Ich bin dann mal weg …

Edinburgh isn’t so much a city, more a way of life… I doubt I’ll ever tire of exploring Edinburgh, on foot or in print.” – Ian Rankin

Richtig, Mr. Rankin. Und genau weil das so ist, werden auch wir uns in Kürze wieder auf den Luftweg zur schottischen Ostküste machen, um ein paar Tage mit Freunden durch die Closes zu schlendern und Zeit in den Pubs von Edinburgh zu verbringen. Wie sehr mir diese Stadt mittlerweile ans Herz gewachsen ist, weiß jeder, der diesem Blog öfter einen Besuch abstattet. Und so werde ich natürlich auch dieses Mal versuchen, jede einzelne Sekunde auszukosten und viele Eindrücke mitzunehmen.

Während ich auf dem Arthurs Seat herumkraxle, die heiligen Hallen von Rosslyn Chapel erkunde und mir zwei, drei Pints Deuchars in der Oxford Bar hinter die Binde kippe, wird sich naturgemäß in der kriminellen Gasse ein paar Tage lang nichts tun. So kehrt – nach einer weiteren Rezension morgen – hier tatsächlich mal eine geplante (!) Ruhe ein. :-)

Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende und freue mich darauf, euch Ende nächster Woche wiederzusehen.

Liebe Grüße

Euer Stefan

P.S. – Meinen Reisebericht aus dem letzten Jahr hoffe ich noch fortführen zu können. Da ist einfach zu viel Tolles noch unerzählt geblieben.

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+++ Vorschau-Ticker „Non-Crime“ – Winter 2019/Frühjahr 2020 – Teil 2 +++

Mit dem zweiten Teil unseres Tickers zur Belletristik beenden wir die Auslese der aktuellen Verlagsvorschauen, welche auf den letzten Metern noch ein paar verheißungsvolle Titel zutage fördern konnte. Natürlich hat auch diese Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit – den oder anderen Roman wird man im Laufe der Monate dank des Feuilletons oder anderer Blogs sicher noch entdecken – gibt aber vielleicht einen hilfreichen Querschnitt durch die Verlagshäuser. Diesmal u.a. dabei sind Insel, weissbooks, Harper Collins, Heyne Encore und der Kampa Verlag. Besonders Letzterer hat mich diesmal mit einem Buch hellhörig werden lassen, das auch einer gewissen Weingenießerin aus Hamburg eventuell zusagen könnte. ;-)

Wie schaut es bei euch aus? Ist etwas dabei, was euer Interesse weckt?

  • Breece D’J Pancake – Liebe ist Nuttengerede
    • Hardcover, August 2019, weissbooks Verlag, 978-3863371791, 216 Seiten, 18,00 €
    • Crimealley-Prognose: Chuck Palahniuk, Kurt Vonnegut und Andre Dubus III bezeichnen ihn bis heute als literarisches Vorbild. Und in seiner kurzen schriftstellerischen Karriere verglich man seinen Stil u.a. mit dem von Ernest Hemingway. Als er sich mit 27 Jahren selbst richtete, löste die Tat in den USA große Bestürzung aus. Hierzulande ist sein Name kaum mehr ein Begriff, was eine Schande ist, denn Pancakes Kurzgeschichten gehören zum ehrlichsten, kompromisslosesten und aber auch gefühlvollsten, was ich in meinem Leben zu lesen die Ehre hat. Umso mehr freut es mich, dass der weissbooks Verlag diesen Erzählband nun nochmal neu auflegt (war dort bereits vor einiger Zeit unter dem Titel Stories erschienen). Ich kann nur jedem Liebhaber großer Literatur zum Kauf dieses Buch raten. 18 Euro lassen sich kaum besser investieren.
  • Susan Fletcher – Das Geheimnis von Shadowbrook
    • Hardcover, Oktober 2019, Insel Verlag, 978-3458178163, 400 Seiten, 22,00 €
    • Crimealley-Prognose: Ich muss zugeben: Susan Fletcher war mir bis dato kein Begriff und wäre wohl aufgrund ihrer vorherigen Werke auch keiner geworden, welche mich thematisch eher so gar nicht ansprechen. Ganz anders nun Das Geheimnis von Shadowbrook. Die Geschichte um einen verlassenen, von Spuk heimgesuchten Landsitz, in dem eine junge Frau im Jahr 1914 ein exotisches Gewächshaus aufbauen soll, birgt genau diese Art von Stimmung in sich, welche ich vom feinziselierten Grusel des klassischen Schauerromans erwarte. Ob Fletcher hier in Blackwoods oder Mauriers Fußstapfen wandelt, muss man abwarten. Großes Interesse meinerseits ist in jedem Fall geweckt.
  • Petina Gappah – Aus der Dunkelheit strahlendes Licht
    • Hardcover, August 2019, S. Fischer Verlag, 978-3103974492, 464 Seiten, 24,00 €
    • Crimealley-Prognose: Die Entdeckung des Nils – und in diesem Zusammenhang besonders die Reisen des schottischen Missionars und Afrikaforschers David Livingstone – faszinieren mich, seit dem ich das erste Mal in jungen Jahren von ihnen gehört habe. Eine Faszination, die ich augenscheinlich mit Petina Gappah teile, welche in ihrem Roman in das Jahr 1873 zurückkehrt und die beschwerliche Rückreise der Expedition mit Livingstones Leichnam beschreibt. Dieser Ausflug ins Herz von Schwarzafrika verspricht auch aufgrund der ungewöhnlichen Hauptfigur, einer scharfzüngigen Köchin, Abenteuer und Humor im Stile von Boyles Wassermusik. Wird definitiv in mein Regal wandern.
  • Tot Taylor – The Story of John Nightly
    • Hardcover, September 2019, Heyne Encore Verlag, 978-3453272101, 1024 Seiten, 28,00 €
    • Crimealley-Prognose: Ich muss gestehen: Mit Musik-Romanen oder literarischen Biopics über Sänger oder Bands tue ich mich seit jeher schwer. Das Musikalische zu verschriftlichen, es funktioniert – zumindest für mich – meist eher schlecht als recht, was aber auch daran liegen mag, dass ich das richtige Buch noch nicht in den Händen hatte. The Story of John Nightly (ein fiktiver Songwriter) könnte das vielleicht ändern. Die Geschichte, welche uns von London in den 60ern über L.A. nach Cornwall führt, macht in jedem Fall sehr neugierig. Andererseits: 1024 Seiten sind eine Hausnummer für jemanden, der kaum noch Zeit zum Schmökern findet. Mal schauen.
  • Peter Keglevic – Wolfsegg
    • Hardcover, August 2019, Harper Collins Verlag, 978-3328600985, 320 Seiten, 20,00 €
    • Crimealley-Prognose: Alttestamentarische Wucht. Enges, abgelegenes Bergtal. Missbrauch, Betrug, Mord. Das klingt ein bisschen nach Winters Knochen in den Alpen, zumal auch in diesem Roman ein 15-jähriges Mädchen im Mittelpunkt steht, das plötzlich die komplette Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister übernehmen muss. Von Keglevic hatte ich bisher noch nichts gelesen. Das wird sich mit Wolfsegg sicherlich ändern.
  • Sonja M. Schultz – Hundesohn
    • Hardcover, August 2019, Kampa Verlag, 978-3311100133, 320 Seiten, 22,00 €
    • Crimealley-Prognose: Fast, aber gottseidank nur fast, habe ich Hundesohn übersehen, was, da lehne ich mich jetzt einfach mal aus dem Fenster, sicher ein Fehler gewesen wäre, denn die Geschichte um einen Ex-Knacki, der im Jahr 1989 von seiner Vergangenheit eingeholt wird, liest sich schon in der Kurzbeschreibung sooo vielversprechend. Kiez, Milieu, St. Pauli in den 60ern, Provinz- und Hafenkneipen, Reue, Schuld, Sühne und alte Liebe. Das birgt soviel Potenzial für einen Debütroman, auf den ich mich bereits jetzt schon freue.
  • Rebecca Wait – Das Vermächtnis unsrer Väter
    • Hardcover, September 2019, Kein & Aber, 978-3036958088, 320 Seiten, 22,00 €
    • Crimealley-Prognose: Ein grausames Verbrechen in einer kleinen Gemeinde auf den schottischen Hebriden. Und ein Betroffener, der nach Jahren zurückkehrt und sich mit der düsteren Vorgeschichte seiner Familie auseinandersetzt. ‚Nuff said. Genau die Art (hoffentlich) atmosphärischer, eindringlicher Literatur, welche ich bevorzuge.
  • Mick Kitson – Sal
    • Hardcover, August 2019, Kiepenheuer & Witsch Verlag, 978-3462051407, 352 Seiten, 20,00 €
    • Crimealley-Prognose: Und gleich nochmal Schottland. Diesmal geht es aber in die Highlands, wo sich zwei Schwestern vor den Übergriffen ihres Stiefvaters verstecken. Die ältere, 13-jährige Sal, hat sich auf die Flucht und das Leben in der Wildnis lange vorbereitet und bekommt dort auch unerwartet Hilfe von der deutschen Einsiedlerin Ingrid. – Die raue Schönheit der schottischen Landschaft, die Liebe zwischen zwei Schwestern und der Kampf ums Überleben in der freien Natur. Wir planen für 2020 unseren Sommerurlaub im Norden Schottlands. Mit Sal bietet sich hier die erste Urlaubslektüre schon förmlich an.
  • Gøhril Gabrielsen – Die Einsamkeit der Seevögel
    • Hardcover, August 2019, Insel Verlag, 978-3458177807, 174 Seiten, 20,00 €
    • Crimealley-Prognose: Wortwörlich einsam wird es auch in Gøhril Gabrielsens Buch, in dem wir an der Seite einer Wissenschaftlerin im Winter nach Finnmark reisen, den äußersten Zipfel Norwegens. Dort möchte sie das Schwinden der Zugvögelpopulationen und die Klimaveränderungen untersuchen. Ganz allein, umgeben von Schnee und Sturm, wartet sie auf die Ankunft der Vögel und auf ihren Geliebten, der die Einsamkeit mit ihr teilen wollte. Das Warten wird zur Geduldsprobe, als sie beginnt seltsame Geräusche in der Hütte zu hören. Ist sie doch nicht allein? – Perfekte Ausgangslage für einem stimmungsvollen Roman, in dem die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit verschwimmen. Ich bin in jedem Fall angefixt.
  • Rebecca Gablé – Teufelskrone
    • Hardcover, August 2019, Bastei Lübbe Verlag, 978-3785726600,  928 Seiten, 28,00 €
    • Crimealley-Prognose: Alle zwei Jahre feiere ich einen besonderen Geburtstag, erwartet mich doch dort zwischen den Geschenken stets auch die neueste Rebecca Gablé. Wer sich, allen Unkenrufen über das inzwischen bis zum Brechreiz trivialisierte und vor allem romantisierte Genre des historischen Romans zum Trotz, einmal an ein Buch dieser Autorin gewagt hat, der wird meine Freude sicher nachvollziehen können. In diesem Jahr wird sie noch durch die Tatsache gesteigert, dass sie mit Teufelskrone zum Geschlecht der Waringhams zurückkehrt und sich (endlich!!!) der Epoche um John Ohneland annimmt. Wenn sie dabei auch nur annährend die Qualität der anderen Bände erreicht, erwarten uns wieder 928 Seiten geschichtliche Immersion auf allerhöchstem Niveau.

