Mein Edinburgh – Ein Reisebericht – Teil 1 – Warum diese Stadt?

Die richtigen Worte

Irgendwie ist es wie verhext. Von meinem Urlaub in Edinburgh bin ich mit so vielen Eindrücken und Erinnerungen zurückgekehrt, dass es eigentlich für Dutzende Seiten reichen müsste und doch sehe ich mich einmal mehr mit einem altvertrauten persönlichen Problem konfrontiert: Wenn es darum geht, Gefühle auf Papier zu bringen, baut sich bei mir automatisch eine schier unüberwindliche Barriere auf, eine kreative Blockade, an der ich mich nicht selten stundenlang abarbeiten muss, um sie zu überwinden. Der Weg mag zwar das Ziel sein, aber in meinem Fall leider ein holpriger, weswegen es dem geneigten Leser wohl schwer fallen dürfte, gerade am Einstieg in diesen Reisebericht Gefallen zu finden. Insofern möchte ich mich vorab für etwaige Ausschweifungen entschuldigen und stattdessen versuchen schnellstmöglich zur Sache zu kommen.

Unser Trip in die Stadt am Fuße des Arthur’s Seat ward besonders von mir lang erwartet, genau gesagt sogar bereits seit einigen Jahren. Und ich denke, es ist notwendig diese Vorfreude ein wenig näher zu erklären – wofür ich wiederum einen Blick zurück in die Vergangenheit werfen muss. Soviel also zum „schnellstmöglich zur Sache“ kommen. Aber ich schrieb ja bereits, dass mir dies hier nicht so leicht fällt.

Von Dinosauriern und Detektiven

Die Stadt Edinburgh und meine Liebe zur Literatur, insbesondere zur Kriminalliteratur. Sie hängen beide zusammen bzw. haben ein gemeinsames Bindeglied. Dieses trägt den Namen Sir Arthur Conan Doyle. Bekannt geworden durch seine Geschichten um den Meisterdetektiv Sherlock Holmes, den man – von verschiedensten Schauspielern verkörpert – vor allem mit den nebligen Gassen der Themsestadt London assoziiert, in welcher er gemeinsam mit Doktor Watson tatsächlich auch die meisten seiner Kriminalfälle mittels seiner deduktiven Fähigkeiten zu lösen wusste. Viel weniger Leute wissen, dass Doyle ursprünglich in Edinburgh geboren wurde. Eine Tatsache, die er zwar, wie seinen schottischen Akzent, zu Lebzeiten so weit wie möglich zu ignorieren versuchte – mir aber seit Beginn an in Erinnerung geblieben ist. Und mit Beginn an, heißt seit Ende der 90er Jahre.

Zu dieser Zeit war der Verfasser dieser Zeilen ein noch wenig ehrgeiziger Realschüler, der in seinen Schulferien das Taschengeld als Aushilfskraft in einem Lager für Autoersatzteile aufbesserte. Lesen tat ich damals zwar bereits gern, allerdings vorwiegend Fach- und Sachliteratur – die Liebe zur Fiktion und vor allem zum Krimi, sie war erst kurz davor geweckt zu werden. Um die einstündige Pause bei der Arbeit als Lagerist irgendwie zu überbrücken, ging ich in die Bielefelder Stadtbibliothek. Erschlagen von der schieren Auswahl und auch ohne eine richtige Ahnung, was ich mir da eigentlich ausleihen sollte. Da damals gerade das Thema Dinosaurier (vor allem durch die beeindruckende BBC-Dokumenation Im Reich der Giganten) hochaktuell war, gab ich dies einfach mal als Stichwort ein. Und fand schließlich u.a. Conan Doyles Die verlorene Welt. Ein Sci-Fi-Abenteuer-Roman, in welcher sich eine kleine Gruppe um den aufstrebenden Journalist Edward Dunn Malone und den exzentrischen Biologie-Professor Challenger auf den Weg nach Pará, Brasilien macht. Dort, auf einem abgelegenen Plateau, sollen einige Tierarten der Vorzeit, wie auch die Dinosaurier, immer noch leben.

