+++ Der Vorschau-Ticker – Winter 2017/Frühjahr 2018 – Teil 3 +++

Der Suhrkamp Verlag war in den letzten Jahren immer eine heiße Adresse, wenn es darum ging, bis dato hierzulande unbekannte Autoren aus dem Genre der Spannung für den deutschen Buchmarkt zu entdecken bzw. längst vergessene Schriftsteller (wie zuletzt James Grady oder Gerald Seymour) wieder ins Blickfeld der Leser zu zerren. Das ist insofern erwähnenswert, da ich mich noch gut an die damalige Ankündigung des Verlagshauses erinnern konnte, nun auch den Krimi-Markt bedienen zu wollen und meine erste Reaktion eher wie folgt aussah: „Suhrkamp und Krimi? Passt doch überhaupt nicht zusammen.“ Was bleibt mir heute zu sagen, als: Mea Culpa. Ob es zusammengehört oder nicht – dank Autoren wie Adrian McKinty, William Shaw, Don Winslow, Andreas Pflüger oder Walter Mosley scheint das (bisher) eine echte Erfolgsstory zu sein. Und da wir alle natürlich wissen wollen, wie diese weitergeht, ward daher auch die Vorschau dieses Verlags wieder äußerst genau unter die Lupe genommen, wobei auffällt, dass für mich dieses Mal doch tatsächlich etwas weniger dabei ist. Im aktuellen Vorschau-Ticker gesellt sich deshalb dann auch noch ein Titel aus dem Verlag Rütten & Loening hinzu. Und nun zu den Büchern:

Wahrscheinlich werde ich wohl einer von vielen sein, der sich die Veröffentlichung von „Dirty Cops“ herbeisehnt, ist doch McKintys Reihe um Inspector Sean Duffy im Nord-Irland der 80er so mit das Beste was das Genre derzeit so hergibt. Nein, kein ausgelutschter Superlativ, sondern Tatsache, weil McKinty sich tatsächlich immer wieder neu erfindet und das schon beängstigend hohe Niveau seit inzwischen fünf Bänden hält (die ebenso gelungenen Romane um Michael Forsythe mal nicht mit eingerechnet). Und es sieht so aus, als würde auch Nummer sechs da keine Ausnahme machen, wenn man sich die ersten Kritiken zu „Police at the station and they don’t look friendly“ (dt. „Dirty Cops„) mal durchliest. Da passt es gut ins Bild, das McKinty dieses Jahr mit dem Edgar Award ausgezeichnet und u.a. für folgende weiteren Preise nominiert wurde: „Theakston’s Old Peculier Crime Novel of the Year Award“, „Ned Kelly Award“, „CWA Ian Fleming Steel Dagger“ und „Barry Award“. Mehr geht wahrlich nicht. Und daher – natürlich – ein Muss-Kauf!

Überschlagen tun sich Kritiker und Durchschnitts-Leser gleichermaßen auch bei Andreas Pflüger, den ich – Schande über mein Haupt – immer noch nicht gelesen habe. In diesem Fall hat das aber nichts mit meiner natürlichen Skepsis bei deutschen Polit- oder Agententhriller-Vertretern zu tun, sondern vielmehr schlichtweg mit mangelnder Zeit. Ich hoffe, im Laufe des Jahres diese Scharte – im wahrsten Sinne des Wortes – „Endgültig“ auswetzen zu können, um vielleicht im Anschluss daran gleich den Nachfolger lesen zu können. Naja, sag „Niemals“ nie 😉 . Ins Regal wird es in jedem Fall wandern.

