I wish I had a river I could skate away on (Joni Mitchell)

„Mit einer durchaus wohlwollenden Rezension von John Connollys „Die Insel“ beginnt Jochen König seine Mitarbeit bei den Hinternet-Krimiseiten. A warm welcome! Herr König hat, wie übrigens alle Hinternet-Kriminalautoren, ein mehrjähriges Studium an der Cambridge School of Advanced Crime Criticism erfolgreich absolviert und im Fernlehrgang die Lizenz zum Verreißen erworben. Hinternet rules the crime!“

So begann 2006 meine Zeit bei “Watching The Detectives”. Darauf folgten weitere Rezensionen, wahnwitzige Redaktionssitzungen mit Whirlpool und ukrainischen Zwangspraktikantinnen, Krimijahrbüchern, Mordskalendern, aktuellen Kriminalromanen, gerne abseits des Mainstreams,  Büchern aus der Mottenkiste,  Diskussionen über Scott Walker, Schweinehälften, Joni Mitchell , Arno Schmidt, wenig Gott (außer O.M.) und viel Welt.

2012, kurz vor Einstellung von Watching The Detectives, erschien mit Buddy Giovinazzos „Piss in den Wind“ meine letzte Rezension dort. Ein passendes Finale, zudem eine Doppelkritik mit DPR gemeinsam. Da lungerten wir schon zusammen auf der Krimi Couch herum, ich als Redakteur, DPR als Autor in seinem wohlgeratenen Krimilabor. Ein Highlight und eine sehr schöne Zeit, in der wir uns nach langer virtueller Freundschaft endlich persönlich kennenlernten.

Gekrönt von der wunderbaren Episode, dass sich ein Leser beschwerte wie ich als Azubi einen Roman meines „Lehrmeisters“ DPRs besprechen könne. Wir waren in der Fiktion anscheinend besser als manche Realität.

Danach blieben wir in Kontakt, trafen uns regelmäßig auf Buchmessen. DPR hatte sein Wirkungsfeld erweitert, war unter die Self Publisher gegangen und nahm die „Fantasy Girls“ unter seine Fittiche, eine Gruppe junger Frauen, die ziemlich voluminöse Romane zwischen Fantasy, Mystery und Krimi verfassten und veröffentlichten. Überzeugende Jugendarbeit, und ein Bild für die Götter, wenn DPR, eine Horde aufgeregter Jungautorinnen im Schlepptau, durch Messehallen zog.

Anfang 2017 sah es so aus, als würde es eine Wiedervereinigung im Netz geben. DPR würde Kolumnen und Essays hier auf der Crime Alley verfassen. Leider wird es bei einem einzigen Beitrag über Selfpublishing bleiben.  Das Leben, der Tod.

Am 29. Mai ist Dieter Paul Rudolph, genannt DPR, im Alter von 61 Jahren an den Folgen eines schweren Herzinfarkts gestorben. Ich werde ihn, seinen Witz, seinen Kenntnisreichtum, die wunderbaren Screwball-Dialoge, seine gesamte Existenz auf diesem Planeten vermissen und bin traurig. Svetlana, Ludmilla, Natalia, Ulyana ebenso. Und Igor. Ganz besonders Igor, der den Whirlpool so inbrünstig pflegte wie er Pausenbrötchen schmierte. Unvergessen. DPR.

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