+++ Der Vorschau-Ticker – Winter/Frühjahr 2016/2017 – Teil 4 +++

Wer schon den letzten Vorschau-Ticker auf meinem Blog regelmäßig mit verfolgt und auch immer wieder die ein oder andere Besprechung von mir gelesen hat, dem wird aufgefallen sein, dass ich mich auf CrimeAlley mitnichten ausschließlich auf die Spannungsliteratur konzentriere, sondern als unheilbare Leseratte genreübergreifend schmökere, wo bei es nur die Grenzen gibt, welche ich mir in geschmacklicher Richtung selbst setze. So ist auch die vorliegende Auswahl eine belletristische Mischung von Titeln, von denen ich meine, dass sie mir gefallen könnten bzw. dass sie unbedingte Muss-Käufe sind.

Den Anfang macht der Piper Verlag, dessen Programm mich zwar im Großen und Ganzen (wie leider eigentlich jedes Halbjahr) ziemlich kalt lässt, aber nun zumindest auch Richard Flanagans „Der schmale Pfad durchs Hinterland“ im Taschenbuch-Format beinhaltet. Ein Buch, das nur aus Platzgründen nicht schon als Hardcover ins Regal gewandert ist und mich aufgrund seiner Inhaltsbeschreibung ein bisschen an Pierre Boulles „Die Brücke am Kwai“ erinnert – dessen Verfilmung nebenbei zu meinen ewigen Leinwandfavoriten zählt. Da der südostasiatische Kriegsschauplatz eher seltener ein Thema ist, wenn es darum geht, den 2. Weltkrieg literarisch zu verarbeiten, stellt Flanagans Buch – das die Kritik übrigens sehr positiv aufgenommen hat – eine angenehme Abwechslung dar.

Trügerisches Licht“ von Patrícia Melo hat es noch nicht endgültig auf den Merkzettel geschafft und ist bei mir mit einem dicken „Vielleicht“ versehen. „Leichendieb“ hat mir gut gefallen, wenngleich ich die Lobeshymen der vielen Krimi-Kenner da so nicht ganz nachvollziehen kann. Vielleicht kann mich der neue Roman, der erneut bei Tropen erscheint, diesmal mehr überzeugen.

Auch wenn mir der Name Hugo Claus und sein Buch „Der Kummer von Belgien“ bisher so gar nichts gesagt haben – die Nominierung des inzwischen verstorbenen Autors für den Literaturnobelpreis kommt sicher nicht von ungefähr. Und auch wenn das Werk mit Günther Grass‘ „Die Blechtrommel“ verglichen wird – für mich eins der überschätzten Bücher der deutschen Nachkriegsliteratur – reizt mich die belgische Perspektive ungemein. Ein Titel aus dieser Vorschau, den ich mir ganz sicher zulegen und lesen werde.

Ob das auch für „Gangsterland“ von Tom Goldberg gilt, muss ich erst noch abwarten. Die Inhaltsbeschreibung lässt eine launige Mafia-Komödie im Stile von Bazells „Schneller als der Tod“ vermuten. Schauplatz die Stadt der Lichter und des Glücksspiels Las Vegas. Das kann launig und amüsant werden, aber wie immer, wenn der Krimi lustig sein will, besteht die Gefahr, dass es letztlich doch vor allem eins wird – nämlich seicht und schrecklich darum bemüht, witzig zu sein. Nur wenige Caper-Novels konnten mich bisher überzeugen. Mal schauen, ob Goldbergs Werk dazugehören wird.

Ist irgendetwas für euch dabei?

  • Richard Flanagan – Der schmale Pfad durchs Hinterland (Taschenbuch, Januar 2017 – Piper – 978-3492309998)
  • Inhalt: Preisgekrönt entfachte Richard Flanagans Roman weltweit einhellige Begeisterung: Sein Held ist Dorrigo Evans, ein begabter Chirurg, dem eine glänzende Zukunft bevorsteht. Als der Zweite Weltkrieg auch Australien erreicht, meldet er sich zum Militär. Doch der Krieg macht keine Unterschiede, und während Dorrigo in einem japanischen Gefangenenlager mit seinen Männern gegen Hunger, Cholera und die Grausamkeit des Lagerleiters kämpft, quält ihn die Erinnerung an die Liebe zu der Frau seines Onkels. Bis er einen Brief erhält, der seinem Leben eine endgültige Wendung gibt.
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(c) Piper

  • Patrícia Melo – Trügerisches Licht (Broschiert, Juli 2016 – Tropen – 978-3608502152)
  • Inhalt: Sensationslust folgt überall den gleichen Regeln: Schön ist interessanter als hässlich, reich spannender als arm, und nichts geht über einen ermordeten Star. Ein abgründiger Krimi über den Kontrast zwischen glamouröser Fernsehwelt und einem Brasilien, das im Chaos versinkt.
    Tatort São Paulo: Bei einer Theatervorstellung erschießt sich der Serienstar Fábbio Cássio auf der Bühne. Schnell ist der Kriminaltechnikerin Azucena klar, dass dieser Selbstmord in Wahrheit ein geschickt inszenierter Mord ist. Zunächst fällt ihr Verdacht auf die Ehefrau des Toten, die zur Tatzeit Kandidatin einer Reality-Show ist und deren Beliebtheitswerte beim Publikum nach Fábbios Tod in die Höhe schnellen. Und während Azucena noch um das Sorgerecht für ihre Töchter kämpft, wird sie mit einem skrupellosen Mörder konfrontiert, der es am Schluss auf die Ermittlerin selbst abgesehen hat.
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(c) Tropen