Der Auftakt zur Challenger-Reihe hat auf den ersten Blick nur wenig mit den Holmes-Geschichten gemein. Wer jedoch genau hinschaut, der erkennt auch hier Doyles Versuch, das Unerklärliche auf wissenschaftliche Art und Weise zu erklären – und damit einen authentischen Anstrich zu verleihen. Wie auch immer: Die verlorene Welt lief bei mir damals offene Türen ein und die Gier nach mehr ward geweckt. Wofür sich natürlich die weiteren Werke Doyles anboten, dessen Figur Sherlock Holmes ich bis dato nur von TV-Verfilmungen kannte. Der nächste Gang in die Bibliothek führte mich also in die Abteilung Kriminalliteratur, wo die grünen Rücken der alten Haffmans-Ausgaben bereits ebenso auf mich warteten, wie ein Sammelband vom Heidi-Kraus-Verlag, der Das Zeichen der Vier, Das Tal der Furcht und Der Hund der Baskervilles beinhaltete. Der Rest ist, so sagt man ja gern, Geschichte. Der Eindruck, den Holmes auf mich machte, lässt sich im Detail in meinen Rezensionen hier auf dem Blog bereits nachlesen (weitere Besprechungen werden folgen). Nur soviel sei an dieser Stelle gesagt: Die Lektüre öffnete mir die große Welt der Kriminalliteratur. Es folgten recht bald Agatha Christie und Dorothy Leigh Sayers. Und dann dauerte es nicht lang, bis ich den Weg über den großen Teich fand und Ross MacDonald, Dashiell Hammett und Raymond Chandler für mich entdeckte. Sie waren der Keim einer Faszination, die nicht nur den weiteren Verlauf meines Lebens geprägt hat, sondern auch bis heute noch ihre Blüten treibt. Zum Ursprung, zu Sherlock Holmes, kehrte ich jedoch immer wieder zurück. Nach den Original-Geschichten folgten diverse Pastiches und letztendlich auch Sachbücher über den Autor, was bald einen weiteren Namen zutage förderte: Joseph Bell.

Blaupause für Sherlock Holmes

Bell wurde 1837 ebenfalls in Edinburgh geboren und gilt bis heute als einer der Pioniere für Forensik. Von 1874 bis 1901 arbeitete er als Chirurg und Dozent an der University of Edinburgh und betonte in seinen Vorlesungen stets die Wichtigkeit von genauer Beobachtung bei der Erstellung einer Diagnose. Er galt als äußerst geschickt, wenn es darum ging, anhand von einem äußeren Erscheinungsbild den Beruf oder die kürzlichen Aktivitäten eines Fremden herzuleiten. Eine Kombinationsgabe, die auch Arthur Conan Doyle tief beeindruckte, welcher Bell 1877 traf und der ein Jahr später sogar als dessen Assistent an der Royal Infirmary in Edinburgh arbeitete. Überflüssig zu erwähnen, dass die spätere Figur Sherlock Holmes gleich in vielen ihrer Eigenschaften auf Joseph Bell fußt.

Wenngleich also der große Meisterdetektiv sein Revier in London hatte – seinen Ursprung fand er in Edinburgh. Und da Bell zudem beim Fall um Jack the Ripper zu Rate gezogen wurde, blieb mir sein Name und vor allem sein Wirken prägend in Erinnerung. Die Morde im East End, sie wurden zwar nicht von Bell gelöst. Seine Beteiligung hatte jedoch eine Modernisierung der Polizeistreitkräfte zur Folge. Und mich fasziniert bis heute die Tatsache, dass Holmes in gewisser Weise doch irgendwie an den Ermittlungen beteiligt war sowie die verblüffende Ähnlichkeit  der schmalen Gassen und Häuserschluchten des Londoner East End mit den so genannten Closes von Edinburgh. Mein Interesse an der Stadt am Firth of Forth – es vertiefte sich. Dennoch sollten aber noch ein paar Jahre vergehen, bis daraus mehr wurde.

Ein Opfer von Jack the Ripper © Rex Features

Einmal Uni und zurück

Nach Abschluss des Gymnasiums mit einer knappen Note im 2er-Bereich, welche ich vor allem Faulheit und mangelndem Ehrgeiz zu verdanken hatte, sah ich mich mit einem Problem konfrontiert: Was nun tun? Der Gang zur Bundeswehr war fest eingeplant, scheiterte letztlich jedoch an mangelnder Sehstärke, weshalb ich mich kurzfristig umorientieren musste. Was macht man also, wenn man nicht weiß wohin? Richtig, man geht studieren. Literatur und Geschichte waren inzwischen, auch durch die Leistungskurse in der Oberstufe, mein Steckenpferd geworden und so bot sich ein Studium in dieser Richtung auch an. Die Bedingungen dafür waren allerdings mehr als bescheiden. Es mangelte an Lehrkräften und in den Hörsälen sammelten sich oft gern an die vierhundert bis fünfhundert Menschen. Kurzum: Die ersten Semester an der Uni erlebte ich als äußerst chaotisch. Hinzu kam: So sehr ich mich für die Thematik begeistern konnte, das Theoretische am Studieren irritierte mich ebenso, wie das Verhalten der meisten Studenten. Es schien ein anderer Schlag Menschen zu sein und ich nicht dazuzugehören. Keiner sprach das laut aus – aber ich fühlte die fehlende Verbindung zu den Kommilitonen. Und tief in meinem Innern wollte ich eigentlich auch keine.