Ob „Die Ratten von Perth“ Pflüger da Gesellschaft leisten, muss ich noch abwarten. Der Autor ist für mich ein unbeschriebenes Blatt, die Inhaltsbeschreibung spricht meine niederen Sowat-lese-ich-jerne-Instinkte an und der Schauplatz Western Australia ist auch mal ne nette Abwechslung zum sonst so (im Krimi) vorherrschenden Osten Down Unders. Dennoch gehe ich da mit mehr Vorsicht ran. Die ein oder andere Neuerscheinung der letzten zwei Halbjahre bei Suhrkamp hat (zumindest bei mir) nicht mehr in dem Maße gezündet. Und um Candice Fox schleiche ich immer noch unentschlossen herum. Hier scheinen die Meinungen ebenfalls stark auseinanderzugehen bzw. die für mich maßgeblichen Rezensenten Fox eher durchwachsenes Niveau zu bescheinigen. Schaun mer mal wie sich Whish-Wilson da schlägt.

Obwohl man inzwischen ja beinahe von einem Südafrika-Overkill auf dem deutschen Krimi-Markt sprechen kann – Deon Meyer hat bei mir eine Ausnahmestellung inne. Seit „Der traurige Polizist“ hänge ich treu an seinen Lippen und freue mich wie ein Schneekönig auf jede weitere Neuerscheinung. So auch auf diese. „Fever“ wird fiebrig-heiß erwartet und ist so gut wie gekauft – auch wenn es mich nervt, dass man die einheitliche Covergestaltung nicht mal für ein paar Jahre durchhalten konnte.

Und wo schlägt euer Herz höher?

  • Adrian McKinty – Dirty Cops (Broschiertes Taschenbuch, Februar 2018 – Suhrkamp Verlag – 978-3518468425)
  • Inhalt: Belfast 1988: Ein Mann wird mit einem Pfeil im Rücken tot aufgefunden. Es waren wohl kaum Indianer, und auch Robin Hood dürfte als Täter nicht in Frage kommen. Und da das Opfer eh nur ein Drogendealer war, könnte man sein kurioses Dahinscheiden ruhigen Gewissens zu den Akten legen. Doch Inspector Sean Duffy tut sich schwer damit, Morde zu den Akten zu legen – auch wenn seine Vorgesetzten ihn dazu drängen und der Haussegen bei der jungen Familie Duffy gerade reichlich schief hängt. Und noch jemand möchte Duffy zum Aufgeben zwingen: Eines Nachts findet er sich im Wald wieder, wo drei bewaffnete, maskierte Gestalten ihn dazu zwingen, sein eigenes Grab auszuheben …

© Suhrkamp

  • Andreas Pflüger – Niemals (Hardcover, Oktober 2017 – Suhrkamp Verlag – 978-3518427569)
  • Inhalt: Die blinde Polizistin Jenny Aaron ist nach den schlimmsten zweiunddreißig Stunden ihres Lebens nur knapp dem Tod entkommen und sucht Zuflucht bei ihrem väterlichen Freund in Schweden. Aaron weiß nicht, welchen Weg sie einschlagen soll: Sie hat das Angebot, wieder der Abteilung beizutreten, der geheimen Sondereinheit, der sie vor ihrer Erblindung angehörte. Aber um welchen Preis? Sie klammert sich an die Hoffnung, wieder sehen zu können – ohne zu wissen, ob es ein Traum bleiben wird. Da erreicht Aaron eine Nachricht, die all ihre Zukunftspläne zertrümmert: Ihr Todfeind hat ihr ein gigantisches Vermögen hinterlassen – hinter dem sich ein grausames Geheimnis verbirgt. Um Gewissheit zu erlangen, muss sie nach Marrakesch. Dort bricht die Hölle los …

© Suhrkamp

  • David Whish-Wilson – Die Ratten von Perth (Taschenbuch, August 2017 – Suhrkamp Verlag – 978-3518468050)
  • Inhalt: Perth, Western Australia, 1975. Die Chefin eines Luxusbordells wird ermordet. Es besteht kein Zweifel daran, dass Polizisten die Frau publikumswirksam hingerichtet haben. Alle Ermittlungen aber verlaufen im Sande. Superintendent Frank Swann will das nicht hinnehmen und ermittelt auf eigene Faust gegen seine Kollegen. Deswegen ist sein Ruin beschlossene Sache in den Etagen der Macht. Mit einem aufwändigen Verfahren soll er aus dem Verkehr gezogen werden. Aber Swann ist zäh, ruppig und gefährlich. Er schlägt zurück und setzt damit sein Leben und das seiner Familie aufs Spiel. Dass er früher selbst kriminell war und selbst beste Kontakte im Milieu hat, hilft ihm in dem mörderischen Überlebenskampf. Auch wenn seine Chancen nicht allzu gut sind.