 

+++ Vorschau-Ticker „Non-Crime“ – Winter 2019/Frühjahr 2020 – Teil 1 +++

Nachdem ich bereits für den Kriminalroman meinen ganz persönlichen Blick in die nahe Zukunft geworfen habe, widmet sich die kriminelle Gasse diesmal dem breit gefächerten Feld der modernen Unterhaltungsliteratur. Und wie üblich hat sich die Liste auf beinahe magische Art und Weise einmal mehr gefüllt, denn auch im Bereich der Belletristik erwarten uns im kommenden Halbjahr gleich mehrere interessante Titel. Die ersten zehn kommen u.a. aus den Verlagshäusern Aufbau, btb, Hanser und Suhrkamp.

Sind da irgendwelche Bücher dabei, die auch euch Krimi-Fans da draußen interessieren könnten? Welchen Roman werdet ihr euch kaufen?

  • Louis Begley – Killer’s Choice
    • Hardcover, November 2019, Suhrkamp Verlag, 978-3518428795, 220 Seiten, 22,00 €
    • Crimealley-Prognose: Wenn man sich die Inhaltsbeschreibung des neuen Louis Begley so durchliest, hätte dem Buch wohl auch die Etikettierung Spannungsroman ganz gut gestanden. Der Autor greift hier den Faden von Ein Leben für ein Leben wieder auf. Abner Brown, sein alter Widersacher, ist inzwischen tot, doch jemand scheint sein Ableben rächen zu wollen. Und so gerät Ex-Marine und Bestsellerautor Jack Dana ins Visier eines Syndikats gewissenloser Gangster. Der Vorgänger ist an mir vorbeigegangen, doch ich bin angefixt genug, um diesen nachzuholen und auch Killer’s Choice ganz genau im Auge zu behalten.
  • David Diop – Nachts ist unser Blut schwarz
    • Hardcover, September 2019, Aufbau Verlag, 978-3351037918, 160 Seiten, 18,00 €
    • Crimealley-Prognose: Ein schwarzer Soldat, der an der Seite der Franzosen im Ersten Weltkrieg kämpft und angesichts des Grauens im Schützengraben langsam verroht und alle moralischen Grenzen über Bord wirft. Das ist sicherlich eine Geschichte mit Potenzial – und vor allem eine, die in dieser Konstellation sicher noch nie angegangen wurde. Ich bin in jedem Fall sehr angefixt und werde mir Diops Novelle sicher zulegen.
  • William Melvin Kelley – Ein anderer Takt
    • Hardcover, September 2019, Hoffmann und Campe Verlag, 978-3455006261, 304 Seiten, 22,00 €
    • Crimealley-Prognose: Ein wiederentdeckter Roman, der leider immer noch nichts von seiner Aktualität verloren hat. Im Jahr 1957 kommt es zu einem Aufstand der afroamerikanischen Bevölkerung im Südstaaten-Kaff Sutton. Aus der Revolte wird ein Exodus – und das von Weißen regierte Amerika, weiß nicht wie es regieren soll. Seit Steinbeck, Faulkner, O’Conner, Burke und Co. habe ich ein Faible für Literatur aus und über den Süden der USA. Im Fahrwasser von Underground Railroad sicherlich ein Buch, dass seine Leser finden dürfte.
  • Jonathan Lee – Freude
    • Taschenbuch, März 2020, btb Verlag, 978-3442718863, 380 Seiten, 10,00 €
    • Crimealley-Prognose: Auf Jonathan Lee bin ich erst durch seinen Roman High Dive aufmerksam geworden.  Der ehemalige Anwalt kehrt hier in seinem aktuellen Buch Freude in „sein“ Milieu zurück und erzählt die Geschichte eines mysteriösen Freitods in einer Londoner Anwaltskanzlei. Warum stürzte die erfolgreiche Juristin Joy Stephens 12 Meter tief und was bedeutet ihre Tat für die Menschen um sie herum? Die Antworten auf diese Fragen herauszufinden, könnte am Ende ein lohnenswerter literarischer Ausflug sein.
  • Phillip Lewis – Rückkehr nach Old Buckram
    • Hardcover, November 2019, btb Verlag, 978-3442758456, 450 Seiten, 20,00 €
    • Crimealley-Prognose: Lewis‘ Roman um eine späte Heimkehr in die blauen Berge von North Carolina vermittelt schon in seiner Inhaltsbeschreibung soviel Sehnsucht, dass ich mich unwillkürlich dazu bewogen fühle, selbst den Weg nach Old Buckram anzutreten. Nicht nur weil ich gute Landschaftsmalerei in einem Roman sehr zu schätzen weiß, sondern auch weil die Aufarbeitung der eigenen familiären Vergangenheit immer ganz besondere Geschichte zutage fördert.
  • Daniel Mason – Der Wintersoldat
    • Hardcover, Juli 2019, C.H. Beck Verlag, 978-3406739613, 430 Seiten, 24,00 €
    • Crimealley-Prognose: Auch in Der Wintersoldat bewegen wir uns wieder im Umfeld des Ersten Weltkriegs, diesmal im felsigen Gebiet der Karpaten, wo der Wiener Medizinstudent Lucius, welcher sich freiwillig zum Dienst gemeldet hat, gemeinsam mit einer jungen Nonne die vielen schwerverletzten Soldat von der Front versorgen muss. Einer davon soll alsbald wieder in den Kampf geschickt werden – und hier trifft Lucius eine verhängnisvolle Entscheidung. Mehr brauche ich nicht zu wissen, um zu entscheiden: Das Buch wird sicher gekauft.
  • Delia Owens – Der Gesang der Flusskrebse
    • Hardcover, Juli 2019, hanserblau, 978-3446264199, 464 Seiten, 22,00 €
    • Crimealley-Prognose: Delia Owens Debütroman wird zwar in der Vorschau recht zurückhaltend beworben, drückt aber in der Kurzbeschreibung genau die richtigen Knöpfe, um in meiner Auswahl zu landen. Das ruhige Küstenstädtchen, das Mädchen aus dem Marschland, ein mysteriöser Tod, die wilde Natur der Salzwiesen und Sanddünen – perfekte Zutaten für die Art archaischer Kriminalgeschichte, wie ich sie liebe.
  • Lauren Groff – Florida
    • Hardcover, Oktober 2019, Hanser Berlin Verlag, 978-3446264106, 320 Seiten, 23,00 €
    • Crimealley-Prognose: Kurzgeschichten über das wilde, schöne, gleißend helle Florida, über Zorn, Furcht und Einsamkeit zwischen den Glades und Miami. Nicht nur weil ich gerade aktuell literarisch wieder in Florida weile (Nick Stones Voodoo) – ein Buch, das sicher in der ganz, ganz engen Auswahl landet.
  • Peter Heller – Der Fluss
    • Hardcover, August 2019, Nagel & Kimche Verlag, 978-3312011346, 312 Seiten, 22,00 €
    • Crimealley-Prognose: Die von mir sehr geschätzte Andrea O’Brien hat auf ihrem Blog Krimiscout eine richtige Lobeshymne auf dieses Buch gesungen. Unabhängig davon, wäre ich aber wohl so oder so Feuer und Flamme gewesen. Thematisch geht es auch in diesem Roman wieder um den Mensch inmitten der Wildnis und die Kurzbeschreibung weckt bei mir mehr als nur eine Erinnerung an Dickeys Flussfahrt. Auf diese literarische Kanufahrt auf dem kanadischen Maskwa-River freue ich mich besonders.
  • Marlon James – Schwarzer Leopard, Roter Wolf
    • Hardcover, Oktober 2019, Heyne Hardcore Verlag, 978-3453272224,  960 Seiten, 28,00 €
    • Crimealley-Prognose: Wenn man sich die Rezensionen so durchliest, scheinen sich an diesem Fantasy-Epos, in dem Marlon James viele Elemente der afrikanischen Mythenwelt verarbeitet, die Geister zu scheiden. Der Auftakt einer Trilogie aus der Feder des geborenen Jamaikaners ist meinerseits ein Schuss ins Blaue. Oder besser gesagt ins Schwarze, denn Schwarzer Leopard, Roter Wolf verspricht nachtfinstere, rohe und mitunter brutale Literatur. Ob die letztlich nachhaltig wirkt oder nur auf Schockeffekt gebürstet wurde – ich werde mich wohl davon selbst überzeugen.

 

+++ Vorschau-Ticker „Crime“ – Winter 2019/Frühjahr 2020 – Teil 3 +++

Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. Und auch wenn der vorliegende Ticker keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt (eventuell entdecke ich den ein oder anderen Titel erst etwas später), so sollte ich doch nun einen Großteil der – in meinen Augen – verheißungsvollsten Krimis eingefangen haben. Die Chance, dass dabei möglichst viele der aufgeführten Bücher in meinem Regal landen werden, sind zudem recht hoch, denn bei Verlagen wie Pendragon, Ariadne oder Unionsverlag ist man eigentlich grundsätzlich immer auf der sicheren Seite.

Damit ohne weiteres Blabla zu meiner Auswahl. Wie immer freue ich mich auf eure Einschätzung der Liste. Wo schlägt euer Krimi-Herz höher? Und welche Titel habe ich bis jetzt vergessen (Immer gerne her mit den Tipps!)?