Die Unzufriedenheit wuchs. Aus der Leidenschaft zur Literatur wurde monotone Arbeit. Die Pausen zwischen den Vorlesungen sah ich als Sand meiner Lebenszeit davonrieseln. Während mein Vater die Aussicht auf einen Abschluss an der Uni begeisterte, spielte ich in Gedanken bereits mit dem Abschied. Da ein Studium in Richtung Fachdidaktik für mich von vorneherein nicht in Frage kam, blieb nur noch das Feld Journalismus. Und so gerne ich schrieb, quälten mich doch stets die Zweifel, ob es qualitativ dafür reichen würde. Mal ganz abgesehen davon, dass man von dem Verdienst nur gerade so würde leben können.

Azubi im Buchhandel

Ich tat schließlich das, was ich immer tat, wenn ich an einem Scheideweg in meinem Leben stand: Ich hörte auf mein Herz – und entschied mich genau für das Gegenteil dessen, was mir mein Vater riet. Letztere Haltung hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt als stets richtig erwiesen (Statt wie gewollt direkt von der Grundschule aufs Gymnasium, ging ich lieber erst auf die Realschule. Statt nach dieser eine Ausbildung in irgendeinem Handwerk zu beginnen, wechselte ich in die Oberstufe des Gymnasiums.) und sollte dies übrigens auch in der Zukunft weiterhin tun. So schmiss ich nach knapp vier Semestern mein Bachelor-Studium für Literaturwissenschaften und Geschichte und schrieb stattdessen Bewerbungen an diverse Buchhandlungen. Meine Liebe zur Literatur – ich wollte sie praktizieren und mit den Menschen genauso teilen, wie mein inzwischen erworbenes Wissen. Als Hürde erwiesen sich schließlich mangelnde Ausbildungsplätze. Insbesondere die inhabergeführten Buchhandlungen hatten schon damals (2006) mit rückläufigem Umsatz zu kämpfen und meist für drei Jahre nur einen Azubi im Betrieb. „Rettung“ kam schließlich von Seiten Thalia. Eine große Filialkette, von der ich bereits viel gehört hatte – allerdings nicht immer nur Gutes.

© Thalia Buchhandlung Bielefeld

Meine Befürchtungen sollten sich jedoch nicht bestätigen. Ganz im Gegenteil: Die Buchhandlung in Bielefeld am Oberntorwall 23 war eine ehemalige Phoenix-Filiale und so setzte sich auch das Personal aus vielen „alten“ Buchhandels-Hasen zusammen. Ein El Dorado für einen wissbegierigen Azubi, der ich von Tag eins an war, weil mir eins sogleich bewusste wurde: Das hier ist DER Beruf, für den ich geboren wurde. Früh übertrug man mir die Verantwortung für eine ganze Abteilung, wobei ich gleichzeitig mein Beuteschema in Punkto Kriminalliteratur durch belesene Kollegen und Kolleginnen um ein vielfaches erweiterte. Hinzu kam der Blockunterricht in den Schulen des Deutschen Buchhandels in Seckbach, von denen ich bis heute nicht genug schwärmen kann. Die Dozenten waren nichts geringeres als herausragend und ansteckend in ihrer Passion für das Medium Buch. Hatte ich auf der Universität die deutschen Klassiker nach und nach aufgrund ewig währender Analysen zu hassen gelernt, kehrte die schiere Begeisterung eines Rainer Dorner im Fach Deutsche Literatur dies wieder ins Gegenteil um. Ob Thomas Mann oder Arno Schmidt – Lesen machte wieder Spaß. Und noch mehr das Entdecken: Freier Internetzugang erlaubte regelmäßige Recherche, in deren Verlauf ich bald auf eine Seite stieß, die mein Leben schließlich maßgeblich beeinflussen und auch Edinburgh wieder ins Blickfeld rücken sollte: Die Krimi-Couch.

