+++ Der Vorschau-Ticker – Winter/Frühjahr 2016/2017 – Teil 6 +++

Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie viele den Suhrkamp Verlag belächelt haben, als er vor ein paar Jahren ankündigte, nun auch im Genre des Spannungsromans wildern zu wollen. Suhrkamp und Krimis – passt überhaupt nicht, so zwar nicht die einhellige, aber doch vor allem unter Buchhändlern weitverbreitete Auffassung. Einige Titel und Verlagsvorschauen später ist klar – das passt und wie. Autoren wie Don Winslow, Adrian McKinty, William Shaw und zuletzt Candice Fox haben nicht nur die Entscheidung des Verlags mehr als gerechtfertigt, sondern ihn zu einer meiner ersten Adressen gemacht. Nun legt auch Thomas Wörtche im aktuellen Verlagsprogramm bei der Auswahl der Titel mit Hand an (zumindest fällt es mir jetzt erst auf), dessen Name durchaus für Qualität bürgt, was u.a. sein monatlicher Leichenberg, seine kurzlebige Penser-Pulp-Reihe bei Diaphanes sowie das langjährige Engagement beim Unionsverlag eindrucksvoll unter Beweis stellen.

Für die Entdeckung von „Der eiserne Sommer“ zeichnet er meines Wissens zwar nicht verantwortlich – nichtsdestotrotz ist der Titel auf meinen Merkzettel gewandert, da mich diese Epoche interessiert und ich neben Autoren wie Hültner, Kutscher, Zweyer und Co. immer auch gerne mal neue Schriftsteller entdecke. Das Kartonierte TB war mir dennoch zu teuer, weswegen ich jetzt erst beim Taschenbuch zugreife. Bin gespannt, ob ich Kommissar Reitmeyer länger begleiten werde.

Zu Adrian McKintys „Rain Dogs“ muss ich eigentlich nicht mehr viel sagen. Für mich eine DER Entdeckungen der letzten Jahre und natürlich ist auch der neueste Sean-Duffy-Band ein Muss-Kauf. Sollte McKinty tatsächlich noch wer nicht gelesen haben – unbedingt nachholen!

Der erste Part der Trilogie, „Hades„, steht noch ungelesen bei mir im Regal, was mich Büchersüchtigen natürlich nicht davon abhält trotzdem gleich den zweiten namens „Eden“ zu kaufen. Zu passend das Sujet, zu gut die Bewertungen derjenigen, deren Geschmäcker sich in vielerlei Dingen mit meinen überschneiden. Bin gespannt, was da von Candice Fox – abgesehen vom abschließenden dritten Band – in Zukunft noch zu erwarten ist.

Joe Ides „I.Q.“ tönt ebenfalls mehr als interessant. Das-Sherlock-und-Watson-Thema im Rapper-Milieu. Könnte funktionieren, wenn es im Stil von Training Day neben all der Coolness auch die knallharte Realität mit einbezieht. Der Klappentext macht da jedenfalls Hoffnung – und mich so neugierig, dass ich den Titel scharf im Auge behalten werde.

Mit „Vagabond“ macht sich Suhrkamp im Januar 2017 an die Wiederentdeckung von Gerald Seymour und gibt mir dadurch die Gelegenheit ihn erstmals zu lesen. Der Klappentext klingt verheißungsvoll. Und für das Irland-Thema bin ich überhaupt gerne zu haben. Ein Titel von Suhrkamp, auf den ich besonders gespannt bin. Vielleicht beantwortet er mir auch die Frage, warum ich den Autor all die Jahre so gar nicht wahrgenommen habe.

Freunde des Pulps – und damit natürlich auch meine Wenigkeit – dürften bei „Mila“ auf ihre Kosten kommen. Triaden, Mafia und eine schwertschwingende rote Schönheit. Da hätte wohl auch Quentin Tarantino seine helle Freude dran. Abhängig vom Trashigkeits-Grad werd ich mir das Buch sicher mal näher anschauen. Kann amüsant, kann aber auch ein gänzlich platter Rohrkrepierer werden. Gerade bei Pulp ist dieser Grad ja mitunter sehr schmal.

