+++ Der Vorschau-Ticker – Frühjahr/Herbst 2017 – Teil 6 +++

Mein letzter, sich mit dem Spannungs-Genre beschäftigender Vorschau-Ticker beinhaltet in erster Linie einige Neuauflagen von schon seit langem vergriffenen Titeln sowie eine Erstveröffentlichung aus dem Hause Ullstein. Ich führe sie dennoch hier auf, da ich sie allesamt für entdeckenswert, im Fall von Dennis Lehane aufgrund eigener Erfahrung sogar für äußerst lesenswert erachte. Und überhaupt: Es gibt zwar Bücher, die schlechter altern als andere – ein Buch ist allerdings nie schlecht, weil es alt ist. Da zudem der Bereich des Kriminalromans selbst für ausgewiesene Krimi-Experten inzwischen kaum noch in seiner Gänze zu überblicken ist, findet vielleicht der ein oder andere ja hier unter den fünf Titel  einen, von dem er noch nichts gelesen hat bzw. wird daran erinnert, einem bestimmten Autor im Regal vielleicht doch mehr Aufmerksamkeit zu widmen. So, und nun genug gefaselt.

Mit „Es klingelte an der Tür“ erscheint nach langer Zeit (zuletzt 2009 im Rahmen der „Fischer Crime Classics“-Reihe mit „Nero Wolfe in Montenegro„) wieder ein Titel aus einer der langlebigsten Krimi-Reihen der Welt. Bereits 1933 feierte der spleenige Meisterdetektiv Nero Wolfe sein Debüt und löste seinen letzten Fall erst 32 Jahre später. Klett Cotta legt nun diesen Band von 1965 neu auf (früher erschienen unter „Per Adresse Mörder X„) und scheint sich in Punkto Aufmachung an den Christie-Romanen bei Atlantik zu orientieren. Ob gerade dieser Fall jetzt der richtige ist, um Stout den Lesern des 21. Jahrhunderts nahe zu bringen, kann ich mangels Kenntnis nicht beurteilen. Die Tendenz geht allerdings dahin, dass mal näher herauszufinden.

Die Wiederauflagen von James McClure beim Unionsverlag finden bei mir – wie auch die neue Herausgabe der Michael Dibdins – großen Zuspruch. McClure ist seit längerer Zeit ein blinder Fleck in meiner Krimi-Vita und meine zerschlissenen Exemplare von Rowohlt machen eine geplante Lektüre zu einem Wagnis, kann doch jede weitere Berührung ihr Ende bedeuten. Überhaupt ist die Lust nach mehr krimineller Energie aus Südafrika seit Malla Nunn, Deon Meyer und Mike Nicol derzeit sehr groß. Die werden definitiv beide gekauft.

Dunkels Gesetz“ von Sven Heuchert wird als Neo-Noir beworben, was ich, vor allem bei deutschen Vertretern, immer mit so einer gewissen Skepsis beobachte. Oft ist da vieles gewollt und nicht gekonnt. Heuchert ist mir kein Begriff, der Plot klingt jedoch danach, als könne er jemandem wie mir Spaß machen, wenn der Autor es mit „Noir“ tatsächlich ernst gemeint hat.

Mit „Dunkelheit, nimm meine Hand“ setzt Diogenes seine Neuübersetzung der Kenzie/Gennaro-Reihe weiter fort. Ich nenne zwar die alten Ullstein-Ausgaben alle mein Eigen und habe die Serie durchweg gelesen – trotzdem lachen mich die Wiederveröffentlichungen sowohl optisch, als auch aufgrund des Übersetzers (Torberg!) durchaus an. Und weil man ja als Büchersüchtiger an alles denken muss – sie sind zudem nicht ganz so dick und nehmen dementsprechend im Regal weniger Platz weg. 😉 . Wer die Reihe von Dennis Lehane noch gar nicht kennen sollte – unbedingte Leseempfehlung!

Was wandert in euren Einkaufskorb?

  • Rex Stout – Es klingelte an der Tür (Hardcover, März 2017 – Klett Cotta Verlag – 978-3608981117)
  • Inhalt: Die reiche Exzentrikerin Rachel Bruner hat die Nase voll vom amerikanischen Geheimdienst. Sie kauft zehntausend Exemplare eines Enthüllungsbuchs und verschickt es landesweit. Klar, dass das Ärger gibt: Das FBI lässt sie auf Schritt und Tritt überwachen. In ihrer Not wendet sich die vornehme Dame an Nero Wolfe, den berühmtesten Privatermittler von New York. Doch wie soll der ihr helfen? Sein Gegenspieler ist immerhin kein Geringerer als J. Edgar Hoover. Ein Scheck über 100 000 Dollar überzeugt ihn, es zumindest zu versuchen. Da kommt ihm ein Mordfall an einem Journalisten sehr gelegen …
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(c) Klett Cotta

