Neues von Edition Phantasia

Es ist eine mitunter traurige Begleiterscheinung des Älterwerdens, dass man sich im Laufe seines Lebens über viele Dinge nicht mehr so freuen kann, vieles weit weniger zu schätzen weiß, als man es noch mit den strahlenden Augen eines Kindes getan hat. Weihnachten, Ostern – das sind in erster Linie beliebte Auszeiten zwischen dem stressigen Arbeitsalltag, die (begrenzte) Zeit für die eigene Familie mitbringen, an der man im schlechtesten Fall die letzten Wochen vorbeigelebt hat. Dennoch sorgt es bei den meisten von uns wohl nicht mehr für einen Ausbruch ungeduldiger Nervösität, das hübsch verpackte Geschenk aus dem Papier auszuwickeln, selbst wenn der Inhalt zuvor tatsächlich gewünscht war – was ja auch leider nicht immer zutrift. Und überhaupt: Gerade an solchen Tagen, sind einem die Liebsten inzwischen weit wichtiger, als der materialistische Pomp.

Was das mit Edition Phantasia zu tun hat? Ganz einfach:

Die Veröffentlichung eines Buches aus Joachim Körbers kleinem, aber unvergleichlich feinem Verlag ist für die Bibliomanen unter uns Viellesern genau DER Feiertag, wo das Kind in einem selbst noch mal zum Vorschein kommt und man schon in freudiger Erwartung die Bestellung abschickt, um die meist zügig zugestellte Buchsendung dann im Anschluss mit zitternden Händen und ins Gesicht gefrästem Grinsen auszupacken. Insbesondere dann, wenn es sich um eine der limitierten Vorzugsausgaben handelt, die, nur in kleiner Stückzahl gedruckt, sowohl außen als auch innen vor Hochwertigkeit nur so strotzen – und vor allem von der Liebe des Verlegers zum Medium Buch künden.

Edition Phantasia – das ist kein Zielhafen für die Freunde von eBook-Downloadern, Bücher-Grabbeltischen, Bestsellerlisten und Top-irgendwas-Titeln des Monats. Kein Hamburger für zwischendurch oder ein Wiener Schnitzel mit Pommes. Das was man hier auf den Teller bekommt, wurde so sorgfältig wie es nur geht zubereitet und will auch dementsprechend im Preis honoriert werden. Soll übersetzt heißen: Ein hervorragend gebundenes und gelettertes, vom Verleger selbst übersetztes Kleinod, das eben nur wenige ihr Eigen nennen dürfen – und das es, wenn einmal vergriffen, dann auch nicht nochmal in dieser Form geben wird.

Nun lässt sich darüber streiten, ob dieses Modell erfolgsorientiert oder gar zeitgemäß ist. Für einen Liebhaber des Buches wie mich sind dies beides keine Kriterien, weswegen ich auch genau deshalb auf die aktuelle Veröffentlichung von „Die geheimnsivolle Elfenbeinkugel des Wong Shing Li“ hinweise – dem inzwischen dritten Band von Harry Stephen Keeler im Hause Edition Phantasia.

elfenbeinkugel

(c) Edition Phantasia

Spätestens jetzt sind sie dann vielleicht dem obigen Link gefolgt, haben das Cover betrachtet und im besten Fall noch vorher den Klappentext gelesen, bevor ihr Blick auf den Preis und die Kinnlade herunterfiel. Ja, 59 €. Für ein Buch. Mit „nur“ 350 Seiten. Wenn Sie jetzt so ticken wie die meisten, ist die „Unterhaltung“ an dieser Stelle bereits beendet. Wenn sie ganz böse sind, zweifeln sie vielleicht an meinem Verstand, warum ich für so ein „teures Buch“ unverhohlen Werbung mache. Und ich muss dann an dieser Stelle kapitulieren, weil ich sie – selbst mit meiner jahrelangen Erfahrung als Buchhändler – nicht vom Gegenteil überzeugen kann.

Vielleicht sind sie aber auch jemand, der sich „Der Herr der Ringe“ auch nochmal als ledergebundene Ausgabe in den Schrank gestellt hat, der immer noch voll Stolz auf die schon lange nicht mehr aktuelle Brockhaus-Sammlung schaut oder sich lediglich grundsätzlich den Stephen King im Hardcover holt. Vielleicht erkennen sie die Arbeit hinter der Fertigstellung dieses Buches, haben Joachim Körbers pointierte Übersetzungen bereits andernorts genießen können oder konnten sich bereits mal im persönlichen Gespräch vom ungebrochenen Enthusiasmus dieses Verleger-Urgesteins überzeugen. Vielleicht sehen sie dann, warum diese 59 € äußerst gut angelegt sind und verstehen, warum ich mir (kurz vor Ende des Geld… äh … Monats) dieses tolle Buch ins Regal geholt habe.

Eine weitere Gruppe habe ich damit außen vor gelassen. Nämlich diejenigen, welche schlicht der Inhalt nicht anspricht und mit einer solchen Handlung weniger anfangen können. Diese verweise ich gerne auf die im Mai letzten Jahres gestartete Klassiker-Bibliothek, die in nicht allzu ferner Zeit weiter anwachsen wird und selbst das Potenzial zum Literatur-Klassiker hat. Und deshalb – weil ich Joachim Körber versprochen habe, nichts zu verraten – an dieser Stelle ohne zu spoilern: Hier haben wir definitv das Beste noch vor uns!

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Macht sich gut im Regal.

 

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2 Gedanken zu “Neues von Edition Phantasia

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