Die Krimi-Couch und das Schicksal

Bis heute gilt das Internetportal als DIE deutsche Anlaufstelle für Krimi-Fans im Internet. Dennoch war sie für mich im Jahr 2007 nicht in erster Linie aufgrund der vielen Informationen zu Autoren und Titeln oder den Rezensionen interessant. Nein, das Forum hatte es mir angetan. Ein Sammelbecken für Krimi-Verrückte, Sammler und Kenner, aus dem ich täglich neue Bücher angelte. Neben der reinen Lektüre wurde nun auch das kategorische Hamstern von Literatur zu meinem alles bestimmenden Hobby. Innerhalb kürzester Zeit wuchs die hauseigene Bibliothek um mehrere hundert Bände an. Angespornt von den vielen Besprechungen der User sowie auch der KC-Redakteure schrieb ich meine ersten Rezensionen, welche bald immer länger und ausführlicher wurden. Buch eins einer Reihe oder eines Autors -> Lektüre -> Rezension – Diese Reihenfolge wurde zu einem festen Ritual, das bis heute Bestand hat.

Neben den literarischen Entdeckungen bildeten sich jedoch auch viele neue Freundschaften in einem Forum, in dem man sich längst nicht nur noch über Krimis unterhielt, sondern auch weit persönlichere Themen diskutiert wurden. Es war ein Kreis von Gleichgesinnten, in dem man sich so wohlfühlte wie – ja, wie auf einer Couch eben. Vertraute im Geiste, Buchhandelskollegen, Spaßmacher. Eine Zeit, an die ich mich sehr, sehr gern und manchmal auch wehmütig zurückerinnere, ist doch das Forum mittlerweile geschlossen und vieles nicht mehr nachzulesen. Und es war hier, wo ich auf die Frau stieß, mit der ich mittlerweile fast elf Jahre zusammen bin und zwei wunderbare Töchter habe.

Die eine Frau

Im Oktober 2007 war ich bereits seit mehreren Monaten auf der Krimi-Couch angemeldet, hatte mir jedoch noch kein Profil erstellt und auch nur sporadisch im Forum mitgemischt. Wenn ich mich recht erinnere las ich zum damaligen Zeitpunkt wieder einmal gerade Die Abenteuer des Sherlock Holmes, als mir eine Userin namens annun_ am 27.10.2007 um 23:54 Uhr folgendes auf die Pinnwand schrieb:

„Hallo Stefan,

Sag Dir mal „Hallo“

Freu mich immer, wenn ich Leute finde, die Arthur Conan Doyle auch so gerne lesen wie ich. Wünsche Dir viel Spaß hier…

Gruß annun_“

Ich frage mich, wie wohl mein Leben verlaufen wäre, wenn ich auf diesen Pinnwandeintrag nicht geantwortet hätte. Fakt ist: Ich tat es und wir kamen per PN ins Gespräch über Sherlock Holmes, über die Jeremy-Brett-Verfilmungen, über Kriminalromane, über das Dartmoor,über London, über Edinburgh und über das viktorianische Zeitalter. Aus einem ersten Gespräch wurde bald reger Kontakt. Aus einer oberflächlichen Freundschaft über das Internet ein tiefer gehendes Vertrauen. Es entwickelte sich etwas, was ich bis dato nie für möglich gehalten und auch stets strikt abgelehnt hätte. Eine echte Beziehung und tiefere Gefühle. Obwohl es noch fast vier Monate dauerte, bis ich sie zum ersten Mal traf, war mir bereits eins unumstößlich klar: Wie Irene Adler für Holmes, so gab es auch für mich „nur eine Frau“. Unsere erste Begegnung bekräftigte schließlich nur noch das, was wir beide vorher schon wussten. Ich, der ich nie ans Schicksal geglaubt hatte, fand es beinahe schon unheimlich wie gut das alles passte, auf welchem Weg wir uns gefunden hatten – und wie sehr wir auf einer Wellenlänge schwammen. Ich hatte die Liebe meines Lebens gefunden.

Ein Jahr später handelte ich dann einmal mehr gegen den Willen meines Vaters. Ich brach meine Zelte in Bielefeld ab, zog in den Spessart und pendelte von dort jeden Tag zu Thalia in Kassel, um meine Ausbildung zu beenden und mit annun, die im richtigen Leben Christina heißt, ein gemeinsames Leben zu beginnen. Allen geäußerten Zweifeln zum Trotz die beste Entscheidung, welche ich je getroffen und nicht eine Sekunde lang bereut habe. Neben zwei Menschen brachte der Umzug auch zwei riesige Krimi-Sammlungen zusammen und es tat für uns beide gut zu wissen, dass der jeweils andere dieselbe Begeisterung für Literatur hegte. Da man sich inzwischen persönlich unterhalten konnte, wurden die Besuche auf der KC zwar seltener – dennoch nutzten wir sie weiterhin, um den Horizont zu erweitern. Und so stieß ich schließlich auf Ian Rankin.

