist einer davon Aaron Shabalala, der jüngste Sohn seines besten Freundes und Ermittlungskollegen Detective Constable Samuel Shabalala. Undenkbar! Als das vermisste Auto­mobil fast unversehrt im Slum von Sophiatown gefunden wird, im Kofferraum zusätzliches Belastungsmaterial gegen Aaron Shabalala, schwant Cooper, dass jemand den Jungen als Sündenbock benutzt. Dann zieht Lieutenant Mason ihn von der Ermittlung ab, schickt ihn vorzeitig in Urlaub. Cooper kann jetzt nur noch inoffiziell weitermachen, ein gewagtes Spiel, zumal offenbar jemand Mächtiges die Fäden in der Hand hält. Aber das ist er Shabalala schuldig – und seinem eigenen Gewissen.
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(c) Ariadne/Argument

  • Tom Bouman – Auf der Jagd (Hardcover, Januar 2017 – ars vivendi – 978-3867542173)
  • Inhalt: „In der Nacht, bevor wir die Leiche fanden, konnte ich nicht schlafen.“ So beginnt die Geschichte des US-Dorfpolizisten Henry Farrell, Ex-Somalia-Kämpfer und Witwer, der sich auf einen gemütlichen Job in den gottverlassenen Wäldern im Nordwesten von Pennsylvania eingerichtet hat – und dort eine ganze Weile nicht zum Schlafen kommen wird. Die Einheimischen, dickschädelige, traditionsbewusste Nachkommen irischer Einwanderer, ernähren sich mehr schlecht als recht von dem, was das Land hergibt, ignorieren die Staatsmacht und pflegen ihre Waffen. Doch die Gemeinschaft wird nicht nur von mexikanischen Drogenkartellen und verborgenen Crystal-Meth-Küchen bedroht: Ein Fracking-Unternehmen setzt alles daran, die örtlichen Schiefergasvorkommen auszubeuten und lockt mit viel Geld für Grundstücke. Als einer der Einsiedler eine Leiche auf seinem Land findet, beginnt für Henry Farrell die Jagd nach dem Killer …
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(c) ars vivendi