  • Giancarlo de Cataldo – Der Agent des Chaos
    • Hardcover, September 2019, Folio Verlag, 978-3852567686, 256 Seiten, 22,00 €
    • Crimealley-Prognose: Nach seiner (auch verfilmten) Mafia-Tetralogie und weiteren im Umfeld des organisierten Verbrechens (u.a. Suburra) angesiedelten Romanen, lässt Der Agent des Chaos mal wieder erfrischende Abwechslung erwarten. 60er Jahre, Woodstock, Auflehnung und Rebellion der Jugend. Und ein Agent Provocateur einer mysteriösen Organisation, welcher die Bewegung im Keim ersticken will. Dazu Sex, Rock ‚N Roll und Drogen. Könnte was werden und macht mich definitiv neugierig.
  • Chris Brookmyre – Dunkle Freunde
    • Taschenbuch, November 2019, Rowohlt Verlag, 978-3499274923, 480 Seiten, 13,00 €
    • Crimealley-Prognose: So regelmäßig wie die Bücher von Chris Brookmyre in Deutschland auf den Markt geworfen werden, so regelmäßig ignoriere ich sie seit Jahren auch. Und langsam stellt sich die Frage: Wieso eigentlich? Immerhin spielt auch Dunkle Freunde wieder mal im von mir geliebten Schottland und auch Protagonist Parlabane ist in Großbritannien längst eine feste Größe. Die Story um eine IT-Rebellin und eine Gruppe Hacker tönt zudem nicht unspannend. Vielleicht sollte ich mir daher endlich einen Ruck geben.
  • Jane Harper – Zu Staub
    • Broschiertes Taschenbuch, Juli 2019, Rowohlt Verlag, 978-3499000980, 384 Seiten, 16,00 €
    • Crimealley-Prognose: Nachdem der zweite Band der Aaron-Falk-Reihe ja doch mitunter zwiespältig aufgenommen wurde (ich habe ihn natürlich noch nicht gelesen), könnte Zu Staub jetzt die Tendenz festlegen, wo die Reise (qualitativ) in Zukunft hingeht. Mir gefällt Harpers trockene, harte und vor allem schnörkellose Sprache, welche die Einsamkeit des kochheißen Outbacks immer plastisch zum Leben erweckt. Ergo: Der dritte Falk wird sicher auch bei mir einziehen.
  • James Lee Burke – Mein Name ist Robicheaux
    • Broschiertes Taschenbuch, Oktober 2019, Pendragon Verlag, 978-3865326584, 464 Seiten, 20,00 €
    • Crimealley-Prognose: Auf der Liste der am heißesten erwarteten Krimi-Titel rangiert dieser ganz weit oben! Mit Mein Name ist Robicheaux bringt der Pendragon Verlag endlich wieder einen bis dato noch unübersetzten Band aus der Reihe um den gleichnamigen Ermittler. Für den absolut unfassbaren Fall, dass also jemand immer noch kein Buch von Großmeister Burke gelesen hat, hier nochmal der dringende Hinweis, dies jetzt unbedingt nachzuholen. Als Bonus gibt es zudem noch die Kurzgeschichte The Wild Side of Life oben drauf. Absoluter Muss-Kauf!
  • Kerstin Ehmer – Die schwarze Fee
    • Broschiertes Taschenbuch, August 2019, Pendragon Verlag, 978-3865326560, 376 Seiten, 18,00 €
    • Crimealley-Prognose: Sie war für mich eine DER Pendragon-Neuentdeckungen der letzten Jahre und hat dennoch meines Erachtens viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen. Der kleine Verlag aus Bielefeld bräuchte mal wieder einen Verkaufsschlager wie Borrmann. Ehmer hat dafür jegliches Format. Ich kann nur hoffen, dass ihrem zweiten Roman um Kommissar Spiro – an den ich ähnlich hohe Erwartungen habe – mehr Beachtung zuteil wird. Sowohl vom Feuilleton als auch von den Lesern.  An mir soll es jedenfalls nicht scheitern.
  • Chris Hammer – Outback – Fünf tödliche Schüsse
    • Broschiertes Taschenbuch, Juli 2019, Scherz Verlag, 978-3651025721, 496 Seiten, 14,99 €
    • Crimealley-Prognose: Nun ja, die britische und amerikanische Presse überschlägt sich auch bei diesem Thriller mit Superlativen. Und der Scherz Verlag tut das Seinige dazu, um ihn möglichst werbewirksam in Szene zu setzen. Das muss nichts heißen, stößt mir aber immer etwas bitter auf, wenngleich es am Ende wohl Erfolg zeitigen und das Buch Teil meines Regals werden wird. Auch weil die Story irgendwie nach einem Hackberry Holland im Outback klingt und einem nicht oft ein mehrfach mordender Pfarrer begegnet.
  • Gary Disher – Kaltes Licht
    • Hardcover, Juli 2019, Unionsverlag, 978-3293005501, 320 Seiten, 22,00 €
    • Crimealley-Prognose: Weniger Gedanken muss ich mir bei einem weiteren australischen Vertreter machen (Down Under nimmt in diesem Ticker irgendwie viel Platz ein). Gary Disher ist schon lange eine feste, verlässliche Größe. In Kaltes Licht wartet auf den Cold-Cases-Ermittler Alan Auhl eine im Garten vergrabene Leiche, an die sich so gar keiner der mürrischen Bewohner erinnern kann (oder will). Hört sich ein bisschen an wie Rebus in Australien. Und ähnlich wie Rankin, so hat mich auch Disher nie enttäuscht. Umso schöner, dass auch Pulp Master zwe weitere Titel des Autors in der Pipeline hat. Aber dazu mehr an anderer Stelle.
  • Denise Mina – Klare Sache
    • Hardcover, August 2019, Argument/Ariadne Verlag, 978-3867542425, 372 Seiten, 21,00 €
    • Crimealley-Prognose: Denise Mina und Ariadne. Da kommt endlich zusammen, was zusammengehört, denn auch wenn Heyne ja durchaus aktiv für die schottische Autorin geworben hat, irgendwie wollte sie für mich nicht recht in das Programm hineinpassen. Zumal der Klappentext oftmals eine Art Lektüre versprach, welche mit dem Inhalt wenig zu tun hatte, denn Mina steht eben nicht für den gehetzten Vollgas-Thriller, sondern – und das gibt die diesmalige (äußerst verlockende) Beschreibung von Klare Sache treffend wieder – für komplexe, tiefgründige Kriminalliteratur. Muss-Kauf.
  • Tawni O’Dell – Wenn Engel brennen
    • Hardcover, Juli 2019, Argument/Ariadne Verlag, 978-3867542395, 320 Seiten, 21,00 €
    • Crimealley-Prognose: Geisterstädte im ländlichen Pennsylvania. Verwüstete Landstriche. Rednecks. Milieu-Noir. Genug Schlagworte im Klappentext, um die mir bis dato unbekannte Autorin O’Dell nicht nur auf den Merkzettel zu packen, sondern da auch nach ganz weit oben zu schieben. Das könnte – das gute Näschen für außergewöhnliche Literatur von Ariadne im Hinterkopf – ein echter Kracher werden.
  • Dan Kavanagh – Duffy
    • Broschiertes Taschenbuch, August 2019, Kampa Verlag, 978-3311125013,  240 Seiten, 16,90 €
    • Crimealley-Prognose: Die Duffy-Reihe um den gleichnamigen Londoner Private-Eye (in der Tradition von Spade und Marlowe) hatte ich in der Vergangenheit immer mal auf dem Schirm und dann doch wieder Abstand von ihr genommen, da es sich bei Dan Kavanagh um das Pseudonym von Julian Barnes handelt. Und dessen belletristische Werke und ich – nun wir werden wohl in diesem Leben keine Freunde mehr. Aber vielleicht liegen mir seine Krimis ja mehr. Die Wiederentdeckung durch Kampa werde ich daher als Anlass nehmen, Barnes eine weitere, letzte Chance zu geben.
  • Georges Simenon – Die Fantome des Hutmachers
    • Hardcover, August 2019, Kampa Verlag, 978-3311134206, 272 Seiten, 22,90 €
    • Crimealley-Prognose: Auch bei Kampa erscheint diese Neuauflage des früher bei Diogenes veröffentlichten Simenon-Titels. Ein Autor, dessen Maigret-Romane ich sehr schätze und der dennoch zu Lebzeiten zu fleißig war, um überhaupt nur einen geringen Teil seines Werks überhaupt lesen zu können. Der Plot um einen mordenden Hutmacher, der wiederholt in den verregneten Nächten von La Rochelle auf Jagd geht  – was allein sein Nachbar ahnt – lässt aber ein intensives Katz-und-Maus-Spiel erwarten. Hach, und dieses Cover. Ist so gut wie gekauft.
  • Ngaio Marsh – Das Todesspiel
    • Taschenbuch, Oktober 2019, Bastei Lübbe Verlag, 978-3404178919, 240 Seiten, 10,00 €
    • Crimealley-Prognose: Nach mehr als dreißig Jahren feiert auch Ngaio Marshs Inspector Roderick Alleyn sein Comeback auf dem deutschen Buchmarkt. Und die Tatsache, dass Lübbe die Wiederentdeckung mit dem ersten Band der Reihe beginnt, lässt hoffen, dass ich meine alten, in Ehren gehaltenen Goldmann-Ausgaben in Zukunft nach und nach austauschen kann. Für alle die Marsh noch nicht kennen: Die Neuseeländerin gehörte neben Autorinnen wie Agatha Christie, Dorothy L. Sayers und Margery Allingham zu den ganz Großen des Golden Age des Kriminalromans. Und zu denjenigen, die sich, zumindest zu Beginn ihrer Schriftsteller-Karriere, strikt an die Regeln der klassischen Detektivgeschichte hielten. Jedem Freund des Whodunits kann ich daher den Kauf des Buchs nur ans Herz legen.
  • JB Lawless – Tod in der Bibliothek
    • Taschenbuch, Oktober 2019, Kiepenheuer & Witsch Verlag, 978-3462052480, 208 Seiten, 10,00 €
    • Crimealley-Prognose: JB Lawless ist das Pseudonym eines bekannten Autors, über dessen (vermeintlich deutsche?) Identität man Stand jetzt aber nur spekulieren kann. Tod in der Bibliothek dürfte jedenfalls die gleiche Klientel wie Marsh ansprechen, denn klassischer könnte dieser Rätselkrimi kaum daherkommen. Ein eingeschneites Herrenhaus in Irland. Eine illustre Gesellschaft. Ein toter Pfarrer in der Bibliothek. Ergo: Locked-Room-Mystery für eine gemütliche Ohrensessel-Lektüre in der kalten Jahreszeit. Und da ich so etwas zwischendurch immer wieder gerne lese, wird das Buch wohl auch in meine Bibliothek wandern.
  • Matthew Horace mit Ron Harris – Schwarz Blau Blut
    • Broschiertes Taschenbuch, Oktober 2019, Suhrkamp Verlag, 978-3518470152, 270 Seiten, 15,95 €
    • Crimealley-Prognose: Am Ende nochmal ein Titel aus der Ecke True-Crime. Dieser Bericht eines Cops über Rassismus und Polizeigewalt in den USA setzt sich mit einem hochaktuellen Thema auseinander und versucht die Ursache für den all den Hass innerhalb der amerikanischen Gesellschaft zu ergründen. Ein Buch direkt von der Front, von dem ich mir wenig Verklärung, dafür aber mehr Erklärung erwarte, wieso es in den Vereinigten Staaten unter Trump immer öfter zu Toten bei Festnahmen kommt. Oder besser gesagt zu schlichtem, von der Justiz legitimiertem Mord.