Die Wiederentdeckung von Edinburgh

Die Vorliebe für britische Spannungsliteratur – sie musste mich irgendwann über diesen Namen stolpern lassen und damit zurück nach Edinburgh führen, wo ja irgendwie alles begonnen hatte. Hatte ich mich zuvor jedoch eher auf fachlicher Ebene mit dieser Stadt beschäftigt, so wandelte ich nun, beginnend mit dem Auftakt Verborgene Muster, an der Seite von Detective Inspector John Rebus durch die Oxford Bar, die Fleshmarket Close, die Royal Mile und die Schatten von Edinburgh Castle. Die schottische Metropole – sie ist bei Rankin weit mehr als ein Schauplatz, es ist ein weiterer Protagonist, ein lebendige, wandelbare Figur im Schatten und im Licht, welcher dieser grandiose Autor auf beeindruckende Art und Weise immer wieder neue Facetten abringt. Kaum ein anderer Ermittler in der Kriminalliteratur ist so eng mit seinem Umfeld verbunden, so sehr von ihm geprägt. Und verkörpert so glaubhaft einen Polizist in seinem Revier.

Mein stetig glimmendes Interesse an Schottland und Edinburgh – Ian Rankin entfachte aus ihm ein Feuer, ein mit jedem Jahr drängenderes Fernweh, das von Christina, die selbst den Ursprung von Arthur Conan Doyle erkunden wollte, nur noch mehr angefacht wurde. Allein – Zeit und Geld spielten für einige Jahre nicht mit. Bis letzte Woche – als wir endlich unsere Reise nach Edinburgh antraten, um damit auf gewisse Weise auch einen Kreis zu schließen.

In Teil zwei komme ich dann (versprochen!) endlich zur Sache und berichte mehr von unserer Ankunft und Tag eins in Edinburgh.

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15 Gedanken zu “Mein Edinburgh – Ein Reisebericht – Teil 1 – Warum diese Stadt?

  1. Wie obercool ist das denn! Freue mich schon beim Lesen und obwohl ich euch gar nicht kenne, darüber, wie ihr euch kennenglernt habt. Und wir verbringen auch gerade einige Urlaubstage in Edinburgh. Also, herzliche Grüße an euch zwei. Freue mich auf die Fortsetzung deines Berichts. Anna

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  2. Das ist wohl die beste Begründung für einen Städtetrip, die ich je gelesen habe! :D Vielen Dank für die privaten Einblicke! Und wie sweet, sowohl deine Beziehung zur Literatur als auch zu deiner Frau, was für eine famose Verbindung, da kippt gerade einem Büchernarr ja wirklich das Herz über! <3

    Und ich habe einige Parallelen entdeckt! Studiere gerade im zweiten Semester Literaturwissenschaft und Geschichte (waren auch schon in der Schule die einzigen Fächer, die wie von selbst liefen und mich ehrlich interessierten) an einer Fernuni und ja, ich kann gut nachvollziehen, was Du mit der Befremdlichkeit gegenüber dem Theoretischen meinst. Dann die Überlegung, der Wunsch, in Richtung Journalismus zu gehen, das war bei mir auch schon während/vor der Abizeit Thema und ich habe es letztlich auch nie durchgezogen, bzw. war mir sicher, dass mein Gemüt nie forsch genug wäre, um die Art von Journalismus zu betreiben, die mich immer beeindruckt hat. Und ich habe meinen Mann/Freund (wie nennt man das bloß angemessen, wenn man ewig zusammen aber nicht verheiratet ist?!) auf ganz ähnliche Weise kennengelernt, auch wenn es bei uns damals die Musik war und nicht die Kriminalliteratur, die uns zusammengeführt hat, aber der Weg war ein ähnlicher und jetzt sind es fast 15 Jahre und ich merke gerade, dass so ein privaterer Post offenbar forciert, dass man selbst anfängt, redseelig zu werden. :D

    Freue mich schon auf den zweiten Teil!

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    • Hm ja, irgendwie fand ich es schwierig die Bedeutung dieser Reise herauszuarbeiten, ohne die Vorgeschichte zu erwähnen. Insofern musste ich also persönlich ein wenig „die Hosen runterlassen“, was ich sonst eigentlich vermeide und auf einem Krimi-Blog ja nun nicht unbedingt was verloren hat. In unserem Fall hängt aber halt vieles auch mit dem Krimi zusammen. Insofern hoffe ich, dass man über diese Nabelschau ein wenig hinwegsehen kann. :-)

      Finde ich ja witzig, dass du genau dasselbe studierst und das ähnlich empfindest. Fürs Studieren muss man glaube ich gemacht sein. Das war bei mir nie der Fall. Ich brauche die täglichen kleinen Erfolge und erreichten Ziele. Dieses lange Hinarbeiten auf ein Ziel – das ist nichts für mich. Und ohne äußeren Druck funktioniere ich auch einfach schlechter. Vielleicht ein Grund, warum ich das Weihnachtsgeschäft so geliebt habe. Wenn wie beim Tennis die Bälle die Kunden von rechts und links kamen, habe ich mich immer am wohlsten gefühlt.

