+++ Vorschau-Ticker „Non-Crime“ – Frühling/Herbst 2020 – Teil 1 +++

Neben dem Kriminalroman wildert die kriminelle Gasse natürlich noch in anderen Genres – und so wird es auch dieses Jahr wieder einen (oder zwei?) Ticker über die Titel aus dem weitgefassten Bereich der Belletristik geben. Hierbei fällt auf, dass sich bereits unter den ersten Verlagsvorschauen gleich einige Bücher befinden, die mehr als einen zweiten Blick wert sind bzw. sogar definitiv den Weg in die heimische Bibliothek finden werden. Und damit ohne Umschweife zu unseren heißesten Anwärtern aus den Häusern Hanser, Piper, Berlin und Tropen.

Falls sich übrigens jemand wundert: Hilary Mantels abschließender Band der Tudor-Trilogie war mir in der vorherigen Vorschau glatt entgangen. Dennoch sei für Freunde des historischen Romans auf diese Schwarte nochmal explizit hingewiesen.

Welcher Titel aus der Liste spricht euch denn am meisten an?

  • Richard Frank – Irische Passagiere
    • Hardcover, April 2020, Hanser Berlin Verlag, 978-3446265882, 288 Seiten, 22,00 €
    • Crimealley-Prognose: Da ich in der Vergangenheit vermehrt auf den Kurzgeschichten-Geschmack gekommen bin, spielt mir diese Veröffentlichung sehr in die Hände. Von Ford steht a) ohnehin fast alles im Regal und er ist b) immer eine sichere Bank für große, markante Literatur. Schroff, eckig und doch am Ende stets auch auf überraschende Art und Weise berührend – das erwarte ich mir auch bei Irische Passagiere. Wird sicher gekauft.
  • David Vann – Momentum
    • Hardcover, März 2020, Hanser Berlin Verlag, 978-3446265943, 320 Seiten, 24,00 €
    • Crimealley-Prognose:  David Vanns Sprachgewalt hat mich in der Vergangenheit bereits mehrfach beeindruckt und sich damit in den engen Kreis der Autoren geschrieben, deren neues Buch ich sofort näher in Augenschein nehme. Das gilt auch für Momentum, mit dem Vann von Suhrkamp zu Hanser Berlin wechselt. Ohnehin schon immer sehr autobiographisch geprägt, scheint sich dieser Roman ziemlich eng an der Lebensgeschichte von Vanns Vater zu orientieren. Die Suche des depressiven Jim nach einer Erlösung in der Natur tönt wieder interessant. Und auch das Cover deutet daraufhin, dass wir einmal mehr einen Plot in der Tradition von McCarthy, Gay und Co. erwarten dürfen.
  • Jane Healey – Die stummen Wächter von Lockwood Manor
    • Broschiertes Taschenbuch, April 2020, hanserblau, 978-3446266001, 448 Seiten, 15,00 €
    • Crimealley-Prognose: Healeys ist Buch ist meinerseits ein absoluter Schuss ins Blaue, löst doch zumindest das Cover bei mir erstmal einen Fluchtreflex aus. Anderseits klingeln mir bei dem einsamen viktorianischen Herrenhaus, dem zeitlichen Rahmen der späten 30er Jahre und bei ausgestopfte Exponanten, welche des Nachts ihren Standort verändern, auch die Ohren. Dass zudem Healey selbst in einem angeblichen „Haunted“-Haus aufwuchs und auch noch ihre Abschlussarbeit über übersinnliche Phänomene in Jane Eyre schrieb, lässt auf einen guten, atmosphärischen Schauerroman hoffen (Wenn die „große Liebe“ nicht allzu sehr im Mittelpunkt steht). Ich werde mein Glück mal wagen.
  • Angie Kim – Miracle Creek
    • Hardcover, März 2020, hanserblau, 978-3446266308, 464 Seiten, 22,00 €
    • Crimealley-Prognose: Die gleichnamige Kleinstadt in Virgina ist der Schauplatz dieses Romans, in dem bei der Explosion eines Sauerstofftanks zwei Menschen ums Leben kommen. Die Mutter des einen Opfers, ein achtjähriger Junge, steht im Verdacht, für die Brandstiftung verantwortlich zu sein. Und doch haben auch alle anderen etwas zu vergeben. Das klingt für mich wie Broadchurch in den Südstaaten und damit äußerst verlockend. Wird ganz sicher ins Regal wandern.
  • Emma Flint – In der Hitze eines Sommers
    • Broschiertes Taschenbuch, Juni 2020, Piper Verlag, 978-3492061605, 448 Seiten, 16,99 €
    • Crimealley-Prognose: Schon John Balls In der Hitze der Nacht war mehr Gesellschaftsroman als Krimi und dieser „Gegenpart“ von Emma Flint spielt nicht nur ebenfalls in den 60er Jahren und thematisiert ein heikles Thema, sondern basiert gar auf einer wahren Begebenheit. Als zwei Kinder spurlos verschwinden, will man dies der selbstwussten Mutter und ihrem eigenwilligen Lebensstil zur Last legen. Nur der Reporter Ruth erkennt die frauenverachtenden Machenschaften der Polizei und beginnt selbst nachzuforschen. Wenn Flint es gelungen ist, ein treffendes Sittengemälde der damaligen Zeit mit der entsprechenden Dramaturgie zu zeichnen, steht einem ganz großen Wurf nichts im Wege. Für mich ein Muss-Kauf.