 

+++ Vorschau-Ticker „Crime“ – Winter 2019/Frühjahr 2020 – Teil 2 +++

Auch wenn wohl die meisten noch mittendrin sind, die Titel der letzten (oder noch älteren) Vorschau-Saison „abzuarbeiten“ – the show must go on. Und es gibt doch für uns Bibliophile nichts Schöneres, als einen kleinen Blick darauf zu werfen, was die Verlage so die kommenden sechs Monate für uns bereithalten. Denn Leser sind nun mal per se neugierig und sich letztlich (fast) alle in einer unumstößlichen Tatsache einig: Gute Bücher kann man nie genug haben. Da viele dennoch etwas Novitäten-müde sind, habe ich die „anstrengende Arbeit“ des Vorschau-Schmökerns freundlicherweise übernommen und weitere Titel herausgepickt, mit denen ich große Erwartungen verbinde. Diesmal kommen diese u.a. aus den Verlagshäusern Diogenes, Suhrkamp und Heyne.

Und nun zu den Hoffnungsträgern des zweiten „Crime“-Tickers. Kommt irgendein Buch auch für euch in Frage?

  • Mick Herron – Dead Lions
    • Hardcover, August 2019, Diogenes Verlag, 978-3257070460, 480 Seiten, 24,00 €
    • Crimealley-Prognose: Jackson Lamb ist zurück. Und damit auch einer der Lieblinge des Feuilletons vom vergangenen Jahr. Viele preisen Mick Herrons Reihe um einen ausrangierten Geheimdienstler vom MI5 sogar als besten Agenten-Thriller seit langer Zeit. Ich konnte mir das dato davon noch kein Bild machen, traue aber dem fachlichen Urteil der Kritiker (u.a. Martin Compart) genug, um auch beim zweiten Band bedenklos zuzuschlagen, zumal sich der Klappentext wie ein Le Carré mit mehr Esprit liest und damit voll in mein Beutespektrum fällt.
  • Steven Price – Die Frau in der Themse
    • Hardcover, September 2019, Diogenes Verlag, 978-3257070873, 928 Seiten, 28,00 €
    • Crimealley-Prognose: Wer mich etwas länger kennt, weiß wie reflexartig ich auf Nebelschwaden, Gaslicht und viktorianisch anmutende Straßenzüge auf Covern reagiere. Extrem unprofessionell von mir, sagt der Deckel doch nichts über den Inhalt aus. Ich habe an dieser Epoche und dem Setting aber seit Doyle einen Narren gefressen. Kein Wunder also, dass Prices Roman über den berühmten Detektiv William Pinkerton und den Gentleman-Dieb Adam Foole (Leblanc lässt grüßen) bei mir offene Türen einrennt. Ob die „atemlose Jagd“, welche der Klappentext verspricht, die epischen 928 Seiten tragen kann – wir werden sehen.
  • Lisa Sandlin – Family Business
    • Taschenbuch, Februar 2020, Suhrkamp Verlag, 978-3518470282, 330 Seiten, 10,00 €
    • Crimealley-Prognose: Mit Warren Strobys Crissa Stone und Lisa Sandlins Delpha Wade ist die Krimi-Szene in den letzten Jahren um zwei äußerst gelungene weibliche Figuren reicher geworden.  In Family Business geht es für letztere erneut zurück an die texanische Golfküste der 70er Jahre. Es gilt den verschollenen Bruder eines Klienten zu finden. Und wie bei einem Private-Eye üblich, so ist auch dieser mit fiesen Gegenspielern gepflastert. Ich freue mich drauf und kann nur sagen: Liebe Frauen, gerne mehr in dieser Richtung.
  • Adam Brookes – Der chinesische Verräter
    • Broschiertes Taschenbuch, September 2019, Suhrkamp Verlag, 978-3518470053, 430 Seiten, 15,95 €
    • Crimealley-Prognose: Ich bin ja ehrlich. China, so wie überhaupt ein Großteil Südostasiens, gehört zu den Regionen der Welt, die ich nur ungern über das Medium Kriminalroman erkunde. Kultur, Namen und überhaupt das oft gänzlich konträre Verhalten der dortigen Menschen stellen nicht selten eine nur schwer zu überwindende Hürde da. Irgendetwas an Brookes Der chinesische Verräter spricht mich jedoch an. Vielleicht weil es ein wenig wie eine Mischung aus Ludlum, Follett und – da ist er wieder – Le Carré tönt. So, maybe I give it a go.
  • Simone Buchholz – Hotel Cartagena
    • Broschiertes Taschenbuch, September 2019, Suhrkamp Verlag, 978-3518470039, 280 Seiten, 15,95 €
    • Crimealley-Prognose: Wie ein Schweizer Uhrwerk haut Autorin Simone Buchholz Jahr für Jahr einen neuen Roman über Chastity Riley heraus. Und Jahr für Jahr landen diese auf meinem Merkzettel, ohne dann letztendlich gelesen zu werden. Während ersteres einfach zu erklären ist – die raue Unterwelt Hamburgs im Verbund mit der noiresken Inszenierung haben hierzulande Alleinstellungsmerkmal – gibt es für meine kalte Schulter keine Entschuldigung. Auch weil der Klappentext von Hotel Cartagena sich wieder so vielversprechend liest – ich muss jetzt endlich mal mit dieser Reihe anfangen.
  • Rex Stout – Zyankali vom Weihnachtsmann
    • Hardcover, September 2019, Klett Cotta Verlag, 978-3608964110, 144 Seiten, 12,00 €
    • Crimealley-Prognose: Auch wenn es immer wieder Menschen gibt, die über Neuauflagen von Klassikern schimpfen. Ich erachte die Wiederentdeckung Rex Stouts durch den Verlag sowohl inhaltlich als auch von der Aufmachung her als äußerst gelungen. Und sie kommt mir entgegen, haben doch meine alten Goldmann-Ausgaben die beste Zeit bereits hinter sich. Überhaupt: Stouts literarische Qualität ist unbestritten. Mehr noch. Ich behaupte frech: Ein jeder sollte mal (mindestens) einen Nero Wolfe gelesen haben.
  • C. J. Sansom – Feindesland
    • Taschenbuch, Januar 2020, Heyne Verlag, 978-3453439429, 736 Seiten, 10,99 €
    • Crimealley-Prognose: Sowohl der Titel als auch der Plot – die Nazis gewinnen den Krieg und erobern England – wecken, wahrscheinlich auch nicht ganz ungewollt, Erinnerungen an Harris‘ Vaterland. Viele Autoren haben dieses alternative Zukunftsszenario (u.a. ja auch der von mir so geschätzte Philip K. Dick) bereits zu Papier gebracht. Sansoms historische Krimi-Reihe um den zögerlichen Shardlake hat mir sehr gefallen, weshalb ich auf seinen Ansatz nun durchaus gespannt bin. Kein Muss-Kauf, aber definitiv ein Titel, den ich im Auge behalten werde.
  • Ulf Torreck – Zeit der Mörder
    • Taschenbuch, November 2019, Heyne Verlag, 978-3453439177, 400 Seiten, 10,99 €
    • Crimealley-Prognose: Ulf Torreck, Pseudonym des von mir sehr geschätzten Autors David Gray (u.a. bekannt durch Kanakenblues), kehrt nach Fest der Finsternis nach Paris zurück. Die Handlung spielt jedoch ca. 140 Jahre später. Die französische Metropole ist von den Deutschen besetzt und neben den Mördern in Uniform treibt auch ein besonders spezieller Killer sein Unwesen. Ein Deutscher Anti-Faschist, ein französischer Kommissar und eine Kriminalpsychologin sollen ihn stoppen. Torreck/Gray ist für seine akribische Recherche und das gelungene Plotbuilding bekannt. Man darf sich also gespannt auf Zeit der Mörder freuen.
  • Christopher Huang – Tod eines Gentleman
    • Broschiertes Taschenbuch, Dezember 2019, Heyne Verlag, 978-3453439917,  432 Seiten, 14,99 €
    • Crimealley-Prognose: Es bleibt historisch und wir kehren wieder nach London zurück. Und auch wenn sich solche geschichtlich verwobenen Krimi-Reihen inzwischen zuhauf in meinem Bücherregal tummeln, wurde ich dann hier dennoch hellhörig. Weniger ob des Settings, als aufgrund des Kontexts, gibt es doch eher wenige aktuelle britische Spannungsromane, die auf die politische Situation zwischen den beiden Weltkriegen eingehen. Während ich über die Vorgänge in der Weimarer Republik inzwischen äußerst umfassend informiert bin, interessiert mich, wie die Engländer die Roaring Twenties erlebten. Ob Huang dies authentisch zu Papier gebracht hat oder ob es letztlich nur einfach ein weiterer Krimi ist, der sein Potenzial verschwendet, wird man abwarten müssen.
  • David Albertyn – Zeit der Vergeltung
    • Broschiertes Taschenbuch, Januar 2020, Harper Collins Verlag, 978-3959673730, 336 Seiten, 16,00 €
    • Crimealley-Prognose: Las Vegas, schwarze Protestmärsche, Boxermilieu, Polizeigewalt. Die Zutaten von David Albertyns Zeit der Vergeltung können sich sehen lassen und uns, gut zubereitet, am Ende gar schmackhafte Krimi-Feinkost kredenzen. Auch wenn der Autor mir kein Begriff ist, das Prädikat „Thriller“ mich skeptisch stimmt und Harper Collins auch immer ein paar Rohrkrepierer im Programm hat – hier werde ich mich wohl selbst überzeugen müssen.

 

+++ Vorschau-Ticker „Crime“ – Winter 2019/Frühjahr 2020 – Teil 1 +++

Nachdem ich bei der letzten Verlagsvorschauen-Saison meine heiß erwarteten Buchtitel mit monatelanger Verzögerung nachliefern musste, versuche ich für das kommende Halbjahr wieder etwas der Zeit voraus zu sein. Die Chancen dafür stehen auch gut, denn ein Gros der Vorschauen wurde bereits online gestellt und so habe ich mich – bereits jetzt in dem Wissen, nur einen Bruchteil davon in den nächsten Jahren lesen zu können – in die Auslese gestürzt. Wie zu erwarten sind mir wieder einige äußerst interessante Titel ins Netz gegangen. Oder um es mal wenig zurückhaltend auszudrücken: Auch der Winter 2019/2020 wird wieder teuer werden.

(Übrigens: Das ein oder andere Buch, z.B. der neue Alan Parks oder der neue Ross Thomas, wurde von mir bereits in einem früheren Ticker erwähnt bzw. fälschlicherweise der vergangenen Vorschau-Saison zugeordnet. Nur für den Fall, dass sich jemand über fehlende Titel wundert)

Und damit zu meinen heiß erwarteten Vertretern aus dem Bereich Spannung. Was wird den Weg in euer Bücherregal finden?

