Auch wenn es fast zu nah liegt: „Die Höhle“ ist unterirdisch

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(c) Limes

Ich habe weit mehr positive Kritiken geschrieben als negative, das Verhältnis beträgt etwa 1:10. Trotzdem haben einige dieser Verrisse für mehr Furor, Spaß, gute Laune und manchmal sogar zu regem und konstruktivem Austausch mit Autor*innen gesorgt. Bei der Eintagsfliege namens „The Cave“ aka „Die Höhle“ war nichts davon der Fall. Einfach nur ein launiger Veriss eines der lausigsten, schlecht konzipiertesten und ausgearbeitesten Kriminalromane, die ich gelesen habe.

Das Spannendste an diesem Roman war 2006, als diese Rezension für Dieter Paul Rudolphs feine, mittlerweile leider eingestellte  „Watching The Detectives“-Seite entstand, dass er bloß noch antiquarisch und zu exorbitant hohen Preisen erhältlich war. Das hat sich mittlerweile geändert, das kleine, unterirdische Holterdipolter kann man mittlerweile ab 1 Cent (plus Porto) erstehen.

Das Schreiben einer derartigen Rezension habe ich immer als Lohn dafür erachtet, eine Lesequal hinter mich gebracht zu haben. Da diese Rubrik bislang eine Leerstelle war, denke ich, das folgende kleine Kritik-Anekdötchen ist ein passender Einstand auf der Crime Alley und eine Warnung für angehende Höhlenforscher.

Die Höhle“ ist ein Phänomen. Out of print überspringt es bei Auktionen regelmäßig die 20 Euro Marke. Es scheint also recht begehrt zu  sein.  Die Frage, ob der Limes-Verlag ein Geschäft verschläft, oder eine Minderheit Allesleser sich sehnsüchtig nach diesem Psycho-Kammerspiel verzehrt, ist vermutlich spannender, als der Schmöker selbst.

Zwei-Personen, die sich über gut 200 Seiten bekriegen, das klingt nach Ehedrama, ist in diesem Fall aber das Katz und Maus Spiel, welches ein Paradepsychopath mit seinem Opfer betreibt.  Schlicht geschrieben, zu keinem Moment glaubhaft, wartet das Buch mit dem lächerlichsten Serienmörder und der hysterischsten Opfer-Heldin auf, die man sich nur vorstellen kann. KANN, aber nicht will.

Das ist eine misslungene Rumpelstilzchen Version – wobei ich nicht weiß, ob Rumpelstilzchen eine ähnlich katastophral-ödipale Beziehung zu seiner Mutter hatte wie der Antiheld in der „Höhle“ –, mit einem besserwisserischen Stilzchen in der Hauptrolle, das aus Versehen oder Resignation ein ältliches Rotkäppchen mit kolossalem Nervfaktor festgesetzt hat. In dieser Schultheateraufführung reiht sich Klischee an Klischee, von der übermächtigen Mutter, dem hochbegabten, voyeuristischen Außenseiter mit der Sehnsucht erlöst zu werden, bis zu einer weiblichen Hauptfigur, die angeblich Psychologin sein soll, um deren Praxis man im echten Leben aber einen ganz weiten Bogen machen müsste. Denn ihre Erkenntnisse der menschlichen Natur bezieht Frau Doktor anscheinend aus den Klappentexten einschlägiger True-Crime Literatur. Abhängigkeiten werden ständig behauptet, funktionieren aber nur, weil sämtliche Beteiligten (es sind nicht allzu viele) daran glauben möchten.  Schlimmer noch, es wird ihnen von der Autorin aufoktroyiert.

Dabei ist „Die Höhle“ vor allem eins: Frauenfeindlich. Dominante Huren oder naive Opfer (immerhin weit über 100 vermutete), ansonsten ist da nichts. Das man Helen „Heldin“ Myers (definitiv keine Hure) nicht einen schnellen Tod wünscht, liegt nur daran, dass der kleinwüchsige Serienkiller noch erbärmlicher als seine Antipodin dargestellt wird. Dass sie am Ende überlebt, folgt den Gesetzen der kleinen Schreibschule für minder begabte Autor/Innen, unglaubwürdig ist es allemal.

Jemand, der mit nichts anderem als Erkenntnissen wie  „Wie lang waren die Ketten, die uns mit der Vergangenheit verbanden? Das Böse war schon immer der Kamerad des Menschen gewesen“ brillieren kann, dürfte schon beim unbeschadeten Überqueren einer Einbahnstraße seine Schwierigkeiten haben. Gerade wenn die Übersetzerin pfadfindermäßig geholfen hat…

Ach übrigens, falls jemand einen super Psychothriller demnächst für mehr als 20 Euro ersteigern möchte, ich hätte da was im Angebot… die Höhle von einem Buch [Dieses Angebot gilt nicht mehr, ich habe das Buch bereits vor Jahren veräußert. Weit weg…].

Höhle.. Höhle… Hölle! Ich sehe die Verfilmung schon vor mir: Wolfgang und Nina Petry/i in den Hauptrollen. Die Höhle als sie selbst. Da kann eigentlich nichts schief gehen.

„Menschliches Leid war immer ein Rätsel, Lenny.“
„Ja? Dann ist die ganze Welt voller Rätsel.“
„Sie ist voller Rätsel. Hören Sie zu.“

Rätselhaft. Aber Zuhören bei diesen Dialogen des Grauens? Och Gottchen, nöö.

Die letzte Seite. Endlich….

Wertung: 25 von 100 Trefferneinschuss2

  • Autor: Anne McLean Matthews
  • Titel: Die Höhle
  • Originaltitel: The Cave
  • Übersetzer: Friederike Zeiniger
  • Verlag: Limes
  • Erschienen: 1997
  • Einband: Hardcover
  • Seiten: 298
  • ISBN: 978-3809024149
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