  • John Boyne – Die Geschichte eines Lügners
    • Hardcover, Mai 2020, Piper Verlag, 978-3492059633, 432 Seiten, 24,00 €
    • Crimealley-Prognose: Ein Schriftsteller, der einem anderen Schriftsteller die Ideen klaut und damit dessen Karriere beendet. Und das vor dem Hintergrund des ehemaligen Westberlin. Die im Klappentext angesprochene Beziehung der Autoren Maurice Swift und Ackermann ähnelt sehr den Figurenkonstellationen von Highsmiths Der talentierte Mr. Ripley. Ob Boyne ein ähnliches psychologisch-spannendes Duell auf Papier gebracht hat – davon werde ich mich gerne selbst überzeugen.
  • Willi Achten – Die wir liebten
    • Hardcover, Mai 2020, Piper Verlag, 978-3492059947, 336 Seiten, 22,00 €
    • Crimealley-Prognose: Willi Achtens Nichts bleibt war für mich eine der größten Überraschungen der letzten Jahre und so bewerte ich die Ankündigung von Die wir liebten äußerst positiv. Zwei Brüder, die in den 70ern auf einem Gnadenhof aufwachsen, einem Heim, in dem die Methoden der Nazis immer noch fortbestehen. Wenn Achten wieder ähnlich viel Liebe und Feingefühl in die Zeichnung seiner Figuren steckt, dürfen wir uns hier einmal mehr auf große Literatur freuen.
  • Sarah Moss – Geisterwand
    • Hardcover, Mai 2020, Berlin Verlag, 978-3827014139, 160 Seiten, 20,00 €
    • Crimealley-Prognose: Nostalgischer Nationalismus und Gewalt gegen Frauen in einer Gruppe von Archäologen, die für einen Sommer in den Wäldern Northumberlands wie in der Eisenzeit leben will. Sarah Moss rührt da ein äußerst spannendes Gemisch an, dass mich allein schon vom Schauplatz her lockt und zudem Potenzial hat, der Thematik „Sekte bzw. Kommune“ ein paar neue Facetten abzugewinnen. Ich bin angefixt und werde mir Geisterwand sicher gönnen (Über die 20 € für gerade mal 160 Seiten muss man sich dennoch wundern).
  • Hilary Mantel – Spiegel und Licht
    • Hardcover, März 2020, DuMont Buchverlag, 978-3832197247, 1200 Seiten, 30,00 €
    • Crimealley-Prognose: Schande über mein Haupt. Ich bin zwar ein großer Liebhaber des historischen Romans, aber die mehrfach preisgekrönten Titel Wölfe und Falken aus der Feder Hilary Mantels habe ich immer noch nicht gelesen. Und die Verfilmung zu ersterem Buch steht ebenfalls ungesehen im Regal. Nun erscheint der seitenstarke Abschluss der Trilogie über die Tudors und will mir damit wohl deutlich machen: Zeit wirds. Vielleicht sollte ich für alle drei Bände mal einen Monat Urlaub nehmen?
  • Tom Kummer – Von schlechten Eltern
    • Hardcover, März 2020, Tropen Verlag, 978-3608504286, 256 Seiten, 22,00 €
    • Crimealley-Prognose: Kummers Roman ist eine Wundertüte. Die Geschichte eines VIP-Fahrers, der des Nachts seine Runden gen Bern oder Zürich dreht und sich dabei mit seinen Fahrgästen unterhält – das kann auf intime Art und Weise beklemmend und eindringlich daherkommen. Oder auch zu Tode langweilen. Dass der Klappentext vor allem aber die Themen Verzweiflung und Tod betont, deutet zumindest an, dass auch in diesem Fall auf ein größeres Spannungsmoment hingearbeitet wird. Ich werde dennoch mal erste Besprechungen vor dem Kauf abwarten.
  • Anna Burns – Milchmann
    • Hardcover, Februar 2020, Tropen Verlag, 978-3608504682,  496 Seiten, 25,00 €
    • Crimealley-Prognose: Ob ich mit Milchmann am Ende warm werde, wird von mehreren Faktoren abhängen. Der Plot um eine selbstbewusste und selbstbestimmte Frau, die von einem älteren und mächtigen Mann, dem Milchmann, bedrängt wird, hat durchaus Konfliktpotenzial – gerade vor dem Hintergrund des Schauplatzes Irland, wo Burns dieses Gesellschaftsporträt in einem kleinen Dorf platziert. Ich hoffe auf einen typisch irischen – und damit lakonischen und etwas derben (in Bezug auf die Sprache) – Roman, der sich am Ende nicht nur wie eine feministische Kampfschrift lesen lässt, sondern auch eine überzeugende Geschichte zu erzählen weiß. Es gibt einige Bloggerkollegen und Bloggerkolleginnen, die dieses Buch sicher lesen werden und ich werde daher wohl auf erste Rückmeldungen warten.