  • Kevin Hardcastle – Im Käfig
    • Hardcover, Juli 2019, Polar Verlag, 978-3945133859, 300 Seiten, 20,00 €
    • Crimealley-Prognose: Hm, kommt mir irgendwie bekannt vor. Das war so der erste Gedanke, der mir bei der Lektüre des Klappentexts durch den Kopf ging. Und in der Tat: Es gibt sicher schon die ein oder andere auf der Leinwand platzierte Version dieser Geschichte, was mich aber garantiert nicht davon abhalten wird, diesen Polar-Titel zu lesen. Martial-Arts, Mohawk-Gangster, Drogen und dazu Vergleiche mit Cormac McCarthy und Donald Ray Pollock. Shut up and take my money!
  • William Boyle – Einsame Zeugin
    • Hardcover, August 2019, Polar Verlag, 978-3945133811, 350 Seiten, 20,00 €
    • Crimealley-Prognose: Nach dem äußerst positiv besprochenen Gravesend kommt mit Einsame Zeugin nun der zweite Roman aus der Feder von William Boyle. Und obwohl ich (natürlich wieder) noch nicht mal den ersten gelesen habe, wird auch das ein Muss-Kauf. Eine dem Spiritismus zugewandte Frau (sie spielte bereits in Gravesend mit), die mit einem Mörder ein Katz-und-Maus-Spiel treibt. Das ist – im Verbund mit der restlichen Figurenkonstallation – ein erfrischend anderer Ansatz.
  • Anthony J. Quinn – Gestrandet
    • Hardcover, November 2019, Polar Verlag, 978-3945133835, 350 Seiten, 20,00 €
    • Crimealley-Prognose: Wie für Schottland, so habe ich auch für die verrückten Iren sowohl musikalisch als auch literarisch schon immer eine Schwäche gehabt. Und im Spannungsbereich sind in den letzten Jahren immer mehr hochklassige Kaliber von der Grünen Insel auf dem deutschen Buchmarkt gestrandet. Quinns gleichnamiger Roman spielt direkt im Grenzbereich zwischen der Republik Irland und Nordirland und könnte angesichts der Thematik nicht aktueller sein. Franßen hat augenscheinlich weiterhin ein Näschen für das richtige Buch zum richtigen Zeitpunkt.
  • Lisa McInerney – Blutwunder
    • Hardcover, September 2019, Liebeskind Verlag, 978-3945133750, 352 Seiten, 22,00 €
    • Crimealley-Prognose: Irland ist auch der Schauplatz von Blutwunder. Nach Glorreiche Ketzereien veröffentlicht Liebeskind hiermit bereits das zweite Buch von Lisa McInerney. Und erneut dürfen wir wohl einen nachtschwarzen, rotzig-dreckigen Roman im Gangster-Milieu – in der für diesen Verlag schon typischen hochwertigen Qualität – erwarten. Wandert naturelement auch in mein Regal.
  • Stuart Turton – Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle
    • Hardcover, August 2019, Tropen Verlag, 978-3608504217, 224 Seiten, 24,00 €
    • Crimealley-Prognose: Neben Noir oder Hardboiled schätze ich bekanntermaßen zwischendurch auch immer mal wieder einen gut komponierten Whodunit. Ein Genre, das aber heutzutage eher auf dem Abstellgleis steht. Turton greift das klassische Konzept auf, mixt es mit Täglich grüßt das Murmeltier und 8 Blickwinkel und lässt den ermittelnden Protagonisten immer wieder aufs Neue – und im Körper eines anderen Gastes –  den Mord erleben. In talentierten Händen hat das durchaus Potenzial.  Und die ausländischen Pressereaktionen lassen tatsächlich ein intelligentes Katz-und-Maus-Spiel erwarten. Ich bin sehr geneigt auch hier mein Geld zu lassen.
  • Thomas Mullen – Weißes Feuer
    • Hardcover, November 2019, DuMont Verlag, 978-3832183950, 480 Seiten, 24,00 €
    • Crimealley-Prognose: Der zweite Band der Darktown-Saga von Thomas Mullen führt uns in das Atlanta der 50er Jahre, in dem die ersten schwarzen Polizisten der Stadt nicht nur mit dem alltäglichen Rassismus, sondern auch mit gewalttätigen Schmugglerbanden zu kämpfen haben. Die Kurzbeschreibung, welche auch von persönlichen Verstrickungen „spricht“, deutet bereits an, dass es um weit mehr als nur Schwarz und Weiß geht und setzt daher genug grüne Häkchen in meiner persönlichen Checkliste, weshalb ich auch diesen Roman vom Fleck weg kaufe.
  • Anthony Horowitz – James Bond – Ewig und ein Tag
    • Broschiertes Taschenbuch, Dezember 2019, Cross Cult Verlag, 978-3865326454, 400 Seiten, 16,99 €
    • Crimealley-Prognose: Horowitz hat einen neuen Bond geschrieben. Und nicht nur das. Es handelt sich dabei sogar um die Vorgeschichte von Casino Royale. Wir erfahren also endlich, wie 007 in den Dienst des britischen Geheimdiensts kam . Ich habe an diesem Autor seit seinen Holmes-Pastichés einen Narren gefressen und bin von jeher ein bekennender Bond-Fan. Ergo: Dieses Buch wird natürlich heiß von mir erwartet.
  • Joe R. Lansdale – Coco Butternut
    • Broschiertes Taschenbuch, Oktober 2019, Golkonda Verlag, 978-3946503415, 190 Seiten, 14,00 €
    • Crimealley-Prognose: Auch wenn Lansdale das hohe Niveau innerhalb der Hap & Leonard-Reihe nicht immer halten konnte, hat er – wie Horowitz – seit langem einen Stein bei mir im Brett. Und wer weiß, vielleicht läuft er in Coco Butternut wieder zur Höchstform auf. Unabhängig davon will meine Lansdale-Sammlung aber möglichst komplett bleiben. Ergo ein weiterer sicherer Einkaufs-Kandidat.
  • Scott Adlerberg – Graveyard Love
    • Hardcover, September 2019, ars vivendi Verlag, 978-3747200933,  220 Seiten, 18,00 €
    • Crimealley-Prognose: Ars vivendi mausert sich langsam aber stetig zur Juwelenschmiede, denn die letzten Jahre bewies man ein wirklich ausgezeichnetes Gespür was Spannungsromane betrifft. Graveyard Love klingt wie ein von Hitchcock nicht verfilmtes Drehbuch aus den frühen 60er Jahren. Ein Kammerspiel im Stil von Woolrich und Highsmith, das psychologisch raffinierte Suspense erwarten lässt und auf das ich mich besonders freue.
  • Alex Beer – Unter Wölfen
    • Broschiertes Taschenbuch, November 2019, Limes Verlag, 978-3809027119, 416 Seiten, 16,00 €
    • Crimealley-Prognose: Statt August Emmerich Isaak Rubinstein. Statt Wien Nürnberg. Alex Beer, Pseudonym der österreichischen Autorin Daniela Larcher, gönnt ihrem inzwischen etablierten Serienhelden eine Pause und führt den Leser stattdessen an den Schauplatz der späteren Kriegsverbrecherprozesse. Inzwischen gibt es ja viele Krimiautoren, die sich der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts annehmen. Beer gehört jedoch meines Erachtens mit zu den Besten, so dass ich auch ihrem neuen Protagonisten eine Chance geben werde.

 

+++ Vorschau-Ticker „Crime“ – Winter 2018/Frühjahr 2019 – Teil 4 +++

Bevor demnächst schon die Verlagsvorschauen für die Zeit ab Herbst diesen Jahres online gehen, platziere ich hier nochmal ganz schnell hechelnd und außer Atem ein (ungiftiges) Roundup gegen unkrautartige Mainstream-Literatur. Wie schon im vorherigen Ticker, so liegen auch viele Titel dieser Liste schon längst in den Buchhandlungen aus, so dass der „News“-Wert meiner Auswahl zwar gegen null tendiert, aber vielleicht doch noch jemand da draußen zum Kauf animiert werden kann. Und wer weiß, eventuell ist gar manches Buch vorher komplett unter dem Radar geflogen.

Der ein oder andere wird möglicherweise nach dem neuen McKinty oder den angekündigten Pulp-Master-Titeln von Ted Lewis und Les Edgerton suchen. Ersteren habe ich bewusst außen vorgelassen, da ich, trotzdem ich den Autor äußerst schätze, der behandelten Thematik von The Chain einfach überdrüssig bin. Frank Nowatzkis neue Highlights (Der Lewis‘ Titel ward allerdings bereits schon mal im Rahmen von Lübbes „Schwarzer Reihe“ erschienen) werden, meiner Erfahrung nach, nicht mehr dieses Jahr das Licht der Welt erblicken.

So, und damit zu den von mir favorisierten Büchern. Was spricht euch an? Was habe ich vergessen?