      Ja, Freundin, Lebensgefährtin? Wie nennste das? Das ging mir jetzt irgendwann auch auf den Keks. Daher hieß es dann nun: Nägel mit Köpfen machen. Das sie die Richtige ist, wusste ich von Sekunde eins. Es lag dann eher an ihrer Vorgeschichte und meiner Ängstlichkeit, dass das nun so lange gedauert hat.

      Qualitativ bringst du auf jeden Fall alles für den Journalismus mit. Das Forsche und den Ehrgeiz kannst du besser einschätzen. Deine Texte finde ich aber exzellent. Und die sind sogar zuletzt noch besser geworden. So gut, dass ich denke: Warum soll ich da jetzt noch was zu dem Buch schreiben?

      Ich wünsche Dir ein schönes WE!

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      • Es wäre auch sehr schade, wenn du deinen Lesern diese schöne Vorgeschichte vorenthalten hättest! :D Und dafür sind Blogs schließlich unser jeweiliges Eigentum, Du kannst tun, wonach Dir der Sinn steht und wer es nicht lesen mag, lässt es halt einfach.

        Ja, ich habe zwar gerade erst das erste Semester hinter mir, aber das hatte sich viel mit Grundlagen wissenschaftlicher Arbeit beschäftigt, was ich sehr erhellend und spannend fand, mir gleichzeitig aber auch vor Augen führte, dass ich wohl keine Wissenschaftlerin bin, sein kann, sein möchte und sein werde. Ich will aus diesem Studium ganz viel für mich mitnehmen, freue mich auf neue Blickwinkel und viel Wissen und Hintergründe und Zusammenhänge, aber der wissenschaftliche Anspruch, ich weiß, dass ich dem nicht gerecht werde, und das erleichtert bzw. befreit vorab schon ungemein. :D

        Das ist ein großes Kompliment, vielen Dank! Sollte ich je auch nur annähernd so kenntnisreich und versiert über Krimis schreiben wie Du und einige andere es tun, wäre ich schon froh! Aber mich beruhigt auch immer, wenn Du erzählst, wie lange Du an manchen Texten sitzt und wie viele Anläufe du brauchst und aufs leere Dokument starrst. Das ist nicht besonders nett, ich weiß, aber mir geht es auch meist so und dann denke ich immer, das ist eigentlich nicht feierlich, wie viel Zeit in manchen Blogpost fließt und wie weit man stattdessen im nächsten Buch schon wäre! :D … Aber das Forsche, das hast Du ganz gut benannt, das wäre so ein Knackpunkt gewesen. Vielleicht auch noch ganz andere Dinge. Egal, ich bin über die Freiheiten des Bloggens jedenfalls sehr froh und dankbar und über die Krimibloggergemeinde erst noch! :)

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        • Ich denke, dass wäre auch die richtige Einstellung für mich im Studium gewesen. Zwar habe ich diese durchaus mitgebracht, aber eben gerade dieses Wissen aufgreifen, Hintergründe und Zusammenhänge verstehen – das hat sich unter den chaotischen Umständen als äußerst schwierig erwiesen. Außerdem – so gern ich privat eigentlich für mich allein bin – fehlte da irgendwie die Bindung zu allen anderen um mich herum. Normalerweise fühle ich mich schnell überall wohl. Doch Studenten sind ein Schlag Mensch bzw. lass mich das korrigieren – die damaligen Studenten waren irgendwie Menschen, die mir einfach nur suspekt waren. Diese ganze aufgesetzte Reife und das hochtrabende Gefasel, das elitäre Gehabe, dieser Wettbewerbscharakter – das stieß mir damals einfach auf. Gerade das, was ich auch am Bloggen so mag – nämlich der Wissensaustausch, das Miteinander – das hat mir irgendwie gefehlt.