Im Bereich Belletristik ist mir vor allem „Der letzte beste Ort“ von Callan Wink aufgefallen. Eine Storysammlung, die mich von der Beschreibung her unheimlich an Breece D’J Pancakes „Stories“ erinnert. (Nebenbei bemerkt eine der besten Anthologien, die bisher lesen durfte!) Der raue „American Way of Life“, die grenzenlose Wildnis, der harte Kampf ums Überleben. Für solche Art von Literatur bin ich, bei entsprechender Ausführung, immer gern zu haben. Wink könne zum Geheimtipp werden.

So viele Titel – welcher wandert in euer Regal?

Angelika Felenda – Der eiserne Sommer (Taschenbuch, September 2016 – Suhrkamp Verlag – 978-3518467138)

  • Inhalt: München 1914: Während die Bevölkerung wie im Taumel das hundertjährige Bestehen des königlichen Leibregiments feiert, wird am Isarufer die Leiche eines jungen Mannes gefunden. Die Todesumstände gelten als »pikant«, und die Behörden würden den Fall am liebsten unter den Teppich kehren. Doch der junge Kommissär Reitmeyer macht sich gegen den Willen seiner Vorgesetzten auf die Suche nach dem Mörder. Seine Ermittlungen führen ihn von den Arbeitervierteln bis in die Villen der Großbürger. Und in das berühmt-berüchtigte Café Neptun, Vergnügungsort der Offiziere. Ausgerechnet dort stößt er auf eine heiße Spur. Weil er per Gesetz nicht gegen das Militär ermitteln darf, drängt der Polizeipräsident persönlich Kommissär Reitmeyer, seine Ermittlungen in einem Mordfall einzuschränken. Da macht Reitmeyer eine ungeheuerliche Entdeckung, die nicht nur ihn selbst zum Abschuss freigibt – unmittelbar vor Kriegsausbruch könnte sie das ganze Land in den Untergang stürzen …
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(c) Suhrkamp

  • Adrian McKinty – Rain Dogs (Kartoniertes Taschenbuch, Februar 2017 – Suhrkamp Verlag – 978-3518467473)
  • Inhalt: Unruhen bekämpfen, Herzschmerz und Fälle aufklären, die aber nicht vor Gericht gebracht werden dürfen, darin ist Sean Duffy als katholischer Bulle in Nordirland inzwischen Spezialist. Immerhin bekommt er es zum zweiten Mal in seiner Karriere mit einem locked room mystery zu tun, und welcher Bulle – in Nordirland oder sonstwo, katholisch oder nicht – kann das schon von sich behaupten?
    Die Journalistin Lily Bigelow wird im Hof von Carrickfergus Castle, wo sie sich allem Anschein nach über Nacht hat einschließen lassen, tot aufgefunden. Selbstmord, glaubt man, aber ein paar Dinge geben Sean Duffy zu denken, und er weigert sich, es dabei zu belassen. Duffy findet heraus, dass Bigelow an einer verheerenden Enthüllung in Sachen Korruption und Amtsmissbrauch innerhalb der höchsten Regierungskreise Großbritanniens und darüber hinaus gearbeitet hat. Und so sieht er sich mit zwei schwerwiegenden Problemen konfrontiert: Wer hat Lily Bigelow umgebracht? Und was wollte er oder sie damit vertuschen?
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(c) Suhrkamp