  • Attica Locke – Bluebird, Bluebird
    • Hardcover, Februar 2019, Polar Verlag, 978-3945133712, 280 Seiten, 20,00 €
    • Crimealley-Prognose: Krimi-Bestenliste Platz 1., Edgar Award 2018, Ian Fleming Steel Dagger 2018. Und dann diese Geschichte um einen afroamerikanischen Texas-Ranger, der im Milieu von Drogenhandel und Aryan Brotherhood ermittelt. Attica Lockes moderne Version von Virgil Tibbs kann und darf ich mir gar nicht entgehen lassen. Auf dieses Buch freue ich mich richtig!
  • David Joy – Wo alle Lichter enden
    • Hardcover, März 2019, Polar Verlag, 978-3945133798, 300 Seiten, 20,00 €
    • Crimealley-Prognose: Im Schatten von Bluebird, Bluebird kommt mir dieser Polar-Titel irgendwie ein bisschen zu kurz, thematisiert doch auch Joy den abgehängten Teil der amerikanischen Gesellschaft. Aus aktuellem Anlass fühle ich mich bei der Kurzbeschreibung um das väterliche Crystal-Meth-Geschäft in North Carolina an die Serie Justified erinnert. Ob es Jacob Neely es wie Raylan Gives schafft, nicht in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und der kriminellen Tretmühle zu entkommen, möchte ich unbedingt nachlesen.
  • John Steele – Ravenhill
    • Hardcover, Mai 2019, Polar Verlag, 978-3945133774, 448 Seiten, 20,00 €
    • Crimealley-Prognose: Spätestens ab dem dritten Polar-Titel wird mir einmal mehr klar, was für ein Geschenk Wolfgang Franßens Verlag für die hiesige Krimi-Landschaft darstellt. Auch dank McKinty ist mein Interesse an dem Nordirland-Konflikt (der ja durch einen Brexit durchaus wieder aufflammen könnte) noch angewachsen und ich freue mich über jegliche Art von Spannungsliteratur, die sich dieses Themas annimmt. Ravenhill tönt äußerst vielversprechend und wird natürlich auch gekauft.
  • Estelle Surbranche – Nimm mich mit ins Paradies
    • Hardcover, Juni 2019, Polar Verlag, 978-3945133750, 350 Seiten, 20,00 €
    • Crimealley-Prognose: Mit Nimm micht mit ins Paradies macht der Polar Verlag schließlich das Quartett voll, denn auch der vierte Titel des Halbjahresprogramms wird mit Sicherheit in meinem Regal landen. Und das obwohl wir es hier wieder mit einer Art „Serienmörder“ zu tun haben. Aber bei Surbranche stehen die Chancen ziemlich gut, dass das alles andere als gewohnte Kost werden wird.
  • James Sallis – Willnot
    • Hardcover, Februar 2019, Liebeskind Verlag, 978-3954381029, 224 Seiten, 20,00 €
    • Crimealley-Prognose: Ich bin ein bisschen irritiert über die bisherigen Besprechungen, denn in das ganz große Lobeshorn scheint noch keiner blasen zu wollen. Kaum vorstellbar, war für mich Sallis eigentlich immer eine sichere Bank. Nur wenige beherrschen das große Spiel auf so kleinem Raum so perfekt wie er. Da ich lange auf Nachschub aus seiner Feder gewartet habe und er ja schließlich auch noch bei Liebeskind erscheint – natürlich gekauft.
  • James M. Cain – Mildred Pierce
    • Hardcover, Februar 2019, Arche Verlag, 978-3716027745, 416 Seiten, 22,00 €
    • Crimealley-Prognose: Nach Wenn der Postmann zweimal klingelt erscheint in relativer kurzer Zeit schon die nächste Wiederauflage eines Cain-Klassikers. Und ich würde (trotz größerer Bekanntheit des erstgenannten) fast behaupten, DEM Cain-Klassiker, hat doch die Figur Mildred Pierce zum damaligen Zeitpunkt das bis dato vorherrschende Frauenbild gleich um eine Vielzahl von interessanten (und dringend überfälligen!) Facetten erweitert. Eine heiß erwartete Wiederentdeckung, auch weil meine alte Goldmann-Ausgabe langsam in ihre Bestandteile zerfällt.
  • James Lee Burke – Sumpffieber
    • Broschiertes Taschenbuch, April 2019, Pendragon Verlag, 978-3865326454, 464 Seiten, 18,00 €
    • Crimealley-Prognose: Eigentlich möchte ich an dieser Stelle diese zwei folgenden Titel gar nicht mehr erwähnen müssen, bedeutet es doch, dass manch einer immer noch keinen James Lee Burke gelesen hat oder diesen, noch schlimmer, gar nicht kennt. Inwieweit Pendragons Wirken an Burkes Gesamtwerk sich finanziell rentiert, kann ich nur vermuten, aber da ich mir über Jahre im Kriminalbereich nichts mehr als die Rückkehr von Robicheaux herbeigesehnt habe, wird jede weitere Veröffentlichung entsprechend heiß erwartet und unterstützt. Zwar handelt es sich bei Sumpffieber und Nacht über dem Bayou, „nur“ um Neuauflagen. Das sollte aber keinen Liebhaber literarischer Feinkost im Spannungsgewand vom Kauf abhalten.
  • James Lee Burke – Nacht über dem Bayou
    • Broschiertes Taschenbuch, Januar 2019, Pendragon Verlag, 978-3865326454, 456 Seiten, 18,00 €
    • Crimealley-Prognose: Hier gilt dasselbe wie für Sumpffieber. Kaufen und Lesen!
  • Alan Parks – Tod im Februar
    • Broschiertes Taschenbuch, Oktober 2019, Heyne Hardcore Verlag, 978-3453271982, 400 Seiten, 16,00 €
    • Crimealley-Prognose: Glasgow in den 70ern, Übersetzung von Conny Lösch, verlegt bei Heyne Hardcore, Band zwei der Reihe um Harry McCoy. Nuff‘ said.
  • Ross Thomas – Der Fall in Singapur
    • Broschiertes Taschenbuch, Mai 2019, Alexander Verlag, 978-3895814990, 250 Seiten, 16,00 €
    • Crimealley-Prognose: Thomas‘ einziger Mafia-Roman wird, wie alle anderen Titel der schmucken Alexander-Edition, natürlich ebenfalls von mir gekauft. Trotz des nun schon jahrelangen Wirken des Verlags ist der Autor zwar immer noch für viele ein weitgehend Unbekannter, aber wie sagt man so schön: Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. Oder in diesem Fall ERbricht, denn vielleicht hängt ja dem ein oder anderen irgendwann doch die Fast-Food-Literatur aus dem Hals raus und gibt dann diesem Meister der politischen Spannung endlich die langverdiente Chance.
  • Jürgen Heimbach – Die Rote Hand
    • Hardcover, Februar 2019, weissbooks Verlag, 978-3863371777, 330 Seiten, 22,00 €
    • Crimealley-Prognose: Frankfurt in den 50er Jahren, Jazz und dunkle Straßen. Ein Hauch Noir. Dieser Titel wäre mir fast durch die Lappen gegangen, aber gottseidank nur fast, denn Heimbach, den mancher eventuell durch seine bei Pendragon erschienene Trilogie kennt, ist ein weiterer Vertreter der Sparte „höchstbegabt, aber schmählich vernachlässigt“. Ein Buch – und auch ein Verlag – dem ich möglichst viel Leser und positives Feedback wünsche.
  • Graham Moore – Der Mann, der Sherlock Holmes tötete
    • Hardcover, Februar 2019, Eichborn Verlag, 978-3847900382, 480 Seiten, 22,00 €
    • Crimealley-Prognose: Es ist weniger die Kurzbeschreibung, die mich hier triggert, sondern naturelement der größte Detektiv aller Zeiten, Sherlock Holmes, sowie dessen Schöpfer Arthur Conan Doyle. Ich erwarte mir bei Der Mann, der Sherlock Holmes tötete keine Neuerfindung des hakennasigen Schnüfflers mit der Bruyère-Pfeife, möchte meine Sammlung aus Pastichés aber gerne weiter vervollständigen.
  • Don Winslow – Jahre des Jägers
    • Hardcover, Februar 2019, Droemer Verlag, 978-3426282199, 992 Seiten, 26,00 €
    • Crimealley-Prognose: Der voraussichtliche Abschluss der Kartell-Saga, von der ich weiterhin bisher nur Tage der Toten gelesen habe, erinnert mich daran, mich endlich mal wieder dem Herrn Winslow zu widmen. Ungeachtet seiner qualitativen Ups and Downs der letzten Jahre. An diesem Buch kommen wohl die meisten nur schwer vorbei.
  • Christof Weigold – Der blutrote Teppich
    • Broschiertes Taschenbuch, April 2019, Kiepenheuer & Witsch Verlag, 978-3462051414, 640 Seiten, 16,00 €
    • Crimealley-Prognose: Auch wenn es mir etwas auf den Senkel geht, dass man schon bei Band zwei wieder das Format ändert. Weigolds nächster Ausflug ins Hollywood der 20er – und damit ins Seeting des großen Raymond Chandler – wird ebenfalls heiß erwartet. Femme Fatale, Noir – verflucht, da kann ich dann auch einfach nicht anders.
  • Nico Walker – Cherry
    • Hardcover, April 2019, Heyne Hardcore Verlag, 978-3453271975, 384 Seiten, 22,00 €
    • Crimealley-Prognose: Ob Cherry die Kirsche auf der Sahne des Heyne Hardcore Programms für dieses Halbjahr sein wird, dies bleibt abzuwarten. Die Geschichte um den traumatisierten Irak-Heimkehrer, der aufgrund einer Drogensucht in die Welt des Verbrechens abdriftet – sie ist zwar keine neue, bietet aber viel Potenzial in den Händen des richtigen Schreibers. Ob Walker ein solcher ist, davon werde ich mich selbst überzeugen müssen.
  • Christine Lehmann – Die zweite Welt
    • Broschiertes Taschenbuch, Februar 2019, Argument/Ariadne Verlag, 978-3867542371, 256 Seiten, 13,00 €
    • Crimealley-Prognose: Ein neuer Lisa-Nerz-Roman ist immer eine gute Nachricht, war mir zu meiner Schande aber bis dato in den Tickern noch gar keine Erwähnung wert. Was sich hiermit ändert, zumal Lehmanns neuer Roman über ein angekündigtes Blutbad bei einer Demo in Stuttgart eine spannende Ausgangsposition verspricht. Und auch die Idee, die komplette Handlung an einem Tag spielen lassen, ist bei einer so versierten Autorin wie Christine Lehmann sicher in den besten Händen.
  • Michelle McNamara – Ich ging in die Dunkelheit
    • Hardcover, August 2019, Atrium Verlag, 978-3855350605, 432 Seiten, 24,00 €
    • Crimealley-Prognose: Kurz vor Veröffentlichung dieses Tickers wurde ich noch auf diesen Titel aufmerksam, dessen True-Crime-Hintergrund mich sogleich hellhörig gemacht hat. Michelle McNamaras Aufarbeitung der kalifornischen Mordserie von 1976 bis 1986 wird definitiv gelesen – auch wenn ich die Details des Falls (und damit auch die Identität des Mörders) bereits kenne. Bei denjenigen, wo dies nicht der Fall ist, könnte die Lektüre natürlich nochmal definitiv mehr lohnen.

 

Mein Edinburgh – Ein Reisebericht – Teil 4 – Entering Old Town

Das Ziel in Sicht

Als wir gegen halb zwei die mit Doppeldeckerbussen überfüllte Princes Street überquerten – natürlich bei roter Ampel, wir wollten schließlich nicht auffallen – empfing uns ein Dudelsackspieler mit der inoffiziellen Nationalhymne The Flower of Scotland. „Oh, Jonny you’re home now„, kamen mir die Zeilen aus dem Runrig-Lied The Cutter in den Sinn und ich dankte dem lieben Gott, der sich wahrlich mehr als Mühe gab, diesen Tag zu einem ganz speziellen zu machen, zumal die wenigen weißen Wolken am strahlend blauen Himmel das schottische All-Inclusive-Paket schließlich gänzlich abrundeten. Anstatt direkt über The Mound gen Old Town weiterzuziehen, genossen wir den Moment und dankten dem talentierten Sackbläser mit einer kleinen Spende. Einen Musikwunsch äußerte ich nicht, aber ich sollte es bei anderer Gelegenheit nachholen. Wir näherten uns stattdessen etwas dem beeindruckenden Walter Scott Monument und während die Digitalkamera ihr Werk tat, nahm ich mir vor mich nach der Rückkehr nach Deutschland dem Begründer des historischen Romans wieder etwas näher zu widmen (Von Ivanhoe und Die Jungfrau vom See abgesehen, habe ich bis dato keine weiteren Werke von Scott gelesen). Warum viele diesen Isengard-ähnlichen Turm für so hässlich halten, erschließt sich mir übrigens nicht. Wenn ein Bauwerk nach Edinburgh passt, dann wohl dieses.

