+++ Der Vorschau-Ticker – Sommer/Herbst 2016 – Teil 11 +++

Verkaterte Gestalten schieben lustlos ihren Besen über die Straße. Mit Schwarzpulver bestäubte Hände klauben zerrissene Böller aus dem Rinnstein. Und selbst die sonst im Fensterrahmen verankerte Nachbarin ist heute mal nicht zu sehen. Keine Frage – Silvester ist rum. Und das neue Jahr beginnt nicht anders als die Jahre zuvor begonnen haben, wenngleich man sich trotzdem natürlich erhofft, dass diesmal irgendwie alles besser wird.

Zumindest für uns Leseratten zeichnet sich da zumindest einiges ab, was dem (meines Erachtens) hohen Niveau der Neuerscheinungen im vergangenen Jahr durchaus Paroli bieten kann. Insbesondere der Polar Verlag weckt da Begehrlichkeiten. Gleich alle vier Titel des kommenden Frühjahrsprogramms tönen durchweg interessant. Und manch einer, wie der abschließende Dewey-Band (die ersten beiden sind in der inzwischen schon wieder eingestellten Penser-Pulp-Reihe bei Diaphanes erschienen), wird sogar von manchem heiß erwartet.

Persönlich freue ich mich besonders auf Banks und Bruen, die für knallharte, rotzig-freche Spannungsliteratur ganz nach meinem Gusto stehen. Und mit der Bezeichnung „British Noir“ kriegt man mich ohnehin immer schnell um den Finger gewickelt.

Aber auch „Der Mann mit der Bombe“ macht neugierig. Die Thematik klingt ein wenig nach Manotti-light. Lassen wir uns überraschen.

Welcher Titel wandert in euer Regal?

  • Ray Banks – Saturday’s Child (Januar 2016 – Polar Verlag – 978-3945133255)
  • Inhalt : Cal Innes, eben noch im Gefängnis, versucht sich auf freiem Fuß als Privatermittler ohne Lizenz. Einer seiner ersten Klienten ist ausgerechnet der lokale „Gang-Lord“ Tiernan, der ihn bittet, einen abtrünnigen Rogue-Casino-Dealer aufzuspüren, nachdem dieser mit einem Batzen Geld durchgebrannt ist. Was Innes ein Katz-und-Maus-Spiel mit Tiernans psychotischem, Pillen fressenden Sohn Mo einbringt, der sich ihm an die Fersen heftet, als Innes‘ Nachforschungen ihn von Manchester nach Newcastle führen. Mit Callum Innes, Maurice Tiernan und Mo sind Ray Banks Charaktere gelungen, die in der besten Tradition des British Noir stehen. In einer Welt voller Sozialwohnungen, Pubs und schmuddeliger Casinos, wo jeder nur darauf aus ist, sich über Wasser zu halten. Das spannungsgeladene erste Buch der vierteiligen Reihe um den heruntergekommenen Privatermitt­ler Cal Innes.
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(c) Polar

  • Christian Roux – Der Mann mit der Bombe (März 2016 – Polar Verlag – 978-3945133217)
  • Inhalt : „Der Mann mit der Bombe“ spielt auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise in Frankreich. Es grassiert die Arbeitslosigkeit und auch Tontechniker Larry, Mitte Vierzig, verliert seine Stellung. Nach unzähligen Vorstellungsgesprächen, teils für bloße Aushilfstätigkeiten, zeichnet sich immer deutlicher ab, dass er auf dem Arbeitsmarkt keine Chance hat. Die Armut trifft nicht nur ihn selbst hart, sondern auch seine Frau Sophie und seine zehnjährige Tochter. Die aussichtlose Lage treibt Larry dazu, eine Bombenattrappe zu bau­en und sie in seinem vorerst letzten Vorstellungsgespräch zu testen, mit durchschlagender Wirkung. So beschließt er, mit Hilfe seiner Bombe eine Bank zu überfallen. Dumm nur, dass die Bank in eben diesem Moment von einer jungen Frau und ihren Komplizen überfallen wird. Die Sache endet blutig, Larry wird zur Geisel. Aber er dreht den Spieß um und nimmt mit Hilfe seiner falschen Bombe seinerseits die junge Frau als Geisel.
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(c) Polar

  • Ken Bruen – Füchsin (April 2016 – Polar Verlag – 978-3945133316)
  • Inhalt : Angie, kaltschnäuzig und herzlos, manipuliert sie Männer wie Frauen, um sie für ihre Pläne einzusetzen. Auch wenn die erste Bombe im Paradise Cinema nicht explodiert, hält sie die Southeast London Police Squad um Inspector Brand mit weiteren Bombenankündigungen und Erpressungen in Atem. Als sinnlichste, verrückteste Serienmörderin überhaupt terrorisiert sie die Straßen Londons. Ist unberechenbar, wild, wütend. Ganz wie Inspector Brand, der für seine knochenbrecherischen Methoden berüchtigt ist und sich wenig um politische Korrektheit schert. So entwickelt sich ein Drama voller schwarzem Humor. Bruen spinnt eine schnelle, scharf geschliffene Geschichte voller respektloser Schurken auf beiden Seiten des Gesetzes.
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(c) Polar

  • Nathan Larson – Zero One Dewey (Juni 2016 – Polar Verlag – 978-3945133330)
  • Inhalt : New York nach 2/14, den Börsencrashs, den Bombenanschlägen, der Super-Flu-Epidemie, dem fast völligen Zusammenbruch. Dewey Decimal bewegt sich zwischen Ruinen. Menschlichen und solchen aus Stein. Ein Mann ohne Zukunft und Vergangenheit. Er ist aus der Zeit gefallen und hat überlebt. Einfach so weitermachen wie bisher oder sich der Erinnerung stellen? Die Frage treibt Decimal im letzten Teil der Trilogie um einen in sich Wütenden, einen Verlorenen an, der zynisch einem korrupten evangelikalen Senator bei dessen Machenschaften hilft. Larson zeichnet ein zukunftspessimistisches Szenario von New York nach der Katastrophe am Valentinstag. Dewey wird beauftragt, die Aktivitäten einer wachsenden Gruppe von Anarchisten und Hausbesetzern zu stören und gleichzeitig die Mitglieder des saudischen Königshauses zu beschützen. In einer Stadt, in der marodierende Gangs die Straßen kontrollieren.
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(c) Polar

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