  • Hugo Claus – Der Kummer von Belgien (Hardcover, August 2016 – Klett Cotta – 978-3608960372)
  • Inhalt: Der kleine, rotzfreche Louis Seynaves ist zunächst hingerissen vom Einmarsch deutscher SS-Verbände in sein flämisches Heimatstädtchen Walle, das alsbald zum Spiegel der großen Welt wird. Spielerisch, humorvoll und mitreißend fügt Hugo Claus in seinem Meisterwerk Hunderte von Episoden zu einem epochalen Roman zusammen, der zum Kanon der Weltliteratur gezählt wird.
    Belgien ist zur Zeit des Zweiten Weltkriegs weniger ein Land denn ein Zustand, in dem sich auch der kleine Louis wiederfindet. Mit drei Mitschülern hat er einen Geheimbund geschlossen, in dem sie verbotene Bücher lesen, bis ihn seine Mutter nach dem deutschen Überfall auf Polen aus dem Internat nach Hause holt. Sein Zuhause, das sind die Gassen um den Grote Markt, die schummrigen Winkel in der väterlichen Druckerei und vor allem der Familientratsch am Küchentisch. Jede kleine Denunziation, jede opportunistische Versuchung, sich mit den ‚Germanen‘ gegen die Wallonen zu verbünden, jede Episode dieser spannenden Jahre erlebt Louis hautnah mit – wie einen Weltalltag, der sich in diesem Stück Weltliteratur spiegelt.
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(c) Klett-Cotta

  • Tod Goldberg – Gangsterland (Broschiert, September 2016 – C. Bertelsmann – 978-3570103005)
  • Inhalt: Mafia-Killer Sal Cupertine hat es vermasselt. Durch Verquickung unglücklicher Umstände hat er in Chicago drei FBI-Beamte getötet – ein böser Fehler. Statt dafür von seinem Boss selbst ins Jenseits befördert zu werden, landet er nach diversen Gesichtsoperationen und entsprechendem Intensivstudium als Rabbi David Cohen in einer jüdischen Gemeinde in Las Vegas. Aber auch dort hat die Mafia ihre Finger im Spiel. Bald geht Rabbi Cohen nicht nur wieder seinem alten Gewerbe nach, sondern entdeckt weitere lukrative Betätigungsfelder, die sich mit der Rolle als Seelsorger aufs Beste vereinen lassen.
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(c) C. Bertelsmann

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10 Gedanken zu “+++ Der Vorschau-Ticker – Winter/Frühjahr 2016/2017 – Teil 4 +++

  1. „Leichendieb“ ist so ein will-ich-schon-lange-mal-lesen-Titel, bei dem ich mir immer,wenn ich ihn sehe, denke: „Ach, den schieb‘ ich irgendwann mal ein, der ist ja superdünn.“ Vielleicht nutze ich jetzt die Chance und steige einfach mit dem neuen Buch von ihr ein.

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    • Da wäre ich dann mal auf Dein Urteil gespannt. Mir ist es jetzt nicht nachhaltig in Erinnerung geblieben, wobei ich allerdings öfters auch meine Probleme mit lateinamerikanischen Krimis habe. Irgendwie fällt mir der Zugang schwerer, wobei ich jetzt nicht sagen könnte, woran das genau liegt. Ausnahmen wie Guillermo Orsi oder Raul Argemi sind eher … ja, Ausnahmen. 😉

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  2. Ein neues Buch von Patrícia Melo, das klingt interessant. Mir geht es nämlich wie Dir, „Leichendieb“ hatte sich gut gelesen, Grund zur Euphorie bestand bei mir aber nicht. Daher würde ich mit einem zweiten Titel gern auf den Prüfstand gehen. 😉

    „Gangsterland“ ist mir auch schon aufgefallen, deine Skepsis kann ich verstehen, ich bin gespannt, werde das Buch sicher lesen.

    PS: „Schneller als der Tod“ fand ich seinerzeit großartig! 🙂

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    • PS: Mir hat Bazells Erstling auch sehr gut gefallen, was u.a. auch daran lag, dass ich es als Leseexemplar bekommen und überhaupt keine großen Erwartungen hatte. Spätestens als der als Arzt verkleidete Killer einer Frau mit amputierten Bein anbot, mit ihr den „Flamingo“ zu tun, war es aber um mich geschehen. 🙂 Herrlich zynisch-schwarzer Humor, gepaart mit mafiöser Coolness. Allein das Ende hat dem Buch dann ein paar Punkte gekostet. Dieser Ausflug in die Ernsthaftigkeit empfand ich als Stilbruch. Und er war für die Handlung letztlich auch irgendwie unnötig.

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  3. Mh, Melo wird wohl eher nicht auf meiner Leseliste landen. „Leichendieb“ kam bei mir nämlich auch nur mittelmäßig an. Klar, eine zweite Chance hat jeder verdient, aber es wird dieses Jahr einfach noch zu viele Bücher geben, die mich brennend interessieren, da ist für ein „Vielleicht“ einfach kein Platz mehr. Man hat ja nur ein Leseleben. Umso gespannter bin ich aber, wenn sich ein anderer Blogger ihr neues Buch vornimmt. Und Flanagan wird wohl auch bei mir mit „Die unbekannte Terroristin“ ins Regal einziehen.

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  4. Ach, wie beruhigend zu lesen, dass nicht nur ich „Leichendieb“ nicht so gut fand. Als ich es damals gelesen habe, fand ich nur Lob zu dem Buch. Und konnte das nicht nachvollziehen. 🙂

    Von deiner Vormerkliste spricht mich GANGSTERLAND sofort an. Aber ich bin manchmal auch leicht käuflich, wenn es um Bücher geht, die sich mit Auftragskiller, Mafia oder „Gangster“ im Buchtitel schmücken. 🙂 Das kommt sofort auf meine Liste!

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