Ein paar Schnappschüsse später ging es dann doch weiter an der Royal Scottish Academy und der Scottish National Gallery vorbei, wobei sich nicht nur der Blick auf die ausladenden West Princes Street Gardens öffnete, sondern auch die gewaltigen Mauern von Edinburgh Castle in Sicht kamen. Majestätisch thronte sie auf dem Felsen und es bedurfte tatsächlich wenig Fantasie die Geschichte zu glauben, dass es diese Festung war, welche Joanne K. Rowling für ihre Zaubererschule Hogwarts inspirierte. Ihren letzten Harry Potter soll sie übrigens im altehrwürdigen Hotel Balmoral beendet haben, das nun linkerhand noch besser zu sehen war. Ich feuerte Digitalschussgarben im 360° Winkel und versuchte dabei (erfolgreich) die innere Aufregung zu kaschieren, hatte mich doch der Anblick der Burg an mein abendliches Vorhaben erinnert. Ein Griff mit feuchtnassen Fingern in die Jackentasche – das lag nur an der Hitze – bestätigte mir, dass der Ring sich noch an Ort und Stelle befand.

Yoda und Jedi-unwürdige Emotionen

Mitgerissen vom Strom der ostasiatischen Kamera-Terro … äh Touristen arbeiteten wir uns hügelaufwärts der Old Town entgegen. Da die pralle Sonne inzwischen die nächste Klamotten-Schicht unseres Zwiebellooks einforderte, kam uns der von der Assembly Hall geworfene Schatten mehr als recht. Das Gebäude ist nicht nur der Versammlungsort der Church of Scotland, es wird auch jährlich im Rahmen des Edinburgh Festival Fringe für Veranstaltungen genutzt. Wir haben nur von außen einen Blick darauf geworfen, auch das Museum on the Mound in der St. Giles Street ausgelassen und uns als wahre Kunstkenner stattdessen lieber das Innere einer klassischen roten Telefonzelle näher betrachtet. Allerdings nur für wenige Sekunden, da der ätzende Uringestank dem körpereigenen Immunsystem eindeutig wenig zuträglich war. Als Profi habe ich mir das natürlich auf dem Foto nicht anmerken lassen.

Benebelt von der Hinterlassenschaft der inkontinenten einheimischen Bevölkerung übersahen wir dann auch glatt Deacon Brodies Tavern. Ein Pub, dessen Hintergrundgeschichte nicht nur das Werk von Robert Louis Stevenson maßgeblich beeinflusst, sondern seine Resonanz auch in den Werken von Ian Rankin gefunden hat. Wir sollten allerdings noch einmal hier vorbeigekommen und so werde ich dann dazu passend nochmal Näheres zu Deacon Brodies Leben zum Besten geben. Uns stößt der Reisebericht nun direkt in das Getümmel von Lawnmarket und High Street – dem Standort der prächtigen St. Giles‘ Cathedral, welche erstmals im Jahre 854 urkundlich erwähnt und im gegenwärtig existierenden Gebäude mutmaßlich seit dem Jahr 1120 gebaut wurde (Danke Wikipedia).

Nun habe ich in der Vergangenheit schon vor mehreren alten Gotteshäusern gestanden, viele Jahre von Notre Dame in Paris geschwärmt und war dennoch nicht vorbereitet auf das, was mich innerhalb der Mauern erwarten sollte. Und hinein, das hatten wir übereinstimmend vorab entschieden, wollten wir unbedingt, was mir nicht nur eine Spende, sondern einen zusätzlichen Obolus für das Recht zum Fotografieren wert war. Nur dass ich erstmal die Kamera nicht anheben konnte, da sich Merkwürdiges ereignete. An dieser Stelle muss ich dazu sagen: Ich würde mich zwar als gläubigen Menschen bezeichnen, jedoch nicht als überaus religiös. Der Glaube in und an Gott und das Werk der Kirche – das war für mich in der Vergangenheit nicht immer vollends in Übereinstimmung zu bringen, die Mauern der Gotteshäuser vor allem aus dem historischen und dem architektonischen Gesichtspunkt für mich von Interesse. Nicht so jedoch die St. Giles Cathedral. Im Gegensatz zu vielen anderen großen Kathedralen ist sie von Innen vergleichsweise schlicht und verzichtet auf die Zuschaustellung von ausuferndem Prunk, sieht man von den vielen alten Flaggen und den wunderschönen Buntglasfernstern mal ab, die das ruhige Mauergewölbe an diesem Tag in ein seltsames Licht tauchten.

Ich hatte vorab ein wenig über John Knox, den Reformator (quasi ein Martin Luther Schottlands) und sein Wirken in dieser Kathedrale gelesen. Und auch wenn ich als Protestant dadurch schon eine gewisse Beziehung zur Geschichte von St. Giles hatte – es erklärt letztlich nicht, warum mir die kirchenübliche Stille hier auf derart tiefgehende Art und Weise ans Herz ging. Es wäre sicherlich ein Leichtes, dies als Rührseligkeit abzutun und doch war es – mehr. Vielleicht ein Gefühl des Dazugehörens, vielleicht das Erkennen, irgendwie hier am richtigen Ort zu sein. Es fällt schwer, das Erlebte rückblickend so in Worte zu fassen, dass es nicht einfach nur kitschig tönt – denn wenn ich diese Zeilen lese, tut es das dann in der Tat. Es bleibt jedoch die Tatsache bestehen, dass dieser Moment ein mehr als besonderer und bis dahin auch einzigartiger war. Ein Moment, der mich zu Tränen rührte und mich für kurze Zeit eine ruhige Ecke innerhalb der Kathedrale aufsuchen ließ.

Fotos schoss ich dann letztlich doch. Und zwar einige, gab es doch nicht nur Unmengen toller Motive, sondern wollte ich diesen besonderen Ort auch möglichst in Gänze auf Zelluloid bannen – ein kleines Stück von St. Giles Cathedral mit nach Hause nehmen. Das Erlebte behielt ich bisher größtenteils für mich, registriere aber amüsiert, dass auch Christina bis heute den Aufkleber (für die Foto-Erlaubnis) der Kathedrale auf ihrem Smartphone hat. Als wir wieder draußen waren, sprachen wir beide wenig und genossen stattdessen einmal mehr einfach kurz die Zeit für uns, die Zeit in Edinburgh. Diese Stadt, mit einer ganz besonderen Atmosphäre, in der selbst ein schwebender Yoda als Attraktion am Straßenrand (siehe Foto) nicht Out-of-Place wirkt. Der hätte wahrscheinlich über meinen vorherigen Gefühlsausbruch die faltige Nase gerümpft, aber, hey, was solls. Ich war eh schon eher der Dunkle-Seite-Typ.

Was an diesem Tag von Vorteil war, denn unsere nächsten Schritte sollten uns in die düsteren Gänge unterhalb der Stadt führen. Doch dazu (hoffentlich relativ zeitnah) mehr in Teil 5 meines Reiseberichts …

+++ Vorschau-Ticker „Non-Crime“ – Winter 2018/Frühjahr 2019 – Teil 2 +++

Auch wenn ich mit diesem Ticker auf einen bereits fahrenden Zug aufspringe, so ist es mir doch ein Bedürfnis, gleichfalls den Non-Crime-Titeln Ehre zu erweisen, mit denen ich im nächsten Halbjahr die größten Hoffnungen verbinde. Mittlerweile sind alle der unten aufgeführten Romane erschienen, insofern entschuldige ich mich bei meinen Blog-Lesern für die Verspätung. Andererseits vertrete ich den Standpunkt, dass gute Bücher ja nicht schlecht werden bzw. nicht ein jeder direkt bei Veröffentlichung zugreift. Und vielleicht ist ja sogar der ein oder andere Tipp dabei, den manch einer noch nicht auf dem Schirm hatte.

Damit direkt zu den „Auserwählten“. Habt ihr schon für den ein oder anderen Titel Feedback für mich? Oder welches Buch würde euch reizen?