          Also ganz ehrlich, ich kann meinen Stand jetzt schlecht beurteilen, sage aber mal frei raus: Das tust du längst. *lach* Für mich füllen du, Gunnar und Christina die Lücke, welche Nicoles Weggang mit My Crime Time leider gerissen hat. Es gibt Blogs, die wollen vor allem hochprofessionell sein, den Verlagen schmeicheln und durchgängig im Gespräch sein – und dann gibt es diese, wo einfach nur Herzblut und Hingabe in den Worten steckt. Wo man das erworbene Wissen und seine Kenntnis nutzt, um Literatur auf eine Bühne zu heben, wo sie nicht nur gesehen, sondern auch gefühlsmäßig verstanden wird. Wenn ich Deine Rezensionen lese, kriege ich da auch immer einen Teil von Dir und nicht nur ein Referat über ein Thema. Das muss dann nicht unbedingt in jedem Fall das sein, was ich selbst mag (wobei dem fast immer so ist ;-) ) – aber es ist immer echt und von der Leber weg. – Ich wage mal die Behauptung, dass das Schreiben für uns beide so eine Katharsis ist. Irgendwie ein Versuch Ordnung in das Ganze zu bekommen, um später zurückblicken zu können und nachzulesen, wie ein Roman auf uns gewirkt hat. Und damit halt auch ein Stück des Erlebten für länger festzuhalten. Dafür nimmt man dann das mitunter zähe Ringen mit der Lektüre hin. Weil der Schlussstrich so befriedigend ist oder – so zumindest bei mir – ich mich sonst gar nicht traue, beim nächsten Buch voranzuschreiten.

          Nachdem ich lange nur Seiten wie die Krimi-Couch, Hammett oder Kaliber 38 kannte, hat mir der Eintritt in die Krimi-Bloggergemeinde da nochmal eine andere Welt offengelegt. Auch hier gibt es natürlich viel Murks – aber die raren Perlen sind umso kostbarer und mir inzwischen weit lieber, als die selbstverliebte Herrlichkeit manchen Literaturkritikers. Wobei es da einige gibt (z.B. Martin Compart, Joachim Feldmann, Markus Müntefering, Karl Ludger Menke oder der gute Jochen), die sich dieses persönliche Element und die Konzentration aufs Wesentliche bewahrt bzw. sich nicht selbst zur Marke erhoben haben. Solche „Typen“ sterben aber leider aus.

          Insofern hast du Recht. Gerade das kleine bisschen von einem selbst, macht die Blogs wohl aus.

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  3. Endlich hatte ich Zeit Deinen 1. Teil zu lesen…. das hat mich alles sehr gerührt und noch mehr nachdenklich gemacht: ich habe mein Abi in deutscher, französischer, englischer und spanischer Sprache und Literatur abgelegt (nebst einigen anderen interessanten Fächern) und wollte gerne studieren. Doch dann sagten meine „alten Leute“ mir, dass daraus nichts werden könnte „sie hätten da noch einige Pläne und müssten deswegen einen Kredit aufnehmen“. Einerseits waren sie stolz, dass ich ein gutes Abi in der Tasche hatte, aber andererseits waren sich auch sehr altmodisch in ihrer Meinung, dass Mädchen in einer Ehe besser aufgehoben wären :-(.

    Luxemburg war damals noch hauptsächlich ein Agrarland mit großer Stahlindustrie (ähnlich wie das Saarland)und hatte 1980 noch keine Universität (erst seit 2003). Die staatliche Unterstützung war gleich Null. Wer also keine „reichen“ Eltern hatte oder jemanden der den „Sponsor“ gab, der konnte sich sein Studium an den Nagel hängen. Eine Lehre nach dem Abi…. ein no-go (es hätte sich aber auch die Frage gestellt „Wo“).

    So kam es wie von meinen Eltern bestimmt war: aus Frust vor der Zukunft, ohne echte Perspektive und weil ich ich nicht weiter zu Hause bleiben wollte, heiratete ich meinen damaligen Freund. Das Lesen habe ich – bis auf die GEO – aufgeben müssen, weil wir selbstständig und Inhaber eines Cafés mit angeschlossenem Hotel-Restaurant waren und mir die Zeit und Muße zum Lesen fehlte. Nach 4 1/2 Jahren war ich geschieden.

    Ich habe dann 1988 die erstbeste Stelle angenommen, die – wie ich dachte – mich finanziell über Wasser halten könnte und wo meine ganzen Sprachkenntnisse (mittlerweile sprach ich auch Niederländisch) gebraucht wurden. Kurz danach heiratete ich erneut. Den Vater meiner Kinder. Die nächsten Jahre waren hektisch bei Vollzeitarbeit und 2 Kindern, Hausbau, Umzug usw. Im Oktober 2008 wurde ich erneut geschieden.

