Jedes Ende ist auch ein Anfang – euch alles Gute für 2021

„Wie könnte die Welt so wie vorher werden wenn so viel Schlimmes passiert ist?“

Ich muss gestehen, es sind diese Worte Samweis Gamdschies in der Verfilmung von „Der Herr der Ringe“, die mich jedes Mal nachdenklich stimmen, wenngleich ich auch nie erwartet hätte, sie auf unser eigenes Hier und Jetzt beziehen zu können. Eigentlich ein Sakrileg, waren doch J.R.R. Tolkien Allegorien grundsätzlich verhasst und er suchte sie zu vermeiden, wo er nur konnte. Dennoch passen Sie auf dieses vergangene Jahr 2020, das für meine Generation sicherlich das bis dato schwierigste war und – das dürfte den meisten klar sein – in seinen Auswirkungen noch weit in 2021 und danach hineinreichen wird.

2020 – es war ein Augenöffner, im guten wie im schlechten Sinne. Und es scheint auch sowohl das Gute als auch das Schlechte in uns Menschen noch potenziert zu haben. Selten haben sich die Kontraste so deutlich durch unsere Gesellschaft gezogen, wurden aus gegensätzlichen Meinungen derart unüberwindbare Gräben. Erstmals kristallisierte sich glasklar heraus, wer sich als Teil einer Gemeinschaft sieht und wer nur die eigenen Egoismen zu bedienen versucht. Und, weit schlimmer, erstmals hatte diese alles ablehnende Haltung lebensgefährliche Folgen für uns alle.

Um ehrlich zu sein, ich mache mir wenig Hoffnungen, dass wir gerade diejenigen, welche ihre Ich-AG weiterhin fahren, noch irgendwie erreichen oder überzeugen können. Ich bin sogar der Meinung, dass wir uns diese Mühe sparen sollten und stattdessen unter den Vernünftigen ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln, zusammen anpacken, aus Fehlern der Vergangenheit lernen. Denn auch dies hat sich für mich 2020 deutlich gezeigt: Ich weiß, auf wen ich nun zählen, wem ich vertrauen kann – wer dieselben Werte hochhält wie ich. Eine gewinnbringende Erkenntnis für das zukünftige persönliche Umfeld.

Es ändert aber nichts daran, dass auch an mir 2020 nicht spurlos vorbeigegangen ist. Fakt ist: Als Mensch, der schon immer gerne für sich war und eher die leere Weite sucht, als den Trubel der Menschenmassen, waren die Maßnahmen und Beschränkungen durchaus erträglich. Der Verzicht von Kontakten, das fehlende Herumreisen, es war nicht das große Problem. Gerne hätten wir dieses Jahr auch England bereist oder uns an der Mosel einen Wein gegönnt – wir haben es uns aber verkniffen, wohlwissend zwei (mit mir selbst drei) Risikopatienten zuhause zu haben, mit denen man leider nicht auf Distanz gehen kann. Stattdessen hat man sich im Garten ausgetobt, endlich mal die vielen TV-Serien geschaut, die Liebe zur Musik wiederentdeckt – und gelesen?

Komischerweise war es gerade mein liebstes Hobby, das mit am meisten unter dieser Pandemie gelitten hat, denn die seelische Ruhe, diese entspannte Atmosphäre für die Lektüre – sie wollte sich bei mir besonders im ersten Halbjahr partout nicht einstellen. Zu groß die Sorgen um die Gesundheit der Familie, den eigenen Job – ja, und um das große Ganze, das vor unseren Augen immer mehr auseinanderfiel. Obwohl gerade ein Buch perfekt dazu geeignet ist, den Schrecknissen der Realität zu fliehen – mir gelang dies lange Zeit so gar nicht, was sich mehr als ohnehin schon in der mangelnden Aktivität auf diesem Blog widergespiegelt hat. Und ich bin auch ehrlich, ich möchte nicht ausschließen, dass mit dem Beginn der Arbeit – und damit mit dem wieder täglichen Kontakt mit Leuten, die diese ganze Pandemie noch immer als lächerlich abtun und mich und die meinen entsprechend in Gefahr bringen – werden sich auch wieder die Sorgen anhäufen. Ich hoffe jedoch, dass ich diesmal in der Lage bin, all dies besser an mir abprallen zu lassen.