  • Candice Fox – Eden (Broschiertes Taschenbuch, September 2016 – Suhrkamp Verlag – 978-3518467145)
  • Inhalt: Heinrich Archer, genannt Hades, das kriminelle Mastermind von Sydney, wird bedroht. Er ›bittet‹ Detective Frank Bennett, den Kollegen seiner Tochter Eden, um diskrete Hilfe, denn die Spuren könnten tief in das faszinierende, gewaltsatte Vorleben von Hades führen. Gleichzeitig hat Eden, Top-Detective bei der Mordkommission mit dem seltenen Talent, Verbrecher aufzuspüren und zur Strecke zu bringen, einen extrem schwierigen Auftrag: Drei Mädchen sind verschwunden, und die Spur führt sie zu einer verlassenen Farm, auf der sich ein Serienkiller rumtreibt. Sie begibt sich dort undercover in eine Kommune, ein rabenschwarzes, gefährliches Paralleluniversum mit Mördern und Vergewaltigern. Sie muss all ihre erstaunlichen Fähigkeiten einsetzen, um zu überleben. Zudem ist ihre Beziehung zu ihrem Partner Bennett kompliziert, beide sind traumatisiert, und dass Bennett gerade auf Alkohol und Drogen ist, macht die Sache nicht einfacher. Aber die beiden sind auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen.
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  • Joe Ide – I.Q. (Kartoniertes Taschenbuch, November 2016 – Suhrkamp Verlag – 978-3518467282)
  • Inhalt: I.Q. nennt man Isaiah Quintabe in den schwarzen Hoods von Los Angeles. Weil er ein Genie ist und weil er als eine Art Nachbarschaftsdetektiv ohne Lizenz den »kleinen Leuten« zu ihrem Recht verhilft. Oder wenn das schwierig ist, immerhin zu Gerechtigkeit, Genugtuung und Entschädigung. Zusammen mit seinem Sidekick, dem schlagfertigen Gangsta Dodson, wird er wider Willen von dem Top-Rapper Murda One angeheuert, um Mordanschläge auf dessen Leben aufzuklären. Das führt ins finstere Herz des Rap-Business, wo sich jede Menge wunderliche und tödliche Gestalten tummeln: Gangsta Rapper, Bitches, Anwälte, Auftragskiller, Drogenbosse, Big-Business-Leute und Medienvolk.
    Bald haben es I.Q. und Dodson mit verfeindeten Gangs, schießwütigen Narcos und gierigen Musikproduzenten zu tun. Gut, dass I.Q. ein Weltmeister der Deduktion ist, und gut auch, dass er notfalls genauso viel kriminelle Energien hat wie seine Widersacher. Oder noch mehr …
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(c) Suhrkamp

  • Gerald Seymour – Vagabond (Kartoniertes Taschenbuch, Januar 2017 – Suhrkamp Verlag – 978-3518467428)
  • Inhalt: ›Vagabond‹ ist der Deckname eines britischen Geheimagenten, der in Nordirland brutale Operationen gegen die IRA durchgeführt hat. Ausgebrannt zieht er sich für lange Jahre in die Normandie zurück und verdient seinen Lebensunterhalt als Touristenführer an den Invasionsstränden. Aber seine ehemaligen Vorgesetzten wollen ihn nicht ganz vom Haken lassen und zwingen ihn in eine MI-5-Aktion zurück: Er soll den Aufpasser für einen vom Geheimdienst erpressten Waffenhändler spielen, damit Waffenlieferungen aus Russland an die letzten, vom Friedensschluss frustrierten IRASplittergruppen unterbunden werden.
    Das erzählt man Vagabond zumindest, der gute Miene zum fiesen Spiel machen muss. Zudem droht seine Vergangenheit ihn einzuholen. Aber nicht nur sein Schicksal steht auf der Kippe in einer Welt, in der das Gestern keine Ruhe gibt und die Gegenwart extrem gefährlich ist. Realpolitik nimmt wenig Rücksicht auf Menschen, das ist klar wie Salzsäure.
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(c) Suhrkamp

  • Matteo Strukul – Mila (Taschenbuch, Februar 2017 – Suhrkamp Verlag – 978-3518467480)
  • Inhalt: Norditalien im Würgegriff des organisierten Verbrechens. Nichts und niemand scheint der lokalen Triade und der mit ihr verfeindeten Mafia etwas anhaben zu können. Bis auf einmal und wie aus dem Nichts diese junge Frau mit den roten Dreadlocks und dem Schwert in der Hand auftaucht. Ein ebenso schöner wie gnadenloser Racheengel. Seither kann sich kein Gangster und kein Mafioso mehr sicher wähnen, der Tod lauert plötzlich überall. Wer aber ist diese Mila, was treibt sie an? Niemand weiß es, nur so viel ist sicher: Sie ist nicht nur eine schier unbesiegbare Kampfmaschine, sie ist auch clever. Sehr clever sogar. Aber wenn sich Triade und Mafia zusammentun, dann könnte es ziemlich eng werden – selbst für Mila …
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(c) Suhrkamp

  • Callan Wink – Der letzte beste Ort (Hardcover, August 2016 – Suhrkamp Verlag – 978-3518425596)
  • Inhalt: Es ist ein Ort, an dem die Arbeit für gewöhnlich hart, Geld knapp und die Natur prächtig ist, durchgezogen vom Band des Yellowstone River, mit den Rockies am Horizont. Für die Männer in Callan Winks Stories ist es der letzte beste Ort und ihr Zuhause. Doch jeder von ihnen läuft Gefahr, in der Weite des heutigen American West verloren zu gehen: Einer bezahlt einen Faustschlag mit zwei Jahren Gefängnis. Ein anderer schmeißt alles hin, um auf einer Farm zu schuften. Und noch ein anderer befreit aus Mitleid einen Hund, kurze Zeit später flieht er vor zwei bewaffneten Verrückten quer über die Felsen durch die Nacht, barfuß und nackt …
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(c) Suhrkamp