  • James McClure – Caterpillar Cop (Taschenbuch, April 2017 – Unionsverlag – 978-3293207653)
  • Inhalt: Jonathan hat sich sein erstes Rendezvous mit Penny anders vorgestellt. Kaum kommen sie sich näher, spürt er die Blicke eines Beobachters. Wutentbrannt stürmt er los, um dem vermeintlichen Spanner eine Lektion zu erteilen. Doch als er ihn hervorzerrt, sackt dieser zusammen: Der Unterleib ist blutüberströmt. Lieutenant Tromp Kramer erfährt, dass es sich bei dem Toten um den 12-jährigen Boetie handelt, der mit einem Draht erdrosselt und erbarmungslos verstümmelt wurde. Nun beginnt für Kramer und Sergeant Zondi eine intensive Zeit der Investigation. Ein grausamer Mord an einem Kind – das ist auch für die beiden erfahrenen Ermittler ein harter Brocken. Zudem sitzt ihnen der neue Colonel höchstpersönlich im Nacken; genauso wie die Witwe Fourie, Mutter von vier Kindern.
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(c) Unionsverlag

  • James McClure – Gooseberry Fool (Taschenbuch, April 2017 – Unionsverlag – 978-3293207660)
  • Inhalt: Laut dem Dorfpfarrer hatte niemand einen Grund, Hugo Swart, den treuen und angesehenen Bürger, zu hassen. Doch am Weihnachtsabend liegt dieser niedergestochen in seiner Küche. Es sieht aus, als könnte das einzige Motiv Geld gewesen sein und so verdächtigt man Swarts Diener, Shabalala, der mittlerweile aufs Land geflohen ist. Detective Michael Zondi verfolgt den Tatverdächtigen in entlegensten Dörfern, während Lieutenant Tromp Kramer mit einer anderen Angelegenheit beauftragt wird: einem Autounfall unter Alkoholeinfluss. Kramer zieht bald Parallelen zwischen beiden Fällen und versucht, den Bewohnern von Trekkersburg Informationen abzugewinnen. Die Behauptungen des Dorfpfarrers entpuppen sich langsam aber sicher als blanke Lügen.
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(c) Unionsverlag

  • Sven Heuchert – Dunkels Gesetz (Broschiertes Taschenbuch, April 2017 – Ullstein Verlag – 978-3550081781)
  • Inhalt: Ein Exsöldner, ein geplatzter Drogendeal und ein junges Mädchen: Altglück ist ein verlassenes Nest in der Nähe der belgischen Grenze, hier träumt es sich schlecht vom sozialen Aufstieg. Achim, der Tankstellenbesitzer, heuert bei der Lokalgröße Falco an und steigt gemeinsam mit seinem Knacki-Kumpel in den Drogenhandel ein. Seine letzte Chance auf ein gutes Leben, glaubt er ― für sich, seine Geliebte und deren Tochter Marie. Doch ein Mann droht alles kaputtzumachen: Richard Dunkel, Exsöldner. Um über die Runden zu kommen, arbeitet er als Security für eine Chemiefirma. Eines Nachts stößt er dort auf Achims Drogenversteck. Er setzt Falco und Achim mächtig unter Druck ― und bringt so, ohne es zu wollen, Marie in tödliche Gefahr.
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(c) Ullstein

  • Dennis Lehane – Dunkelheit, nimm meine Hand (Taschenbuch, Juni 2017 – Diogenes Verlag – 978-3257300437)
  • Inhalt: Die renommierte Bostoner Psychologin Diandra Warren lebt in Angst. Man hat gedroht, ihrem Sohn etwas anzutun. Die Drohung trägt die Handschrift der Mafia – nur hat die mit der Sache nachweislich nichts zu tun. Als Kenzie & Gennaro zu ermitteln beginnen, überschlagen sich die Ereignisse; ein Mord nach dem anderen geschieht. Alle Spuren führen zu einem Serienkiller, der seit Jahren im Gefängnis sitzt – und tief in Patrick Kenzies eigene Vergangenheit.
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(c) Diogenes

 

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9 Gedanken zu “+++ Der Vorschau-Ticker – Frühjahr/Herbst 2017 – Teil 6 +++

  1. Die beiden Krimis von James McClure werden auf jeden Fall bei mir einziehen! Bei Sven Heuchelt muss ich mal schauen. Ist jetzt nicht unbedingt ganz oben auf meiner Prioritätenliste. Rex Stout allerdings nicht auch nicht. Obwohl ich diesen Nero ja noch nicht kenne – und wohl mal kennenlerne sollte…

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    • Das ist in der Tat die Frage, wobei ich jetzt nicht genau sicher bin, ob es sich hier um normalformatige TBs oder die größeren (und damit ja inzwischen immer teureren) broschierten Ausgaben handelt. Sollte es „nur“ ein Taschenbuch sein, erscheinen mir (selbst zu heutigen Zeiten) 13,95 € auch viel. Und dann müsste ich antworten: Nein, weiß ich leider nicht.

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  2. Die Lehane-Ausgaben sehen wirklich toll aus! Ich habe die Reihe auch komplett in „Ullstein“ und werde der Versuchung widerstehen müssen, zumal ich alle Bände gelesen habe. Wer Kenzie/Gennaro allerdings noch nicht kennt, der sollte die Gelegenheit ergreifen – beste Unterhaltung!
    Dafür muß ich mir mal James McClure ansehen…

    Gefällt 1 Person

    • Ich werde der Versuchung wohl nicht wiederstehen können, weil es optisch was hermacht, wenn man Lehane da komplett von Diogenes im Regal hat. Und vllt. lese ich die Reihe nochmal – dann kann ich auch gleich meine veralteten Besprechungen überarbeiten. Du siehst: Finde stets neue Wege meine Büchersucht zu rechtfertigen. 🙂

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