© Suhrkamp

  • Deon Meyer – Fever (Hardcover, Oktober 2017 – Rütten & Loening Verlag – 978-3352009020)
  • Inhalt: Nicolaas Storm fährt mit seinem Vater Willem durch ein vollkommen verändertes Südafrika. Nach einem Fieber, das weltweit fünfundneunzig Prozent der Menschen getötet hat, versuchen die beiden, einen sicheren Platz zum Leben zu finden. Das Land ist in einem Zustand der Gesetzlosigkeit. Gangs ziehen schwerbewaffnet umher, wilde Tiere bedrohen die Menschen. Schließlich aber finden Vater und Sohn einen Platz für eine Siedlung. Andere Menschen stoßen zu ihnen – Abenteurer, elternlose Kinder, ehemalige Soldaten. Sie alle müssen die Gesetze des Überlebens neu lernen. Nico wird zum Schützen ausgebildet. Er verliebt sich in Sofia, die wildeste Frau, die jemals ihre kleine Stadt betreten hat, und er beginnt wieder an eine Zukunft zu glauben. Bis die Katastrophe passiert – und sein Vater ermordet wird.

© Rütten & Loening

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8 Gedanken zu “+++ Der Vorschau-Ticker – Winter 2017/Frühjahr 2018 – Teil 3 +++

  1. Deon Meyer ist normalerweise eine Bank. Hier bin ich noch etwas skeptisch, weil er bei Fever ja offenbar das Genre etwas verlässt.
    Pflüger hat mich bei „Endgültig“ sehr positiv überrascht, da lohnt es sich vermutlich dabei zu bleiben. Über McKinty muss man ja kein Wort mehr verlieren (etwas langweilig ist der Titel im Vergleich zum Original).

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    • zu Meyer: War auch mein erster Gedanke, allerdings überwiegt dann doch die (bei diesem Autor nicht ganz unbegründete) Hoffnung, dass Meyer das postapokalyptische Szenario vielleicht in etwas höhere Sphären hebt, als wir es sonst von den üblichen Endzeitszenario-Romanen gewöhnt sind. Abwarten.

      Jaa, Pflüger. Wird Zeit, dass ich da nachbessere. Und der deutsche Titel zum neuen McKinty ist so 0815, dass es weh tut. Aber was solls. Er sollte das gewollte Lesepublikum erreichen, zumal wer den Autor bereits kennt, wird denke ich eh zuschlagen.

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  2. Alle deiner genannten Titel hab ich auch schon auf meinem Zettel stehen – und erfreulich finde ich auch dass die Krimivorschau von Suhrkamp diesmal gebündelt daherkommt. Etwas schade finde ich hingegen nur die äußere Aufmachung der Bände aus dem Programm – das wirkt auf mich alles etwas lieblos. Warum auch Adrian McKinty mit derartigen Titel und der inzwischen von vierten neuen Coverart gestraft wird, das erschließt sich mir allerdings beim besten Willen nicht …

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  3. Deon Meyer war mein erster „Südafrikaner“, und ich habe bisher alle seine Bücher gelesen. Allerdings ist er in meiner persönlichen Rangliste mittlerweile von Malla Nunn und Mike Nicol auf den dritten (Südafrika-)Platz verdrängt worden, dicht gefolgt von Paul Mendelson.

    Zum Schluss noch eine Empfehlung: In der gleichen Liga wie die o.g. Autoren spielt für mich Richard Crompton, dessen zwei bisher in deutsch erschienene Krimis in Kenia spielen (ein dritter Band erscheint 2018 in englisch).

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