 

9 Gedanken zu “+++ Vorschau-Ticker „Non-Crime“ – Frühling/Herbst 2020 – Teil 1 +++

  1. Da hast Du ja noch manches vor…. und ich wünsche Dir für 2020 dass Dein Geldbeutel niemals leer wird!

    Des weiteren verlasse ich mich dann nächstes Jahr auch eher auf Deine Rezensionen und meine lange Wunschliste.

    Immerhin habe ich mir letzte Woche in London den 1. Teil der Tudor-Trilogie „Wolfhall“ von Hilary Mantel als Taschenbuch gekauft. Es lag da einfach so rum……. ;-) und wer weiß, vielleicht hat das Buch ja Glück und wird schon 2020 an die Reihe kommen.

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    • Das wäre schön. Die Vorzeichen in meiner beruflichen Branche sind derzeit allerdings nachtfinster. Naja, abwarten.

      Es freut mich, wenn meine Tipps da bisher Deinen Geschmack getroffen haben. Jeder hat ja dann doch so seine speziellen Vorlieben und eine Besprechung bleibt am Ende natürlich immer subjektiv.

      Ja, diese Tudor-Trilogie. Die lacht mich auch schon ewig an. Aber ich habe da noch so viele andere historische Romane im Regal. *seufz* – Hab übrigens gestern gesehen: Ein Prequel von „Die Säulen der Erde“ kommt auch. (Erstmal auf Englisch natürlich) Meine Erwartungen sind aber gering, denn Follett hat meines Erachtens seit Jahren nix Vernünftiges mehr auf Papier gebracht.

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  2. Ich freue mich auf den Abschluss der Cromwell-Trilogie! Keine Sorge, „Milchmann“ ist keine feministische Kampfschrift :-) Es ist allerdings sehr eigenwillig geschrieben, im Englischen funktioniert das Buch sehr gut als Hörbuch, was aber natürlich sehr sprecherabhängig ist. Wäre interessant zu sehen, ob und wie die Übersetzung funktioniert.

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