Und vielleicht sollte man trotz allem nicht nur negativ auf die Zukunft schauen. Wie bereits erwähnt, hat sich der Kontakt (wenn auch nicht persönlich) zu vielen Menschen in 2020 intensiviert, unter den sich auch viele Bloggerkollegen und Bloggerkolleginnen befinden, deren virtuelle „Brieffreundschaft“ ich inzwischen sehr zu schätzen gelernt habe. Es wäre schön, wenn man den ein oder anderen vielleicht im kommenden Jahr mal persönlich treffen könnte, wie ich mich überhaupt darauf freue, alte Freunde wie z.B. meinen Partner in Crime Jochen wieder zu sehen.

Bis dahin freue ich mich weiterhin auf den Austausch mit euch in der kriminellen Gasse, bedanke mich nochmal für eure Treue und allen neuen Followern für das Vertrauen. Ich werde mein Bestes geben, dass es dieses Jahr nicht wieder ganz so ruckelt und ich euch mit dem ein oder anderen unter dem Radar geflogenen Literaturtipp versorgen kann. Und so blicke ich doch mit einem, wenn auch etwas bemühten positiven Blick in die Zukunft, denn wie stellt auch Samweis schließlich überzeugt fest:

„Aber letzten Endes geht auch er vorüber, dieser Schatten, selbst die Dunkelheit muss weichen. Ein neuer Tag wird kommen und wenn die Sonne scheint, wird sie umso heller scheinen!“

In diesem Sinne lasst uns diesen Jahresanfang wirklich mal zu einem Neuanfang machen. Ich wünsche all meinen Freunden und Lesern hier alles, alles Gute für das kommende Jahr 2021. Kommt gut reingerutscht, bleibt alle gesund und was am wichtigsten ist – lasst euch den Spaß am schönsten Hobby der Welt nicht nehmen!

Kriminelle Grüße aus der Gasse
Euer Stefan

8 Gedanken zu “Jedes Ende ist auch ein Anfang – euch alles Gute für 2021

  1. Oh, Samweis ist ja „mein Held“ im Herrn der Ringe, ohne den treuen Freund wäre alles nicht zu einem hoffnungsvollen Ende gekommen. Und genau so Menschen gab und gibt es auch in meinem Leben. Und die zählen und bringen einen weiter und sind die Zukunft, da hast Du vollkommen recht!
    Ich wünsche Dir sehr, dass Dein und Euer Jahr besser wird, als das alte (was eigentlich nicht so schwer sein sollte) wünsche mehr einsichtigere und rücksichtsvollere Menschen (wünschen darf man ja) und Dir ganz viel Kraft! Wenn man Sorge für andere Menschen trägt, ist alles schwieriger.
    Auf ein schönes neues Buch mit vielen ungeschriebenen Seiten (und viele gute Krimis)
    Alles Gute und vor allem Gesundheit im neuen Jahr und liebe Grüße
    Nina

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  2. Endlich hatte ich die Muße Deinen „Neujahr-Post“ zu lesen….
    Danke für die ausführlichen Rezensionen über Bücher und Tipps für Bücher, die nicht in den Mainstream-Foren auftauchen. Es waren mal wieder echte Perlen dabei.
    Ich freue mich darauf auch 2021 Neues zu entdecken (und zu kaufen – seufz)!
    Lass Dich nicht unterkriegen…. und schon gar nicht unter Druck setzen!
    Alles Gute für Dich und die Deinen (sogar die Schwiegermutter :-) )

    Gefällt 1 Person

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