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7 Gedanken zu “+++ Der Vorschau-Ticker – Winter/Frühjahr 2016/2017 – Teil 6 +++

  1. Auf den neuen Duffy warte ich natürlich sehnsüchtig.
    „Der eiserne Sommer“ habe ich übrigens schon gelesen. Es war solide, aber ich hatte mir einen Tick mehr versprochen.
    Ansonsten finde ich aus deiner Auswahl den Seymour noch sehr interessant.

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    • Ja, das habe ich von mehreren gehört. Aber Serien können sich ja durchaus steigern. Und bis auf Todd fällt mir da jetzt auf Anhieb keiner ein, der den 1. Weltkrieg als Schauplatz für eine Reihe gewählt hat. Ich lass mich mal überraschen.

      Seymour flog tatsächlich lange unter meinem Radar, scheint aber wohl in Großbritannien eine feste Größe zu sein. Und die haben ja nicht gerade das schlechteste Krimi-Publikum.

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  2. Ich kaufe mir gar keins, gegen Suhrkamp habe ich eine Abneigung. Ich bin immer bei der Anfrage nach Reziexemplaren immer vorgekommen, wie ein Bettler. Vielleicht habe ich das auch nur so empfunden, aber ich mag den Verlag nicht sonderlich.

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  3. Dein Blog wird mein finanzieller Untergang. 🙂 Top-Auswahl! Könnte eigentlich meinen Buchhändler gleich sagen, er soll hier reinschauen und die vorgestellten Bücher an mich senden.

    Adrian McKinty. Uff. Ich hab noch immer nichts von dem gelesen, obwohl ich schon gefühlte tausendmal ihn ganz oben auf die Liste gesetzt habe. Irgendwie kam immer ein anderes Buch dazwischen. Den sollte ich jetzt aber echt mal in Angriff nehmen.

    I.Q. finde ich auch sehr interessant und auch „Der letzte beste Ort“ klingt ganz nach meinem Geschmack.

    Tja, „Hades“. Ich hab das Buch mittlerweile gelesen und ich hatte sooo große Erwartungen, gerade weil Thomas Wörtche hier Herausgeber ist – doch mir lag die Story gar nicht. Besonders mit den Figuren hatte ich meine Probleme. Bin sehr gespannt, was du zu dem Buch sagen wirst, denn bisher habe ich nur Lob zum Buch gefunden.

    Die Suhrkamp-Vorschau hab ich mir noch gar nicht angesehen. Auch bei mir haben sich besonders in den letzten Jahren mehr und mehr Suhrkamp-Bücher ins Regal geschlichen. LG

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    • Ja, das ist das zweischneidige Schwert bei Verlagsvorschauen. Einerseits denke ich mir: Klasse, da kommen ja ein paar echt interessante Titel heraus. Und andererseits schau ich gleich aufs Konto: Das könnte teuer werden. 😉

      Adrian McKinty solltest du Dir unbedingt zu Gemüte führen. Für mich eine DER Entdeckungen im Hardboiled-Bereich. Und selbst Freunde von „Locked-Room“-Mystery kommen da bisweilen auf ihre Kosten.

      Mal sehen, wann ich zu „Hades“ komme. Wie immer wird es wahrscheinlich dauern. Bin eher der Novitäten-Käufer als Leser, da ich mir die Bücher lieber vornehme, wenn sie nicht mehr im Gespräch sind. Einmal weil ich dann relativ unbeeinflusst von anderen Bewertungen in die Lektüre gehe und auch weil mein Regal vor älteren, ebenso reizvollen Titeln nur so birst. Und Bücher haben ja gottseidank auch kein Mindesthaltbarkeitsdatum. 😀

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      • McKinty kommt ganz sicher heuer noch dran. Ich gewöhne mir nämlich gerade ab, nur – bzw. vorwiegend – Neuerscheinungen zu lesen. Eigentlich sollten es pro Monat nur vier neue Bücher werden, so ganz diszipliniert wie ich es mir vorgenommen habe, bin ich leider noch nicht. Aber wird schon.

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