    Im November 2007 trat ich der Krimi-Couch bei :-D und habe – in der Folge – einige unheimlich nette Leute kennengelernt, die auf meiner Wellenlänge waren. Alle voran (die mir gerade einfallen):
    – Cthulhu (später haben wir sogar Farmville über Facebook zusammen gespielt – kein Witz),
    – Samoa (heute noch in losem Kontakt – außerdem haben wir ein schönes Wochenende am Rhein zusammen verbracht),
    – Vera aus Bonn (Couchname habe ich vergessen): wir haben uns des Öfteren getroffen als meine Tochter in Köln lebte und haben die einige Buchhandlungen in Köln und Bonn heimgesucht: schlimmster Tag mit einer Ausbeute 19 Büchern (damals drunter Paris Trout von Pete Dexter) in der Kölner Kultbuchhandlung „Alibi“. Aber nein, wir haben uns gar nicht geschämt….
    – nettes KC-Treffen im Ruhrgebiet mit „Berühmtheiten“ wie „Stubs“ (immer noch auf FB befreundet), „Nessie“ (aus dem Saarland), „Frank“, Mase (aus CH, glaube ich), „Eningu“ und Eva, der Rezensionistin und Moderatorin die später zu der Phantastik-Couch wechselte….; und – last but not least wurde ich auf
    – Stefan84 aufmerksam: dem Mythos – von dem alle sagten er hätte seine große Liebe der KC und Sherlock Holmes zu verdanken :-D

    Mittlerweile bereite ich mich auf meinen Ruhestand in etwa 2 Jahren vor (bin immer noch der Firma von 1988), in dem ich haufenweise Bücher kaufe obwohl mir die Zeit zu Lesen fehlt (oder mir immer etwas anderes einfällt). Zumindest habe ich mir mir jetzt einen „richtigen“ Lesesessel geleistet, damit auch mein „altes Gerüst“ noch mehr Freude am Lesen bekommt.

    Um aber auf Deinen Reisebericht zurückzukommen: Edinburgh und – überhaupt – Schottland sind einfach toll (mein letzter Aufenthalt liegt schon länger zurück), Ian Rankin (und Rebus) sind ein „Must“ und ich beneide Dich offen für Deine wunderschönen Erlebnisse in dieser Stadt….

    Auf die Fortsetzung Deines Berichts freue ich mich – egal ob er nun ausschweifend werden wird oder nicht!

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  4. Hab Dank für Deinen persönlichen Rückblick, aus dem ich schließe das du beruflich und privat bereits auch schon so Einiges erlebt hast. Zolle Dir besonders für Deine vielen Sprachkenntnisse Bewunderung. Ich selbst habe da immer so meine Probleme mit gehabt. Für Englisch und Basis-Französisch hat es gereicht, aber es war ein schwerer Kampf. :-)

    Luxemburg ist, obwohl Nachbar, irgendwie immer noch eine Unbekannte für mich. War noch nie dort und weiß auch vergleichswenig über das Land. Wobei ich mich gerade frage: Warum eigentlich, denn ich bin von Natur aus neugierig auf alles was nicht Deutsch ist und es gibt für mich nichts Schöneres, als mehr über andere Länder und Kulturen zu lernen. Architektur, Geschichte, Literatur – das sauge ich immer wie ein Schwamm auf. Insofern: Gerne mehr darüber! :-)

    Ja, die Krimi-Couch. Das war schon ein toller Ort für alle Krimi-Verrückten. Und manchmal auch nur für Verrückte. ;-) Ich vermisse Cthulhus über die Dächer Zürichs fliegende Bücher und den Spaß in den Laber-Threads genauso, wie die vielen Tipps der Kenner. Viele der von Dir genannten kenne ich natürlich. Frank, Mase und Nessie habe ich 2008 in Herne persönlich getroffen, wo wir ein KC-Treffen abgehalten haben. Danach ward die Beziehung zwischen manchen von uns etwas schwierig, Inzwischen hat man wieder Kontakt, was mich freut, denn es hängen doch auch viele schöne Erinnerungen an dieser Zeit.

    Ein Mythos? Oh mein Gott. :-) Tja, ich war ja witzigerweise nicht der einzige. Es haben sich einige Paare auf der KC gefunden. Ob die alle aber noch zusammen sind, weiß ich nicht. So oder so – ich verdanke dieser Internetseite nichts geringeres als mein persönliches Glück.

    Nur noch zwei Jahre? Du bist zu beneiden. Ich gehe davon aus, dass es für mich keine Rente mehr geben wird und die mich direkt nach dem letzten Arbeitstag in die Kiste werfen. ;-) Insofern muss ich schon jetzt sehen, dass ich irgendwie mein Lesepensum erfülle. Schwierig bei zwei kleinen Mädels, die großen Spaß daran haben, Dich genau daran zu hindern. :-D

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