  • Alexander Pechmann – Die Nebelkrähe
    • Hardcover, Februar 2019, Steidl Verlag, 978-3958295834, 176 Seiten, 18,00 €
    • Crimealley-Prognose: Erst letztes Jahr hat Alexander Pechmann mit Sieben Lichter auf sich aufmerksam gemacht, nun folgt mit Die Nebelkrähe bereits das zweite Buch. Wobei man eigentlich bei diesem Umfang eher von Novelle sprechen müsste, was die aufgebotenen 18 € für manchen vielleicht zur unüberwindbaren Hürde machen wird. Dazu zähle ich mich nicht, wird doch gerade der Schauerroman bzw. die feinziselierte Suspense heutzutage nur zu selten bedient, so dass ich mich über so ein Werk besonders freue. London, 20er Jahre, Spiritismus, Oscar Wilde – die Zutaten sind ganz nach meinem Geschmack.
  • Andreas Kollender – Libertys Lächeln
    • Hardcover, März 2019, Pendragon Verlag, 978-3865326423, 304 Seiten, 24,00 €
    • Crimealley-Prognose: Man ist es ja mittlerweile gewöhnt, dass herausragende Romane (z.B. Nichts bleibt von Willi Achten oder Wallace Strobys Crissa-Stone-Reihe) aus dem Hause Pendragon von der größeren Leserschaft weitestgehend unbeachtet bleiben, es mitunter nicht mal auf die Tische der Buchhandlungen schaffen. Umso beeindruckender, wie Günther Butkus‘ kleiner Verlag weiterhin Perle für Perle aus dem Hut zaubert. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass sich Qualität letztlich doch irgendwann durchsetzt. Vielleicht mit Kollenders Libertys Lächeln, der zumindest mit Kolbe schon ein wenig auf sich aufmerksam machen konnte. Ungeachtet dessen wie die Publikumsreaktionen noch weiter ausfallen werden – ich werde hier ganz sicher zugreifen.
  • A. G. Lombardo – Graffiti Palast
    • Hardcover, März 2019, Antje Kunstmann Verlag, 978-3956142840, 300 Seiten, 22,00 €
    • Crimealley-Prognose: 1965, Los Angeles, die Aufstände von Watts. Mittendrin der Semiotiker und Stadtforscher Americo Monk. Lombardo nimmt sich eines Themas an, das mich schon seit einer Erwähnung in John Balls Virgil-Tibbs-Reihe fasziniert und rennt damit bei mir offene Türen ein. Auf diese 300 Seiten freue ich mich besonders.
  • Ralph Ellison – Der unsichtbare Mann
    • Hardcover, April 2019, Aufbau Verlag, 978-3351037802, 680 Seiten, 28,00 €
    • Crimealley-Prognose: Endlich. Das war so das erste, was mir bei der Entdeckung dieses Klassikers in der Aufbau-Vorschau durch den Kopf ging, versuche ich doch schon seit Jahren eine nicht zerschlissene Rowohlt-Ausgabe dieses Titel antiquarisch zu ergattern. Diese Suche ist jetzt gottseidank nicht mehr notwendig und ich freue mich stattdessen nun schon darauf diesen so hoch gelobten New-York-Roman nicht nur mein Eigen zu nennen, sondern auch endlich zu lesen.
  • Kate Atkinson – Deckname Flamingo
    • Hardcover, März 2019, Droemer Verlag, 978-3-426281307, 336 Seiten, 19,99 €
    • Crimealley-Prognose: Von Kate Atkinson habe ich bis heute ebenfalls noch nichts gelesen, was ja, als bekennender Edinburgh-Liebhaber, eigentlich schon eine Sünde darstellt. Zumal auch der geschätzte Kollege Jochen König bereits damals bei Das vergessene Kind voll des Lobes war und dessen Verfilmung mit Jason Isaacs schon im Regal auf mich wartet. Wohlan denn, es wird Zeit. Warum also nicht mit Deckname Flamingo starten?
  • Jörg-Uwe Albig – Zornfried
    • Hardcover, Februar 2019, Klett Cotta Verlag, 978-3608964257, 159 Seiten, 20,00 €
    • Crimealley-Prognose: Ein Titel, der aus drei Gründen in meiner engeren Auswahl gelandet ist. Erstens ist die Handlung direkt in der Nachbarschaft angesiedelt. Zweitens wird mit den Neuen Rechten ein aktuelles und heißes Thema angepackt. Und drittens kann selbst jemand mit so wenig Lesezeit wie ich 159 Seiten irgendwo dazwischen quetschen. Wenn da nicht dieser Preis von 20 € wäre … Aber als ob mich das je abgehalten hätte.
  • Josephine Rowe – Ein liebes, treues Tier
    • Hardcover, Februar 2019, Liebeskind Verlag, 978-3954380985, 208 Seiten, 20,00 €
    • Crimealley-Prognose: Gut, machen wir es kurz. Dieser Titel wird von Liebeskind verlegt. Reicht für mich. Punkt.
  • Sorj Chalandon – Am Tag davor
    • Hardcover, April 2019, dtv Verlag, 978-3423281690, 320 Seiten, 23,00 €
    • Crimealley-Prognose: Ein Roman wie ein Faustschlag„, schreibt Le Parisien und lässt mich bereits interessiert die Augenbrauen heben. Die Geschichte um ein Grubenunglück und einen darauffolgenden Rachefeldzug weckt dann gleich endgültig das Interesse. Chalandon ist mir kein Begriff, aber ich bin hier nur allzu bereit den Sprung ins kalte Wasser zu wagen.
  • Fernanda Melchor – Saison der Wirbelstürme
    • Broschiertes Taschenbuch, März 2019, Klaus Wagenbach Verlag, 978-3803133076, 237 Seiten, 22,00 €
    • Crimealley-Prognose: Wer sich nun fragt, wo hat er den Titel denn ausgegraben, dem kann ich bescheiden versichern – gar nicht. Saison der Wirbelstürme habe ich in Kollege Gunnars Bibliothek bei Lovelybooks entdeckt. Und mal abgesehen davon, dass er die falsche Borussia unterstützt *zwinker*, hat der Mann nun mal einfach Geschmack. Und dann auch meist denselben wie ich. Ich sage an dieser Stelle mal „Danke“, denn der Roman tönt wirklich äußerst vielversprechend.
  • Frank Duwald – Die grünen Frauen
    • Hardcover, April 2019, epubli Verlag, 978-3803133076, 168 Seiten, 19,99 €
    • Crimealley-Prognose: Der letzte Titel ist mir ein besonderes Anliegen, handelt es sich doch bei diesem Band von Erzählungen um das Debütwerk des geschätzten Blogger-Kollegen Frank Duwald von dandelion. Ein Kenner der abseitigen, schaurigen Literatur, dank dem ich nicht nur einige literarische Schätze wiederentdeckt habe, sondern dessen Beiträge und Besprechungen ich auch immer mit Wonne lese. Dementsprechend hoch ist dann auch die Vorfreude auf Die grünen Frauen. Einem Buch, dem ich möglichst viele Leser wünsche.

 

 

+++ Vorschau-Ticker „Crime“ – Winter 2018/Frühjahr 2019 – Teil 3 +++

Wer beim obigen Wort „Vorschau“ nun skeptisch schaut, der tut dies zurecht, denn aufgrund der längeren Kreativpause sind die hier aufgelisteten Titel mittlerweile fast alle längst erschienen – und vielleicht bei dem ein oder anderen auch schon im Bücherregal oder auf dem Nachttischschränkchen. Alle anderen dürfen diese Liste aber gern als Einkaufstipps verbuchen, denn ob vorausschauend oder nicht – folgende Bücher wohl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit meine Sammlung bereichern (Keine Angst, von den hier vertretenden Verlagen werden auch noch im nächsten Ticker ein paar Titel folgen). Wann ich übrigens dann dazu komme, das alles zu lesen, steht wiederum auf einem anderen Blatt.

Und damit zur Auswahl. Was findet euren Gefallen bzw. was ihr habt ihr schon gelesen oder gekauft und wie hat es euch gefallen?

  • Ian Rankin – Ein Haus voller Lügen
    • Hardcover, Oktober 2019, Goldmann Verlag, 978-3442315253, 480 Seiten, 22,00 €
    • Crimealley-Prognose: Naja, zu einem Ian Rankin muss ich wohl hoffentlich nicht mehr viel sagen. In a House of Lies, so der Originaltitel, habe ich mir bereits letzten Oktober direkt in Edinburgh gegönnt. Und auch für die deutsche Ausgabe wird sich hoffentlich irgendein Platz im aus allen Nähten platzenden Regal finden. Gelesen habe ich den Titel übrigens bisher nicht – ich hinke noch einige Rebus-Bände hinterher – aber bis jetzt hat der Fifer Rankin noch immer geliefert. Mal ganz abgesehen davon, dass für mich seine Werke immer weit mehr als nur Krimis sind: Rasiermesserscharfe Kaleidoskope einer Stadt, die für mich schon jetzt eine Heimat fernab der Heimat ist.
  • Gary Victor – Im Namen des Katers
    • Taschenbuch, Januar 2019, litradukt Literatureditionen, 978-3940435309, 168 Seiten, 12,00 €
    • Crimealley-Prognose: Uff, Gary Victor. Ich glaube, da hatte ich hier mal vor längerer Zeit eine Vereinbarung mit einer Blogger-Kollegin geschlossen und versprochen mit der Reihe um Inspektor Azémar zu beginnen. Jetzt ist bereits der vierte Band erschienen und ich habe dem literarischen Haiti Gary Victors immer noch keinen Besuch abgestattet. Es wird Zeit, das endlich nachzuholen. Mea Culpa.
  • John Knox – Smiling Man – Das Lächeln des Todes
    • Broschiertes Taschenbuch, September 2019, Knaur Verlag, 978-3426522417, 448 Seiten, 14,99 €
    • Crimealley-Prognose: Der zweite Fall für Detective Aidan Wells aus Manchester, dieser knallharten, rauhen Stadt, in der man als Cop schon aus einem besonderen Holz geschnitzt sein muss. Knox‘ Debüt wurde ja sowohl in der Bloggosphäre als auch von seinen Schriftstellerkollegen äußerst wohlwollend aufgenommen. Thematisch sagt mir das Gesamtpaket um den lächelnden Toten ohnehin zu, also ist zugreifen angesagt.
  • Nicholas Searle – Der Sprengsatz
    • Hardcover, Juni  2019, Kindler Verlag, 978-3463407210, 352 Seiten, 20,00 €
    • Crimealley-Prognose: Natürlich habe ich auch Searles viel beachtetes Werk Verrat noch nicht gelesen und packe doch im vorauseilenden Vertrauen nun sein neues Buch Der Sprengsatz auf den Merkzettel. Ermittlungen im Islamisten-Milieu, vier Bomben in einem Fußballstadion und ein Geheimdienstoffizier, der von der Mithilfe seines V-Mannes abhängig ist. Richtig zubereitet kann aus diesem Rezept eine gelungene Agenten-Thriller-Mahlzeit werden, weswegen es auch in meine „Vorratskammer“ wandern wird.
  • Sara Gran – Das Ende der Lügen
    • Broschiertes Taschenbuch, Februar 2019, Heyne Hardcore Verlag, 978-3453271562, 352 Seiten, 16,00 €
    • Crimealley-Prognose: Claire deWitt ist zurück und allein das ist ein Grund zum Feiern, denn die von Dämonen gepeinigte Ermittlerin mit ausuferndem Drogenproblem hat für mich ein Alleinstellungsmerkmal im Krimi-Genre. Woran Candice Fox gescheitert ist und wo mich Carol O’Connell nie so richtig zu packen wusste, da hat Gran bisher immer geliefert. Außerdem: Endlich wieder weibliche Unterstützung für Angela Gennaro, Crissa Stone und Co. Mehr toughe, kantige Frauen braucht das Krimi-Land!
  • Johnny Temple (Hrsg.) – USA Noir
    • Broschiertes Taschenbuch, März 2019, CulturBooks Verlag, 978-3959881029, 624 Seiten, 15,00 €
    • Crimealley-Prognose: Kurzgeschichten-Sammlungen liegen zwar weiterhin  zumeist wie Staub in den Regalen der Buchhandlungen, kommen mir und meiner knapp bemessenen Lesezeit aber immer mehr entgegen. Wenn sich dann in einer Anthologie noch so klangvolle Namen wie Dennis Lehane, William Kent Krueger, Lee Child, Don Winslow, Michael Connelly oder Joyce Carol Oates tummeln, braucht es für mich keiner weiteren Kauf-Argumente. Das nach Ostküste, Westküste und Landesinnern aufgeteilte Buch wird wie seine Vorgänger Paris Noir und Berlin Noir den Weg in meine Sammlung finden.
  • Frank Göhre & Alf Mayer – King of Cool – Die Elmore-Leonard-Story
    • Broschiertes Taschenbuch, März 2019, CulturBooks Verlag, 978-3959881043, 240 Seiten, 15,00 €
    • Crimealley-Prognose: Erst vor wenigen Tagen haben wir zuhause die zweite Staffel der Serie Justified beendet, deren Hauptfigur Raylan Givens ja nicht nur aus Elmore Leonards Feder stammt, sondern sich in Stil und Ton an dem unvergleichlichen US-Autor orientiert, der u.a. auch für die Vorlage von Schnappt Shorty, Todeszug nach Yuma, Out of Sight und Jackie Brown verantwortlich zeichnet. Es freut mich ungemein, dass sich mit Frank Göhre und Alf Mayer nun zwei echte Kenner des Genres mit ihm befasst haben – und ich hoffe, dass in dem Zuge auch endlich die Romane (z.B. vllt. beim Unionsverlag) wieder ein Revival auf dem deutschen Buchmarkt erfahren werden.